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Archive for the ‘Trash der 60er’ Category

Eigentlich wie immer: Als der neueste Film von Mario Bava 1968 herauskam, mochten ihn die Kritiker nicht. Heute zählt die Comicadaption „Danger: Diabolik“ zu den besten Trash-Filmen der 60er Jahre. Und das zu recht. Denn kaum ein anderer Film aus dieser Zeit dürfte derart bunt, durchgeknallt und rasant sein wie eben dieses herrliche James Bond-Imitat.

Es geht um den Meisterdieb Diabolik, dem die Polizei seit Jahren vergeblich das Handwerk legen will. Seine Verbrechen erheben ihn zu einer Art Staatsfeind. Während die Polizei weiterhin versucht, ihm eine Falle nach der anderen zu stellen, vollbringt Diabolik zusammen mit seiner hübschen Freundin Eva ein kriminelles Meisterstück nach dem anderen.

Diabolik (John Philip Law) und Eva (Marisa Mell) bringen das Gold zum Schmelzen; „Danger: Diabolik“ (1968); Copyright: Paramount

Diabolik wäre kein Superganove, wenn er keine unterirdische Festung hätte. Und schon allein das poppige Design der Kulissen ist es wert, sich diesen Film anzusehen. Doch Mario Bava wäre nicht er selbst gewesen, wenn er seinen gesamten Film nicht mit seinen Lieblingsfarben und seinem Hang zum Künsterlischen gewürzt hätte.

Gleich zu Anfang, wenn Diabolik die Millionen Dollar der Polizei abnimmt, indem er am Hafen einen Nebel austreten lässt, ist es nicht einfach irgendein Rauch, sondern ein wundervoller Farbenmix aus knalligem Gelb und sattem Violett. Diesem Geschehen folgt wohl eine der längsten Kussszenen der Filmgeschichte. Denn kaum ist Diabolik mit Eva wieder in seiner Festung, als sich beide in die Arme fallen, wobei diese Kussszene verbunden ist mit einem Hin- und Herschieben von Art Deco- und Pop Art-Kulissen, dass man gar nicht weiß, wo man vor Begeisterung hinschauen soll – in erster Linie natürlich auf Trash-Ikone Marisa Mell mit ihrem orangefarbenen Ausschnitt von einem Kleid, aber die Szenerie als Ganzes ist geradezu einmalig und liegt irgendwo zwischen „Barbarella“, „Camille 2000“ und „James Bond“.

Diabolik (John Philip Law) und Eva (Marisa Mell) nach einem ihrer genialen Streiche; „Danger: Diabolik“ (1968); Copyright: Paramount

Nicht weniger faszinierend sind Bavas Ausflüge ins Surreale. Hier wäre z. B. die Disco-Szene zu erwähnen, in denen die Kulissen lediglich angedeutet sind, in der ein tiefes Blau vorherrscht und in der sich die Statisten wie in einem postmodernen Theaterstück bewegen.

Bava gelingt nun das geniale Kunststück, all diese optischen Feinheiten in eine rasante und Action reiche Story zu packen, die voller Witz und Selbstironie steckt. Fast schon besser als der eigentliche James Bond, erhebt Bava damit das Actiongenre zu einem Kunstwerk, das untermalt ist von Ennio Morricones coolem Easy Listening-Sound und dem genialen Titelsong „Deep Deep Down“, der so ziemlich alles schlägt, was man als Titelsong bezeichnet. Kurz gesagt, ein echter Knaller.

Gefahr: Diabolik (Danger: Diabolik). Regie: Mario Bava, Drehbuch: Dino Mairui, Brian Degas, Tudor Gates, Mario Bava, Produktion: Dino de Laurentis, Darsteller: John Philip Law, Marisa Mell, Michel Piccoli, Terry-Thomas, Adolfo Celi. Italien/Frankreich 1968, 105 Min.

 

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Im Jahr 1965 wechselte der italienische Meisterregisseur Mario Bava kurz einmal das Genre. Statt eines reinen Horrorfilms, lieferte er eine Mischung aus SF und Horror ab, die in Deutschland unter dem Titel „Planet der Vampire“ (der Originaltitel lautet „Terrore nello spazio“) erst 1968 in die Kinos kam. Der Film entstand im Auftrag der American International Pictures, die in den 60er Jahren eng mit den italienischen Filmstudios zusammenarbeiteten.

Es geht darum, dass die Besatzungen zweier Raumschiffe, Argos und Galliot, plötzlich ein Notsignal empfangen, dessen Ursprung auf dem Planeten Aura liegt. Während die Galliot abstürzt, wird das zweite Raumschiff durch eine unbekannte Macht zur Landung gezwungen. Für einen Moment verliert die Besatzung das Bewusstsein. Als alle wieder zu sich kommen, ist klar, dass die Argos nicht sofort wieder starten kann. Während der Reparaturen, beschließt Captain Markarys den Planeten zu erkunden und stößt dabei auf ein vor Jahren auf dem Planeten gestrandetes Raumschiff aus einer anderen Galaxie. Zugleich beginnen sich manche Mitglieder von Markarys Mannschaft sonderbar zu benehmen …

Obwohl Ridley Scott behauptet, dass „Alien“ nichts mit Bavas „Planet der Vampire“ zu tun habe, sind die Ähnlichkeiten doch überraschend groß. Das Notsignal, das fremde Raumschiff, ja sogar die Überreste der fremdartigen Außerirdischen finden sich in Scotts Klassiker aus dem Jahr 1979 wieder. Der Ideenklau ist nicht zu übersehen, auch wenn dies nur den Anfang von „Alien“ betrifft.

Die Reste eines der seltsamen Außerirdischen in „Planet der Vampire“, verbunden mit Bavas intensiver Farbgebung; „Planet of the Vampires“ (1965); Copyright: MGM

Doch unabhängig davon, schuf Bava mit „Planet der Vampire“ einen sehr spannenden und dichten SF-Horrorfilm, der alles hat, was einen typischen Mario Bava-Film ausmacht: wundervolle Farben, surreale Kulissen und gespenstische Laute. Die Spannung erhöht sich noch dadurch, da es zu Konflikten innerhalb der Mannschaft von Captain Markarys kommt, da einer nach dem anderen von einer unbekannten Macht beeinflusst wird.

Dies führt dazu, dass die Reparaturen an dem Raumschiff sabotiert werden, um einen Abflug zu verhindern. Und schließlich tauchen auch noch die Besatzungsmitglieder des abgestürzten Raumschiffes Galliot auf, die sich wie Zombies auf die Argos zubewegen.

Bava lässt in seinem Film nichts aus, um die Spannung noch höher zu schrauben. Nicht weniger faszinierend ist Captain Markarys Erkundung des fremden Raumschiffes. Hierbei arbeitet Bava vor allem mit Andeutungen im Hinblick auf die Fremdartigkeit der Außerirdischen, was speziell diese Szenen herausragend macht. Denn Bava spielt dabei mit der Fantasie der Zuschauer, ein wundervoller Aspekt, der in heutigen Produktionen leider vollkommen abhanden gekommen ist.

Man ist geradezu gefesselt von der Handlung, die geradezu rasant von einem unheimlichen Moment zum nächsten führt, dabei jedoch nie den Faden verliert, sondern alles innerhalb des vorgegebenen Rahmens behält. All dies macht „Planet der Vampire“ zu einem faszinierenden Filmerlebnis, auch wenn man Bavas Klassiker bereits unzählige Male gesehen hat.

 

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„Im Wartezimmer erwarten Sie die toten Augen des Dr. Dracula“, hieß es damals im deutschen Trailer zu Mario Bavas Film, der inzwischen als sein Meisterwerk betrachtet wird. Der Originaltitel lautete „Operazione Paura“ (Aktion Angst), stammt aus dem Jahr 1966 und gilt als einer der finanziell erfolgreichsten Filme Bavas.

Es geht um Dr. Paul Eswai, der in ein einsam gelegenes Dorf geholt wird, um dort einen ungeklärten Todesfall zu untersuchen. Eine junge Frau hat sich vom Kirchturm gestürzt. Es stellt sich heraus, dass dies nicht der einzige unheimliche Todesfall ist, sondern bereits mehrere Bewohner auf unerklärliche Weise Selbstmord begangen haben. Eswai bekommt mit, dass die Bewohner Angst vor einem Fluch haben. Denn vor einiger Zeit starb die Tochter der Baronin von Graps an ihren Verletzungen, die sie sich bei einem Unfall zugezogen hat. Seitdem soll das Mädchen in dem Dorf spuken und einen Bewohner nach dem anderen in den Tod ziehen. Eswai, der von dem Aberglauben der Bewohner nichts hält, sucht nach einer rationalen Erklärung, was ihn letztendlich in das Schloß der sonderbaren Familie von Graps führt …

Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, so könnte man sagen, dass „Die toten Augen des Dr. Dracula“ eine absolute Wucht ist. Von Anfang an herrscht eine unheimliche und bedrohliche Atmosphäre, beginnend mit dem Selbstmord der jungen Frau, der auf unglaublich drastische Weise umgesetzt wurde, indem die Szene damit endet, dass die Frau von den Spitzen eines Zauns aufgespießt wird.

Dr. Eswai begegnet dem unheimlichen Mädchen. Man beachte auch die wundervolle, gemäldeartige Farbgebung; „Operazione Paura“ (1966); Copyright: Anolis

Hierbei orientiert sich Bava an Hitchcocks „Spellbound“ (1945), in dem einer ähnlichen Szene eine Schlüsselrolle zukommt. Geht es in Hitchcocks freudianischem Thriller um Wahn und Albträume, so führt Bava diese Themen in „Operazione Paura“ weiter und verbindet diese mit den Aspekten Aberglauben und unerklärliche Phänomene. Dabei steht bei ihm vor allem die Schaffung einer dichten, unheimlichen Atmosphäre im Vordergrund.

Gespenstische Laute, das Heulen des Windes, ein unheimliches Schloss, ein kleines, bleiches Mädchen, das immer wieder vor den Fenstern erscheint und bei den Leuten Todesangst verursacht – all dies sind nur wenige Aspekte, die die unglaublich dichte Atmosphäre des Films ausmachen. Am bekanntesten ist sicherlich das Ball-Motiv. In den entsprechenden Szenen springt der Ball des Mädchens wie von Geisterhand Treppen hinunter oder rollt einen Flur entlang. Speziell diese Szenen werden bis heute immer wieder zitiert.

Nicht weniger erstaunlich ist die surreale Ästhetik, die den Film beherrscht. Das nicht enden wollende Treppenhaus oder, noch intensiver, die Szene, in der Dr. Eswai einem Mann hinterherrennt, wobei er wie in einer Endlosscheife ständig dasselbe Zimmer passiert, nur um kurz darauf festzustellen, dass er sich selbst verfolgt hat.

Das unheimliche Schloss der Baronin von Graps; „Operazione Paura“ (1966); Copyright: Anolis

Wenn es einen Film gibt, der sich mit Spuk in all seinen Facetten beschäftigt, dann ist es „Die toten Augen des Dr. Dracula“. Kaum ein anderer Film kommt dieser Achterbahnfahrt durch das Unheimliche und das Übernatürliche näher als dieses filmische Kunstwerk. Martin Scorsese bezeichnete „Operazione Paura“ als eine seiner wichtigsten Inspirationsquellen. Auch Frederico Fellini war von Bavas Film überaus begeistert. Dario Argento nahm sich „Die toten Augen des Dr. Dracula“ als Vorbild für sein Meisterwerk „Suspiria“ (1978).

Mario Bavas Film gilt zudem als Ursprung des sog. „Child Horror“, also des Subgenres, in dem das Böse oder Unheimliche von Kindern ausgeht, wie z.B. in „Das Omen“ oder den von Bava stark beeinflussten modernen koreanischen Horrorfilmen, die ab den 90er Jahren entstanden. Somit zählt „Operazione Paura“ zu dem bedeutensten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden.

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Über mehrere Jahrzehnte hinweg produzierten die Hammer Studios einen Horrorfilm nach dem anderen, bis sie Mitte des 70er Jahre von der Entwicklung des modernen amerikanischen Horrorfilms überholt wurden. Meistens wurden in den Drehbüchern die Themen der Gothic-Novels sowie der viktorianischen Schauergeschichten verarbeitet, sodass sich viele Filme um Vampire, Spukhäuser und Hexen drehten. Aber auch SF-Thriller wie „XX-Unbekannt“ oder die „Quatermass“-Filme entstanden im und um das legendäre Hammerstudio. Die düsteren, liebevoll bis ins Detail gestalteten Kulissen trugen dabei zu dem besonderen Stil dieser Filme wesentlich bei. Die beiden Horror-Ikonen Christopher Lee und Peter Cushing starteten bei Hammer ihre Karrieren.

Als einer der vielen Hausregisseure der Hammer Studios galt Terence Fisher, dessen Dracula-Verfilmung bis heute als eine der besten Adaptionen des gleichnamigen Romans von Bram Stoker gilt. Für seine Stoffe suchte sich Fisher am liebsten Ideen von Robert Louis Stevenson, Mary Shelley oder eben Stoker aus. Mit dem Film „Dracula und seine Bräute“ (The Brides of Dracula) aus dem Jahr 1960 schuf er den ersten Vampirfilm, der mit dem Titel gebenden Held rein gar nichts zu tun hat.

Noch ahnt Marianne (Yvonne Monlaur) nicht, wer da neben ihr steht; „Dracula und seine Bräute“ (1960); Copyright: Koch Media

Die Geschichte spielt in Transsylvanien am Ende des 19. Jahrhunderts. Die junge Lehrerin Marianne befreit den Baron Meinster aus seiner Gefangenschaft, ohne zu ahnen, dass es sich bei ihm um einen bösartigen Vampir handelt. Kaum entkommen, fällt er auch schon über ein Mädchenpensionat her, in dem Marianne ihre neue Stelle antritt. Zum Glück aber befindet sich der berühmte Vampirjäger Dr. Van Helsing in der Nähe. Mit Kruzifix, Weihwasser und Holzpflock versucht er, das Treiben des blutgierigen Grafen zu stoppen.

„Dracula und seine Bräute“ ist der einzige Film, in dem ein blonder Vampir sein Unwesen treibt. Der unbekannte Schauspieler David Peel verleiht diesem Untoten einen wirklich teuflischen Charakter, der an Intensität seinesgleichen sucht. Leider sollte dies Peels einzige Vampirrade sein. Kurz darauf zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück, um sein Geld als Immobilienmakler zu verdienen. Das schöne Opfer spielt Yvonne Monlaur, die ein Jahr zuvor durch den damaligen Skandalfilm „Der rote Schatten“ (1959) bekannt wurde.

Graf Meinster (David Peel) bei der Arbeit; „Dracula und seine Bräute“ (1960); Copyright: Koch Media

Fishers zweiter Vampirfilm („Dracula“ entstand wenige Jahre zuvor) glänzt durch eine aufregende Handlung, Witz und natürlich – wie bereits erwähnt – jene Hammer-typischen Kulissen, von denen diesmal die alte Windmühle, in welcher der Showdown stattfindet, wundervoll in Szene gesetzt wurde. Das Design diente später Tim Burton als Vorbild für „Sleepy Hollow“, sozusagen seine Hommage an die Zeit der Hammer Studios.

Im Gegensatz zu den Horrorfilmen der American International Pictures, die Vincent Price unter Vertrag hatten und bis Ende der 60er kaum Blut und nur wenig nackte Haut zeigen durften, fielen die Hammerfilme in der Regel drastischer und sinnlicher aus. Besonders bei „Dracula und seine Bräute“ wagten sich Terence Fisher unf Drehbuchautor Jimmy Sangster über die Grenze des Moralischen hinaus. So kommt es in einer zentralen Szene zu einer Art Inzest, indem Graf Meinster seiner eigenen Mutter das Blut aussaugt. Eine Szene, die bis heute innerhalb des Vampirgenres einzigartig sein dürfte.

Dracula und seine Bräute (OT: The Brides of Dracula), Regie: Terence Fisher, Drehbuch: Peter Bryan, Edward Percy, Jimmy Sangster, Produktion: Amthony Hinds, Darsteller: Peter Cushing, Martita Hunt, Yvonne Monlaur, Freda Jackson, David Peel. England 1960, 82 Min.

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„Der Fluch von Siniestro“, 1961 produziert in England unter dem Titel „The Curse of the Werewolf“, ist der einzige Werwolffilm der Hammer-Studios. Zunächst war das Drehbuch als Adaption des Romans „Der Werwolf von Paris“ von Guy Endore gedacht. Als jedoch die Beamten der Zensurbehörde das Skript durchlasen, strichen sie gnadenlos so viele Szenen, dass der Film nicht mehr produziert werden konnte.

Also setzte Anthony Hinds zum zweiten Versuch an, wobei er die Handlung vom 19. ins 18. Jahrhundert verlegte und die Story so änderte, dass von Endores Roman im Grunde genommen nichts mehr übrig blieb. Wiederum wurde das Skript eingereicht. Die Zensurbehörden zeigten sich noch immer unerbittlich und strichen beinahe alle Gewaltszenen. Hinds aber reichte es. Die Produktion von „The Curse of the Werewolf“ fand trotzdem statt.

Die Handlung des Films erzählt die Geschichte des Waisenjungen Leon Corledo, der unter einem mysteriösen Fluch leidet: In Vollmondnächten verwandelt er sich in einen äußerst brutalen Werwolf. Zunächst sind nur Tiere von seinen nächtlichen Eskapaden betroffen, doch als immer mehr Menschen Opfer dieser unheimlichen Serie von Tötungsfällen werden, bricht in der Bevölkerung Panik aus. Leons Stiefvater ist der einzige, der weiß, wie man diesem Grauen ein Ende setzen kann …

Oliver Reed als Werwolf in „Der Fluch von Siniestro“ (1961); Copyright: Koch Media

Bei „Der Fluch von Siniestro“ führte einmal mehr Dracula-Regisseur Terence Fisher Regie. Mit Sicherheit gelang ihm dabei einer der intensivsten Hammer-Filme, der durch eine überaus tiefe Tragik besticht und die Kreatur nicht als rein böse darstellt, sondern als ein in sich zerrissenes Wesen, dem das Leben als normaler Mensch verwehrt bleibt. Die sexuellen Anspielungen sind dabei nicht zu übersehen, da bei Leon die Verwandlungen erst bei Beginn seiner Pubertät ihren Anfang nehmen.

Die Hammer-Studios drehten den Film mit allen von der Zensurbehörde gestrichenen Szenen und brachten ihn auch so in die Kinos. Als die Beamten jedoch davon erfuhren, wurde der Film kurzerhand verboten. Hammer-Film blieb daher nichts anderes übrig, als den Film wieder zu kürzen, um damit doch irgendwie die Kosten wieder einspielen zu können. Der Erfolg blieb aber weit hinter dem anderer Hammer-Filme zurück. Grund dafür waren eben jene Kürzungen, durch die sämtliche Horrorszenen entfielen und die Handlung verstümmelt wurde.

Die Darstellung des Werwolfs war eine Paraderolle für Oliver Reed, dessen Karriere bei Hammer begann. Richard Wordsworth, der Hammer-Fans aus dem ersten Quatermass-Film „The Quatermass X-Periment“ bekannt ist und durch sein überaus feinfühlig-tragisches Spiel jedes Mal überzeugt, war ebenfalls in einer Nebenrolle mit von der Partie. In späteren Jahren wurden die zensierten Szenen in den Film wieder eingefügt.

Der Fluch von Siniestro (OT: The Curse of the Werewolf), Regie: Terence Fisher, Drehbuch u. Produktion: Anthony Hinds, Darsteller: Oliver Reed, Clifford Evans, Yvonne Romain, Anthony Dawson, Richard Wordsworth. England 1961, 89 Min.

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Interessanterweise schlich sich in Roger Cormans berühmte Reihe von Poe-Verfilmungen auch ein Drehbuch, das auf einem Roman von H. P. Lovecraft basiert. Es handelt sich dabei um die Adaption von „Der Fall des Charles Dexter Ward“. Wie in fast allen Horrorfilmen der amerikanischen Produktionsfirma American International Picture, die sozusagen die amerikanische Konkurrenz zu den englischen Hammer-Filmen darstellte, spielte auch hier Horrorikone Vincent Price die Hauptrolle.

Der Film beginnt im Neuengland des Jahres 1756. Der Hexenmeister Curwen wird auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Kurz vor seinem Tod verflucht er das Dorf Arkham bis in alle Ewigkeit. Etwa 100 Jahre später zieht Charles Dexter Ward, ein entfernter Verwandter Curwens, in das Haus des Hexenmeisters. Doch kaum ist er zusammen mit seiner Frau Ann darin eingezogen, als es auch schon zu mysteriösen Todesfällen kommt. Die Einwohner erinnern sich an den Fluch und beschuldigen Ward, dafür verantwortlich zu sein. Unglücklicherweise hat dieser die Aufzeichnungen seines Vorfahren entdeckt und beginnt zunehmend die Eigenschaften Curwens anzunehmen …

Nachts am Friedhof – ein Beispiel für die erstklassige Farbgebung und die wundervollen Kulissen des Films; „Die Folterkammer des Hexenjägers“ (1963); Copyright: e-m-s

„The Haunted Palace“, so der Originaltitel, gehört zu den besten Filmen Roger Cormans. Zwar bezieht sich der Film nur in Ansätzen auf die Romanvorlage und teilt damit das Schicksal der verfilmten Werke Edgar Allan Poes, doch liefert Corman in diesem Streifen eine durchgehend düstere und bedrückende Atmosphäre sowie eine durchweg spannende Handlung. In kleinen Anspielungen auf Lovecrafts Werk tritt ein Fischmensch auf und gegen Ende des Filmes sogar Cthulhu höchstpersönlich.

Die Kulissen, welche die Stadt Arkham darstellen, sind äußerst liebevoll und bis ins Detail gestaltet. Lovecraft hätte sicherlich seine Freude daran gehabt. Vincent Price spielt einmal mehr eine durch und durch tragische Figur, deren psychischer Schmerz Ursache für alles Unheil ist. Dies gelingt Price wie immer hervorragend. Sein dämonisch-finsterer Blick sowie seine klassisch anmutende Gestik sind einfach typisch für fast alle seine Filme und besitzen bis heute Kultcharakter.

Auf diese Weise gelang des Corman, Lovecrafts Vorlage äußerst feinfühlig umzusetzen. Dies macht „Die Folterkammer des Hexenjägers“ zu einem wunderbaren Filmvergnügen – und zwar immer wieder von neuem.

Die Folterkammer des Hexenjägers (OT: The Haunted Palace), Regie u. Produktion: Roger Corman, Drehbuch: Charles Beaumant, Darsteller: Vincent Price, Debra Paget, Lon Chaney, Frank Maxwell, Leo Gordon, Elisha Cook Jr., John Dierkes. USA 1963, 84 Min.

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Der Klassiker „King Kong“ führte nicht nur zu einer Reihe mehr oder weniger gelungener Remakes, sondern auch zu Filmen, die sich allein des Themas Riesengorilla annahmen. Einer davon ist der 1961 produzierte Horrorfilm „Konga“.

In dieser Produktion geht es um den gleichnamigen Schimpansen, der von dem Wissenschaftler Charles Decker aus Afrika mitgebracht wird. Allerdings bringt der Professor auch Proben mysteriöser Pflanzensäfte mit, welche das Wachstum beschleunigen. Konga dient von nun an als Versuchsobjekt. Das Resultat ist, dass Konga tatsächlich an Größe gewinnt. Da aber werden Decker die Forschungsgelder gestrichen. Aus lauter Wut entwickelt der Professor durch Hypnose Konga zu einem Mordwerkzeug, mit dem er unliebsame Zeitgenossen im Forschungsbereich außer Gefecht setzen kann. Doch bei Konga hört gleichzeitig das Wachstum nicht auf. Schon bald besitzt er die Größe von Big Ben und macht ganz London unsicher.

Was wie die Handlung zu einem typischen B-Movie klingt, entpuppt sich überraschenderweise als ein recht impulsives Drama, in dem ein vollkommen egoistischer Mensch durch seine unreflektierte Handlungsweise das Leben seiner Mitmenschen und schließlich sich selbst zerstört. Er behandelt seine langjährige Gehilfin Margaret äußerst kalt und übergeht dabei ständig ihre Liebe zu ihm. Als sie jedoch sieht, wie Decker einer Studentin nachstellt und dabei versucht, diese zu vergewaltigen, entsinnt Margaret einen spontanen Racheplan, indem sie Konga eine Überdosis des Wachstumsmittels verabreicht.

Gleich haut Konga auf den Putz; „Konga“ (1961); Copyright: Anolis Entertainment

Konga wird dadurch ebenfalls zu einer tragischen Figur stilisiert, da der harmlose Schimpanse durch das Eingreifen des Menschen zu einem Monster mutiert. Zum Schluss besitzt er die Kraft, sich an der Menschheit zu rächen. Auch Margaret, die sich bisher eigentlich stets liebevoll um ihn gekümmert hat, wird von Konga bestraft. Als der riesenhafte Konga gegen Ende des Films durch das nächtliche London stapft und dabei seine Zerstörungswut auslässt, begegnet ihm die Regierung mit einem militärischen Aufgebot, das den Riesenaffen mit Raketenwerfern außer Gefecht setzen soll.

„Konga“ ist somit ein sehr düsterer und pessimistischer Film, in dem sämtliche Figuren leiden. Glückliche Momente sind stets nur von kurzer Dauer. Die Katastrophe nimmt überhand und zieht letztendlich alle Figuren in ihren Sog. Dabei liefert „Konga“ eine extrem scharfe Kritik am menschlichen Forschergeist, der dazu führt, dass der in der Natur bestehende Ausgleich über den Haufen geworfen wird. Wissenschaftler, so der Film, sehen in der Natur ein reines, seelenloses Objekt, das man für seine eigenen Zwecke missbrauchen darf. Dies macht sich besonders in der Szene bemerkbar, in der Decker seine Katze kaltblütig erschießt, nachdem sie etwas von dem Serum genascht hat. Im radikalen Gegensatz dazu steht erneut die schockierte Margaret, die nicht glauben kann, was Decker gerade getan hat.

„Konga“ sticht mit einer überraschenden Tiefgründigkeit hervor, lässt dabei aber auch nicht die Action zu kurz kommen. Hervorragende Schauspieler (allen voran Micharl Gough als Professor) runden den Trash-Klassiker auf eine wundervolle Weise ab.

Konga, Regie: John Lamont, Drehbuch: Aben Kandel, Herman Cohen, Produktion: Herman Cohen, Darsteller: Michael Gough, Margo Johns, Jess Conrad. England 1961, 86 Min.

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