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Archive for März 2016

jacklondonAm 7. April 1907 stach Jack London endlich in See. Endlich deswegen, da sich seine Abfahrt aufgrund diverser Mängel an seinem selbstgebauten Boot verzögert hatte. Eigentlich hatte London etwas Anderes zu tun, doch auf einmal – mitten in einem Gespräch – beschloss er, zusammen mit seiner Frau Charmian eine Weltumsegelung auf einem kleinen, selbstgebauten Boot zu wagen. Gesagt, getan. Denn tatsächlich setzte London alles daran, in See zu stechen.

Doch das Pech verfolgte ihn auf Schritt und Tritt. Die Lieferanten schickten ihre Waren zu spät (waren aber äußerst pünktlich bei der Versendung der Rechnungen) und das Boot leckte an so ziemlich jeder Stelle. Der Schiffsmotor funktionierte nicht, die Kombüse stand knietief unter Wasser und der Schiffskoch konnte nicht nur nicht kochen, sondern war zudem auch noch seekrank. Nichtzuletzt war der Navigator felsenfest davon überzeugt, dass sie sich im Inneren einer Hohlwelt befänden.

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Jack London und seine Frau Charmian.

Schließlich aber stach London zusammen mit seiner Frau doch noch in See. Ziel ihrer Reise war zunächst Hawaii. Genauso amüsant wie sein Bericht beginnt, setzt sich dieser auch fort. London trifft auf alle möglichen Exzentriker, lernt das Surfen – und sein Bericht über dieses Freizeitvergnügen machte Surfen in den USA überhaupt erst bekannt. Nicht weniger unterhaltsam ist sein Besuch in der Leprakolonie. Der Leiter dieser Kolonie bat London, einen wahren Bericht über die dort lebenden Menschen zu schreiben, da in den Zeitungen nur Unwahrheiten veröffentlicht wurden. Das Eregbnis war ein erstaunlicher Einblick in eine Art Parallelgesellschaft, in der es den Mitglieder so gut geht, dass sie hoffen, nicht geheilt zu werden, denn sonst müssten sie die Kolonie wieder verlassen.

Jack Londons Bericht ist von der ersten bis zur letzten Seite überaus witzig. Ein weiteres Highlight sind die Bewerbungsbriefe unterschiedlichster Leute, die ihn auf seiner Reise begleiten wollten. Man merkt dabei, dass sich an der Mentalität der Menschen im Grunde genommen nie etwas geändert hat.

Das Buch liest man praktisch in einem durch. Es ist schade, dass London nicht tatsächlich auf der Snark die Welt umsegeln konnte. Denn das Ergebniss wären sicherlich noch mehr unterhaltsame und humorvolle Berichte gewesen.

Jack London. Die Reise mit der Snark. Übersetzt und herausgegeben von Alexander Pechmann. Mare Verlag 2016, 350 Seiten, 28,00 Euro.

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warningfromspace1Nach dem internationalen Erfolg von „Godzilla“ (1954), musste unbedingt ein neuer Film her, der auf diesem Erfolg aufspringen konnte. Die Fortsetzung des Monsterfilms „Godzilla kehrt zurück“ (1955) floppte an den internationalen Kinokassen. Also suchte man nach einem anderen Konzept.

Godzilla wurde zunächst einmal zu den Akten gelegt. Stattdessen versuchte man, sich an den SF-Filmen Hollywoods zu orientieren und schuf daher einen Film, in dem die Menschheit in den Kontakt zu Außerirdischen tritt. Der Titel des Films lautete „Warning from Space“ und kam 1956 in die Kinos.

Es geht darin um seesternartige Außerirdische, die die Menschheit vor einer Katastrophe warnen wollen. Ein Planet (Planet R) nähert sich der Erde. Es droht ein Zusammenstoß, der unweigerlich zur Vernichtung unserer Welt führt. Während die Wissenschaftler zum einen versuchen, hinter das Geheimnis der Außerirdischen zu kommen, versuchen sie andererseits, etwas gegen die drohende Gefahr zu unternehmen.

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Die Aliens in ihrer Raumstation. Über die Kostüme lässt sich natürlich streiten. „Warning from Space“ (1956).

Um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, drehte Regisseur Koji Shima den Film in Farbe. Es handelte sich dabei um den ersten japanischen SF-Film in Farbe. Koji Shima reizte dabei das Farbspektrum regelrecht aus. Zunächst ist man etwas enttäuscht. Gleich die erste Einstellung, welche die Außerirdischen in ihrer Raumstation zeigen, bietet lediglich sonderbare Grautöne. Nur das Auge eines der sprechenden Seesterne blinkt in einem intensiven Blau. Doch nach einem harten Schnitt auf einen Regenschirm, der für ein paar Sekunden das komplette Bild ausfüllt, ist man positiv überrascht. Nicht nur aufgrund der Farbe. Denn die Einstellung leitet eine Szene ein, die an einem regnerischen Abend auf einem Bahnhof spielt, auf dem sich ein Reporter mit einem Wissenschaftler trifft. Dies wirkt überaus modern und so gar nicht aus dem Jahr 1956. In der Tat, was die Optik des Films betrifft, ist dieser seiner Zeit weit voraus. Ganz toll sind die Sequenzen, in denen Menschen in Tokio in den Himmel sehen, um nach den UFOs Ausschau zu halten. Wie gesagt, wirken diese nicht wie aus den 50er Jahren, sondern könnten genauso gut heute gedreht worden sein.

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Prof. Isobe spricht vor den Reportern über die drohende Gefahr.

Man hat gelegentlich den Eindruck, dass Koji Shima bei Orson Welles abgeguckt hat. Zwar wurde auch damals die Optik des Film gewürdigt, doch was die Handlung betrifft, so war man sich einig, dass „Warning from Space“ nicht viel hergibt. Und da hatten die Kritiker durchaus recht. Im Hinblick auf die Story wirkt der Film unglaublich naiv. Somit kommt es auch zu Szenen, die, trotz der genialen Optik, irgendwie dämlich wirken. So z.B. eine Szene, in der einer der Wissenschaftler mit einem in eine Frau transformierten Außerirdischen Tennis spielt. Bei jedem Schlag springt die Frau fast zwei Meter in die Höhe. Ob die Szene damals ernst gemeint war oder Shima diese mit einem Augenzwinkern bedacht hatte, bleibt unklar.

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„Keep watching the Sky!“ Hier ein Beispiel für die teils hervorragende Optik des Films. „Warning from Space“ (1956).

Auch ergeben sich mehrere Ungereimtheiten. Die vermeintliche Frau soll in dem Film eine bekannte Sängerin sein, welche die Aliens kopiert haben. Seltsam ist, dass die Wissenschaftler und Reporter sich über das Aussehen der Frau gar nicht wundern und diese nicht als eben jene Sängerin erkennen, im Gegensatz zu einer Gruppe Schülerinnen, die sie sofort kreischend umringen. Völlig überflüssig ist das plötzliche Auftreten eines Gangsters, der von einem der Wissenschaftler namens Isobe die Formel haben möchte, mit der man eine Bombe bauen kann, die um ein Vielfaches stärker als eine Atombombe ist. Isobe wird entführt. Doch auf seinem Finger trägt er einen Ring der Außerirdischen, mit dem eben jene Außerirdischen ihn jerderzeit lokalisieren können. Doch, und hier macht sich wieder die Unlogik der Story bemerkbar, als erstes kommen die als Menschen transformierten Aliens in das Forschungsinstitut und fragen, ob Isobe hier sei, worauf seine Kollegen meinen, dass sie ihn seit Tagen nicht gesehen hätten. Darauf erwidert die Alien-Frau, dass Isobe eben jenen Ring habe und sie ihn deswegen schnell finden könnten.

Auch „Warning from Space“ blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Anfang der 60er Jahre wurde er erneut aufgeführt. Erst bei seinem zweiten Anlauf wurde er auch in den USA gezeigt. Wie bereits erwähnt, ist der Film rein optisch durchaus bemerkenswert. Trotz seiner teils verpatzten Handlung ging „Warning from Space“ als erster SF-Farbfilm in die japanische Filmgeschichte ein. Wieso aber die Außerirdischen ausgerechnet wie Seesterne aussehen, bleibt eine andere Frage.

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dämonunddiejungfrauWenn man so will, begann in den 60er Jahren ein Wettbewerb zwischen den US-amerikanischen und den europäischen Filmstudios. Während Hollywood in den 50er Jahren den B-Picture-Bereich dominierte, sprangen in den 60er Jahren England, Frankreich, Italien und auch Deutschland (in der Regel als Coproduzent) mit auf den Zug. In England entstanden die von den Fans so sehr geliebten Horrorfilme der Hammer Studios, auf dem europäischen Festland war es vor allem Italiens Cinecitta, die u. a. mit den Filmen Mario Bavas für Furore sorgte.

Es war die Hochzeit des Gothic-Horror. Die Handlungen spielten in der Regel im 18. Jahrhundert. Die American International Pictures konnten sich auf Vince Price als ihren Stammschauspieler verlassen. Gelegentlich übernahmen auch Peter Lorre, Boris Karloff und Barbara Steele eine Rolle. Technicolor sorgte für satte Farben, die heute genauso faszinieren wie damals. Der Unterschied zu den europäischen Filmen lag in den Darstellungen von Gewalt und Sex. Während in den USA stets nur angedeutet wurde, wagten sich Hammer und Co. an durchaus provokante Szenen heran. Als die AIP-Produzenten James H. Nicholson und Samuel Z. Arkoff nach Italien fuhren, um sich dort über die Machart italienischer Horrorfilme zu informieren, sollen beide schier erstaunt gewesen sein über die freizügige Art der Darstellung.

Ein Beispiel dieser Freizügigkeit ist „La frusta e il corpo“ aus dem Jahr 1963, der in Deutschland unter dem Titel „Der Dämon und die Jungfrau“ in den Kinos lief. Regie führte Mario Bava, dessen Einfluss auf den Horrorfilm bis heute anhält. Bava, der eigentlich Maler werden wollte, setzte seine malerischen Fähigkeiten stets in wunderbaren Farbspielen um, die seine Filme zu wahren Kunstwerken machen. Erst vor kurzem wird sein Werk auch von etablierten Filmkritikern ernst genommen, davor galt Bavas Oeuvre als trivial, was zur Folge hatte, dass sich lange Zeit niemand damit beschäftigte.

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Kurt Menliff (Christopher Lee) schwingt gleich die Peitsche. In: „Die Jungfrau und die Peitsche“ (1963).

In seinem Film „Die Jungfrau und die Peitsche“ setzte Mario Bava alle Register. Es handelt sich im Grunde genommen um eine Familiengeschichte. Kurt Menliff wurde von seinem Vater verstoßen, da er eine Beziehung zu einem Dienstmädchen hatte. Nach Jahren kehrt Kurt wieder in das alte Schloß der Menliffs zurück. Während sein Bruder Christian als auch sein Vater über die Rückkehr bestürzt sind, entwickelt Christians Frau Nevenka ganz andere Gefühle. Kurt merkt schnell, dass Nevenka daran leidet, dass sie ihre Sexualiät nicht ausleben kann. Zwischen beiden entwickelt sich eine heimliche Beziehung, die bestimmt ist von sado-masochistischen Praktiken. Später wird Kurt ermordet aufgefunden. Von da an geschehen auf dem Schloß unheimliche Dinge. Die Bediensteten glauben, dass Kurt von den Toten zurückgekehrt ist, um Rache zu nehmen.

Die sexuellen Anspielungen in „Die Jungfrau und die Peitsche“ waren so direkt, dass der Film zunächst nur für Erwachsene freigegeben wurde. Die Folge davon war, dass Mario Bava den Film kürzen musste. In Deutschland wurde versucht, die SM-Thematik ganz unter den Tisch fallen zu lassen, was dazu führte, dass die Auspeitschszenen aus dem Film genommen wurden. Erst vor ca. zehn Jahren erschien zum  ersten Mal eine ungeschnittene Fassung des Films auf DVD. In der Tat lässt einen Bavas Umsetzung von Nevankas Lust auf Schmerz auch heute noch erstaunen. Die Szenen, in der sich Nevanka unter den Peitschenhieben Kurt Menliffs lustvoll rekelt, haben es durchaus in sich.

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Nevanka (Daliah Lavi) während einer „SM-Sitzung“. Schön zu sehen: Bavas Spiel mit den Farben. „Die Jungfrau und die Peitsche“ (1963).

Gespielt wurde Nevanka von dem israelischen Fotomodel Daliah Lavi, die hier in ihrer mit Sicherheit sinnlichsten Rolle zu sehen ist. Christopher Lee übernahm die Rolle des Kurt. Wie oben bereits angedeutet, ist „Die Jungfrau und die Peitsche“ nicht nur ein Horrorfilm. Es handelt sich zugleich um ein prächtiges Farbenspiel, in dem Bava wie ein Maler auf einer Palette das farbige Licht der Scheinwerfer mischt. So gibt es nicht nur satte Rotfarben, sondern wunderbare Blau- und Violetttöne sowie unterschiedliche Variationen von Grün.

„Die Jungfrau und die Peitsche“ veranschaulicht, dass Horrorfilme keineswegs trivial sind, sondern diese vielmehr eine Kunstform darstellen – eine spezielle Form innerhab der Filmkunst. Bavas Schüler war u. a. Dario Argento, der 1978 mit „Suspiria“ seinem Meister huldigte. Böse Zungen behaupten, dass Bava den Film teilweise mitgedreht habe. Doch Belege dafür gibt es nicht. Sicher ist nur, dass Bava das Horrorfilmgenre sehr stark beeinflusste. Sein Einfluss reicht bis nach Südkorea. So ist z.B. „A Tale of two Sisters“ (2004) eine klare Verneigung von Regisseur Kim Jee-Won vor dem italienischen Meister.

 

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Man sollte nie einen Film anhand seines Trailers kritisieren. Trailer sind nichts anderes als von darauf spezialsierten Agenturen gefertigte Werbefilmchen. Ein schlechter Film kann einen guten Trailer haben und umgekehrt. Bei „Ghostbusters 3“ lag die Spannung jedoch ziemlich weit oben – und zwar im Hinblick darauf, was aus dem Projekt nun gemacht wurde.

Wir erinnern uns, dass Bill Murray nie einen dritten Teil haben wollte, im Gegensatz zu Dan Aykroyd, der unbedingt einen dritten Teil drehen wollte. Dann aber überschlugen sich beinahe die Nachrichten, dass nun doch ein dritter Teil gedreht werden würde. In Sachen Besetzung tauchten immer wieder neue Meldungen auf, bis schließlich klar war, dass die eigentlichen „Ghostbusters“ nicht mitspielen werden. Stattdessen wurde ein Frauenensemble vorgestellt, was sehr viele Fans enttäuschte.

Der Grund war folgender: Als Murray den ersten Drehbuchentwurf gelesen hatte, soll er gemeint haben, dass niemand alte Männer sehen möchte, die Geistern hinterher jagen. Nun, da hat er sich sicherlich getäuscht. Denn z.B. funktioniert die „Expendables“-Serie genau aus dem Grund, da dies die Zuschauer sehen möchten. Was folgte, war ein sonderbares Marketing. Es wurden über lange Zeit lediglich ein, zwei Setfotos gezeigt. Tweets von der alten Garde wurden durchs Netz gejagt, in denen sie beteuerten, dass die Schauspielerinnen (in den USA bekannte Comedians) ihre Arbeit sehr gut machen würde. Alles klang überaus verkrampft und irgendwie unecht, so als hätten die Macher schon während des Drehs Angst gehabt, der Film könne ein finanzielles Desaster werden.

Und nun der erste Trailer. Was man sieht, ist ein Neuaufguß – ein sog. Reboot -, der im Grunde genommen nichts Neues bietet. Die angedeutete Story orientiert sich sehr stark an dem Originalfilm, die Gags zum Teil ebenfalls, sodass sie in der neuen Version ihren Reiz verloren haben und eher langweilen. Was ebenfalls zu sehen ist, ist, dass man einfach auf mehr Effekte setzte, um mehr Bewegung und mehr Farben ins Bild zu bringen. Die Farben orientieren sich hierbei ebenfalls an dem Original. Auch die Musik ist wieder dieselbe.

Während der Produktion kam auch ein kritischer Kommentar von Rick Moranis auf, der sagte, dass er nicht mitpsielen werde, da er bereits den zweiten Teil für schlecht gefunden habe. Sicher ist schon jetzt, dass Murray durch sein Gezicke dem Projekt wahrscheinlich einen Bärendienst erwiesen hat. Andererseits war in einem Artikel der TIME zu lesen, dass Filme, in denen hauptsächlich Frauen mitspielen, mehr Umsatz erzielen würden. – Man darf also gespannt sein, wie die Zuschauer auf den dritten Teil reagieren werden. Auf Youtube hat der Trailer des Reboots jedenfalls doppelt soviele negative Bewertungen wie positive.

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sequenzen6Apokalypsen müssen einem im filmischen Sinne nicht unbedingt ins Auge springen. Es gibt auch leisere Töne. Dabei handelt es sich um Filme, die man beim ersten Ansehen nicht einmal ansatzweise als endzeitlich bezeichnen würde. Dennoch gehört auch diese Art des visuellen Untergangs in den Bereich der fiktiv-globalen Katastrophe.

Die eigentliche Handlung dieser Filme verläuft meistens nicht nach dem Schema des gängigen Katastrophenfilms und hat auch nichts mit Zombies oder Außerirdischen zu tun. Ihnen gelingt es, in kurzen Sequenzen, welche manchmal nicht einmal eine Minute dauern, auf eine Apokalypse aufmerksam zu machen, auf eine weltweite Katastrophe, welche durch das Handeln der Protagonisten ausgelöst wird. Um ein Beispiel vorweg zu nehmen: „Planet der Affen: Prevolution“ gelingt es, nach dem Fade Out, sozusagen als Verzierung des Nachspanns, ein globales Virenverbreitungsschema zu skizzieren. Das Schema überlässt die damit verbundene Katastrophe voll und ganz der Fantasie der Zuschauer. Der Untergang der Menschheit ist damit besiegelt. Wir haben also eindeutig eine apokalyptische Sequenz vor uns.
Eine Darstellung solcher Sequenzen ist wohl oder übel damit verbunden, dass man die Pointe eines Films verraten muss. Aus filmtheoretischer Sicht stellt dies im Grunde genommen kein Problem dar. Leser, die befürchten, ich würde ihnen den Spaß an einem der Filme verderben, sollten jedoch jetzt aufhören zu lesen. Allen anderen wünsche ich weiterhin viel Spaß.

sequenzen1Auf der Suche nach weiteren apokalyptischen Sequenzen stößt man früher oder später auf „Donnie Darko“. Er ist nicht weniger ein Endzeitfilm wie diejenigen Produktionen, welche mit viel Geld virtuelle Häuser und Brücken einstürzen lassen. Das viel diskutierte Werk, in dem es um einen Jungen geht, der vergeblich nach Sinn und Orientierung sucht und schließlich dazu auserchoren wird, die Welt vor dem Untergang zu retten, weist jedoch nur in einer wenige Sekunden dauernden Sequenz gegen Ende des Films konkret auf den Untergang hin. In dieser kurzen Szene sitzt Donnie auf der Kühlerhaube seines Autos und blickt hinaus in die Ferne. Dabei sieht er Wolken, welche seltsame Rüssel formen. Die Sequenz endet mit dem Satz: „Ich gehe jetzt nach hause.“ Natürlich stellt sich hierbei die Frage, was Donnie mit diesem „nach hause“ meint. Bis heute wird darüber eifrig gestritten, wobei immer wieder der Begriff Paralleluniversum fällt.

sequenzen2Sein Quasi-Sequel „S. Darko“, der handwerklich hervorragend, thematisch jedoch völlig überflüssig ist, wird konkreter. Der Film erzählt die Geschichte von Donnies jüngerer Schwester, die zusammen mit ihrer Freundin ausgebüchst ist und in einem kleinen Ort mit rätselhaften Erscheinungen konfrontiert wird. Wiederum geht es um den Untergang der Menschheit, doch nicht in Form einer Wolke, sondern in Form eines sonderbaren Meteoritenschauers, der am Ende des Films herabregnet. Diese Sequenz, die zugleich den Höhepunkt des Films darstellt, ist ein klein wenig aufwendiger als Donnie Darkos schlichte Beobachtung. Die Zuschauer werden Zeuge eines fast schon altestamentarisch-prophetischen Weltuntergangs, in welchem Steine vom Himmel regnen. Das kommt nicht von ungefährt, spricht der Film doch in Ansätzen auch religiöse Fragestellungen an. Eine weitere apokalyptische Sequenz also.

Die beiden „Darko“-Filme waren noch nicht alles, was es zu diesem Thema zu sagen gibt. Ziehen wir uns etwas wärmer an und besuchen wir die Arktis, die sich ja immer wieder dafür eignet, um eine unheimliche Bedrohung auf die Menschheit loszulassen, besonders in Zeiten des Klimawandels. Die beiden Filme „Frozen“ und „The last Winter“ erzählen im Grunde genommen dieselbe Geschichte. Es geht um eine Forschungsstation, in deren Nähe durch das Auftauen des Eises uralte Viren bzw. Lebewesen freigesetzt werden, welche nicht nur die Forscher, sondern die gesamte Menschheit bedrohen. Die Umsetzung der Grundidee ist in beiden Filmen natürlich verschieden. Ersterer ist ein Actionfilm, der zweite ein Drama. Bei beiden handelt es sich jedoch ebenfalls um Endzeitfilme. Das merkt man ihnen zunächst nicht an. Doch ein Blick auf die entsprechenden Szenen drücken ihnen eindeutig das Merkmal Apokalypse auf.

sequenzen3Bei „Frozen“ befindet sich diese Sequenz gleich am Anfang. Wir sehen einen Zusammenschnitt von Nachrichtenbildern, in denen Ausschreitungen und Gewaltexzesse zu sehen sind, welche eine Welt veranschaulichen sollen, die kurz davor steht, im Chaos zu versinken. Die Bilder nehmen die Pointe des Films vorweg, denn die eigentliche Handlung erzählt, wie es zu diesen chaotischen Zuständen gekommen ist. Auch hier haben wir somit einen Endzeitfilm vor uns. Die Viren, welche durch das Schmelzen des Eises frei werden, verbreiten sich durch die Mechanismen der Globalisierung auf der ganzen Welt. Das bedeutet, wie die Anfangssequenz veranschaulicht, nichts Gutes für die Menschheit.

glasseyepix2Dem schließt sich „The last Winter“ des New Yorker Independentregisseurs Larry Fassenden an, dessen apokalyptische Sequenz aus den letzten Sekunden des Films besteht, auch wenn es hier mehr um bizarre Kreaturen und weniger um Viren geht, welche durch die Klimaerwärmung aus dem Eis schlüpfen. Die letzte Überlebende einer Katastrophe, die sich in einer Polarstation abgespielt hat, erwacht in einem Krankenhaus. Da sich keiner in dem Gebäude befindet, tritt sie hinaus auf die Straße. Leere Gebäude und das Geheul sonderbarer Kreaturen stehen als Metonymie für eine gerade ablaufende Apokalypse. Damit endet der Film. Wiederum bleibt es der Fantasie der Zuschauer überlassen, was nun wohl oder übel mit dem Rest der Menschheit geschieht.

sequenzen4Zum Schluss noch zwei Beispiele aus Japan. Das eine stammt aus den 60er Jahren, das andere entstand kurz nach der Jahrtausendwende. Ende der 60er Jahre drehte Hajime Sato den Trash-Klassiker „Goke – Vampir aus dem Weltall“. Es geht darin um ein Flugzeug, das von einem UFO gestreift wird und kurz darauf abstürzt. Die Überlebenden sehen sich einer neuen Gefahr gegenüber: einem außerirdischen Vampir. Interessant für uns ist wiederum die Schlusssequenz des Films. Einer Frau, welche den Aspekt des „Final Girl“ aus den 70er und 80er Jahren vorwegnimmt, gelingt es, sich vom Ort des Geschehens zurück in die Zivilisation zu kämpfen. Dort angekommen, veranschaulicht durch eine Raststätte, muss sie erkennen, dass der Vampir (eine Art Virus) bereits ganze Arbeit geleistet hat. Der Ort ist voller Leichen, leere Autos stehen chaotisch auf der Straße. Auch diese Sequenz ist als Symbol für den Untergang der Menschheit zu verstehen, veranschaulichen die Bilder doch eine Welt, die im Chaos untergegangen ist. Unserer Heldin kommt damit die Rolle als letzter Mensch zugute.

sequenzen5Der zweite Film lautet „Ju-On – The Grudge“ und ist, jedenfalls in seiner Schlusssequenz, nicht weniger ein Endzeitfilm. Der Mitbegründer des modernen japanischen Horrorfilms Shimizu Takashi erzählt darin in seiner gewohnt verschachtelten Episodenform die Geschichte eines Geisterhauses, dessen Bewohner allesamt spurlos verschwinden. Man kann sich natürlich fragen, was das jetzt mit dem Thema Endzeit zu tun haben soll. Takashi liefert in den wenigen Sekunden vor Schluss eine Art weiträumigere Perspektive, welche nicht mehr das Haus zeigt, sondern eine leere Straße. An Bretterwänden hängen unzählige Bilder von Vermissten. Kein einziger Mensch ist mehr zu sehen. Herum liegende Blätter veranschaulichen, dass es niemanden mehr gibt, der für Ordnung und Sauberkeit sorgt. Wiederum stehen wir hier dem Symbol oder der Metonymie einer Welt gegenüber, in der die Menschheit nicht mehr existiert.

Filmische Apokalypsen müssen nicht immer mit Pauken und Trompeten daherkommen. Es gibt, wie gerade gezeigt, auch Filme, welche eine Endzeit lediglich andeuten. Solche Filme fristen im Hinblick auf ihren Endzeitcharakter ein beinahe unerkanntes Dasein zwischen den Zombieballer- und eindeutig klassifizierbaren Katastrophenfilmen, da sie zwar in verschiedene Kategorien gestopft, aber als Endzeitfilme nicht wahrgenommen werden.
Aber aus welchem Grund beschränkt ein Regisseur den endzeitlichen Aspekt auf eine einzige Sequenz? Als Antwort könnten zwei Möglichkeiten in die engere Auswahl kommen. Ein wesentlicher Grund dürfte sein, dass das Budget nicht ausreichte, um etwas Größeres und Beeindruckenderes in Szene setzen zu können. So sind die oben skizzierten Filme allesamt Low-Budget-Produktionen. Ein anderer Aspekt dürfte ästhetische Gründe haben, besonders bei Filmen, bei denen die Endzeitsequenzen am Schluss des Films eingefügt sind. Jeder Regisseur sucht nach einem Bild, das sein Werk abschließt und in der Erinnerung des Zuschauers noch längere Zeit nachhallt. Sequenzen, in denen eine globale Bedrohung symbolhaft dargestellt wird, scheinen dafür äußerst geeignet zu sein. Doch welche wirtschaftlichen oder ästhetischen Gründe diese Sequenzen auch haben mögen, auf jeden Fall haftet ihnen ein eigener Sinn an. Denn es geht um den Verlust von Kontrolle, der dazu führt, dass sich eine begrenzte Gefahr global ausweiten und damit die Menschheit insgesamt bedroht. Und somit schließt sich der Kreis: denn es handelt sich dabei schlicht und ergreifend um Apokalypsen.

Der Artikel erschien zuvor in dem eMagazin Phantast 6: Apokalypsen unter demselben Titel. Autor: Max Pechmann.

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kinoFür diverse Filmproduzenten war youtube lange Zeit ein Dorn im Auge. Nun scheint allerdings im gewissen Sinne ein Umdenken vonstatten zu gehen. Der Grund ist folgender: Produktionfirmen vertreiben und stellen nicht nur Filme her, sondern sitzen zusätzlich auf einem großen Berg alter Filme, sogenannter Filmarchive oder Kinotheken, die zum großen Teil natürlich aus ihren eigenen Filmen bestehen, aber auch Filme beinhalten, die von übernommenen Firmen stammen oder von Firmen, die längst bankrott gegangen sind.

In Südkorea wird z. B. eine Vielzahl von Filmen aus den 60er, 70er und 8oer Jahren vom Korean Film Intsitute verwaltet. Seit ein paar Jahren stellt das Institut diese Filme in remasterter Qualität auf youtube. Natürlich sind diese Filme auch auch DVD erhältlich, doch kosten diese dann in etwa 5 Euro. Das Geld fließt zurück in die Arbeit des Intsituts.

Ähnlich verhält sich das British Film Intsitute, das sich allerdings auf Filme spezialisiert hat, die aus den Anfängen des Filmemachens stammen und diese in ebenfalls remasterter Qualität auf youtube zur Verfügung stellt.

Nun aber gehen auch größere Produktionsfirmen dazu über, ihre Klassiker und Filme, die in den Archiven vor sich hinstauben, nach und nach auf youtube hochzuladen. Den Anfang machte vor ein paar Wochen die englische Produktionsfirma Hammer Films, die Horrorfilme und Thriller vor allem aus den 50er Jahren in bester Qualität hochlädt.

Seit einiger Zeit folgt auch Paramount dieser Möglichkeit, alte Filme einem Publikum wieder zur Verfügung zu stellen. Das Besondere bei Paramount ist, dass die Spannbreite der hochgeladenen Filme von den 30ern bis in die 2000er reicht. Unter anderem sind dort Krimiklassiker wie „Gangs of New York“ aus dem Jahr 1938 oder 80er Jahre Fantasy wie „Masters of the Universe“ (1987) kostenlos anzuschauen. Man kann sagen, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Für Deutschland ist das Angebot allerdings eingeschränkt, das heißt, nicht alle Filme können auch in Deutschland gesehen werden. Ob sich dies ändern wird, bleibt abzuwarten.

Es bleibt ebenfalls abzuwarten, ob auch andere Firmen wie 20th Century Fox oder MGM diesem Trend folgen werden. Die Wahrscheinlichkeit aber besteht.

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