Erschienen: „Unheil“ von Carl Denning

Mit „Unheil“ legt der bekannte Horrorautor Carl Denning seinen elften Roman vor. Nach fünf Susan Gant-Romanen, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen (ein sechster Roman ist in Planung), handelt „Unheil“ von der Psychologiedozentin Natasha Wharton, deren Tochter vor vier Monaten spurlos verschwunden ist.

Natasha lebt in San Francisco. Ihr Ex-Freund Jo Doyle, ein ehemaliger Police Detective, wurde in einem Hotelzimmer brutal ermordet. Einen Tag zuvor hatte er versucht, sie zu kontaktieren. An der Wand des Hotelzimmers wurde ein sonderbares, mit Blut gezeichnetes Symbol hinterlassen. Natasha, die sich als Dozentin vor allem mit Sekten und Okkultismus befasst, soll der Polizei dabei helfen, die Bedeutung des Symbols aufzudecken, da alles wie ein Ritualmord wirkt. Aber Natasha hat noch einen anderen Grund, um auf eigene Faust zu ermitteln. Hatte Jo etwas über das Schicksal ihrer Tochter herausbekommen? Wieso hält die Polizei seit einem Jahr die Akten eines Falls unter Verschluss, bei dem eine Schülerin auf merkwürdige Weise ums Leben kam? Und was hat es mit den anderen grausamen Morden auf sich, die sich in San Francisco ereignen?

„Unheil“ ist ein sehr spannender und dichter Roman, den man sofort in einem Stück durchliest. In diesem Sinne steht er Dennings Susan Gant-Romanen in nichts nach. Denning kreiert eine recht düstere und beklemmende Atmosphäre, in der Natasha Wharton versucht herauszufinden, wieso Jo sie hatte treffen wollen. Davor hatten sie sich ein Jahr nicht mehr gesehen. Jo litt unter einem Trauma, das letztendlich zum Bruch der Beziehung führte. Ihre Suche nach Antworten führt sie mehr und mehr in einen regelrechten Albtraum.

Wie immer versteht es Denning tadellos, Spannung aufzubauen. Beinahe wie in einem Film entfaltet sich dabei die Handlung, wobei die Hauptfigur Natasha Wharton überaus lebendig und vielschichtig wirkt. Ja, man glaubt regelrecht, sie vor sich stehen zu sehen und erlebt daher den spannenden Verlauf der Geschichte intensiv mit. Das Großartige bei Dennings Romanen ist, wie es ihm stets gelingt, das Grauen in den Alltag einfließen zu lassen. Genau das gelingt ihm in seinem neuen Roman auf wunderbare Weise.

„Unheil“ gehört für mich zu Carl Dennings besten Romanen. Ein toller Horrorthriller, der einen regelrecht mitreißt. Nach „Dunkle Legende“ (dem fünften Susan Gant-Roman) ist „Unheil“ eine weitere Steigerung in seinem Schaffen. Ein tolles und packendes Lesevergnügen von der ersten bis zur letzten Seite.

Der rote Apfel – Psychothriller von Mi-Ae Seo

Lieber spät als nie, könnte man sagen. Mi-Ae Seos Roman „Der rote Apfel“ (Originaltitel lautet „The good Girl“) erschien in Südkorea bereits 2010. Zehn Jahre später kommt nun die deutsche Übersetzung – und man staune, nicht etwa aus dem Englischen, wie manche deutsche Verlage das gerne tun, sondern tatsächlich aus dem Koreanischen. Übersetzt wurde der Roman von Ki-Hyang Lee.

Die Autorin Mi-Ae Seo (geb. 1965) ist in Korea kein unbeschriebenes Blatt. Ihre Thriller landen stets auf den Bestsellerlisten. Genauso erfolgreich verfasst sie Drehbücher, wie z.B. zu der mehrfach ausgezeichneten Krimikomödie „Happy Killers“ (2010). Ihr erster in Deutschland veröffentlichter Roman handelt von der Kriminalpsychologin Sonkyong, die eines Tages einen sonderbaren Auftrag erhält. Der Serienkiller Lee Byong-Do, den die Todesstrafe erwartet, möchte ausgerechnet mit ihr über seine Straftaten reden. Die Polizei erhofft sich dadurch, weitere bisher ungeklärte Mordfälle lösen zu können.

Sonkyong, die Lee Byong-Do zuvor noch nie begegnet ist, willigt ein. Doch Lee Byong-Do verlangt von ihr, dass sie bei jedem Treffen einen großen Apfel mitbringen solle, sonst würde er nicht reden. Zugleich gerät Songkyongs Privatleben völlig durcheinander, da Hayong, die Tochter ihres Mannes, nach einem Brand zu ihnen zieht. Doch mit Hayong scheint etwas ganz und gar nicht zu stimmen.

Man kann den Roman mit zwei Wörtern sofort auf den Punkt bringen: extrem spannend. Mi-Ae Seo entwickelt in „Der rote Apfel“ eine solche Dichte, dass einem buchstäblich der Atem wegbleibt. Auch wenn der Verlauf der Handlung stellenweise vorhersehbar ist, so bleibt die Geschichte aufgrund der Figuren und ihres jeweiligen Verhaltens überaus aufreibend.

Gut, manchmal lässt sich Sonkyongs Verhalten nicht wirklich nachvollziehen. Als Kriminalpsychologin wirkt sie doch eher unerfahren und alles andere wie eine Expertin. Doch andererseits macht genau das die Spannung des Romans aus. Denn immer wieder ertappt man sich dabei, dass man über Sonkyong einfach nur den Kopf schüttelt. Sehr gut fädelt Mi-Ae Seo dabei das soziale Verhältnis zwischen Mann und Frau in den Roman ein, wobei sie hierbei auf ironische Weise veranschaulicht: trotz Emanzipation ist das Patriarchat keineswegs abgeschafft. Interessanterweise macht sich dies ausgerechnet im Privatleben Sonkyongs bemerkbar und nicht in ihrem Berufsleben, was zwischen den Zeilen durchaus satirische Züge aufweist.

Im Groben und Ganzen ist „Der rote Apfel“ ein echter Thriller-Genuss. Während koreanische Filme immer noch Hochsaison feiern, schaut es bei der Literatur leider mehr als nur mager aus. Eher tröpfchenweise werden koreanische Romane ins Deutsche übersetzt. Man kann nur hoffen, dass sich das bald ändern wird. Denn Mi-Ae Seos Roman zeigt, dass es hier noch viel zu entdecken gibt.

Mi-Ae Seo. Der rote Apfel. Heyne Verlag 2020, 12.99 Euro, 349 Seiten

FuBs Fundgrube: „Das Phantom des Alexander Wolf“ von Gaito Gasdanow

Gaito Gasdanow (1934)

Gut, den Roman „Das Phantom des Alexander Wolf“ gibt es auch noch immer im Buchhandel, doch haben wir unsere Ausgabe auf einem Bücherflohmarkt entdeckt. Aus diesem Grund haben wir den Beitrag darüber in unsere „Fundgrube“ gestellt.

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: was für ein toller Roman! Gaito Gasdanow erlebte leider seinen Erfolg nicht mehr. Fast völlig vergessen starb er 1971 in München (geboren wurde er 1903 in St. Petersburg). In Deutschland wurde Gasdanow erst 2012 durch die Übersetzung von Rosemarie Tietze bekannt – und das, obwohl er seine letzten Lebensjahre in München verbrachte.

Gaito Gasdanow könnte man irgendwo zwischen Leo Perutz und Robert Siodmak einordnen. Ja, der Vergleich verwirrt, immerhin war der eine Schriftsteller phantastischer Romane und Thriller, der andere Regisseur der bekanntesten Noir-Filme Hollywoods. Aber meiner Meinung nach trifft dieser Vergleich am ehesten zu. Denn „Das Phantom des Alexander Wolf“ ist sowohl geheimnisvoll und rätselhaft wie Perutz‘ einzigartige Romane und zugleich düster und kriminalistisch wie Robert Siodmaks Noir-Filme.

In dem 1947 erschienen Roman geht es um einen ehemaligen Weißgardisten, der in Russland während des Bürgerkriegs einen Reiter erschossen hat. Jahre nach seiner Flucht nach Paris gelangt in seine Hände der Erzählband eines gewissen Alexander Wolf, der in einer der Geschichten exakt das Erlebnis, das den Ich-Erzähler plagt, wiedergibt. Also begibt sich der Mann auf die Suche nach dem Autor und begegnet dabei der geheimnisvollen Jelena, die Alexander Wolf ebenfalls gekannt hat …

Cover der ersten deutschen Übersetzung im dtv-Verlag

„Das Phantom des Alexander Wolf“ ist ein überaus spannender und geheimnisvoller Roman, der, wie oben bereits erwähnt, wie ein Noir-Krimi gestaltet ist. Der namenlose Ich-Erzähler gerät durch sein Geheimnis, das schwer auf seinem Gewissen lastet, in ein noch rätselhafteres Beziehungsgeflecht, in dem es um Liebe und Hass und nicht weniger um die Frage geht, ob das Schicksal eines jeden Menschen vorherbestimmt oder alles bloß Zufall ist.

Auf seiner Suche nach dem mysteriösen Alexander Wolf begegnet der Ich-Erzähler Menschen, die alle etwas über diesen Mann wissen, doch niemand kann etwas Gutes über ihn erzählen. Auf diese Weise schleicht sich Alexander Wolf wie ein Phantom ist das Leben des ehemaligen Soldaten und lastet wie ein unheivoller Schatten auf allem, was der Ich-Erzähler unternimmt. Jelena kommt hierbei die Rolle der femme fatale zu, in dem sie mit ihrer Sinnlichkeit den Ich-Erzähler betört und ihn gleichzeitig in eine zunehmend unheilvolle Situation bringt.

„Das Phantom des Alexander Wolf“ habe ich an einem Tag durchgelesen. Gaito Gasdanow schreibt ungeheuer flüssig, sodass man regelrecht durch die Geschichte gleitet. Zugleich gelingt es ihm, die Spannung von Mal zu Mal zu erhöhen, sodass man nicht anders kann, als weiterzulesen, da man unbedingt wissen möchte, wie der Roman endet. Beim Lesen dachte ich ständig, wieso nie jemand diesen Roman verfilmt hat. Man müsste das Buch einfach in eine Filmrolle legen und fertig. Tatsächlich wurde der Roman in den 50er Jahren verfilmt, allerdings nicht fürs Kino, sondern fürs Fernsehen.

Beim Lesen musste ich ständig an die Filme Robert Siodmaks denken. Auf dieselbe Weise, wie Gasdanow seine geheimnisvolle Geschichte entfaltet, geht Siodmak in seinen Filmen vor. Ava Gardner hätte hervorragend in die Rolle der Jelena gepasst, Burt Lancaster in die Rolle des Weißgardisten.

Gaito Gasadnows süchtig machendes Können blieb leider zum großen Teil unbemerkt. Das lag daran, wie Rosemarie Tietze in ihrem Nachwort bemerkt, dass er seine Romane im französischen Exil nur auf Russisch schrieb und nicht z.B. auf Französisch oder Englisch, was dazu führte, dass seine Werke nie den Bekanntheistgrad erreichten, der ihnen eigentlich gebührt hätte. In Russland, seiner eigentlichen Heimat, wurden seine Romane erst Anfang der 1990er bekannt, in Deutschland, wie gesagt, erst 2012.

Gaito Gasdanow. Das Phantom des Alexander Wolf. DTV 2012, 191 Seiten

 

 

„Netzwerk“- Ein SF-Thriller von Robert Charles Wilson

Wenn man sich die Kritiken im Netz über „Netzwerk“ durchliest, so scheint es, dass Robert Charles Wilsons SF-Roman schlicht und ergreifend langweilig sei. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. „Netzwerk“ ist faszinierend und spannend von der ersten Seite an und noch dazu unglaublich gut geschrieben. Es geht um Adam Fisk, der eines Tages beschließt, sich einen teleodynmanischen Test zu unterziehen, um zu schauen, ob er mit seinen sozialen Eigenschaften einer bestimmten Affinität angehört. Diese Affinitäten sind soziale Gebilde, die aus Menschen mit übereinstimmenden Handlungsmustern bestehen.

Die Mitglieder einer Affinität unterstützen sich gegenseitig, was dazu führt, dass sie sich z.B. auch gegenseitig bei der Jobsuche helfen und sich gegenseitig finanziell absichern. Für Außenstehende besitzen diese neuartigen Gruppierungen daher eine Art Sektencharakter. Für einige Zeit läuft für Fisk alles gut. Doch nach und nach kommt die durch die Affinitäten geschaffene heile Welt ins Schwanken. Denn zwischen den Gruppen entsteht mehr und mehr ein Kampf um die Vorherrschaft.

Wie bereits erwähnt ist „Netzwerk“ von Anfang an faszinierend und spannend. Dies liegt daran, dass Wilson wie immer minutiös auf die sozialen Auswirkungen eingeht. Hier in diesem Fall beschreibt er eine Gesellschaft, die versucht, sich durch koordinierte Verhaltensmuster zu optimieren, um auf diese Weise Konflikte zu beseitigen und Wohlstand zu schaffen. Aber das Projekt ist durch Machtbesessenheit und Neid in Gefahr, was gerade die Aspekte auslöst, die man durch diese gesellschaftliche Innovation beseitigen wollte.

Wilsons Ideen erscheinen durchaus logisch und sind im Grunde genommen eine gedankliche Weiterentwicklung heutiger gesellschaftlicher Netzwerke. Auch das spezielle Merkmal, Leute radikal auszuschließen, die nicht zu einem Netzwerk gehören, berücksichtigt Wilson. Er veranschaulicht dies am Neid der Leute, die durch die Tests durchgefallen sind oder diesen Gruppen von Anfang an misstrauisch gegenüberstehen.

Nach seinem kongenialen Roman „Spin“ hat Wilson in der Tat ein paar Romane geschaffen, durch die man sich eher quälen musste. „Netzwerk“ jedoch zeigt den Autor wieder in Höchstform. Wer unter Science Fiction nur technische Innovationen und dergleichen versteht, wird sicherlich enttäuscht sein, denn darum geht es Wilson gar nicht. Was er mit „Netzwerk“ abgeliefert hat, ist eine spannende und faszinierende Mischung aus gesellschaftlicher Analyse und Thriller. Und innerhalb dieses Rahmens macht Wilson all das richtig, was Dave Eggers mit seinem Langweiler „The Circle“ falsch gemacht hat. Kurz: wirklich lesenswert.

Wenn es Nacht wird – Ein neuer Fall für Susan Gant

„Wenn es Nacht wird“ ist der vierte Roman mit Chefinspector Susan Gant. Und in Sachen Spannung steht er den vorangegangenen Horrorthrillern „Monster“, „Boten des Schreckens“ und „Menschenfresser“ in nichts nach.

„Wenn es Nacht wird“ beginnt in einer stürmischen Winternacht, in der ein Truckfahrer am Rand eines einsamen Highways die verstümmelte Leiche einer Frau findet. Der Zwischenfall ereignet sich in der Nähe von Nemaska, einem Ort weit im Norden Kanadas.  – Altamont, drei Jahre später. Eine Frau verschwindet spurlos. In derselben Nacht wird eine Studentin und ihr Freund in Wald brutal ermordet. Die Suchaktion liefert keinen Aufschluss über den Verbleib der Vermissten. Auch der Doppelmord gibt Susan Gant Rätsel auf. Der Mann wurde erstochen, die Studentin allerdings wurde wie von einer Bestie regelrecht zerfleischt. Hinzu kommt ein weiterer, rätselhafter Zwischenfall: auf dem Friedhof hat jemand versucht, drei Gräber zu öffnen.

Was haben die unheimlichen Ereignisse in Altamont mit der Toten in Nemaska zu tun? Susan Gant ermittelt auf Hochtouren. Sicher ist nur, dass sich die jeweiligen Zwischenfälle nachts ereignen. Doch bald steht Susan Gant dem Grauen selbst gegenüber …

„Wenn es Nacht wird“ verbindet erneut auf erstklassige Weise Krimi mit Horror. Wie immer bei den Romanen von Carl Denning rast die Handlung regelrecht voran, sodass man, selbst wenn man eigentlich schon schlafen gehen sollte, mit dem Lesen einfach nicht aufhören kann. Das führt dazu, dass man den Roman (immerhin ca. 320 Seiten) fast in einem Rutsch durchliest.

Es ist einfach wundervoll, wie Carl Denning die Handlung sich entwickeln lässt. Wie z.B. aus einem kleinen Zwischenfall nach und nach ein regelrechter Albtraum entsteht. Carl Denning ist in dieser Hinsicht geradezu ein Meister, einerseits subtil, andererseits mit voller Wucht lässt er das Grauen seinen unheimlichen Lauf nehmen. Aber der Roman lebt nicht allein von der Spannung und den unheimlichen Momenten, sondern ebenso von den überaus lebendigen Figuren, allen voran natürlich Susan Gant, die für mich zu den faszinierendsten Figuren überhaupt gehört. Kurz und knapp: ein toller Horrorroman, der Spannung mit einer interessanten Handlung verbindet. Einziger Wermutstropfen ist, dass es den Roman nur als eBook gibt. Gerne würde ich mal alle Susan Gant-Romane auch als Taschenbuch lesen. Dennoch ein echtes und vor allem spannendes Lesevergnügen.

Erschienen: „Kalter Hauch“ von Carl Denning

Nach dem überaus spannenden Horrorthriller „Hexensabbat“ zieht es den bekannten Horrorautor Carl Denning in seinem Roman „Kalter Hauch“ zu leisen, aber nich weniger intensiven Tönen. Den Roman hat der bekannte Horrorautor bereits vor sechs Jahren geschrieben. Nun liegt eine überarbeitete Ausgabe vor.

Es geht um den Bestsellerautor Jo Peterson, der sich auf einmal inmitten eines Albtraums befindet. Sein Literaturagent wurde brutal ermordet und seine Frau Laura erhält plötzlich genauso bizarre wie obszöne Briefe. Die Ermittlungen der Polizei führen rasch zu einem Verdächtigen: Jo selbst. Laura kann dies zunächst nicht glauben. Doch nach und nach kommt ihr Jos Verhalten immer unheimlicher vor. Ist Jo etwa ein Psychopath? Die Antwort ist weitaus entsetzlicher …

Wie alle anderen Romane Carl Dennings, so zieht auch „Kalter Hauch“ den Leser von Anfang an in seinen Bann. Das Grauen steigert sich dabei nach und nach. Dabei funktioniert der Roman auf zwei Ebenen: zum einen als eine Geschichte um eine bittere Ehekrise, zum anderen als ein düsterer, durchaus verstörender Mystery-Thriller. Die Figuren erscheinen dabei fast schon dreidimensional, mit einer solchen Lebendigkeit beschreibt sie Denning.

„Kalter Hauch“ ist ein Roman, wie er nicht besser in die dunkle Jahreszeit passen könnte. Man lehnt sich zurück und genießt den sanften Schauer, den die unheimliche Geschichte in einem auslöst.

Erschienen: Prähuman 18 – Der geheimnisvolle Mr. Bolton

Es ist mal wieder soweit: der 18. Band der außergewöhnlichen Serie „Prähuman“ ist erschienen. Dieses Mal haben es Frederic Tubb, Maki Asakawa und Hans Schmeißer mit einem mysteriösen Magier zu tun.

Harold T. Bolton kennt kaum einer mehr, doch in den 70er und frühen 80er Jahren soll er sehr erfolgreich von einem Auftritt zum nächsten gezogen sein. Nun hat er sich in der Nähe von London in einer riesigen Villa niedergelassen, in der er ausgewählten Gästen seine Zaubertricks vorführt. Doch anscheinend geht dabei nicht alles mit rechten Dingen zu. Denn bei einer dieser Vorstellungen kommt es zu einem rätselhaften Todesfall.

Was ist Illusion, was ist real? Diese Gegenüberstellung zieht sich durch den ganzen 18. Band von „Prähuman“ und sorgt dabei für enorme Spannung und eine dichte, faszinierende Handlung. Der Charakter des Magiers ist vortrefflich rätselhaft gelungen, auch die Beschreibungen der Darbietungen hat etwas düster-geheimnisvolles. Und schon bald ist es Tubb selbst, der in dieses Netz aus Illusion und bloßen Tricks gerät.

Auch dieser Band ist äußerst kurzweilig und es fehlen natürlich auch nicht die für diese Serie so typischen Gags. Die tiefe der Handlung und der Charaktere macht Prähuman 18 zu einem der besten Bände von Carl Dennings Reihe. Eine richtige kleine Perle, die uns da der Autor präsentiert. In diesem Sinne darf man schon gespannt sein, was uns in Band 19 erwarten wird.

Die Klunkerecke: The Mothman Prophecies – Tödliche Visionen (2002)

Reporter John Klein (Richard Gere) als die Katastrophe hereinbricht; „The Mothman Prophecies“ (USA 2002), © Concorde

Der Mothman gehört wohl zum bekanntesten Personal der urbanen Legenden der USA. Immer wieder gibt es Berichte über den geheimnisvollen Mottenmann, der angeblich stets dann erscheint, wenn ein größeres Unglück bevorsteht. Kein Wunder also, dass sich Hollywood dieser Figur angenommen und daraus einen Film gemacht hat.

Mit Richard Gere und Laura Linney hatte man auch schon das kleine Ensemble zusammen, das den gesamten Film trägt, eigentlich nur übertroffen durch die erstklassige Optik, mit der Regisseur Mark Pellington seinen vierten Spielfilm verziert. Basierend auf dem 1975 erschienenen Buch des Journalisten John Keel, erzählt „The Mothman Prophecies“ die seltsamen Erlebnisse des Reporters John Klein, dessen Frau nach einem mysteriösen Unfall gestorben ist. Kurz vor ihrem Tod zeichnete sie eigenartige Bilder, die ein Wesen mit rot glühenden Augen darstellen.

Eines Tages verschlägt es Klein auf unerklärliche Weise in die Stadt Poin Pleasant, in der es immer wieder zu Sichtungen des Mothman kommt. Während Klein gemeinsam mit der Polizistin Connie Mills versucht, das Rätsel zu lösen, bahnt sich eine Katastrophe an …

Man kann über den Film sagen, was man möchte, was Regisseur Pellington gelingt, ist, von Anfang an eine mysteriöse, dichte Atmosphäre zu schaffen, welche die ganzen 114 Minuten über anhält. Verbunden mit der bereits erwähnten großartigen Optik ergibt sich ein Mystey-Thriller, der gekonnt die Gefahren des Kitsch umschifft, auch wenn er gelegentlich haarscharf daran vorbeischrammt.

Mark Pellingtons Motivation besteht darin, Leute, denen etwas Unerklärliches widerfahren ist, zu verstehen. Dabei konfrontiert er die Figuren mit den gängigen Vorurteilen, dass es sich ausschließlich um Spinner oder um Wichtigtuer handelt. Ebenso mit den tragischen Konsequenzen, welche solche außergewöhnlichen Erfahrungen mit sich bringen, z.B. Trennung vom Partner und soziale Ausgrenzung. In dieser Hinsicht ist der Film soziolgisch und auch psychologisch recht genau, was sich wiederum positiv auf den Film als Ganzes auswirkt, da er auf diese Weise die Verbindung zur Realität nicht verliert.

Was ein wenig nervt, ist das ständige Läuten des Telefons bzw. Handys. In wohl kaum einem anderen Film wird so viel angerufen wie in „The Mothman Prophecies“. Vielleicht sogar ein wenig zu viel. Auf jeden Fall spielt Richard Gere den Politikreporter John Klein unglaublich gut. Man nimmt ihm die Rolle des Rationalisten und Skeptikers ab, der auf einmal die Welt nicht mehr versteht. Zunächst versucht er, für alle Vorkommnisse nach plausiblen Erklärungen zu suchen, bis er sich schließlich eingestehen muss, dass es keine solche gibt – für diese Gegenüberstellung zwischen plausibel und unplausibel findet Mark Pellington übrigens immer wieder schöne Bilder.

„The Mothman Prophecies“ ist dadurch eindeutig einer der besseren Mystery-Filme, welche um die Jahrtausendwende über die Leinwand flimmerten und von denen die meisten längst wieder in Vergessenheit geraten sind.

The Mothman Prophecies. Regie: Mark Pellington, Drehbuch: Richard Hatem, Produktion: Tom Rosenberg, Darsteller: Richard Gere, Laura Linney, Will Patten. USA 2002, 114 Min.

FuBs Klassikbox: Die Verdammten der Meere (1962)

Claggart (Robert Ryan), Billy Budd (Terence Stamp) und Kapitän Vere (Peter Ustinov); „BillyBudd“ (1962), © Allied Artists

Die Zeit der Seefahrerfilme war eigentlich fast schon vorbei, da drehte Peter Ustinov „Billy Budd“, einen der wohl außergewöhnlichsten Abenteuerfilme. „Billy Budd“ basiert zum einen auf Herman Melvilles berühmten Roman, zum anderen auf dem gleichnamigen Theaterstück.

Es geht um den jungen Matrosen Billy Budd, der 1797 auf ein englisches Kriegsschiff kommt. Durch seine ehrliche Art ist er schnell bei der Mannschaft beliebt. Doch an Bord befindet sich auch der sadistische Offizier Claggart, der Männer grundlos auspeitschen lässt. Billy möchte er als sein nächstes Opfer, doch die ehrliche Art des Jungen steigert in Claggart mehr und mehr seine krankhafte Wut …

Peter Ustinov in schwarzweiß gedrehter Film ist kein Abenteuerfilm im üblichen Sinn. Man findet hier keine tollkühnen Helden, die andere Schiffe kapern. Der Film spielt fast ausschließlich an Bord der Avenger, dem Kriegsschiff, auf das Billy unfreiwillig gebracht wird. Gleich von Anfang an herrscht dort eine angespannte Atmosphäre. Billy bekommt als erstes mit, wie einer der Matrosen ausgepeitscht wird. Und er begegnet dem unheimlichen Claggart. Fast scheint es so, als wäre er der Kapitän des Schiffes und nicht Kapitän Vere, der zwar streng. doch auch irgendwie gutmütig ist.

Das Kunststück, das Peter Ustinov nun fertig brachte, war, dass er „Billy Budd“ im Stil eines Film Noir drehte. Schließlich geht es unter anderem darum, dass ein gemeingefährlicher Psychopath die Mannschaft terrorisiert. Das ist natürlich vereinfacht dargestellt, denn in dem Film geht es um viel mehr: es geht um die Frage, ob das Gesetz tatsächlich jeden Sachverhalt be- bzw. verurteilen kann, es geht um die Frage der Schuld und damit um moralische Ansichten und inwieweit diese vertretbar sind.

Billy Budd (Terence Stamp) und Claggart (Robert Ryan) in der Kajüte des Kapitäns; „Billy Budd“ (1962); © Allied Artists

All diese Aspekte webt Peter Ustinov gekonnt in eine spannende Geschichte ein, die vor allem durch die Gegenüberstellung von Billy Budd und dem bösartigen Claggart lebt. Bei den jeweiligen Aufeinandertreffen knistert es regelrecht vor Spannung. Robert Ryan, der auf die Rollen psychopathisch veranlagter Bösewichte spezialistiert war, spielt hier Claggart auf eine so bedrohliche Weise, dass sich die Furcht der Mannschaft regelrecht auf den Zuschauer überträgt. Ihm gegenüber hatte Terence Stamp seine erste Filmrolle und war dafür gleich mehrfach ausgezeichnet und sogar für den Oscar nominiert worden. Peter Ustinov selbst führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch am Drehbuch mit und produzierte den Film. Zugleich spielte er die Rolle von Kapitän Vere, der sich durch sein Klammern an die Pflicht selbst in die Zwickmühle bringt.

Kurz: „Die Verdammten der Meere“ ist ein erstklassiger (Abenteuer-)Film, der an Spannung kaum zu überbieten ist und der einem aufgrund der grundlegenden Fragestellung, um die es letztendlich geht, nicht mehr so schnell aus dem Kopf geht.

Die Verdammten der Meere (OT: Billy Budd). Regie, Drehbuch, Produktion: Peter Ustinov, Darsteller: Robert Ryan, Terence Stamp, Peter Ustinov, Melvyn Douglas, John Neville, David McCallum. England 1962, 123 Min.

Erschienen: Prähuman 17: Die Bestie

Dieses Mal mussten die Leser nicht so lange auf den nächsten „Prähuman“-Band warten. Band 16 erschien vor etwas mehr als einem Monat. Nun ist bereits mit „Die Bestie“ der 17. Band der spannenden und überaus originellen e-Book-Serie am Start.

In „Die Bestie“ kehrt Frederic Tubb zurück in den rätselhaften Ort Darkmoore, wo er vor mehreren Jahren im Markheim-Hospital, einer Klinik für Geisteskranke, eingesperrt worden war. Nun sucht eine riesige Bestie die Wälder von Darkmoore heim. Tubb versucht zusammen mit seinem Team, das Ungeheuer unschädlich zu machen …

Band 17 ist nicht weniger spannend als die vorangegangenen Bände. Man könnte „Die Bestie“ als eine Art Fortsetzung von „Band 10: Fall 01“ bezeichnen, geht es doch u. a. um Tubbs Vergangenheit, genauer gesagt, um sein rätselhaftes Erlebnis, das er 1999 in Darkmoore gehabt hat. Damals behauptete er, einen Werwolf erschossen zu haben, was zugleich der Grund dafür war, weswegen er in die Markheim-Klinik eingeliefert worden war.

In einer parallel verlaufenden Handlung spinnt Denning in Band 17 den Faden ein klein wenig weiter, lässt das damalige Rätsel in einem etwas anderen Licht erscheinen, das mit Sicherheit zu einem weiteren Darkmoore-Fall führen könnte. Hoffentlich, denn der Ort und seine Geschichte ist so mysteriös, dass man gerne mehr darüber lesen möchte. Bereits mit dem Roman „Darkmoore“ hat sich Carl Denning näher mit der kleinen, abgelegenen Stadt genauer beschäftigt. Ebenso natürlich in dem oben erwähnten Band 10.

In „Die Bestie“ geht es um ein kryptzoologisches Rätsel, um eine Kreatur, die es, den Gerüchten und Berichten nach, tatsächlich geben könnte. Die Begegnung mit diesem Ungeheuer ist rasant und dicht geschildert, wobei auch der für die Serie typische Humor nicht zu kurz kommt. Auf diese Weise macht der 17. Band, wie auch die gesamte Serie, richtig Spaß. Schön ist auch, dass die Serie nach Band 20 weitergehen wird. Man darf sich also auf viele weitere Abenteuer mit Frederic Tubb und seinem Team freuen.