The 80s: Die Abenteuer des Baron Münchhausen (1988)

Terry Gilliams 11. Spielfim zählt heute zu den größten Flops der Filmgeschichte. Eigentlich hätte alles anders kommen können, doch geriet Gilliams Film mitten hinein in studiointerne Konflikte der Columbia Pictures, was dazu führte, dass von dem Film lediglich 117 Kopien in den USA in Umlauf gebracht wurden, was natürlich nicht gerade dazu beitrug, dass der Film die Kosten von über 40 Millionen Dollar wieder einfahren konnte.

Der neue Chef von Columbia wollte mit den Vereinbarungen, die sein Vorgänger getroffen hatte, nichts mehr zu tun haben. Auf diese Weise blieben Gilliam und der deutsche Produzent Thomas Schühly sich praktisch selbst überlassen. Das Resultat war das oben erwähnte finanzielle Desaster. Selbst die überaus positiven Kritiken konnten diesen Tatbestand nicht mehr umkehren.

In „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ geht es darum, dass Münchhausen zusammen mit seinen Freunden Bertold, Adolphus, Albrecht und Gustavus eine Stadt vor den Türken retten muss, die die Stadt belagern. Doch sind Münchhausens Freunde in alle Winde zerstreut. Zunächst muss er sein „Team“ wieder zusammensuchen, bevor er gegen die Belagerer etwas unternehmen kann, und erlebt dabei jede Menge skurriler Abenteuer.

Der Film basiert lose auf den Lügengeschichten des Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen (1720 – 1797), die vor allem von den deutschen Dichtern Rudolf Erich Raspe (1736 – 1794) und Gottfried August Bürger (1747 – 1794) in Buchform 1786 bzw. 1788 veröffentlicht wurden. Doch durch die Rahmenhandlung verbindet Gilliam die einzelnen Episoden zu einer einzigen Geschichte, die in optischer Hinsicht den Zuschauer regelrecht erschlägt.

„Baron Münchhausen“ ist, wenn man es auf den Punkt bringen möchte, ein riesengroßes Kunstwerk. Die gewaltigen, bis ins kleinste Detail gestalteten Kulissen bringen einen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dieses bildgewaltige Abenteuer ist fast schon zu viel für das Auge, und zum Glück kann man den Film immer wieder anhalten, um den detailverliebten Einfallsreichtum zu genießen.

Gut, anfangs braucht der Film ein wenig zu lange, bis er in die Gänge kommt, doch sobald es so richtig losgeht, kennt Terry Gilliam kein Halten mehr. Er wirft mit den Ideen nur so um sich, wobei er sich klarerweise an den Gemälden und Zeichnungen des 18. Jahrhunderts orientiert, und sorgt auf diese Weise dafür, dass „Baron Münchhausen“ keine Sekunde langweilig wird. Hier und da blitzt noch der typische Monthy Python-Humor auf, in der Höhle des Gottes Vulkan wird der Film zu einer bissigen Satire auf die Waffenlobby – doch immer steht die Kunst im Vordergrund.

Als Second Director fungierte übrigens Michele Soavi, der später mit seinen beiden Horrorfilmen „The Church“ (1989) und „DellAmore, DellaMorte“ (1994) zwei Klassiker des euoropäischen Horrorfilms schuf.

Terry Gilliam gehört zu den wirklich großen Filmautoren, den man in einem Atemzug mit Federico Fellini nennen kann. Und wer „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ tatsächlich noch nicht gesehen hat, sollte dies so schnell wie möglich nachholen.

Die Abenteuer des Baron Münchhausen. Regie: Terry Gilliam, Drehbuch: Terry Gilliam, Charles McKewon, Produktion: Thomas Schühly, Darsteller: John Neville, Eric Idle, Sarah Polley, Oliver Reed, Uma Thurman, Robin Williams, Jonathan Pryce. Engand/Deutschland 1988, 126 Min. 

 

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FuBs Klassikbox: Mein Freund Harvey (1950)

„Harvey“ lautete eines der erfolgreichsten Theaterstücke, das in den 40er Jahren am Broadway gespielt wurde. Die Autorin Mary Chase erhielt dafür den Pulizter Preis. 1950, nachdem das Stück abgesetzt worden war, verfilmte Regisseur Henry Koster den Stoff, wobei er auf Teile des Theaterensembles zurückgriff. Mary Chase verfasste auch das Drehbuch.

Es geht um Elwood P. Dowd, der zusammen mit seiner Schwester und seiner Nichte Myrtle Mae in dem Haus seiner verstorbenen Mutter wohnt. Aufgrund Elwoods sonderbarem Verhalten, findet Myrtle Mae keinen Mann. Denn alle halten Elwood für verrückt, spricht er doch ständig mit einem unsichtbaren Riesenhasen namens Harvey. Ein Grund für seine Schwester, ihn ins Irrenhaus zu stecken. Doch damit beginnt überhaupt das Chaos …

„Harvey“ zeigt James Stewart in seiner wahrscheinlich besten Rolle. Diese unglaubliche Natürlichkeit, mit der er Elwood spielt, ist mehr als nur beeindruckend. Stewart hatte die Rolle bereits am Broadway gespielt, allerdings nur als Ersatzdarsteller. Zu dem damaligen Ensemble gehörten ebenfalls Josephine Hull, die Elwoods Schwester spielt, und Jesse White, der den Pfleger im Irrenhaus spielt.

Während James Stewart für seine Darstellung von Elwood zwar für den Oscar und den Golden Globe nominiert wurde, doch weder den einen noch den anderen Preis erhielt, wurde Josephine Hull als beste Nebendarstellerin mit beiden Preisen ausgezeichnet.

Das Besondere an „Mein Freund Harvey“ ist die absolute Leichtigkeit, mit der die Geschichte erzählt wird. Trotz des durchaus tragischen Hintergrunds (Elwood hat der Tod seiner Mutter schwer getroffen, worauf ihm Harvey erschienen ist), scheint die Handlung regelrecht zu schweben. Harvey, als eine Art guter Geist, ist immer da, wo sich auch Elwood aufhält. Gemeinsam besuchen sie diverse Kneipen und machen sich dadurch einen schönen Tag.

Damit legt der Film eine fast schon klassische Gegenübestellung vor: den Kontrast zwischen Fantasie und grauem Alltag. Während Elwood praktisch in seiner eigenen Welt lebt, versuchen um ihn herum alle, sein Leben in eine gewisse Bahn zu lenken. Besonders seine Schwester, die auf geradezu hinterhältige Weise versucht, Elwood wegzubekommen.

Doch gerade ihr Verhalten löst so richtig ein völliges Durcheinander aus, als sie ihn wegsperren möchte, damit ihre Tochter endlich in die Gesellschaft eingeführt werden kann. Die darauf folgende Kettenreaktion ist eine wunderbare Ansammlung von Gags und erstklassiker Situationskomik, von der heutige Komödien nur träumen können. Mehr sei hier nicht verraten, da dies sonst zu sehr die Überraschung wegnimmt. Nur so viel sei gesagt, egal wie oft man den Film schon gesehen hat, die Gags zünden jedes Mal von Neuem.

Insgesamt gab es fünf Remakes von „Mein Freund Harvey“ (die letzte von 1996), doch reichte keine der späteren Versionen an das Original heran. Das American Film Institut listete „Harvey“ auf Platz 35 der besten Komödien und auf Platz 8 der besten Fantasyfilme.

Mein Freund Harvey (OT: Harvey). Regie: Henry Koster, Drehbuch: Mary Chase, Produktion: John Beck, Darsteller: James Stewart, Josephine Hull, Peggy Dow, Charles Drake, Jessie White, Victoria Horne. USA 1950, 103 Min.

The 80s: James Bond – Der Hauch des Todes (1987)

Kommt ein neuer Bond in die Kinos, so sind die Kritiken jedes Mal gleich: die einen finden, dass es der beste Bond, die anderen, dass es der schlechteste Bond ist. Nicht anders verhielt es sich 1987, als mit „The Living Daylights“ der erste James Bond-Film mit Timothey Dalton als 007 auf die Leinwand kam: Wiederum fanden die einen ihn schlecht, die anderen ihn für den besten.

„Der Hauch des Todes“ war der 15. Film aus der Reihe. Nachdem Roger Moore mit „Im Angesicht des Todes“ (1985) zum letzten Mal die Rolle des Geheimagenten gespielt hatte, wollten die Produzenten entweder Pierce Brosnan oder eben Timothey Dalton als seinen Nachfolger haben. Da Brosnan aus seinem damaligen Vertrag jedoch nicht herauskam, wurde die Rolle Dalton übergeben.

Im Gegensatz zu den Filmen mit Roger Moore, sollte „Der Hauch des Todes“ weniger Gags und Spielereien beinhalten. Und in der Tat wirkt der Film ziemlich ernst, was aber John Glens viertem Bond-Film ziemlich gut tut, sind die Romane von Ian Fleming letztendlich auch keine Witzparade, sondern durchaus ernst und vor allem ziemlich brutal. In dieser Hinsicht näherte man sich stilistisch der literarischen Vorlage an. In der Tat bezieht sich der Film auch auf eine Kurzgeschichte Flemings, die allerdings lediglich den Opener einnimmt. Der Rest geht aufs Konto der beiden Drehbuchautoren Richard Maibaum und Michael G. Wilson.

Um es kurz zu machen: In „Der Hauch des Todes“ geht es darum, dass James Bond Waffenhändlern das Handwerk legen soll. Und dies erledigt er natürlich mit Bravour. Timothey Dalton zur Seite steht Miriam d´Abo, die sich im Filmgeschäft nie richtig profilieren konnte. Auch ihre Rolle als KGB-Agentin Kara Milovy half ihr nicht weiter, obwohl sie den Film unglaublich bereichert. Das liegt nicht nur an ihrem attraktiven Äußeren, sondern auch an der spannenden Darstellung ihrer Rolle, die irgendwo zwischen Hilflosigkeit und sich selbst Hindurchkämpfen liegt.

Nicht weniger interessant ist die Rolle des Waffenhändlers Georgi Koskov, gespielt vom holländischen Schauspieler Jeroen Krabbé, der Anfang der 80er Jahre nach Hollywood kam. Er stellt den russischen General als klassischen Gauner dar, was seiner Hinterhältigkeit durchaus eine gewisse Gewitztheit verleiht.

„Der Hauch des Todes“ wirkt aufgrund seiner Schauplätze (Bratislava und Wien) zunächst wie ein klassischer Agentenfilm aus den 60er und 70er Jahren, bevor er im Finale dann in Richtung Abenteuer umschwenkt. Die Action ist wie immer hervorragend choreografiert und einwandfrei durch eine Montage aus Studio- und Außenszenen zusammengefügt. Auch wenn der Film durchaus immer wieder mit einer gewissen Ironie behaftet ist, so fehlt es, wie obene bereits bemerkt, an dem Witz der vorangegangenen Filme. Doch macht dies nichts. Denn „The Living Daylights“ unterhält von Anfang an erstklassig. Und das ist es schließlich, was zählt.

James Bond – Der Hauch des Todes (OT: The Living Daylight). Regie: John Glen, Drehbuch: Richard Maibaum und Michael G. Wilson, Produktion: Albert R. Broccoli, Michael G. Wilson, Darsteller: Timothey Dalton, Miriam d´Abo, Jeoren Krabbé, John Rhys-Davis, Joe Don Baker, Art Malik, John Terry, Andreas Wisniewski. England 1987, 130 Min.

 

„Cop Town“ von Karin Slaughter oder Emanzipation mit dem Dampfhammer

Ein Roman, in dem alle Männer Schweine sind? Da dürfte die Gender-Diskussion nicht weit entfernt sein. Bei der Thrillerautorin Karin Slaughter findet sich dieser Aspekt in ihrem 2014 erschienenen Roman „Cop Town“ wieder, der genau aus diesem Grund unglaublich einseitig wirkt.

Wir schreiben das Jahr 1974. In Atlanta geht ein sog. Copkiller um. Die Polizei, die nur aus unterbelichteten Rassisten zu bestehen scheint, setzt alles daran, um den Serienmörder auszuschalten. Genau in dieser Phase beginnt Kate Murphy ihre Arbeit bei der Polizei. Von allen lächerlich gemacht, versucht sie dennoch, nicht aufzugeben und den wahren Mörder zu finden.

Klingt alles interessant und der Roman ist durchaus auch spannend. Andererseits aber erscheint er so unglaublich einseitig, dass man fast schon von einer naiven Sichtweise auf die Welt sprechen muss. In dem Roman sind sämtliche männlichen Protagonisten Idioten, Sexisten oder Rassisten. Die Frauen dagegen sind schlau und zielstrebig, auch wenn sie sich untereinander piesacken. Während die männlichen Polizisten nichts anderes machen, als Bier zu saufen und Homosexuelle zu verprügeln, versuchen die Frauen, auf professionelle Art den Fall zu lösen.

Autsch, kann man da nur noch sagen. Hier versucht eine Autorin, Emanzipation mit dem Dampfhammer zu betreiben. Slaughter, die das Jahr 1974 als Dreijährige mitbekommen hat, orientiert sich bei ihren Dialogen an Filmen wie „Shaft“ oder „Jackie Brown“. Man merkt jedenfalls, dass sie die typischen Slang-Dialoge, die Anfang der 70er Jahre in den Filmen aufkamen, nachahmt.

Aus dieser Perspektive wirkt dann alles auch irgendwie zu sehr konzipiert und zu aufgesetzt. Das liegt zusätzlich auch an der angeblichen Hauptfigur Kate Murphy, die aus gutem Hause kommt und unbedingt zur Polizei möchte, da ihr Mann in Vietnam gefallen ist. Wenn jemand da einen logischen Zusammenhang findet, bekommt ein Lob ausgesprochen. Diese mit dem Schweißbrenner zusammengeschusterte Handlungslogik verstärkt den Eindruck der Dampfhammermethode. Denn auch die Figur Katrin wirkt unglaubwürdig. Wieso ist es nicht eine Frau, die versucht, sich nach oben zu kämpfen? Hätte mehr Sinn gehabt.

Ach ja, Stichwort „angebliche Hauptfigur“. Das hat seinen Grund darin, da die eigentliche Hauptfigur Maggie Lawson ist, deren Bruder und unterbelichteter Onkel ebenfalls bei der Polizei arbeiten. Und so ist auch hauptsächlich von Maggie die Rede, während Kate die zweite Geige spielt.

„Cop Town“ ist zwar durchaus spannend und rasant geschrieben, aber aufgrund der einseitigen Sichtweise und der verkrampft wirkenden Handlungslogik dann doch ziemlich ärgerlich. Slaughter sollte lieber bei ihren Krimireihen bleiben, da kann sie weniger falsch machen.

Karin Slaughter. Cop Town. Blanvalet 2015, 544 Seiten, 14,99 Euro. ISBN: 978-3-7645-0551-6

 

Die Klunkerecke: Il Mare – Das Haus am Meer

Poster für den US-Release

Es ist interessant, dass einer der Klassiker des modernen koreanischen Kinos eigentlich ein finanzieller Flop war. „Il Mare“, so der internationale Titel von Lee Hyun-Seungs drittem Spielfilm „Siworae“, wollte zunächst kaum jemand im Kino sehen. Anscheinend konnten die koreanischen Zuschauer mit dem Thema nicht viel anfangen. Ironischerweise erst mit der Zeit (und das ist ja u. a. auch eines der Themen von „Il Mare“) wurde der Film bekannter und gilt inzwischen als einer der wichtigsten Filme der Korean Hallyu.

Es geht darin um den Architekten Sung-Hyun, der in seinem Briefkasten eine sonderbare Postkarte aus dem Jahr 1999 findet, in der ihm eine Frau namens Eun-Joo bittet, ihr die Post nachzuschicken. Nur, Sung-Hyun lebt im Jahr 1997 und er ist der erste Bewohner des Hauses, das ihm sein Vater gebaut hat. Schnell stellt sich heraus, dass der Briefkasten vor dem Haus wie eine Zeitmaschine funktioniert und Eun-Joos Briefe in die Vergangenheit bzw. Sung-Hyuns Briefe in die Zukunft befördert. Nach und nach entwickelt sich zwischen beiden ein reger Briefwechsel, bis schließlich Sung-Hyun fragt, ob sie sich einmal in ihrer Zeit treffen könnten. Ein Termin wird gefunden, doch als Sung-Hyun nicht erscheint, fragen sich beide, was mit ihm passiert sein könnte …

Das Besondere an „Il Mare“ ist, dass der Film vollkommen ohne Kitsch auskommt. Lee Hyun-Seung erzählt die außergewöhnliche und nicht weniger originelle Liebesgeschichte auf eine sehr melancholische Weise, ohne es jedoch an Humor fehlen zu lassen. Der Witz liegt jedoch meistens zwischen den Zeilen, sodass man eher schmunzeln als lachen muss. Besonders, wenn Sung-Hyun Eun-Joo in seiner Zeit am Bahnhof begegnet, macht sich dies auf geradezu geniale Weise bemerkbar.

Koreanische Alterantivposter zu „Il Mare“

Doch geht es Regisseur Lee, der 2011 nochmals mit dem genialen Noir-Thriller „Hindsight“ auftrumpfen sollte, mehr als nur um eine Liebesgeschichte. In seinem Film lichtet er sozusagen den extremsten Zustand einer postmodernen Gesellschaft ab, in der jeder nur mehr für sich lebt und kaum noch Kontakte zu anderen hat – die Reinform der Individualisierung, wenn man so möchte, die der Soziologe Richard Sennet in seinem Buch „Der bewegte Mensch“ skizziert. So sind Eun-Joo und Sung-Hyun geradezu vollkommen vereinzelt, was ihre sozialen Kontakte betrifft. Immer wieder taucht dabei die Bemerkung auf, dass alle ihre näheren Bekannten viel zu weit weg von ihnen leben.

Neben dieser kunstvoll eingewebten soziologischen Perspektive, ist „Il Mare“ auch, vielleicht sogar vor allem ein optischer Höhenflug. Lee Hyun-Seung schafft in seinem Klassiker Bilder, die dem Film eine ungeheure emotionale Dichte verleihen – wie gesagt, ohne auch nur ein bisschen kitschig zu wirken. Immer wieder gelingt es ihm, die beiden Hauptdarsteller Jun Ji-Hyun (bekannt aus „My sassy Girl“ oder „The Berlin File“) und Lee Jung-Jae (bekannt aus „Das Hausmädchen“ oder dem kongenialen Gangsterfilm „New World“) so ins Bild zu stellen, dass um sie herum eine tiefe Leere herrscht, selbst dann, wenn sie sich in der Stadt oder eben auf dem oben erwähnten Bahnhof befinden.

All das macht „Il Mare“ zu einem der besten koreanischen Filme und mit Sicherheit auch zu einem der besten Liebesfilme, die jemals gedreht wurden. Wer das Remake „Das Haus am See“ mit Sandra Bullock und Keanu Reeves kennt, wird bei der Sichtung des Originals aus allen Wolken fallen. Denn einmal mehr zeigt sich, wie Hollywood einen wunderbaren Film verhunzen kann.

Il Mare (OT: Siworae), Regie: Lee Hyun-Seung, Drehbuch: Yeo Ji-Na, Produktion: Cho Min-Hwan, Darsteller: Jun Ji-Hyun, Lee Jung-Jae. Südkorea 2000, 96 Min.

Erschienen: „Boten des Schreckens“ – Der neue Horrorroman von Carl Denning

Mit „Boten des Schreckens“ erscheint nun bereits der siebte Roman aus der Feder des bekannten Horrorautors Carl Denning (die Bände seiner Serie „Prähuman“ nicht mitgerechnet). Es handelt sich dabei um den zweiten Fall von Chefinspector Susan Gant, die zugleich die Polizeistation in dem kleinen kanadischen Ort Altamont leitet (Susan Gants erster Fall trägt den Titel „Monster“ und ist der bisher erfolgreichste Roman Carl Dennings).

In „Boten des Schreckens“ entdecken zwei Ranger einen schwerverletzten Wissenschaftler im Grand Jardin Nationalpark, der sich um Altamont herum erstreckt. Seine fünf Mitarbeiter sind spurlos verschwunden. Noch am selben Tag wird die verstümmelte Leiche eines Zoomitarbeiters gefunden. Mehrere Tiere liegen tot in ihrem Gehege. Von Mal zu Mal entpuppt sich der Fall als unheimlicher. Immer wieder stößt Susan Gant bei ihren Ermittlungen auf den Namen Waheela. Doch wer oder was ist das? Zusammen mit ihrem Team setzt Susan Gant alles daran, den Fall zu lösen. Denn die Serie von schrecklichen Zwischenfällen reißt nicht ab …

Wie auch schon in „Monster“, so ist auch in „Boten des Schreckens“ der eigenwillige Grenzwissenschaftler Frederic Tubb dabei. In Quebec findet ein Kongress statt, an dem dieses Mal auch Susan teilnehmen soll, um über ihren letzten Fall zu berichten. Doch wie immer kommt alles anders – oder beinahe anders. Susan hält zwar ihren Vortrag, aber … Mehr soll nicht verraten werden. Was davor bereits alles geschieht und dann daran anschließt, ist auf jeden Fall überaus spannend, witzig und nicht weniger gruselig.

Im Gegensatz zu anderen Autoren, hält sich Denning in dem zweiten Fall seiner Protagonistin nicht an das gleiche Schema. „Boten des Schreckens“ funktioniert völlig anders als „Monster“, ist dabei aber genauso unterhaltsam. Genauer soll nicht auf die Handlung eingegangen werden, da sonst zu viel verraten wird. Man kann jedoch festhalten, dass in Dennings neuestem Roman jede Menge geschieht, es viele unheimliche Momente gibt und auch die Action nicht zu kurz kommt. Man kann daher nur noch viel Spaß beim Lesen wünschen.

 

The 80s: Big Trouble in Little China (1986)

Die Produzenten von 20th Century Fox erhofften sich den Blockbuster des Sommers. Doch aus John Carpenters zweiter Big Budget-Produktion wurde der Flop des Sommers. Später sollte Hauptdarsteller Kurt Russell sagen, dass er sich damals gewundert habe, dass die Leute überhaupt das Skript verfilmen wollten. Und mit dem Skript fing eigentlich auch alles an.

Geschrieben hatten dies die beiden Jungautoren Gary Goldman und David Z. Weinstein. Während Weinstein (nicht verwandt mit den beiden Produzentenbrüdern) schnell wieder in der Versenkung verschwand, erhielt Goldman später den Auftrag, das Drehbuch für „Total Recall“ umzuschreiben, bevor auch seine Karriere direkt nach unten ging. Goldman und Weinsteins erste Arbeit aber war eben „Big Trouble in Little China“, das jedoch im 19. Jahrhundert spielen sollte und als Western konzipiert war.

Das Drehbuch soll unglaublich schlecht gewesen sein, doch die Story war interessant. Daher entschied das Studio, dass Regisseur und Autor W. D. Richter das Skript umschreiben solle. Die Handlung wurde damit in die Gegenwart verlegt und aus dem Cowboy Jack Burton wurde ein Truckfahrer. Richter war übrigens durch seinen Flop und späteren Kultfilm „Buckaroo Banzai“ (1984) bekannt. John Carpenter erhielt schließlich den Auftrag, die Regie zu übernehmen.

Es geht um den Truckfahrer Jack Burton, der unverrichteter Dinge mitten hinein gerät in einen Konflikt, in dem ein furchtbarer Dämon in Chinatown die Herrschaft über das Universum übernehmen möchte. Dafür braucht er jedoch eine Frau mit grünen Augen. Diese ist schnell in der Verlobten von Jacks Freund Wang Chi gefunden. Kaum ist sie am Flughafen von San Francisco angekommen, wird sie von einer Gruppe Gangster entführt. Und als auch die Anwältin Gracie Law verschwindet, setzen die beiden Freunde alles daran, sie aus den Klauen des Dämons zu befreien.

„Big Trouble in Little China“ ist eine typische Actionkomödie der 80er Jahre, die zwischen Trash und tollen Effekten hin und her pendelt. Robert Edlund, der u. a. für die Spezialeffekte von „Ghostbusters“ und „Fright Night“ verantwortlich war, zeigte in „Big Trouble“ erneut sein Können und ließ es nur so blitzen, wenn die drei Stürme auftauchen, die als Diener des Dämons Lo Pan fungieren. Auch an Monstern fehlt es in dem Film nicht, auch wenn diese leider nur kurz auftreten.

Der Film selbst ist eine rasante Komödie, die vor Selbstironie und Witz nur so sprüht. Die einzige ruhige Minute findet sich am Anfang des Films, als der Busfahrer Egg Shen einem Anwalt über die Geschehnisse in Chinatown erzählt. Danach folgen die Zwischenfälle Schlag auf Schlag. Eine Actionszene baut quasi auf der anderen auf und zwischendurch ist Jack Burton kräftig am Sprücheklopfen.

Doch um das Publikum dadurch ins Kino zu locken, war dies anscheinend zu wenig. Filmkritiker meinten, dass der Film durch den gleichzeitigen Release von „Aliens“ in den Schatten gestellt wurde. War der Film im Kino nicht erfolgreich, so änderte sich dies durch die Veröffentlichung auf Video. Von da an entwickelte sich der Film zunächst zum Geheimtipp, bis er schließlich als Klassiker des Genres und nichtzuletzt als Kultfilm bezeichnet wurde.

John Carpenter ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Er hatte die Nase gestrichen voll, was Großproduktionen und das Einmischen der Produzenten in seine Arbeit betraf. Nach „Big Trouble in Littel China“ wandte er sich wieder den Low Budget-Filmen zu und schuf ein Jahr später einen weiteren Klassiker des Horrorfilms: „Fürsten der Dunkelheit„.

Big Trouble in Little China. Regie: John Carpenter, Drehbuch: W. D. Richter (Gary Goldman/David Z. Weinstein), Produktion: Larry J. Franco, Darsteller: Kurt Russell, Kim Cattrall, Dennis Dun, Victor Wong, James Hong. USA 1986, 96 Min.