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Archive for the ‘Trash der 60er’ Category

Regisseur Irwin Allen war auch unter dem Namen Master of Desaster bekannt, da er sich auf die Produktion von Katastrophenfilmen spezialisiert hatte. Auf sein Konto gehen Filme wie „Die Höllenfahrt der Poseidon“ (1972), „Flammendes Inferno“ (1974) oder auch „Der tödliche Schwarm“ (1978). Nebenher schuf er auch TV-Serien, die inzwischen zu Klassikern geworden sind, wie etwa „Time Tunnel“, „Lost in Space“ oder „Land of the Giants“.

1961 drehte er mit „The Voyage to the Bottom of the Sea“, der unter dem Titel „Unternehmen Feuergürtel“ in die deutschen Kinos kam, eine rasante Mischung aus Action-, SF- und Katastrophenfilm, dessen Erfolg (er spielte mehr als das Dreifache der Produktionskosten ein) ebenfalls zu einer gleichnamigen TV-Serie führte. Es geht um die Abenteuer der Besatzung der Seaview, eines Atom-U-Boots, das von Admiral Nelson selbst entworfen und gebaut wurde. Gerade als sich die Seaview am Rand der Arktis befindet, kommt es zur Katastrophe: ein Meteoritenschauer setzt den Van-Allen-Gürtel, der die Erde umgibt, in Flammen, was zu einem drastischen Temperaturanstieg auf unserem Planeten führt. Admiral Nelson und der Wissenschaftler Lucius Emery berechnen, dass man von einer bestimmten Stelle des Pazifik aus eine Atombombe auf den Van-Allen-Gürtel abfeuern könnte, um durch diese gezielte Explosion das Feuer zu löschen. Doch bis dahin gibt es so allerhand Gefahren zu überstehen.

Dr. Susan Hiller (Joan Fontaine), Cathy Connors (Barbara Eden) und Lucius Emery (Perer Lorre) im Cockpit der Seaview; „Unternehmen Feuergürtel“ (1961), © Koch Media

Die Kritiker mochten den Film nicht. Sie fanden ihn albern und wissenschaftlich völlig plemplem. Aber die Zuschauer störte das nicht – und sie bekamen dafür auch die volle Ladung Spannung, Action und Unterhaltung geboten. Und das ist es ja eigentlich auch, was zählt. Denn in kaum einem anderen Film gibt es so viele Abenteuer zu bestehen und so viele Konflikte zu lösen wie in „Unternehmen Feuergürtel“. Der Kampf mit einem Riesenkraken ist dafür nur ein Beispiel.

Denn während äußere Gefahren lauern – durch Unterwasserminen, zusammenbrechende Eisberge, einem feindlichen U-Boot, das Jagd auf die Seaview macht -, steigern sich die Konflikte an Bord. Aufgrund der globalen Katastrophe möchte die Mannschaft lieber nachhause und beginnt daher zu meutern. Noch dazu ist ein unbekannter Saboteur mit an Bord, der versucht, das U-Boot zu vernichten.

Bei all der Action und Spannung und bei all dem Nervenkitzel vergisst Allen auch nicht, seine Figuren Diskussionen über Religion und das Wesen Gottes führen zu lassen, da es schließlich um das Ende der Welt geht. Ironischer Weise entpuppt sich ausgerechnet einer der Wissenschaftler als ein religiöser Fanatiker, was durchaus originell ist und den Dialogen eine interessante Tiefe verleiht.

Schon allein das Intro des Films ist so etwas wie ein Meilenstein der Überraschung. Denn nach einem furiosen Orchesterauftakt, setzt auf einmal Frankie Avalons Sülzsong „A Voyage to the Bottom of the Sea“ ein. Doch kaum sind auch diese Klänge verhallt, als mit einem riesen Spektakel die Seaview aus dem Meer geschossen kommt – und schon beginnt der rasante Teil des Films, der ohne Durchhänger bis zum Ende fortläuft.

All dies  macht „Unternehmen Feuergürtel“ zu einem der mit Sicherheit unterhaltsamsten Filme überhaupt, der noch dazu mit allerhand überraschender Wendungen aufwartet.

Unternehmen Feuergürtel (Voyage to the Bottom of the Sea). Regie u. Produktion: Irwin Allen, Drehbuch: Irwin Allen, Charles Bennett, Darsteller: Walter Pidgeon, Joan Fontaine, Peter Lorre, Barbara Eden, Frankie Avalon, Robert Sterling. USA 1961, 105 Min.

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US-Filmplakat von „La Residencia“

Ende der 60er Jahre wollte die spanische Filmindustrie hoch hinaus. Mit dem Horrorstreifen „La Residencia“ verfolgte man den Plan, auf dem internationalen Filmmarkt für Aufmerksamkeit zu sorgen. Bis dahin waren spanische Filme vor allem für das einheimische Publikum produziert worden. Mit „La Residencia“ sollte sich dies ändern.

Aus diesem Grunde ließ man sich für die Produktion auch Zeit. Beinahe sechs Monate dauerten die Dreharbeiten. Und der Erfolg? Während man in Europa und in Südamerika durchaus positive Resultate erzielen konnte, wurde der Film in den USA, wo er – wie jeder europäische Horrorfilm – von American International Pictures vertrieben wurde, ein Flop.

In Deutschland lief „La Residencia“ unter dem Titel „Das Versteck – Angst und Mord im Mädchenpensionat“ und war dadurch vor allem an die Bahnhofskinos gekettet. Der englische Verleihtitel lautet „The House that screamed“. Bis heute gilt der von Narciso Ibáñez Serrador gedrehte Film als ein Meilenstein in der Geschichte des spanischen Films. Davor hatte Serrador nur für das Fernsehen gearbeitet.

„La Residencia“ spielt im 19. Jahrhundert. Die 19jährige Teresa kommt in ein abgelegenes Mädchenpensionat und muss bald feststellten, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Bisher sind drei junge Frauen spurlos verschwunden. Das Pensionat wird von der sadistischen Señora Fourneau geleitet, die zusammen mit ihrem Sohn in dem Haus wohnt. Als es Teresa in dem Heim nicht mehr länger aushält, versucht sie zu fliehen …

Serradors Film beeinflusste viele spätere Horrorfilme, so u. a. auch Dario Argentos „Suspiria“ (1978). Dies macht sich besonders in der Szene bemerkbar, in der die Mädchen Tanzunterricht haben. Argento übernahm diese Szene beinahe eins zu eins, sodass man sich in der Rolle der Señora Fourneau (gespielt von Lilli Palma) nur Alida Valli vorstellen muss, um auf Argentos Meisterwerk zu kommen. Aber auch die spezielle Optik, die „La Residencia“ aufweist, findet sich in „Suspiria“ wieder.

Italienisches Filmplakat

Nicht zuletzt beeinflusste der spanische Film auch die koreanische Horrorfilm-Reihe „Yeogogoedam dubeonchae iyagi“ (Geistergeschichten aus der Schule), von der leider nur „Memento Mori“ (1999) und „Wishing Stairs“ (2003) in Deutschland erschienen sind. Vor allem im ersten Film dieser außergewöhnlichen Filmreihe „Whispering Corridors“ (1998) macht sich der Einfluss bemerkbar. Die beiden letzten Filme lauten „Voice“ (2005) und „A Blood Pledge“ (2009).

In „La Residencia“ wollte man alles richtig machen. Stimmte bei einer Szene auch nur eine Kleinigkeit nicht, so wurde sie komplett neu gedreht. Dabei beherrscht vor allem die deutsche Schauspielerin Lilli Palmer die Szenerie. Sie geht vollkommen in ihrer Rolle auf und sorgt dabei für eine gehörige Portion Beklemmung, welche den gesamten Film durchzieht. Doch war Regisseur Serrador im Ganzen seiner Zeit voraus. Als Beispiel seien hier die Death Scenes genannt, in denen Serrador eine radikale Zeitlupe verwendet, die er bis zum Stillstand der Bilder vorantreibt. In einem anderen Zusammenhang verwendete Peter Fonda diese Technik 1971 für seinen Western „Der lange Ritt“.

„La Residencia“ vermischt dabei unterschiedliche Stile des Trash-Films. Vom Gothic-Horror mit vielen unheimlichen Momenten ausgehend, gelingt es ihm mühelos in das Sexploitation-Genre überzugehen, wenn Señora Fourneau eine der jungen Frauen von drei anderen Schülerinnen auspeitschen lässt. Auf dieser Ebene nimmt der Film bereits alles vorweg, was dann in der berühmten Schmuddelfilm-Ära auf der Leinwand erscheinen sollte.

Damit das Projekt auch gelingen konnte, wurde es teilweise von der spanischen Regierung mitfinanziert. Die Ironie dabei: der Film kritisiert indirekt Francos Regime, was anscheinend von den Geldgebern nicht bemerkt wurde. Doch unabhängig davon ist „La Residencia“ einer der Horrorfilme, die man gesehen haben muss.

Das Versteck – Angst und Mord im Mädchenpensionat (La Residencia). Regie u. Drehbuch: Narciso Ibáñez Serrador, Produktion: Arturo Gonzales, Darsteller: Lilli Palmer, Cristina Galbo, John Moulder-Brown, Mary Maude, Candida Losada. Spanien 1969, 104 Min.

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Eigentlich wie immer: Als der neueste Film von Mario Bava 1968 herauskam, mochten ihn die Kritiker nicht. Heute zählt die Comicadaption „Danger: Diabolik“ zu den besten Trash-Filmen der 60er Jahre. Und das zu recht. Denn kaum ein anderer Film aus dieser Zeit dürfte derart bunt, durchgeknallt und rasant sein wie eben dieses herrliche James Bond-Imitat.

Es geht um den Meisterdieb Diabolik, dem die Polizei seit Jahren vergeblich das Handwerk legen will. Seine Verbrechen erheben ihn zu einer Art Staatsfeind. Während die Polizei weiterhin versucht, ihm eine Falle nach der anderen zu stellen, vollbringt Diabolik zusammen mit seiner hübschen Freundin Eva ein kriminelles Meisterstück nach dem anderen.

Diabolik (John Philip Law) und Eva (Marisa Mell) bringen das Gold zum Schmelzen; „Danger: Diabolik“ (1968); Copyright: Paramount

Diabolik wäre kein Superganove, wenn er keine unterirdische Festung hätte. Und schon allein das poppige Design der Kulissen ist es wert, sich diesen Film anzusehen. Doch Mario Bava wäre nicht er selbst gewesen, wenn er seinen gesamten Film nicht mit seinen Lieblingsfarben und seinem Hang zum Künsterlischen gewürzt hätte.

Gleich zu Anfang, wenn Diabolik die Millionen Dollar der Polizei abnimmt, indem er am Hafen einen Nebel austreten lässt, ist es nicht einfach irgendein Rauch, sondern ein wundervoller Farbenmix aus knalligem Gelb und sattem Violett. Diesem Geschehen folgt wohl eine der längsten Kussszenen der Filmgeschichte. Denn kaum ist Diabolik mit Eva wieder in seiner Festung, als sich beide in die Arme fallen, wobei diese Kussszene verbunden ist mit einem Hin- und Herschieben von Art Deco- und Pop Art-Kulissen, dass man gar nicht weiß, wo man vor Begeisterung hinschauen soll – in erster Linie natürlich auf Trash-Ikone Marisa Mell mit ihrem orangefarbenen Ausschnitt von einem Kleid, aber die Szenerie als Ganzes ist geradezu einmalig und liegt irgendwo zwischen „Barbarella“, „Camille 2000“ und „James Bond“.

Diabolik (John Philip Law) und Eva (Marisa Mell) nach einem ihrer genialen Streiche; „Danger: Diabolik“ (1968); Copyright: Paramount

Nicht weniger faszinierend sind Bavas Ausflüge ins Surreale. Hier wäre z. B. die Disco-Szene zu erwähnen, in denen die Kulissen lediglich angedeutet sind, in der ein tiefes Blau vorherrscht und in der sich die Statisten wie in einem postmodernen Theaterstück bewegen.

Bava gelingt nun das geniale Kunststück, all diese optischen Feinheiten in eine rasante und Action reiche Story zu packen, die voller Witz und Selbstironie steckt. Fast schon besser als der eigentliche James Bond, erhebt Bava damit das Actiongenre zu einem Kunstwerk, das untermalt ist von Ennio Morricones coolem Easy Listening-Sound und dem genialen Titelsong „Deep Deep Down“, der so ziemlich alles schlägt, was man als Titelsong bezeichnet. Kurz gesagt, ein echter Knaller.

Gefahr: Diabolik (Danger: Diabolik). Regie: Mario Bava, Drehbuch: Dino Mairui, Brian Degas, Tudor Gates, Mario Bava, Produktion: Dino de Laurentis, Darsteller: John Philip Law, Marisa Mell, Michel Piccoli, Terry-Thomas, Adolfo Celi. Italien/Frankreich 1968, 105 Min.

 

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Im Jahr 1965 wechselte der italienische Meisterregisseur Mario Bava kurz einmal das Genre. Statt eines reinen Horrorfilms, lieferte er eine Mischung aus SF und Horror ab, die in Deutschland unter dem Titel „Planet der Vampire“ (der Originaltitel lautet „Terrore nello spazio“) erst 1968 in die Kinos kam. Der Film entstand im Auftrag der American International Pictures, die in den 60er Jahren eng mit den italienischen Filmstudios zusammenarbeiteten.

Es geht darum, dass die Besatzungen zweier Raumschiffe, Argos und Galliot, plötzlich ein Notsignal empfangen, dessen Ursprung auf dem Planeten Aura liegt. Während die Galliot abstürzt, wird das zweite Raumschiff durch eine unbekannte Macht zur Landung gezwungen. Für einen Moment verliert die Besatzung das Bewusstsein. Als alle wieder zu sich kommen, ist klar, dass die Argos nicht sofort wieder starten kann. Während der Reparaturen, beschließt Captain Markarys den Planeten zu erkunden und stößt dabei auf ein vor Jahren auf dem Planeten gestrandetes Raumschiff aus einer anderen Galaxie. Zugleich beginnen sich manche Mitglieder von Markarys Mannschaft sonderbar zu benehmen …

Obwohl Ridley Scott behauptet, dass „Alien“ nichts mit Bavas „Planet der Vampire“ zu tun habe, sind die Ähnlichkeiten doch überraschend groß. Das Notsignal, das fremde Raumschiff, ja sogar die Überreste der fremdartigen Außerirdischen finden sich in Scotts Klassiker aus dem Jahr 1979 wieder. Der Ideenklau ist nicht zu übersehen, auch wenn dies nur den Anfang von „Alien“ betrifft.

Die Reste eines der seltsamen Außerirdischen in „Planet der Vampire“, verbunden mit Bavas intensiver Farbgebung; „Planet of the Vampires“ (1965); Copyright: MGM

Doch unabhängig davon, schuf Bava mit „Planet der Vampire“ einen sehr spannenden und dichten SF-Horrorfilm, der alles hat, was einen typischen Mario Bava-Film ausmacht: wundervolle Farben, surreale Kulissen und gespenstische Laute. Die Spannung erhöht sich noch dadurch, da es zu Konflikten innerhalb der Mannschaft von Captain Markarys kommt, da einer nach dem anderen von einer unbekannten Macht beeinflusst wird.

Dies führt dazu, dass die Reparaturen an dem Raumschiff sabotiert werden, um einen Abflug zu verhindern. Und schließlich tauchen auch noch die Besatzungsmitglieder des abgestürzten Raumschiffes Galliot auf, die sich wie Zombies auf die Argos zubewegen.

Bava lässt in seinem Film nichts aus, um die Spannung noch höher zu schrauben. Nicht weniger faszinierend ist Captain Markarys Erkundung des fremden Raumschiffes. Hierbei arbeitet Bava vor allem mit Andeutungen im Hinblick auf die Fremdartigkeit der Außerirdischen, was speziell diese Szenen herausragend macht. Denn Bava spielt dabei mit der Fantasie der Zuschauer, ein wundervoller Aspekt, der in heutigen Produktionen leider vollkommen abhanden gekommen ist.

Man ist geradezu gefesselt von der Handlung, die geradezu rasant von einem unheimlichen Moment zum nächsten führt, dabei jedoch nie den Faden verliert, sondern alles innerhalb des vorgegebenen Rahmens behält. All dies macht „Planet der Vampire“ zu einem faszinierenden Filmerlebnis, auch wenn man Bavas Klassiker bereits unzählige Male gesehen hat.

 

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„Im Wartezimmer erwarten Sie die toten Augen des Dr. Dracula“, hieß es damals im deutschen Trailer zu Mario Bavas Film, der inzwischen als sein Meisterwerk betrachtet wird. Der Originaltitel lautete „Operazione Paura“ (Aktion Angst), stammt aus dem Jahr 1966 und gilt als einer der finanziell erfolgreichsten Filme Bavas.

Es geht um Dr. Paul Eswai, der in ein einsam gelegenes Dorf geholt wird, um dort einen ungeklärten Todesfall zu untersuchen. Eine junge Frau hat sich vom Kirchturm gestürzt. Es stellt sich heraus, dass dies nicht der einzige unheimliche Todesfall ist, sondern bereits mehrere Bewohner auf unerklärliche Weise Selbstmord begangen haben. Eswai bekommt mit, dass die Bewohner Angst vor einem Fluch haben. Denn vor einiger Zeit starb die Tochter der Baronin von Graps an ihren Verletzungen, die sie sich bei einem Unfall zugezogen hat. Seitdem soll das Mädchen in dem Dorf spuken und einen Bewohner nach dem anderen in den Tod ziehen. Eswai, der von dem Aberglauben der Bewohner nichts hält, sucht nach einer rationalen Erklärung, was ihn letztendlich in das Schloß der sonderbaren Familie von Graps führt …

Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, so könnte man sagen, dass „Die toten Augen des Dr. Dracula“ eine absolute Wucht ist. Von Anfang an herrscht eine unheimliche und bedrohliche Atmosphäre, beginnend mit dem Selbstmord der jungen Frau, der auf unglaublich drastische Weise umgesetzt wurde, indem die Szene damit endet, dass die Frau von den Spitzen eines Zauns aufgespießt wird.

Dr. Eswai begegnet dem unheimlichen Mädchen. Man beachte auch die wundervolle, gemäldeartige Farbgebung; „Operazione Paura“ (1966); Copyright: Anolis

Hierbei orientiert sich Bava an Hitchcocks „Spellbound“ (1945), in dem einer ähnlichen Szene eine Schlüsselrolle zukommt. Geht es in Hitchcocks freudianischem Thriller um Wahn und Albträume, so führt Bava diese Themen in „Operazione Paura“ weiter und verbindet diese mit den Aspekten Aberglauben und unerklärliche Phänomene. Dabei steht bei ihm vor allem die Schaffung einer dichten, unheimlichen Atmosphäre im Vordergrund.

Gespenstische Laute, das Heulen des Windes, ein unheimliches Schloss, ein kleines, bleiches Mädchen, das immer wieder vor den Fenstern erscheint und bei den Leuten Todesangst verursacht – all dies sind nur wenige Aspekte, die die unglaublich dichte Atmosphäre des Films ausmachen. Am bekanntesten ist sicherlich das Ball-Motiv. In den entsprechenden Szenen springt der Ball des Mädchens wie von Geisterhand Treppen hinunter oder rollt einen Flur entlang. Speziell diese Szenen werden bis heute immer wieder zitiert.

Nicht weniger erstaunlich ist die surreale Ästhetik, die den Film beherrscht. Das nicht enden wollende Treppenhaus oder, noch intensiver, die Szene, in der Dr. Eswai einem Mann hinterherrennt, wobei er wie in einer Endlosscheife ständig dasselbe Zimmer passiert, nur um kurz darauf festzustellen, dass er sich selbst verfolgt hat.

Das unheimliche Schloss der Baronin von Graps; „Operazione Paura“ (1966); Copyright: Anolis

Wenn es einen Film gibt, der sich mit Spuk in all seinen Facetten beschäftigt, dann ist es „Die toten Augen des Dr. Dracula“. Kaum ein anderer Film kommt dieser Achterbahnfahrt durch das Unheimliche und das Übernatürliche näher als dieses filmische Kunstwerk. Martin Scorsese bezeichnete „Operazione Paura“ als eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen. Auch Frederico Fellini war von Bavas Film überaus begeistert. Dario Argento nahm sich „Die toten Augen des Dr. Dracula“ als Vorbild für sein Meisterwerk „Suspiria“ (1978).

Mario Bavas Film gilt zudem als Ursprung des sog. „Child Horror“, also des Subgenres, in dem das Böse oder Unheimliche von Kindern ausgeht, wie z.B. in „Das Omen“ oder den von Bava stark beeinflussten modernen koreanischen Horrorfilmen, die ab den 90er Jahren entstanden. Somit zählt „Operazione Paura“ zu dem bedeutensten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden.

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Über mehrere Jahrzehnte hinweg produzierten die Hammer Studios einen Horrorfilm nach dem anderen, bis sie Mitte des 70er Jahre von der Entwicklung des modernen amerikanischen Horrorfilms überholt wurden. Meistens wurden in den Drehbüchern die Themen der Gothic-Novels sowie der viktorianischen Schauergeschichten verarbeitet, sodass sich viele Filme um Vampire, Spukhäuser und Hexen drehten. Aber auch SF-Thriller wie „XX-Unbekannt“ oder die „Quatermass“-Filme entstanden im und um das legendäre Hammerstudio. Die düsteren, liebevoll bis ins Detail gestalteten Kulissen trugen dabei zu dem besonderen Stil dieser Filme wesentlich bei. Die beiden Horror-Ikonen Christopher Lee und Peter Cushing starteten bei Hammer ihre Karrieren.

Als einer der vielen Hausregisseure der Hammer Studios galt Terence Fisher, dessen Dracula-Verfilmung bis heute als eine der besten Adaptionen des gleichnamigen Romans von Bram Stoker gilt. Für seine Stoffe suchte sich Fisher am liebsten Ideen von Robert Louis Stevenson, Mary Shelley oder eben Stoker aus. Mit dem Film „Dracula und seine Bräute“ (The Brides of Dracula) aus dem Jahr 1960 schuf er den ersten Vampirfilm, der mit dem Titel gebenden Held rein gar nichts zu tun hat.

Noch ahnt Marianne (Yvonne Monlaur) nicht, wer da neben ihr steht; „Dracula und seine Bräute“ (1960); Copyright: Koch Media

Die Geschichte spielt in Transsylvanien am Ende des 19. Jahrhunderts. Die junge Lehrerin Marianne befreit den Baron Meinster aus seiner Gefangenschaft, ohne zu ahnen, dass es sich bei ihm um einen bösartigen Vampir handelt. Kaum entkommen, fällt er auch schon über ein Mädchenpensionat her, in dem Marianne ihre neue Stelle antritt. Zum Glück aber befindet sich der berühmte Vampirjäger Dr. Van Helsing in der Nähe. Mit Kruzifix, Weihwasser und Holzpflock versucht er, das Treiben des blutgierigen Grafen zu stoppen.

„Dracula und seine Bräute“ ist der einzige Film, in dem ein blonder Vampir sein Unwesen treibt. Der unbekannte Schauspieler David Peel verleiht diesem Untoten einen wirklich teuflischen Charakter, der an Intensität seinesgleichen sucht. Leider sollte dies Peels einzige Vampirrade sein. Kurz darauf zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück, um sein Geld als Immobilienmakler zu verdienen. Das schöne Opfer spielt Yvonne Monlaur, die ein Jahr zuvor durch den damaligen Skandalfilm „Der rote Schatten“ (1959) bekannt wurde.

Graf Meinster (David Peel) bei der Arbeit; „Dracula und seine Bräute“ (1960); Copyright: Koch Media

Fishers zweiter Vampirfilm („Dracula“ entstand wenige Jahre zuvor) glänzt durch eine aufregende Handlung, Witz und natürlich – wie bereits erwähnt – jene Hammer-typischen Kulissen, von denen diesmal die alte Windmühle, in welcher der Showdown stattfindet, wundervoll in Szene gesetzt wurde. Das Design diente später Tim Burton als Vorbild für „Sleepy Hollow“, sozusagen seine Hommage an die Zeit der Hammer Studios.

Im Gegensatz zu den Horrorfilmen der American International Pictures, die Vincent Price unter Vertrag hatten und bis Ende der 60er kaum Blut und nur wenig nackte Haut zeigen durften, fielen die Hammerfilme in der Regel drastischer und sinnlicher aus. Besonders bei „Dracula und seine Bräute“ wagten sich Terence Fisher unf Drehbuchautor Jimmy Sangster über die Grenze des Moralischen hinaus. So kommt es in einer zentralen Szene zu einer Art Inzest, indem Graf Meinster seiner eigenen Mutter das Blut aussaugt. Eine Szene, die bis heute innerhalb des Vampirgenres einzigartig sein dürfte.

Dracula und seine Bräute (OT: The Brides of Dracula), Regie: Terence Fisher, Drehbuch: Peter Bryan, Edward Percy, Jimmy Sangster, Produktion: Amthony Hinds, Darsteller: Peter Cushing, Martita Hunt, Yvonne Monlaur, Freda Jackson, David Peel. England 1960, 82 Min.

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„Der Fluch von Siniestro“, 1961 produziert in England unter dem Titel „The Curse of the Werewolf“, ist der einzige Werwolffilm der Hammer-Studios. Zunächst war das Drehbuch als Adaption des Romans „Der Werwolf von Paris“ von Guy Endore gedacht. Als jedoch die Beamten der Zensurbehörde das Skript durchlasen, strichen sie gnadenlos so viele Szenen, dass der Film nicht mehr produziert werden konnte.

Also setzte Anthony Hinds zum zweiten Versuch an, wobei er die Handlung vom 19. ins 18. Jahrhundert verlegte und die Story so änderte, dass von Endores Roman im Grunde genommen nichts mehr übrig blieb. Wiederum wurde das Skript eingereicht. Die Zensurbehörden zeigten sich noch immer unerbittlich und strichen beinahe alle Gewaltszenen. Hinds aber reichte es. Die Produktion von „The Curse of the Werewolf“ fand trotzdem statt.

Die Handlung des Films erzählt die Geschichte des Waisenjungen Leon Corledo, der unter einem mysteriösen Fluch leidet: In Vollmondnächten verwandelt er sich in einen äußerst brutalen Werwolf. Zunächst sind nur Tiere von seinen nächtlichen Eskapaden betroffen, doch als immer mehr Menschen Opfer dieser unheimlichen Serie von Tötungsfällen werden, bricht in der Bevölkerung Panik aus. Leons Stiefvater ist der einzige, der weiß, wie man diesem Grauen ein Ende setzen kann …

Oliver Reed als Werwolf in „Der Fluch von Siniestro“ (1961); Copyright: Koch Media

Bei „Der Fluch von Siniestro“ führte einmal mehr Dracula-Regisseur Terence Fisher Regie. Mit Sicherheit gelang ihm dabei einer der intensivsten Hammer-Filme, der durch eine überaus tiefe Tragik besticht und die Kreatur nicht als rein böse darstellt, sondern als ein in sich zerrissenes Wesen, dem das Leben als normaler Mensch verwehrt bleibt. Die sexuellen Anspielungen sind dabei nicht zu übersehen, da bei Leon die Verwandlungen erst bei Beginn seiner Pubertät ihren Anfang nehmen.

Die Hammer-Studios drehten den Film mit allen von der Zensurbehörde gestrichenen Szenen und brachten ihn auch so in die Kinos. Als die Beamten jedoch davon erfuhren, wurde der Film kurzerhand verboten. Hammer-Film blieb daher nichts anderes übrig, als den Film wieder zu kürzen, um damit doch irgendwie die Kosten wieder einspielen zu können. Der Erfolg blieb aber weit hinter dem anderer Hammer-Filme zurück. Grund dafür waren eben jene Kürzungen, durch die sämtliche Horrorszenen entfielen und die Handlung verstümmelt wurde.

Die Darstellung des Werwolfs war eine Paraderolle für Oliver Reed, dessen Karriere bei Hammer begann. Richard Wordsworth, der Hammer-Fans aus dem ersten Quatermass-Film „The Quatermass X-Periment“ bekannt ist und durch sein überaus feinfühlig-tragisches Spiel jedes Mal überzeugt, war ebenfalls in einer Nebenrolle mit von der Partie. In späteren Jahren wurden die zensierten Szenen in den Film wieder eingefügt.

Der Fluch von Siniestro (OT: The Curse of the Werewolf), Regie: Terence Fisher, Drehbuch u. Produktion: Anthony Hinds, Darsteller: Oliver Reed, Clifford Evans, Yvonne Romain, Anthony Dawson, Richard Wordsworth. England 1961, 89 Min.

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