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Archive for September 2016

tunnelderlebendenleichen“Eine atembeklemmende Schreckensreise in das schauerliche Horror-Reich der lebenden Leichen!” wurde dem Zuschauer in den 70er Jahren geboten. Und in der Tat, dieser „Super-Horror“ aus dem Jahre 1972 ist äußerst beklemmend, obwohl wir es eigentlich nicht mit wirklichen Zombies zu tun haben. Dafür wartet der Film mit einer weit originelleren Idee auf.

In den U-Bahn-Stationen Londons verschwinden seit einigen Jahren spurlos Menschen. Die Polizei ging den Fällen nur halbherzig nach und schließlich verliefen sie im Sand. Eines Tages aber verschwindet ein bekannter Politiker. Inspektor Calhoun bleibt daher nichts anderes übrig, als eine gründliche Untersuchung anzuordnen. Die Spur führt ihn dabei zu einem längst vergessenen U-Bahn-Tunnel, der bei Bauarbeiten um die Jahrhundertwende einstürzte und die Arbeiter von der Außenwelt abschnitt. Dort entwickelten sie eine Art autonome Gesellschaft, deren letzte, missgebildete Nachkommen einen Weg nach draußen gefunden haben, wo sie nach Menschenfleisch gieren …

Regisseur Gary Sherman lieferte mit seinem Werk „Death Line“ einen überaus spannenden, extrem dichten Horrorfilm ab, der zu den ersten Streifen der englischen Post-Hammer-Ära gehört. Die Charaktere sind sehr überzeugend und lebendig, wobei vor allem Donald Pleasence als extrem spießiger Inspektor hervorsticht. Anscheinend soll Pleasence während der gesamten Dreharbeiten ständig betrunken gewesen sein. Wenn dies stimmt, so hat ihm dies keineswegs geschadet, denn seine schauspielerische Leistung ist erstklassig. Sherman machte seinen Film zum Kind seiner Zeit, indem er die traditionelle britische Lebensart (vertreten durch den Inspektor) der Hippie- und Jugendkultur der 70er Jahre gegenüberstellt. Diese sozialkritische Perspektive ist hervorragend eingewoben in eine recht originelle Gruselgeschichte, die, gewürzt mit mehreren Gore-Szenen, auch heute nichts von ihrer Wirkung verloren hat. Der deutsche Titel ist verwirrend, spiegelt aber sehr schön das Bahnhofskino-Flair von damals wider. Im ganzen Film kommt kein einziger Zombie vor und auch der Plural ist keineswegs angebracht. Denn in der U-Bahn haust nur mehr ein einziger Nachfahre der ehemaligen Tunnelarbeiter, und dieser leidet unter Blutarmut und Beulenpest. Sherman verhindert es stilvoll, seinen Antagonisten zu einem bloßen, menschenfressenden Monster werden zu lassen. Vielmehr zeigt er uns in dem „letzten seiner Art“ eine verzweifelte, vereinsamte Kreatur, wodurch der Film einen starken tragischen Unterton bekommt.

Shermans „Death Line“, der in den USA unter dem Titel „Raw Meat“ lief, wurde 1972 zum besten Horrorfilm nominiert. Er gilt als vergessener Klassiker des Genres. Der Ruf „Vorsicht an den Türen!“ bleibt einem noch lange im Gedächtnis.

2008 drehte Peter A. Dowling ein Remake des Films mit dem Titel „Stag Night“. Dowling gelang es, die Handlung in Form eines Slashers recht gut zu aktualisieren. Allerdings schaffte der Film es nie in die Kinos, sondern wurde direkt als DVD vermarktet.

Tunnel der lebenden Leichen (OT: Death Line (UK)/Raw Meat (USA)), Regie: Gary Sherman, Drehbuch: Ceri Jones, Gary Sherman, Produktion: Paul Maslansky, Darsteller: Donald Pleasence, Norman Rossington, David Ladd, Sharon Gurny, Christopher Lee, England 1972, 83 Min.

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nachtdervampireAb den 60er Jahren begann sich auch in Spanien eine eigene Horrorindustrie zu gründen, die den italienischen Trash-Granaten in nichts nachstanden. Mit Filmen wie „Die Nacht der reitenden Leichen“ oder „Die Nacht der grausamen Leichen“ wurden Klassiker des europäischen Horrorkinos geschaffen. Zu diesen Ikonen des B-Movies zählt auch die tragische Figur des Waldemar Daninsky, eines Mannes, der sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt. Diese Figur bescherte dem Schauspieler Paul Naschy einen bis heute bestehenden Kultstatus innerhalb des Horrorgenres.

„Nacht der Vampire“ (der damalige deutsche Untertitel lautete: „Eine Orgie des Horrors“) erzählt von zwei Studentinnen, die an einer Arbeit über Vampirismus und Satanismus arbeiten. Während ihrer Recherchen besuchen sie einen abgelegenen Ort, an dem im Mittelalter eine wahnsinnige Gräfin brutale Menschenopfer dargebracht haben soll. Natürlich geht das Auto der beiden Studentinnen kaputt, worauf ein Mann (natürlich Daninsky) ihnen anbietet, in seinem Haus zu übernachten. Doch schon recht bald müssen beide erfahren, dass dieser Ort auch heute nicht ganz geheuer ist, sondern von Vampiren und eben Werwolf Daninsky heimgesucht wird. Noch dazu erwacht die wahnsinnige Blutgräfin zu neuem Leben und hofft durch ein weiteres Opfer in der Walpurgisnacht Satan zur Weltherrschaft zu verhelfen.

Regisseur Leon Klimovsky gelang es, die Trash-Rakete mit einer geradezu wundervollen Geisterästhetik auszufüllen. Zum einen warf er so ziemlich alles in einen Topf, was einen klassischen Gruselschocker ausmacht: ein einsam gelegenes Haus, eine verfallene Ruine, eine eingesperrte Wahnsinnige, Vampire, einen Werwolf und sogar einen Zombie-Mönch, der aber mit dem übrigen Film rein gar nichts zu tun hat, sondern nur als kleiner Gag am Rande verstanden werden soll. Zum anderen verblüfft der Film durch eine überaus gekonnte Darstellung unheimlicher Begebenheiten, die auch heute noch einen nicht zu verachtenden Gruselcharakter besitzen. Das Erscheinen der Vampire in wehenden Gewändern sowie die dabei verwendete Zeitlupe verleihen dem Film eine Ästhetik, die Jahre später unter anderem in „A Chinese Ghoststory“ wieder verwendet werden sollte.

Leider ist die Wandlung von Waldemar Daninsky in einen Werwolf eindeutig der Schwachpunkt des Films. Auch das Aussehen des Daninsky-Werwolfs hat eigentlich nichts Gruseliges an sich, sondern erinnert irgendwie an Michael J. Fox als Teenwolf. Andererseits macht dies natürlich auch den Charme alter B-Movies aus. Sieht man davon ab, so ist „Nacht der Vampire“ ein toller Beitrag des europäischen Horrorkinos.

Nach der Vampire – Eine Orgie des Horrors (OT: La Noche de Walpurgis), Regie: Leon Klimovsky, Drehbuch: Paul Naschy (als Jacinto Molina), Hans Munkel, Produktion: Salvadore Romero, Darsteller: Paul Naschy, Gaby Fuchs, Barbara Capell, Patty Shepard, Spanien/Deutschland 1971, 85 Min.

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kormoranInteressanterweise kam es Ende der 80er, Anfang der 90 Jahre auf dem deutschen Buchmarkt zu einer nicht zu verkennenden Horrorwelle. Interessant deshalb, da im selben Zeitraum die Horrorwelle im Kino abnahm. Vor allem die großen Verlage brachten eigene Horroreditionen heraus. Am schrillsten schnitt damals der Knaur Verlag ab, der mit seiner Taschenbuchreihe in Sachen Cover aus allen übrigen Titelreihen hervorstach. Die schön bunten, teils kitschigen Cover sollten wohl den Sammlerreiz beim Horrorfan auslösen. Knaur brachte Autoren heraus, die damals in Deutschland völlig unbekannt waren und versuchte diese so zu sagen über das Cover zu verkaufen. Dadurch kam der Leser z.B. in den Genuss der Action-Horror-Romane von Stephen Laws („Blutiges Fest“, „Geisterzug“) sowie der Nazi-Zombies in Robert McCammons „Tauchstation“.

Unter anderem erschien auch Stephen Gregorys Roman „Der Kormoran“, der mit dem Sommerset-Maugham-Preis ausgezeichnet wurde und aus dem Jahr 1986 stammt. Gregory ist eigentlich von Beruf Lehrer, seine Romane sind vor allem im englischsprachigen Raum bekannt. Sein Roman „Der Kormoran“ schildert die Geschichte von Ann und ihrem Mann, die zusammen mit ihrem Sohn das Haus ihres Onkels geerbt haben. Allerdings dürfen sie das Erbe nur antreten, wenn sie sich bereit erklären, sich um den Kormoran des Onkels zu kümmern. Gesagt, getan. Doch mit der Zeit entpuppt sich der Wasservogel als alles andere als putzig. Immer mehr zieht er den Sohn der beiden in seinen Bann. Auch Anns Mann John scheint sich dem seltsamen Vogel nicht mehr länger entziehen zu können. Als der Kormoran den Jungen angreift, hält es Ann nicht mehr länger aus und packt ihre Sachen. Aus dem Beisammensein mit dem Vogel, wird für John ein Kampf ums Überleben.

Gregorys Geschichte besticht eher durch seine leisen Töne und Andeutungen als durch offensichtlichen Grusel. Ähnlich wie in den Erzählungen Algernon Blackwoods entwirft Gregory eine bedrohliche Atmosphäre, die ihren Ursprung in der Natur hat. Als Stadtmenschen stehen John und Ann der freien Natur eher ratlos gegenüber, ja empfinden sie sogar als etwas Unheimliches und Bedrohliches. So hat John gleich zwei Theorien parat: es könnte zum einen sein, dass der Vogel, so wie es sein Großvater angedeutet hat, von einem bösen Geist besessen ist, oder es könnte sein, dass die abergläubischen Annahmen stimmen, nämlich, dass ein Kormoran den Tod bringt.

Gregory konzipierte seinen Roman so, dass er viele Dinge offen lässt, um dadurch der Geschichte eine dichte, ja bedrohliche Atmosphäre zu verleihen. Denn es wäre natürlich auch denkbar, dass das Tier einfach nur auf das falsche Verhalten seiner neuen Besitzer feindlich reagiert. Genau dieser Punkt macht den Roman interessant. Denn Gregory lädt den Leser dazu ein, nicht nur seiner spannenden Geschichte zu folgen, sondern auch mit zu rätseln, was die eigentliche Erklärung für das eigenartige Verhalten des Kormorans sein könnte.

1993 wurde „Der Kormoran“ unter demselben Titel von der BBC als Fernsehfilm verfilmt und gehört zu den wenigen Romanadaptionen die wirklich gut sind. Denn der Film hält sich sehr genau an Gregorys Romanvorlage, wobei es ihm auch gelingt, die bedrohliche Atmosphäre fast eins zu eins zu übertragen. Obwohl der Film überaus gute Kritiken erhalten hat, geriet er mit der Zeit in Vergessenheit. Stephen Gregory schreibt auch heute noch Horrorromane, doch fällt es ihm schwer, an seine frühen Erfolge anzuknüpfen. Dies führte dazu, dass sein letzter Roman nur noch als e-Book veröffentlicht wurde.

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blade-runnerInteressanterweise mochten weder Kritiker noch Zuschauer „Blade Runner“, als dieser in die Kinos kam. Noch dazu war der Zeitpunkt für den Release schlecht gewählt. Steven Spielberg verhagelte mit „E.T.“ so ziemlich allen anderen SF-Produktionen den Umsatz. Erst mit der Zeit wurde den Filmkritikern bewusst, was Ridley Scotts Philip K. Dick-Adaption für ein bemerkenswerter Film ist.

„Balde Runner“ spielt im Jahr 2019. Es geht darin um den ehemaligen Polizisten Rick Deckard, der sich auf die Jagd auf Replikanten spezialisiert, sich aber aus dem Geschäft zurückgezogen hat. Nun bekommt er dennoch einen letzten Auftrag. Sechs Replikanten haben ein Raumschiff gekapert und sind damit auf die Erde geflohen, genauer gesgagt nach Los Angeles. Der Aufenthalt auf der Erde ist den Replikanten strengstens verboten und wird mit dem Tod bestraft. Deckard soll die sechs Replikanten ausfindig machen und ausschalten.

Bei den Replikanten handelt es sich um künstlich erzeugte Menschen mit einer begrenzten Lebensdauer von vier Jahren. Das neueste Modell Nexus 6 hat jedoch ein eigenes Bewusstsein entwickelt, was dazu führt, dass Roy Batty, der Anführer der auf die Erde zurückgekehrten Replikanten, länger leben möchte als nur die voreingestellte Lebensdauer von vier Jahren.

Es geht in „Blade Runner“ daher um mehr, als nur um einen Kriminalfall, den Deckard lösen soll. Dies macht den Film in seiner Thematik ungeheuer komplex und vielschichtig. Diese Komplexität wird zusätzlich dadurch verstärkt, da der Film in manchen Szenen die Frage aufwirft, ob Deckard selbst ebenfalls ein Replikant ist. Dieses Rätsel taucht im Film immer wieder auf. Da ist der mehrdeutige Dialog zwischen Officer Bryant und Deckard, in dem anscheinend auf Deckards eigentliche Identität hingewiesen wird (unterstrichen durch die Origamifigur, die Officer Gaff im Hintergrund faltet, was er immer macht, wenn er einem Replikant begegnet). Gegen Ende des Films sieht man in der Wohnung von J. F. Sebastian, der die Genetik der Replikanten entwirft, eine Einhornfigur (Deckard träumt anscheinend immer wieder von einem Einhorn). Doch dann ist da der Replikant Roy, der in Deckard wiederum einen Menschen sieht. In diesem Sinne ist „Blade Runner“ ein Spiel mit den Identitäten, was sich bei Philip K. Dick beinahe wie ein roter Faden durch sein Werk zieht.

Neben diesen philosophischen, soziologischen und bioethischen Fragen, mit denen sich der Film beschäftigt, ist er zugleich auch ein spannender SF-Krimi im Stil des Film Noir. Harrison Ford als Deckard ist praktisch zu vergleichen mit dem typischen Privatdetektiv der Krimis der 40er Jahre. Um ihn herum tummeln sich allerhand zwielichtige Gestalten. Die Replikantin Rachel ist zu vergleichen mit einer Femme Fatal, in deren Bann Deckard gerät. Die Geschichte spielt zudem in einer unübersichtlichen Großstadt, meistens abends und nachts, um das Spiel mit der Dunkelheit und den Schatten besser gestalten zu können.

All diese Merkmale machen „Blade Runner“ fast schon zu so etwas wie einen Über-Film. Hinzu kommen die wunderbar gestalteten Set-Designs und die Dialoge, denen es gelingt, poetisch, philosophisch und klar gleichzeitig zu sein. Rutger Hauer als Replikant Roy gab hier eindeutig sein Bestes, sollte später jedoch hauptsächlich nur noch in B-Picture mitspielen. Philip K. Dick soll von Ridley Scotts Konzept begeistert gewesen sein. Leider aber erlebte er die Premiere von „Blade Runner“ nicht mehr mit.

Blade Runner. Regie: Ridley Scott, Drehbuch: Hampton Fancher, David Peoples, Produktion: Michael Deeley, Darsteller: Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos. USA 1982, 117 Min.

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fromtimetotimeRegisseur Julian Fellows schuf mit dem Kinderfilm „From Time to Time“ eine geradezu klassisch anmutende Mischung aus Geisterhausfilm, Drama und Familiengeheimnis. Es handelt sich dabei um eine Adaption von Lucy M. Bostons Kinderbuch „The Chimneys of Green Knowe“ aus den 50er Jahren.

Im Mittelpunkt steht der 13jährige Tolly, der gegen Ende des Zweiten Weltkriegs von seiner Mutter zu seiner Großmutter Linnet auf das Anwesen Green Knowe geschickt wird. Tolly findet die Idee zunächst gar nicht gut. Doch dann begegnet er plötzlich dem Geist eines Mädchens, das vor 200 Jahren in dem Haus gelebt hat. Das ist der Anfang einer Reihe seltsamer Spukerlebnisse, durch die Tolly auf die Spur eines alten Geheimnisses seiner Familie stößt.

Der Film erzählt die Geschichte von Tolly sehr einfühlsam. Er zeigt komplexe Charaktere, die sich nicht nach dem berühmten Schubladenprinzip einordnen lassen. Im Gegenteil, denn den meisten Figuren haftet eine mysteriöse Aura an. Wie zum Beispiel dem Gärtner Boggis, der zwar viel über Tollys Familie weiß, doch über sein eigenes Leben lieber schweigt. Auch das konfliktreiche Verhältnis zwischen Tollys Großmutter und seiner Mutter besitzt etwas Geheimnisvolles. Damit bleibt es dem Zuschauer überlassen, „zwischen den Zeilen“ zu lesen, um sich ein genaueres Bild über die Familie zu machen. Auch Tolly selbst, der zu spontanen Wutausbrüchen neigt, wirkt zunächst eigenartig. Erst im Laufe des Films findet sich eine recht tragische Erklärung für sein Verhalten.

Trotz der doch intensiven Beschäftigung mit den einzelnen Charakteren, vergisst Julian Fellows nicht, die Geschichte spannend und unheimlich zu erzählen. Die plötzlichen und hervorragend in Szene gesetzten Zeitsprünge, die Tolly erlebt, wirken hierbei wie eine Art heimlicher Motor, der die Story gekonnt vorantreibt. „From Time to Time“ ist kein Actionfilm im Stile von Potter & Co., sondern ein schöner, fast schon altmodisch umgesetzter Film, der allerdings mit vielen Überraschungen aufwartet.

Die Kulissen sollten nicht unerwähnt bleiben. Das Anwesen Green Knowe beherrscht die geheimnisvollen Ereignisse durch seine düstere Fassade und seine Verwinkeltheit. Manche Räume werden seit Generationen nicht mehr benutzt und sind dem Verfall preisgegeben. Man nimmt dem Gebäude durchaus ab, dass es in ihm nicht mir rechten Dingen zugeht. „From Time to Time“ erinnert in seiner Art an eine klassische Schauergeschichte. Es ist zugleich ein wundervoller Familienfilm, bei dem es sich durchaus lohnt, ihn mehrmals anzusehen.

From Time to Time, Regie, Drehbuch u. Produktion: Julian Fellows, Darsteller: Maggie Smith, Timothy Spall, Carice van Houten, Alex Etel, Pauline Collins, Hugh Bonneville, Dominic West. England 2010, 92 Min.

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timebanditsEines ist sicher: Terry Gilliam mangelt es keineswegs an Einfallsreichtum. Dies bezeugt der Regisseur in jedem seiner Filme aufs neue. Besonders ins Herz geschlossen aber wurde sein dritter Film „Time Bandits“, eine Independent-Produktion, deren Vertrieb George Harrisons HandMade Films übernommen hatte.

Der Film handelt von Kevin, einem elfjährigen Jungen, der sich sehr für Geschichte interessiert. Seine Eltern kümmern sich nicht sonderlich um ihn. Eines Nachts erhält Kevin unerwarteten Besuch: eine Gruppe von sechs Zwergen, die mithilfe einer Karte durch die Zeit reisen, landen genau in seinem Kleiderschrank. Ihnen auf den Versen ist das Oberste Wesen, dem sie die Karte gestohlen haben. Aber auch das Böse ist hinter der Karte her, um die Herrschaft über das Universum zu erlangen. Als das Oberste Wesen ebenfalls in Kevins Zimmer erscheint, flieht Kevin kurzerhand zusammen mit den sechs Zeitreisenden und kommt dadurch von einem Abenteuer ins nächste.

Das Besondere an „Time Bandits“ ist, dass er auf allen Ebenen funktioniert: als Kinderfilm, als Groteske, als SF-Fantasy-Film, als Komödie oder aber auch als Satire. Ganz egal, was man in „Time Bandits“ sieht, der Film liefert stets die dazu passenden Pointen. Allerdings dürften junge Zuschauer es schwer haben, alle Gags nachvollziehen zu können. Denn bei aller Verspieltheit, so ist Terry Gilliams Klassiker alles andere als ein oberflächlicher Unterhaltungsfilm. Der Witz ist tiefgründig, wird z.B. in der Napoleon-Episode zu einer bitterbösen Satire auf Macht und Politik oder deutet in der Agamemnon-Episode finstere Hofintrigen an, während er sich in der Robin Hood-Episode über Englands Sozialpolitik lustig macht. Interessanterweise findet sich Kevin besonders bei Agamemnon wie zu Hause, begegnet er doch hier endlich einem Erwachsenen, der sich um ihn kümmert und ihn wie einen „eigenen Sohn“ betrachtet.

An diesem Punkt macht sich die im ganzen Film herrschende unterschwellige Tragik bemerkbar. Kevins Glück ist nur von sehr kurzer Dauer, wollen ihn doch die sechs Zwerge retten, was für ihn aber eher einer Entführung gleich kommt. Die Schlusseinstellung der Episode, in der Agamemnon wie erstarrt auf die Bühne blickt, wo sich zuvor noch Kevin und seine „Freunde“ aufgehalten haben, besitzt daher einen sehr nachdenklichen Beiklang.

Doch egal, ob tragisch, lustig oder nachdenklich, der Film strotzt nur so vor lauter Einfällen. Da Terry Gilliam den Film selbst produzierte, gab es niemanden, der ihm hätte dazwischen funken können. So konnte sich der Regisseur voll und ganz austoben, skurrile Gags einstreuen, wie und wo er wollte, und dem Ganzen noch zusätzlich ein wenig Monthy Python-Flair verpassen.

Nach „Time Bandits“ landete Gilliam mehrere Flops, was dazu führte, dass er für seine eigenen Ideen keine Produzenten mehr fand und daher Auftragsarbeiten annehmen musste. Eine gewisse Zeit lang gab es Gerüchte, dass ein Sequel zu „Time Bandits“ geplant sei, doch wurde die Produktion anscheinend nicht mehr weiter verfolgt.

Time Bandits. Regie u. Produktion: Terry Gilliam, Drehbuch: Terry Gilliam, Michael Palin, Darsteller: Craig Warnock, David Rappaport, Jack Purivs, Kenny Baker, Malcom Dixon, Mike Edmonds, Tiny Ross, David Warner, Ian Holm, John Cleese, Michael Palin, Sean Connery, Shelly Duvall. England 1981, 112 Min.

 

 

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kampfdertitanenFür viele Jahrzehnte galt Ray Harryhausen als der Künstler für Spezialeffekte schlechthin. Dann wurde er von Computer generierten Illusionen überholt. Bevor er sich aus dem Filmgeschäft verabschiedete, haute er aber nochmals so richtig auf die Pauke.

„Kampf der Titanen“ ist ein regelrechter Stop Motion-Augenschmaus. Der Film erzählt die Geschichte von Perseus, der von der Göttin Thetis in die Stadt Joppe versetzt wird. Die Stadt steht in der Gewalt des verfluchten Calibos, der durch fiese Rätsel verhindert, dass die schöne Andromeda einen Mann bekommt. Perseus gelingt es mit einer List, das Rätsel zu lösen. Doch damit ist der Film längst nicht zu ende. Denn Thetis verflucht die Stadt erneut: Andromeda soll dem Seeungeheuer als Opfer dargebracht werde, ansonsten wird die Stadt zerstört. Perseus hat dreißig Tage Zeit, um sich auszudenken, wie er das verhindern soll …

In „Kampf der Titanen“ tummeln sich einige der bekanntesten Monster aus der Harryhausen-Schmiede: der dämonische Calibos, der riesige Geier, das Seeungeheuer, die Riesenskorpione und nicht zu vergessen die Medusa. Besonders letztgenannte dürfte als Harryhausens Meisterwerk gelten. Keine andere Stop Motion-Figur wirkt bis heute so unheimlich und so bedrohlich wie dieses Monster, halb Schlange, halb Frau, die durch ihren Blick Menschen zu Stein verwandeln kann. Das Schöne ist, dass Harryhausen speziell diese Szene, in der Perseus gegen die Medusa antritt, richtiggehend auskostet. Es ist der eigentliche Höhepunkt des Films, dem gegenüber der Schlusskampf gegen das Seeungeheuer eher mager wirkt.

Aber natürlich darf man auch nicht die mechanische Eule Bubu vergessen, die in der Hälfte des Films auftaucht, um Perseus bei seiner Reise zur Medusa beizustehen. Nun, diese Figur ist bei Kritikern bis heute umstritten. Die einen halten sie für völligen Kitsch, die anderen für einen gelungenen Gag. Harryhausen, der von „Star Wars“ sehr angetan war, betrachtete in der Eule eine Art Äquivalent zu R2D2. Letztendlich dürfte jeder die Eule anders betrachten, die einen sind von der Figur genervt, die anderen finden die damit verbundenen Comedy-Einlagen durchaus gelungen. Ich persönlich kann mich seltsamerweise nie entscheiden, was ich von dieser Figur halten soll, egal, wie oft ich den Film bereits gesehen habe.

Wie bereits gesagt, war „Kampf der Titanen“ Ray Harryhausens letztes Werk. Obwohl die Produktion überaus erfolgreich gewesen war, erhielt er keine weiteren Gelder mehr für einen neuen Film. 2010 wurde ein Remake des Films hergestellt, in dem sämtliche Effekte per Computer zusammengeschustert wurden. An die Klasse und den Charme des Originals reicht das Remake klarerweise nicht heran.

 

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