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Posts Tagged ‘Mystery’

Der gewöhnliche Alltag mit all seinen Problemen, verbunden mit Horroraspekten. Der Trend, der sich heutzutage in einer Art eigenem Subgenre abzeichnet, ist keinesfalls eine neue Idee, sondern reicht zurück bis zu Herk Harveys Klassiker „Tanz der toten Seelen“ aus dem Jahr 1962. Davon beeinflusst war sicherlich auch die koreanische Regisseurin Lee Soo-Youn, als sie 2003 ihren Film „The Uninvited“ drehte.

„The Uninvited“ (eigentlich „Ein Tisch mit vier Gästen“) ist kein Remake des gleichnamigen Horror-Klassikers aus den 40er Jahren, sondern erzählt die Geschichte des Innenarchitekten Jeong, der bei einem Unfall nur knapp dem Tod entkommt. Von da an wird er von sonderbaren und unheimlichen Visionen geplagt, die sich verstärken, als er die mysteriöse Yeon kennenlernt …

Yeon verzweifelt an sich selbst und ihren unheimlichen Fährigkeiten; „The Uninvited“ (2003); Copyright: e-m-s

Der Film, zugleich ein Beitrag des koreanischen Autorenfilms, besticht durch eine Mischung aus Psychogramm, Thriller und Horrorfilm. Sehr gekonnt vermischt die Regisseurin Lee Soo-Youn alle drei Genres miteinander, sodass dadurch ein recht beklemmendes Mystery-Drama entsteht. Lee Soo-Youns Film ist, wie so viele koreanische Horrorfilme, äußerst düster, nicht weniger geheimnisvoll und deckt die Schattenseiten des modernen Großstadtlebens auf.

Fotomodel und mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin Jun Ji-Hyun spielt Yeon, eine Art weibliche Verkörperung des Todes, als eine depressive und psychisch labile Frau, die zusätzlich unter ihrer Einsamkeit leidet. Nicht nur ihr Mann macht sie kaputt, sondern ebenso ihre soziale Umwelt, mit der sie im Grunde genommen nichts zu tun haben möchte. Sie wird von ihren Mitmenschen gemieden, da ihre Art nicht der Norm entspricht. Unfreiwillig konfrontiert Yeon den Innenarchitekten Jeong sowie andere Personen mit verdrängter und längst vergessen geglaubter Schuld, durch die in der Vergangenheit jemand zu Tode gekommen ist. Eine Fähigkeit, an der sie selbst verzweifelt.

„The Uninvited“ ist anspruchsvolles koreanisches Horrorkino, verpackt in eine überaus düstere und kalte Atmosphäre. Lee Soo-Youn kreiert in ihrem Film eine Ästhetik des Grauens in dunklen, hoffnungslos erscheinenden Bildern, die den Menschen in einer extrem negativen Weise darstellen. Es ist ein sehr kunstvoller Film, der zwar aufgrund seiner Zelebrierung der Trostlosigkeit ein gewisses Durchhaltevermögen abverlangt, aber aufgrund seiner Dramaturgie und seiner tollen Schauspieler überaus sehenswert ist.

The Uninvited, Regie u. Drehbuch: Lee Soo-Youn, Produktion: Lee Kang-Bok, Darsteller: Park Shin-Yang, Jun Ji-Hyun, Südkorea 2003, 121 Min.

 

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Nach dem Erfolg von „Girl on the Train“ musste natürlich so schnell wie möglich ein weiteres Buch der Autorin her. Das Ergebnis trägt den Titel „Into the Water“ und handelt von dem kleinen Ort Beckford, in dem immer wieder Frauen Selbstmord begehen, indem sie sich von einer hohen Klippe in den Fluss stürzen. So auch Julias Schwester Nel, die in Beckford lebte, um dort den rätselhaften Fällen nachzugehen und daraus ein Buch zu machen.

Als Julia nach Beckford kommt, um die Leiche zu identifizieren und an der Trauerfeier teilzunehmen, versucht sie zugleich herauszubekommen, wieso sich Nel umgebracht hat. War es tatsächlich Selbstmord? Wurde sie Opfer eines angeblichen Fluches? Oder wurde sie von der Klippe gestoßen? All diese Fragen beschäftigen auch die Polizei, denn bevor Nel umgekommen ist, starb auch eine Schülerin auf ominöse Weise im Fluss.

Wie bereits „Girl on the Train“, so ist auch „Into the Water“ aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, wobei sich die persönliche Tagebuchform abwechselt mit einem allgemeinen Erzählstil. Schon allein durch den ständigen Wechsel der Perspektiven, durch Rückblenden und durch das Einweben des unvollständigen Manuskripts von Nel über das Geheimnis des Drowning Pool erschafft Paula Hawkins eine intensive Dichte, die den Leser schnell in ihren Bann zieht.

Alles dreht sich um das Geheimnis der Frauen von Beckford, um die Frage, weswegen manche von ihnen im Drowning Pool ertranken. Nel kommt dabei auf die Spur eines schrecklichen Geheimnisses, und nach und nach stellt sich heraus, dass Beckford an mehr als nur einem tragischen Schicksal leidet.

Man könnte fast meinen, als habe Paula Hawkins sich an dem Grundkonzept des J-Horror orieniert, als sie „Into the Water“ konzipierte. Denn das grundlegende Thema ist so gut wie identisch: die Verhinderung von Emanzipation seitens patriarchaler Strukturen. Zwar schlägt die Autorin von Anfang an tatsächlich Töne des Mytischen und Mysteriösen an, letztendlich aber entwickelt sich die Story dann doch in eine andere Richtung.

Dennoch bleibt das Rätselhafte und latent Unheimliche stets präsent: eine alte Frau, die mit den Toten kommunizieren kann, Julia, die ständig glaubt, dass ihre Schwester in ihrem Haus umgeht, der allgemeine Glaube an eine Art Fluch, der über dem kleinen Ort liegt. Im Gegensatz zu „Girl on the Train“ verzichtet Hawkins hier auf eine satirische Sichtweise. Vielmehr gestaltet sie die Geschichte als eine Art düsteres Drama, in das Julia unvermittelt hineingezogen wird.

Während man bei den entlarvenden Seitenhieben auf das Spießertum der Vorstadtbewohner immer wieder mal schmunzeln musste, so bleibt Paula Hawkins in ihrem neuen Roman ungewöhnlich ernst. Sie konzentriert sich voll und ganz auf die Trauer und den Schmerz der Figuren, verbindet diesen aber gekonnt mit einer durchgängig spannenden Handlung. Ähnlich wie Agatha Christie, so präsentiert auch Paula Hawkins eine ganze Reihe von verdächtigen Personen, um nach und nach deren Geheimnisse zu lüften. All dies macht ihren zweiten Thriller durchaus lesenswert.

Paula Hawkins. Into the Water. Blanvalet 2017, 476 Seiten, 14,99 Euro, ISBN: 978-3-7645-0523-3

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In Deutschland leider fast noch immer unbekannt, ist Regisseur, Autor und Produzent Larry Fessenden in den USA eine feste Indie-Größe. Seine New Yorker Produktionsfirma Glass Eye Pix hat sich ganz und gar dem Thriller- und Horrorgenre verschworen. Obwohl seine Filme auf diversen Festivals ausgezeichnet wurden und werden, schafften es bisher nur wenige bis nach Deutschland.

Der erste Film, der ein Release in Deutschland erfuhr, war „Wendigo“. Mit geringen Mitteln schuf Fessenden einen überaus ästhetischen Horror-Mystery-Film, der beim Woodstock Filmfestival 2001 den ersten Preis erhielt.

„Wendigo“ erzählt die Geschichte von Kim, George und ihrem acht Jahre alten Sohn Miles, die ein Winterwochenende in dem Landhaus ihres Freundes verbringen möchten, um einmal vom Alltagsstress loszukommen. Doch schon auf dem Weg dorthin geschehen sonderbare Dinge. George überfährt einen Hirsch und löst dadurch einen Streit zwischen einer kleinen Gruppe von Jägern aus, die das Tier gejagt haben. Doch auch im Landhaus scheint nicht alles geheuer. Miles hat unheimliche Alpträume. Irgendetwas scheint in dem Wald zu wohnen, an dessen Rand das Haus steht. Besonders Miles spürt dessen verstörende Gegenwart. Schließlich geraten die Dinge außer Kontrolle …

Von Anfang an ist der Film von einer dichten, unheimlichen und leicht verstörenden Atmosphäre gekennzeichnet. Die unruhige Kamera gleich am Anfang lässt den Konflikt zwischen der Familie und den Jägern wie eine Live-Reportage erscheinen. Zuvor sieht man noch, wie Miles am Rücksitz des Autos mit seinen Plastikfiguren spielt, kurz darauf dann der harte Kontrast zur düsteren Realität, die geprägt ist von der unangenehmen Begegnung mit einer Gruppe Hinterwäldler.

Gleich zu Beginn präsentiert Fessenden eine wundervolle Gruselästhetik; „Wendigo“ (2001); Copyright: Glass Eye Pix

Was man zunächst als eine Art Zitatenschatz auf das Horrorfilmgenre bezeichnen könnte, entwickelt sich dann doch in eine völlig andere Richtung. Denn Fessenden versucht nicht, seinen Film mit Filmzitaten aufzuheitern, sondern erzählt seine eigene, teils autobiographisch geprägte Geschichte, die bespickt ist mit Erinnerungen aus seiner Kindheit.

Dass er sich dabei als ein großartiger Erzähler erweist, zeigt der weitere Verlauf der Geschichte, die von Mal zu Mal unheimlicher und mystischer wird. Im Zentrum steht dabei Miles, der zum ersten Mal aus der Großstadt aufs Land kommt und die Natur als fremdartig und bedrohlich empfindet. Wunderschöne, stark atmosphärische Landschaftsaufnahmen vermitteln dabei den Eindruck einer belebten Natur. So werden das Schwanken der Äste, das Rauschen des Windes oder auch ein fließender Bach zu möglichen Verkörperungen des Wendigo, eines indianischen Naturgeistes, der das Schicksal der Menschen, die ihm ausgesetzt sind, auf schreckliche Weise beeinflussen kann.

So auch Miles und seine Eltern, die immer stärker in den unheimlichen Bann des Wendigo geraten. Miles erfährt von einem Indianer in einem kleinen Touristen-Shop zum ersten Mal von diesem Geist. Seine Eltern halten jedoch alles für pures Geschwätz. Sehr geschickt setzt Fessenden die zunehmende Unsicherheit Miles‘ in geradezu perfekte Bilder um: plötzliche Zeitraffer bei den Naturaufnahmen; Bäume scheinen Gesichter zu haben; Traumsequenzen vermischen sich mit der Realität; weite, düstere Landschaftsaufnahmen. Ein genialer Soundtrack mit Songs des New Yorker Musikers Tom Lavarack untermalen die Bilder und geben ihnen eine zusätzliche mystisch-unheimliche Note.

„Wendigo“ ist ein wundervoll inszenierter, stark ästhetischer Gruselfilm, der in Deutschland leider nie richtig wahrgenommen wurde. Während es in den USA bereits Werkeditionen Larry Fessendens gibt, sucht man hier seine Filme beinahe vergeblich. Schade, denn Fessenden gehört zu den sicherlich interessantesten Regisseuren im Horror- und Thrillergenre.

Wendigo, Regie u. Drehbuch: Larry Fessenden, Produktion: Jeff Levy-Hinte, Darsteller: Patricia Clarkson, Jake Weber, John Speredakos, Erik Per Sullivan. USA 2001, 88 Min.

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27etageMan könnte annehmen, dass sich mit dem Beginn der 60er Jahre die Paranoia der 50er Jahre in Luft aufgelöst hatte. Jedenfalls, was die Filminhalte anbelangt. Doch weit gefehlt. Denn Mitte der 60er Jahre zeigte Regisseur Edward Dmytryk, dass die Paranoia noch immer existierte – und zwar ausgeprägter als zuvor.

 

Paranoides im Kino

Die Paranoia-Filme der 50er Jahre waren bestimmt von einer heimlichen Invasion fremder politischer Mächte, allen voran natürlich der Sowjetunion, welche die USA unterwandern wollten. Paradebeispiel für jene Zeit war und ist „Invasion of the Bodysnatchers“ (1956) nach dem Roman von Jack Finney, in dem ein Psychiater bemerkt, wie sich um ihn herum die Gesellschaft verändert und er dadurch zum Gejagten wird.

Alfred Hitchcock machte Schluss mit diesen Wahnvorstellungen, indem er mit „Psycho“ neue Ängste heraufbeschwor: die Angst vor dem Fremden innerhalb der eigenen Gesellschaft – und zwar ohne äußere Einflüsse. Norman Bates ist der Psychopath par excellence, doch niemand sieht es ihm von außen an. Somit schlich sich die Angst vor den Mitmenschen, die in einer modernen Gesellschaft eigentlich fast alle Fremde sind, von der Realität in die Kinosäle. Vertrauen konnte man ab da im Grunde genommen niemanden mehr. Fünf Jahre nach „Psycho“ und fast zehn Jahre nach den „Körperfressern“ griff Edward Dmytryk diese neue Paranoia auf und schuf mit „Die 27. Etage“ ein Meisterstück des Mystery-Thrillers, dessen Einfluss bis heute nicht nachgelassen hat.

 

Die 27. Etage

Eines Abends fällt in einem Bürohaus plötzlich der Strom aus. Im selben Moment befindet sich der Angestellte David Stillwell im Treppenhaus, wo er versucht, ins Erdgeschoß zu gelangen. Er trifft auf Shela, die ihm merkwürdig bekannt vorkommt, die er aber zugleich nicht zu kennen scheint, und folgt ihr hinunter in das vierte Untergeschoß. Nur, wie sich später herausstellt, das Gebäude besitzt kein einziges Untergeschoss, sondern nur einen Heizungskeller. Doch damit hat es sich noch längst nicht. Stillwell sieht sich auf einmal einer unheimlichen Gefahr gegenüber, Fremde bedrohen ihn mit Pistolen, versuchen, ihn zu entführen oder ihn dazu zu bringen, mit bestimmten Menschen in Kontakt zu treten. Im Gegenzug dazu verschwinden Leute, die er kannte, als hätte sie der Erdboden verschluckt. Stillwell sucht letztendlich einen Privatdetektiv auf, der ihm dabei helfen soll, Licht ins Dunkel zu bringen …

„Mirage“, so der Originaltitel, ist Spannung pur. Ohne langes Vorspiel, beginnt der Film mitten in der Handlung. Und ohne Durchhänger fährt Dmytryk mit dem Spiel fort, lässt den Zuschauer bis zum Schluss im Unklaren, was eigentlich wirklich mit Stillwell passiert ist. Allein Sheila scheint eine Verbindung zu Stillwells Vergangenheit zu sein, an die er sich, wie er plötzlich merkt, überhaupt nicht mehr erinnern kann. Doch die Frau, die ihm einerseits bekannt, andererseits völlig fremd ist, scheint mit ihm ebenfalls ein zwielichtiges Spiel zu spielen.

 

Die neue Paranoia

So als wollte Dmytryk die paranoide Atmosphäre des Films nochmals unterstreichen, erlaubte er sich einen kongenialen Scherz, indem er Kevin McCarthy, der 1956 den Psychiater in „Invasion of the Bodysnatchers“ gespielt hatte, in „Die 27. Etage“ mitagieren lässt. Gregory Peck, der den völlig zurückgezogenen David Stillwell spielt, überzeugt in dem Film auf ganzer Linie. Seine Figur wird zum Symbol von Individuen in einer modernen Gesellschaft, die niemandem und nichts mehr vertrauen können. Nicht einmal mehr sich selbst. Auf diese Weise verbindet Dmytryk die Paranoia der 50er mir derjenigen der 60er und schafft dadurch eine neue Form der sozialen Angst, die bis heute das Mystery-Genre prägt.

Auf diese Weise funktioniert der Film heute genauso gut, wenn nicht sogar noch besser als damals. Mystery-Thriller wie „The Game“ schauen gegenüber der „27. Etage“ alt aus, erreichen nicht die Intensität und keineswegs die Eleganz, die jener Klassiker aufweist. Es handelt sich schlichtweg um ein Meisterwerk, in dem eine hervorragende, teils an Hitchcock erinnernde Optik dominiert, die Reales surreal erscheinen lässt und umgekehrt. Kurz: ein erstklassiger Thriller.

Die 27. Etage (Mirage). Regie: Edward Dmytryk, Drehbuch: Peter Stone, Darsteller: Gregory Peck, Diane Baker, Walter Matthau, Kevin McCarthy, George Kennedy. USA 1965, 108 Min.

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injuFrankreichs Filmindustrie ist seit jeher bekannt durch seine spannenden Thriller. Mit „Das Geheimnis der Geisha“ lenkt Regisseur Barbet Schroeder das Genre in eine Richtung, die den Film zwischen europäischem B-Picture im allgemeinen und Giallo im speziellen verortet.

„Inju“, so der Originaltitel, handelt von Alex Fayard, einem französischen Bestseller Autor von Kriminalromanen, der sein neuestes Werk in Japan vorstellen will. Er ist fasziniert von dem japanischen Thriller-Autor Shindei Oe, über den sich bizarre Gerüchte ranken. Bisher hat ihn noch niemand zu Gesicht bekommen. Manche halten ihn für einen Psychopathen. Kaum ist Fayard in Japan angekommen, bedroht ihn ein eigenartiger Anrufer während einer TV-Sendung, Japan so schnell wie möglich zu verlassen. Kurz darauf lernt Fayard die Geisha Tamao kennen, die behauptet, Oes Geliebte zu sein. Er verliebt sich in sie und erhofft sich zugleich, nähere Informationen über diesen mysteriösen Autor zu erhalten. Bei seinen Nachforschungen gerät er immer tiefer in ein unheimliches Geheimnis.

Im Grunde genommen kann man Barbet Schroeders Film als eine Art Nachdenken über das Scheitern bezeichnen. Diese menschliche Tragik verpackt er in eine Mischung aus Mystery und Suspense, die „Das Geheimnis der Geisha“ wie einen Giallo von Mario Bava erscheinen lassen, der bespickt ist mit einer düsteren Erotik. Auf diese Weise überzeugt das Werk von Anfang an durch eine dichte und geheimnisvolle Atmosphäre, welche die Handlung elektrisierend vorantreibt und sich dabei zugleich als eine Art Hommage an das europäische Trash-Kino versteht.

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Die geheimnisvolle Tamao (Lika Minamoto) deutet ihren Hang für Fesselspielchen an. „Das Geheimnis der Geisha“ (Frankreich 2008). Copyright: Sunfilm Entertainment.

Alex Fayard, ein Experte darin, Literatur und Film zu analysieren, gerät auf einmal in einen Bereich, der verworrener nicht sein kann. Sein fast schon überhebliches Auftreten wird auf einmal erschüttert. Denn das, was zunächst klar und deutlich erscheint, erhält einen doppelten Boden. Von da an ist nichts mehr so, wie es aussieht. Doch von der Idee besessen, den eigentlichen Charakter des ominösen Schriftstellers Shindei Oes in seinen Werken erkannt zu haben, glaubt er, letztendlich als Sieger hervorzugehen.

Barbet Schroeder nutzt diese Grundlage, um damit sowohl die Figur Alex Fayard als auch den Zuschauer an der Nase herumzuführen. Die klassische Variante des „Who’s done it“ verbindet sich dabei mit der stets präsenten Atmosphäre der Unsicherheit und des Unheimlichen. Dabei darf natürlich eine femme fatale nicht fehlen, die von Lika Minamoto verkörpert wird und Fayard gehörig den Kopf verdreht. Alles in Allem macht dies den Film zu einem durchaus interessanten und spannenden Vergnügen, vor allem für Liebhaber leicht trashiger Kost.

Das Geheimnis der Geisha (OT: Inju), Regie: Barbet Schroeder, Drehbuch: Jean-Armand Bougrelle, Frederique Henri, Barbet Schroeder, Produktion: Said Ben Said, Darsteller: Benoit Magimel, Lika Minamoto, Ryo Ishibashi. Frankreich/Japan 2008, Laufzeit: 101 Min.

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crimsonpeakÜber Guillermo del Toro lässt sich natürlich streiten. Eigentlich ein Regisseur, der zeigt, dass Film auch noch immer so etwas wie Kunst sein kann, kann man ihm zugleich vorwerfen, fast schon unmoralische Summen für sinnentleertes Kino zu verbraten. So als habe del Toro die Kritik an seinem Blockbuster „Pacific Rim“ verstanden, versuchte er es anscheinend allen zu zeigen, um dabei die Botschaft zu vermitteln: Nein, ich verstehe mich noch immer als Künstler.

Damit war „Crimson Peak“ geboren, ein Geisterhausfilm, der mit einem Budget von über 50 Millionen Dollar mehr als nur überteuert ist. In der Tat fragten sich manche Filmexperten, für was denn das viele Geld ausgegeben wurde. Doch zuerst zur Story: Die Handlung spielt im 19. Jahrhundert und erzählt von der jungen Edith Cushing, die Tochter eines Industriellen, die nichts lieber werden möchte als Schriftstellerin. Eines Tages begegnet sie dem mysteriösen Thomas Sharpe, einem verarmten Adligen aus England, und verliebt sich in ihn. Nachdem Ediths Vaters auf rätselhafte Weise ums Leben kommt, heiratet sie Thomas und reist zusammen mit ihm auf sein Anwesen mit dem Namen Crimson Peak, ein Name, vor dem Edith durch den Geist ihrer Mutter gewarnt wurde …

Schon von Anfang an ist klar, was del Toro möchte: Eine Hommage an die klassische Schauergeschichte und zugleich an den klassischen Horrorfilm. Sogleich der Nachname Ediths verweist auf Horror-Ikone Peter Cushing, der in diversen Filmen der Hammer Studios mitgewirkt hat. Die Figur Edith allerdings ist eine Anspielung auf Jane Austen, deren postum veröffentlichter Roman „Northanger Abbey“ eine Persiflage auf die damaligen Schauerromane darstellt. Del Toro selbst behauptete, „The Haunting“ (die Verfilmung von Shirley Jacksons Roman „The Haunting of Hill House“) als Vorbild für seinen Film genommen zu haben. In der Tat ist auch das ersichtlich. Doch während „The Haunting“ (Bis das Blut gefriert) ein recht unheimlicher Geisterhausfilm ist, ist del Toros Film ein Geisterhausfilm fast ohne Geister.

Nun gut, es kommen gerade einmal zwei Gespenster vor: Ediths Mutter und ein weiterer Geist, der sein Unwesen in Thomas Sharpes gewaltigem Haus treibt. Beide sind jedoch hauptsächlich Computeranimationen und wirken daher alles andere als unheimlich. Auch wenn die Handlung zum Teil nach den typischen Mustern eines Geisterhausfilms oder einer Geisterhausgeschichte verläuft, so besteht der eigentliche Plot aus einer Kriminalgeschichte. Hier bezieht sich del Toro wiederum auf klassische Vorbilder: auf die Werke von Wilkie Collins und Sheridan Le Fanu, die beide unheimliche Kriminalromane schrieben, die man aus heutiger Sicht als Mystery-Thriller bezeichnen könnte.

All dies ist natürlich nett gemeint und auch recht gut umgesetzt. Vor allem das prächtige Farbenspiel, das sich auf die Horrorfilme der 60er Jahre bezieht und vor allem am Anfang des Films hervorsticht, ist ein rechter Augenschmaus. Das Problem jedoch ist, dass der Film nie so etwas wie Gänsehaut hervorruft. In dieser Hinsicht ist „Crimson Peak“ ein wahrer Rohrkrepierer. Del Toro konzentrierte sich so sehr auf die ästhetische Umsetzung, dass er vergaß, seinem Film etwas zu geben, dass den Zuschauer zum Gruseln bringt. Schuld daran sind auch oder vor allem (wie bereits bemerkt) die CGI-Geister, die so unecht wirken, dass sie fast schon langweilig sind. Nur dann, wenn im Hintergrund Monsterdarsteller Doug Jones in merkwürdigen Bewegungen durchs Bild gleitet, kommt ein wenig Freude auf.

Im Groben und Ganzen aber verfehlte del Toro das Ziel, einen unheimlichen Gruselfilm zu drehen. Und es stellt sich wirklich die Frage, wieso er dafür ein so hohes Budget benötigte. Mario Bava oder Terence Fisher, Regisseure, auf die er sich ja bezieht, schafften dasselbe um ein Vielfaches besser und mit einem viel kleineren, ja geradezu winzigen Budget.

 

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briefeausdemjenseitsDer amerikanische Schriftsteller Henry James ist in Deutschland vor allem durch seinen Roman „Der scharlachrote Buchstabe“ bekannt. Freunde der Phantastik hingegen schätzen vor allem seine Novelle „Das Drehen der Schraube“, welche zu den Klassikern der unheimlichen Literatur zählt. Neben weiteren unheimlichen und mysteriösen Geschichten, verfasste er u. a. den Roman „The Aspern Papers“, in welchem es um eine geheimnisvolle alte Frau und die Briefe eines berühmten Dichters aus dem 19. Jahrhundert geht.

1947 wurde dieser Roman, mit Robert Cummings und Susan Hayward in den Hauptrollen, verfilmt. Es handelt sich dabei um eine eher freie Adaption von James´ Geschichte, die noch mehr als der Roman auf das Mysteriöse und Unheimliche setzt. Heute würde man den Film wahrscheinlich in die Kategorie Mystery einordnen. Es geht um den Verleger Lewis Venable, der nach den verloren geglaubten Briefen des Dichters Jeffrey Ashton sucht. Durch den Autor Charles Russel erfährt er, dass diese Briefe noch immer existieren. Und zwar bei seiner einstigen Geliebten Juliana Bordereau in Venedig. Venable scheint dies unmöglich, denn diese Frau müsste nun weit über 100 Jahre alt sein. Doch als er das Haus in Venedig besucht, in welchem Juliana zusammen mit ihrer Urenkelin Tina lebt, wird er eines Besseren belehrt. Das ist jedoch noch nicht alles. Denn in dem Haus gehen sonderbare Dinge vor sich. Beim Versuch, diesen rätselhaften Zwischenfällen auf den Grund zu kommen, stößt Lewis Venable auf die Spur eines düsteren Familiengeheimnises.

Zwielichtige Gestalten, ein fast schon ins übermenschliche charakterisierter Dichter aus dem 19. Jahrhundert und ein düsteres Rätsel, das es zu lösen gilt. Diese Aspekte mischt Martin Gabel zu einem dichten und spannenden Film, der zudem ein hohes künsterlisches Niveau aufweist. Laut den Produktionsmitteilungen soll es vier Stunden gebraucht haben, um Agnes Moorehead, welche die weit über 100jährige Juliana Bordereau spielt, in eben jene alte Frau zu verwandeln. Dennoch bleibt es stets bei Andeutungen, sodass man die uralte Frau nie richtig zu Gesicht bekommt, was das Rätselhafte und Unheimliche noch verstärkt.

Diese Methode verschafft dem Film seine knisternde Atmopshäre, der man sich nicht entziehen kann. Die düstere Architektur des alten Hauses in Venedig ist dabei hervorragend in die Handlung eingearbeitet. Das Gebäude wirkt wie ein unheimlicher Fremdkörper und besitzt dadurch beinahe den Charme eines Geisterhauses. Eine sehr gute Optik, hervorragende Dialoge und natürlich sehr gute Schauspieler runden die Produktion ab.

Briefe aus dem Jenseits (OT: The lost Moment), Regie: Martin Gabel, Drehbuch: Leonardo Bercovici, Produktion: Walter Wanger, Darsteller: Robert Cummings, Susan Hayward, Agnes Moorhead, John Archer. USA 1947, 89 Min.

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