Hol’s der Teufel – Unser 666. Artikel

Den 666. Artikel auf FILM und BUCH können wir ja nicht einfach so an uns vorbeigehen lassen. Daher haben wir uns gedacht, ein wenig auf okkult zu machen und sechs Teufelsfilme bzw. Okkult-Thriller vorzustellen. Den Anfang macht …

… Geheimrat Goethe. 1960 schuf Gustav Gründgens den Theaterfilm aller Theaterfilme, indem er Goethes „Faust“ auf die Leinwand brachte. Gründgens spielte darin die Rolle des Mephisto, die er bis dahin übrigens 600mal gespielt hatte. Seine Inszenierung war so erfolgreich, dass sie nicht nur auf internationale Tournee ging, sondern eben auch auf Film gebannt und mit überaus großem Erfolg in die Kinos gebracht wurde. Den Faust mimte übrigens Will Quadflieg. „Faust“ war damals für den Oscar nominiert und gewann den Deutschen Filmpreis.

1968 adaptierte Terence Fisher Dennis Wheatleys Roman „The Devil rides out„. Das Drehbuch verfasste Richard Matheson, der normalerweise bei Roger Corman bzw. bei American International Pictures unter Vertrag stand. Wie in so vielen Filmen der Hammer Studios, so war auch hier Christopher Lee mit von der Partie – dieses Mal als Guter. Seinen Widersache verkörperte Bond-Bösewicht Charles Gray. Es geht darum, dass Nickolas, Duc de Richleau auf die Spur einer okkulten Sekte kommt, nachdem er im Haus seines verschwundenen Freundes Simon seltsame Hexensymbole entdeckt hat. Christopher Lee fand, dass „The Devil rides Out“ einer seiner besten Filme aus seiner Zeit bei Hammer war. Es ist in der Tat ein wirklich guter Film, der stellenweise ein wenig an „Night of the Demon“ (1956) erinnert.

1973 drehte William Friedkin den Horrorfilm aller Horrorfilme: „Der Exorzist„. Das Drehbuch stammte von William Peter Blatty, der bis dahin ausschließlich Komödien verfasst hatte. Mit „Der Exorzist“ traf er genau ins Schwarze. Schnell schrieb er auch noch den Roman dazu, damit es so aussah, als handele es sich bei dem Film um eine Adaption. Damals fast schon so etwas wie ein Skandalfilm, entwickelte sich „Der Exorzist“ schnell zum Kassenschlager und gilt heute als einer der Filmklassiker schlechthin. Dem Film folgten zwei Fortsetzungen, wobei „Der Exorzist 2“ zu den schlechtesten Filmen aller Zeiten zählt. Blatty versuchte dann, seine Ehre zu retten, indem er 1990 „Der Exorzist 3“ drehte, der zwar floppte, dennoch qualitativ wieder hervorragend war.

1976 sprang Richard Donner auf die Okkultwelle auf, die „Der Exorzist“ losgetreten hatte, und drehte „Das Omen„, mit Gregory Peck und Lee Remick in den Hauptrollen. Das Drehbuch schrieb David Seltzer, der drei Jahre später auch das Drehbuch zu der Trash-Granate „Die Prophezeiung“ verfasste. Um den Film noch unheimlicher wirken zu lassen, wurden Gerüchte in Umlauf gebracht, dass es während der Dreharbeiten zu unerklärlichen Zwischenfällen gekommen sei. Natürlich steckte dahinter eher die Marketingabteilung und weniger ein Dämon. Der Film wurde ebenfalls ein Riesenerfolg und zählt heute nicht weniger zu den Filmklassikern. „Das Omen“ folgten eine Reihe weiterer „Omen“-Filme und 2006 auch ein Remake, das ebenfalls von David Seltzer geschrieben wurde.

1999 dachten alle, dass zur Jahrtausendwende sämtliche Computer abstürzen würden. Nicht wenige glaubten auch, dass dies das Ende der Welt bedeute. Aufgrund der drei Neuner, die man natürlich auch als drei Sechser sehen konnte, brachte dies wieder den Okkultismus zurück in die Popkultur, was zur Folge hatte, dass um diese Zeit herum mehrere Okkult-Thriller produziert wurden. Einer davon war „End of Days“ mit Arnold Schwarzenegger, der für seine Rolle als Jericho Cane prompt für die Goldene Himbeere nominiert wurde. Ihm zur Seite standen Gabriel Byrne und Udo Kier. Der Film erhielt fast ausschließlich negative Kritiken und war ein eher mäßiger Erfolg an den Kinokassen. Zum Filmklassiker hat es also nicht gereicht.

2015 glaubte die koreanische Filmindustrie, sich ebenfalls am Exorzismusthema zu versuchen und somit drehte Jae-Hyun Jang „The Priests„, in dem zwei Priester versuchen, einen Dämon aus einer Frau auszutreiben. Was unheimlich wirken soll, wirkt dann doch eher banal und nicht weniger lächerlich. So richtig Spannung kommt einfach nicht auf und unheimlich wirkt der Film schon gar nicht. Eher wirkt „The Priests“ wie eine halbherzige und teils hilflose Nachahmung von Friedkins „Der Exorzist.“ Dennoch landete der Film in Südkorea auf Anhieb auf Platz eins und machte allein in diesem Land einen Umsatz von umgerechnet fast 36 Millionen Dollar. Damit zählt der Film zu den erfolgreichsten koreanischen Filmen und vor allem zu den erfolgreichsten koreanischen Horrorfilmen.

 

 

 

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Die Klunkerecke: Die Totenliste (1963)

John Hustons Mystery-Thriller „Die Totenliste“ aus dem Jahr 1963 ist ein Who’s-done-it im doppelten Sinn. Zum einen ist „The List of Adrian Messenger“ ein recht origineller und spannender Krimi, zum anderen ein vergnügliches Ratespiel für die Zuschauer.

Huston kam nämlich auf die Idee, seinen Film voll mit Hollywoodstars zu packen und im wahrsten Sinne des Wortes zu verpacken. Denn Frank Sinatra, Burt Lancaster, Robert Mitchum, Kirk Douglas und Tony Curtis agieren nicht als für alle erkennbare Darsteller, sondern tragen dicke Latexmasken, was dazu führt, dass man neben dem Miträtseln im Hinblick auf den Kriminalfall zugleich ständig am überlegen ist, wer sich hinter welcher Maske verbirgt.

Anthony Gathryn (George C. Scott) versucht, hinter das Geheimnis zu kommen. „Die Totenliste“ (1963); © Universal Pictures

In dem Film geht es um eine sonderbare Mordserie. Alle Opfer stehen auf einer Liste, doch sonst scheinen sie nichts miteinander zu tun zu haben. Dem Schriftsteller Adrian Messenger ist diese Liste in die Hände gefallen und er bittet seinen Freund, den ehemaligen Agenten Anthony Gathryn, zu ergründen, um was für Personen es sich auf dieser Liste handelt. Kurz darauf aber stirbt Messenger bei einem Flugzeugabsturz. Gathryn geht dem Fall nach und kommt dabei tatsächlich auf eine sonderbare Spur …

Wer verbirgt sich hinter dieser Maske? „Die Totenliste“ (1963); © Universal Pictures

„Die Totenliste“ ist ein wahres Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer. Denn auch der Mörder ist nicht nur maskiert, sondern erscheint immer wieder in anderen Masken. Aber wer ist nun dieser Mörder und wieso bringt er ausgerechnet diese Leute auf der Liste um? Gathryn bekommt nach und nach heraus, dass auch die Opfer keineswegs ohne dunkles Geheimnis sind. Man muss wirklich sagen, „Die Totenliste“ ist ein absolut außergewöhnlicher Film. Anscheinend war er nicht so erfolgreich in den Kinos, wie man sich aufgrund des Staraufgebots erhofft hatte – den drei Millionen Dollar Produktionskosten standen Einnahmen von knapp zwei Millionen gegenüber. Doch heute zählt das American Film Institute „Die Totenliste“ zu den zehn besten Mystery-Krimis, die jemals gedreht wurden.

Erst am Ende des Films übrigens wird nicht nur das Rätsel gelöst, sondern ziehen die Schauspieler auch ihre Masken ab. Ein wirklich gelungener Filmspaß.

Die Totenliste (OT: The List of Adrian Messenger). Regie: John Huston, Drehbuch: Anthony Veiller, Produktion: Edward Lewis, Darsteller: Kirk Douglas, George C. Scott, Robert Mitchum, Tony Curtis, Frank Sinatra, Dana Wynter, Burt Lancaster. USA 1963, 98 Min.

Die Klunkerecke: Frankenstein – Wie er wirklich war (1973)

Regisseur Jack Smight und Autor Christopher Isherwood gelang es Anfang der 70er Jahre, einen Frankensteinfilm zu schaffen, der mit der Romanvorlage von Mary Shelley so gut wie nichts zu tun hat und zugleich oder eher dennoch einen Meilenstein des TV-Films darstellt.

Ausgestattet mit einem großen Budget, konnte man nicht nur auf Stars wie James Mason, Jane Seymour oder John Gielgud zurückgreifen, sondern auch tolle Kulissen und großartige Explosionen kreieren. Isherwood übernahm dabei lediglich die Grundhandlung des berühmten Schauerromans, der Rest ist eine rasante Gruselstory, die teils überraschend blutig ausgefallen ist und sich von einem dramatischen Höhepunkt zu nächsten hangelt.

Victor Frankenstein (Leonard Whiting) und Dr. Clerval (David McCallum) bei einem Experiment; „Frankenstein – The true Story“ (1973); © Universal Pictures

Victor Frankenstein trifft hier auf den genialen Chirurgen Henry Clerval, der Totes wiederbeleben möchte. Nach ein paar Experimenten an toten Tieren, baut er aus Leichenteilen einen Menschen zusammen. Clerval bittet bei diesem letzten Arbeitsschritt Victor um Hilfe, was dazu führt, dass sich dieser immer mehr in das Vorhaben hineinsteigert. Das Resultat ist bekannt: ein Monster. Clerval stirbt und Frankenstein versucht, den künstlichen Menschen in die Gesellschaft einzuführen.

Doch steht Frankenstein dabei vor zwei Problemen: zum einen verfällt der Körper des Monsters und zweitens ist ihm Dr. Polidori auf den Fersen, der ihn dazu bringen will, zusammen mit ihm eine Frau zu erschaffen. Auch das gelingt, doch nach und nach gerät die Situation für Frankenstein und Polidori außer Kontrolle, was tragische und tödliche Konsequenzen mit sich bringt …

„Frankenstein – The true Story“ ist packend, dramatisch und zugleich tiefgründig und, wie bereits erwähnt, reiht dabei einen Höhepunkt an den anderen. Schon die Schaffung des Monsters ist eine wahre Sensation, wenn dabei die ganzen Instrumente explodieren. Unglaublich toll, wenn bei der Schaffung der Frau bunte Farbblasen das Bild ausfüllen und dabei dem Prozess einen leicht psychedelischen Touch verleihen. Nicht weniger originell, wenn das Monster einen Tanzabend aufmischt, um die künstliche Frau namens Prima zu entführen – mit einem wahrhaft grausamen Höhepunkt. Und schließlich das Finale auf einem Segelschiff mitten auf dem Atlantik und bei starkem Sturm, während das Monster Amok läuft.

Der Film liefert bei all dem eine grandiose Optik, sodass man nicht glaubt, einen Fernsehfilm vor sich zu haben. Die Schauspieler gehen dabei voll in ihren Rollen auf. Besonders James Mason, der wie immer einen zwielichtigen Charakter mimt. Nicht weniger grandios sind Bond-Girl Jane Seymour als Prima, der künstlichen Frau, oder auch U.N.C.L.E.-Veteran David McCallum als Chirurg Clerval. Kurz: ein absolutes Meisterstück.

Frankenstein – Wie er wirklich war (OT: Frankenstein – The true Story). Regie: Jack Smight, Drehbuch: Christopher Isherwood, Produktion: Ian Lewis, Darsteller: James Mason, Leonard Whiting, Jane Seymour, David McCallum, Michael Sarrazin, Nicola Pagett. England/USA 1973, 182 Min.

Die Klunkerecke: Congo (1996)

Aufmerksame Leser werden sich sicherlich fragen, wie es „Congo“ in unsere Klunkerecke geschafft hat. Die Frage ist durchaus berechtigt. Um ehrlich zu sein, wussten wir nicht, in welche Kategorie wir den Film stecken sollten. Und da wir mit Absicht keine extra Trash-Reihe haben, da wir Trash und Nicht-Trash in einen Topf werfen, war nur Die Klunkerecke übrig.

„Congo“ ist eine weitere Adaption eines Michael Crichton-Romans. Nachdem „Jurassic Park“ wie eine Bombe einschlug, suchte man schnell nach weiteren Werken des Autors, um diese auf filmische Weise zu Geld zu machen. Bei Frank Marshall fiel die Wahl auf „Congo“, in dem es um eine Expedition geht, die während ihrer Suche nach Diamanten verschollen ist. Dr. Karen Ross soll es nun richten, indem sie nach den Diamanten  und nach der Ursache für das Verschwinden der ersten Expedition sucht. Mit dabei ist ein Primatenforscher und seine Gorilladame Amy und ein geldgieriger Hobbyarchäologe, der glaubt zu wissen, wo die legendäre Stadt Zinj liegt, wo Salomons Diamanten vergraben sein sollen.

All das klingt nach einem schönen Abenteuerfilm. Und Frank Marschall setzt alles daran, um „Congo“ auch als solchen zu kreieren. Um es kurz zu machen: der Film unterhält vorzüglich. Und dennoch … Leider ist da eben der Primatenforscher und sein liebes Äffchen. Statt auf einen echten Affen zurückzugreifen, kam man auf die Idee, eine Stuntfrau in ein Affenkostüm zu stecken – und fertig war das Malheur. Denn egal wie oft man „Congo“ sichtet, Amy ist stets eine Mischung aus Kitsch und Das-darf-doch-nicht-wahr-sein.

Alternatives Filmplakat

Wer auch immer auf die Idee mit dem Affenkostüm gekommen ist (vielleicht Stan Winston, der auch die Kostüme der übrigen Affen schuf und den Produzenten noch ein übriges Kostüm aufgeschwatzt hat?), er hat dem Film keinen großen Gefallen getan. Das Ergebnis ließ auch nicht lange auf sich warten: die fiktive Amy erhielt die Goldene Himbeere als schlechteste Darstellerin.

Dennoch wurde „Congo“ ein recht großer Erfolg, der das Dreifache seiner Produktionskosten einbrachte – mal wieder zur Überraschung von Paramount, die befürchteten, den Film gleich in die Tonne werfen zu müssen.

Man könnte „Congo“ als einen gelungenen B-Movie bezeichnen oder auch als einen Trashfilm, der es durch Zufall in die Kinos geschafft hat. Wie schon erwähnt, liefert der Film kurzweilige Unterhaltung, auch wenn die Spannung nicht wirklich rüberkommt. Als kleines Schmankerl gibt es dafür Bruce Campbell im Prolog des Films. Leider überzeugt ausgerechnet Tim Curry am wenigsten. Sein Spiel wirkt eher lustlos, so als wollte er nur einmal kurz vorbeischauen. – Alles in allem also ein Film, der weder Hand noch Fuß hat und dennoch irgendwie Spaß macht.

Congo. Regie: Frank Marshall, Drehbuch: John Patrick Shanley, Produktion: Kathleen Kennedy, Darsteller: Dylan Walsh, Laura Linney, Ernie Hudson, Grant Helsov, Tim Curry. USA 1996. 104 Min.

 

Die Klunkerecke: Die Körperfresser kommen (1978)

Eigentlich gilt stets folgende Regel: Ein Remake ist schlechter als das Original. Und es wäre keine Regel, wenn es da keine Ausnahme gäbe. Eine solche ist der SF-Thriller „Die Körperfresser kommen“, das sowohl Remake des Films von 1956, als auch eine Neuadaption des gleichnamigen Romans von Jack Finney (erschienen 1955) ist.

Der Film von Don Siegel gilt als Inbegriff des Paranoia-Kinos. Wie kein anderer Film stellt er die Angst vor einer ideologischen Unterwanderung der USA dar, die damals vorherrschte. 1978 nahm sich dann Philip Kaufman des Stoffes an, um dadurch die heimtückische Invasion ein zweites Mal auf die USA loszulassen.

Dieses Mal betrifft es San Francisco. Aus dem Psychiater Peter Benell wurde ein Inspektor der Gesundheitsbehörde, der es auf einmal mit sonderbaren Zwischenfällen zu tun hat. Seine Mitarbeiterin Elizabeth behauptet, dass ihr Mann nicht mehr ihr Mann sei. Diese Wahnvorstellung scheint gerade in Sa Francisco zu grassieren. Denn immer mehr Menschen leiden unter der Angst, dass ihre Angehörigen sich plötzlich völlig anders verhalten. Nach und nach kommt Bennell dabei auf die Spur einer außerirdischen Invasion.

„Die Körperfresser kommen“ reicht nicht nur an den Originalfilm heran, sondern übertrifft ihn sogar teilweise. Mit einer unglaublich tollen Optik, bei der zwischendurch immer mal wieder zur wackeligen Handkamera gegriffen wird, überträgt Philip Kaufmann Jack Finneys Klassiker von der Moderne in die Postmoderne, ohne dabei Federn zu lassen. Natürlich dürfen dabei auch nicht die Anspielungen auf den Originalfilm fehlen. Als kleine Gag rennt daher Kevin Mc Carthy, der 1956 Bennell gespielt hat, wieder warnend durch die Straßen.

Aufbau der Spannung, die sich sich entwickelnde Handlung – alles wie aus dem Lehrbuch und darüber hinaus, denn „Die Körperfresser kommen“ wirkt gelegentlich wie heutige Zombiefilme, was wahrscheinlich daran liegt, dass sich heutige Regisseure eben an diesem Meisterwerk orientieren.

Und dennoch floppte der Film damals an den Kinokassen. Die Post-Hippie-Ära war wohl an Paranoia-Themen nicht sonderlich interessiert. In der Tat passt der Film thematisch besser in unsere Zeit, in der durch zunehmende Entfremdungsprozesse die Angst vor dem Anderen zunimmt. Ein genialer Film, ein Meisterwerk.

Die Körperfresser kommen (OT: Invasion of the Bodysnatchers). Regie: Philip Kaufmann, Drehbuch: W. D. Richter, Produktion: Robert H. Solo, Darsteller: Donald Sutherland, Brooke Adams, Leonard Nimoy, Jeff Goldblum, Veronica Cartwright. USA 1978, 113 Min.

Die Klunkerecke: Onibaba – Die Töterinnen (1964)

Die ältere Frau, gespielt von Shindos Muse Nobuko Otowa; Onibaba (1964); © Toho

Es wird immer wieder darüber diskutiert, ob es sich bei Kaneto Shindos Meisterwerk Onibaba um einen Horrorfilm handelt. Die Antwort darauf ist wirklich nicht leicht. Ganz ähnlich verhält es sich ja auch bei Joseph Loseys Der Diener, der ein Jahr vor Onibaba in die Kinos kam. Bei diesem Film herrscht ebenfalls eine Uneinstimmigkeit darüber, ob es sich nicht doch um einen Film aus dem Bereich des Phantastischen handelt.

Die ältere und die jüngere Frau auf dem Weg durch das Feld; „Onibaba“ (1964); © Toho

Kaneto Shindos Film basiert auf einer alten japanischen Legende. Es geht um zwei Frauen, die alleine in einem riesigen Feld leben, während um sie herum Krieg tobt. Sie töten ahnungslose Samurai, die sich in dem Feld verirrt haben und verkaufen ihre Waffen und Rüstungen auf dem Schwarzmarkt. Die Leichen werfen sie in ein tiefes Loch in unmittelbarer Nähe ihrer Hütte. Eines Tages kommt ihr Nachbar Hachi aus dem Krieg zurück. Er ist desertiert und hofft, von den Soldaten nicht gefunden zu werden. Nach und nach entwickelt sich zwischen ihm und der jüngeren Frau eine sexuelle Beziehung, was zwischen ihr und der älteren Frau zu einem immer größeren Konflikt führt.

Die jüngere Frau wird verfolgt; „Onibaba“ (1964); © Toho

Gleich am Anfang des Films wird das Erdloch gezeigt, das schon seit Anbeginn der Zeit an dieser Stelle gewesen sein soll. Sofort kommt einem dabei der Gedanke an Lovecraft, und vielleicht hatte Shindo ja tatsächlich eine solche Anspielung im Hinterkopf. Die Geschichte selbst aber verläuft zunächst eher wie ein extrem düsteres und radikales Drama, in das sich nach und nach Elemente des Unheimlichen mischen.

Schon allein die Darstellung des Felds erinnert an die Schilderungen der bewegten Natur in Algernon Blackwoods unheimlicher Erzählung „Die Weiden“. Möglich, dass sich der Regisseur auch von diesem klassischen Horrorautor inspirieren ließ. Die Übereinstimmungen sind auf jeden Fall erstaunlich.

Originalkinoplakat von „Onibaba“

Wie gesagt, entwickelt sich der Film zunächst in Form eines Dramas, wobei von Mal zu Mal surreale Elemente eine immer stärkere Rolle spielen. So taucht z.B. eines Nachts plötzlich ein Samurai auf, der seine Maske nicht von seinem Gesicht bekommt. Er hat sich in dem riesigen Feld verirrt und fordert die ältere Frau auf, ihn von diesem Ort wieder wegzuführen. Besonders diese Szene wirkt geradezu surreal, fast schon wie ein Albtraum.

Der ganze Filme besitzt eine traumartige Atmosphäre. Hinzu kommt die direkte Darstellung sexueller Begierde, welche die junge Frau und Hachi geradezu verzehrt. Die ältere Frau hat darunter zu leiden, wird sie doch ebenfalls von dieser Begierde angesteckt, kann sie jedoch nicht befriedigen – kongenial dargestellt übrigens von Shindos Ehefrau und Muse Nobuko Otowa, die für ihn ihre Karriere als Filmstar aufgab (sie wirkte bis dahin in 134 Filmen mit) und von da an hauptsächlich nur noch in seinen Filmen mitwirkte.

Amerkanisches Plakat von „Onibaba“

Interessant ist, dass beide Frauen in dem Film keine Namen haben. Im Gegensatz zu den männlichen Figuren, wie den Nachbarn Hachi oder den Schwarzmarkthändler Ushi. Dennoch geht es in dem Film um Emanzipation, eigentlich ist dies sogar das Hauptthema des Films. Manche Filmhistoriker sehen in Onibaba auch eine vehemente Kritik am Kapitalismus, die heute sogar aktueller anmutet als damals. Der Kapitalismus als Ursache für den Krieg und zugleich als Grund dafür, weswegen dieser Krieg nicht endet. Er zerstört dadurch das Gesellschaftssystem und führt zu völliger Verrohung und Egoismus.

Onibaba war Shindos erfolgreichster Kinofilm, der sogar in den USA für einen überraschend großen Umsatz sorgte. Insgesamt drehte Shindo Kaneto 40 Filme und verfasste für über 200 Filme die Drehbücher. Noch im Alter von 98 Jahren drehte er mit Postcard einen, seinen letzten Spielfilm, der 2012 für den Oscar nominiert wurde. Im selben Jahr starb Shindo Kaneto, der zu den wichtigsten Regisseuren Japans zählt. Onibaba – Die Töterinnen ist und bleibt jedoch sein Meisterwerk.

Onibaba – Die Töterinnen (OT: Onibaba). Regie und Drehbuch: Shindo Kaneto. Produktion: Toshyo Konya, Darsteller: Nobuko Otowa, Jitsuko Yoshimura, Kei Sato. Japan 1964, 103 Min.

Die Klunkerecke: Knight Moves – Ein mörderisches Spiel (1992)

Bereits 1984 wurde der Schweizer Regisseur Carl Schenkel für seinen Thriller „Abwärts“ mehrfach ausgezeichnet. Seitdem ist er dem Thriller-Genre treu geblieben und drehte 1992 seinen bis dahin erfolgreichsten Film „Knight Moves – Ein mörderisches Spiel“.

Es geht darin um den Schachmeister Peter Sanderson, der verdächtigt wird, seine Geliebte ermordet zu haben. Während sich Sanderson auf sein nächstes Tournier vorbereitet, geschehen um ihn herum weitere unheimliche Morde, wobei die Polizei an den Tatorten sonderbare Botschaften entdeckt. Schließlich wird Sanderson selbst bedroht …

Mit „Knight Moves“ gelang Carl Schenkel ein überaus spannender, stark atmosphärischer Thriller, der einen von der ersten bis zur letzten Sekunde in seinen Bann schlägt. Gleich der Prolog des Films, in dem zwei Kinder Schach spielen, hat es in sich, vor allem, da Schenkel auch auf eine intensive Geräuschkulisse setzt, welche den Gruselfaktor des Films nochmals verstärkt.

Den ganzen Film über herrscht eine düstere, fast schon kalte Atmosphäre, die Christopher Lambert hervorragend in seine Rolle als Peter Sanderson überträgt. Denn was Sanderson für den Ermittler Frank Sedman so verdächtig macht, ist, dass Sanderson die Morde irgendwie kalt lassen, nicht einmal dann, wenn er von dem Mord an seiner Geliebten erfährt, mit der er vor wenigen Stunden geschlafen hat. Daraus ergibt sich ein zusätzlicher Spannungsfaktor, denn als Zuschauer stellt man sich unweigerlich die Frage, ob vielleicht Sanderson der Täter ist.

In seiner Machart erinnert „Knight Moves“ an die Thriller von Brian de Palma, wobei hier und da auch Aspekte des von Mario Bava und Dario Argento geprägten Giallo zu erkennen sind. Carl Schenkel entwickelt aus beiden Elementen einen durchaus eigenen Stil, der dem Film eine düster-unheimliche Ästhetik verleiht, die durch eine tolle Optik und ein wunderbares Spiel aus Licht und Schatten geprägt ist.

„Knight Moves“ ist nicht nur ein packender Thriller, sondern zugleich so etwas wie ein heimlicher Klassiker aus den 90ern. Ansehen lohnt sich.

Knight Moves – Ein mörderisches Spiel. Regie: Carl Schenkel, Drehbuch: Brad Mirman, Produktion: Jean Luc Defait, Darsteller: Christopher Lambert, Tom Skerritt, Diane Lane, Daniel Baldwin, Arthur Brauss, Ferdy Mayne. Deutschland/USA 1992, 108 Min.