Erschienen: Hexensabbat – Der neue Horrorroman von Carl Denning

Carl Denning ist immer eine gute Adresse, wenn es um das Thema Gruseln geht. Seine Romane (erscheinen bisher nur als eBook) sind nicht nur spannend von der ersten bis zur letzten Seite, sondern sorgen auch für jede Menge Gänsehaut. Nicht anders verhält es sich mit seinem neuesten Streich „Hexensabbat“.

Bei den älteren Bewohnern der kleinen Küstenstadt Leonardtown löst der Name Moll Dyer noch immer Furcht und Schrecken aus. Und das, obwohl sie seit fast 400 Jahren tot ist. Der Legende nach soll Moll Dyer eine Hexe gewesen und Ursache für eine Anzahl sonderbarer Todesfälle gewesen sein.

Laura und ihre Freunde stehen kurz vor ihrem Highschool-Abschluss. Als sie eines Tages von der unheimlichen Legende hören, bringt sie das auf eine spontane Idee: sie wollen mit Moll Dyer bei einer Seance Kontakt aufnehmen. Zunächst tut sich nichts. Doch dann leidet Lauras Freundin Jennifer plötzlich unter einer unerklärlichen Krankheit. Kurz darauf wird ein Mann tot in seinem Auto gefunden. Unzählige Raben suchen die Stadt heim. Doch es kommt noch schlimmer. Viel schlimmer …

Nach drei Romanen um Chiefinpector Susan Gant („Monster“, „Boten des Schreckens“ und „Menschenfresser“), die es mit unheimlichen Fällen in der Nähe von Quebec zu tun hat und die sich auf Anhieb in die Herzen vieler Leser katapultiert hat, ist „Hexensabbat“ nun ein Roman ohne Gant. Dies macht den neuen Roman von Carl Denning allerdings keineswegs weniger spannend. „Hexensabbat“ zieht den Leser gleich von der ersten Zeile in seinen Bann. Denn die Geschichte beginnt praktisch mitten im Geschehen, als Laura und ihre Freunde ein altes, halb zerfallenes Haus aufsuchen, um darin eine Seance abzuhalten.

Was zunächst wie ein obskurer Spaß erscheint, erhält jedoch schnell einen unheimlichen Charakter, als es Jennifer kurz darauf von Mal zu Mal schlechter geht. Alles weist zunächst auf eine Grippe hin, doch werden die Symptome immer seltsamer und auch schlimmer. Nebenher ereignen sich weitere sonderbare Zwischenfälle, welche die örtliche Polizei vor ein Rätsel stellen. So wird z. B. ein Auto am Strand gefunden, das von der Klippe gestürzt ist und dessen Fahrer keine Augen mehr hat.

Wenn man behauptet, die Handlung rast voran, dann ist das keineswegs übertrieben. Hinzu kommt, dass Carl Denning wie immer die Fähigkeit besitzt, dabei keineswegs oberflächlich zu bleiben. Er gibt den jeweiligen Figuren eine komplexe Tiefe, wodurch eine solche Lebendigkeit entsteht, dass man glaubt, selbst mitten im Geschehen zu sein. All das macht „Hexensabbat“ zu einem echten Gruselerlebnis und steht Dennings übrigen Romanen in nichts nach. Zum Schluss bleibt nur zu hoffen, dass der Autor recht schnell einen neuen Horrorthriller schreibt. Denn seine Romane machen regelrecht süchtig.

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Die Klunkerecke: Die Totenliste (1963)

John Hustons Mystery-Thriller „Die Totenliste“ aus dem Jahr 1963 ist ein Who’s-done-it im doppelten Sinn. Zum einen ist „The List of Adrian Messenger“ ein recht origineller und spannender Krimi, zum anderen ein vergnügliches Ratespiel für die Zuschauer.

Huston kam nämlich auf die Idee, seinen Film voll mit Hollywoodstars zu packen und im wahrsten Sinne des Wortes zu verpacken. Denn Frank Sinatra, Burt Lancaster, Robert Mitchum, Kirk Douglas und Tony Curtis agieren nicht als für alle erkennbare Darsteller, sondern tragen dicke Latexmasken, was dazu führt, dass man neben dem Miträtseln im Hinblick auf den Kriminalfall zugleich ständig am überlegen ist, wer sich hinter welcher Maske verbirgt.

Anthony Gathryn (George C. Scott) versucht, hinter das Geheimnis zu kommen. „Die Totenliste“ (1963); © Universal Pictures

In dem Film geht es um eine sonderbare Mordserie. Alle Opfer stehen auf einer Liste, doch sonst scheinen sie nichts miteinander zu tun zu haben. Dem Schriftsteller Adrian Messenger ist diese Liste in die Hände gefallen und er bittet seinen Freund, den ehemaligen Agenten Anthony Gathryn, zu ergründen, um was für Personen es sich auf dieser Liste handelt. Kurz darauf aber stirbt Messenger bei einem Flugzeugabsturz. Gathryn geht dem Fall nach und kommt dabei tatsächlich auf eine sonderbare Spur …

Wer verbirgt sich hinter dieser Maske? „Die Totenliste“ (1963); © Universal Pictures

„Die Totenliste“ ist ein wahres Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer. Denn auch der Mörder ist nicht nur maskiert, sondern erscheint immer wieder in anderen Masken. Aber wer ist nun dieser Mörder und wieso bringt er ausgerechnet diese Leute auf der Liste um? Gathryn bekommt nach und nach heraus, dass auch die Opfer keineswegs ohne dunkles Geheimnis sind. Man muss wirklich sagen, „Die Totenliste“ ist ein absolut außergewöhnlicher Film. Anscheinend war er nicht so erfolgreich in den Kinos, wie man sich aufgrund des Staraufgebots erhofft hatte – den drei Millionen Dollar Produktionskosten standen Einnahmen von knapp zwei Millionen gegenüber. Doch heute zählt das American Film Institute „Die Totenliste“ zu den zehn besten Mystery-Krimis, die jemals gedreht wurden.

Erst am Ende des Films übrigens wird nicht nur das Rätsel gelöst, sondern ziehen die Schauspieler auch ihre Masken ab. Ein wirklich gelungener Filmspaß.

Die Totenliste (OT: The List of Adrian Messenger). Regie: John Huston, Drehbuch: Anthony Veiller, Produktion: Edward Lewis, Darsteller: Kirk Douglas, George C. Scott, Robert Mitchum, Tony Curtis, Frank Sinatra, Dana Wynter, Burt Lancaster. USA 1963, 98 Min.

Das Skelett am Straßenrand – Ein ehemaliger Kriminaltechniker erzählt

Der Autor Udo Brill arbeitete lange Jahre als Kriminaltechniker in Thüringen. Unter anderem leitete er auch Lehrgänge über Kriminaltechnik in Peru. Im Verlag Kirchschlager, der sich auf Kriminalgeschichte, Kriminalistik und Kriminologie spezialisiert hat, erschien nun sein Buch „Das Skelett am Straßenrand“, in dem er über diverse Fälle schreibt, an deren Aufklärung er mitgewirkt hat.

Dabei geht es um Mord, Suizid, Brandstiftung, aber auch um Fälle, bei denen zunächst nicht klar ist, ob es sich um Mord oder um einen natürlichen Tod handelt. Udo Brill gelingt es dabei, seine Erinnerungen mit einer solchen Lebendigkeit zu schildern, dass man als Leser meint, direkt am Tatort dabei zu sein. Wie nebenbei erfährt man zugleich einiges über den Berufsalltag eines Kriminaltechnikers, was die Schilderungen zusätzlich spannend und interessant macht.

Dabei wird klar, dass man als Kriminaltechniker so einiges aushalten muss, um den Beruf ausüben zu können. Udo Brill konfrontiert den Leser mit teils grauenvollen, teils tragischen Fällen, die es in sich haben. Tragisch zum Beispiel dann, wenn eine Mutter mit der Erziehung ihrer Kinder völlig überfordert ist, grauenvoll, wenn Udo Brill in drei Zentimeter hoher Fäulnisflüssigkeit steht. Ein Fall, bei dem es um die Jagd auf einen russischen Soldaten auf der Flucht geht, liest sich wie ein nervenaufreibender Thriller.

Insgesamt 30 Fälle beinhaltet das Buch, in denen sich Udo Brill nicht nur als hervorragender Kriminalist, sondern auch als hervorragender Autor erweist. Ein Buch also, das zu lesen sich mehr als nur lohnt.

Udo Brill. Das Skelett am Straßenrand. Mord- und Kriminalfälle in Eisenach und dem Wartburgkreis. Verlag Kirchschlager 2019, 180 Seiten, 10,95 Euro

The 80s: Das fliegende Auge (1982)

Szene aus „Das fliegende Auge“ (USA 1982); © Sony Pictures/Columbia Pictures

Die Frage lautet, welcher Film aus den 80er Jahren denn kein Klassiker ist? Einen Film aus diesem Jahrzehnt zu finden, der nicht auf irgendeine Weise prägend gewesen wäre, ist fast unmöglich. Egal ob Mainstream, Arthouse oder Trash, die 80er Jahre beeinflussen bis heute die Art und Weise und den Stil des Filmemachens.

Hierbei natürlich auch das Actiongenre. 1982 drehte John Badham den Thriller „Das fliegende Auge“, dessen Titel im Original „Blue Thunder“ lautet, und landete damit einen Riesenerfolg. Das Drehbuch stammte von Dan O’Bannon, der unter anderem auch das Drehbuch für den SF-Klassiker „Alien“ verfasst hat. In der Hauptrolle brilliert Roy Scheider, der durch Spielbergs „Der weisse Hai“ einen deutlichen Karriereschub erfuhr.

Gleich zu Anfang wird erwähnt, dass alle technischen Aspekte, die in dem Film vorkommen, tatsächlich existieren. Und dennoch wirkte die Thematik damals noch wie Science Fiction – jedenfalls für mich, als ich den Film damals gesehen hab. Heute dagagen wirkt der Film auf berunruhigende Weise real, da sich immer mehr Staaten in Überwachungsstaaten transformieren.

Kinoplakat von „Das fliegende Auge“

Und da wären wir auch schon mitten in der Handlung. Es geht nämlich um den Polizisten Frank Murphy, der als Helikopterpilot die Straßen Los Angeles‘ von oben überwacht. Eines Tages erhält die Polizeizentrale einen neuen Helikopter, den sie testen soll. Die Maschine besitzt nicht nur hochempfindliche Mikrophone, um Gespräche abzuhören, sondern kann auch mithilfe von Spezialkameras durch Wände filmen. Und: der Helikopter ist mit mehreren Waffen ausgestattet.

Murphy kommt bei einem dieser Probeflüge einer Staatsverschwörung namens „Thor“ auf die Spur. Im spanischen Viertel von Los Angeles soll eine Revolte angezettelt werden, um den Helikopter als Probeversuch einsetzen zu können …

Um es gleich zu sagen: „Das fliegende Auge“ ist unglaublich spannend inszeniert. Das erste Viertel des Films zeigt Murphy bei seinem Arbeitsalltag, während er über die Stadt hinwegfliegt und dabei seinen Kollegen bei der Verbrecherjagd hilft. Schon allein diese Szenen sind genial gefilmt und besitzen eine überaus dichte Atmosphäre.

Als dann auch noch der neue Helikopter Blue Thunder ins Spiel kommt, entwickelt sich der Film zu einem echten Actionhighlight. Etwas mehr als 20 Minuten dauert dann auch der packende Showdown, in dem Murphy mit Blue Thunder zwischen den Hochhäusern herumsaust, während er von zwei Kampfjets verfolgt wird.

Wie bereits erwähnt, sind die Action und die Spannung hochgradig gut inszeniert. Nicht weniger großartig ist die eingewebte Kritik an der Überwachungstechnik und das rücksichtslose Vorgehen seitens der Politik (heute müsste man diverse Konzerne hinzuzählen), diese auf eine Weise einzusetzen, um damit auch unbescholtene Bürger zu kontrollieren. Wie oben bereits erwähnt, ist speziell dieser Aspekt des Films heute noch aktueller als damals und sorgt dabei für ein ungutes Gefühl. Denn das, was damals noch eher wie ein düsterer Blick in eine noch düsterere Zukunft gewirkt hat, ist heute düstere Realität.

Das fliegende Auge (OT: Blue Thunder). Regie: John Badham, Drehbuch: Dan O’Bannon, Don Jakoby, Produktion: Gordon Carroll, Darsteller: Roy Scheider, Warren Oates, Candy Clark, Daniel Stern, Malcom McDowell. USA 1982, 105 Min.

Die Nebelkrähe – Auf Spurensuche im London der 20er Jahre

Nach seinem erfolgreichen Debut „Sieben Lichter“, in dem es um einen recht sonderbaren Kriminalfall auf hoher See geht, erscheint mit „Die Nebelkrähe“ nun der zweite Roman von Alexander Pechmann.

Es geht um den jungen Kriegsveteranen und Mathematikstudenten Peter Vane, der von einer sonderbaren Stimme heimgesucht wird, die ihm immer wieder den Namen Liliy zuflüstert. Seit dem spurlosen Verschwinden seines Kameraden Finley, lässt Vane eine Sache nicht mehr los: Wer ist das junge Mädchen auf dem Foto, das ihm Finley geschenkt hat? Vane, der nicht an das Übernatürliche glaubt, begibt sich auf der Suche nach Antworten in sonderbare spirtitistische Kreise …

Wer bereits „Sieben Lichter“ verschlungen hat, der wird bei „Die Nebelkrähe“ noch mehr begeistert sein. Dies liegt nicht nur an dem wunderbaren Schreibstil, sondern auch an der Geschichte selbst, die mysteriös, spannend und zugleich mit einem herrlichen Witz garniert ist. Sofort zieht einem die Geschichte um Peter Vane in den Bann. Unvermittelt gerät er an Personen, die alle irgendetwas mit Oscar Wilde zu tun haben. Doch sind es Betrüger? Halten Vane alle zum Narren? Oder ist alles echt, was er erlebt?

Der Roman lässt den Leser miträtseln, was den Unterhaltungswert von „Die Nebelkrähe“ noch zusätzlich steigert. Hinzu kommt, dass es alle Personen, die in dem Roman auftreten, tatsächlich gelebt haben. Angefangen von Dorothy Wilde bis hin zu einer Opium süchtigen Prinzessin – und nicht zu vergessen den außergewöhnlichen Papagei. All das macht den neuen Roman von Alexander Pechmann zu einem echten Lesevergnügen. Kurz: Eine gelungene Mischung aus Mystery, Krimi und historischem Roman.

Alexander Pechmann: Die Nebelkrähe. Steidl Verlag 2019, 173 Seiten, 18,00 Euro

 

Monteperdido – Ein Roman oder doch eher ein Drehbuch?

„Monteperdido“ lautet der Debutroman des spanischen Drehbuchautors Augustin Martinez. Und dass Martinez Drehbuchautor ist, merkt man seinem Erstling an. Denn ständig „schneidet“ er zwischen unterschiedlichen Szenen hin und her, was wirkt, als habe er ein abgelehntes Drehbuch in einen Roman umgemünzt.

In „Monteperdido“ geht es um zwei verschwundene Mädchen. Nach fünf Jahren wird eines davon schwer verletzt aus einem Autowrack geborgen. Wer der Fahrer war, bleibt zunächst unklar. Und wo sich das andere Mädchen befindet, darauf gibt es ebenfalls keine Antwort. Kommissarin Sara Campos erhält daher den Auftrag, der Dorfpolizei unter die Arme zu greifen, um den rätselhaften Fall zu lösen.

Das Problem an „Monteperdido“ ist oben bereits angesprochen: der drehbuchartige Stil des Romans. Dieser führt dazu, dass man immer wieder aus der Geschichte geschleudert wird, da plötzlich ein harter Schnitt zu einer völlig anderen Szene führt. Im Film mag dies gut funktionieren, als Roman jedoch eben nicht. Denn auf diese Weise bleibt man vor den Ereignissen stehen und wird nicht in die Handlung hineingezogen.

Zwar ist der Roman durchaus spannend, aber Krimi-Fans werden schon allzu früh herausbekommen, wer der Täter ist. Da nutzt Martinez‘ Versuch auch nichts, allerhand Verdächtige zu präsentieren, die es dann sowieso nicht gewesen sind. Dass man den Roman auch wirklich zu ende liest, hängt dann auch eher damit zusammen, dass man wissen möchte, was mit den beiden Mädchen nun eigentlich passiert ist und weniger damit, wer nun der Täter ist.

Mit „Monteperdido“ erfindet Augustin Martinez das Krimigenre keineswegs neu – nur für den Fall, dass er dies mit seinem Schreibstil vorgehabt hat. Die Figur Sara Campos wirkt dabei wenig durchdacht, was dazu führt, dass Martinez ungefähr in der Mitte des Romans etwas zu viele Seiten braucht, um die Figur wieder dorthin zu bekommen, wo er sie eigentlich haben möchte. Möglich, dass Martinez gute Drehbücher schreibt. Nach dem Lesen des Buches bleibt allerdings nicht viel hängen.

Augustin Martinez. Monteperdido – Das Dorf der verschwundenen Mädchen. Fischer Verlag 2018, 495 Seiten, 10,99 Euro

Horror de Luxe: Apartment 1303 (2007)

Mariko (Noriko Nakagoshi) hat einen unliebsamen Mitbewohner (Apartment 1303; © MonteCristo International)

Wie wurde nicht über diesen Film hergezogen. Dass er amateurhaft sei, dass die Schauspieler schlecht seien und so weiter und so fort. Dementsprechend skeptisch ging ich an „Apartment 1303“ heran – und war überrascht, was für ein hervorragender Film dies doch ist.

„Apartment 1303“ stammt aus der Endphase von J-Horror, sprich aus dem Jahr 2007. Natürlich existiert J-Horror weiterhin, doch ist die Glanzzeit dieses Genres, das 1998 mit „Ring“ begann, vorbei – ab 2007 dümpelte J-Horror dann auch eher vor sich hin, anstatt weitere Meisterwerke zu liefern. Wie man es sich bei dem Titel denken kann, geht es um eine unheimliche Wohnung in einem Bau namens Blue Palace. Immer wieder haben dort junge Frauen Selbstmord begangen. Als auch Marikos Schwester sich aus unerklärlichen Gründen das Leben genommen hat, versucht sie, hinter das Geheimnis der Wohnung zu kommen.

Originalolakat von „Aparment 1303“

Der Film fasziniert von Anfang an durch seine unglaublich gute Optik. Regisseur Ataru Oikawa hat bereits in „Tomie“ (1999) gezeigt, dass ihm in Sachen Bildkomposition nicht jeder die Hand reichen kann, und genau diese Kunstfertigkeit setzt er in „Apartment 1303“ fort. Elegante Kamerafahrten, sorgfältige Einstellungen, eine wundervolle Farbgebung und nicht zuletzt ein erstklassiger Sound sorgen dafür, dass einen der Film vollkommen in seinen Bann schlägt.

Dabei kommt die Handlung unglaublich düster daher. Die Hintergrundgeschichte besitzt einerseits eine tiefe Tragik, andererseits nimmt sie Aspekte urbaner Legenden für sich in Anspruch. Die Kombination aus beidem macht die Geschichte überaus interessant. Besonders deshalb, da es Oikawa in „Apartment 1303“ um eine vehemente Gesellschaftskritik geht. Er zeigt zerstörte Familien, alkoholkranke Mütter, Misshandlung von Kindern. Alles in allem also harter Tobak, besonders für eine Gesellschaft, in der letzt genannter Punkt immer wieder unter den Teppich gekehrt wird.

Mariko (Noriko Nakagoshi) vor dem Blue Palace; (Apartment 1303; © MonteCristo Inernational)

Aus all dem schafft Oikawa ein kleines optisches Meisterwerk, in dem er auch eine leise, aber witzige Liebesgeschichte miteinwebt. Gut, bei einer Szene, in der Studenten von einer Geisterfrau heimgesucht werden, kratzt Oikawa etwas arg am Trash. Doch stört dieses kleine Zwischenspiel kaum. Anscheinend war den Produzenten der Film zu ruhig, sodass sie Oikawa drängten, ein bisschen mehr Hektik in das Ganze zu bringen.

Nein, die negativen Kritiken kann ich kein bisschen nachvollziehen. „Apartment 1303“ ist ein schöner Geisterfilm, der am Ende sogar klassische Züge annimmt, was einem noch mehr für diesen Film einnimmt. Wer sich diesen Film ansehen möchte, sollte dies übrigens im japanischen Original tun, da die deutsche Synchro den Schauspielern nicht wirklich gerecht wird. – Eine kleine, aber feine Perle des japanischen Horrorfilms.

2012 drehte übrigens Michael Taverna das gleichnamige Remake, landete damit aber nicht nur einen Flop, sondern wurde von negativen Kritiken nur so überhäuft.

Aparment 1303. Regie u. Drehbuch: Ataru Oikawa, Produktion: Chiaki Harada, Darsteller: Eriko Hatsune, Yuka Itaya, Noriko Nakagoshi, Naoko Otani, Arata Furuta. Japan 2007, 91 Min.