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Archive for Dezember 2016

Die zweite Sonderausgabe von FILM und BUCH beschäftigt sich mit Mary Shelleys Frankenstein. Der bekannte Autor und Übersetzer Alexander Pechmann liefert in diesem Magazin jede Menge interessanter Informationen über die Entstehungsgeschichte des wohl bekanntesten Schauerromans der Literatur. Zudem enthält die Ausgabe eine Auswahl von Rezensionen aus dem Jahr 1818 – dem Erscheinungsjahr des Romans – sowie Mary Shelleys Eindrücke zur ersten Theateradaption Frankensteins. Wichtige biographische Daten zu Leben und Werk der Autorin sowie eine Liste zahlreicher Frankenstein-Verfilmungen runden die Sonderausgabe ab.

Das Magazin gibt es zum Gratis-Download hier: frankenstein

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rogueoneWas passierte eigentlich kurz vor der Raumschlacht, mit der Star Wars IV beginnt? Dieser Frage nahm sich Regisseur Gareth Edwards an und schuf dabei einen Film, der irgendwo zwischen Kriegsfilm und klassischem SF-Abenteuer anzusiedeln ist.

Und dennoch ist „Rogue One“, so der Titel des Star Wars-Interludiums, nicht zu vergleichen mit den bisherigen Filmen. Edwards verleiht der Handlung, in der es darum geht, wie eine Einheit der Rebellen die Pläne des Todessterns stielt, einen düsteren Touch, in dem Gags nichts zu suchen haben. Für diese ist allein der umprogrammierte Imperial-Droide verantwortlich. Somit wirkt das neueste Abenteuer überraschend ernst.

Und dennoch findet man eine interessante Übereinstimmung in der Machart mit dem Klassiker aus dem Jahr 1978. Hatte sich bereits George Lucas für die Raumschlachten von den Luftschlachten des Zweiten Weltkriegs beeinflussen lassen, so übernimmt Edwards aktuelle Kriegsreportagen als Basis für die gespielten Kampfhandlungen. Dies gelingt ihm sehr überzeugend und dies verleiht dem Film eben auch den oben genannten düsteren und ernsten Touch. Im Kontrast dazu wirken C-3PO und R2 D2, die in einer Einstellung kurz am rechten Bildrand zu sehen sind. Denn hier schimmert der klassische Star Wars-Charakter durch, in dem mit viel Witz das Böse bekämpft wurde.

Bevor ich „Rogue One“ gesehen habe, mochte ich Regisseur Gareth Edwards eigentlich nicht. Er kam mir stets vor wie jemand, der nicht weiß, was er will. Auf diese Weise wirkt sein Debut „Monsters“ und nicht weniger sein zu ernst geratener „Godzilla“. „Rogue One“ steht jedoch im vollen Gegensatz dazu. Denn hier wird offensichtlich, dass Edwards wusste, was er wollte. Recht gewitzt ist hierbei gleich am Anfang die Einstellung, in der er Mads Mikkelsen als Galen Erso nochmals wie Michael Kohlhaas erscheinen lässt – und es gibt ja auch charakterlich eine Übereinstimmung, denn beide Figuren, die Mikkelsen darstellt, wollen sich rächen. Ebenfalls hervorragend ist, wie es Edwards gelingt, den Stil des Films im Laufe des Finales immer mehr dem Stil des ersten Star Wars-Abenteuers anzugleichen. Es bleibt zwar bei der Ernsthaftigkeit, und wenn Darth Vader sein Lichtschwert schwingt, so wirkt dies überaus brutal, doch in Sachen Beleuchtung, Kulissen bis hin natürlich zu den Kostümen, gleitet „Rogue One“ elegant über in den Beginn von „Star Wars IV“.

Obwohl die Figuren nicht die Klasse besitzen, wie diejenigen der Star Wars-Filme von George Lucas, so geben sie dann doch ein recht interessantes Team ab, wobei vor allem der Jedi Chirrut Imwe überzeugt, der rotz seiner Blindheit hervorragend kämpfen kann. Was ich schade fand, ist, dass dieses weiße Pelzmonster, das in zwei Einstellungen im Hintergrund zu sehen ist, nicht mit von der Partie war. Wahrscheinlich aber hätte die Figur für mehr Humor gesorgt und den wollte Edwards ja größtenteils vermeiden.

Doch unabhägig vom persönlichen Monstergeschmack: „Rogue One“ ist großartige Unterhaltung, vermeidet Längen und bringt Action mit einer spannenden Handlung in Verbindung. Nicht zu vergessen die Optik des Ganzen, denn diese ist ungeheuer gut.

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winnetou2016Die Karl May-Filme der 60er Jahre, in denen Lex Barker als Old Shatterhand und Pierre Brice als Winnetou gegen diverse Bösewichte kämpften, sind Klassiker des europäischen Kinos. Nun hat man sich erneut des Stoffes angenommen, dieses Mal allerdings fürs Fernsehen.

Erneut wählte man als Kulisse die Naturlandschaften Kroatiens, die einmal mehr als Wilder Westen herhalten muss. Geplant und produziert wurden insgesamt drei Filme mit den Titeln „Eine neue Welt“, „Das Geheimnis vom Silbersee“ und „Der letzte Kampf“. Die Neugierde war natürlich groß, was RTL aus dem Klassiker machen würde. Den Film „Eine neue Welt“ konnten wir nun vorab sichten.

Die Handlung spielt im Jahr 1860. Karl May reist in die USA, um dort am Bau der Eisenbahn mitzuwirken. Doch schnell muss er feststellen, dass sich seine romantischen Vorstellungen vom Wilden Westen mit der Realität nicht decken. Besonders schockiert ihn dabei, wie die weißen Siedler mit den Indianern umgehen. Nach einem Überfall von Apachen auf einen Vermessungstreck, wird Karl May schwer verwundet in die Siedlung der Indianer gebracht. Diese verleihen ihm den Namen Old Shatterhand, da er hervorragend boxen kann. Nachdem er von Winnetous Schwester Nscho-tschi gesund gepflegt wird, nimmt er gemeinsam mit Winnetou den Kampf gegen die Eisenbahnbauer auf.

Regisseur Philip Stölzl hatte großes vor, als er sich des Klassikers für eine Neuverfilmung annahm. Immerhin haben sich die Abenteuerfilme von Harald Reinl tief ins popkulturelle Bewusstsein Deutschlands eingegraben – und nicht weniger in die Geschichte des deutschen Films. Wer Old Shatterhand sagt, denkt zugleich an Sexy Lexy, und bei Winnetou ist es Pierre Brice, der aufgrund seiner Ähnlichkeit mit Alain Delon in Frankreich keine Karriere machen konnte.

Für Stölzl war es wohl klar, dass er Harald Reinls „Handschrift“ nicht imitieren wollte. So setzt er statt auf ein rasantes Voranschreiten der Handlung mehr auf eine epische Breite. Die einzelnen Szenen sind hierbei sehr sorgfältig konzipiert, und Stölzl zeigt, was in vielen deutschen Filmen fehlt: eine hervorragende Optik. Weite Landschaftsaufnahmen, wie es sich für einen Western gehört, wechseln sich ab mit eleganten Kamerafahrten. All das wird ergänzt durch eine schöne Farbgebung. Auch bei den Kostümen und den Masken hat man sich wirklich Mühe gegeben: so erkennt man Jürgen Vogel als brutalen Vorarbeiter Rattler kaum wieder.

Stölzl lässt sich mit der Entfaltung des Konflikts Zeit – und schafft dennoch keine Langeweile. Während in den Filmen der 60er Jahre ständig irgendetwas passierte, setzte der Regisseur des neuen Winnetou auf die oben genannte Optik. So ist der Film vor allem ein Fest fürs Auge. Dies allerdings auf Kosten der Action, denn diese ist, im Vergleich mit dem Original aus dem Jahr 1963, dann doch eher spärlich gesät.

Was die Schauspieler betrifft, so standen auch sie vor einer großen Aufgabe. Sowohl Wotan Milke Möhring als Old Shatterhand bzw. Karl May als auch Nik Xhelilaj als Winnetou verleihen den Figuren neues Leben. Während Xhelilaj auf den Spuren Pierre Brices wandelt, versucht sich Möhring in einer durchaus originellen Darstellung Old Shatterhands, indem er versucht, die Charakteristik eines deutschen Quasi-Auswanderers mit derjenigen eines klassischen Helden zu verbinden.

Winnetou 2016 ist für einen TV-Film erstklassig. Es ist schade, dass man sich nicht an einen Kinofilm herangewagt hat. Doch als Trost erklingt immerhin Martin Böttchers bekannte Winnetou-Melodie, wenn auch nur in Ansätzen. Aber zusammen mit den wunderbaren Aufnahmen erzeugt dies einen neuen Hang zum Abenteuer. Und das ist, was zählt.

Winnetou: Eine neue Welt. Regie: Philip Stölzl, Drehbuch: Jan Berger, Produktion: Christian Becker, Darsteller: Nik Xhelilaj, Wotan Milke Möhring, Iazua Larios, Jürgen Vogel, Milan Peschel, Oliver Masucci. Deutschland 2016, 117 Min.

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Titelblatt der Ausgabe von 1818.

Die meisten Leser kennen Jane Austen (1775 – 1817) als Autorin diverser, teils satirischer Liebesromane. Ihr erster Roman, der allerdings erst nach ihrem Tod veröffentlicht wurde, legt zwar den Fokus ebenfalls auf eine Liebesgeschichte, ist zugleich aber auch eine gelungene Persiflage auf die damaligen Schauerromane.

Die siebzehnjärige Cathrine Morland verbringt den Sommer zusammen mit Mr. und Mrs. Allen, die mit Cathrines Eltern befreundet sind, in Bath. Zunächst verläuft der Aufenthalt alles andere als interessant. Dann aber macht Cathrine die Bekanntschaft mit einem rätselhaften Mann namens Henry Tilney. Tilney, seine Schwester Eleanor und sein Vater General Tilney möchten Cathrine zu sich nach Hause, einer ehemaligen Abtei, einladen. Cathrine, die durch das Lesen von Schauerromanen von alten Gemäuern fasziniert ist, nimmt die Einladung an. Doch kaum ist sie dort angekommen, bemerkt sie merkwürdige Dinge, die in der Abtei vor sich gehen. Und noch etwas gibt ihr Rätsel auf: Hat General Tilney etwa seine Frau ermordet?

Wer den Roman bereits kennt, weiß, dass ich mich bei der Inhaltsangabe auf die Kernhandlung beschränkt habe. Denn Jane Austen würzt ihren Roman mit einer Vielzahl weiterer Figuren, wie etwa Isabella Thorpe, mit der sich Cathrine in Bath anfreundet, die sich jedoch immer sonderbarer verhält, sowie Isabellas Bruder John, einem Angeber und Lügner, der Cathrines Leben schwer macht. Nicht zuletzt auch Cathrines Bruder James, der sich Hals über Kopf in Isabella verliebt.

northanger-abbey1Ich muss zugeben, dass ich zuvor noch nie einen Roman von Jane Austen gelesen habe. Und, um es kurz zu machen, die Lektüre von „Northanger Abbey“ hat mich spätestens ab der dritten Seite regelrecht umgehauen. Wieso? Jane Austens Roman wirkt nicht nur unglaublich modern, sondern besticht durch schwungvolle, gewitzte Dialoge, die einen regelrecht mitreißen. Die Geschichte um Cathrine, deren Fantasie und Weltanschauung vom Lesen der Schauerromane geprägt ist, ist zudem so dicht und spannend erzählt, dass man mit dem Lesen einfach nicht aufhören kann. Stets möchte man wissen, wie es im nächsten Kapitel weitergeht und so legt man das Buch nicht zur Seite, sondern liest den ganzen Roman in einem durch.

Die Figuren wirken überaus lebendig und geradezu echt, die Wendungen und Zwischenfälle sind grandios eingefädelt. Es ist hierbei nicht zu viel verraten und hat auch nichts mit der Pointe zu tun, dass John Thorpe auf seine geradezu ekelhafte Art versucht, die Beziehung zwischen Cathrine und Henry zu zerstören.

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Die grandiose Umsetzung als Hörspiel von Marc Gruppe und Stephan Bosenius.

Was den Roman einen zusätzlichen Reiz verleiht, ist der Aspekt, dass Jane Austen in die Liebesgeschichte die Merkmale der damaligen Schauerromane einwebt, sodass aus der Mischung aus Satire und Liebesgeschichte ein leichter Touch düsteren Grauens aufkommt. Beinahe so wie Cathrines Lieblingsheldin aus Ann Radcliffes „Udolpho, der Magier“, so wird auch sie, wenn auch nicht entführt, dann immerhin doch mit einer Kutsche in ein einsam gelegenes altes Gebäude gebracht, in dem es anscheinend nicht mit rechten Dingen zu geht. All dies funktioniert bei Jane Austen beinahe so wie in heutigen Horrorkomödien, und es ist ein Wunder, dass der Roman bisher nur zwei Adaptionen fürs Fernsehen erfuhr.

Egal, ob man Liebesromane mag oder nicht, und egal, ob man Jane Austen mag oder nicht, „Die Abtei von Northanger“ ist ein ersklassiger, witziger und spannender Roman. Unterhaltsamer kann eine Geschichte kaum sein.

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ghostbusters2016Als bekannt wurde, dass ein neuer Ghosbusters-Film gedreht werden würde, war die Freude bei den Fans natürlich groß. Als aber bekannt wurde, dass der Film ohne die Originalbesetzung auskommen muss und stattdessen vier Frauen die Rollen der Ghostbusters übernehmen würden, schlug die Euphorie schlagartig um in Kritik, Wut und leider auch Hass. Dies hatte zur Folge, dass der Trailer des Remakes zum Trailer mit den meisten negativen Kommentaren auf Youtube wurde. – Und schließlich verhagelte dies der Produktion auch den Umsatz.

Ich hätte erwartet, dass eben aufgrund dieses bisher noch nie dagewesenen Aufruhrs der Film viele Leute neugierig machen würde, wodurch die Produktion dann doch ein Erfolg geworden wäre. Aber Pustekuchen, viele Zuschauer mieden den Film tatsächlich, sodass er für die beteiligten Produktionsfirmen zu einem Verlustgeschäft wurde.

Die Frage lautet natürlich, ist der Film wirklich schlecht?

Regie führte der auf Komödien spezialisierte Paul Feig, der auch (zusammen mit Katie Dippold) das Drehbuch schrieb. Es geht um die beiden Freundinnen Abbigail Yates und Erin Gilbert, die beide von ihren jeweiligen Unis geschmissen werden, da sie sich mit Parapsychologie befassen, was in den akademischen Kreisen als wenig seriös bezeichnet wird und das Image der Unis schadet. Kurzerhand machen sie sich als Geisterjäger selbständig. Ihnen zur Seite steht die Ingeneurin Jillian Holzmann und die Fahrkartenverkäuferin Patty Tolan, die in der U-Bahn einen Geist gesehen hat. Als sich die Geistererscheinungen häufen, sehen alle vier darin die Chance, um ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen …

Da das Wort Remake nicht mehr zieht und viele Kinogänger mehr und mehr abschreckt, bezeichnen die Produktionsfirmen ihre Remakes zurzeit gerne als Neuinterpretationen. So auch bei „Ghostbusters“. In der Tat versuchte Feig, den Film anders erscheinen zu lassen als das Original, doch bleibt es beim Versuch. Denn schon nach wenigen Minuten merkt man, wie er immer wieder zurück in das Fahrwasser des Klassikers fällt, so als würde er sich doch nicht trauen, der Handlung frischen Wind zu verleihen. Genau dieser Aspekt stört, denn dadurch verliert der Film speziell an den Stellen Schwung, an denen er eigentlich in Fahrt kommen sollte. Feig zieht sozusagen jedes Mal wieder die Notbremse, aus Angst, sonst aus dem vorgegebenen Rahmen zu fallen.

Ein weiterer Punkt, der den Film im Gegensatz zum Original geradezu brav erscheinen lässt, ist das fast komplette Fehlen an satirischen Seitenhieben. Während sich der Originalfilm über sämtliche Aspekte der amerikanischen Kultur lustig macht, beschränkt sich Feig darauf, das akademische Milieu durch den Kakao zu ziehen. Und danach? Nichts. Dem Konflikt zwischen Bürgermeister und den Ghostbusters fehlt es an Schärfe, so als wollte man keinesfalls riskieren, bei der Politik in Ungnade zu fallen.

Was die Gags betrifft, so wird man am Anfang durchaus positiv überrascht. Im Laufe des Films aber verfehlen viele der eingestreuten Witze ihr Ziel oder wirken einfach nur albern. Unverständlich ist, aus welchem Grund der „Nightfever“-Tanz aus dem Film wieder entfernt wurde, aber im Nachspann quasi als Hintergrundbild herhalten muss. Dies entpuppt sich als ein Riesenpatzer und als eine der wohl schlechtesten Montagen der letzten Zeit.

Wenn man alle Kritikpunkte zusammenfassen möchte, so könnte man sagen, dass man mit dem Remake nicht wirklich warm wird. Der Film ist zwar durchaus unterhaltsam, besitzt zugleich aber zu viele Schwächen, hierbei eingeschlossen die Cameo-Auftritte der „alten Garde“. Man wollte quasi mit dem Dampfhammer einen dritten Film drehen, aus dem aber dann aufgrund interner Streitereien ein Remake wurde. Zwar machen die Darstellerinnen ihre Arbeit recht gut, doch waren sie wohl die einzigen, die voll bei der Sache waren. Die Post-Credit-Szene lässt darauf schließen, dass man eigentlich vor hatte, als Sequel die Story des Originals neu zu verfilmen. Doch daraus wird wohl nichts. Da „Ghostbusters – Answer the Call“ kein finanzieller Erfolg beschieden war, dürfte es zumindest mit diesem Team nicht weitergehen.

 

 

 

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