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Archive for the ‘Die Klunkerecke’ Category

Mrs Muir (Gene Tierney) und Kapitän Clegg (Rex Harrison) in einer der vielen berühmten Szenen; „The Ghost and Mrs Muir“ (1947); Copyright: 20th Century Fox

Eine junge Witwe zieht zusammen mit ihrer Tochter in ein einsames, an der Küste gelegenes Haus, in dem es spukt. Was klingt wie der Plot eines modernen Horrorfilms, ist die Grundhandlung des Hollywoodklassikers „The Ghost and Mrs Muir“ aus dem Jahr 1947. In Deutschland weitestgehend unbekannt, zählt der Film in den USA zu den beliebtesten Filmen überhaupt.

Tatsächlich kam die Adaption des Romans „The Ghost of Captain Gregg and Mrs. Muir“ von R. A. Dick (ein Pseudonym der Autorin Josephine Leslie) nie in die deutschen Kinos. Zum ersten Mal wurde der Film 1989 im ZDF unter dem idiotischen Titel „Ein Gespenst auf Freiersfüßen“ ausgestrahlt, mit einer noch dämlicheren Synchro, da der Geist des Kapitäns mit ostfriesischem Dialekt spricht.

„The Ghost and Mrs Muir“ ist das, was man als einen perfekten Film bezeichnet. Es handelt sich um eine Mischung aus Romantik, Drama und Fantasy, wobei der Film vor allem durch seinen wunderbaren, melancholischen Witz besticht. Denn Regisseur Joseph Mankiewicz stellt seine Hauptfiguren vor vorhandene Tatsachen: da ist zum einen Mrs Muir, die alles verloren hat und dennoch versuchen möchte, auf eigenen Beinen zu stehen. Und da ist zum anderen Kapitän Clegg, der vor mehreren Jahren verstorben ist und nun als Geist durch das alte Haus spukt.

Clegg hat bisher jeden Mieter des Hauses erfolgreich vertreiben können. Bei Mrs Muir jedoch beißt er auf Granit, da sie aufgrund finanzieller Probleme einfach nicht mehr wegziehen kann. Aus dieser tragikomischen Situation ergibt sich ein bis dahin noch nie da gewesener Liebesfilm, dessen besondere Atmosphäre, dessen Humor und dessen Tragik bis heute ihresgleichen suchen.

Um Mrs Muir aus der finanziellen Klemme zu helfen, diktiert Clegg ihr seine Biografie, die sie einem bestimmten Verlag anbieten soll. Doch Kapitän Cleggs ungehobelte Sprache stößt bei Mrs Muir auf Ablehnung. Im Laufe der Zeit aber gewöhnt sie sich selbst Cleggs Schimpfwörter an, was zu allerhand Situationskomik führt. Höhepunkt ist dabei das angedeutete Wort „Fuck“, das Mrs Muir mit der Schreibmaschnine tippt.

Überhaupt ist der Film für seine damalige Zeit ungewöhnlich direkt. Sexuelle Anspielungen spielen bei den Dialogen eine nicht unwesentliche Rolle. Nicht weniger die Schimpfwörter, die Clegg verwendet, um seiner Wut Luft zu machen. Die Szene, in der Clegg und Mrs Muir einen Fahrgast aus dem Zugabteil vertreiben, ist bis heute legendär. Das Lachen von Mrs Muir und dem Kapitän, das darauf folgt und ihren anfänglichen Streit sowie all ihre Probleme zu vertreiben scheint und trotz aller Gegensätze ihre Gemeinsamkeiten betont, ist so beeindruckend und emotional dermaßen intensiv umgesetzt, dass es noch lange in einem nachhallt.

Mrs Muir (Gene Tierney) und Kapitän Clegg (Rex Harrison); „The Ghost and Mrs Muir“ (1947); Copyright: 20th Century Fox

Diese wundervolle Beziehung zwischen Clegg und Mrs Muir wird jedoch auf die Probe gestellt, als Mrs Muir durch Zufall auf den Autor Miles Fairley trifft, vor dem sie alle warnen, zu dem sie sich jedoch mehr und mehr hingezogen fühlt.

„The Ghost and Mrs Muir“ erhielt trotz seiner großartigen Inszenierung lediglich eine Oskarnominierung für die Beste Kamera. Die wunderbare Filmmusik wurde nicht berücksichtigt, genauso wenig das Drehbuch. Die Dialoge stecken voller Witz, sind zugleich aber getragen von einer fast schon sinnlichen Melancholie, welche den gesamten Film bestimmen und ihn so einzigartig macht.

20 Jahre später wurde aus der Handlung eine 50-teilige TV-Serie gedreht, in der Knight Rider-Veteran Edward Muthare den Kapitän und Hope Lang Mrs Muir spielte. Die Serie, die 1968 bis 1970 ausgestrahlt wurde, erwies sich jedoch als wenig erfolgreich, sodass sie schließlich wieder abgesetzt wurde. Der Kinofilm jedoch wurde inzwischen vom American Film Institute auf Platz zehn der wichtigsten Fantasy-Filme gewählt.

The Ghost and Mrs Muir. Regie: Joseph Mankiewicz, Drehbuch: Philip Dunne, Produktion: Fred Kohlmar, Darsteller: Gene Tierney, Rex Harrison, George Sanders, Edna Best, Vanessa Brown, Natalie Wood. USA 1947, 100 Min.

 

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Einmal gegrilltes Huhn bitte; „Weltraumbestien“ (1957); Copyright: JSV

Wenn es einen Regisseur gibt, der mit dem Phantastischen Film eng verbunden ist, so ist dies Ishiro Honda. Auf sein Konto geht nicht nur „Godzilla“, sondern auch jede Menge weiterer Monsterfilme, die das Image des japanischen Films (neben den Werken Akira Kurosawas) im Ausland prägten.

1957 drehte Honda den SF-Film „Weltraumbestien“, den Kritiker gelegentlich als die japanische Version von „Krieg der Welten“ bezeichnen. In Hondas Film als auch in der berühmten Adaption von H. G. Wells‘ Klassiker geht es um eine Invasion vom Mars. Nur, dass sich die Hintergründe der Invasion in „Weltraumbestien“ ein wenig komplexer gestalten.

Originalplakat von „Weltraumbestien“

Denn in diesem Film stammen die außerirdischen Invasoren von einem Asteroiden namens Mysteroid, der einst Teil eines Planeten gewesen sein soll. Von dort seien die Außerirdischen auf den Mars geflohen und wollen nun die Erde besetzen. Das alles beginnt mit einem sonderbaren Waldbrand, der bereits das erste Anzeichen der Landung der Mysteroiden ist. Kurz darauf greift ein Riesenroboter eine kleine Stadt an. Während das Militär vergeblich gegen die Invasoren kämpft, versucht eine Gruppe internationaler Wissenschaftler, eine Waffe zu entwickeln, die gegen die überlegene Technik der Außerirdischen doch noch etwas bewirken kann …

„Weltraumbestien“ weist in allererster Linie eine hervorragende Optik auf. Auch wenn aus heutiger Sicht der Roboter ziemlich trashig wirkt, so ist die riesige Kampfmaschine dennoch genial in Szene gesetzt. Doch bleibt es nicht allein bei dem Angriff der gewaltigen Maschine, sondern es kommt zu Erdbeben und Überflutungen – und nicht zuletzt ist da der verzweifelte Kampf der Menschen gegen die Außerirdischen.

Aber das ist … das ist doch … 🙂 ; „Weltraumbestien“ (1957); Copyright: JSV

Es ist also mächtig was los in dem Film, der, ähnlich wie in „Godzilla“, die Verzweiflung und die Tragik der Katastrophe hervorhebt, was „Weltraumbestien“ recht düster und ernst erscheinen lässt. Man sieht, dass hier die Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg verarbeitet wurden. Die Bilder der fliehenden Bewohner der Stadt erscheinen beinahe wie aus einer Wochenschau.

US-Plakat von „Weltraumbestien“

Diesem Realismus gegenüber stehen die detailverliebten Spezialeffekte sowie der geniale Trash-Faktor des Films, der sich z.B. bei der Entführung der Frauen bemerkbar macht, da die Außerirdischen sich mit ihnen paaren wollen, um den zunehmenden Mutationen entgegenzuwirken. So steht plötzlich einer der fremden Besucher im Garten, schnappt sich die Frau und zieht sie mit sich hoch in das im Himmel schwebende UFO, was ungefähr so aussieht, als würde ein verkleideter Ken auf einem unsichbaren Seil Barbie in die Höhe ziehen. Immerhin handelt es sich bei der Darstellerin um Momoko Kochi, die durch ihre Rolle in Hondas „Godzilla“ weltberühmt wurde.

Auf jeden Fall ist „Weltraumbestien“ ein durch und durch sehenswerter Film, bei dem einem aufgrund seines Lärmpegels nur so die Ohren dröhnen. Während der Film in Japan ein großer Erfolg war, wollte sich dieser im Ausland und vor allem in den USA leider nicht einstellen.

Weltraumbestien (OT: Chikyū Bōeigun). Regie: Ishiro Honda, Drehbuch: Takeshi Kimura, Produktion: Tomoyuki Tanaka, Darsteller: Kenji Sahara, Yumi Shirakawa, Momoko Kochi, Akihito Hirata, Takashi Shimura. Japan 1957, 89 Min.

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Mit der phantastisch angehauchten Komödie „Was geschah wirklich mit Harold Smith?“ legte „Garfield“-Regisseur Peter Hewitt einen Film vor, der die Retro-Phase in gewisser Weise vorwegnahm. Der Film spielt 1977 und zeigt die Gegensätze zwischen der damaligen Disco- und Punkwelle und macht sich zugleich über die sensationslüsterne Medienwelt lustig.

Im Mittelpunkt stehen Vince und sein Vater Harold. Disco-Fan Vince ist Anwaltsgehilfe und unsterblich in seine Kollegin verliebt. Harold sitzt die meiste Zeit vor dem Fernseher, während Vinces Mutter ständig fremdgeht. Eines Tages aber beweist Harold auf einmal außergewöhnliche Kräfte, indem er einen Kugelschreiber zum Schweben bringt. Als er jedoch bei einer kleinen Vorstellung in einem Altenheim nicht nur Uhren, sondern auch Herzschrittmacher zum Stehen bringt, wird nicht nur die Polizei, sondern auch das Fernsehen auf ihn aufmerksam. Es entsteht ein wahrer Kult, während ein Physiker Harold als Betrüger entlarven soll. Dieser aber ist von Harolds Fähigkeiten so sehr beeindruckt, dass er Harold öffentlich als den Sohn Gottes bezeichnet …

Vincent (Michael Legge) und sein Freund Walter (James Cordan) versuchen sich in „Saturday Night Fever“; „Was geschah mit Harold Smith?“ (1999); Copyright: Epix

„Was geschah wirklich mit Harold Smith?“ verbindet leichte Komödie mit köstlicher Satire und kratzt dabei sanft an den Merkmalen des Übernatürlichen. Die Handlung schreitet rasant voran und das Timing der Gags ist erstklassig. Der Film wird nie langweilig, verliert nie an Fahrt und hängt nie durch. Untermalt wird alles von einem tollen Soundtrack, der sowohl die Disco- als auch die Punk-Ära nochmals aufleben lässt.

Dabei lebt die Story vor allem von witzigen Gegenüberstellungen: Zum einen stellt Hewitt die Disco-Ära der Punk-Bewegung gegenüber, zum anderen das Unerklärbare der anscheinend rationalen Wissenschaft und zum Dritten Medienkonsumenten den Medienmachern.

Mit diesen Mitteln wird der Film recht vielschichtig, da er so ziemlich alle sozialen Bereiche heutiger Gesellschaften durch den Kakao zieht. Die Kritik, die sich Fernsehen oder auch Wissenschaft anhören müssen, ist aber keineswegs diejenige des erhobenen Zeigefingers, sondern eine sehr gelungene Entlarvung der geistigen und medialen Elite. Stephen Fry, der den Physiker spielt, erlebt man hier in absoluter Bestform.

Insgesamt macht der Film richtig Spaß und verliert auch nach mehrmaligem Ansehen weder an Originalität noch an Witz. Kurz: eine kleine, feine Perle des englischen Films.

Was geschah mit Harold Smith? (OT: Whatever Happened to Harold Smith?), Regie: Peter Hewitt, Drehbuch: Ben Steiner, Darsteller: Tom Courteney, Stephen Fry, Michael Legge, Laura Fraser. England 1999, 95 Min.

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Englands Sozialdramen sind bekannt für die Darstellung düsterer und ausweglos erscheinender Lebenssituationen meist arbeitsloser Menschen. Der junge Regisseur Johnny Kevorkian benutzt die daraus resultierende Beklemmung und die damit verbundene Sozialkritik, um beide mit den Aspekten eines Horrorfilms zu verbinden. Das Ergebnis ist mehr als nur gut.

Es geht um den Jugendlichen Matt, der sich seit dem spurlosen Verschwinden seines kleinen Bruders mit Schuldgefühlen plagt. Zusammen mit seinem Vater lebt er in einer tristen Londoner Arbeitersiedlung. Eines Tages vernimmt er auf einmal auf einem Videoband die Stimme seines Bruders. Kurz darauf wird er von unheimlichen Visionen heimgesucht. Während ihm sein Vater nichts davon glaubt, ist es allein seine Nachbarin Amy, die versucht, ihm zu helfen. Dabei findet Matt heraus, dass in der Gegend bereits mehrere Kinder als vermisst gemeldet wurden. Trotz des zunehmenden Konflikts mit seinem Vater, lässt Matt von seiner Suche nicht ab …

Matt erzählt Amy von seinen Visonen; „The Disappeared“ (2008); Copyright: Sunfilm Entertainment

Johnny Kevorkian gelingt es, die düstere, kalte Architektur der Wohngebäude, die kahlen, dunklen Wohnungen sowie die triste Umgebung einzubeziehen in eine unheimliche Geschichte, die aufgrund dessen eine Atmosphäre der Beklemmung entwickelt, wie sie in nur wenigen neueren Horrorfilmen zu finden ist. Die Gegend, die gekennzeichnet ist von Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit, erweist sich schließlich als ein Ort, in dem das Unheimliche und das Grauen Platz gefunden haben.

Den gesamten Film über dominiert ein gefühlloses Grau, das nicht nur das soziale Drama widerspiegelt, sondern auch die Seelenzustände der Protagonisten. Die kaputten Familienverhältnisse intensivieren sich noch dadurch, da ein Mitglied auf unerklärliche Weise verschwunden ist.

Das Unheimliche wirkt hierbei keineswegs wie aufgesetzt, sondern ist von Kevorkian ästhetisch einwandfrei in die Situation eingebunden. So gibt es im Grunde genommen kaum Schnittstellen zwischen Phantastik und Realität, dafür um so mehr Überraschungen, die erzähltechnisch sehr gelungen sind, da sie eigentlich klassisch sind. Somit wird „The Disappeared“ zu einem handwerklich äußerst geschickten Gruselfilm.

The Disappeared, Regie u. Produktion: Johnny Kevorkian, Drehbuch: Johnny Kervorkian, Neil Murphy, Darsteller: Harry Treadaway, Greg Wise, Alex Jennings, Tom Felton, Finley Robertson, Nikki Amuka-Bird, Ros Leeming, Benedict Martin. England 2008, 96 Min.

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Anspruchsvolle SF-Filme sind eher ein seltenes Vergnügen. Um so schöner ist es, wenn sich einmal wieder ein junger Regisseur daran wagt, eine Geschichte zu kreieren, die abseits des Mainstreams angesiedelt ist. Mit seinem Debüt „Eden Log“ liefert Franck Vestiel ein düsteres Zukunftsszenario, das durchaus mit der Ästhetik des französischen Comickünstlers Bilal zu vergleichen ist.

Der Film handelt von Tolbiac, der durch ein seltsames Höhlensystem kriecht. Hier und da gibt es alte, rostige Aufzüge. In verlassenen Kontrollstationen taucht immer wieder der Name Eden Log auf. Tolbiac versucht herauszufinden, was überhaupt geschehen ist und weswegen er sich in diesem unterirdischen System befindet. Dabei wird er von unheimlichen, halbmenschlichen Kreaturen gejagt, genauso wie von Wachpersonal, das nur in schweren Schutzanzügen das unterirdische Labyrinth betrtt …

Mit Sicherheit ist „Eden Log“ keine leichte Kost, sondern verlangt von dem Zuschauer große Aufmerksamkeit. Insgesamt geht der Film zum großen Teil nur in Bildern auf, indem Vestiel versucht, Dialoge soweit wie möglich zu vermeiden. Dies hat zur Folge, dass er sich voll und ganz auf die Visualisierung der Geschichte konzentriert und diese voll ausreizt.

Wie bei einem Puzzle setzen sich nach und nach die einzelnen Teile zusammen, um schließlich am Ende des Films Vestiels bizarre und erschreckende Vision als Ganzes darzustellen. Die Beleuchtung der einzelnen Szenen ist stark reduziert, so dass dadurch zugleich das Geheimnisvolle und Rätselhafte in einer beinahe klaustrophobischen Dunkelheit zum Tragen kommt.

Vestiel setzte dabei noch eines drauf, indem er eine radikale Farbreduktion durchführte, die den gesamten Film in einer Art metallisch anmutendem Schwarzweiß erscheinen lässt. Das dabei erzeugte extreme Spiel zwischen Licht und Schatten gibt dem Film den Anschein eines Comics, ja, einzelne Bilder erscheinen wie die Eins-zu-eins-Umsetzung einer sog. Graphic Novel. All dies macht „Eden Log“ zu einem sehr dichten und extrem beklemmenden SF-Film, der einem nicht so schnell aus dem Kopf geht.

Eden Log, Regie: Franck Vestiel, Drehbuch: Franck Vestiel, Pierre Boridage, Produktion: Cedric Jimenez, Darsteller: Clovis Cornilliac, Vimala Pons, Zohar Wexler, Sifan Shao, Arben Bajraktaraj, Abdelkader Dahou, Frankreich 2007, 98 Min.

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„Daimajin“ (1966); Copyright: JSV

Die Daiei-Studios waren so etwas wie die Konkurrenz zu den legendären Toho Studios. 1942 gegründet, gingen knapp 30 Jahre später in den Hallen die Lichter wieder aus. Berühmt wurde Daiei durch die „Gamera“-Filme sowie die Filme um den blinden Samurai Zatochi. Geradezu außergewöhnlich sind die „Daimajin“-Filme, in denen es um die riesige Statue eines Kriegsgottes geht, die auf einmal lebendig wird.

Außergewöhnlich ist „Daimajin“ deswegen, da er im Grunde genommen ein Historienfilm ist, der sich im Finale abrupt in einen Monsterfilm verwandelt. Es geht um den Fürst Hanabusa, der eines Tages von seinem Feind Odate gestürzt wird. Hanabusas Kinder können in die Berge fliehen, wo sie von einer Priesterin und dem Samurai Kogenta erzogen werden. Zehn Jahre später herrscht Odate immer noch, und die Verehrung des Kriegsgottes ist verboten. Gab es bereits vor zehn Jahren Anzeichen dafür, dass der Majin langsam zum Leben erwacht, so wird die Statue nun endgültig lebendig und beginnt ihr Werk der Zerstörung.

Originalkinoplakat von „Daimajin“

„Daimajin“ ist ein Film, der mich regelrecht umgehauen hat. Eigentlich hätte schon die dramatische Handlung um Odate und die versteckten Kinder des Fürsten genügt, um den Film mit genug Action und Spannung auszufüllen. Auch die wunderbare Optik gefällt, die sich teilweise an klassischen japanischen Gemälden orientiert. Regisseur Kimiyoshi Yasuda geht jedoch noch einen großen Schritt weiter. Die tragische Geschichte, die im Japan des 17. Jahrhunderts angesiedelt ist, verwebt sich zunehmends mit übernatürlichen Elementen.

Zunächst sind es seltsame Beben, die die Bevölkerung erschrecken und den Glauben wieder aufkommen lassen, dass die Statue des Majin lebendig wird, um sich an den Menschen zu rächen. Im großartigen Finale schließlich wird dieser Glaube Realität und die zehn Meter hohe Götterstatue kommt von den Bergen herunter, um die Siedlung zu zerstören.

Der Majin in Aktion; „Daimajin“ (1966); Copyright: JSV

In dem Film wirkt nichts kitschig oder überdreht. Es handelt sich auch nicht um einen der typischen japanischen Monsterklopp-Filme. „Daimajin“ ist ungewöhnlich ernst und verbreitet dabei eine überaus düstere Stimmung. Selbst als der Majin in Aktion tritt, bleibt diese Stimmung erhalten. Es ist interessant, dass der Wechsel vom Hisorienfilm hin zum Monsterfilm nahtlos gelingt. Die Riesenstatue wirkt keineswegs wie aufgesetzt. Sämtliche Ereignisse spielen sich innerhalb der Handlungslogik ab, und das Erscheinen des Majin ist letztendlich die Konsequenz der diversen Handlungsabläufe. Und wenn schließlich der Majin in Erscheinung tritt, dann in einer rasenden Zerstörungswut, vor der so gut wie nichts sicher ist.

Während „Daimajin“ 1966 auch in den US-amerikanischen Kinos lief, so kam er nie bis nach Deutschland. Erst vor wenigen Jahren erschien der Film hierzulande auf DVD. Eine echte Perle des phantastischen Films.

Daimajin. Regie: Kimiyoshi Yasuda, Drehbuch: Tetsuro Yoshida, Produktion: Masaichi Nagata, Darsteller: Riki Hashimoto, Miwa Takada, Yoshihiko Aoyama, Tatsuo Endo, Yutaro Gomi, Jun Fujimaki. Japan 1966, 84 Min.

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Nachdem es die beiden US-amerikanischen Versionen des japanischen Übermonsters aus den Jahren 1998 und 2014 nicht wirklich gepackt haben, nahmen die legendären Toho Studios das Zepter wieder selbst in die Hand – und dies, obwohl man mit „Godzilla – Final Wars“ (2004) eigentlich einen Schlusspunkt hatte setzen wollen.

Aus diesem Grund nannte man den Film dann auch „Shin Godzilla“, was so viel wie „Neuer Godzilla“ bedeutet. Die Ankündigung, dass die japanischen Filmemacher das internationale Lieblingsmonster wieder zurück auf die Leinwand bringen wollen, glich einem echten Paukenschlag. Dementsprechend war „gespannt sein“ ein zu gelinder Ausdruck. Und schließlich war es soweit, als im Juli vergangenen Jahres Godzilla wieder sein berühmtes Brüllen in den japanischen Kinosälen von sich geben durfte.

Das Ergebnis: „Shin Godzilla“ wurde schlagartig zu einem der erfolgreichsten japapanischen Filme, einem Budget von umgerechnet 15 Millionen Dollar steht ein nationales Einspielergebnis von umgerechnet 77 Millionen Dollar gegenüber. Klar, dass man bereits an einem zweiten Film arbeitet.

Doch wie ist der neue Godzilla zu bewerten? Um es gleich als erstes zu erwähnen: „Shin Godzilla“ ist um ein Vielfaches besser als die beiden US-Versionen. Die Effekte sind zwar nicht ganz so großartig, dennoch hervorragend und verbunden mit einer überaus genialen Optik. Die beiden Regisseure Hideaki Anno und Shinji Higuchi gelang es einwandfrei, das Monster in die Gegenwart einzubetten.

Halb Politiksatire, halb bildgewaltige Monsterfaszination erzählen sie die Geschichte um das Ungeheuer aus dem Meer neu, indem eines Tages ein seltsames Phänomen vor der Küste Japans beobachtet wird. Während sich die sog. Experten in den verschiedenen politischen Gremien darüber streiten, ob es sich um ein Unterwasservulkan oder um eine andere natürliche Ursache handelt, kommt in kurzen und extrem lauten Zwischenszenen die eigentliche Ursache ins Bild: ein riesiges Monster, das auf Tokio zusteuert.

Es ist sehr interessant, die Idee zu verfolgen, wie die Politik auf solch ein Ereignis reagieren würde. Beeinflusst durch das Versagen der Behörden und das Aufdecken von Korruption in Sachen Fukushima, begleichen die beiden Regisseure auf filmische Art und Weise die Rechnung, indem sie das Verhalten typischer Beamter und Politiker, die auch in der größten Katastrophe auf Wählerfang sind, durch den Kakao ziehen.

Gut, das ständige Hin- und Herschneiden zwischen den einzelnen Gremien und Ministerien ist gelegentlich zu viel und die Dialoge manchmal zu lang, ein bisschen weniger Beratung und ein bisschen mehr Action hätte dem Film gut getan, doch wird dadurch der Film überraschenderweise nicht langweilig. Eine besondere Schärfe nimmt die Satire dann an, wenn die USA ohne Wenn und Aber eine Atombombe über Tokio abwerfen wollen, um Godzilla zu stoppen – unterstützt durch den UN-Sicherheitsrat.

Währenddessen versuchen die Wissenschaftler hinter das Geheimnis der Existenz Godzillas zu kommen, und auch hier punktet der Film auf ganzer Linie, wird doch das Wesen mit allen möglichen eingewebten Querverweisen auf die früheren Filme hin untersucht. Man könnte schon fast sagen, dass die naturwissenschaftliche Untersuchung im Grunde genommen eine Art medienwissenschaftliche Untersuchung des Phänomens Godzilla darstellt, natürlich alles untermalt mit einer gewissen Selbstironie.

Auch ansonsten gelingt es Anno und Higuchi, das Original von 1954 elegant in unsere Gegenwart rüberzuverfrachten. So fahren wieder die Panzer auf dieselbe Weise auf wie in den früheren Filmen und Helikopter und Kampfjets sausen durch die Luft – dieses Mal jedoch nicht als handgefertigte Modelle, sondern in der CGI-Variante.

Godzilla selbst ist dank der hervorragenden Optik, die zwischen erzählender Kamera und Quasi-Handy-Aufnahmen hin- und herpendelt, einfach nur riesig, ein wahrer Koloss, der Tokio einmal mehr zu Kleinholz verarbeitet. Sogar auf die Originalmusik aus den 50er Jahren hat man nicht vergessen. Kurz: Eine liebevollere Verneigung vor dem König der Monster gibt es nicht.

Shin Godzilla. Regie: Hideaki Anno, Shinji Higuchi, Drehbuch: Hideaki Anno, Produktion: Minami Ichikawa, Darsteller: Hiroki Hasegawa, Yutaka Takenouchi, Satomi Ishihara. Japan 2016, 116 Min.

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