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Archive for the ‘Trash der 60er’ Category

captaincleggDie Produktionen der Hammer-Studios prägten das Gesicht des Horrorfilms in den 60er Jahren. Schauspieler wie Peter Cushing, Christopher Lee oder auch Oliver Reed begannen ihre Karrieren mit Filmen dieser inzwischen legendären Produktionsfirma. Mit „Die Bande des Captain Clegg“ verbindet Regisseur Peter Graham Scott ein Piratenabenteuer mit den schaurig-schönen Elementen einer viktorianischen Geistergeschichte.

Die Handlung erzählt von einer kleinen Küstenstadt, die im Rufe steht, dem berüchtigten Piratenkapitän Captain Clegg Unterschlupf zu bieten. Aus diesem Grunde wird der Marine-Hauptmann Captain Collier in diesen Ort geschickt, um den Gerüchten nachzuspüren. Doch mit der Kleinstadt scheint irgendetwas nicht zu stimmen. Dies liegt nicht allein an den Piratengeschichten, sondern auch an einer nagenden Angst der Bewohner vor Moorgeistern, die dort ihr Unwesen treiben sollen.

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Plakat mit dem alternativen Filmtitel „Night Creatures“.

Wie in den meisten Fällen der Hammer-Produktionen, bietet auch dieser Film aus dem Jahr 1962 beste Unterhaltung. Was zunächst wie ein Piratenabenteuer beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einer Geschichte über Gespenster, Geheimgänge und sonderbare Geheimnisse. Wie in einem Roman von Sheridan LeFanu oder Wilkie Collins bewegt sich die Story zwischen unheimlichem Schauer, rätselhaften Morden und tragischen Familienschicksalen. Hierbei geht Scott stark auf die Zwielichtigkeit der einzelnen Charaktere ein. Nichts ist so wie es zunächst scheint. Diese Thematik durchzieht den gesamten Film. Egal ob es sich um Gräber, Wandverzierungen oder eben Menschen handelt. Alles bzw. jeder besitzt einen sprichwörtlichen doppelten Boden. Aus diesem Spiel zwischen Schein und Sein kreiert Peter Graham Scott eine dichte Spannung, die nichts zu wünschen übrig lässt.

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Wem man im Moor so begegnen kann … „Captain Clegg“ (1962); Copyright: Hammer Productions

Die Kulissen sind wie in fast allen Hammer-Filmen äußerst liebevoll und bis ins kleinste Detail gestaltet. Schon allein die düsteren, windgepeitschten Häuser der Kleinstadt machen dem Zuschauer deutlich, dass hier unheimliche Dinge vor sich gehen. Die Szenen, die auf dem Moor spielen, sind teilweise in einer gelungenen Gespensterästhetik photographiert, die an die unheimlichen Geschichten eines M. R. James erinnert. „Die Bande des Captain Clegg“ ist dadurch ein schönes Beispiel für die Kunst der Hammer-Studios.

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goke2Fast 20 Jahre vor Tobe Hoopers „Lifeforce“ gelangte schon einmal ein außerirdischer Vampir auf die Erde und zwar in Hajime Satos Film „Goke“. Hajime Sato (1929-1995) war im Trash-Genre beheimatet, wobei „Goke – Vampir aus dem Weltall“ sein bekanntestes Werk darstellt.

„Goke“ hat so ziemlich alles, was ein guter Trash-Film braucht: einen heldenhaften Flugzeugpiloten, einen fiesen Politiker, einen Gangster und einen Außerirdischen. Der Film beginnt damit, dass immer mehr Vögel grundlos gegen die Fenster des Flugzeugs knallen. Kurz darauf erscheint der Himmel blutrot. Im selben Moment erhält der Pilot von der Flugsicherung eine Warnung, dass sich eine Bombe an Bord befindet. Das Gepäck wird durchsucht, der Terrorist gibt sich zu erkennen. Mit vorgehaltener Waffe will er eine Kursänderung erzwingen, doch da kollidiert das Flugzeug beinahe mit einem UFO. Es kommt zur Bruchlandung. In unmittelbarer Nähe befindet sich das unbekannte Flugobjekt. Als der Gangster dieses betritt, wird er von einem Alienparasiten befallen und mutiert dadurch zu einem willenlosen Blutsauger, der Passagiere und Crew an den Kragen will …

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Der außerirdische Vampir (Hideo Ko) macht sich an sein nächstes Opfer (Kathy Horan) ran.

Schon die Handlung beweist, dass hier Trash-Freunde voll auf ihre Kosten kommen. Dennoch ist Satos Film keineswegs eine bloße Aneinanderreihung skurriler Begebenheiten. Sato will eindeutig mehr und seinem Werk eine gewisse Tiefe verleihen. Auf diese Weise überrascht der Film durch seine harsche Kritik an Politik und einer Mahnung über die Sinnlosigkeit des Krieges. Diese Aspekte versinnbildlichen sich in der Figur des Politikers, dessen Charakter überaus unsympathisch, man möchte schon fast sagen widerlich erscheint. Im Gegensatz dazu sind die übrigen Figuren, der Gangster eingeschlossen, Sowohl-als-auch-Charaktere. Nicht weniger erstaunlich ist auch das Ende des Films, das einen regelrecht endzeitlichen Charakter besitzt, das „Goke“ schließlich zu einem überaus düsteren Film werden lässt.

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Gangster Hirofumi (Hideo Ko) Geht auf das UFO zu. Ein Beispiel für die teils intensive Farbgebung des Films.

Bis dahin jedoch wechselt der Parasit öfters seinen Wirt, sodass die Spannung, ähnlich wie in anderen Filmen, die das „Bodysnatcher“-Thema aufgreifen, durch die allgegenwärtige Bedrohung und die daraus resultierende paranoide Angst stets aufrecht erhalten bleibt.

Noch ein Wort zum Vergleich mit Mario Bava: Dieser kam wahrscheinlich durch die Betonung der intensiven Farbgebung zustande. Bava liebte starke, leuchtende Farben, die seine Filme stellenweise wie Gemälde erscheinen lassen. Ähnliches findet man bei „Goke“. Auch hier strahlen die Farben und geben dem Film damit einen bis ins Surreale reichenden Charakter.

Goke – Vampir aus dem Weltall (OT: Kyuketsuki Gokemidoro), Regie: Hajime Sato, Drehbuch: Kyuzo Kobayashi, Susumu Takahisa, Kathy Horan, Produktion: Takashi Inomata, Darsteller: Hideo Ko, Teru Yushida, Tomomi Sato, Japan 1968, 81 Min

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muehlecoverDer Name Pierre Briece ist unweigerlich verbunden mit Winnetou. Diese Figur machte den französischen Schauspieler zum Star in Deutschland. Dass seine eigentliche Karriere allerdings mit einem Horrorfilm begann, dürfte den wenigsten bekannt sein.

1960 erhielt Pierre Briece die Hauptrolle in dem Gothic-Horror „Die Mühle der versteinerten Frauen“. Dieser Film, der auf einer flämischen Erzählung beruht, beinhaltet das gesamte Repertoire der englischen Hammer-Produktionen, der Poe-Filme von Roger Corman sowie des italienischen Horrorfilms. Die stilvolle, satte Farbgebung, die düsteren, detaillierten Kulissen sowie die originellen Kameraeinstellungen lassen den ganzen Film als echtes Kunstwerk erscheinen. Einzelne Szenen erinnern an die Gemälde flämischer Meister. Und dies hat auch seinen Sinn, hat doch der gesamte Film Kunst zum Thema.

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Professor Wahl (Wolfgang Preiss) begrüßt seine Besucher.

Pierre Briece spielt darin den Architekturstudenten Hans van Harnim, der eine Arbeit über das „Carillon der versteinerten Frauen“, welches unheimliche Frauenstatuen auf einem Mühlrad zeigt, schreiben möchte. Dieses befindet sich in einer einsam gelegenen Mühle. Er trifft auf seinen Lehrer Professor Wahl, dem die Mühle gehört. Dessen Tochter leidet jedoch unter einer seltsamen Krankheit. Um überleben zu können, benötigt sie ständig frisches Blut. Als Hans van Harnims Verlobte spurlos verschwindet, versucht er, auf eigene Faust, sie wieder zu finden. Dabei kommt er dem Geheimnis der Mühle und jenes seltsamen Kunstwerks mehr und mehr auf die Spur.

Gerüchten zufolge soll der bekannte italienische Horrorregisseur Mario Bava bei der Entstehung des Filmes mitgewirkt haben. Für Filmhistoriker scheint diese These plausibel, da dadurch die spezielle Farbgebung sowie der dramaturgische Stil des Films erklärt werden könnten. Diese tauchen erst wieder in Bavas eigenen Werken und in denen seines Schülers Dario Argento auf.

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Hans von Harnim (Pierre Briece) entdeckt das schreckliche Geheimnis des Kunstwerks.

Der Film selbst lief zwar durchaus erfolgreich in den europäischen Kinos, entwickelte sich allerdings keineswegs, wie etwa Cormans „Die Verfluchten“, der im selben Jahr erschien, zum Kassenschlager. Dies hatte zur Folge, dass „Die Mühle der versteinerten Frauen“ sehr schnell wieder wieder in Vergessenheit geriet, sodass nach ein paar Jahren das Gerücht kursierte, dass der Film verschollen sei. Nur einzelne Szenenfotos zeugten überhaupt von der Existenz dieses Meisterwerks. Zum Glück jedoch entpuppte sich dieses Gerücht als Trugschluss. Denn die Filmrollen staubten seelenruhig in einem Archiv vor sich hin.

Obwohl der Film im Grunde genommen eine weitere Variation des „Wachsfigurenkabinett“-Themas darstellt, erweitert er dieses durch eine Art moderne Form des Vampirismus. Auf diese Weise gelingen Giorgio Ferroni viele unheimliche Momente, angefangen von dem schrillen Schrei, der hinter einem tiefroten Vorhang hervordringt, bis hin zu eben jenem unheimlichen Kunstwerk, das von allen bestaunt wird. Für Liebhaber klassischer Horrorfilme sind die „versteinerten Frauen“ daher ein wahrer Genuss.

Die Mühle der versteinerten Frauen (OT: Il Mulino delle Donne di Pietra), Regie u. Drehbuch: Giorgio Ferroni, Produktion: Giampaolo Bigazzi, Darsteller: Pierre Briece, Wolfgang Preiss, Scilla Gabel, Dany Carrel. Italien/Frankreich 1960, 90 Min.

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triffids41962 verfilmte der aus Ungarn stammende Regisseur Steve Sekely John Wyndhams SF-Klassiker „Day of the Triffids“ (1951). Neben „The Midwich Cuckoos“ (der deutsche Titel lautete: „Es geschah am Tage X“), der unter dem Titel „Dorf der Verdammten“ verfilmt wurde, ist „Die Triffids“ Wyndhams bekanntester Roman.

Die Verfilmung nahm sich ziemlich viele Freiheiten heraus, übernahm aber zumindest die Grundhandlung des Romans. Es geht um eine fremdartige Pflanzenart, die während eines Meteorschauers monströse Eigenschaften annimmt. Die Pflanzen werden nicht nur groß, sondern können sich von einem Ort zum anderen Bewegen. Zudem haben sie Hunger auf Menschenfleisch. Während es sich im Roman um eine Art von genveränderten Pflanzen handelt, die durch den Meteorschauer zu einer Bedrohung werden, bleibt die Herkunft der Pflanzen im Film offen. Das Licht, das während des Meteorschauers am Himmel zu sehen ist, reizt die Augen der Menschen so stark, dass die meisten erblinden und dadurch zu einer leichten Beute für die Pflanzen werden. Der Seefahrer Bill Mason liegt während des Zwischenfalls mit verbundenen Augen im Krankenhaus. Er ist einer der wenigen, die noch sehen können. Zusammen mit einer Schülerin streift er durch eine zerstörte Welt in der Hoffnung, einen Ort zu finden, an dem die Zivilisation noch nicht zusammengebrochen ist.

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Die Katastrophe beginnt mit seltsamen Lichtern am nächtlichen Himmel. „The Day of the Triffids“ (1962)

Wie bereits der Roman, so wurde auch der Film zu einem Klassiker des Genres. Sekely gelingen von Anfang an tolle Aufnahmen, die mit den Lichterscheinungen am Himmel beginnen und sich bei der Darstellung des zunehmenden Verfalls der Gesellschaft fortsetzen. Dabei weist er darauf hin, wie schnell es zu einem Zusammenbruch der Zivilisation kommen kann. Im wahrsten Sinne des Wortes verändert sich die Gesellschaft über Nacht. Ist zunächst noch alles in Ordnung, so herrscht wenige Stunden später das komplette Chaos. Tote und Verletzte liegen in den Straßen, Blinde taumeln durch die Stadt, die vergeblich nach Hilfe suchen. Es kommt zu mehreren Unfällen (u.a. kracht ein Zug in den Bahnhof), die dazu führen, dass es zu Großbränden kommt, die niemand löschen kann.

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Bill Mason (Howard Keel) geht durch das zerstörte London. „The Day of the Triffids“ (1962)

„The Day of the Triffids“ ist voller Dramatik, Action und Spannung. Wie auch schon Wyndham, so entwirft Sekely ein eher negatives Menschenbild, in dem der Zusammebruch der Gesellschaft zum gleichzeitigen Zusammenbruch der moralischen Werte führt. Jeder ist nur noch sich selbst am nächsten. Egoismus und die Angst vor dem Anderen treten mehr und mehr zum Vorschein. Die Menschen, die noch sehen können, versuchen, sich mehr schlecht als recht zu organisieren. Als Bill Mason und die Schülerin Susan in Frankreich ankommen, wo sie auf eine Gruppe Sehenden treffen, kommt es zu einem weiteren Zwischenfall: ausgebrochene Straftäter dringen in das Gebäude, in dem die Gruppe lebt, ein und übernehmen die Kontrolle. Hier kommt es zu einem der vielen Höhepunkte des Films. Denn während des Kampfs zwischen Bill und den Kriminellen, greifen die Monsterpflanzen das Haus an.

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Wissenschaftlerin Karen Goodwin (Janette Scott) wird von einer der Monsterpflanzen attackiert. „The Day of the Triffids“ (1962)

Parallel zur Haupthandlung verläuft ein zweiter Erzählstrang, in dem es um ein Wissenschaftlerehepaar geht, das auf einem abgelegenen Leuchtturm wohnt, um dort ihren Forschungen nachzugehen. Während der Mann Alkoholiker ist, ist die Frau voller Tatendrang. Als auch sie von den Pflanzenmonstern angegriffen werden, versuchen sie, ein Mittel gegen die Ungeheuer zu finden. Merkwürdigerweise stehen diese Ereignisse mehr oder weniger für sich, d.h. es kommt zu keiner Verbindung zwischen den Figuren aus dem Leuchtturm und den Hauptfiguren. Dennoch ist auch die parallel verlaufende Handlung sehr dicht und spannend in Szene gesetzt. Im Grunde genommen hätte man daraus einen eigenen Film machen können. Janette Scott, die die Wissenschaftlerin spielt und ein Jahr darauf in dem Klassiker der Hammer-Studios „Paranoiac“ mitspielte, wurde in den 70ern im Opener-Song der „Rocky Horror Picture Show“ erwähnt.

„The Day of the Triffids“ lief in Deutschland unter dem Titel „Blumen des Schreckens“. 2009 verfilmte die BBC den Roman erneut, allerdings in Form einer TV-Mini-Serie. Der Film „28 Days later“ (2002) bedient sich frech der Ausgangssituation von den „Triffids“.

Die Blumen des Schreckens (OT: The Day of the Triffids). Regie: Steve Sekely, Drehbuch u. Produktion: Philip Yordan, Darsteller: Howard Keel, Nicole Maurey, Janette Scott, Kieron Moore, Janina Faye. England 1963, 90 Min.

 

 

 

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dreigesichterderfurchtItaliens Filmindustrie war in den 60er Jahren dank der Herkules-Filme im Aufwind. Parallel zu den Sandalenfilmen produzierte man zunehmend auch Horrorfilme, wobei vor allem die Filme Mario Bavas international Aufsehen erregten. Der Erfolg führte dazu, dass die US-amerikanische Produktionsfirma American International Pictures italienischen Firmen mehrere Filme in Auftrag gab, um dadurch auf dem Erfolg mitschwimmen zu können.

Einer dieser Filme war „Die drei Gesichter der Furcht“ aus dem Jahr 1963, der in den USA unter dem Titel „Black Sabbath“ in die Kinos kam. Es handelt sich dabei um eine Anthologie, bestehend aus drei kürzeren Filmen, die von den Klassikern Guy de Maupassaunt und Aleksey Tolstoy inspiriert wurden. Die Titel der drei Filme lauten „Telefon“, „Wurdulack“ und „Der Wassertropfen“. Während es sich bei „Telefon“ um einen Giallo handelt, sind die beiden anderen Filme reine Horrorfilme.

„Telefon“ erzählt die Geschichte von Rosy, einem Calldirl, das nachts plötzlich ominöse Anrufe erhält. Ihr früherer Freund Frank ist aus dem Gefängnis geflohen und droht Rosy nun damit, sie umzubringen, da sie ihn verraten hat. Aus Angst bittet Rosy ihre Freundin Mary darum, die Nacht bei ihr zu verbringen. Doch dann taucht Frank tatsächlich auf …

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Rosy (Michele Mercier) erhält einen ominösen Anruf. In „Drei Gesichter der Furcht“ (1963).

In „Telefon“ geht es um Rache, um Täuschung und um eine angedeutete lesbische Liebesbeziehung. Bava zeigte in dem Film, dass er auch hervorragende Thriller drehen konnte, die im Vergleich zu Hitchcock in nichts nachstanden. Der einzige Unterschied: die erotischen Zwischentöne sind bei Bava weitaus direkter. In „Telefon“ beherrscht die unterschwellige Erotik den ganzen Film, schafft dadurch neben der dichten Spannung eine zusätzliche Sinnlichkeit, die von der Gestik der Darstellerinnen bis hin zur Farbgebung und Beleuchtung alles vereinnahmt. So gesehen ist „Telefon“ ein echtes, kleines Meisterwerk.

„Der Wurdulak“ orieniert sich ziemlich genau an der Erzählung „Die Rache des Wurdulak“ des Schriftstellers Aleksey Tolstoy (nicht zu verwechseln mit dem „Krieg und Frieden“-Tolstoy). Ein anderes bekanntes Werk Tolstoys ist der Marsroman „Aelita“. In Film und Erzählung geht es um einen Reisenden, der zu einem abgelegenen Haus kommt. Da es schon spät ist, bittet der Reisende die Bewohner darum, in dem Haus übernachten zu dürfen. Dabei stellt sich heraus, dass die Bewohner befürchten, noch in derselben Nacht von einem Vampir heimgesucht zu werden …

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Der Wurdulak nähert sich dem Haus. In „Drei Gesichter der Furcht“ (1963).

„Der Wurdulak“ ist ein spannender, unheimlicher und recht drastisch in Szene gesetzter Horrorfilm. Im Gegensatz zu den damaligen Horrorfilmen aus Hollywood, zeigten die italienischen Filme mehr Blut und Gewalt. Boris Karloff spielte den Wurdulak, der eigentlich der Vater der Familie ist, die in dem Haus wohnt, und nun als Vampir zurückkehrt. Es wird erstochen und geköpft, die in Angst lebende Familie geht dabei zu Grunde, die einzelnen Mitglieder verwandeln sich nach und nach selbst zu Vampiren. Der Film ist zum einen sehr düster, zum anderen hoch spannend und entwickelt eine wunderschöne Gruselästhetik, die weit über das Können der US-Kollegen hinausragt.

„Der Wassertropfen“ schließlich erzählt die Geschichte einer Krankenschwester, die in einer Gewitternacht in das unheimliche Haus eines Mediums geholt wird, die während einer ihrer Sitzungen gestorben ist. Da die Krankenschwester nichts mehr für die Frau tun kann, macht sie den leblosen Körper zurecht, bevor er von den Sanitätern abgeholt wird. Dabei stielt sie einen Ring. Wieder zuhause, hört sie immer wieder das Tropfen von Wasser. Und schließlich erscheint der schreckliche Leichnam in ihrer Wohnung …

Der letzte Film der Anthologie hat es in sich. Zum einen ist wiederum die Story überaus spannend und dicht umgesetzt. Hinzu kommt Bavas Spiel mit Licht und Farben, das die einzelnen Szenen teilweise surreal erscheinen lässt. Das Augenmerkt aber liegt vor allem auf dem Leichnam des Mediums, dessen verzerrtes Gesicht einem auch heute noch eine Gänsehaut über den Rücken laufen lässt. Mario Bavas Vater hatte diese gruselige Puppe aus Wachs gefertigt.

Während „Die drei Gesichter der Furcht“ in Italien und anderen europäischen Ländern ungeschnitten gezeigt wurde, musste der Film für den US-amerikanischen Filmmarkt gekürzt werden, da, wie vorhin bereits bemerkt, manche Anspielungen und Darstellungen zu direkt und zu brutal waren. Dennoch wurde der Film ein großer Erfolg.

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nightmareNeben den klassischen Gruselfilmen, in denen es um Geister, Hexen, Vampire und andere unheimliche Geschöpfe geht, produzierten die Hammer-Studios auch eine Reihe Psychothriller, welche an Hitchcocks Kassenschlager „Psycho“ anknüpfen sollten. Dadurch kam es zu Filmen wie „Ein Toter spielt Klavier“ (Scream of Fear) oder „Das Haus des Grauens“ (Paranoiac). Ein weiteres Beispiel dieser anderen Seite von Hammer ist „Der Satan mit den langen Wimpern“. Wie auch in den beiden anderen erwähnten Filmen, schrieb Hammers Drehbuchstar Jimmy Sangster das Script.

In gewisser Weise kann man behaupten, dass es sich bei „Scream of Fear“, „Paranoiac“ und „Nightmare“ um eine lose Trilogie handelt. Denn im Grunde genommen wird in allen drei Filmen dieselbe Geschichte erzählt, allerdings in unterschiedlichen Variationen.

„Der Satan mit den langen Wimpern“ erzählt die Geschichte der jungen Janet, die seit ihrer Kindheit unter Wahnvorstellungen und Angstträumen leidet. Ständig glaubt sie, von ihrer wahnsinnigen Mutter verfolgt zu werden. Janet wird daher aus der Schule entlassen, um sich in ihrem Familienwohnsitz zu erholen. Hier jedoch werden ihre Alpträume und Halluzinationen noch schlimmer. Oder sind es vielleicht gar keine Vorstellungen? Niemand schenkt Janets Angst, dass ihre Mutter aus der Irrenanstalt geflohen sein könnte, Glauben. Dadurch sinkt sie immer tiefer in den Wahnsinn.

Der Film verknüpft gekonnt Psychothriller mit den Aspekten des Haunted-House-Genres. Bereits die gewaltige Fassade von Janets Elternhaus weist daraufhin, dass es innen unübersichtlich ist und man sich in dem Gebäude durchaus verlaufen kann. Dieser Eindruck wird in der Innenausstattung fortgesetzt. Tiefe, undurchdringliche Schatten machen Janets  Zuhause zu einem unheimlichen und ungemütlichen Ort. Obwohl das Haus durch seine enorme Größe hervorsticht, kreieren die Schatten eine Art von Klaustrophobie, die Janets Ängste auf den Zuschauer überträgt.

Janet stößt in ihrem Heim keineswegs auf Geborgenheit. Vielmehr herrschen in den vier Wänden Gefühlskälte, die Erinnerungen an einen grausamen Mord und Scheinheiligkeit. Es kommt zu einem nicht enden wollenden Familienstreit. Dieser wird teilweise so heftig ausgetragen, dass einzelne Szenen auch heute noch recht drastisch wirken. Auch die Schockeffekte erzielen durchaus ihre Wirkung.

Jimmy Sangster und Regisseur Freddie Francis gelingt es, der Story völlig überraschende Wendungen zu geben. Auch wenn man bei Vorkenntnis der anderen beiden Filme weiß, auf was alles letzten Endes hinausläuft, führen Handlungsdichte und Spannungsmomente keineswegs zu Langeweile.

Hammer drehte seine Psychothriller konsequent in Schwarzweiß. Dies erweist sich sehr zum Vorteil der Optik. Die Schatten erscheinen wie mit einem dicken Pinsel aufgetragen. Angst und Wahnsinn bekommen durch das Spiel aus Licht und Schatten eine intensivere Note. Jimmy Sangster behauptete einmal, dass er viel lieber Thriller schreibe, als Drehbücher zu gewohnten Horrorfilmen. Seine Vorliebe stellte er in diesem Film gekonnt unter Beweis.

Der Satan mit den langen Wimpern (OT: Nightmare), Regie: Freddie Francis, Drehbuch u. Produktion: Jimmy Sangster, Darsteller: David Night, Moira Redmond, George A. Cooper. England 1964, 83 Min.

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nightofthebigheatZwar werden die Winter von mal zu mal milder, doch wenn die Temperaturen auf über 30 Grad ansteigen, so ist dies mehr als nur außergewöhnlich. Genau dies geschieht in dem SF-Klassiker „Night of the big Heat“. Die Geschichte spielt auf der Insel Fara, wo eines Winters Temperaturen wie im Hochsommer herrschen, während es im übrigen England Minusgrade hat. In der Dorfschenke Swan treffen sich die Bewohner, um sich etwas abzukühlen. Dort hat auch der eigenartige Wissenschaftler Godfrey Hanson ein Zimmer gemietet. Er behauptet, dass die Hitze von außerirdischen Invasoren verursacht werde. Zunächst glaubt ihm niemand. Doch als immer mehr Menschen spurlos verschwinden, bricht Panik aus …

Filme, in denen die beiden Horrorikonen Christopher Lee und Peter Cushing gemeinsam auftreten, sind in der Regel immer sehenswert. Dies trifft auch auf „Brennender Tod“, so der deutsche Titel, zu. Horrorregisseur Terence Fisher gelingt es darin, eine sehr dichte und bedrohliche Atmosphäre zu schaffen, welche den ganzen Film über bestehen bleibt. Das Unheimliche macht sich zunächst nur durch seltsame Geräusche bemerkbar, deren Ursprung niemand ausmachen kann. Im Laufe des Films führen diese Geräusche bei manchen Bewohnern zu seltsamen Starrkrämpfen und Panikattacken.

Die im Ort eingeschlossenen Bewohner versuchen verzweifelt, dieser Gefahr zu entkommen und die Invasion zu verhindern. Im Grunde genommen schlägt hierbei Terence Fisher Motive an, die die Paranoia-Filme der 50er Jahre aufgegriffen haben. Zum anderen erinnert die Story an den Stil der Romane von John Wyndham und dem frühen John Christopher, deren literarische Bedrohungsszenarien sich ebenfalls immer auf einen bestimmten Ort beschränkten. Ob sich Drehbuchautor Robert Liles von beiden inspirieren ließ, kann nicht beantwortet werden, erscheint aber durchaus möglich.

Aber ganz egal, woher die Inspiration kam, „Night of the Big Heat“ ist ein durch und durch unterhaltsamer Film, das Ergebnis dreier Ikonen des Horrorfilms.

Night of the Big Heat (Dt. Titel: Brennender Tod), Regie: Terence Fisher, Drehbuch: Ronald Liles, Produktion: Ronald Liles, Tom Blakeley, Darsteller: Christopher Lee, Peter Cushing, Patrick Allen, Jane Merrow, Sarah Lawson, England 1967, Laufzeit: 90 Min.

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