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Archive for Juni 2012

Südkorea ist inzwischen auch bekannt im Hinblick auf seine Popmusik. In keinem anderen Land werden Boy- und Girlgroups fast schon fließbandartig auf den heimischen Musikmarkt geworfen wie in dem einstigen „hermit kingdom“. Was zum einen wie ein reiner „Popkultur-Kapitalismus“ erscheint, nimmt bei genauerer Betrachtung der sog. Promotional Videos interessanterweise eine sozialkritische Form an. Dies zeigt sich besonders bei den Videos der Girlgroups.

Betrachtet man die Videoclips rein oberflächlich, so scheint die Präsentation der Sängerinnen dem zu unterliegen, was man als den „männlichen Blick“ bezeichnet. Es scheint also, als symbolisiere die Kamera die sexuell beeinflusste Sichtweise eines Mannes auf eine Frau bzw. auf einen weiblichen Körper.

In der Tat jedoch stellen die meisten dieser Musikvideos eine emanzipierte Darstellung von Frauen dar. Man nehme hierbei u. a. als Beispiel den Videoclip „Good Girl, Bad Girl“ der Girlband Miss A , in welchem es um den Unterschied zwischen äußerem Schein und innerem Sein geht, wobei zugleich die oben genannte Perspektive in Frage gestellt wird. Ein anderes Beispiel wäre das Musikvideo „Nowadays You“ der Girlband Brave Girls. Hier präsentieren sich die Sängerinnern in Hosenanzügen, wobei sie von männlichen Symbolen umgeben sind (Auto, Zahnräder als Symbol für Maschinenteile usw.). Dazu passt der Kommentar eines der Mitglieder: sie seien im Grunde genommen eine männliche Girlband. Weitere Videos wären „So hot“ der Wondergirls oder auch „Bo Pe“ der Gruppe T-ARA. In beiden wird die Frau als das „stärkere Geschlecht“ dargestellt.

In dem neuen Videoclip der Gruppe „After School“ wehrt sich eine der Sängerinnen mithilfe einer Pistole gegen den männlichen Blick.

In neueren Videoclips kommt es zu einer direkten Symbolik von Emanzipation. Es handelt sich hierbei u. a. um die Videos „Hit U“ von Dalshabet und um „Flashback“ von After School. In beiden Clips verschaffen sich die Frauen durch ein durchaus männliches Symbol Gehör und verweisen dabei nicht nur auf Selbständigkeit, sondern auch auf eine soziale Gleichrangigkeit. In beiden Videoclips bedroht eine Frau einen Mann mit einer Pistole. Die Pistole gilt als ein Symbol für das männliche Geschlecht. Die Frauen erobern sich ihren sozialen Status, indem sie dieselben Mittel wie ihre männlichen Konkurrenten verwenden. In „Hit U“ ist dies um ein Vielfaches drastischer dargestellt als in „Flashback“, da hier eine Frau sämtliche Männer erschießt, die sie unterschätzt und damit ins Lächerliche gezogen haben. Als zusätzliches Symbol ihrer Rache kann das pinkfarbene Blut angesehen werden, das dabei durch die Gegend spritzt und aufgrund seiner Farbe einen weiblichen Aspekt aufweist (ein zusätzlicher Grund für die Farbgebung liegt natürlich auch darin, der Szene ihre Brutalität zu nehmen. Immerhin erschießt die Frau äußerst kaltblütig mehrere Männer, die ihr schutzlos ausgeliefert sind).

In dem Videoclip der Girl-Group „Dalshabet“ erschießt eine Frau ihren Exfreund und seine Gefährten.

After School und Dalshabet haben in diesem Sinne die Emanzipation der Frau in Korea, jedenfalls im medialen Sinne, auf eine neue Stufe gehoben. Natürlich gibt es auch weiterhin Musikvideos, in denen die Frau schlicht und ergreifend als Sexobjekt dargestellt wird wie dies vor allem in den Clips der Gruppe Sistar der Fall ist. Dennoch dürften die beiden Musikvideos in Sachen Emanzipation eine neue Richtung vorgegeben haben.

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Sprache ist eine kulturell-biologische Errungenschaft, die sich parallel zum Menschen weiter entwickelt. Talcott Parsons zählte sie daher zu den evolutionären Universalien, also kulturellen Aspekten, die in jeder Gesellschaft zu finden sind. Die Betonung liegt hierbei auf dem Aspekt, dass sich Sprache verändert. Das kann dazu führen, dass es zu regelrechten Sprachproblemen kommen kann, wenn sich zwei Menschen aus unterschiedlichen Zeiten begegnen würden. Man vergleiche nur Mittelhochdeutsch mit Neuhochdeutsch. Aber es würde auch, wie Paul Feyerabend dies in einem seiner Aufsätze erwähnt hat, Probleme geben, wenn wir zurück in die 50er Jahre reisten.

Immerhin gibt es durch die technische Entwicklung heute Begriffe, die früher überhaupt nicht existiert haben. Damit verbunden sind Adjektive und Verben, die eine Person von früher nicht verstehen würde.

Diese Sprachproblematik scheint sich im Bereich der Zeitreisefilme nicht zu ergeben. Dort verstehen sich der oder die Zeitreisenden mit den Menschen anderer Epochen ohne Probleme. Das Augenmerk wird hier auf unterschiedliche kulturelle Handlungen gelegt, da diese natürlich am leichtesten visualisierbar sind. Doch die unterschiedliche Sprache…  Dieses wesentliche Problem ergibt sich nicht. Gut, es gibt wenige Ausnahmen, die auf die Sprachproblematik ansatzweise eingehen: z.B. „Star Trek IV“ oder auch „Back to the Future“. Doch zeigt sich bei „Zeitmaschine“, dem Klassiker der Zeitreisefilme, diese überhaupt nicht, und dies obwohl der Zeitreisende unendlich weit in die Zukunft reist. Es ist erstaunlich, dass die Eloy überhaupt noch Englisch sprechen. Und man berücksichtige hierbei, dass der Zeitreisende aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Nimmt man es also genau, so könnten sich die meisten Zeitreisenden mit ihren zukünftigen oder vergangenen Mitmenschen nur schwer, vielleicht sogar überhaupt nicht verständigen. Die Geschichten könnten auf die Weise, wie sie erzählt werden, überhaupt nicht passieren, da sie bereits am Basiswerkzeug menschlicher Kommunikation scheitern: der Sprache.

Burgess hat dies sehr schön an „Clockwerk Orange“ gezeigt, in dem die Jugendlichen nicht nur eine andere Sprache als die Erwachsenen sprechen (ganz klar Subkultur), sondern auch völlig andere Begriffe als heute benutzen. Zeitreisende sollten sich daher, bevor sie überhaupt auf die Idee kommen, durch die Zeit zu reisen, sich darüber klar werden, dass sie sich zunächst mit der Sprache ihrer Zielepoche beschäftigen müssen. Ansonsten führt ihre Reise nicht zu einem gekonnten Zeitparadoxon, sondern schlicht und ergreifend zu gar nichts. Wie denn auch, wenn er oder sie sich nicht mit anderen Menschen verständigen kann?

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Das Thema ist mit Sicherheit nicht neu. Doch Til Schweigers Versuch, den Vorspann der ARD-Krimireihe „Tatort“ zu ändern, hat in einem gewissen Sinne die Frage, um die es in diesem kurzen Beitrag geht, nochmals aufgeworfen. Schweiger scheiterte, da er versuchte, das System zu  modernisieren. Die Kritik brachte es sogar in die Nachrichtenmeldungen, wo man eigentlich über wichtigere Dinge informiert werden möchte.

Foto von Roman Bonnefoy

Überträgt man das Problem der Modernisierung auf den deutschen Filmmarkt, zeigt sich, dass die deutsche Filmbranche als solche anscheinend nicht dazu bereit ist, sich zu verändern bzw. zu erneuern. Ein wesentlicher Grund hierbei ist, und diesen Aspekt greift der Filmwissenschaftler James Monaco immer wieder auf, dass die Geldgeber der Filmproduktionen vor allem die Bundesländer sind. Man hat hier, um dies überspitzt zu formulieren, mehrere Altherrenclubs, die es sich auf ihren Sesseln bequem gemacht haben, und wehe, jemand wagt es, auch nur eines dieser Möbelstücke zu verschieben. Das heißt nicht, dass in Deutschland nur schlechte Filme gedreht werden. Das heißt aber, dass Deutschland durch sein Problem, sich nicht oder nur schwer verändern zu können, damit die Chance verpasst, die Machart seiner Filme zu modernisieren, um dadurch auch andere Genres bedienen zu können, außer Drama, Komödie und Kriegsfilm.

Was daher nötig ist, wäre eine Privatisierung der deutschen Filmbranche, ähnlich wie in Südkorea Mitte der 90er Jahre. Die Veränderungen führten dort zu international konkurrenzfähigen Produktionen. Die Frage ist, ob eine solche Transformation in Deutschland möglich wäre. Die Politik gibt bekanntlich Macht nur ungern aus ihren Händen und von Veränderungen möchte schon gar keiner hören, wie in der Einleitung bereits aufgegriffen. Eine weitere Frage ist natürlich, ob sich private Firmen finden könnten, welche sich in die Filmproduktion einmischen möchten bzw. überhaupt das Know How dazu haben. In Südkorea hatte man den Vorteil, dass die sog. Chaebols (Familienkonzerne) ihre Finger längst in der Medienbranche gehabt haben und somit die Veränderungen positiv umgesetzt werden konnten. In Deutschland gibt es diesen Vorteil nicht. Und den hier ansässigen Produzenten fehlt es  bereits an dem Notwendigsten: ausreichend Kapital, um gute Ideen umsetzen zu können.

Trotz allem wäre es eine Überlegung wert. Eine andere wäre, dass die oben erwähnten „Altherrenclubs“ ihre verstaubten Schablonen zur Seite legen und nach modernen Konzepten Ausschau halten. Doch wahrscheinlich hofft man auf diesen Punkt eher vergeblich.

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Der koreanische Horrorfilm hat 2011 etwas nachgelassen. Der mit Spannung erwartete „Sector 7“ enttäuschte ebenso wie „Cat“ oder „White“. Einziger Lichtblick stellte „Ghastly“ dar, ein Geisterhausfilm des neuen Regisseurs Yung Yoon-Ho. Der Film ist eine Mischung aus konventionellem Spukhausfilm, einem Hauch von Slasher und Familiendrama. Erzählt wird die Geschichte eine Ehepaars, das in ein Haus zieht, in dem vor kurzem ein sonderbarer Mord stattgefunden hat. Gemeinsam mit dem Ehepaar zieht auch die jüngere Schwester von Sunny, der Frau, ein. In dem Haus selbst wohnt noch der kleine Sohn des Mordopfers, den Sunny adoptiert, was bei ihrer Schwester zu Eifersucht führt, da sie nun an die zweite Stelle rückt. Kaum haben sie sich einigermaßen eingelebt, als es zu den ersten unheimlichen Zwischenfällen und schließlich auch den ersten Morden kommt.

Ghastly

Noch scheint in der Familie alles in Ordnung zu sein

Der Film sticht durch seine starke Atmosphäre und seine stilvolle Kamera hervor. Zugleich stellt er das moderne Korea anhand einer Patchworkfamilie dar. Es ist keine Vorbildsfamilie, sondern eine mit emotionalen Konflikten beladene. So hegt Sunnys Mann erotische Gefühle gegenüber ihrer Schwester, wobei er zugleich seine Frau vernachlässigt. Ihre Schwester hält ihren Schwager führ ein Ekelpaket. Hinzu kommt der fremde Junge, der durch sein Verhalten für zusätzliche Konflikte sorgt. Sunny, die sich sehnlichst ein Kind wünscht, lässt ihm jede Tat durchgehen.

Speziell die Beziehung zwischen Sunny und dem Jungen Bin sorgt für zwei interessante Szenen, von denen die eine merkwürdigerweise kaum Bedenken hervorgerufen hat. Szene 1 ist relativ harmlos. In ihrer Symbolik zeigt diese an, dass Bin von Sunny die Brust bekommen möchte (Bins Blick auf ihre Brüste; Annäherung an Sunnys Busen; Sunnys mütterliches Verhalten). Die Sequenz besitz eine etwas verstörende Eigenschaft, da Yung diese Szene beinahe sinnlich inszeniert hat. Doch scheint es so, als habe Yung sich hierbei mit seinen Provokationsmechanismen zurückgehalten, denn andere Szenen vollenden ihre anfänglichen Andeutungen, auch wenn diese eher auf einer symbolischen Ebene verlaufen.  Ich glaube nicht, dass er seitens der Produzenten ausgebremst wurde, die Mise en Scène auf provokante Weise zu vollenden, denn dagegen spricht die zweite hervorstechende Sequenz. Szene 2 ist eindeutig als Skandalszene inszeniert.

Bin blickt während des Dialogs ständig auf Sunnys Busen.

Regisseur Yung verleiht dieser Szene eine sinnliche Atmosphäre.

Sunny auf ihrem Bett, ihr Gesicht (in einer Totalen) deutet eine sexuelle Erregung an. Als Sunny zu sich kommt, erschrickt sie vor ihren eigenen Gefühlsregungen. Sie bemerkt, dass sich etwas unter der Decke befindet und schlägt diese zurück. Die Kamera zeigt ihre gespreizten Beine und Bin, der sie (andeutungsweise) oral befriedigt hat. Verbunden ist diese Szene mit sehr viel Blut, dem hierbei nicht weniger eine sexuelle Komponente zukommt (hinzuzufügen ist, dass es sich hierbei um eine Traumsequenz handelt, was dem Ganzen seine Skandalträchtigkeit nehmen soll). – Wie gesagt, hat sich über diese Szene anscheinend keiner Gedanken gemacht (vielleicht, da es sich nun einmal um eine Traumsquenz handelt), jedenfalls habe ich bisher keine Erwähnung dahingehend gefunden. Eine Diskussion innerhalb eines soziokulturellen Kontextes wäre sie auf alle Fälle wert, führt Yung doch hier den in den 60er Jahren als skandalös empfundenen Kuss zwischen dem Jungen Miles und dem Kindermädchen Miss Giddens in „Schloss des Schreckens“ auf eine weit extremere Ebene.

Bin zwischen Sunnys Beinen. Yung kratzt hierbei absichtlich an einem Tabu.

Dass Yung einen kleinen Sakandalfilm inszenieren wollte, zeigt sich auch an einer anderen Szene, in welcher Bin einen Jungen aus seiner Schulklasse kaltblütig ermordet. „Ghastly“ zweigt hier von den typischen Frauengeistern ab, die bisher in so vielen koreanischen und japanischen Horrorfilmen zu sehen gewesen sind. Er versucht dezentes Grauen mit Schockmomenten zu verbinden, was ihm durchaus auch gelingt. Durch seine angedeutete Gewagtheit dürfte er vielleicht den ein oder anderen koreanischen Horrorregisseur inspiriert haben. Man darf daher mit Interesse auf die diesjährigen Horrorfilme aus Korea warten, welche spätestens im Sommer erscheinen werden.

Die Screenshots stammen von der koreanischen DVD.  Die Helligkeit wurde mit gimp erhöht.

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Das koreanische Trash-Filmjahr hat schon einmal recht gut begonnen. Der Thriller „Howling“ erzählt die Geschichte einer eigenartigen Mordserie, bei welcher die Opfer Bisswunden von einem Wolfshund aufweisen. Nein, es ist kein Werwolffilm, sondern ein ganz normaler Krimi, auch wenn der Titel des Films unweigerlich an den Horrorklassiker „The Howling“ erinnert. In diesem Sinne dürfte der Titel nicht gerade gut gewählt sein. So lautet der Romantitel der japanischen Vorlage, auf welcher der Film beruht, „The Hunter“. Aus diesem Grunde dürfte der Film bei einem bestimmten Teil des westlichen Publikums zu etwas Verwirrung führen, da der Titel nun einmal gewisse Erwartungen weckt, welche der Film jedoch nicht erfüllt.

In seiner Ästhetik orientiert sich „Howling“ an den Trash-Filmen der 70er Jahre, was sich vor allem in der Farbgebung und im Szenenaufbau bemerkbar macht. Die Story an sich ist recht spannend erzählt. Problem jedoch ist die Beziehung der beiden Hauptfiguren, gespielt von Song Kang-Ho und Lee Na-Young. Das Polizistenpaar, bestehend aus nörgelndem Einzelgänger und unerfahrener Anfängerin, ist nicht gerade neu. Ein wenig mehr Originalität hätte in diesem Punkt dem Film sicherlich gut getan, auch wenn Regisseur Yoo Ha, der mit „Howling“ sein Debut feiert und der zuvor als Dichter tätig gewesen ist, diese Beziehung nutzt, um auf die Benachteiligungen von Frauen im Berufsleben aufmerksam zu machen.

Insgesamt aber liefert der Film durchaus gelungene Trash-Unterhaltung, welche das Interesse auf die noch kommenden Thriller weckt.

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