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Archive for Juni 2015

alien bikiniSüdkoreas Indie-Szene ist im Aufwind. Die rasante Zunahme an Low-Budget-Produktionen führte dazu, dass in den Jahren 2013 und 2014 die gesamten Produktionskosten gegenüber den vorangegangenen Jahren zurückgingen. Doch Indie-Filmemacher gibt es in Südkorea nicht erst seit den letzten beiden Jahren. Ein bestes Beispiel dafür ist sicherlich Regisseur Kim Ki-Duk, der einmal pro Jahr die koreanische Filmszene aufmischt.

Im Jahr 2011 drehte Regisseur Oh Young-Doo den Film „Invasion of the Alien Bikini“. Der Titel klingt vielversprechend und erinnert an die Trash-Filme der 60er Jahre. Der Film selbst aber entpuppt sich als Rohrkrepierer. Weswegen er mit zwei Preisen bei asiatischen Fantasy-Filmfestivals ausgezeichnet wurde, bleibt rätselhaft.

Der Film erzählt die Geschichte des selbsternannten Stadthelden Young-Gun, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, gegen Gangster und andere Kriminelle vorzugehen. Mehr oder weniger gelingt ihm dies auch. Bei einem seiner nächtlichen Streifzüge rettet er eine junge Frau vor einer Gruppe Halbstarker. Die Frau entpuppt sich später allerdings als Alien, das auf die Erde gekommen ist, um sich fortzupflanzen. Dummerweise aber hat Young-Gun sich geschworen, vor der Ehe keinen Sex zu haben.

Gut, der Handlung nach klingt der Film ja ganz witzig. Doch leider versemmelt es Oh Young-Doo, wo er nur kann. Mit Absicht pendelt der Film zwischen amateurhaft und professionell, was dem Film einen gewollt schmuddeligen Touch verleiht. Dass hier ein Profi am Werk ist, beweisen Farbgebung und Beleuchtung, die dem Film durchaus Ästhetik verleihen.

alien bikini1Dennoch schafft es Oh nicht, seine Professionalität auszuloten. Dies liegt daran, da es Oh nicht gelingt, den Witz umzusetzen. Der Regisseur flüchtet sich ins Skurrile, was „Alien Bikini“ so gar nicht gut tut. Die Anlehnung an die früheren Schmuddelfilme will dadurch nicht funktionieren. Trotz einer Spielzeit von etwa einer Stunde, schafft es Oh, sein Werk öde werden zu lassen. Immer wieder versucht es die Alienfrau, Young-Gun zum Sex zu animieren, was natürlich nicht gelingt. Von sanft bis dominant reichen ihre Strategien, bis der Protagonist als Bondage-Sklave sich absolut nicht mehr wehren kann.

Doch all das dauert einfach stets zu lang und wirkt irgendwann gar nicht mehr komisch. „Invasion of the Alien Bikini“ verkommt dadurch zu einem Film, von dem man absolut nicht weiß, was man von ihm halten soll. Vielleicht hatte der Regisseur ja selbst auch keine Ahnung, was sein Film zu bedeuten hat. Schade, denn aus der Grundidee hätte man viel herausholen können.

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themaze2Wer den Namen William Cameron Menzies nicht kennt, kennt auf jeden Fall einen seiner Filme. Mit dem Klassiker „Invaders from Mars“ (1953) schuf er einen der ästhetisch ausgereiftesten SF-Filme der 50er Jahre. Menzies verstand es wie kaum einer vor ihm, Trash mit surrealer Kunst zu verbinden. Mario Bava und später Dario Argento ließen sich von Menzies‘ Filmkunst inspirieren und entwickelten diese im Bereich des Horrorfilms weiter.

Auf das Konto Menzies‘ geht auch der Klassiker „Things to Come“ (1935), der die technischen Innovationen unserer Gegenwart vorwegnahm und zudem als Prototyp des Zombie-Apokalypse-Szenarios gelten kann.

Im selben Jahr wie „Invaders from Mars“ drehte Menzies den Horrorfilm „The Maze“. Im Gegensatz zur erstgenannten Produktion, geriet „The Maze“ in Vergessenheit. Nachvollziehen kann man dies nicht, bietet dieser Film doch eine geradezu vollendete Visualisierung des Unheimlichen.

Der Film handelt von Kitty, die kurz vor ihrer Hochzeit mit Sir Gerald MacTeam steht. Während eines gemeinsamen Urlaubs erhält MacTeam einen Brief, in dem ihm mitgeteilt wird, dass er sofort nach Craven Castle kommen soll, da ein naher Verwandter gestorben sei. Als Kitty auch nach über sechs Wochen nichts mehr von ihrem Verlobten hört, beschließt sie, trotz der Bedenken ihrer Tante, Craven Castle aufzusuchen, um ihren Verlobten zur Rede zu stellen. Ihr Aufenthalt in dem alten Schloss wird zu einem Albtraum.

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Kitty betritt den sonderbaren Irrgarten.

„The Maze“ wird gerne als ein Film bezeichnet, der von den Ideen Lovecrafts inspiriert ist. In der Tat finden sich darin die wesentlichen Aspekte einer Lovecraft-Story: ein altes Buch, ein fürchterliches Familiengeheimnis und mysteriöse Deformationen. Obwohl es sich um einen Horrorfilm handelt, wurde dieser vor allem für ein weibliches Publikum produziert. Die männlichen Figuren treten gegenüber Kitty und ihrer Tante Edith in den Hintergrund. Zudem ist es eine Frau (Tante Edith), welche in kurzen Zwischen-Shots die unheimliche Geschichte erzählt.

Menzies, der auch die Kulissen mitgestaltete, setzte voll und ganz auf eine surreale, teils märchenhafte Atmosphäre, die durchaus an Cocteaus „Die Schöne und Das Biest“ erinnert. Das einsam gelegene Schloss fällt durch seine übergroßen Stufen auf, was zu äußerst bizarren Bewegungen beim Treppensteigen führt. Nachts werden sämtliche Türen verschlossen. Und nachts ertönen plötzlich unheimliche, schlurfende Geräusche durch das Gemäuer. Einer der bemerkenswertesten Szenen zeigt Kitty, die auf das Licht starrt, das durch den unteren Türschlitz fällt, während sich die Geräusche nähern. Schließlich kriecht vor der Tür ein sonderbarer Schatten vorbei. Als die Geräusche außerhalb des Schlosses erklingen, schaut Kitty aus dem Fenster hinunter auf den Irrgarten, der sich neben dem Schloss befindet. Ein einsames Licht wandert dort durch die Gänge.

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Was Kitty aus einem der Fenster sieht.

Diese Äthetik des Unheimlichen ist kaum noch zu überbieten. Menzies sorgfältige, geradezu elegante Kameraführung sorgt dabei für das sprichwörtliche I-Tüpfelchen. Das Finale des Films, in dem sich das Grauen offenbart, besteht aus einer Kakophonie unheimlicher, märchenhafter und tragischer Elemente, die vielleicht aus heutiger Sicht etwas enttäuscht, doch zugleich den Lovecraft-Aspekt von „The Maze“ unterstreicht.

Gedreht wurde der Film damals übrigens in 3D, wodurch die Produktionsfirmen versuchten, die Zuschauer von ihren TV-Geräten wieder zurück in die Kinos zu locken. Also eine ganz ähnliche Situation wie heute. „The Maze“ stellte Menzies‘ letzte Kinoarbeit dar. Danach drehte er nur mehr fürs Fernsehen. „The Maze“ kann als der krönende Abschluss seiner Kinoära bezeichnet werden.

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casting

Casting für den Horrorfilm „The Black Cat“ in den 60er Jahren.

Eine Studie hat ergeben, dass gut aussehende Frauen und Männer mehr verdienen als Kollegen, die mit einem weniger gewinnenden Äußeren gesegnet sind. Gutes Aussehen zahlt sich demnach tatsächlich aus. Was in den Sozialwissenschaften als neueste Erkenntnis hinausposaunt wird, ist in der Medienbranche längst nichts Neues. Nicht ohne Ironie bezeichnete Luhmann vor allem die Soziologen als diejenigen, die nachher immer alles vorher wissen. In den Medien, so kann man durchaus behaupten, ist gutes Aussehen Pflicht.

Und wenn jemand nicht dem neuen Standard entspricht? Dann wird eben nachgeholfen. Seit ein paar Jahren boomen Schönheits-OPs. Südkorea ist hierbei auf Platz eins. In der Tat gibt es dort kaum Frauen, die nicht schon mal mit Hilfe des Onkel Doktors ein wenig „Korrektur“ machen ließen. Nun, die Schönheitschirurgen sprechen ungern von OPs oder Korrekturen, deswegen hat sich der positiv klingende Begriff „Realisation“ eingebürgert. Und um zurück auf Südkorea zu kommen, dort gibt es einen netten Spruch: eine Frau wird zweimal geboren, einmal von ihrer Mutter, ein weiteres Mal von ihrem Schönheitschirurgen.

Der amerikanische Gesellschaftsreporter Joel Stein wies in seinem neuesten Artikel darauf hin, dass selbst Feministinnen diesem Trend erliegen. Doch sind Schönheits-OPs längst nicht nur Frauensache. Auch Männer legen sich immer öfters unters Messer, nicht etwa um ihre Männlichkeit zu korrigieren, sondern ihre Nase. Die meisten Frauen übrigens lassen sich tatsächlich ihre Brüste vergrößern.

logans runDer Schönheitswahn, der interessanterweise einher geht mit dem Sterbethema-Tabu, beeinflusst seit einiger Zeit auch das Filmgeschäft. Die Casting-Agenturen erhalten seitens der Produktionsfirmen verstärkt Aufträge, Schauspieler nicht mehr nach ihrem Können, sondern allein nach ihrem guten Aussehen auszusuchen. Das Ergebnis findet sich dann vor allem in den Blockbustern und TV-Serien wieder, in denen die Normalos zur aussterbenden Rasse gehören. Frauen und Männer müssen jung und sexy sein, alles andere ist egal.

doctorImmer wieder muss ich Larry Fessenden erwähnen, der sagte, dass die Hollywoodkrise in Wirklicheit eine gesellschaftliche Krise sei. Der derzeitige soziale Wandel scheint in der Tat auf eine Krise hinauszulaufen. Was zählt, ist reine Äußerlichkeit, was sich nicht nur anhand der Schönheits-OPs bemerkbar macht, sondern auch im Blockbuster-Kino. Interessanterweise hat ausgerechnet Hollywood mit dem SF-Klassiker „Logan’s Run“ eine Art Satire auf die soziale Angst vorm Altern abgeliefert. Dies war zwar in den 70er Jahren, doch das Wesentliche daran ist, dass die Satire zur Realsatire verkommen ist.

Der koreanische Horrorthriller „Doctor“ macht sich über die rasante Zunahme der Schönheits-OPs lustig, indem er einen Schönheits-Chirurgen Amok laufen lässt, nachdem dieser mitbekommen hat, dass seine Frau (übrigens ebenfalls von ihm verjüngt) ein Verhältnis mit einem Fitness-Trainer hat. Der Witz und die Ironie ging am einheimischen Publikum anscheinend völlig vorbei. Der Film floppte.

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„Let me in“. Auch die Moderatorin lag bereits mehrfach unter dem Messer …

Um dem Wahn eine Grenze zu setzen, hat der südkoreanische Musikkonzern YG vergangenes Jahr eine Gegenmaßnahme getroffen: es werden nur noch junge Frauen und Männer gecastet, die noch keine OP gehabt haben. Doch steht die Firma alleine da. Denn eine recht krasse Form nimmt das Thema in der koreanischen TV-Show „Let me in“ an. Dort geht es darum, „hässliche“ Menschen „schön“ zu machen. Der Titel der Sendung ist mehr als nur bedenklich, weist aber auf den derzeitigen gesellschaftlichen Trend hin: wer nicht schön ist, muss draußen bleiben. Anders ausgedrückt, nur „schöne“ Menschen können oder vielleicht sogar dürfen am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Um zurück auf „Logan’s Run“ zu kommen, dort werden Menschen, die das 30. Lebensjahr erreicht haben, in einer Art Zeremonie öffentlich ausgelöscht. In unserer Realität dürften Menschen, die wie 30 aussehen, bald im sozialen Abseits stehen.

 

 

 

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innsmouth„Schatten über Innsmouth“ heißt der wohl bekannteste Roman von H. P. Lovecraft (1890 – 1937). Das Schicksal des Ich-Erzählers, der versucht, das Geheimnis dieses unheimlichen Ortes zu lösen, inspirierte unzählige Autoren. 2001 produzierte zudem die spanische Produktionsfirma Filmax die einzige filmische Adaption des Stoffes unter dem Titel „Dagon“ (Regie führte Stuart Gordon).

Der Sammelband „Schatten über Innsmouth“, der nun im Festa Verlag erschienen ist, nimmt sich ebenfalls dieser bekanntesten Stadt der Horrorliteratur an. Herausgeber Stephen Jones (in England längst eine Koryphäe der Horrorliteratur) versammelt in diesem Buch aussschließlich englische Autoren, die mit ihren Geschichten ihre jeweils eigenen Versionen von Innsmouth verfassten. Natürlich ist auch Lovecrafts Originalroman darin enthalten. Dieser eröffnet sozusagen die Sammlung der unheimlichen Erzählungen.

Es ist interessant und erstaunlich zugleich, wie jeder der Autoren die Geschichte um Innsmouth auf seine Weise weiterspinnt. Ob nun in Form einer klassischen Horrorgeschichte, wie dies Basil Copper unternimmt, oder als Kriminalgeschichte im Stile Ramyond Chandlers, die Variationen liefern spannende, unheimliche und teils witzige Unterhaltung. Die Originalität kennt dabei keine Grenzen. Hierbei ist vor allem Kim Newman hervorzuheben, der einen Einblick in das Leben eines Barkeepers von Innsmouth gibt. Doch auch die anderen Geschichten stehen dieser Idee in nichts nach. Mit David Langfords Beitrag erreicht Innsmouth sogar das digitale Zeitalter.

Neben Kim Newman und Basil Copper beinhaltet der Band u. a. auch Geschichten von Ramsey Campbell, Brian Lumley und Neil Gaiman. Sie alle lassen das Geheimnis von Innsmouth neu aufleben. Ob die Erzählungen nun in Neuengland spielen oder an der Küste Großbritanniens oder in Osteuropa, sie alle gehen gekonnt auf Lovecrafts Grundidee ein. Man erhält dadurch nicht nur erstklassige Horrorunterhaltung, sondern zugleich die Crème de la Crème der britischen Horrorliteratur.

Schatten über Innsmouth. Herausgegeben von Stephen Jones. Festa Verlag 2015, 589 Seiten, 13,95 Euro, ISBN: 978-3-86552-322-8.

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chronicleofevilPolizeifilme haben in Südkorea eine lange Tradition, sodass sie aus dem Kino nicht mehr wegzudenken sind. Auch „Chronicles of Evil“, eine Mischung aus Thriller und Drama, fügt sich beinahe lückenlos in die Tradition ein.

Es geht um den Polizisten Choi Chung-Suk, der soeben die Ehrennadel erhalten hat. Doch kurz nach einer Feier zu Ehren seiner Auszeichnung, kommt es zu einem schweren Zwischenfall. Choi, der im Taxi, das ihn nachhause bringen sollte, eingeschlafen ist, wacht plötzlich auf und bemerkt, dass der Fahrer ihn ganz woanders hinfährt. Auf einer einsam gelegenen Wiese zückt der Fahrer auf einmal ein Messer. Bei dem Zweikampf tötet Choi seinen Angreifer. In Panik geraten, versucht Choi, den Zwischenfall zu vertuschen. Doch als die Leiche des Mannes mitten in der Stadt von einem Kran baumelt, scheint seine Vertuschungsaktion gescheitert zu sein. Verzweifelt setzt er alles daran, um die Ermittlungen auf eine andere Spur zu lenken.

Genauso beliebt wie der Polizeifilm sind in Südkorea Rachefilme. Leider führen die Rachemotive meistens dazu, dass sich die Handlung eines Films in komplexen Sachverhalten verheddert, sich die Spannung dadurch in übertriebenen Kitsch verwandelt. Und genau dies trifft auch auf „Chronicles of Evil“ zu. Die Handlung beginnt vielversprechend, und als der Antagonist zum ersten Mal auftritt, scheint es beinahe auf einen Serienmörderfilm hinauszulaufen. Doch Regisseur Baek Woon-Hak hat anderes im Sinn. Chois Vertuschungsaktion zieht ihn nicht etwa aus der Affäre, sondern bringt ihn mit einem unbekannten Mann zusammen, der mit ihm noch ein Hühnchen zu rupfen hat.

Die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Choi, der vor Jahren einen Mordfall löste, bei dem mehrere Männer vergiftet wurden, wird von dieser Vergangenheit heimgesucht. Doch statt eines Katz und Maus-Spiels, das sich aus der Konstellation durchaus hätte ergeben können, triftet Regisseur Baek ab ins Drama, drückt bei einer der Hauptszenen ordentlich auf die Bremse, sodass der Schwung des Films flöten geht. Im Finale fängt es von einer Sekunde auf die andere plötzlich an wie aus Eimern zu schütten, so als wüsste sich der Regisseur sonst nicht anders zu helfen, wie er wieder etwas Spannung in den Film bringt.

Nein, „Chronicles of Evil“ überzeugt nicht. Baek Woon-Hak fährt mit seinem Erstling voll gegen die Wand. Er verhindert alles, um einen spannenden, wendungsreichen Film zu kreieren. So schafft er einen Thriller, in dem nicht viel passiert, in dem manche Szenen geradezu für sich stehen, ohne ein abgerundetes Ganzes zu ergeben. Somit beginnt das Kinojahr 2015 für Südkorea genauso wie 2014 aufgehört hat: mit schlechten Filmen.

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werewolf1961 sangen die Fortunes den Hit „There is a ghoul in the school“. Der Song war zugleich das Titellied zu dem Horrorfilm „A Werewolf in a Woman’s Dormitory“, der im selben Jahr in die Kinos kam. Der Film handelt von ominösen Todesfällen in unmitelbarer Nähe eines Mädcheninternats. Die Opfer? Natürlich die Schülerinnen.

Der Lehrer Julian Olcott tritt dort seine neue Stelle an. Kurz zuvor hatte es einen dieser rätselhaften Morde gegeben. Olcott, der an seiner früheren Schule mysteriöse Experimente durchgeführt hat und deswegen entlassen wurde, versucht, hinter das Geheimnis der Morde zu kommen.

„A Werewolf in a Woman’s Dormitory“ ist eine fast vergessene Perle des US-Horrorfilms, trotzdem er Anfang der 60er Jahre mit recht großem Erfolg in den Kinos lief. Der Film verbindet den Charme des klassischen Horrors mit der sozialen Realität des Schulalltags und den Aspekten des „Who’s done it“-Plots. Die Schule hat sich auf schwer erziehbare Mädchen spezialisiert. Einer der Lehrer hat ein geheimes Verhältnis mit einer der Schülerinnen und wird von ihr erpresst. Interessanterweise wird nicht wie in einer typischen Dr. Jekyll und Mr. Hyde-Variante der Unhold präsentiert. Ganz im Gegenteil, denn ein Reiz des Films besteht darin, dass er den Zuschauer miträtseln lässt, wer denn nun der Werwolf ist.

Mehrere Kandidaten kommen dafür in Frage, unter anderem auch Julian Olcott selbst, da dieser bereits mit Fällen von Lykanthropie zu tun gehabt hat. Oder ist es vielleicht eher der zwielichtige Hausmeister? Oder etwa eine der Schülerinnen?

werewolfNicht nur das Miträtseln macht den Film zu einer wunderbaren Mischung aus Spaß und Spannung. Denn die Werwolf-Variation überzeugt zusätzlich durch ihre Gruselästhetik. Gleich die Anfangssequenz, in der eine der Schülerinnen durch den Wald flieht, um ihrem unheimlichen Verfolger zu entkommen, ist geradezu perfekt in Szene gesetzt. Besonders die Flucht über eine einsame, alte Steinbrücke ist ein echter cineastischer Genuß. Die Szene, in der die Schülerinnen und der Lehrerstab einer Beerdigung beiwohnen, orientiert sich an Mario Bavas Sinn für die Bildkomposition. Stellenweise sind die Szenen auf eine Art geschnitten, dass sie eine ungeheure Dichte vermitteln. Die Anspannung greift über, da man glaubt, der Werwolf könne jeden Moment um die Ecke springen.

Kurz, „A Werewolf in a Woman’s Dormitory“ ist gelungene Horrorunterhaltung, die bis heute nichts von ihrem Reiz verloren hat.

 

 

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totmacher4In den drei vorangegangenen Bänden beschäftigte sich der Autor Gerd Frank mit deutschen Serienmördern (Band 1), europäischen Serienmördern (Band 2) und russischen Serienmördern (Band 3). In Band vier nimmt sich Frank Kriminalfälle aus Asien vor.

Um es vorweg zu nehmen, die Rechercheleistung des Autors kann nicht hoch genug gewürdigt werden. Es ist erstaunlich, wie viele Informationen Gerd Frank über Kriminalfälle aus dem Jemen, aus Indien, Iran und sogar Israel zusammengetragen hat. Frank wertete bei seiner Arbeit vor allem Zeitungsberichte aus. Neben Kriminalfällen aus dem Nahen Osten, recherchierte er auch über die Untaten von Serienmördern in China, Japan und Südkorea, sodass der Band in der Tat den gesamten asiatischen Raum abdeckt. Denn Thailand, Indonesien und die Philippinen sind in dem Buch ebenfalls enthalten.

In dieser Hinsicht ist der Band „Totmacher 4 – Die Kobra von Henan“ einzigartig in der deutschen Literaturlandschaft. Gerd Frank füllte damit einen weißen Fleck der Kriminalgeschichte. In Indien tritt das Phänomen Serienmörder vor allem in den Armenvierteln auf. Nicht selten werden dabei Kinder zu Opfern. Im Jemen ermordete ein Angestellter an der Universität mehrere Studentinnen. Der einzig bekannte Fall eines Serienmörders in Israel spielte sich in Haifa ab. Im Jahr 2005 wurden mehrere russsische Juden Opfer eines heimtückischen Mörders.

Eines der „skurrilsten“ Verbrechen vollführte ein Japaner, der für seine Straftat nicht verurteilt wurde, sondern noch immer auf freiem Fuß ist. In Paris ermordete und verspeiste er eine Kommilitonin. Ironischerweise war er in Japan später u. a. als Restaurantkritiker tätig. In Südkorea erregte eine Mordserie an mehreren Prostituierten großes Aufsehen. Im Laufe der Ermittlungen unterstützten sogar die Zuhälter die Polizei bei ihrer Arbeit. Der Fall wurde später unter dem Titel „The Chaser“ verfilmt (in Hollywood wird zurzeit ein Remake produziert).

Wie in den anderen Bänden bleibt Gerd Frank nicht einfach bei den eigentlichen Mordfällen stehen, sondern sucht nach Hintergrundinformationen zu den Mördern und deren Opfer. Hierbei ist vor allem die Erläuterung des südkoreanischen Rechtssystems von großem Interesse. Alles in allem liefert Band vier der Reihe spannende und unheimliche Lesekost, die man bis zur letzten Seite nicht aus der Hand legt.

Gerd Frank. Totmacher 4 – Die Kobra von Henan und andere unheimliche Kriminalfälle asiatischer Serienmörder (1906 – 2012). Verlag Kirchschlager 2015, 200 Seiten, 12,80€, ISBN: 978-3-934277-52-6.

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