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Archive for November 2014

derzentaurAlgernon Blackwood (1869-1951) zählte zu H. P. Lovecrafts Lieblingsautoren. Doch auch unabhängig von dieser Tatsache zählt Blackwood zu den wichtigsten Vertretern der phantastischen Literatur. Vor allem im Bereich der Kurzgeschichte und Erzählung schuf Algernon Blackwood so manchen Klassiker. „Die Weiden“ und „Wendigo“ gehören zu den besten Schauergeschichten, die jemals geschrieben wurden.

Der Fokus auf die Kurzgeschichte heißt jedoch nicht, dass Blackwood nicht auch Romane geschrieben hätte. Bisher wurden allerdings seine umfangreicheren Werke nicht ins Deutsche übersetzt. Die Betonung liegt auf „bisher“. Denn vor wenigen Monaten erschien im auf klassische und moderne Horrorliteratur spezialisierten Festa Verlag der Roman „Der Zentaur“, übersetzt von Usch Kiausch.

Es geht darin um eine rätselhafte Begegnung, die nicht ohne Folge bleibt. Auf einem Passagierschiff begegnet der Engländer Terence O’Malley einem seltsamen Mann. Von Anfang an ist er von dem Fremden fasziniert, da dieser völlig anders ist als die übrigen Passagiere. Er fühlt sich von ihm regelrecht angezogen. Zunehmend wird O’Malley Zeuge davon, dass mystische Wesen keineswegs nur Einbildung der Fantasie sind, sondern tatsächlich existieren …

Es ist fast schon paradox. Obwohl „Der Zentaur“ nie richtig spannend wird, zieht der Roman den Leser dennoch mitten hinein in das Geschehen. Von Kapitel zu Kapitel wird es schwerer, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Das liegt vor allem daran, da sich Blackwood als ein Meister der Sprache erweist. Der Roman wird somit zu einem sprachlichen Erlebnis, dessen Stärke in der Beschreibung der sonderbaren Zwischenfälle liegt.

Blackwood versucht sich jedoch nicht nur als Romancier. „Der Zentaur“ ist geprägt von einer harschen Kapitalismuskritik, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat. Das Streben nach Geld hat die Menschen blind gemacht für das Wesentliche im Leben. O’Malley, als klassischer Aussteigertyp, ist auf der Suche nach dem Anderen, dem Wirklichen, nach dem, was der industrielle Mensch längst verdrängt hat. Dieser Umstand macht „Der Zentaur“ zu einem wichtigen Roman, der zum Nachdenken anregt.

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billyidolBilly Idol gehört zu den wichtigsten Vertretern der Popkultur der 80er Jahre. Songs wie „White Wedding“, „Flesh for Fantasy“, „Eyes without a face“ oder „Dancing with myself“ sind Klassiker der Popmusik bzw. des Punkrocks. Der letzt genannte Song ist zugleich der Titel seiner Autobiographie, die im Oktober auf Deutsch erschienen ist. Viele Leute werden sich sicherlich gewundert haben, als ihnen in den Buchläden ihres Vertrauens das Porträt des berühmen Punkrockers entgegengeblickt hat. Die Berichte über Idol im Hinterkopf, hätte man ihn mit allem Möglichen in Zusammenhang gebracht, aber sicherlich nicht mit Literatur.

Aber weit gefehlt. Billy Idol entpuppt sich in dem Buch als ein hochgebildeter Mensch, dessen Steckenpferd Geschichte ist. Von Jugend an rebellisch, wurde er Teil der britischen Punkbewegung der 70er Jahre. Mit seiner Band Generation X feierte erste Erfolge. So richtig los ging es aber erst, als er sich als Solokünstler in die USA aufmachte. Dort entstanden sämtliche seiner berühmt gewordenen Songs. Doch seine Karriere hatte auch ihre Schattenseiten. Bereits in England kam er mit Drogen in Berührung. In den USA wurde er schwerst abhängig.

Billy Idols Erinnerungen an seine wilde Zeit sind ein literarischer Rausch. Er packt den Leser wie ein Wirbelsturm und rast mit ihm durch die verschiedenen Stationen seines Lebens, das geprägt ist von Drogen und Sex. Idol schildert die Ereignisse äußerst lebendig, und lässt auch hier und da eine gekonnte Ironie nicht vermissen. Egal, ob er über die Punkkonzerte der 70er Jahre berichtet, über seinen Karrierestart in den USA oder über die Arbeit an seinen Alben, als Leser fühlt man sich stets mitten drin und, wenn man so will, „live“ dabei.

Billy Idol nimmt kein Blatt vor den Mund. So wird das Buch an manchen Stellen ziemlich heftig, besonders dann, wenn er über seine Schwerstabhängigkeit berichtet, in der er sich hauptsächlich in seiner Wohnung versteckte und unter schlimmen Halluziantionen litt. Es ist in der Tat ein Wunder, dass er diese Zeit, in der er unterschiedlichste Drogen gleichzeitig konsumierte, überlebt hat.

Das Buch „Dancing with myself“ ist keine der überflüssigen Bio- und Autobiographien, die zurzeit den Markt überschwemmen. Hier erfährt der Leser Musikgeschichte aus erster Hand. Äußerst unterhaltsam, spannend und durchaus immer wieder witzig sorgt Idol für punkrockige Lesestunden. Das Buch ist nicht nur interessant, sondern macht richtig Spaß. Unsere Empfehlung: Lesen und abrocken.

Billy Idol: Dancing with Myself. Die Autobiographie. Heyne Verlag 2014, 464 Seiten, 19,99€, ISBN: 978-3-453-26776-3.

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DieSchoeneUndDasBiestChristoph Gans ist das französische Aushängeschild, wenn es um Trash und Phantastik geht. Neben seinen zusammen mit Brian Yuzna produzierten Filmen „Crying Freeman“ (1995) und „Necronomicon“ (1993), erzielte er auch mit dem Mystery-Thriller „Pakt der Wölfe“ (2001) große internationale Erfolge. Sein neuester Streich ist die Verfilmung des Märchens „Die Schöne und Das Biest“, wobei hier nicht nur von einer Adaption zu sprechen ist, sondern auch von einem Remake des gleichnamigen Klassikers von Jean Cocteau aus dem Jahr 1946.

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Szenenfoto aus „Die Schöne und Das Biest“ (Copyright: Concorde Entertainment)

Regisseur Gans ist ein Ästhet wie er im Buche steht. Bereits in der Manga-Adaption „Crying Freeman“ zeigte er, dass man Actionfilme nicht nur in der üblichen Hau-drauf-Manier inszenieren muss. So ist es nicht verwunderlich, dass Gans für „Die Schöne und Das Biest“ einen wahren Bilderrausch kreiert, der – trotz Dauer-CGI – keineswegs ermüdet, sondern schlicht und ergreifend begeistert.

Die Geschichte selbst ist sicherlich jedem bekannt. Ein verarmter Kaufmann begegnet im Wald einem Ungeheuer, das damit droht, seine ganze Familie zu töten, wenn er nicht wieder zurückkehrt. Der Grund für die Strafe: Der Kaufmann hat eine Rose aus dem Garten der Bestie gepflückt. Belle, die Tochter des Kaufmanns, opfert sich für den Vater und kehrt statt ihm ins Schloss der Bestie zurück.

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Szenenfoto aus „Die Schöne und Das Biest“ (Copyright: Concorde Entertainment)

Christoph Gans orientiert sich im Hinblick auf die Kulissen stark an Cocteaus Klassiker. Das Haus des verarmten Kaufmanns oder auch Teile des Schlosses erinnern sehr stark an die Version von 1946. Mithilfe von Computeranimation setzt Gans jedoch ein Vielfaches obendrauf. Cocteaus surrealer Kunstfilm wird zum Action-Fantasy-Spektakel umgearbeitet, was jedoch keineswegs stört. Gans übertreibt nicht, die Effekte sind nicht ausufernd, sondern bewegen sich innerhalb eines vorgesteckten Rahmens, sodass sie nicht langweilig werden. Gut, diese Gizmo-artigen Wesen, welche zwischendurch auftauchen, hätte sich der Regisseur schenken können. Ein wenig mehr Humor hätte dem Film ebenfalls nicht geschadet. Doch insgesamt ist „Die Schöne und Das Biest“ ein durchaus gelungener Film für die ganze Familie.

Titel: Die Schöne und Das Biest (La belle & la bẻte)
Regie: Christoph Gans, Drehbuch: Christoph Gans, Sandra Vo-Anh, Produktion: Richard Grandpierre, Darsteller: Lea Seydoux, Vincent Cassel, Andre Dussollier, Eduardo Norgiega, Yvonne Catterfeld
Frankreich/Deutschland 2014
Laufzeit: 112 Min.

Szenenfotos mit freundlicher Genehmigung von AIM Online-PR

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Die Streiks bei der Bahn haben uns dazu animiert, nach Horrorfilmen zu suchen, die in einem Zug spielen. Die Anzahl solcher Produktionen ist interessanterweise äußerst gering. Wenn man es genau bedenkt, so sind Züge – außer in Westernfilmen – eher eine Randerscheinung im Kino.  Züge bieten wenig Raum für Action und da so gut wie jeder Wagon voller Fahrgäste ist, auch wenig Raum, um darin Urängste walten zu lassen. Dennoch eignet sich das Thema Zug hervorragend für Mystery-Thriller.

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„Ghost Train“ aus dem Jahr 1941. Eine Mischung aus Mystery und Komödie.

Bereits Anfang der 60er Jahre beschäftigte sich eine Folge der berühmten TV-Serie „Twilight Zone“ mit einem Zug, der den Protagonisten in einen friedlichen Ort namens Willoughby bringt. Die Folge beschäftigt sich mit dem Thema Aussteigertum, allerdings mit ganz anderen Konsequenzen. Etwa 20 Jahre davor kam der Film „Ghost Train“ in die englischen Kinos. Darin geht es um eine Gruppe Reisender, die auf einem verlassenen Bahnhof mitten in der Pampa aussteigen müssen, um auf den nächsten Zug zu warten. Dieser aber kommt erst am nächsten Morgen. Im Laufe des Films kommen Gerüchte auf, dass es in dem Bahnhof spuken soll. Nicht nur das. Um eine bestimmte Uhrzeit soll der Phantomzug einfahren. Die Mischung aus Slapstick und Mystery hat auch heute nichts von ihrem Reiz verloren. Besonders die Gag-Einlagen des bekannten englischen Comedians Arthur Askey hat der Film viel zu verdanken.

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„Horror Express“ (1972)

1972 wurde mit „Horror Express“ einer der skurrilsten Trashfilme produziert. Mit Stars wie Christopher Lee, Peter Cushing und Telly Savalas bespickt, erzählt der Film die Geschichte eines tiefgefrorenen Monsters, das ein Wissenschaftler mit dem Transsibirenexpress nach Europa bringen möchte. Das Monster taut natürlich auf und beginnt, die Zuggäste zu dezimieren. Einer der Höhepunkte des Films ist die Sequenz, in der Telly Savalas als Zombie-Kosake den Zug in seine Gewalt bringen möchte. „Horror Express“ zählt inzwischen zu den Klassikern des Trashfilms. Beim Sitges Film Festival erhielt Regisseur und Autor Eugenio Martin den Preis für das beste Drehbuch. Doch half dies seiner Karriere nicht. Später drehte er nur noch mehr Filme fürs Fernsehen.

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„Terror Train“ (1980)

1980, zu Beginn der Slasher-Film-Welle, entstand die Produktion „Terror Train“, in der eine Gruppe Studenten eine Abschlussparty in einem Zug feiern. Die Feier ist als Kostümparty geplant. Drei Jahre zuvor kam der schüchterne Student Kenny Hampson bei einem üblen Scherz ums Leben, welche die Gruppe initiiert hatte. Bei der Party taucht immer wieder eine als Groucho Marx verkleidete Person auf, welche einen nach dem anderen umbringt. Schon bald kursiert die grässliche Vermutung, dass Kenny zurückgekommen ist, um sich an den am Scherz Beteiligten zu rächen. – Der Film ist durchaus spannend gemacht, die Schockeffekte meistens gelungen. Als Scream-Queen diente einmal mehr Jamie Lee Curtis. Bekannt wurde der Film aber vor allem durch David Copperfield, der hier eine kleine Nebenrolle innehat. Regie führte übrigens Roger Spottiswoode, der Ende der 90er Jahre für den Bond-Film „Der Morgen stirbt nie“ verantwortlich war.

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„Ghost Train“ (2006)

In Japan wurde 2006 ein Horrorfilm produziert, der ebenfalls in einem Zug spielt. Titel des Streifens lautet passenderweise „Ghost Train“. Es geht darin um eine Geisterfrau, die in einem Zug und auf einem bestimmten Bahnhof ihr Unwesen treibt. Angeblich basiert das Drehbuch auf einer wahren Begebenheit. Regisseur und Autor Takeshi Furusawa soll zwei Jahre lang an dem Drehbuch gearbeitet haben. Man müsste daher annehmen, einen äußerst durchdachten und ästhtetisch umgesetzten Horrorfilm vor sich zu haben. Aber leider trifft das nicht zu. Zwar gelingen dem Regisseur ein paar recht gute Szenen, doch insgesamt zählt der Film zu den schlechteren J-Horror-Varianten.

Das war es auch schon mit dem kurzen Überblick. Filme, die in einer U-Bahn spielen, haben wir bewusst ausgelassen, denn diese werden ja zurzeit nicht bestreikt. Möchte man den Rahmen aber etwas ausweiten und auch SF-Filme miteinbeziehen, so kämen noch der Mystery-Thriller „Source Code“ von „Moon“-Regisseur Duncan Jones und der koreanische SF-Film „Snowpiercer“ von Bong Joon-Ho hinzu. In „Source Code“ durchlebt ein Passagier immer wieder dieselbe Situation und versucht, aus dieser Endlosschleife zu entkommen. Gut, die Handlung ist alles andere als originell, der Film aber dennoch sehr gut gemacht. „Snowpiercer“ spielt in einem Zug, der quasi auf ewig durch eine zugeeiste Welt fährt und in dem die Unterdrückten der Macht der Elite ein Ende setzen möchten. „Snowpiercer“ war 2014 mit Sicherheit einer der interessantesten SF-Filme.

 

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steinzeitastronautenHatten prähistorische Menschen Kontakt zu Besuchern von fremden Planeten? Diese Frage scheint zunächst äußerst skurril. Je mehr man sich mit steinzeitlichen Funden beschäftigt, desto mehr wird diese Frage jedoch zu einer historischen Möglichkeit. Der bekannte Grenzwissenschaftler Reinhard Habeck geht in seinem neuesten Buch „Steinzeit-Astronauten“ eben diesem Problem nach.

Den Schwerpunkt seiner Untersuchung bildet der Alpenraum und dort speziell das Camonica-Tal. Besonders in diesem Gebiet gibt es eine Unmenge an steinzeitlichen Felsbildern, deren eigentliche Bedeutung wohl für immer verborgen bleiben wird. Dennoch versuchen Archäologen, das Geheimnis dieser Bilder zu entschlüsseln. Interessant hierbei ist, dass manche Bilder Menschen darstellen, die heutigen Astronauten gleichen. Auch Bilder, die auf mysteriöse Himmelserscheinungen schließen lassen, finden sich regelmäßig. Kombiniert man diese unterschieldichen Felsbilder, so ergibt sich ein mögliches Szenario: Die frühzeitlichen Menschen im Alpenraum hatten Kontakt mit Personen, die nicht von dieser Erde stammten.

Skeptiker bringt diese Vermutung nicht selten zum Lachen. Doch Reinhard Habeck zeigt, dass diese Theorie keineswegs mehr eine exotische Randerscheinung ist, sondern zunehmend auch von Archäologen in Betracht gezogen wird. Bei seiner Suche nach möglichen Beweisen für einen solchen Kontakt, versucht Habeck nicht, dem Leser eine bestimmte Meinung aufzudrängen. Er bleibt objektiv, stellt die Annahmen der klassischen Archäologie den Theorien der Paläo-SETI-Forschung gegenüber. Dabei liest sich das Sachbuch so spannend wie ein Kriminalroman.

Was hat es mit diesen „Steinzeit-Astronauten“ auf sich? Habeck zeigt, dass diese Bilder überall auf der Erde zu finden sind. Hielten die Frühmenschen unabhängig von einander ähnliche Ereignisse fest? Was ist von den einarmigen Menschen zu halten, die immer wieder unter den Felszeichnungen zu finden sind? Auch diese Figuren tauchen in verschiedenen Kulturen unter ähnlichen Zusammenhängen auf: ein unbekanntes Volk, das einen Jahrtausende großen Entwicklungsvorsprung vor den prähistorischen Menschen gehabt haben musste.

Reinhard Habeck argumentiert wissenschaftlich. Er lässt sowohl Skeptiker als auch Befürworter der Annahme über die „Steinzeit-Astronauten“ zu Wort kommen. Der Leser erhält dadurch einen hoch interessanten Einblick in die Erforschung von steinzeitlichen Felsbildern und den aktuellen Stand der Felsbildforschung. Doch letztendlich muss jeder Leser für sich entscheiden, welche Theorie er für richtiger hält.

Reinhard Habeck: Steinzeit-Astronauten. Felsbildrätsel der Alpenwelt. Pichler Verlag 2014, 207 Seiten, 24,99€, ISBN: 978-3-85431-670-1

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