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Die junge Amerikanerin Lisa Reiner verläuft sich in einem Labyrinth aus kleinen Straßen und Gassen in einer spanischen Kleinstadt. Schließlich gelangt sie zu einer seltsamen Villa, in der eine Gräfin, ihr Sohn und ein Butler wohnen. Der Sohn ist davon überzeugt, in Lisa die Reinkarnation seiner verstorbenen Frau zu sehen. Der Butler schleppt stets eine eigenartige Puppe mit sich herum. Auch die alte Gräfin scheint irgendwie nicht ganz in Ordnung zu sein. Auf Lisa wartet eine Nacht voller Schrecken und Alpträume…

Mit seinem Werk „Lisa und der Teufel“ kommt Bava dem Traumhaften so nahe wie in keinem anderen seiner Filme. „Lisa e il Diavolo“, so der Originaltitel, ist ein Film, der im Grunde genommen keine Geschichte erzählt, sondern eine Ansammlung an surrealen Elementen ist.

Lisa verliert sich immer mehr in einem Labyrinth aus seltsamen Geschehnissen, für die sie keine Erklärung findet. In dem Butler glaubt sie das Ebenbild des Teufels zu erkennen, das sie auf einem merkwürdigen Gemälde in einer Kirche gesehen hat. Sie wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, der einer menschengroßen Puppe sehr ähnlich sieht. Zugleich liegt ein tiefer Schatten über der Verträumtheit der Villa, der die düstere Atmosphäre dieses Ortes widerspiegelt. „Lisa und der Teufel“ lässt sich mit Filmen wie Jess Francos „Eugenie“ oder Jean Rollins „The Naked Vampire“ vergleichen, die ungefähr im selben Zeitraum entstanden. Aber auch „Tanz der toten Seelen“ von Herk Harvey aus dem Jahr 1962 scheint dem Film Pate gestanden zu haben, zumindest zitiert Bava vor allem am Anfang und im Finale eben diesen Klassiker.

Lisa (Elke Sommer) findet die unheimliche Puppensammlung; „Lisa und der Teufel“ (1972); Copyright: e-m-s

Bei „Lisa und der Teufel“ liegt der Fokus nicht auf einer zu erzählenden Geschichte, sondern auf einer Aneinanderreihung von surrealen Begebenheiten. In dem Film ging Bava voll in seinem Sinn fürs Schauerliche, in seiner Liebe zum Surrealen und in seiner Ästhetik auf. Das Problem jedoch war, dass damals kein Verleih diesen Film haben wollte. Produzent Alfredo Leone drehte auf rasche und völlig unprofessionelle Weise zusätzliche Szenen, die mit Bavas Werk gar nichts mehr zu tun hatten, sondern ihm einen Touch von „Der Exorzist“ verliehen, da die Vertriebe damals Filme dieser Art besser vermarkten konnten. Die veränderte Fassung kam letztendlich auch in die Kinos. Bavas ursprüngliches Werk jedoch wurde damals nie aufgeführt. Erst zu Beginn der 2000er wurde die von Bava gedrehte ursprüngliche Fassung restauriert und veröffentlicht.

Als Regieassistent agierte übrigens sein Sohn Lamberto Bava, der sich in den 80er Jahren einen Namen durch die „Demons“-Trilogie machte. Bavas Filme sind hervorragende Beispiele für die Ästhetik des Grauens und beeinflussen bis heute das Genrekino. Der Einfluss von Mario Bava ist sogar im koreanischen Horrorgenre zu bemerken. Filme wie „A Tale of Two Sisters“ oder „Wishing Stairs“ sprechen eindeutig eine bavasche Sprache. So gesehen könnte man durchaus behaupten, dass Mario Bava nicht nur der Vater des modernen italienischen Horrorfilms ist, sondern des modernen Horrorfilms überhaupt.

Lisa und der Teufel (OT: Lisa el i Diavolo), Regie: Mario Bava, Drehbuch: Mario Bava, Alfredo Leone, Produktion: Alfredo Leone, Darsteller: Elke Sommer, Telly Savalas, Silva Koscina, Alida Valli, Alessio Orano. Italien/Deutschland/Spanien 1972, 92 Min.

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„Five Years“ lautet ein Song von David Bowie, aber natürlich war damit nicht FILM und BUCH gemeint. Aber eine Gemeinsamkeit gibt es dann doch: den Blog gibt es nämlich jetzt seit fünf Jahren. Fünf Jahre bedeutet: 11 Ausgaben und 2 Sonderausgaben des e-Magazins und beinahe 450 Artikel hier auf der Seite.

Außerdem gibt es ja auch noch unsere diversen Themenreihen: Trash der 50er, Trash der 60er, Trash der 70er, The 80s, Die Klunkerecke, in der wir besondere Filme vorstellen, Horror de Luxe, in der wir besondere Horrorfilme vorstellen, und FuBs Fundgrube, wo wir lesenswerte Bücher vorstellen, die es allerdings nur noch antiquarisch gibt. Hinzu kommt immer wieder mal die ein oder andere Film- und Buchrezension.

Zum 5 jährigen Jubiläum gibt es etwas Besonderes: Eine neue Reihe mit dem Titel (Bowie gab mit seinem Song quasi das Stichwort): Five Years. In dieser Reihe möchten wir jeweils ein oder zwei Filme aus einem Jahrzehnt vorstellen – begonnen wird mit den 1910ern. Wir hoffen, dass die Jubiläumsreihe euch viel Spaß macht und ihr dabei den ein oder anderen Film neu oder wieder entdecken könnt.

Wir wünschen euch auf alle Fälle weiterhin viel Vergnügen mit FILM und BUCH!!!!

 

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Die „Sasori“-Quadrologie machte Schauspielerin und Sängerin Meiko Kaji zu einer der berühmtesten Trash-Ikonen der Filmgeschichte. Diese Woche wurde sie 70 Jahre alt. Aus diesem Anlass und als ein kleiner Zusatz zu dem vorangegangenen Beitrag über die Hintergründe dieser einzigartigen Filmreihe, möchte ich im folgenden auf die jeweiligen Inhalte der vier Filme eingehen.

Sasori – Prisoner 701 (1972)

Sasori, deren eigentlicher Name Nami Mitsushima lautet, wird von ihrem Freund, einem Drogenfahnder, hintergangen und ins Gefängnis geworfen. Dieses wird im Film als der „härteste Knast Japans“ bezeichnet. Es handelt sich dabei um ein Frauengefängnis, dessen Insassen von den Wärtern brutal misshandelt werden. Auch Sasori muss diverse Qualen über sich ergehen lassen. Doch zugleich sinnt sie auf Rache und führt diese schließlich radikal durch. „Sasori“ ist nichts für schwache Nerven. Zugleich aber ist der erste Teil der Quadrologie eine Überraschung in jeder Hinsicht. Denn das durch Roger Corman ausgelöste Knastfrauen-Genre erfährt hier einen Übergang ins Surreale, sodass der Film weit über das Erotik-Thriller-Genre hinausreicht. Regisseur Shun’ya Ito liefert Bilder, die irgendwo zwischen Traum und Albtraum liegen. Hierbei ist besonders die Szene zu erwähnen, in der die Hintergründe von Sasori geschildert werden. Dies geschieht in Form eines Theaterstücks, die Kulissen werden mithilfe einer drehbaren Bühne verändert. Die Farbgebung, die von sattem Rot bis zu grünen und violetten Tönen reichen, lassen Itos Vorbild Mario Bava erahnen.

„Sasori“ platzte regelrecht hinein in die damalige Emanzipationsbewegung in Japan. Einerseits ein Skandalfilm, andererseits ein Kunstfilm, der von Kritikern hoch gelobt wurde, setzte der Film den Grundstein für weiterer „Sasori“-Filme als auch für die parallel produzierten „Lady Snowblood“-Filme, in denen Meiko Kaji ebenfalls die Titelrolle innehatte und deren Handlungen in der Meiji-Ära (1868-1912) angesiedelt ist.

Sasori – Jailhouse 41 (1972)

„Sasori – The Scorpion“ folgten drei weitere Produktionen. Die erste Fortsetzung trägt den Titel „Sasori – Jailhouse 41“. Er handelt von einem Fluchtversuch mehrerer Frauen, die in ihrer Gefängniskleidung durch Japan irren, auf der Suche nach Freiheit und Geborgenheit. Jede der Frauen ist Opfer ungerechter sozialer Umstände. Diese Umstände trieben sie letztendlich zu den Straftaten, die sie ins Gefängnis brachten. Die Hintergrundgeschichten der einzelnen Frauen werden in einem endrucksvollen, surrealen Zwischenspiel dargestellt, welches man beinahe als ein Enka-Musikvideo bezeichnen könnte. Natürlich ist Sasori bei dem Fluchtversuch mit von der Partie. Doch sie wird von den anderen als Außenseiterin betrachtet und weiterhin schikaniert. Die Sticheleien und Peinigungen führen Sasori dazu, sich bei den anderen Flüchtlingen zu rächen. Regisseur Ito steigert in diesem Film die surrealen Elemente so stark, dass Teil Zwei der Sasori-Reihe den Kunstgehalt seines Vorgängers um das Vielfache übersteigert. Schon allein die mehrere Minuten andauernde Anfangssequenz, in der Sasori einen Löffel zu einem Messer schleift, spricht für sich und ist in ihrer Zusammensetzung ein unglaubliches Meisterstück. Interessant ist hierbei auch die offene Kritik an Japans Gräueltaten während des Zweiten Weltkriegs. Japaner tun sich bis heute schwer, ihrer Geschichte objektiv ins Auge zu sehen. Diese Kritik, in welcher ein nationalistischer Weltkriegsveteran ins Lächerliche gezogen wird, muss wie ein Schlag in die Magengrube gewirkt haben. Hier macht sich die Beziehung zwischen Trash und Sozialkritik explizit bemerkbar.

Sasori – Den of the Beast (1973)

Der dritte Teil der Reihe lautet „Sasori – Den of the Beast“. In diesem Film befindet sich Sasori zwar in Freiheit, ist aber ständig auf der Flucht vor der Polizei. Auch hier ist die Anfangssequenz einzigartig. Sasori wird in der U-Bahn verhaftet. Einer der Polizisten kettet sie an Handschellen. Sasori jedoch schlägt ihm kurzerhand den Arm ab und flieht. Es geht um die Fluchtsequenz, welche ebenfalls einen surrealen Charakter aufweist. Denn mehrere Minuten lang rennt Sasori durch Tokios Straßen, während der abgetrennte Arm von ihr baumelt. Die erstaunten Blicke der Passanten lassen darauf schließen, dass diese nicht auf die Dreharbeiten aufmerksam gemacht worden waren. Der restliche Film lässt an Trash-Elementen nichts aus. Er wird zu einer Achterbahnfahrt durch das gesamte Trash-Genre. Dabei scheut er sich auch nicht, die Zuschauer durch eine Inzest-Beziehung zu schockieren. Sasori wird hier zum Zentrum, welches alle Elemente zusammenhält und ihnen einen Sinn verleiht. Höhepunkt dabei ist ihre Flucht durch das Kanalsystem, während die Polizei Öl hinunterschüttet und es anzündet. Wiederum wird hier, typisch für die 70er Jahre, die Moral auf den Kopf gestellt. Der fast schon fanatische Polizeiinspektor, der Sasori unbedingt fangen möchte, um sich an ihr zu rächen, stellt im symbolischen Sinne die Frage dar, was eigentlich gut und was böse ist. Gibt es diese Unterteilung überhaupt? Sasori, als verbitterte gesellschaftliche Außenseiterin, weist in ihrer Symbolik auf das Schicksal von Individuen hin, welche sich der genormten Gesellschaft nicht anpassen wollen. Sie werden zu Geächteten, da schon allein ihre Existenz die Gesellschaft als solche in Gefahr bringen könnte. Mit Existenz ist hier gemeint, die konservativen Elemente, welche die japanische Gesellschaft prägen und welche das Patriarchat aufrecht erhalten.

„Den of the Beast“ war Itos letzter Film der Sasori-Reihe. Er hielt mit Teil Drei die Geschichte der einsamen Rächerin für beendet. Die Produzenten sahen dies jedoch anders und finanzierten einen vierten Teil.

Sasori – Grudge Song (1973)

„Sasori – Grudge Song“ lautet der Titel des letzten Teiles, in dem Meiko Kaji als Sasori in Erscheinung tritt. Regie führte Yasuharu Hasabe. Man merkt sogleich den handwerklichen Unterschied zwischen Hasabe und Ito. „Grudge Song“ fehlen fast völlig die surrealen Elemente. Erst im Finale des Films scheint sich Hasabe auf Itos Kunst zu besinnen und kehrt ansatzweise in dessen Fußstapfen zurück. Der größte Teil des Films ist jedoch eher ein Drama, in welchem zwei Außenseiter versuchen, ihr Leben in den Griff zu bekommen, dabei jedoch zum Scheitern verurteilt sind. Sasori kommt zurück ins Gefängnis. Polizeiinspektor Kudomo will sich persönlich an ihr rächen, in dem er sie in eine einsame Gegend entführt, in welcher ein Galgen errichtet wurde. Ab hier setzt die intensive Farbgebung ein, geht „Grudge Song“ über ins Surreale. Dieser Aspekt setzt sich am Ende des Films fort, in dem Sasoris Exfreund im Boden verschwindet. Der restliche Film spielt auf  sozialen Bewegungen der 70er Jahre an. Mit Gewalt als letztem Mittel, versucht sich Sasori Gehör zu verschaffen. Allerdings vergeblich. Die konservativen Elemente der Gesellschaft scheinen zu siegen.

Sasori (2008)

Im Jahr 2008 produzierten die Toei-Studios ein Remake des Klassikers „Sasori – Prisoner 701“, allerdings ohne Meiko Kaji. Die Rolle der Sasori übernahm das Fotomodell Miki Mizuno. Das Remake reicht nicht einmal ansatzweise an die Ästhetik des Originalfilms heran. Der Hong Kong-Regisseur Joe Ma schuf aus dem verstörenden und zugleich kunstvollen Film einen plumpen Action-Film, der wenig Originelles bietet, sich dafür in Blut und leichten Sexeinlagen ergeht. Hierbei verbindet Ma die Charaktere von Sasori und Lady Snowblood in der Weise, dass Sasori im Remake von einem alten Kampfmeister trainiert wird. Es ist wirklich schade, dass bei der Neuverfilmung kein Wert auf Qualität gelegt wurde.

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Meiko Kaji als Sasori; „Scorpion“ (1972); Copyright: Rapid Eye Movies

Die Protestbewegungen der 1970er Jahre machten auch nicht vor Japan halt. Ähnlich wie in den USA und Europa gründeten sich in dem Inselstaat Studentenbewegungen, die gegen Vietnam, gegen die Regierung und gegen sexuelle Ungleichheit demonstrierten. Besonders der letzt genannte Punkt führte Anfang der 70er Jahre zur sog. „Lib-Bewegung“, einer Gruppe von Frauen, die für Gleichberechtigung kämpften. Zwar gab es seit 1947 ein Gesetz, das die Gleichstellung zwischen Mann und Frau regelte, doch in der Realität sah dies nun einmal anders aus. Frauen erhielten schlecht bezahlte Jobs, wurden aus nichtigen Gründen entlassen und mussten sich dem in Japan herrschenden Patriarchat unterordnen. Die sozialen Bewegungen aus den westlichen Ländern lieferten sozusagen die Initialzündung, um auf diese Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen.

Meiko Kaji als Lady Snowblood; „Lady Snowblood“ (1973); Copyright: Rapid Eye Movies

In den USA waren es vor allem Horrorfilme, welche die Gesellschaftskritik aufnahmen und auf überzogene Weise wiedergaben. In Japan nahm das Trash-Genre die Kritik der Protestbewegungen auf. Das Ergebnis ist etwas anders als in den westlichen Ländern und doch wieder ähnlich. Man stelle sich eine Frau als Hauptfigur eines japanischen Filmes zu Beginn der 70er Jahre vor. Thomas Venker schreibt in seinem Booklet zu „Lady Snowblood“, dass diese Idee genauso viel Aufsehen erregte wie 1969 Romeros „Night of the Living Dead“, in dem ein schwarzer Schauspieler die Hauptrolle übernahm. Es galt bis dahin als ein Ding der Unmöglichkeit und wurde schlicht und ergreifend als Provokation betrachtet.

Kinoplakat zu „Sasori – Prisoner 701“ aus dem Jahr 1972

Damit war „Sasori – Der Skorpion“ geboren. Sasori bedeutet in der Tat Skorpion. Der Name passt, denn die Frau, um die es geht und die in Gefängniszelle 701 auf Rache sinnt, ist alles andere als eine feine Dame. Sie wurde von ihrem Freund, einem Drogenfahnder, hintergangen und ins Gefängnis geworfen, in den, wie es heißt, „härtesten Knast Japans“. Dort muss sie die schlimmsten Demütigungen über sich ergehen lassen, bis sie endlich die Möglichkeit zur Rache bekommt. Regisseur Shun’ya Ito griff in seinem Debüt somit die Kritik der Protestbewegungen auf. In „Sasori“ rächt sich eine Frau an der Männerwelt. Das Patriarchat wird in Frage gestellt und ordentlich durchgeschüttelt, bis auch der letzte Peiniger seine Strafe erhalten hat. Als schwarz gekleidete Siegerin schreitet Sasori (mit „bürgerlichem Namen“ Nami Mitsushima) von dannen, aber nicht ohne vor dem Fade Out einen ironischen Blick zurück in die Kamera bzw. auf den Zuschauer zu werfen.

Szene aus „Scorpion – Prisoner 701“; Copyright: Rapid Eye Movies

Gerne wird „Sasori“ schlicht zu den „Frauengefängnisfilmen“ gezählt. Doch wird diese Kategorisierung diesem Film nicht gerecht. In der Regel sind die sog. „Knastjulenfilme“ eher den reinen Erotikfilmen zuzurechnen. Auch die Machart dieser Filme ist im Vergleich zu „Sasori“ einfach und teils amateurhaft. „Sasori“ hingegen weist einen sehr hohen Kunstgehalt auf. Teilweise dem Expressionismus verschrieben, reicht die Produktion ins Surreale und überschreitet damit die Grenzen zwischen Thriller und Horror. Lässt man sich auf diesen Film ein, so wird man von einem vortrefflichen Spiel origineller Kameraperspektiven überrascht. Die Farbgebung erinnert teilweise an die Filme Mario Bavas. Die für die Rückblenden arrangierten Kulissen funktionieren wie auf einer Theaterbühne. Natürlich steht die Gewalt im Vordergrund und wird teils bis an die Grenze des Erträglichen gesteigert. Das muss sein, da nur so die pervertierten Gefängniswerter charakterisiert werden können und somit die Männlichkeit und damit das Patriarchat in Frage gestellt wird. Genau hier kommen die Aspekte der Frauenbewegung zum Tragen. Es ist also eine Mischung aus Kunst oder auch Arthouse und Exploitation, was sich hier dem Zuschauer bietet. Klaumeister Quentin Tarantino bediente sich bei diesem Film unerbittlich für „Kill Bill“. Man muss ihm allerdings zugute halten, dass er auf die Originalfilme hinwies.

Sasori (Meiko Kaji) sinnt auf Rache; „Scorpion – Prisoner 701“; Copyright: Rapid Eye Movies

Die japanische Enka-Sängerin Meiko Kaji passte mit ihrem melancholischen Gesichtsausdruck und ihren stechenden Augen hervorragend in die Rolle. Sie zählt zu den bekanntesten Exploitation-Darstellerinnen der 70er Jahre. Ihre filmische Karriere begann mit den „Stray Cat Rock“-Filmen, in denen es um verfeindete Mädchenbanden geht. Als Meiko Kaji angeboten wurde, in den damals aufkommenden Pink-Movies, japanischen Softpornos, mitzuspielen, lehnte sie ab. Trash-Fans sind ihr für diese Entscheidung wahrscheinlich ewig dankbar. Denn kurz darauf wurde sie von Ito für die Rolle der Sasori gecastet. 1973 spielte sie Lady Snowblood in dem gleichnamigen Film, in dem es ebenfalls um eine Frau geht, die rächend durch die Lande zieht, allerdings hundert Jahre vor Sasori. Auch dieser Film steht im Zeichen der Frauenbewegungen der 70er Jahre. Ende der 70er Jahre kehrte Meiko Kaji dem Trash-Genre und damit der Filmindustrie den Rücken. Ihre Fernsehauftritte sind sehr rar. Gelegentlich erscheint sie in japanischen TV-Serien. Diese Woche feierte sie ihren 70. Geburtstag.

Bei dem Beitrag handelt es sich um eine gekürzte Version des Artikels „Sasori – Zwischen Kunst und Provokation“, erschienen 2012 im e-Magazin FILM und BUCH.

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Der Klassiker „King Kong“ führte nicht nur zu einer Reihe mehr oder weniger gelungener Remakes, sondern auch zu Filmen, die sich allein des Themas Riesengorilla annahmen. Einer davon ist der 1961 produzierte Horrorfilm „Konga“.

In dieser Produktion geht es um den gleichnamigen Schimpansen, der von dem Wissenschaftler Charles Decker aus Afrika mitgebracht wird. Allerdings bringt der Professor auch Proben mysteriöser Pflanzensäfte mit, welche das Wachstum beschleunigen. Konga dient von nun an als Versuchsobjekt. Das Resultat ist, dass Konga tatsächlich an Größe gewinnt. Da aber werden Decker die Forschungsgelder gestrichen. Aus lauter Wut entwickelt der Professor durch Hypnose Konga zu einem Mordwerkzeug, mit dem er unliebsame Zeitgenossen im Forschungsbereich außer Gefecht setzen kann. Doch bei Konga hört gleichzeitig das Wachstum nicht auf. Schon bald besitzt er die Größe von Big Ben und macht ganz London unsicher.

Was wie die Handlung zu einem typischen B-Movie klingt, entpuppt sich überraschenderweise als ein recht impulsives Drama, in dem ein vollkommen egoistischer Mensch durch seine unreflektierte Handlungsweise das Leben seiner Mitmenschen und schließlich sich selbst zerstört. Er behandelt seine langjährige Gehilfin Margaret äußerst kalt und übergeht dabei ständig ihre Liebe zu ihm. Als sie jedoch sieht, wie Decker einer Studentin nachstellt und dabei versucht, diese zu vergewaltigen, entsinnt Margaret einen spontanen Racheplan, indem sie Konga eine Überdosis des Wachstumsmittels verabreicht.

Gleich haut Konga auf den Putz; „Konga“ (1961); Copyright: Anolis Entertainment

Konga wird dadurch ebenfalls zu einer tragischen Figur stilisiert, da der harmlose Schimpanse durch das Eingreifen des Menschen zu einem Monster mutiert. Zum Schluss besitzt er die Kraft, sich an der Menschheit zu rächen. Auch Margaret, die sich bisher eigentlich stets liebevoll um ihn gekümmert hat, wird von Konga bestraft. Als der riesenhafte Konga gegen Ende des Films durch das nächtliche London stapft und dabei seine Zerstörungswut auslässt, begegnet ihm die Regierung mit einem militärischen Aufgebot, das den Riesenaffen mit Raketenwerfern außer Gefecht setzen soll.

„Konga“ ist somit ein sehr düsterer und pessimistischer Film, in dem sämtliche Figuren leiden. Glückliche Momente sind stets nur von kurzer Dauer. Die Katastrophe nimmt überhand und zieht letztendlich alle Figuren in ihren Sog. Dabei liefert „Konga“ eine extrem scharfe Kritik am menschlichen Forschergeist, der dazu führt, dass der in der Natur bestehende Ausgleich über den Haufen geworfen wird. Wissenschaftler, so der Film, sehen in der Natur ein reines, seelenloses Objekt, das man für seine eigenen Zwecke missbrauchen darf. Dies macht sich besonders in der Szene bemerkbar, in der Decker seine Katze kaltblütig erschießt, nachdem sie etwas von dem Serum genascht hat. Im radikalen Gegensatz dazu steht erneut die schockierte Margaret, die nicht glauben kann, was Decker gerade getan hat.

„Konga“ sticht mit einer überraschenden Tiefgründigkeit hervor, lässt dabei aber auch nicht die Action zu kurz kommen. Hervorragende Schauspieler (allen voran Micharl Gough als Professor) runden den Trash-Klassiker auf eine wundervolle Weise ab.

Konga, Regie: John Lamont, Drehbuch: Aben Kandel, Herman Cohen, Produktion: Herman Cohen, Darsteller: Michael Gough, Margo Johns, Jess Conrad. England 1961, 86 Min.

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diemonsterdie„Can you stand PURE TERROR?“ war auf dem damaligen Kinoplakat zu dem Film „Die, Monster, Die!“ zu lesen, der in Deutschland unter dem Titel „Das Grauen von Schloss Witley“ in die Kinos kam. Das Drehbuch basiert auf der Erzählung „Die Farbe auf dem All“ von H. P. Lovecraft. Obwohl auch dieser Film von American International Pictures stammt, wirkt hier nicht Stammschauspieler Vincent Price mit. Stattdessen ließ die Produktionsfirma einen weiteren Star des Horrorgenres auf die Zuschauer los. Es handelte sich dabei um keinen Geringeren als Boris Karloff, der als wahnsinniger Wissenschaftler für Furore sorgen sollte.

Der Film erzählt von Stephen, der seine Verlobte Susan auf Schloss Witley besucht. Kaum ist er dort, als Susans Mutter beide drängt, das Schloss sofort zu verlassen. Doch Stephen möchte unbedingt hinter das Geheimnis des Schlosses kommen, in dem Susans Vater unheimliche Experimente durchführt. Schließlich treten sie dem „puren Terror“ von Angesicht zu Angesicht gegenüber …

„Die, Monster, Die!“ ist zwar ein gelungener Trash-Horror aus dem Hause AIP, besitzt aber zugleich nicht die Qualität und den Charme der Vincent-Price-Filme, auch wenn SF- und Horrorautor Jerry Sohl das Drehbuch verfasste. In David Hallers Film stehen Alleskönner Stephen und seine stets kreischende Verlobte einem müde erscheinenden Boris Karloff gegenüber. Was man dem Film aber dennoch zugute halten muss, ist, dass es ihm gelingt, den Zuschauer immer wieder zu überraschen.

Ebenso interessant ist, dass „Die, Monster, Die!“ gezielt auf Schockeffekte setzt. Im Kino verfehlten diese sicherlich nicht ihre Wirkung. Es handelt sich dabei um den Einsatz von nervenaufreibender Stille, der unerwartet ein lautes Geräusch folgt, um dadurch das Publikum aus den Kinositzen fahren zu lassen. Gerne wird diese Methode auch in heutigen Filmen eingesetzt wird. So wirken die Schockeffekte, mit denen „Das Grauen von Schloss Witley“ gewürzt ist, auch heute noch, was den Unterhaltungsgrad des Films noch erhöht.

Mit dem Werk Lovecrafts hat der Film natürlich kaum noch etwas zu tun. Als klassischer Horrorfilm aber ist er immer wieder sehenswert.

Das Grauen auf Schloss Witley (OT: Die, Monster, Die!), Regie: Daniel Haller, Drehbuch: Jerry Sohl, Produktion: Pat Green, Darsteller: Boris Karloff, Nick Adams, Susan Farmer, Freda Jackson, Paul Farrell, Terence de Marney. USA 1965, 75 Min.

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centipedeMonster in Höhlen. Solche Geschichten haben sich sicherlich bereits unsere Vorfahren in der Steinzeit erzählt. Für einige Zeit war dieses Thema wieder interessant geworden. So führte der Film The Descent zu einigen Nachfolgeproduktionen, zu denen man unter anderem auch Centipede zählen kann.

Der Film handelt von einer Gruppe Hobbyhöhlenforscher, die eine Reise nach Indien unternehmen, um dort die noch unerforschte Shankali-Höhle zu erkunden. Doch kaum sind sie in der Höhle angekommen, als sie auch schon von einem nicht sehr zahmen Tausendfüßler angegriffen werden. Im Laufe des Filmes werden diese Biester nicht nur mehr, sondern auch noch größer …

Klar ist, bei Centipede handelt es sich um einen Trash-Film, und etwas anderes hatte Regisseur Gregory Gieras auch nie vorgehabt. Mit einem Budget von etwa 500.000 Dollar war wirklich nicht viel Geld vorhanden, immerhin aber reichte es für ein paar Gummitausendfüßler. Dass sich deren Beine nicht bewegen, sondern sie an einem Seil über den Boden gezogen werden, ist hierbei nicht einmal schlimm, sondern sogar richtig spaßig. Interessant hierbei ist, dass der Film tatsächlich in Indien gedreht wurde.

Gieras blieb der Kombination aus Trash und Tierhorror treu und schrieb bzw. schreibt seine Filme weiterhin selbst. So stammte aus seiner Feder u. a. die spätere Trash-Granate Big Ass Spider.

Centipede, Regie u. Drehbuch: Gregory Gieras, Produktion: Eileen Craft, Darsteller: Larry Casey, Margaret Cash, Trevor Murphy. USA 2004, 94 Min.

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