Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for September 2015

dokundcrowdRegisseure stehen in der Regel vor dem Problem, dass sie lange brauchen, bis sie eine Finanzierung für ihr Projekt gefunden haben. Ist dies bei Spielfilmen der Fall, dann bei Dokumentationen umso mehr. Obwohl zurzeit Dokufilme an Popularität gewinnen, stellen sie dennoch ein Nischenprodukt dar. Das heißt, von Anfang ist klar, dass der fertige Film nur von einer sehr begrenzten Anzahl Zuschauer gesehen werden wird.

Der Autor Paul Rieth berät Filmemacher bei der Finanzierung ihrer Werke. Seine Tipps und Hinweise hat er nun in dem Buch „Dok & Crowd“ zusammengefasst. Ausgehend von der klassischen Finanzierung und klassischen Distributionswegen, zeigt er auf, welche Rolle in unserer Zeit Crowdfundig spielt. Dabei geht er zum einen auf die Geschichte dieser neuen Finanzierungsmöglichkeit ein, zum anderen erklärt er recht genau, wie Crowdfunding funktioniert und zeigt Filme auf, die mithilfe dieser Methode realisiert worden sind.

Als neue Form der Distribution dient Video-on-Demand. Für Dokumentarfilmer stellt dies eine sinnvolle Ergänzug zur klassischen Distributionsform dar. Paul Rieth beschreibt die verschiedenen Anbieter, die genaue Funktionsweise von VoD und geht in einem Extrakapitel auch auf das Thema illegales Download ein.

Im letzten Teil des Buches gibt der Autor Hinweise für ein möglichst effizientes und dennoch kostengünstiges Marketing ein. Er beschreibt dabei die Möglichkeiten von Social-Media-Marketing bis hin zur Blog-Nutzung.

Alles in allem liefert „Dok & Crowd“ einen interessanten und durchaus spannenden Einblick in unterschiedliche Formen neuer Finanzierungsmöglichkeiten von Filmen. Die Informationen, die der Autor liefert, sind nicht nur nützlich für angehende Dokumentarfilmer, sondern auch lesenswert für Leute, die sich für die Filmwirtschaft generell interessieren. Also durch und durch ein gelungenes Buch.

Paul Rieth: Dok & Crowd. Dokumentarfilme finanzieren und verwerten. UVK 2015, 227 Seiten, 24,99 Euro, ISBN: 978-3-86764-520-1

Advertisements

Read Full Post »

In Deutschland ist die Produktionsfirma Glass Eye Pix nur wenigen Leuten ein Begriff. Auch bei der Erwähnung des Namens Larry Fessenden sorgt man eher für ein Schulterzucken. Ganz anders sieht es in den USA aus. Dort zählt die Produktionsfirma zu den wichtigsten Indie-Firmen und Larry Fessenden ist dort einer der bekanntesten Indie-Regisseure. Im Frühjahr 2013 konnten wir mit ihm ein ausführliches Interview führen, das in unserem fünften Magazin zu finden ist.

glasseyepix3Zwar wurde Glass Eye Pix bereits 1985 gegründet, doch den entscheidenden Erfolg erzielte Fessenden erst 1997 mit seinem Vampirfilm Habit, der auf diversen Filmfestivals für viel Aufsehen gesorgt hatte. Das Magazin Fangoria kührte Habit zu einem der besten zehn Horrorfilme der 90er Jahre. Es geht darin um den Bohemian Sam, der auf einer Party die geheimnisvolle Anna trifft. Von ihrer Sinnlichkeit angezogen, kommt es zwischen beiden zu einem rein sexuellen Verhältnis. Jedenfalls so lange, bis Sam an sich Anzeichen einer sonderbaren Krankheit bemerkt. Die Low Budget-Produktion besitzt eine unglaubliche Dichte, spielt mit den Erwartungen des Zuschauers und sorgt für stilvollen Nervenkitzel. Bereits hier macht sich Fessendens düstere Poetik bemerkbar, die er in seinen späteren Filmen fortführte. Die Mischung aus Taxi Driver und Horrorfilm wurde mehrfach nominiert und ausgezeichnet. Dennoch blieb eine Veröffentlichung in Deutschland bisher aus.

glasseyepix1Der erste Film Larry Fessendens und damit der Firma Glass Eye Pix, der in Deutschland veröffentlicht wurde, war Wendigo (2001), in dem es um eine Familie geht, die in eine Kleinstadt zieht. Doch kaum dort angekommen, ereignen sich seltsame Zwischenfälle. – Der Film hat nichts mit Algernon Blackwoods Erzählung „Wendigo“ zu tun. Vielmehr, so erwähnte Fessenden FILM und BUCH gegenüber, verarbeitete er darin seine Kindheitserlebnisse. Leider wurde der Film hierzulande kaum wahrgenommen und wenn, dann erhielt er meistens schlechte Kritiken. Anders sah es in den USA aus, wo sein zweiter Kinofilm hoch gelobt wurde, wobei vor allem Fessendens überragende Ästhetik hervorgehoben wurde. Er zeigte sich hier als Poet des Unheimlichen, wobei das Unheimliche und Unerklärbare aus der Sicht eines kleinen Jungen erzählt wird.

glasseyepix2Die erste internationale Produktion von Glass Eye Pix fand mit der isländischen Filmfirma Zik Zak Films statt. Es handelte sich um den Horrorfilm The last Winter (2006), in dem Ron Perlman mitspielte. Es geht um seltsame Vorkommnisse in und um eine Forschungsstation am Nordpol. Erneut zeigt sich Fessendens Können in einer genialen Optik, die dem Film eine überaus ästhetische Note verleiht. Obwohl das Thema Klimawandel anklingt, möchte Fessenden seinen Film nicht als Öko-Thriller mit mahnendem Unterton verstanden wissen. Es geht ihm darum, den Kontrast zwischen Erklärlichem und Unerklärlichem zu zeigen und dabei eine Art Endzeitfilm zu schaffen. So betrachtet er Habit, Wendigo und The last Winter als eine Trilogie, die mit dem oben erwähnten Sam ihren Anfang nimmt und in den düsteren Geschehnissen in der Arktis endet.

glasseyepix5In seinem neuesten Film Beneath (2013) wandte er sich dem 80er Jahre Trashfilm zu, in dem er sechs junge Leute, die an einem See ihren Urlaub verbringen wollen, mit einem mutieren Riesenwells in eine unheilvolle Verbindung bringt. Nun ja, die Kritik zu diesem Fall fiel nicht immer wohlwollend aus. Dennoch schuf Fessenden, nach seinen poetischen Werken, ein schwarzhumoriges Trash-Vergnügen.

Als Produzent ist es Larry Fessenden vor allem ein Anliegen, junge Regisseure zu fördern. Allen voran unterstützte er Ti West bei seinen diversen Filmen, nachdem dieser durch seine Mitarbeit an Cabin Fever 2 eine tiefe Enttäuschung erlebt hatte. Zusammen mit Fessenden schuf er Filme wie die Low Budget-Produktion The Roost (2005) und den mehrfach nominierten Geisterhausfilm The Innkeepers (2011). Ebenfalls aufs Konto der Firma Glass Eye Pix geht die freie Stevenson-Adaption I sell the Dead (2008), in der neben Ron Perlman auch Horrorikone Angus Scrimm zu sehen ist.

glasseyepix4Inzwischen versucht sich Glass Eye Pix auch an größeren Produktionen. So ist ein Film geplant, in dem John Travolta die Hauptrolle spielen und wiederum Ti West Regie führen soll. Ebenfalls bekannt gegeben wurde, dass Larry Fessenden die Regie beim Remake des spanischen Horrorfilms Das Waisenhaus übernehmen wird. Hatte Fessenden damit begonnen, an den Straßen Plakate für seinen Film Habit aufzuhängen, um auf seine Produktion mindestens irgendwie aufmerksam zu machen, so ist er nun auf dem Weg, ein gefragter Regisseur zu werden. Das 30jährige Jubiläum von Glass Eye Pix ist also durchaus verbunden mit einer wahren Erfolgsgeschichte.

 

Read Full Post »

wassichbewährhatDer Buchtitel täuscht. „Was sich bewährt hat – Begegnung mit alter Lebensweisheit“ ist kein weiteres Ratgeberbuch für Leute, die sich zu gestresst vorkommen. Die Historikerin Inge Friedl liefert mit ihrem neuesten Buch detaillierte Einblicke in vergangene Lebenswelten. Die Informationen darüber sammelte sie u. a. durch das Führen von Interviews mit älteren Leuten. Dabei ging sie der Frage nach, was die heutige Zeit von der damaligen unterscheidet.

Aus den Antworten, die sie erhielt, verfasste sie ein sehr faszinierendes und zugleich überaus unterhaltsames Sachbuch, das sich mit der Welt unserer Großeltern beschäftigt. Inge Friedl hebt keineswegs den mahnenden Zeigefinger, um das soziale Handeln von heute zu kritisieren. Ihr geht es darum, einen genauen Blick in die Vergangenheit, d. h. in die Zeit bis ca. 1960 zu werfen. Im Zentrum ihres Interesses stehen dabei die Dorfgemeinschaften und das alltägliche Leben auf dem Land.

Sie beschäftigt sich u. a. mit den Aspekten der Zeit, dem Feierabend, mit dem Thema Zufriedenheit, Gemeinschaft oder auch mit dem Thema Essen. Sie zeigt auf, wie die Menschen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihr Leben eingeteilt haben, wie die Kirchturmuhr tatsächlich das Leben bestimmt hat oder welche Rolle damals die Gemeinschaft im Leben jedes Einzelnen spielte. Auch das Essen mit den damit verbundenen Ritualen, die in heutiger Zeit mehr und mehr wegfallen, greift Inge Friedl auf. Sie behauptet nicht, dass früher alles besser gewesen sei. Ihre Untersuchung möchte vielmehr das Leben der damaligen Zeit rekonstruieren, wobei sie auch dem Leser ein paar Gedanken mit auf dem Weg gibt. Zum Beispiel dann, wenn es um das Thema Müll geht oder auch um das Thema Sterben, das in unserer Gesellschaft zu einem Tabuthema geworden ist.

Insgesamt beschäftigt sie sich mit 14 verschiedenen Merkmalen, unterscheidet diese mit den jeweiligen heutigen Zuständen und geht dann detailliert auf die damaligen Verhaltensweisen ein. Inge Friedl gelang dadurch ein witziges, teils nachdenkliches und vor allem lehrreiches Buch, das man gerne liest.

Read Full Post »

phantomederunterweltDer Verlag Kirchschlager feiert dieses Jahr sein 20jähriges Jubiläum. Das neueste Buch aus dem auf historische Kriminalfälle spezialisierten Verlag beschäftigt sich mit Mord- und Kriminalfällen aus den USA, die sich zwischen den Jahren 1897 und 1927 zugetragen haben.

Der Sammelband enthält insgesamt zehn außergewöhnliche Fälle. Die Bezeichnung „außergewöhnlich“ ist hierbei keineswegs übertrieben. Erzählt von den an der Aufklärung beteiligten Sheriffs und Detectives, erlebt der Leser eine erstklassige Mischung aus Gänsehaut und Spannung.

So jagt Sheriff Schelle Mathews einen wahnsinnigen Serienmörder in den tiefen Wäldern Wynoochees, Sheriff William Oeltjen hat es mit einem bizarren Fall zu tun, in dem ein Mann in einem extra dafür gemieteten Haus am Boden festgekettet wurde (um dem Mann herum fand man Skalpelle und anderes Operationsbesteck), und Sheriff Frank Ingraham macht sich auf die Suche nach einem seltsamen Mann, der zwei Familien ermordet hat.

Doch ist dies bei weitem noch nicht alles. Es wird über einen äußerst kuriosen Einbruch in ein Einfamilienhaus berichtet, über einen Bankräuber, der mit ausgefeilten Plänen zu seiner Beute kam, und auch über einen rätselhaften Mordfall in einem Militärlager, bei dem es um einen Skelettfund ging. Ein Journalisten-Duo hilft bei der Lösung eines heimtückischen Verbrechens und eine Sonnenbrille führt bei einem weiteren Fall um eine ermordete Angestellte zum unheimlichen Täter.

„Das Haus der Qualen“, so der Untertitel des Buches, verspricht puren Nervenkitzel von der ersten bis zur letzten Seite. Nicht weniger faszinierend bei all den Fällen ist das jeweilige Vorgehen der Polizei. Der Leser erhält einen Einblick in die damalige Polizeiarbeit, angefangen von der Befragung der Zeugen, über die Suche nach Fingerabdrücken bis hin zur Tatortsicherung.

„Phantome der Unterwelt: Das Haus der Qualen“ ist ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legt. Auch der größte Krimiliebhaber wird hier starke Nerven brauchen. Zum Jubiläum des Verlags ist Michael Kirchschlager ein echter Knaller gelungen.

Michael Kirchschlager (Hrsg). Phantome der Unterwelt. Das Haus der Qualen und andere amerikanische Mord- und Kriminalfälle (1897 – 1927). 304 Seiten, 13,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-53-3.

 

Read Full Post »

meister und margarita„Der Meister und Margarita“ von Michail Bulgakow gilt als einer der wichtigsten Romane der Moderne. In der Sowjetunion verboten, entwickelte sich die Mischung aus Schauerroman, Liebesgeschichte, Satire und Groteske zum Kultbuch der Hippiebewegung. Sogar die Rolling Stones kamen an dem Buch nicht vorbei und verarbeiteten die Geschichte in ihrem Song „Sympathy for the Devil“.

1972 verfilmte der bekannte Regisseur Aleksandar Petrovic Bulgakows Meisterwerk mit Ugo Tognazzi und Mimsy Farmer in den Hauptrollen. Es geht um den Schriftsteller Nikolai, dessen Theaterstück über Pontius Pilatus bei den verantwortlichen Beamten zu großer Aufregung führt, da darin brisante politische Themen angesprochen werden. Kurzerhand soll das Stück verboten werden. Nikolai aber lässt nicht locker und möchte das Stück dennoch durchbringen. Als Konsequenz seiner Bemühungen wird er ins Irrenhaus gesteckt. Zugleich aber hält der Teufel persönlich mit zwei seiner Gehilfen Einzug in Moskau. Als Prof. Woland mischt er die Beamten und die Gesellschaft gehörig durcheinander.

Aleksandar Petrovic hält sich in seiner Adaption sehr genau an Bulgakows Roman. So werden die wichtigen Szenen beinahe eins zu eins wiedergegeben. Dies betrifft nicht nur die Dramaturgie, sondern auch die Kulissen, die wie aus dem Roman entsprungen zu sein scheinen. Zwar gibt es hier und da ein paar Veränderungen (aus Nikolais Kellerwohnung wird eine Wohnung im ersten Stock, aus Margarita seine Assistentin), doch stören diese weiter nicht. Zuschauer, die den Roman jedoch nicht kennen, werden beim Anschauen des Films so ihre Schwierigkeiten haben. Manche der Szenen erschließen sich einem nur, wenn man Bulgakows Roman bereits gelesen hat. Diesen wird die Adaption wahrscheinlich eher wie eine reine Groteske vorkommen. Für genauere Erklärungen war in der Produktion anscheinend kein Platz, um den Film nicht länger als die gewohnten eineinhalb Stunden werden zu lassen. Dies macht sich besonders in der Liebesgeschichte zwischen Nikolai und Margarita bemerkbar, die durch ihre Skizzenhaftigkeit im Vergleich zum Roman an Spannung verliert. Petrovic macht dieses Manko aber durch wunderbare Zwischenaufnahmen wieder wett. Untermalt von der Musik Ennio Morricones ergibt sich dadurch ein teils surreales Kunstmärchen.

Insgesamt ist es erstaunlich, dass es Aleksandar Petrovic überhaupt gelungen ist, Bulgakows vielschichtiges Werk filmisch umzusetzen. Dass seine Verfilmung überhaupt funktioniert, dazu tragen vor allem die hervorragenden Schauspieler bei, allen voran Alain Cuny, der als Prof. Woland absolut überzeugend wirkt. Der DVD-Release wird dadurch zu einer netten Wiederentdeckung.

Der Meister und Margarita, Regie: Aleksandar Petrovic, Drehbuch: Barbara Alberti, Darsteller: Ugo Tognazzi, Mimsy Farmer, Alain Cuny, Italien/Jugoslawien 1972, Laufzeit: 95 Min

Read Full Post »

skullWeil Schauspieler Alex Nicols nie die Rollen bekam, die er eigentlich spielen wollte, fasste er eines Tages den Entschluss, einen eigenen Film zu drehen. In „The screaming Skull“ (1958) spielte er den geistig zurückgebliebenen Gärtner Mickey, der sich um ein leer stehendes Anwesen kümmert.

Das Haus gehört Eric Whitlock, der zusammen mit seiner zweiten Frau Jenni darin leben möchte. Seine erste Frau Marianne starb bei einem rätselhaften Unfall. Eric hat seit dem Tod seiner ersten Frau das Haus nicht mehr betreten, doch nun möchte er die Vergangenheit vergessen und zusammen mit Jenni ein neues Leben beginnen. Doch bereits in der ersten Nacht geschehen seltsame Dinge. Jenni vernimmt seltsame Laute. Noch schlimmer wird es, als sie über Nacht in dem Haus alleine ist. Während Eric glaubt, Jenni leide unter Wahnvorstellungen, spitzt sich die Lage mehr und mehr zu.

skull1

Regisseur Alex Nicols als Gerätner Mickey.

Die Handlung klingt nicht nur spannend, sie ist es auch. Und hinzu kommt noch ein weiterer Aspekt: Alex Nicols hatte für sein Debüt zwar so gut wie kein Budget zur Verfügung, doch machte er das Beste aus dem, was er hatte.

Die Aufnahmen des leer stehenden Hauses sind so gewählt, dass das Gebäude als Ganzes nie zu sehen ist. Immer bekommt der Zuschauer nur einen Teil der Fassade zu Gesicht, dabei sind die Kameraeinstellungen so gewählt, dass das Gebäude eine durchaus rätselhafte und latent unheimliche Ausstrahlung vermittelt. Das Gebäude erhält dadurch eine Art lebendigen Charakter, so als wolle es sich verstecken, als lauere es auf seine nächsten Opfer.

skull2

Jenni am Grab von Erics erster Frau Marianne.

Interessant sind hierbei die beiden Pfauen, die durch den Garten des Hauses stolzieren und der Atmosphäre den Hauch einer klassischen Gespenstergeschichte verleihen. Man könnte meinen, dass Nicols mit seinem Film „The screaming Skull“ eine Adaption der berühmten gleichnamigen Gruselgeschichte von Marion Crawford im Sinn hatte, doch bestreitete er dies in einem Interview. Viel eher orientiert er sich, was den Spannungsaufbau und die ersten Spukerscheinungen betrifft an „Der unheimliche Gast“ (1944). Beide beginnen mit plötzlichen seltsamen Lauten, die mitten durch die Nacht hallen.

skull3Wie bereits angedeutet, machte Alex Nicols aus der Not eine Tugend. Das Geld für den Film war knapp, eine richtige Ausstattung daher zu teuer. Tatsächlich sind die Wände in dem Haus kahl, es gibt lediglich ein Bett und hin und wieder ist auch ein Stuhl zu sehen. Eric erklärt diesen Umstand Jenni, dass Marianne und er nie Wert auf irgendwelche Möbel gelegt haben, aber dass sie dies nun sicherlich ändern werden.

skull4

Jenni hört seltsame Geräusche.

Und dann gibt es noch ein Porträt von Marianne, das einen seltsamen lebendigen Eindruck vermittelt. Jenni ist mehr und mehr davon überzeugt, dass Erics erste Frau durch das Haus spukt. Die Gruselszenen sind recht gut gemacht, vermitteln eine gewisse Dichte, sind spannend und spielen ansatzweise mit Licht und Schatten. In der Tat wurde der Film damals als absolutes Gruselereignis vermarktet. So beginnt der Film auch nicht mit dem eigentlichen Vorspann, sondern mit einem Vorwort, in dem der Erzähler den Zuschauern mitteilt, dass der Film so unheimlich ist, dass man vor Angst sterben könnte. Daher wurde ein kostenloses Begräbnis garantiert, wenn ein solcher Fall eintreten sollte.

skull5

Auch Eric lauscht …

Diese Idee ist im Grunde genommen weniger originell, als sie zunächst wirkt. Bereits in den 30er Jahren warben Produktionsfirmen dafür, die Kosten für ein Begräbnis zu übernehmen, falls ein Zuschauer vor Angst sterben sollte.

Hauptakteur in dem Film, und hier kommen wir eindeutig zum trashigen Teil des Werks, ist ein Totenschädel, den Jenni in einem Schrank findet. Dass dieser aus Gummi ist, merkt man spätestens dann, wenn er wie ein Ball über den Boden hüpft. Im Finale schließlich schwebt ein eingeblendeter Riesentotenschädel durch den Garten, auf der Jagd nach seinen Opfern.

Gut, diese Szenen machen zwar Spaß, aber verderben gleichzeitig die klassische Gruselatmosphäre des bisherigen Films. Gut gelungen dagegen ist das Auftauchen des echten Geistes, dem Jenni unerwartet im Gewächshaus begegnet. Dieser schemenhafte Schrecken ist einfach, aber sehr wirkungsvoll in Szene gesetzt.

skull6

Look, who’s back …

„The screaming Skull“ dauert etwas mehr als eine Stunde und nutzt ingesamt jede Sekunde für den Spannungsaufbau. Die Geschichte schreitet schnell voran, Durchhänger gibt es keine, und Nicols und sein Team waren anscheinend voll bei der Sache. Diese Motivation merkt man dem Film an, sodass der Spaß des Teams auf den Zuschauer übertragen wird. In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Das Geheimnis des schreienden Schädels“ in den Kinos, geriet aber dann schnell in Vergessenheit. In den USA dagegen ist der Film Horrorfans noch immer bekannt.

 

 

 

Read Full Post »