The 80s: Die dreibeinigen Herrscher (1984)

Wer Science Fiction liest, kennt John Christopher. Zwischen den 60er und 80er Jahren war der englische Autor aus dem Bereich der Kinder- und Jugendbücher nicht wegzudenken. Mit seinen Werken prägte und beeinflusste er viele andere Autoren und gilt nicht nur aufgrund seiner Trilogie über die Dreibeinigen Herrscher als Klassiker des Genres. Seine Zukunftsszenarien sind überaus düster, sein Menschenbild sehr pessimistisch. Doch gerade das macht seine Werke so interessant und faszinierend. Seine Bücher sind nicht nur spannend, sondern rütteln auf.

In vielen Büchern von John Christopher sind die Gesellschaften der Zukunft zurück in eine Form des Feudalismus gefallen. Technische Errungenschaften sind in Vergessenheit geraten. Die Menschen betreiben in der Hauptsache Landwirtschaft und einfaches Handwerk. Aberglaube und Traditionen beherrschen das Leben. Das Wissen über die menschliche Vergangenheit ist abhanden gekommen.

Diese Charakteristik trifft auch auf „Die dreibeinigen Herrscher“ zu. Die Trilogie (später kam ein Prequel als vierter Band hinzu) erschien bereits Ende der 60er Jahre. Zwanzig Jahre später verfilmte die BBC die Romane als Fernsehserie. Auch die Serie entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zum Kult.

Die Menschheit wird von Außerirdischen beherrscht, die in riesigen dreibeinigen Maschinen durch die Lande ziehen. Sie kontrollieren die Menschen durch Chips, die jeder Person auf dem Kopf befestigt wird. Dadurch erfahren die Menschen eine Art Gehirnwäsche. Sie glauben fest daran, dass die Anwesenheit der Außerirdischen gut für die Menschheit ist. In der Tat gibt es seit der Besatzung keine Kriege mehr. Als der Junge Will Parker und sein Cousin Henry kurz vor der Weihung stehen (also kurz bevor sie den Chip erhalten sollen), stellen sie sich immer mehr Fragen über den Sinn dieses Ritus. Sie erfahren, dass es auch Menschen gibt, die nicht geweiht wurden und in Freiheit in einem Gebiet leben sollen, das die Weißen Berge genannt wird. Will und Henry beschließen daraufhin, dorthin zu fliehen, um somit ihrem eigentlichen Schicksal zu entgehen. Die Reise erweist sich jedoch als äußerst gefährlich.

Die dramaturgische Umsetzung der Romane von John Christopher ist einwandfrei gelungen. Die Kulissen sind hervorragend, die Effekte für eine damalige Fernsehserie überdurchschnittlich. Jeder Teil kreiert eine extrem dichte Atmosphäre und ist spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Überaus detailliert liefert die Serie ein unheimliches Zukunftsszenario.

Zu den beeindruckensten Szenen gehört sicherlich der Aufenthalt von Will und Henry in Paris, das – wie auch alle anderen Großstädte auf der Welt – von den Außerirdischen völlig zerstört wurde. Hier wird zum Teil „Der Omegamann“ zitiert, andererseits spiegeln sich hier die Ängste vor einem atomaren Kahlschlag wider.

Wer die Romane bereits kennt, sollte sich auf jeden Fall auch die TV-Adaption ansehen. Hier wurde keine Mühe gescheut, um eine erstklassige SF-Serie hinzubekommen. Nicht nur ein Klassiker, sondern ein Meilenstein der TV-Geschichte.

Die dreibeinigen Herrscher (OT: The Tripods) Regie: Christopher Barry u. a., Drehbuch: Christopher Penfold, Produktion: Richard Bates, Darsteller: John Shackley, Jim Baker, Ceri Steel. England 1984

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Die Klunkerecke: Knight Moves – Ein mörderisches Spiel (1992)

Bereits 1984 wurde der Schweizer Regisseur Carl Schenkel für seinen Thriller „Abwärts“ mehrfach ausgezeichnet. Seitdem ist er dem Thriller-Genre treu geblieben und drehte 1992 seinen bis dahin erfolgreichsten Film „Knight Moves – Ein mörderisches Spiel“.

Es geht darin um den Schachmeister Peter Sanderson, der verdächtigt wird, seine Geliebte ermordet zu haben. Während sich Sanderson auf sein nächstes Tournier vorbereitet, geschehen um ihn herum weitere unheimliche Morde, wobei die Polizei an den Tatorten sonderbare Botschaften entdeckt. Schließlich wird Sanderson selbst bedroht …

Mit „Knight Moves“ gelang Carl Schenkel ein überaus spannender, stark atmosphärischer Thriller, der einen von der ersten bis zur letzten Sekunde in seinen Bann schlägt. Gleich der Prolog des Films, in dem zwei Kinder Schach spielen, hat es in sich, vor allem, da Schenkel auch auf eine intensive Geräuschkulisse setzt, welche den Gruselfaktor des Films nochmals verstärkt.

Den ganzen Film über herrscht eine düstere, fast schon kalte Atmosphäre, die Christopher Lambert hervorragend in seine Rolle als Peter Sanderson überträgt. Denn was Sanderson für den Ermittler Frank Sedman so verdächtig macht, ist, dass Sanderson die Morde irgendwie kalt lassen, nicht einmal dann, wenn er von dem Mord an seiner Geliebten erfährt, mit der er vor wenigen Stunden geschlafen hat. Daraus ergibt sich ein zusätzlicher Spannungsfaktor, denn als Zuschauer stellt man sich unweigerlich die Frage, ob vielleicht Sanderson der Täter ist.

In seiner Machart erinnert „Knight Moves“ an die Thriller von Brian de Palma, wobei hier und da auch Aspekte des von Mario Bava und Dario Argento geprägten Giallo zu erkennen sind. Carl Schenkel entwickelt aus beiden Elementen einen durchaus eigenen Stil, der dem Film eine düster-unheimliche Ästhetik verleiht, die durch eine tolle Optik und ein wunderbares Spiel aus Licht und Schatten geprägt ist.

„Knight Moves“ ist nicht nur ein packender Thriller, sondern zugleich so etwas wie ein heimlicher Klassiker aus den 90ern. Ansehen lohnt sich.

Knight Moves – Ein mörderisches Spiel. Regie: Carl Schenkel, Drehbuch: Brad Mirman, Produktion: Jean Luc Defait, Darsteller: Christopher Lambert, Tom Skerritt, Diane Lane, Daniel Baldwin, Arthur Brauss, Ferdy Mayne. Deutschland/USA 1992, 108 Min.

 

 

 

The 80s: A Chinese Ghost Story (1987)

Das Aufsehen war groß, als 1987 mehrere Artikel über den chinesischen Spielfilm „A Chinese Ghost Story“ in den damaligen Phanastik-Magazinen erschienen. Bisher war man ja nur Kung Fu-Filme aus der damaligen britischen Kolonie gewöhnt. Doch mit der Mischung aus Fantasy, Horror und Liebesfilm schlugen die dortigen Filmstudios ein neues Kapitel des phantastischen Films auf.

„A Chinese Ghost Story“ von Regisseur Ching Siu-Tung basiert auf klassischen chinesischen Geistergeschichten aus dem 17. Jahrhundert. Speziell wird hierbei immer wieder der Autor Pu Sonling (1640 – 1715) genannt, der diese unheimlichen Legenden und Geschichten sammelte und in einem Band veröffentlichte.

In dem Film geht es um den jungen und etwas naiven Schuldeneintreiber Ling, der bei einem Unwetter in einen verlassenen Tempel flüchtet. Während er versucht, das durch den Regen zerstörte Schuldenbuch wieder zu trocknen, vernimmt er auf einmal wunderschöne Klänge, die vom Ufer des in der Nähe liegenden Sees herkommen. Ling möchte der Sache auf den Grund gehen und trifft dort die hübsche Siu Sin, die jedoch ein Geist ist und den Auftrag hat, einem alten Baumdämon männliche Opfer darzubringen. Siu Sin aber verliebt sich in den Schuldeneintreiber und versucht, ihn vor dem Dämon zu schützen …

Der Film ist längst ein Klassiker des Hong Kong-Kinos und nicht weniger ein Klassiker des Fantasy-Films. Mit einer ungeheuren Farbenpracht inszenierte Ching Siu-Tung, der zu den wichtigsten chinesischen Regisseuren zählt, ein furioses Grusel-Abenteuer, das von Szene zu Szene mit immer spektakuläreren Ideen und Effekten aufwartet.

Zwar steht eindeutig die Action im Vordergrund, doch legte Ching genauso Wert darauf, die besondere Atmosphäre der klassischen Geistergeschichten beizubehalten. Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass diese unheimlichen Erzählungen aus dem 17. Jahrhundert zugleich Liebesgeschichten sind, woraus sich eine ganz spezielle dichterische Komposition ergibt. Genau diese findet sich auch in „A Chinese Ghost Story“ wieder, wenn sich Ling und Siu Sin ineinander verlieben. Denn die Frage ist ja, kann eine solche Beziehung überhaupt gut gehen?

Auf diese Weise schleicht sich in das wilde Geschehen eine sanfte Melancholie, welche den gesamten Film bestimmt. Mit jeder Menge Spezial- und Puppeneffekten erweckt Ching dabei ganze Geisterheere zum Leben oder lässt den bösartigen Baumdämon sein Unwesen treiben. Kurz: mit „A Chinese Ghost Story“ gelang dem Regisseur ein wundervoller Film, der später Filme wie „Bram Stokers Dracula“ beeinflussen sollte.

Ching Siu-Tung drehte Anfang der 90er Jahre zwei Fortsetzungen, wobei der dritte Teil eindeutig der schwächste der Trilogie ist und im Grunde genommen eher halbherzig die Geschichte des Originalfilms wiedergibt. 2011 wurde ein Remake produziert, dass ebenfalls nicht die Qualität des Klassikers erreicht. „A Chinese Ghost Story“ jedoch ist und bleibt einer der faszinierendsten und witzigsten Fantasyfilme, die in diesem Bereich jemals gedreht wurden.

A Chinese Ghost Story. Regie: Ching Siu-Tung, Drehbuch: Yun Kai-Chi, Produktion: Tsui Hark, Darsteller: Leslie Cheung, Joey Wong, Wu Ma,

 

Professor Marston and the Wonder Women (2017)

Der Titel des Films klingt wie der Titel eines Comichefts. Und das soll auch so sein, denn bei dem Protagonisten von „Professor Marston and the Wonder Women“ handelt es sich um den Erschaffer einer der prägendsten Comicfiguren der Popkultur: Wonder Woman.

Regisseurin Angela Robinson geht in ihrem Biopic den Spuren des US-amerikanischen Psychologiedozenten nach, der eine neue Verhaltenstheorie entwickelte, welche er später in seine legendären Comics einbaute. Ebenso war Marston zusammen mit seiner Frau Elizabeth, die ebenfalls als Psychologin an der Uni arbeitete, Erfinder des Lügendetektors, der als „Magisches Lasso“ in den „Wonder Woman“-Comics auftauchen sollte.

Marston lebte einen besonderen Lebenstil, der damals wie heute sämtliche Tabus brach. Er lebte mit zwei Frauen zusammen: mit seiner oben genannten Frau und mit der Studentin Olive Byrne, in die er sich verliebte. Daraus entwickelte sich eine bisexuelle Dreiecksbeziehung, da auch Elizabeth Gefühle für Olive entwickelte – und umgekehrt.

Trotz aller gesellschaftlichen Widerstände, blieben die drei ihrer besonderen Beziehung treu. Um diese Beziehung herum beschreibt Angela Robinson die Entstehungsgeschichte von Wonder Woman, die 1941 zum ersten Mal als Comicfigur in Erscheinung trat. Olive Byrne soll Marston bei der Entwicklung der Figur als Inspirationsquelle gedient haben. Sehr schön setzt dies Robinson um, als alle drei bei einer geheimen Lingerie-Schau teilnehmen und Olive in einer Art Protoversion des Wonder Woman-Kostüms auf der Bühne erscheint.

Der Film besitzt eine stark sinnliche Aura, doch ist das eigentliche Thema, um das es Angela Robinson geht, Toleranz. Toleranz gegenüber anderen Lebensformen, anderen Lebensplanungen und anderen Weltansichten. An einer solchen Toleranz mangelte es damals und mangelt es nicht weniger heute. So beginnt der Film auch damit, das Frauen eine Art Bücherverbrennung abhalten, indem sie Comics ins Feuer werfen – was damals in den USA tatsächlich geschehen ist. Denn vor allem die „Wonder Woman“-Comics galten damals als vollkommen unmoralisch.

Die Figur Wonder Woman wird dadurch nicht als bloße Superheldin stilisiert, sondern vielmehr als ein Symbol für eine wünschenswerte Utopie: eine Gesellschaft, in der jeder so leben kann wie er möchte. Doch ist es eben die nicht vorhandene Toleranz auch in den modernen Gesellschaften, die eine solche Utopie als Tagträumerei erscheinen lassen.

„Professor Marsten and the Wonder Women“ ist ein eher ruhiger Film, der bewusst auf überkandidelte Dramatik verzichtet, sondern lieber in leisen, aber dennoch bemerkenswerten Tönen eine faszinierende und durchaus auch spannende wahre Geschichte erzählt. – Sehr sehenswert.

Professor Marston and the Wonder Women. Regie u. Drehbuch: Angela Robinson, Produktion: Amy Redford, Darsteller: Luke Evans, Rebecca Hall, Bella Heathcote, Maggie Castle, JJ Feild. USA 2017, 109 Min.

Ghost in the Shell (2017)

Wenn der Manga-Adaption „Ghost in the Shell“ von Kritikern eines vorgworfen wurde, dann Seelenlosigkeit. Aber kann man das denn überhaupt als Vorwurf gelten lassen? Schließlich geht es um Maschinen, zwar um „beseelte“ Maschinen, aber eben um Maschinen. Und die Gradwanderung zwischen dieser Form einer mechanischen Seelenlosigkeit und dem Versuch, in der Maschine so etwas wie eine Seele zu finden, erarbeitet der Film eigentlich recht gut.

Dies liegt auch daran, da der Film die speziellen Begriffe des Mangas übernimmt und dadurch auch Masamune Shirows Grundideen einwebt, auch wenn die Figuren nicht immer dieselbe Hintergrundgeschichte besitzen wie in der Vorlage. Natürlich reicht die Umsetzung dieser Thematik nicht an „Blade Runner 2049“ heran, der regelrecht darüber meditiert. In diesem Punkt setzt „Ghost in the Shell“ dann doch zu sehr auf Action, was dazu führt, dass es so scheint, als würde das eigentliche Thema der Identitätsfindung an den Rand gedrängt werden.

Doch hat es eben nur den Anschein, denn Sanders arbeitet auch zwischen den Zeilen, sodass Gesten, Blicke und kurze Situationen zu Symbolen werden, in denen sich die Suche nach einer Maschinenseele widerspiegelt. „Ghost in the Shell“ ist ein durch und durch gelungener SF-Film, der sich einerseits am Cyberpunk der 80er Jahre orientiert, andererseits versucht, eine bessere Version von Luc Bessons „Lucy“ zu sein. Der Film ist durch und durch interessant, das Setdesign faszinierend und auch die Spannung kommt keineswegs zu kurz.

Doch egal, wie man es auch betrachtet, dem Film nutzte weder der Versuch einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Maschine/Seele noch die gut dargestellte Action. „Ghost in the Shell“ floppte. Sehenswert ist der Film auf jeden Fall.

Ghost in the Shell. Regie: Rupert Sanders, Drehbuch: William Wheeler, Jamie Moss, Produktion: Avi Arad, Darsteller: Scarlett Johansson, Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche, Michael Pitt. USA 2017, 106 Min.

 

 

 

The 80s: Das schwarze Loch (1980)

Gut, hier schummeln wir ein wenig. Denn „Das schwarze Loch“ wurde 1979 produziert. Eigentlich hätte der Beitrag daher besser in unsere Reihe „Die Klunkerecke“ gepasst. Doch dann fiel uns auf, dass der Film im Herbst 1980 in die deutschen Kinos kam. Und schon hatten wir einen neuen Beitrag für unsere Reihe „The 80s“. :)

Durch den Erfolg von „Star Wars“ erhofften sich auch die Walt Disney Studios, eine Stange Geld machen zu können. Doch ging bei der überteuerten Produktion der Schuss nach hinten los. „Das schwarze Loch“ floppte. Inzwischen jedoch gilt der Film als Klassiker des SF-Genres.

In dem Film stößt die Mannschaft des Forschungsschiffs Palomino in unmittelbarer Nähe eines schwarzen Lochs auf das verschollen geglaubte Raumschiff Cygnus. Zunächst scheint es, als befände sich niemand an Bord. Doch dann begegnen Captain Dan Holland und seine Crew einer Armee aus Robotern, die von dem Wissenschaftler Hans Reinhardt befehligt werden. Sein Plan: mit der Cygnus in das schwarze Loch zu fliegen, um damit eines der größten Rätsel des Weltalls zu lösen …

„Das schwarze Loch“ fasziniert immer wieder aufs Neue. So ist vor allem das kolossale Raumschiff Cygnus unglaublich beeindruckend. Und kolossal war es wirklich, denn das Modell besaß eine Länge von knapp vier Metern und ein Gewicht von beinahe 80 Kilogramm, was es zum schwersten Raumschiffmodell der Filmgeschichte machte. Der Film nutzt dies dann auch durch elegante und nicht weniger faszinierende Kamerafahrten, die das düstere Schiff in seiner ganzen gewaltigen Konstruktion zeigen, konsequent aus.

Nicht weniger faszinierend sind die Spezialeffekte, die speziell für „Das schwarze Loch“ entwickelt wurden und dabei durch neue Blue Screen-Verfahren den bisherigen Effekten einen großen Schritt voraus waren. Das rotierende schwarze Loch im Hintergrund mit seinen blauvioletten Farben fungiert dabei regelrecht als Eyecatcher. Es erscheint durch die Fenster der Cygnus in der Tat wie eine gigantische Erscheinung mitten im Sternenmeer, fast schon wie ein unerklärliches Monster.

Während der Film eher geheimnisvoll und ein wenig unheimlich beginnt, so ist die zweite Hälfte des Films geprägt von wilder Action, wobei hier eine der berühmtesten Szenen des SF-Genres geschaffen wurde. Nämlich diejenige, in der einer der riesigien Meteore, die an der Cygnus vorbeirauschen, ins Raumschiff kracht und einen Gang entlang rollt, während nur wenige Meter davor die Crew der Palomino über eine Brücke flüchtet. Diese Szene haut einem wirklich die Sicherung aus dem Kasten, egal wie oft man sie gesehen hat.

Auch in „Das schwarze Loch“ durfte kein niedlicher Roboter fehlen. Diese Rolle nimmt hier V.I.N.C.E.N.T. ein, der durch die Luft schwebt und lehrmeisterhafte Sprüche von sich gibt. Dieser trockene Humor hat etwas für sich und wirkt besonders im PISA-Absturz des deutschen Bildungssystems aktueller denn je. – Sein Gegenspieler ist der Roboter Maximilian, eine mächtige Maschine mit Klingenhänden, eine überaus bedrohlich wirkende Figur.

Im Gegensatz zu „Star Wars“, für den vor allem junge und unbekannte Schauspieler engagiert wurden, setzte man in der Disney-Produktion auf einen altgedienten Stab. Maximilian Schell als Hans Reinhardt spielt diese Rolle mit einer gekonnten Portion Wahnsinn, Anthony Perkins präsentiert sich zunächst als verantwortungsbewusster Wissenschaftler, bevor er in den Bann Reinhardts gerät. Und Ernest Borgnine scheint von der „Eisstation Zebra“ direkt in den Weltraum katapultiert worden zu sein, auch wenn zwischen beiden Filmen ein ganzes Jahrzehnt liegt.

Es ist schade, dass der Film damals nicht den Erfolg hatte, den er verdient gehabt hätte. Denn nicht nur die Spezialeffekte sind umwerfend, sondern auch John Barrys düster-gewaltige Musik, die regelrecht aus den Lautsprechern schmettert und dabei das Kolossale der Cygnus und des in der Nähe liegenden schwarzen Lochs mehr als nur unterstreicht.

Das schwarze Loch (OT: The Black Hole). Regie: Gary Nelson, Drehbuch: Jeb Rosebrook, Gerry Day, Produktion: Ron Miller, Darsteller: Maximilian Schell, Anthony Perkins, Robert Forster, Ernest Borgnine, Yvette Mimieux, Joseph Bottoms.

 

FuBs Klassikbox: Harold and Maud (1971)

Wie so oft in der Filmgeschichte, so war „Harold and Maud“ zunächst ein Flop. Erst nach und nach entwickelte sich der Film zu einem Riesenerfolg und gilt heute als Kultfilm. Das Drehbuch stammte von dem Hochschulabsolventen Colin Higgins, der das Skript als Abschlussarbeit verfasst hatte. Schon kurz darauf kaufte Paramount die Rechte.

Wie Anfangs bereits erwähnt, blieb jedoch der Erfolg zunächst aus. Auch die Kritiker konnten mit „Harold and Maud“ nichts anfangen, viele hielten den Film für keine Komödie, sondern für moralisch bedenklich und geschmacklos. Es geht in dem Film um die Freundschaft zwischen dem 20-jährigen Harold und der 79-jährigen Maud. Harold lebt zusammen mit seiner wohlhabenden Mutter in einer Villa. Doch ist die Beziehung zwischen beiden eher oberflächlich. Aus dem Grund versucht Harold, ihre Aufmerksamkeit durch Scheinselbstmorde zu gewinnen, was aber nicht klappt. Stattdessen erschreckt er jedes Mal damit die Frauen, die seine Mutter ihm als potenzielle Heiratskandidatinnen vorstellt.

Harold besucht außerdem gerne Beerdigungen. Dort begegnet er auch zum ersten Mal der exzentrischen Maud, die sich über alle Konventionen hinwegsetzt. Zwischen beiden entwickelt sich eine immer engere Beziehung. Doch hat Maud vor, nicht älter als 80 zu werden …

Wie so viele großartige Komödien, so ist auch „Harold and Maud“ ein Rundumschlag in Hinblick auf gesellschaftliche Normen und traditonelle Moralvorstellungen. Dadurch greift der Film die Themen der damaligen sozialen Bewegungen auf, was dazu führt, dass der Film sich gegen den Vietnamkrieg und gegen Nixon stellt. Vor allem die Weise, wie sich der Film lustig macht über das Militär (Harolds Onkel ist Offizier und möchte ihn unbedingt nach Vietnam schicken), ist einfach nur hervorragend. Doch nimmt der Film genauso nachdenkliche Töne an, wenn eine Fläche Gänseblumen in die Einstellung auf einen Soldatenfriedhof übergeht.

Mit großartigem schwarzen Humor inszenierte Regisseur Hal Ashby Harolds Scheinselbstmorde. Ob er sich nun erhängt, regungslos im Pool treibt oder sich selbst verbrennt – seine Mutter nimmt dies völlig gelassen hin und führt ihre Telefonat fort oder schwimmt erst einmal eine Runde.

Die Musik stammte von Cat Stevens, dessen Songs die einzelnen Szenen wunderbar untermalen. Für Regisseur Hal Ashby und Autor Colin Higgins sollte „Harold and Maud“ der einzige wirkliche Erfolg werden. Higgins starb mit nur 47 Jahren. Ashby arbeitete später vor allem wieder in seinem Zweitberuf als Filmeditor. In manchen Kinos wird „Harold and Maud“ bis heute regelmäßig aufgeführt.

Harold and Maud. Regie: Hal Ashby, Drehbuch u. Produktion: Colin Higgins. Darsteller: Ruth Gordon, Bud Cord, Vivian Pickles, Charles Tyner. USA 1971, 91 Min.