Hol’s der Teufel – Unser 666. Artikel

Den 666. Artikel auf FILM und BUCH können wir ja nicht einfach so an uns vorbeigehen lassen. Daher haben wir uns gedacht, ein wenig auf okkult zu machen und sechs Teufelsfilme bzw. Okkult-Thriller vorzustellen. Den Anfang macht …

… Geheimrat Goethe. 1960 schuf Gustav Gründgens den Theaterfilm aller Theaterfilme, indem er Goethes „Faust“ auf die Leinwand brachte. Gründgens spielte darin die Rolle des Mephisto, die er bis dahin übrigens 600mal gespielt hatte. Seine Inszenierung war so erfolgreich, dass sie nicht nur auf internationale Tournee ging, sondern eben auch auf Film gebannt und mit überaus großem Erfolg in die Kinos gebracht wurde. Den Faust mimte übrigens Will Quadflieg. „Faust“ war damals für den Oscar nominiert und gewann den Deutschen Filmpreis.

1968 adaptierte Terence Fisher Dennis Wheatleys Roman „The Devil rides out„. Das Drehbuch verfasste Richard Matheson, der normalerweise bei Roger Corman bzw. bei American International Pictures unter Vertrag stand. Wie in so vielen Filmen der Hammer Studios, so war auch hier Christopher Lee mit von der Partie – dieses Mal als Guter. Seinen Widersache verkörperte Bond-Bösewicht Charles Gray. Es geht darum, dass Nickolas, Duc de Richleau auf die Spur einer okkulten Sekte kommt, nachdem er im Haus seines verschwundenen Freundes Simon seltsame Hexensymbole entdeckt hat. Christopher Lee fand, dass „The Devil rides Out“ einer seiner besten Filme aus seiner Zeit bei Hammer war. Es ist in der Tat ein wirklich guter Film, der stellenweise ein wenig an „Night of the Demon“ (1956) erinnert.

1973 drehte William Friedkin den Horrorfilm aller Horrorfilme: „Der Exorzist„. Das Drehbuch stammte von William Peter Blatty, der bis dahin ausschließlich Komödien verfasst hatte. Mit „Der Exorzist“ traf er genau ins Schwarze. Schnell schrieb er auch noch den Roman dazu, damit es so aussah, als handele es sich bei dem Film um eine Adaption. Damals fast schon so etwas wie ein Skandalfilm, entwickelte sich „Der Exorzist“ schnell zum Kassenschlager und gilt heute als einer der Filmklassiker schlechthin. Dem Film folgten zwei Fortsetzungen, wobei „Der Exorzist 2“ zu den schlechtesten Filmen aller Zeiten zählt. Blatty versuchte dann, seine Ehre zu retten, indem er 1990 „Der Exorzist 3“ drehte, der zwar floppte, dennoch qualitativ wieder hervorragend war.

1976 sprang Richard Donner auf die Okkultwelle auf, die „Der Exorzist“ losgetreten hatte, und drehte „Das Omen„, mit Gregory Peck und Lee Remick in den Hauptrollen. Das Drehbuch schrieb David Seltzer, der drei Jahre später auch das Drehbuch zu der Trash-Granate „Die Prophezeiung“ verfasste. Um den Film noch unheimlicher wirken zu lassen, wurden Gerüchte in Umlauf gebracht, dass es während der Dreharbeiten zu unerklärlichen Zwischenfällen gekommen sei. Natürlich steckte dahinter eher die Marketingabteilung und weniger ein Dämon. Der Film wurde ebenfalls ein Riesenerfolg und zählt heute nicht weniger zu den Filmklassikern. „Das Omen“ folgten eine Reihe weiterer „Omen“-Filme und 2006 auch ein Remake, das ebenfalls von David Seltzer geschrieben wurde.

1999 dachten alle, dass zur Jahrtausendwende sämtliche Computer abstürzen würden. Nicht wenige glaubten auch, dass dies das Ende der Welt bedeute. Aufgrund der drei Neuner, die man natürlich auch als drei Sechser sehen konnte, brachte dies wieder den Okkultismus zurück in die Popkultur, was zur Folge hatte, dass um diese Zeit herum mehrere Okkult-Thriller produziert wurden. Einer davon war „End of Days“ mit Arnold Schwarzenegger, der für seine Rolle als Jericho Cane prompt für die Goldene Himbeere nominiert wurde. Ihm zur Seite standen Gabriel Byrne und Udo Kier. Der Film erhielt fast ausschließlich negative Kritiken und war ein eher mäßiger Erfolg an den Kinokassen. Zum Filmklassiker hat es also nicht gereicht.

2015 glaubte die koreanische Filmindustrie, sich ebenfalls am Exorzismusthema zu versuchen und somit drehte Jae-Hyun Jang „The Priests„, in dem zwei Priester versuchen, einen Dämon aus einer Frau auszutreiben. Was unheimlich wirken soll, wirkt dann doch eher banal und nicht weniger lächerlich. So richtig Spannung kommt einfach nicht auf und unheimlich wirkt der Film schon gar nicht. Eher wirkt „The Priests“ wie eine halbherzige und teils hilflose Nachahmung von Friedkins „Der Exorzist.“ Dennoch landete der Film in Südkorea auf Anhieb auf Platz eins und machte allein in diesem Land einen Umsatz von umgerechnet fast 36 Millionen Dollar. Damit zählt der Film zu den erfolgreichsten koreanischen Filmen und vor allem zu den erfolgreichsten koreanischen Horrorfilmen.

 

 

 

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Unsterbliche Liebe: Henry Rider Haggard und Lilly Archer – Eine besondere Beziehung

Henry Rider Haggard

Für Henry Rider Haggard (1856 – 1925) sollte sie immer die Frau sein. Gemeint ist Lilly Archer (geb. Jackson, 1854 – 1909), in die sich der bekannte englische Schriftsteller von phantastischen Abenteuer- und sog. Lost World-Romanen auf einem Ball unsterblich verliebt hatte. In seinen 44 Romanen machte er sie unsterblich.

Lilly Archer war zwei Jahre älter als Haggard. Die Begegnung mit ihr war für Haggard, so schrieb er es in einem seiner Briefe, wie ein plötzlicher Lichtstrahl. Doch sollte aus Haggards Wunsch, sie zu heiraten, nichts werden. Überhaupt kam keine richtige Beziehung zustande, obwohl sie zum Freundeskreis von Haggards Familie gehörte und sogar mit seiner späteren richtigen Frau Mariana Louisa Margitson engen Kontakt pflegte. Gleich den ersten Liebesbrief, den Haggard Lilly schrieb, beantwortete sie mit einem klaren Nein. Ihr Brief war jedoch keineswegs als eindeutige Abfuhr zu verstehen. Denn anscheinend empfand sie auch etwas für Haggard, doch – aus bis heute ungeklärten Gründen – konnte oder durfte sie ihm nicht näher kommen. War dies bereits ein erster Dämpfer, so kam es bei ihm beinahe zu einem seelischen Zusammenbruch, als er erfuhr, dass Lilly den Makler Francis Archer geheiratet hat.

Lilly Archer

Die Ehe sollte jedoch alles andere als glücklich verlaufen. Denn Francis Maklerfirma ging bankrott. Er floh nach Südafrika und ließ Lilly und ihre beiden Kinder mittellos zurück. Haggard, der inzwischen mit „König Salomons Schatzkammer“ (1885) einen der damals größten Bucherfolge hingelegt hatte, nahm sich ihr und ihrer Kinder an. Er mietete für sie ein Haus und sorgte sich darum, dass ihre Kinder weiterhin die Schule besuchen konnten.

Doch nachdem Lilly einen Brief ihres Mannes erhalten hatte, dass sie zu ihm nach Afrika kommen solle, folgte sie dieser Bitte. Francis jedoch war schwer an Syphillis erkrankt. Nach seinem Tod kehrte Lilly nach England zurück – ebenfalls an dieser damals verbreiteten Infektionskrankheit leidend. Haggard  kümmerte sich erneut um sie. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1909.

Für Henry Rider Haggard war Lilly Archer die schönste Frau, der er jemals begegnet war. In seinen Romanen, in denen es nicht selten darum geht, dass ein Abenteurer (nicht selten Allan Quatermain) Gerüchten über eine weiße Göttin in den entferntesten Winkelns Afrikas nachspürt, sollte es stets Lilly sein, der diese Rolle insgeheim zukam. Darauf verwies in den 1950er Jahren seine Tochter Lilias, die selbst Autorin war und Haggards Biographie verfasste.

Als Höhepunkt seines Schaffens gilt dabei sein Meisterwerk „She“ (1886), das zu den besten Romanen der Weltliteratur zählt und bis heute eines der meist verkauften Bücher überhaupt ist. Über Ayesha, eine wunderschöne, unsterbliche Frau, die sehnsüchtig auf die Wiedergeburt ihres Geliebten wartet, verfasste Haggard vier Romane, wobei „Ayesha – The Return of She“ (1905) in Tibet spielt. Mit „She and Allan“ (1921) schuf Haggard eines der ersten Crossover der Kulturgeschichte, indem in diesem Roman She und Allan Quatermain, über den Haggard ebenfalls mehrere Romane verfasste, aufeinander treffen.

Cover von „Sie und Allan“ der Haggard-Reihe im Heyne-Verlag (1985)

Ayesha bzw. She ist die Person gewordene Sinnlichkeit. Tatsächlich haut einem diese Figur regelrecht um, egal, wie oft man die entsprechenden Romane bereits gelesen hat. Der Psychoanalytiker C. G. Jung war von dieser Figur so fasziniert, dass er über sie eine Abhandlung schrieb.

„She“ wurde zweimal verfilmt. 1935 unter der Regie von Irving Pitchel mit Helen Gahagan als She. Merian C. Cooper, der mit „King Kong“ (1933) einen Welterfolg landete, hatte auch diesen Film produziert, damit jedoch einen Flop gelandet. 1964 verkörperte Bondgirl Ursula Andress She in der gleichnamigen Produktion der Hammer-Studios.

Viele damalige Zeitgenossen hielten übrigens Lilly Archer für ziemlich dumm. Dem aber widersprach Haggard vehement in einem seiner Briefe an seine Schwester. Darin beschrieb er Lilly fast genauso wie die weiblichen Figuren in seinen Romanen. Die Beziehung zwischen beiden war durchaus tragisch, doch nicht weniger romantisch, auf jeden Fall aber einzigartig. Bis heute gibt diese Beziehung und die unbeschreibliche Wirkung Lillys auf Haggard Rätsel auf. Sicher ist nur eines: Lilly Archer ist als She in die Weltliteratur eingegangen.

2019 – Wir leben mal wieder in einem Science Fiction-Jahr

Die Reise zum Mond (1902)

Science Fiction-Fans wissen längst Bescheid: 2019 ist das Jahr, in dem Rick Deckard Jagd auf Replikanten macht. Und nun hat uns die Zukunft mal wieder eingeholt. Mal wieder, da „“2012 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen“ ebenfalls spurlos an uns vorbeigetrudelt ist.

2019 sieht für unsere Realität dann auch recht mau aus. Wir haben weder den Mars besiedelt noch ist Los Angeles eine japanische Kolonie geworden. Was bald hinkommen könnte, wäre, dass wir statt echten Tieren nur noch künstliche Tiere um uns herum haben werden. Jedenfalls dann, wenn es mit Umwelt und Natur weiter bergab geht.

Eigentlich steht uns daher der Film „“2022 – Die überleben wollen“ weitaus näher. Die Weltmeere sind leer gefischt, die Natur völlig im Eimer, eine reiche Elite suhlt sich in ihrer Dekadenz, während die restliche Menschheit in Armut und Elend lebt. Zu essen gibt es dann nur noch grüne Kekse.

So gesehen leben wir am Rande eine hausgemachten Dystopie, in der statt Zombies nur noch Dumpfbacken durch die Gegend torkeln. Und Idioten gibt es heutzutage schon mehr als genug. Man muss sich also keine Sorgen machen, dass die Menschen in Zukunft intelligenter sein werden. Und wenn man bedenkt, dass man mit Leuten unter einer Glaskuppel leben müsste, die Sanitäter und Feuerwehrleute angreifen, die wegen nichts Leute anpöbeln und mit Sicherheit nicht einmal ihren Namen richtig schreiben können, dann wäre es doch besser, unter einer Glaskuppel auf der Rückseite des Mondes zu wohnen, weil man dort garantiert seine Ruhe hat. So gesehen, haben sich sowohl die Literaten als auch die Filmemacher seit jeher ein zu positives Bild unserer Zukunft gemacht, egal wie düster dieses in den Romanen und Filmen auch aussieht. Denn, wie das bekannte Sprichwort sagt: Schlimmer geht immer.

Tag der Heuschrecke – Nathanael Wests Abrechnung mit Hollywood

Cover der deutschen Neuübersetzung

Nathanael Wests Roman „Tag der Heuschrecke“ („The Day of the Locust“) aus dem Jahr 1939 gilt bis heute als einer der besten Romane über Hollywood. West hatte selbst erfolglos als Drehbuchautor gearbeitet und daher das Leben hinter den Kulissen aus erster Hand miterlebt.

In seinem Roman geht es nicht um cholerische Produzenten oder notgeile Regisseure, sondern um die Menschen, deren Träume schlicht und ergreifend zerplatzt sind. Um diejeningen also, die vergeblich versuchen, Erfolg zu haben.

Im Zentrum des Romans steht der Künstler Tod Hackett, der Kostüme und Hintergrundbilder für Filme entwickelt. Gleich zu Anfang musste er einsehen, dass Kunst in Hollywood nichts zählt. Daher arbeitet er in seiner Freizeit an einem riesigen Gemälde mit dem Titel „Der Brand von Los Angeles“. Im selben Wohnhaus lebt auch Fay Greener zusammen mit ihrem Vater Harry, einem völlig heruntergekommenen Variete-Künstler. Um Fay, die nichts anderes als Schauspielerin werden möchte, bemühen sich die skurrilsten Kerle. Natürlich auch Tod. Doch als der überaus schüchterne Homer Simpson auftaucht, nutzt sie diesen gnadenlos aus …

Cover der Originalausgabe von 1939

Ja, richtig, Homer Simpson. In der Tat entlehnte „Simpsons“-Erfinder Matt Groening den Namen seiner berühmten Figur aus Nathanael Wests Roman. Doch Wests letzte Veröffentlichung war alles andere als erfolgreich. Erst Mitte der 50er Jahre wurde die Bedeutung seiner Werke erkannt. Heutzutage zählt Nathanael West (1903 – 1940) zu den wichtigsten Autoren der US-amerikanischen Literatur.

„Der Tag der Heuschrecke“ ist ein überaus düsteres Buch. Es geht um Menschen, die auf ganzer Linie gescheitert sind, die sich auch keine Hoffnung mehr auf bessere Zeiten machen, sondern sich mit ihren geplatzten Träumen irgendwie abfinden. Da ist der Cowboy-Darsteller Earl, der nichts auf die Reihe bekommt und mit seinem mexikanischen Freund Hahnenkämpfe veranstaltet, um über die Runden zu kommen. Fay, die es nicht einmal bis zur Komparsin schafft, ihren Tagträumen nachhängt, sich dennoch aufführt wie eine Diva, in Wirklichkeit aber auf den Strich geht. Dann ist da noch der „Zwerg“ Abe Kunich, ein kleinwüchsiger Halbkrimineller, der sich allen aufdrängt. Oder der bereits erwähnte Vater Fays, der als drittklassiger Variete-Künstler auftrat und nun Putzmittel verkauft. Nur Homer Simpson hat eigentlich mit Hollywood nichts zu tun. Er kommt nach Los Angeles, um sich von einer Krankheit zu erholen. Unglücklicherweise begegnet er der hübschen Fay, die zu seinem düsteren Schicksal wird.

Nathanael West (1903 – 1940)

Nathanael Wests letzter Roman geht einem so leicht nicht mehr aus dem Kopf. Mit bitterem Spott macht er sich über seine Mitmenschen lustig und wirkt dabei erschreckend aktuell. Besonders, als er die dumpfe Masse schreiender Fans beschreibt, die auf einen großen Hollywood-Star warten, möchte man nicht meinen, dass der Roman vor fast 80 Jahren erschienen ist. Hier liefert West das Bild einer Gesellschaft ab, deren Mitglieder in eine Mediensucht fliehen, um ihren stupiden Alltag zu ertragen.

Nathanael West starb ein Jahr nach Veröffentlichung des Romans zusammen mit seiner Frau bei einem schweren Autounfall. 1975 wurde das Buch von John Schlesinger verfilmt, und David Bowie zählte den Roman zu seinen Lieblingsbüchern. Ein großartiger Roman, ein Klassiker eben.

Yo-Yo-Girlcops – Kult-Trash aus Japan und ein weniger kultiges Remake

Szenenfoto aus „Sukeban Deka 1“; Copyright: Rapid Eye Movies

Irgendwie kam und kommt aus Japan der bessere Trash. Ein wunderbares Beispiel dafür dürften die beiden Kazama-Schwestern sein, die mithilfe ihrer Yo-Yos den Bösewichten den Garaus machen. 1987 und 1988 entstanden zwei Filme, die so erfolgreich waren, dass die Schauspielerinnen sogar als Bandformation durch die Präfekturen tingelten.

Bei den Kazama-Schwestern handelt es sich um außergewöhnliche Schulmädchen, deren Herkunft im Dunkeln liegt. Auf jeden Fall sind sie sehr kampferprobt. Auch ihre Waffen sind alles andere als gewöhnlich: so gibt es Killer-Origamivögel oder auch die oben genannten Yo-Yos, mit deren Hilfe unter Umständen sogar Helikopter vom Himmel geholt werden können. Die Schwestern arbeiten im Geheimauftrag der Polizei und sollen größenwahnsinnige Verbrecher aus dem Weg räumen.

In Teil 1 aus dem Jahr 1987 haben es Asamyia Saki und ihre Kampfgenossinnen mit einem Cyborg zu tun, der auf einer abgelegenen Insel Schüler zu Attentätern ausbildet. In Teil 2 ist es ein geisitg verwirrter Jura-Student, der Japan in seine Macht bringen möchte.

„Sukeban Deka – The Movie“; Copyright: Rapid Eye Movies

Ganz klar schwierige Aufgaben. Doch die Supermädels haben es drauf, und schon fliegen die Fetzen. Beide Filme sind gefüllt mit bizarrer Action und haufenweise Explosionen, so dass zum Schluss kaum noch ein Stein auf dem anderen liegt.

Teil 1 ist in dieser Hinsicht eindeutig besser und witziger als sein Nachfolger, der zwischendurch ein, zwei Durchhänger hat, bevor es wieder zur Sache geht. Insgesamt aber liefern beide Filme ein wahren Feuerwerk an trashiger Unterhaltung.

Beide Filme liefen damals sehr erfolgreich in den japanischen Kinos. Nach dem zweiten Film jedoch war Schluss mit Lustig, und auch die Gesangs-Tournee wurde wieder abgesetzt. Die Filme selbst waren übrigens Adaptionen einer damals erfolgreichen Manga-Serie.

Etwa 20 Jahre nach den beiden Erfolgen Sukeban Deka 1 und 2, verfilmten die japanischen Studios erneut eine Geschichte um das Yo-Yo schwingende Supergirl Asamiya Saki. Dabei kommt jedoch alles andere als Freude auf.

Inzwischen lebt die frühere Yo-Yo Kämpferin Saki in den USA, wo sie sich dem tristen Alkoholgenuss hingibt. Ihre Tochter wird der Spionage verdächtigt und zurück nach Japan gebracht. Dort kommt es zwischen ihr und der Polizei zu einem Deal: sie soll merkwürdige Todesfälle unter Schülern untersuchen. Wenn ihr die Lösung des Falles gelingt, so kommt sie frei. Die junge Saki nimmt das Angebot an. Bei ihren Nachforschungen kommt sie auf die Spur einer gemeinen Gaunerbande …

Alles in allem überzeugt der neue Saki-Film nur sehr wenig. Waren die früheren Filme voller kurioser Action und bizarrer Bösewichte, so läuft in Yo-Yo Girlcop alles zu normal ab. Im Zentrum des Films steht die Diskussion über die heutige Jugend von Japan, die sich ganz und gar nicht den alten Traditionen anpassen möchte.

Immer diese Schlägereien auf dem Schulhof …; „Yo-Yo-Girlcop“ (2006); Copyright: Rapid Eye Movies

So kommt Saki hinein in eine Welt, in der Schüler gemobbt und schikaniert werden, in der Joints am Schulklo geraucht werden und in der der Selbstmord von Schülern an der Tagesordnung ist. Der Film liefert dadurch ein extrem pessimistisches Bild der japanischen Gesellschaft. Battle-Royal 2-Regisseur Kenta Fukasaku zeigt ein völlig heruntergekommenes Japan, das fast schon dystopische Merkmale besitzt. Dabei verliert er sich jedoch zu sehr in gesellschaftskritischen Aspekten, sodass die eigentliche Handlung flöten geht. So gesehen ist hier Action Mangelware, die Bösen keineswegs so grotesk wie in den 80ern und von Ironie und Witz kann schon fast gar nicht mehr die Rede sein.

Um die Zuschauer dennoch in die Kinos zu locken, engagierten die Produzenten die drei Mitglieder der damals angesagten Girl-Band Vu-Den, die es inzwischen längst nicht mehr gibt. Zwar spielt die Leadsängerin ihre Rolle als Bösewichtin wirklich gut, doch ist ihre Mühe leider vergeblich. Trotz guter Optik, funktioniert die Neuadaption so gut wie gar nicht.

Sukeban Deka 1 u. 2 sind jedoch bis heute Kult und gelten als Actionklassiker des japanischen (Trash-)Kinos.

Sukeban Deka – Der Film/Sukeban Deka 2 – Die Kazama-Schwestern schlagen zurück (OT: Sukeban Deka 1 + 2), Regie: Hideo Tanaka, Drehbuch: Izo Hashimoto, Darsteller: Yui Asaka, Masato Ibu, Keizo Hanie, Goro Kataoka. Japan 1987/88, jeweils 90 Min

Yo-Yo Girl Cop (OT: Sukeban Deka: Kodo nemu = Asamiya Saki), Regie: Kenta Fukasaku, Drehbuch: Shoichi Maruyama, Darsteller: Aya Mahuura, Rika Ishikawa, Shunsuke Ishikawa. Japan 2006, 98 Min

Buddenbrooks – Ein Roman über Emanzipation?

Thomas Manns Buddenbrooks – Verfall einer Familie (1901) wird gerne auch als „Jahrhundertroman“ bezeichnet. Es ist nicht nur der Roman einer Familie, sondern eigentlich der Roman seiner Familie, nahm Mann doch die Geschichte seiner Vorfahren als Blaupause für dieses epische Werk. Als Thomas Mann dafür 1929 den Nobelpreis für Literatur erhielt, ärgerte er sich ein wenig, dass in der Laudatio sein Zauberberg unberücksichtigt geblieben war, den er für stilistisch ausgereifter hielt als die Geschichte über den Untergang einer reichen Kaufmannsfamilie.

Endlich habe ich den Roman ebenfalls gelesen, nachdem ich mich immer wieder davor gedrückt habe. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich dieses kolossale Werk erst jetzt für mich entdeckt habe, denn so kam ich in den Genuss eines packenden Familiendramas, das sich zwar über mehrere Generationen erstreckt, sich aber auf das Schicksal von Thomas Buddenbrook und seiner Geschwister konzentriert.

Obwohl Thomas Buddenbrook im Zentrum des Geschehens steht, so fällt auf, dass seiner Schwester Toni Buddenbrook beinahe genauso viel Raum in der Geschichte zukommt. Manchmal dachte ich mir sogar, dass Thomas Mann Antonie interessanter fand als Thomas, vor allem da mit ihr ein weiteres Thema in den Roman Einzug erhält, nämlich das der Emanzipation.

Toni ist von Anfang an ein aufgewecktes Kind, das sich gegen alle Konventionen stellt. Schnell aber muss sie erfahren, dass sie als Frau vollkommen dem Patriarchat unterliegt. Ihre einzige wahre Liebe findet keine Erfüllung. Stattdessen wird sie gezwungen, den widerlichen und aufdringlichen Kaufmann Bendix Grünlich zu heiraten. Bendix hat es natürlich nur auf die Mitgift abgesehen. Die Ehe scheitert. Doch Toni muss von da an mit den Schmähungen fertig werden, welche die Gesellschaft gegenüber geschiedenen Frauen hegt.

Alleinerziehend, lebt sie wieder bei ihrer Familie, bis sie in München einen weiteren sonderbaren Kauz namens Alois Permaneder kennenlernt, dessen Verhalten sie zunächst fasziniert, der sie jedoch später mit dem Hausmädchen betrügt. Wiederum ist Toni geschieden und muss die oben erwähnten Schmähungen erleiden.

Trotz ihres Scheiterns aber lässt sie nicht locker. Sie beginnt, sich mit Wahlrecht auseinanderzusetzen, was die Männerwelt geradezu schockiert. Ich glaube, dass in einem der letzten Kapitel sogar steht, dass sie sich Gedanken über das Frauenwahlrecht macht. Eine ganz kurze Stelle, die Thomas Mann wie nebenbei erwähnt.

Ein weiterer Aspekt, der mit dem Thema Emanzipation einhergeht, findet sich bei Thomas Buddenbrooks Bruder Christian, der immer wieder betont, dass er es in einem Büro nicht aushält, sondern lieber selbständig und frei werden möchte. Ähnlich wie bei Toni, so ist auch sein Streben nach Unabhängigkeit zum Scheitern verurteilt, was jedoch an ihm selbst liegt und nicht an der Gesellschaft.

Er ist überaus naiv und leichtsinnig, möchte so etwas wie ein Bohemien oder Dandy sein, doch prallen seine Vorstellungen mit voller Wucht immer wieder auf die Realität, die so aussieht, dass Christian unter einer immer stärker werdenden Psychose leidet.

Sowohl Toni als auch Christian finde ich aufgrund ihrer Versuche, sich von den traditionellen Regeln zu lösen, am interessantesten in dem Roman. Ihre Schicksale sind überaus bewegend und mitreißend, wobei man jedoch gegenüber Christian stets eine Mischung aus Sympathie und Ablehnung hegt. Sein Verhalten erscheint manchmal extrem egoistisch, was jedoch auch auf seine Psychose zurückzuführen ist.

Emanzipation ist natürlich nur eines von vielen Themen, die in diesem großartigen Roman zu finden sind. Doch verleiht dies, wie ich finde, den Buddenbrooks einen zusätzlichen Reiz und eine zusätzliche Spannung.

Öl! – Upton Sinclairs Abrechnung mit dem Kapitalismus

Cover der Neuübersetzung

Oil! lautet der bekannteste und erfolgreichste Roman von Upton Sinclair aus dem Jahr 1927. Der Roman entwickelte sich schnell zum Skandal, da Sinclair darin u. a. über Sex vor der Ehe schrieb, was in den damaligen Medien als geradezu unerhört galt. Der Roman wurde zensiert, Sinclair jedoch verkaufte die Originalfassung selbst auf den Straßen Bostons. Als kleiner Gag hatte er sich ein großes, aus Pappe gefertigtes Feigenblatt umgehängt, um sich lustig über die Moralapostel zu machen.

Diese als Fig Leaf Edition bekannte Ausgabe wurde in Deutschland unter dem Titel Petrolium veröffentlicht. Der Malik Verlag hatte sich einen Spaß erlaubt und ein Lesezeichen eingebunden, das mit einem Feigenblatt versehen war. So konnten die Leser, so lautete die damalige scherzhafte Werbung, die moralisch bedenklichen Stellen mit eben diesem Feigenblatt abdecken.

Cover der Erstausgabe von 1927

Durch diesen Skandal geriet das eigentliche Thema des Romans beinahe aus dem Blickfeld. Öl!, so der Titel der deutschen Neuübersetzung, ist Upton Sinclairs Abrechnung mit dem kapitalistischen System und orientiert sich an tatsächlichen Begebenheiten. Es geht um den Ölbaron James Arnold Ross, der in dem Roman hauptsächlich nur Dad genannt wird, und seinen Sohn James Arnold Ross Jr., von allen Bunny genannt. Dad hat sich vom Maultiertreiber über einen Kramladenbesitzer bis zu einem reichen Besitzer diverser Ölquellen hochgearbeitet und hofft, dass Bunny das Unternehmen weiterführen wird.

Bunny jedoch hat anderes im Sinn. Von Anfang an bemerkt er die soziale Ungerechtigkeit, die von den Ölbossen aufrechterhalten wird, um an billige Arbeitskräfte zu gelangen. Durch die (schwierige) Freundschaft mit Paul Watkins, der in einer bitterarmen Farmerfamilie aufgewachsen ist und nun als Freidenker durch die Lande zieht und sich dabei mehr und mehr zum Kommunismus hingezogen fühlt, beschäftigt sich auch Bunny mit den sozialistischen Theorien und setzt alles daran, um die Bedingungen, unter denen die Arbeiter auf den Ölfeldern arbeiten müssen, zu verbessern.

Upton Sinclair beim Verkauf der „Fig Leaf Edition“ in Boston

Den Konflikt, der dadurch zwischen Dad und Bunny entsteht, nutzt Sinclair, um eine vehemente Kritik am kapitalistischen System der USA einzuflechten. Dabei geht er teils satirisch, teils anklagend vor, schreibt aber vor allem einen der wohl packendsten Romane, die jemals verfasst wurden.

Zwar lässt sich Upton Sinclair anfangs Zeit, um seine beiden Hauptfiguren vorzustellen, doch danach reißt einen der Roman regelrecht mit. Bunny ist hin und her gerissen zwischen seinen Pflichten gegenüber seinem Vater und seinem Drang, die Welt zu verbessern. In der High Society stoßen seine sozialen Verbesserungsvorschläge nur auf Hohn und Spott. Dennoch setzt er seinen Weg fort, gründet eine linke Studentenzeischrift und hilft bei der Organisation der ersten Gewerkschaften mit.

Die Ölmagnaten jedoch wollen diese Entwicklung mit allen Mitteln unterdrücken und senden brutale Schlägertrupps zu den Versammlungen. Parallel dazu schildert der Roman die Entwicklung von Paul Watkins zum Gewerkschaftsführer. Im Ersten Weltkrieg kommt er bis nach Sibirien, wo er mitansehen muss, auf welche grausame Weise die gesellschaftliche Entwicklung in Russland vorangeht, währenddessen US-Konzerne den blutigen Konflikt am Laufen halten wollen, um durch den Verkauf von Waffen weiter Geld scheffeln zu können.

Die mehr als 700 Seiten liest man praktisch in einem Zug durch, so sehr lässt einen die Handlung nicht mehr los. Im Gegensatz zu seinem darauffolgenden Roman Boston, der doch gewisse Längen aufweist, ist Öl! ein durch und durch spannendes Buch, das heute eigentlich zur Pflichtlektüre werden müsste, wenn man die derzeitgen Entwicklungen betrachtet. Denn das, was Upton Sinclair 1927 über die zerstörerische Kraft des Kapitalismus schrieb, hat im Trump-Zeitalter bzw. im Zeitalter des Populismus nichts von seiner Aktualität verloren.

2007 wurde der Roman übrigens unter dem Titel There will be Blood verfilmt, auch wenn es sich um eine sehr lose Adaption handelt.