Wie man einen Animationsfilm produziert – Einblicke in ein faszinierendes Arbeitsfeld

animationsfilmHannes Rall drehte bisher mehrere Animationskurzfilme, die auf verschiedenen Festivals großen Anklang fanden. In seinem Buch „Animationsfilm“ gibt er angehenden Filmemachern hilfreiche Hinweise und Tipps, wie man animierte Filme konzipiert und produziert.

Es geht dabei nicht nur um technische Details, sondern vor allem um die Kunstfertigkeit, die man dafür mitbringen sollte. Bei Animationsfilmen läuft Vieles anders ab, als in einem Realfilm. Das beginnt schon an dem Punkt, die Hauptfiguren zu gestalten. Hierbei ist anatomisches Wissen unabdingbar, muss der Zeichner doch mindestens eine Ahnung davon haben, wie Bewegungsabläufe vonstatten gehen. Hält sich ein Künstler nicht daran, verliert die Figur sofort an „Echtheit“. Da die Figuren in eine Geschichte eingebettet sind, geht auch bei einem Animationsfilm nichts ohne Drehbuch. Hier ist jedoch das Storyboard von großer Wichtigkeit. Dieses zeigt nicht nur den detaillierten Handlungsverlauf, sondern nimmt auch Bezug auf Kameraeinstellungen und Filmformate.

Im Hauptteil behandelt Rall die drei wichtigsten Animationsstile: Stop Motion, Trickfilm und 3D-Computeranimationen. Bis ins Detail bespricht der Autor die Vorgehensweise beim Zeichnen, Gestalten und Umsetzen. Zu vielen Punkten gibt es Übungsaufgaben, an denen sich der Leser selbst versuchen kann. Interviews mit Experten runden die jeweiligen Kapitel ab.

Obwohl es sich bei „Animationsfilm“ um eine Art Lehrbuch handelt, ist dieses keineswegs langweilig oder trocken. Im Gegenteil, selten oder besser so gut wie gar nicht gibt es Fachbücher, die mit einer hochgradigen Lebendigkeit daher kommen. Hannes Rall verbindet in seinem Buch Fakten und Hinweise mit Unterhaltung. Dafür sorgen nicht nur die unzähligen Zeichnungen, mit denen der Autor Beispiele für die einzelnen Problemfelder liefert. Hannes Rall bringt die Thematik in einem flotten, leicht verständlichen Schreibstil stets auf den Punkt. So erhält der Leser nicht nur jede Menge hilfreicher Informationen, sondern zugleich jede Menge Spaß.

Hannes Rall. Animationsfilm. Konzept und Produktion. UVK 2015, 341 Seiten, 34,99 Euro, ISBN: 978-3-86764-376-4.

Wie produziert man eigentlich einen Film? – Eckhard Wendlings Standardwerk „Filmproduktion“

filmproduktionDas Problem, vor dem ein Filmemacher steht, lautet, welche Kosten bei einem Dreh überhaupt entstehen. Seit Jahren setzt sich Eckhard Wendling mit der ökonomischen Seite von Film- und TV-Produktionen auseinander. In seinem Buch „Filmproduktion“, das nun in einer komplett überarbeiteten Version erschienen ist, behandelt der Autor sämtliche Phasen und Aspekte von Film- und TV-Produktionen und geht damit geradezu minutiös auf das oben genannte Problem ein.

Ausgehend von der eigentlichen Filmidee, führt er den Leser weiter durch die verschiedenen Produktionsphasen. Er geht dabei u. a. auf die Entwicklung des Drehbuchs ein, setzt sich mit dem Kostenrisiko des Produzenten auseinander und behandelt zusätzlich auch das Thema Autorenhonorare. Eckhard Wendling nennt die wichtigsten Begriffe, angefangen vom Drehplan, der als Grundlage für die Kalkulation dient, über die Tagesdisposition, die genaue Informationen über die jeweiligen Drehtage enthält, bis hin zur eigentlichen Kalkulation. Die Definitionen und Darstellungen werden mit Drehbuchauszügen oder Auszügen aus Drehplänen und Tagesdispositionen zusätzlich veranschaulicht. Ein Glossar und eine Aufführung von Adressen wichtiger Filmförderer runden das Werk ab.

All dies macht Wendlings Buch zu einem wichtigen und praxisorientierten Ratgeber für alle, die bereits im Filmgeschäft tätig sind oder vorhaben, dies zu tun. Da die jeweiligen Ausführugen äußerst detailliert geschildert sind, läßt das Buch so gut wie keine Fragen offen.

Chance verpasst? – Der deutsche Film zeigt sich mal wieder unveränderlich

Das Thema ist mit Sicherheit nicht neu. Doch Til Schweigers Versuch, den Vorspann der ARD-Krimireihe „Tatort“ zu ändern, hat in einem gewissen Sinne die Frage, um die es in diesem kurzen Beitrag geht, nochmals aufgeworfen. Schweiger scheiterte, da er versuchte, das System zu  modernisieren. Die Kritik brachte es sogar in die Nachrichtenmeldungen, wo man eigentlich über wichtigere Dinge informiert werden möchte.

Foto von Roman Bonnefoy

Überträgt man das Problem der Modernisierung auf den deutschen Filmmarkt, zeigt sich, dass die deutsche Filmbranche als solche anscheinend nicht dazu bereit ist, sich zu verändern bzw. zu erneuern. Ein wesentlicher Grund hierbei ist, und diesen Aspekt greift der Filmwissenschaftler James Monaco immer wieder auf, dass die Geldgeber der Filmproduktionen vor allem die Bundesländer sind. Man hat hier, um dies überspitzt zu formulieren, mehrere Altherrenclubs, die es sich auf ihren Sesseln bequem gemacht haben, und wehe, jemand wagt es, auch nur eines dieser Möbelstücke zu verschieben. Das heißt nicht, dass in Deutschland nur schlechte Filme gedreht werden. Das heißt aber, dass Deutschland durch sein Problem, sich nicht oder nur schwer verändern zu können, damit die Chance verpasst, die Machart seiner Filme zu modernisieren, um dadurch auch andere Genres bedienen zu können, außer Drama, Komödie und Kriegsfilm.

Was daher nötig ist, wäre eine Privatisierung der deutschen Filmbranche, ähnlich wie in Südkorea Mitte der 90er Jahre. Die Veränderungen führten dort zu international konkurrenzfähigen Produktionen. Die Frage ist, ob eine solche Transformation in Deutschland möglich wäre. Die Politik gibt bekanntlich Macht nur ungern aus ihren Händen und von Veränderungen möchte schon gar keiner hören, wie in der Einleitung bereits aufgegriffen. Eine weitere Frage ist natürlich, ob sich private Firmen finden könnten, welche sich in die Filmproduktion einmischen möchten bzw. überhaupt das Know How dazu haben. In Südkorea hatte man den Vorteil, dass die sog. Chaebols (Familienkonzerne) ihre Finger längst in der Medienbranche gehabt haben und somit die Veränderungen positiv umgesetzt werden konnten. In Deutschland gibt es diesen Vorteil nicht. Und den hier ansässigen Produzenten fehlt es  bereits an dem Notwendigsten: ausreichend Kapital, um gute Ideen umsetzen zu können.

Trotz allem wäre es eine Überlegung wert. Eine andere wäre, dass die oben erwähnten „Altherrenclubs“ ihre verstaubten Schablonen zur Seite legen und nach modernen Konzepten Ausschau halten. Doch wahrscheinlich hofft man auf diesen Punkt eher vergeblich.