Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for Februar 2018

Bereits 2015 versuchte sich Südkoreas Filmindustrie in Sachen Exorzismus. Das Ergebnis waren damals zwei Filme, die unterschiedlich nicht hätten sein können. Mit „The Chosen – Forbidden Cave“ legte man einen spannenden und durchaus originellen Horrorstreifen vor, der einen Hauch von Hammers Klassiker „Das schwarze Reptil“ beinhaltete, während man mit „The Priest“ einen unfreiwillig komischen „Exorzist“-Abklatsch hervorbrachte, der zwar erfolgreich gewesen war, aber zurecht schnell wieder in der Versenkung verschwand.

Nun, zwei Jahre später, hat man anscheinend von diesem Thema immer noch nicht genug. Denn erneut versuchte man, das Thema Exorzismus filmisch umzusetzen. Regie und Drehbuch stammten von Thriller-Experten Na Hong-Jin, der bereits mit seinem überaus düsteren Thriller „The Chaser“ (2008) für Aufsehen gesorgt hatte. Und nun also „The Wailing“, im Original „Gokseong“, der Name des Ortes, in dem die Geschichte spielt.

Es geht um sonderbare Zwischenfälle, die sich in Gokseong ereignen. Harmlose Menschen werden von einer Sekunde auf die andere verrückt und bringen ihre Familien um, eine sonderbare Krankheit, die mit einem schmerzenden Hautausschlag einhergeht, sucht den Ort heim. Immer mehr Einheimische verdächtigen einen Japaner, der als Einsiedler in dem Wald lebt, der Gokseong umgibt. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Als schließlich auch die Tochter eines der Polizisten von der Krankheit befallen wird, beschließt dessen Frau, einen Schamanen hinzuzuziehen.

Beinahe drei Jahre soll Na Hong-Jin am Drehbuch geschrieben haben. Finanziell unterstützt wurde er von 20th Century Fox, eine neue Strategie der Hollywoodstudios, die seit den 90er Jahren vergeblich versuchen, in Südkorea Fuß zu fassen. Und wie verhält es sich mit dem Film? Zum Glück ließ das Studio dem Regisseur freie Hand. Denn „The Wailing“ stellt K-Horror auf eine neue Stufe.

Originalkinoplakat zu „Gokseong“ (The Wailing)

In dem Film verbindet Na traditionelle westliche mit den traditionellen Glaubensvorstellungen Südkoreas. Kommt es in Friedkins „Exorzist“ (1973) zu einer originellen Gegenüberstellung zwischen Glauben und Wissenschaft, so stellt Na zwei verschiedene Glaubensrichtungen gegenüber, die jeweils auf ihre Weise versuchen, dem Bösen, das sich in Gokseong eingenistet hat, Herr zu werden.

Na gibt sich dabei nicht mit Oberflächlichkeiten ab, sondern geht bei den jeweiligen Riten bis ins Detail. Man merkt dem Film tatsächlich an, dass Na jahrelang an dem Drehbuch geschrieben hat. Eingefangen wird das Ganze mit den wundervollen Bildern Hong Kyung-Pos, der dem Film eine wunderbare, düstere Ästhetik verleiht, die man vor allem im koreanischen Horrorfilm der letzten Zeit eher vermisst hat.

Auf diese Weise schildert Na die Geschichte einer Gruppe einfacher Polizisten, die mit den Geschehnissen in ihrem Ort völlig überfordert sind. Vor allem Darsteller Kwak Do-Won spielt die Rolle des Polizisten Jeong Jong-Gu vollkommen überzeugend. Hin- und hergerissen zwischen seiner Stellung als Ordnungshüter und seiner Rolle als Familienvater, weiß Jeong letztendlich nicht, wie er den Fall lösen soll. Und als schließlich die Verzweiflung obsiegt, ist ihm jedes Mittel recht.

Irgendwie wird man bei der Sichtung von „The Wailing“ den Verdacht nicht los, als habe sich Na Hong-Jin von den Filmen Larry Fessendens inspirieren lassen. Dies zeigt sich vor allem in den einzigartigen Landschaftsaufnahmen, mit denen Na seinen Film würzt – ganz ähnlich wie z.B. in „Wendigo“ des New Yorker-Indieregisseurs. Für Nas Film erweist sich dies als eine ungeheure Bereicherung, schaffen diese Bilder doch einen einzigartigen Kontrast zum unheimlichen Geschehen.

Auch wenn „The Wailing“ in einer seiner Hauptszenen droht, in den Trash umzukippen, so ist der Film als Ganzes nicht nur ein optisch hervorragend gemachtes Filmerlebnis, sondern liefert zugleich eine sehr spannende und beklemmende Handlung, der man die zweieinhalb Stunden Spieldauer keineswegs anmerkt. Die Preise, mit denen der Film bisher regelrecht überhäuft wurde, hat er mehr als nur verdient. Kurz: Sehr zu empfehlen.

The Wailing – Die Besessenen (OT: Gokseong). Regie u. Drehbuch: Na Hong-Jin, Produktion: Lim Min-Sub, Darsteller: Kwak Do-Won, Hwang Jun-Min, Chun Woo-Hee, Jun Kunimura, Kim Hwan-Hee. Südkorea 2017, 156 Min.

Advertisements

Read Full Post »

Obwohl der Autor und Lebemann John Trevor Story (1917 – 1991) in Deutschland so gut wie unbekannt ist, kennt doch so ziemlich jeder eines seiner Werke. Denn niemand anderer als Alfred Hitchcock adaptierte 1955 Storys Debut „The Trouble with Harry“. Nun ist der Roman zum ersten Mal auf Deutsch erschienen.

In dem kleinen Ort Sparrowswick Heath geht plötzlich alles drunter und drüber, als Captain Albert Wise aus Versehen einen Unbekannten bei der Hasenjagd erschießt. Oder ist dieser Mann vielleicht gar nicht so unbekannt? Auf jeden Fall versucht Wise, so schnell wie möglich die Leiche verschwinden zu lassen. Doch ausgerechnet in diesem Augenblick scheint der halbe Ort im Wald unterwegs zu sein …

John Trevor Storys „Immer Ärger mit Harry“ ist eine geniale Mischung aus schwarzem Humor, Satire und Kriminalroman. Harry stillschweigend zu begraben, erweist sich alles andere als leicht. Zunächst ist da der kleine Abie, der die Leiche als erster entdeckt, in der Nähe des Tatorts vergnügt sich ein Liebespaar und der Hobbyinsektenforscher Dr. Greenbow stolpert bei seiner Jagd auf Schmetterlinge immer wieder darüber.

Mit der Zeit aber keimt in dem Captain die Frage, ob er Harry tatsächlich erschossen hat oder ob Harry vielleicht Opfer eines tatsächlichen Mordes geworden ist. Und genau hier kommt zusätzliche Spannung auf, denn im Grunde genommen könnte jeder in dem kleinen Ort der Mörder sein. John Trevor Story nutzt diese Situation jedoch nicht dafür, einen Krimi im Stil von Agatha Christie zu schreiben, sondern benutzt diese, um daraus eine herrliche Situationskomik zu gestalten, die den gesamten Roman über anhält und für köstliches Vergnügen sorgt.

Die Handlung schreitet im flotten Tempo voran, wobei in beinahe jedem Kapitel eine weitere überraschende Wendung auf den Leser wartet. Nicht weniger amüsant sind die liebevollen und skurrilen Figuren, mit denen Story die Geschichte würzt. Da ist zum Beispiel Miss Gravely, die nichts mit Männern zu tun haben möchte, sich aber dann plötzlich auf einen männlichen Besucher vorbereitet, was natürlich alle im Ort mitbekommen. Oder der Künstler Sam Marlowe, dessen Bilder im Dorfladen angeboten werden, der aber bisher noch kein einziges seiner Gemälde verkauft hat.

Alles in allem bereitet „Immer Ärger mit Harry“ das, was man einen echten Lesespaß bezeichnet. Die Gags sind wirklich großartig und nicht weniger die satirischen Aspekte, mit denen der Roman bespickt ist. Selbst Leser, die die Verfilmung schon x-mal gesehen haben, werden von der literarischen Vorlage mehr als nur angetan sein.

Jack Trevor Story. Immer Ärger mit Harry. Dörlemann Verlag 2018, 191 Seiten (Leinen mit Leseband), 17,00 Euro, ISBN: 978-3-03820-054-3

Read Full Post »

Ende vergangenen Jahres erregte die nun schon seit 11 Jahren bestehende Band Scandal Aufsehen durch ihr Video „Koisuru Universe“ (Universe of Love), in dem es um sexuelle Erregung und eine lesbische Beziehung geht – insgesamt also recht ungewöhnlich für eine Band, die sich bis dahin emanzipiert gab und in keinem ihrer Clips sexualisiert wurde.

Daher durfte man gespannt sein, wie sich die Band in visueller Hinsicht weiter entwickeln würde, was durch den oben genannten Clip eher schwierig war. Die Lösung fand sich dann in einem neuen Musikvideo, das lediglich eine Perfomance der Gruppe zeigt. Es handelt sich dabei um „Platform Syndrome“, einen Song, der zugleich das neue Album „Honey“ eröffnet.

Seit Herbst vergangenen Jahres wurde dafür kräftig die Werbetrommel gerührt. Und das Ergebnis? „Honey“ ist eines der besten Rock-Alben geworden, die es in letzter Zeit gab, unabhängig ob aus Japan, den USA oder sonst woher. Hatten die ersten CDs der nur aus Frauen bestehenden Gruppe auf eine sympathische Art und Weise eher konzeptlos gewirkt, also so, als hätten sie einfach mal ein paar Songs zusammengestellt, ohne sich groß Gedanken um die Platzierung auf dem jeweiligen Album zu machen, so ist „Honey“ in dieser Hinsicht völlig anders.

Gleich mit „Platform Syndrome“ liefert die Band einen schnellen, rockigen Einstieg, gefolgt von weiteren Songs, die zwischen Punkrock, Alternative und ein wenig Pop liegen. In der Mitte des Albums werden die Songs etwas ruhiger, bevor es gegen Ende nochmals so richtig zur Sache geht. Dabei erinnert der Song „Short Short“ dann doch ein wenig zu sehr an „Love me do“ aus dem vorangegangenen Album „Yellow“, doch ansonsten lässt sich das Album immer wieder anhören, ohne dass auf irgendeine Weise Langeweile entstehen würde.

Mit „When I open a Window“ (Mado wo Aketara) liefert die Bassistin Tomomi Ogawa ein erstklassiges. leicht jazziges Stück ab, ebenfalls ein Ohrwurm ist „Midnight City“, das eigentlich den typischen Scandal-Rock beinhaltet, im Refrain aber auf gewitzte Weise in einen 70er Jahre-Disco-Stil umschwenkt.

Einen kleinen Abstrich gibt es bei den Texten, die dieses Mal fast ausschließlich von der Drummerin Rina Suzuki stammen und in Sachen Poetik nicht die Klasse erreichen wie diejenigen von Tomomi Ogawa, die bis dahin die meisten Texte verfasst hat. Insgesamt aber ist „Honey“ ein richtig tolles Rockalbum, das von Anfang bis Ende Spaß macht.

 

 

Read Full Post »

Neuübersetzungen sind zurzeit in Mode. Dies hat sich der Mantikore Verlag zunutze gemacht, um Neuübersetzungen von SF-Klassikern zu veröffentlichen. Einer dieser Klassiker ist „Lucifers Hammer“ der beiden Autoren Larry Niven und Jerry Pournelle. 1977 erschienen, erzählt der Roman die Konsequenzen, die ein Kometeneinschlag für die Menschheit haben könnte.

Gilt die Entdeckung eines Hobbyastronomen, nämlich ein riesiger Komet, zunächst als wissenschaftliche Sensation, so wird daraus rasch ein endzeitlicher Schrecken, als klar wird, dass der Komet die Erde treffen wird. Praktisch von einer Sekunde auf die andere zerfällt die Zivilisation und die Menschheit befindet sich wieder im tiefsten Mittelalter.

Larry Niven und Jerry Pournelle beschreiben detailliert das Drama, das sich aus dem Einschlag ergibt. Und genau diese Genauigkeit und die damit verbundene Lebendigkeit machen den Roman so faszinierend und packend. Schon von der ersten Seite an liegt dem Autorenteam daran, die Geschehnisse relativ flott ablaufen zu lassen. Und trotz des hohen Tempos gelingt es Niven und Pournelle, den Figuren und Handlungssträngen eine spannende Tiefe zu verleihen, etwas, was man in vielen heutigen Romanen vermisst.

Natürlich erfinden beide Autoren das Rad dadurch nicht neu. John Christopher „Inseln ohne Meer“ (1965), Fred Hoyle „Die schwarze Wolke“ (1957) oder D. F. Jones „Lass die Blumen stehen“ (1971), um nur wenige Beispiele zu nennen, beschreiben den Verfall der Menschheit aufgrund einer globalen Katastrophe auf eine durchaus ähnliche Weise, auch wenn die Ursachen des zivilisatorischen Untergangs natürlich jeweils andere sind. In dieser Hinsicht reiht sich „Der Komet“ in eine lange Liste typischer Katastrophen- und Endzeitromane ein.

Wieso der Verlag allerdings nicht den Originaltitel übernahm, sondern stattdessen der Übersetzung den Titel „Komet – Der Einschlag“ verlieh, ist ein Rätsel, immerhin handelt es sich um einen Klassiker der SF – und Neuübersetzungen sollten ja dem Originaltext in jeder Hinsicht gerecht werden. Wie dem auch sei, „Komet – Der Einschlag“ ist ein überaus lesenswertes Buch, dessen spannender und zugleich beklemmender Inhalt in einem noch lange nachhallt.

Larry Niven/Jarry Pournelle: Komet – Der Einschlag. Mantikore Verlag 2017, 768 Seiten, 14,95 Euro, ISBN: 978-3-945493-97-7

 

Read Full Post »

Japan hatte sich ab Beginn des neuen Jahrtausends vor allem auf den Export von Horrorfilmen verlegt. J-Horror war in aller Munde. Neben den Animes gehörte dieses Genre zu den wichtigsten Einnahmequellen der japanischen Filmindustrie. Dabei gerieten jedoch Produktionen aus anderen Genres eher ins Hintertreffen. Umso schöner war es daher, als es 2008 dann doch ein recht außergewöhnliches japanisches Fantasy-Action-Spektakel bis nach Deutschland geschafft hatte: „K-20 – Die Legende der Schwarzen Maske“.

Die Geschichte spielt in einer Alternativwelt, in welcher der Zweite Weltkrieg nie stattgefunden hat. Es ist das Jahr 1949. Die Gesellschaft ist gespalten in Arm und Reich. Ein mysteriöser Krimineller, der unter dem Namen „Das Phantom mit den 20 Masken“ bekannt ist, versucht, gegen die Regierung anzukämpfen. Eine Verwechslung führt dazu, dass der Zirkusakrobat Heikichi für K-20 gehalten und von der Militärpolizei verhaftet wird. Nach einer spektakulären Flucht, kennt Heikichi nur ein Ziel: er möchte sich an dem echten K-20 rächen. Dadurch wird er allerdings ungewollt zum Helden. Denn K-20 hat vor, Teslas Erfindung zur drahtlosen Energieübertragung für die Zerstörung der Welt zu verwenden. Heikichi muss dieses Vorhaben stoppen.

Wer ist nun eigentlich der Schurke? „K-20 – Die Legende der schwarzen Maske“ (2008); © Sunfilm Entertainment

Mit einer Dauer von über zwei Stunden wird „K-20“ keine Minute langweilig. Dafür sorgen nicht nur die wunderbaren Stadtkulissen und Spezialeffekte, sondern ebenso die durchaus interessante Handlung. Einmal mehr wird Japan als faschistischer Staat dargestellt („20th Century Boys“ lässt grüßen), Weltsprache ist Deutsch. Die Gesellschaft befindet sich noch immer im tiefsten Feudalismus, obwohl die Technik große Fortschritte macht. Und einmal mehr wird auf den Physiker Nikolas Tesla (1856-1943) Bezug genommen, dessen Namen seit dem Film „Prestige“ in der Phantastikwelt immer wieder gerne herangezogen wird.

Doch die Ideen passen zusammen und liefern einen wunderbaren Hintergrund für die Geschichte eines Mannes, der sich nach und nach zu einem Superhelden entwickelt. Überwiegend konzentriert sich dann auch Regisseurin Shimako Sato auf Action, Spezialeffekte und Witz, sodass der Film zu einem wahren Symbol für Kurzweiligkeit wird.

Einmal grimmig dreinschauen, bitte. „K-20 – Die Legende der schwarzen Maske“ (2008); © Sunfilm Entertainment

Shimako Sato beurteilte ihren Film selbst als bloße Unterhaltung im Sinne von „Indiana Jones“. Diese Anspielung fällt auf jeden Fall in der Musik auf, die sich stark an dem Erfolgsfilm orientiert. In der Ästhetik finden sich allerdings eher die Düsternis von „V wie Vendetta“ und die Dramaturgie von „Batman“ wieder. Sato verhindert es jedoch, diese Vorbilder zu kopieren, sondern entwickelt aus diesen beiden Stilen einen ganz eigenen, der einerseits typisch japanisch, andererseits auf klassische Weise westlich orientiert ist. Dadurch gelang ihr einer der wohl besten japanischen Actionfilme.

Titel: K-20 – Die Legende der Schwarzen Maske (OT: K-20 – Kaijin niju menso den), Regie u. Drehbuch: Shimako Sato, Produktion: Shuji Abe, Seiji Okuda, Darsteller: Takeshi Kaneshiro, Takako Matsu, Toru Nakamura, Kanata Honga, Yuki Imai. Japan 2008, 142 Min.

Read Full Post »

Cover der 1975 im Heyne Verlag erschienenen Ausgabe

In unserer Reihe FuBs Fundgrube stellen wir Bücher vor, die es nur noch antiquarisch gibt. So geht es dieses Mal um den deutschen SF-Roman „Wir fanden Menschen“ des Autors und Journalisten Hans Wörner (1904 – 1963). Mit seinem 1948 erschienen Roman „Wir fanden Menschen“ versuchte Hans Wörner auf die schrecklichen Folgen eines Atombombenabwurfs aufmerksam zu machen. Sein Buch wurde geprägt durch die „Lichtblitze“ von Hiroshima und Nagasaki. Nicht weniger beeinflusst ist der Roman von Wörners eigenen Kriegserlebnissen.

„Aus Versehen“ hat eine fehl gezündete Atombombe einen ganzen Kontinent vernichtet. Sieben Jahre nach dieser verheerenden Katastrophe, soll ein Erkundungstrupp Aufschluss darüber geben, wie es mit den dort lebenden Menschen bestellt ist. Als diese Expedition nicht zurückkehrt, wird eine zweite Expedition ausgeschickt, die nach der verschollenen Einheit suchen soll. Dabei kommt sie in Kontakt mit den psychisch und körperlich verfallenen Einwohnern …

Hans Wörners Roman ist ein eindringliches Plädoyer gegen den Wahnsinn und Schrecken des Krieges und vor allem eine Warnung vor den Folgen eines Atomkriegs. Dies macht „Wir fanden Menschen“ überaus düster und bedrückend. In der Tat fällt es schwer, den Roman bis zum Ende durchzulesen, da diese beklemmenden Momente so intensiv sind, dass man immer mal wieder eine Pause einlegen muss, um diese für sich selbst zu verarbeiten.

Doch genau hierin befindet sich zugleich die unglaubliche Stärke des Romans, da er nicht nur Beklemmung erzeugt, sondern durch diese den Leser zum Nachdenken anregt. Das Bild, das Wörner in „Wir fanden Menschen“ zeichnet, ist alles andere als rosig. Die Menschheit ist verroht, manche Menschen versuchen, die Situation für sich zu nutzen und an die Macht zu kommen bzw. sich an der Macht zu halten, es herrschen Hunger und Elend.

Trotz dieses Rahmens, der nicht einmal den kleinsten Platz für Hoffnung lässt, ist der Roman zugleich sehr spannend und dicht. Vor allem die Szenen, in denen der Expeditionstrupp den moralisch wie physisch verwahrlosten Einheimischen gegenübersteht, sind, aufgrund der Konflikte, die sich daraus ergeben, packend und zum Teil auch unheimlich geschildert. Dies macht „Wir fanden Menschen“ zu einem sehr eindringlichen Leseerlebnis, das einem nicht mehr so schnell aus dem Kopf geht.

„Wir fanden Menschen“ wurde 1975 im Heyne Verlag in der SF-Reihe unter der Nummer 3449 neu aufgelegt. Umfang: 159 S. Später (1984) erschien der Roman auch nochmals im Ullstein Verlag als Band 9 der Reihe Ozeanische Bibliothek.

Read Full Post »

So schlimm waren die 90er Jahre eigentlich gar nicht. Irgendwie versuchte man, die 80er Jahre in den 90ern weiterzuführen. Und dennoch wollte es nicht mehr so recht klappen. Denn die viel diskutierte Hollywoodkrise nahm ihren Anfang, was Ende der 90er Jahre dazu führte, dass auf einmal andere Filmländer ihre Chance witterten und auf den internationalen Filmmarkt traten. Am überraschendsten dürfte in dieser Hinsicht sicherlich Südkorea sein, das mit dem Horrorfilm „Whispering Corridors“ (1998) den Startschuss für die Korean Hallyu gab, die koreanische Welle in der Popkultur. International trat Südkorea erst 2000 auf der Berlinale mit dem Drama „JSA“ (1999) auf und sorgte ab da für Furore.

Doch der Film, der Hollywood am meisten beeinflussen sollte, war die japanische Produktion „Ringu“ (1998). Der Film löste sowohl in Hollywood als auch in so gut wie allen anderen Ländern Produktionen aus, die diese besondere Machart übernahmen, wenn auch in jeweils anderen Zusammenhängen.

In den 90ern kamen verstärkt auch die CGI-Effekte auf, die immer mehr das Filmemachen bestimmen sollten. Natürlich gab es Computer generierte Effekte auch schon in den 80ern, doch wurde damals noch verstärkt auf gute alte Handarbeit Wert gelegt. Auf diese Weise konnte T-1000 noch gemeingefährlicher werden und auf dieselbe Weise kehrten die geliebten Dinos zurück auf die Leinwand.

Jurassic Park gilt als Meilenstein in Sachen CGI. Der Film reizte die Effekte bis ins letzte Detail aus. Wer damals im Kino saß, der musste sich immer wieder vergegenwärtigen, dass die Urviecher nur aus Bits und Bytes bestanden. So erging es jedenfalls mir, für den das höchste der Gefühle bis dahin die guten alten Stop Motion-Effekte gewesen waren. Ja, und auf die Dinokacke hatte man auch nicht vergessen, aber die war sozusagen handgerührt.

In Deutschland schlugen unsere hysterischen Pädagogen einmal mehr die Hände über den Kopf zusammen und sorgten für Tobsuchtsanfälle bei den Kindern, die endlich ihre Lieblingssaurier in Aktion sehen wollten. Denn sie durften das nicht, weil unseren Damen und Herren Hysteriker nichts anderes einfiel, als Kindern den Eintritt ins Kino zu verbieten. – Typisch für die von Filmtheoretiker I. C. Jarvie bereits Ende der 60er Jahre bezeichneten PPs, die einmal mehr ein absolutes Unwissen und Unverständnis gegenüber dem Medium Film bewiesen.

In Japan kam es Ende der 90er Jahre zu einem enormen Produktionsschub, was das Filmemachen anbelangt. Aufgrund der asiatischen Wirtschaftskrise lag die japanische Filmwirtschaft beinahe am Boden. Zudem mussten viele Lichtspielhäuser schließen. Doch 1998 wurde plötzlich alles anders, als Regisseur Hideo Nakata mit seinem Meisterwerk Ring auftrat und dadurch die Kassen wieder klingeln ließ.

„Ring“ verband als einer der ersten japanischen Horrorfilme folkloristische Elemente mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen, sodass das Unheimliche nicht wie aus der Mottenkiste wirkte, sondern als etwas Bedrohliches und Fremdartiges für jede Menge Gänsehaut sorgte. Zugleich wurde „Ring“ aufgrund seiner feministischen Thematik zum Sprachrohr der damaligen Emanzipationsbewegung in Japan. Dies hatte zur Folge, dass auch alle weiteren Horrorfilme, denen man schließlich das Siegel J-Horror verpasste, das traditionelle Patriarchat in Frage stellten und die sozialen Probleme aufzeigten, vor denen Frauen in Japan standen und teilweise immer noch stehen.

Read Full Post »

Older Posts »