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Archive for the ‘Essay’ Category

exorzistAm 12. Januar starb Autor William Peter Blatty. Für längere Zeit arbeitete er als Drehbuchautor mit Komödienspezialist Blake Edwards zusammen, doch seine eigentliche Bekanntheit erlange Blatty durch „Der Exorzist“. 1971 veröffentlicht, wurde der Roman rasch zum Bestseller. Die filmische Adaption aus dem Jahr 1973 zählt bis heute zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten.

Blatty, der eigentlich Priester werden wollte, arbeitete für einige Jahre als Verwaltungsangesteller an verschiedenen Universitäten. Während dieser Zeit begann er in seiner Freizeit mit dem Schreiben von Romanen. Sein Buch „Der Exorzist“ basiert auf einem wahren Fall aus dem Jahr 1949: an einem Jungen, der angeblich von Dämonen besessen war, wurde damals ein Exorzismus durchgeführt. In dem Roman ist es die 12-jährige Regan, die von dem Dämonen Pazuzu besessen wird. Zunächst glaubt ihre Mutter, dass Regan unter psychischen Störungen leidet. Doch schließlich stellt sich heraus, dass kein Arzt ihr helfen kann …

exorzist2Der Zeitpunkt für eine Veröffentlichung von „Der Exorzist“ hätte nicht besser gewählt werden können. Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre gab es einen Trend hin zum Esoterischen und Okkulten. Blattys Roman und auch der späteren Verfilmung aber lag es nicht einfach daran, eine  Modeerscheinung aufzugreifen, obwohl dies natürlich den Umsatz förderte. In „Der Exorzist“ geht es um viel mehr.

Film und Roman befassen sich mit den Ängsten und dem Wirrwarr der Postmoderne, mit einer aufkommenden Epoche also, in der sich bisherige Strukturen auflösen. Der Priester zweifelt an seinem Glauben, nicht weniger sind die Ärzte von ihrem fachlichen Wissen überzeugt. Während der Priester Regans Mutter einen Psychiater vorschlägt, um die Symptome zu behandeln, raten ihr die Ärzte, einen Exorzismus durchzuführen. In „Der Exorzist“ verläuft alles seitenverkehrt. Es herrscht ein unübersichtliches Chaos. Das rationale Weltbild bekommt Risse, durch die etwas hindurchschimmert, das aufgeklärte Geister wohl als Aberglaube abtun würden. Nur, dieser Aberglaube ist unheimlich lebendig. Das Irrationale wird zu einer Bedrohung für den modernen Menschen innerhalb der Postmoderne. Was glauben wir nur und was wissen wir wirklich?

exorzist1Diese Fragestellung griff Blatty in seinem Roman „Legion“ (1983) wieder auf, nachdem das Sequel „Der Exorzist II“ sich als ein filmisches Desaster herausgestellt hatte, mit dem Blatty nicht in Verbindung gebracht werden wollte. In dem Roman geht es um Inspektor Kinderman, der einer Reihe unheimlicher Morde nachgeht und letztendlich dem Bösen gegenübersteht. Erneut landete Blatty damit einen Bestseller, doch erst 1990 kam es zu einer Adaption – durch Blatty selbst. Der Film spielte zwar das Dreifache seiner Kosten ein, blieb aber dennoch hinter den Erwartungen der Studios zurück.

Obwohl William Peter Blatty weitere Romane schrieb, blieb „Der Exorzist“ sein bekanntestes Buch.

 

 

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bronte3Im Grunde genommen ist es etwas Schönes, noch nicht alle Klassiker gelesen zu haben. Denn so kommt man immer wieder in den Genuß großartiger Geschichten und damit großartiger Unterhaltung.

So stieß ich erst kürzlich auf Charlotte Brontes „Jane Eyre“. Obwohl ich Emily Brontes „Sturmhöhe“ regelrecht verschlungen habe, machte ich um die Romane der anderen Schwestern einen Bogen. Einerseits könnte man sagen, ein Fehler, andererseits aber, was für ein Glück, denn so stieß ich auf einen Roman, den ich noch nicht kannte und der mich regelrecht packte, mitriß und bei dem ich es schade fand, dass es eine letzte Seite gibt.

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Charlotte Bronte ca. 1850

Bis heute hat die Geschichte um eine junge Frau, die als Gouvernante in das unheimliche Haus des mysteriös-sinnlichen Edward Rochester kommt, nichts von ihrer Spannung und ihrer Dramatik verloren. Schon von der ersten Seite an zieht der Roman den Leser in seinen Bann. Als Waise muss Jane Eyre bei ihrer bösartigen Tante und deren widerlichen Kindern leben, bevor sie ganz verstoßen wird und in die Erziehungsanstalt Lowood kommt. Dort ergeht es ihr kaum besser, doch findet sie zumindest Freunde. Nachdem die miserablen Bedingungen, die in dem Heim herrschen, publik gemacht werden, verbessert sich die Situation der Kinder ein wenig. Jane wird zu einer der besten Schülerinnen und arbeitet dort nach ihrem Abschluss als Lehrerin.

Eines Tages aber beschließt sie, sich nach einer anderen Stelle umzusehen. Auf eine Annonce hin erhält sie eine einzige Antwort: sie könne in Thornfield Hall, dem Sitz von Edward Rochester, ein kleines Mädchen unterrichten. Jane nimmt das Angebot an, doch kaum ist sie in dem Landsitz angekommen, als es dort zu unheimlichen Zwischenfällen kommt …

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Jane Eyre und Edwin Rochester

Mit Edward Rochester ist Charlotte Bronte eine unglaublich komplexe Figur gelungen, die, sowohl düster als auch sinnlich, direkt aus einem echten Schauerroman entsprungen sein könnte. Andererseits aber war es ja auch das Ziel der Autorin, die Elemente des Unheimlichen mit denen einer gewitzten Liebesgeschichte zu verbinden. Nein, Kitsch sucht man hier vergeblich. Die Dialoge, die sich zwischen Rochester und Jane entwickeln, suchen ihresgleichen in der Literatur. Ein unglaubliches Spiel der Sprache, ein Spiel der Sinne, verbunden mit einem sanften Humor. Es sind vor allem die Dialoge, die dem Roman diese Lebendigkeit verleihen, die Figuren regelrecht dreidimensional erscheinen lassen.

Rochester gegenüber stellt sie Jane Eyre, die, in der Liebe unerfahren, dem rätselhaften, oft launischen Großgrundbesitzer Paroli bietet. Jane ist eine selbstbewusste Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt und dadurch das Interesse Rochesters weckt, der eigentlich nur Gehorsam und schöne Worte gewöhnt ist.

Immer wieder gelingen Charlotte Bronte so großartige Szenen, dass man beim Lesen eine regelrechte Gänsehaut bekommt. Die Szene, in der Janes Freundin Helen in Lowood stirbt, lässt mit Sicherheit niemanden kalt. Unglaublich, wie es der Autorin gelingt, diesen Verlust so zu schildern, dass man selbst Janes Trauer und Schmerz spürt. Eine sanfte, doch zugleich, in ihrer Wirkung, gewaltige Szene.

bronte4Später, nachdem Jane die Annonce aufgegeben hat, kommt es zu einem weiteren Geniestreich: Jane erhält nur eine einzige Antwort auf ihre Anzeige. Das Mysteriöse schleicht sich dadurch in die Geschichte, und Jane sowie der Roman schreiten dadurch über die Schwelle des Normalen hin zum Sonderbaren und Mysteriösen. Ab hier gewinnt der Roman erneut an Spannung, nimmt regelrecht an Fahrt auf, das Unheimliche mischt sich in die Liebe zwischen Rochester und Jane – und mündet in einer Katastrophe. Damit habe ich keineswegs zu viel verraten, denn auf den Leser warten noch weitere Wendungen, die alle ihre Wirkung nicht verlieren.

Charlotte Brontes „Jane Eyre“ ist jedoch viel mehr als nur eine Mischung aus Liebes- und Schauerroman. Es ist zugleich eine köstliche Satire auf die Oberschicht, die zudem bis heute kaum etwas von ihrer Aktualität verloren hat, eine Kritik an der Gesellschaft im allgemeinen, die ebenso heute noch ihre Gültigkeit besitzt, und nicht zuletzt prangert Charlotte Bronte den damaligen Umgang mit den Gouvernanten an, die den Launen verzogener Kinder vollkommen ausgeliefert waren, was ihre Tätigkeit nicht selten zu einem Albtraum werden ließ.

Neben der unerhörten Spannung beinhaltet der Roman somit noch eine große Themenvielfalt, welche die Geschichte zusätzlich interessant macht. Wer „Jane Eyre“ noch nicht kennt, hat wirklich Glück gehabt, denn er hat noch ein überaus großes Lesevergnügen vor sich.

 

 

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schritteindernacht1948 kam ein Film in die Kinos, der als Prototyp für spätere True Crime-Serien gelten kann. „Schritte in der Nacht“ basiert auf einem wahren Kriminalfall und wurde an den tatsächlichen Tatorten gedreht. Es geht um das Hollywood Police Department, das den Mord an einem Polizisten aufklären muss. Der Fall jedoch entpuppt sich als äußerst kompliziert. Stets ist der Täter der Polizei einen Schritt voraus. Erst als es zu einer plötzlichen Reihe von Ladendiebstählen kommt, scheinen die Kriminalbeamten eine erste Spur zu haben.

Äußerst ungewöhnlich für die damalige Zeit ist, dass „Schritte in der Nacht“ in Form einer Reportage gedreht wurde. Aus diesem Grund gibt es unter den Polizisten auch nicht den Helden, der die Sache schließlich aufklärt. Was zählt, ist Teamwork. Und so folgt die Kamera den einzelnen Mitarbeitern bei ihrer Arbeit. Ziemlich genau zeigt der Film das Vorgehen der Fahnder und gibt detaillierte Einblicke in die Laborarbeit. Dem gegenüber steht der Täter Roy als gesellschaftlicher Außenseiter. Zum einen versucht er, nach dem Mord an dem Polizisten, seine Spur zu verwischen, zum anderen aber drängt es ihn immer erneut dazu, weitere Straftaten zu begehen. Daraus entwickelt sich eine Art Katz und Maus-Spiel, bei dem interessanterweise nur Roy als Identifikationsfigur zur Verfügung steht. Während die Mitarbeiter des Departments ausschließlich durch ihre Arbeit definiert werden, verleiht der Film dem Antagonisten eine genauere Charakterisierung. Man bekommt Einblicke in seiner Persönlichkeit und sein Privatleben, in dem vor allem sein Hund eine zentrale Rolle spielt.

Bei den Filmfestspielen in Locarno wurde „Schritte in der Nacht“ damals als bester Polizeifilm ausgezeichnet. Auch jetzt noch hat der Film nichts von seiner Faszination und Spannung verloren. Sensationell ist die Verfolgung Roys durch die Kanalisation von Los Angeles. Hier bekommt der Film einen geradezu paranoiden Beigeschmack. Bis heute gibt es eine Debatte, ob Alfred L. Werker oder Anthony Mann Regie führten. Nach Thomas Willmann, scheint viel dafür zu sprechen, dass Werker beinahe den gesamten Film von Anthony Mann hatte drehen lassen. Als Indiz dafür gilt die Machart des Films, die nicht ganz den Arbeiten Werkers entspricht. Auch weisen damalige Hintergrundberichte darauf hin, dass Anthony Mann als eigentlicher Regisseur bezeichnet werden muss. Doch unabhängig von dieser Diskussion, ist und bleibt „Schritte in der Nacht“ eine hervorragende Mischung aus Thriller und Kriminalfilm.

Schritte in der Nacht (OT: He walked by Night), Regie: Alfred L. Werker, Anthony Mann, Drehbuch: Crane Wilbur, John G. Higgins, Produktion: Bryan Foy, Robert T. Kane, Darsteller: Richard Basehart, Scott Brady, Whit Bissel, Jim Cardwell, Felice Ingersol. USA 1948, 76 Min.

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manfromplanetxDie 50er Jahre waren, was die B-Picure betfrifft, das Jahrzehnt der Invasionen. Manchmal verläuft eine solche offensichtlich, manchmal eher heimlich. Fast schon super-heimlich ist die Invasion, die der Trash-Klassiker „The Man from Planet X“ aus dem Jahr 1951 schildert. Denn dort ist ausnahmsweise mal nicht die USA von fliegenden Untertassen bedroht, sondern eine abgelegene Insel vor Schottland.

In dem Film entdeckt Professor Elliot einen unbekannten Planeten, den er als Planeten X bezeichnet. Das Besondere daran ist, dass der Himmelskörper seine Position verändert und sich dabei der Erde nähert. Elliot ruft deswegen den Reporter John Lawrence an, da er ihm eine sensationelle Story versprochen hat. Kurz darauf überschlagen sich schon die Ereignisse. Kurz nachdem Lawrence das abgelegene, turmartige Haus des Professors erreicht (es liegt mitten im Moor), entdeckt der Reporter zusammen mit Enid, der Tochter des Professors, seltsame Blitze, die von einem metallenen Gegenstand ausgehen, der mitten im Moor liegt. Schnell finden sie heraus, dass es sich dabei um ein Raumschiff handelt. Und mit dem Außerirdischen ist nicht gut Kirschenessen, plant er doch eine Invasion vom Planeten X auf die Erde …

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Enid (Margaret Fields) begegnet dem Man from Planet X (Pat Goldin).

Bei „The Man from Planet X“ handelt es sich um eine Low-Budget-Produktion, deren Handlung nicht nur originell, sondern überaus spannend in Szene gesetzt ist. Natürlich findet man darin die typischen Elemente der Trash-Filme der 50er Jahre, doch verbindet der Film diese Aspekte mit den Merkmalen eines klassischen Gruselfilms. Natürlich sind fast alle SF-Filme der 50er Jahre eine Mischung aus Horror und SF, doch „Man from Planet X“ verbindet SF mit Schauerromantik, was dem Film eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.

Der österreichische Regisseur Edgar G. Ulmer, der während der Stummfilmzeit an Klassikern wie „Der Golem“ oder „Metropolis“ beteiligt war und in den 30er Jahren nach Hollywood kam, sorgt von Anfang an für Spannung und eine ungeheure Dichte. So beginnt der Film kurz vorm Finale, in dem Lawrence verzweifelt im Haus des Professors sitzt und den Bericht über die seltsamen Ereignisse schreibt, um nach wenigen Minuten die Geschehnisse zu erzählen, die zu eben dieser Situation geführt haben, in der Lawrence praktisch eine Art „Last Man on Earth“ darstellt.

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Eine Optik, die einfach genial ist: Film Noir trifft Horror in „Man from Planet X“.

Eine Besonderheit des Films ist, dass er, im Gegensatz zu vielen anderen B-Movies der 50er Jahre, die Menschen nicht als gut und die Außerirdischen als böse, sondern beide als Sowohl-als-auch-Typen kreiert. So möchte z.B. Elliots Assistent Dr. Mears aus dem ungewöhnlichen Metall, das im Moor gefunden wurde, sofort Geld machen und setzt alles daran, um seine Gier zu befriedigen. Hier wird also der Wissenschaftler keineswegs als Idealbild dargestellt wie in anderen damaligen SF-Filmen, sondern „Man from Planet X“ geht auf die Verbindung zwischen Forschung und Wirtschaft ein, wobei er diese durchaus kritisch betrachtet. Dr. Mears schreckt auch nicht vor Folter zurück, um an das Geheimnis des Metalls zu kommen. Die Szenen, in denen Mears den Außerirdischen quält, sind harter Tobak und nehmen quasi die Verwischung der Grenze zwischen Gut und Böse, die die postmodernen Horrorfilme der 70er Jahre aufgriffen, vorweg. All dies setzt Ulmer mit einer sehr guten Optik um, die dem Film einen Stil verleiht, der irgendwo zwischen deutschem Expressionismus und Film Noir liegt.

Um den Film herum bildete sich in späteren Jahren ein Gerücht, dass der Darsteller des Außerirdischen unbekannt sei. Dieses hat seinen Ursprung anscheinend in einem Interview mit den beiden Hauptdarstellern, die sich nicht mehr erinnern konnten, wer den Außerirdischen gespielt hat. In der Tat aber handelt es sich um den Darsteller Pat Goldin, der immer wieder in Nebenrollen zu sehen war.

„The Man from Planet X“ ist ein heimlicher Klassiker des SF-Films. Heimlich deswegen, da er zwischendurch beinahe in Vergessenheit geraten war. Inzwischen aber wird er – vor allem in den USA – von Kritikern gelobt. Da der Film nie in deutschen Kinos gezeigt wurde, ist Ungers kleines Meisterwerk hierzulande so gut wie unbekannt.

The Man from Planet X. Regie: Edgar G. Ulmer, Drehbuch u. Produktion: Aubrey Wisberg, Jack Pollexfen, Darsteller:  Robert Clarke, Margaret Fields, Raymond Bond, William Schallert. USA 1951, 70 Min.

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In den 50er Jahren wurde das Kino quasi neu erfunden. Der Grund: Die Zuschauerzahlen gingen rapide zurück. Das Fernsehen führte dazu, dass immer mehr Leute zuhause blieben und sich Filme und Serien in den eigenen vier Wänden ansahen. So standen vor allem die großen Produktionsfirmen vor einem Riesenproblem. Denn die Kosten für die Filme konnten nur noch schwer eingefahren werden.

50erJahre1Im selben Zeitraum kam es allerdings zu einer technischen Innovation. Zum einen experimentierten verschiedene Firmen mit 3D-Kameras und Projektoren und zum anderen revolutionierte man den Sound, indem man von Mono auf Stereo umsattelte. Das Problem war jedoch, dass dafür die Kinobesitzer ihre vorhandene Technik umrüsten mussten. Und das war teuer (manche Quellen geben einen Betrag von 100.000 Dollar an). Kleinere Lichtspieltheater konnten sich das nicht leisten. Ein weiteres Problem lag darin, dass verschiedene Produktionsfirmen mit unterschiedlichen 3D-Techniken hantierten, was im schlimmsten Fall bedeutete, dass manche Filme auf den umgerüsteten Projektoren nicht abgespielt werden konnten. Erst die Pola-Light-Linse führte dazu, dass alles wieder ins rechte Lot gerückt wurde, sodass nun, aufgrund der äußerst geringen Umrüstungskosten von ca. 100 Dollar jeder mitmachen konnte, also sowohl die großen Kinoketten als auch die privaten Lichtspielhäuser in den Seitenstraßen.

Einer der ersten 3D-Farbfilme mit Dolby Stereo-Sound war der Horrorfilm „House of Wax“ (1953), ein Remake der gleichnamigen Produktion aus den 30er Jahren. In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Das Kabinett des Professor Bondi“. Warner entschied sich aus Kostengründen für eine Neuverfilmung. Die Rechte waren bereits im Besitz der Firma und der Originalfilm war bereits sehr erfolgreich in den Kinos gelaufen. Vincent Price spielt darin einen Bildhauer, der ein sonderbares Wachsmuseum betreibt. Manche der Figuren ähneln kürzlich Verstorbenen. Zugleich treibt ein unheimlicher Mörder sein Unwesen in den nächtlichen Straßen der Stadt. Und schon bald wittert die Polizei einen schrecklichen Zusammenhang zwischen den Mordfällen und dem Museum.

50erJahre2Der Film war ein Riesenerfolg. Er spielte in nur einer Woche das dreifache seiner Produktionskosten wieder ein. „House of Wax“ stellte echtes Sensationskino dar. Die Story war so konzipiert worden, dass die 3D-Technik voll zur Geltung kommen konnte. Hinzu kam der Sound, der aus allen Richtungen zugleich zu kommen schien. Der Filmhistoriker Kevin Heffernan beschreibt die Wirkung der Soundeffekte in seinem Buch „Gimmicks, Ghouls, and Gold“ recht genau. In einer Szene zum Beispiel, in der ein Mann einen Stuhl in Richtung Kamera wirft, scheint der Stuhl aus der Leinwand über die Zuschauer hinweg zu fliegen. Das Aufprallen des Stuhls erklang dann aus dem rücktwärtigen Kinosaal. Der ganze Film war bespickt mit solchen Effekten.

50erJahreMan schien also einen Weg gefunden zu haben, wie man das Publikum doch noch aus dem Fernsehsessel in den Kinosaal bringen konnte. Weitere 3D-Filme mit Stereo-Sound wurden produziert. Allerdings nicht alle in Farbe. Einer der bekanntesten Filme ist „The Creature from the Black Lagoon“ (1954), dessen Erfolg zu zwei Sequels führte (beide ebenfalls in 3D). Regie führte B-Picture-Ikone Jack Arnold, der auch „It came from Outer Space“ (1953) drehte, indem ebenfalls die 3D-Effekte dazu genutzt wurden, um den Horrormomenten eine bessere Wirkung zu verleihen. 3D wurde so populär, dass im Laufe der 50er Jahre nicht nur Horror- und SF-Filme in diesem Format gezeigt wurden, sondern auch Krimis, Thriller und Dramen. Interessant ist, dass man auch den Monsterfilm „Them!“ (1954) zunächst in 3D produzieren wollte, aufgrund von Streitigkeiten zwischen Produzenten und Regisseur diese aber dann doch nicht angewandt wurde. So dürfte „Them!“ der einzige Film sein, dessen Szenenaufbau und Choreographie an einen 3D-Film erinnert, ohne aber wirklich 3D zu sein.

Der 3D-Boom ebbte Ende der 50er Jahre wieder ab. War 3D Anfang der 50er noch eine Sensation, so wurde die Sensation zur Langeweile, da sich die Effekte stets wiederholten. Also blieben die Zuschauer wieder zuhause und sahen lieber Fern. Es folgte erneut eine Krise, die dazu führte, dass die Anzahl der produzierten Filme Ende der 50er Jahre drastisch zurückging, sodass manche Kinobesitzer begannen, sich Sorgen zu machen, da sie über das Jahr hinweg nicht genügend Filme vorführen konnten. Dieses Mal retteten nicht die großen Firmen den Laden, sondern die kleinen Produktionsfirmen, die sich auf die Herstellung von Low-Budget-Filmen spezialisert hatten. Ihre Filme füllten sozusagen die Angebotslücke und beeinflussten das Filmemachen bis heute.

Text enthält Informationen aus:

Kevin Heffernan: Gimmicks, Ghouls, and Gold.

Robin Means Coleman: Horror Noire.

 

 

 

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tenlittleindiansAgatha Christies Roman „Zehn kleine Negerlein“ (1939) zählt zu ihren erfolgreichsten Romanen und wurde mehrfach verfilmt. Während die erste Adaption aus dem Jahr 1945, die unter dem Titel „And then were None“ in die Kinos kam, stark auf Atmosphäre setzt, versucht sich die Version aus dem Jahr 1965 mehr in Sachen Action. Die dritte Adaption aus dem Jahr 1974 ist ein Remake des Films von 1965.

Während der Roman auf einer Insel vor England spielt (der Handlungsort wurde von der ersten Adaption übernommen), spielt „Ten little Indians“ auf einem einsam gelegenen Schloss in den Alpen. Die Version aus dem Jahr 1974 verlegt den Ort in ein mitten in der iranischen Wüste gelegenes Luxushotel. Handelt es sich bei den ersten beiden Adaptionen um Schwarzweißfilme, so ist „And then were None“ aus den 70ern die erste Farbversion der Geschichte.

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Die geladenen Gäste in „Das letzte Wochenende“ (1945)

Die Grundhandlung ist in allen drei Filmen dieselbe: Zehn Gäste werden eingeladen, das Wochenende an einem abgelegenen Ort zu verbringen. Niemand kennt den Gastgeber, der sich U. N. Owen nennt. Nach einem köstlichen Dinner erklingt auf einmal eine Stimme, die alle zehn Gäste bezichtigt, jeweils ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Als kurz darauf einer der Gäste stirbt und alle Verbindungen zur Außenwelt gekappt sind, spitzt sich die Situation von Minute zu Minute zu.

Agatha Christies Roman ist ein echter Pageturner und man könnte ohne weiteres behaupten, dass sie mit ihrer Idee die Grundstruktur des Slasher vorweggenommen hat. René Clair, der Regie bei der ersten Adaption führte, hält sich sehr genau an den Roman. Sein Film wurde später beim Filmfest von Locarno als bester Film ausgezeichnet. Mit Witz und einer zugleich beklämmenden Atmosphäre weiß Clair, den Zuschauer bestens zu unterhalten.

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Die geladenen Gäste in „Das Geheimnis im blauen Schloss“ (1965)

Wie oben bereits erwähnt, setzte „Ten little Indians“ mehr auf Action. Regie führte George Pollock, der bereits die bekannten Miss Marple-Filme in Szene gesetzt hatte. Das Drehbuch stammte von Peter Welbeck, ein Pseudonym des Regisseurs und Produzenten Harry Alan Towers, der vor allem im Trash- und Thrillergenre beheimatet war. Neben den Fu Man Chu-Filmen, war er auch für mehrere der Edgar Wallace-Filme verantwortlich. In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Das Geheimnis im blauen Schloss“ in den Kinos und reihte sich dadurch nahtlos in die Titel seiner sonstigen Filme ein. Mario Adorf spielt darin den zwielichtigen Diener Joseph Grohmann. Ebenfalls mit von der Partie sind Bond-Girl und Trash-Ikone Shirley Eaton sowie Daliah Lavi, die u. a. in dem Mario Bava-Film „Der Dämon und die Jungfrau“ mitgewirkt hat. Der Film ist überaus rasant inszeniert und hält sich in gewisser Weise an die Regel Roger Cormans, dass in jeder Szene etwas passieren muss. Hinzu kommen die genial-schrillen Schreie Dalia Lavis, die auch heute noch Glas zerspringen lassen.

tenlittleindians6Harry Alan Towers fiel anscheinend nichts mehr ein, als er auf die Idee kam, seinen Erfolg aus dem Jahr 1965 im Jahr 1974 einfach nochmals zu verfilmen. Dabei gab er sich nicht einmal die Mühe, Dialoge neu zu schreiben, sondern übernahm das vorherige Drehbuch in großen Teilen. Das einzige, was sich änderte, war das Set und die Stars. Michel Piccoli, Gerd Fröbe, Oliver Reed und Elke Sommer sind mit von der Partie sowie Towers‘ Frau Maria Rohm, die immer wieder in den von ihm produzierten Filmen mitspielte –  hier ist sie als Hotelangestellte Elsa Martino zu sehen. War „Das Geheimnis im blauen Schloss“ noch kurzweilige Unterhaltung, so wirkt „Ein Unbekannter rechnet ab“ (so der deutsche Titel) eher lustlos und aufgesetzt. Schuld daran war wohl Regisseur Peter Collinson, der sich mit allen und jedem stritt und eine ziemliche Zicke gewesen sein muss. Gut an dem Film sind lediglich die Schauspieler, die versuchen zu retten, was zu retten ist. Ansonsten aber zählt der Film eher zur Kategorie der überflüssigen Produktionen.

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Die geladenen Gäste in „Ein Unbekannter rechnet ab“ (1974)

Neben diesen drei Kinofilmen gab es immer wieder TV-Filme, die sich auf den Roman von Agatha Christie beziehen. Die Queen of Crime hatte übrigens Probleme in den USA wegen des Titels „Ten little Indians“ und wegen des Namens der Insel, der Nigger Island lautet. Mit dem Buchtitel befürchtete man, die indianische Bevölkerung zu beleidigen und Nigger Island wurde als zu rassistisch eingestuft. Daher wählte man für die US-Ausgabe den Titel „And then were None“. In der deutschen Übersetzung gibt es ebenfalls eine Anmerkung zum Namen der Insel, indem beteuert wird, dass hinter dem Namen keine rassistischen Absichten liegen. Übrigens: Wer den Roman noch nicht kennt, sollte ihn unbedingt einmal lesen.

 

 

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Im Jahr 2000 tat sich etwas bei der größten spanischen Produktionsfirma Filmax. Eine kleine Firma, die sich ausschließlich auf die Herstellung von Horrorfilmen konzentrieren sollte, wurde von Regisseur Brian Yuzna und Filmax-Chef Julio Fernández gegründet. Die Euphorie war groß, befand sich doch das Horrorgenre im Aufwind. Den Anstoß für die Reanimierung des Horrorfilms hatte Wes Craven 1996 mit „Scream“ gegeben. Seit dem gab es kein Halten mehr. Angestachelt durch die Krise in Hollywood und dem gleichzeitigen Erfolg japanischer und koreanischer Horrorfilme, wagten sich nun auch mehr und mehr andere nicht-us-amerikanische Filmfirmen auf den internationalen Markt.

faustDie Firma, welche von Brian Yuzna und Filmax gegründet wurde, trug den Namen Fantastic Factory. Den Anfang machte eine Comic-Adaption mit dem Titel „Faust – Love of the Damned“ (2000), in dem der nach Rache sinnende Künstler John Jaspers Bekanntschaft macht mit einem mysteriösen Mann namens M. Dieser verleiht ihm übermenschliche Kräfte, allerdings muss Jaspers dafür mit ihm einen Vertrag über seine Seele abschließen. Doch Jaspers ist dies in diesem Moment egal. Was er möchte, ist Rache an den Mördern seiner Frau zu nehmen. Sein blutiger Rachefeldzug wurde mithilfe der bizarren Spezial- und Make up-Effekte des japanisch-amerikanischen Künstlers Screaming Mad George umgesetzt. Der Film entwickelte sich, trotz eher schlechter Kritiken, zum Geheimtipp und gilt inzwischen als heimlicher (moderner) Klassiker des spanischen Horrorfilms. Nun, die Effekte sind wirklich hervorragend, kein 08/15-Schnickschnack wie in US-Filmen, sondern geradezu surreal. In Deutschland kam (natürlich) nur eine völlig geschnittene Fassung heraus, in der sämtliche Spezialeffekte herausgeschnitten worden waren. Erst später veröffentlichte Legend Films den Film in einer ungeschnittenen Fassung als numerierte Sammleredition.

dagonKurz darauf ging es Schlag auf Schlag. Der Name Fantastic Factory war bekannt. Also musste Yuzna schnell nachliefern, um die Gunst der Stunde voll ausnützen zu können. 2001 brachte Fantastic Factory gleich zwei Filme heraus: „Dagon“, eine Lovecraftadaption, basierend auf „Der Schatten über Insmouth“, und den Spinnenmonsterfilm „Arachnid“. Beide Filme liefern beste Trash-Unterhaltung. Besonders „Dagon“ versucht, die düster-glitschige Atmosphäre von Lovecrafts Erzählungen visuell umzusetzen und gibt sich dabei regelrecht Mühe. Zwar wurde Lovecrafts Vorlage in eine Teeny-Slasher-Parade umgeschrieben, doch wesentliche Aspekte des Romans blieben erhalten. So z.B. die Szene in dem Hotelzimmer, in welcher der Protagonist versucht, die Türen zu verriegeln, damit die heimlichen Besucher ihn nicht erwischen können.

arachnid„Archnid“ zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass Yuzna auf CGI-Effekte weitestgehend verzichtete, sondern handgemachte Monsterspinnen präsentierte. Diese kommen aus dem Weltall und verschlingen nun alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Man fühlt sich irgendwie an John Wyndhams SF-Roman „Web“ erinnert, in dem eine ganz ähnliche Geschichte erzählt wird. Ob diese als Vorlage diente, ist aber nicht ersichtlich.

2003 kehrte Yuzna zu den Anfängen seiner Karriere zurück, indem er sich erneut an den „Reanimator“-Stoff heranwagte. „Beyond Re-Animator“ aber kommt nicht mehr an den Klassiker aus dem Jahr 1984 heran, er versucht eher, die bizarr-groteske Horror-Action des zweiten Teils auf die Spitze zu treiben. Nun ja, die Zombies sind mal wieder los und alles bewegt sich zwischen doch irgendwie witzig und eher albern. Ein Meisterwerk ist ihm allerdings ganz und gar nicht gelungen.

„Beyond Re-Animator“ läutete zugleich das Ende von Fantastic Factory ein. Das Ziel der Firma war es, Horrorfilme kostengünstig herzustellen und dadurch zugleich unbekannten Schauspielern eine Chance zu geben, einen Fuß zwischen die Tür zu bekommen. Also eine ganz ähnliche Strategie, die Roger Corman seit den 50er Jahren verfolgt. Doch ging bei Yuzna die Rechnung nicht ganz auf.

romasanta2004 brachte die Firma zwei Filme heraus: „Romasanta“ und „Rottweiler“. Bei „Romasanta“ handelte es sich um einen Werwolffilm, der sich auf einen historisch belegten Fall bezieht. Die Hauptrolle spielte Julian Sands. Doch konnte der Film als Ganzes nicht wirklich überzeugen. Er ist ein wenig zu langatmig geworden. Zwar gab sich Yuzna große Mühe dabei, eine dichte und geheimnisvoll-bedrohliche Atmosphäre und eine gute Optik zu gestalten, doch half dies nicht viel. Die Kritiker mochten „Romasanta“ nicht wirklich.

Noch schlimmer sah es bei „Rottweiler“ aus. Es geht darin um einen Cyborg-Hund, der einen geflohenen Häftling hinterher jagt. Mehr muss man über den Film nicht wissen. Er gilt als Yuznas unglücklichste Produktion. Nicht einmal der Auftritt des spanischen Horrorstars der 70er und 80er Jahre Paul Nashy konnte etwas daran ändern.

2005 und 2006 kam es zu den beiden letzten Produktionen von Fantastic Factory. Mit „The Nun“ versuchte Yuzna, auf die Teeny-Slasher-Welle aufzuspringen. Aber die Geschichte über eine Geisternonne namens Schwester Ursula, die ihre früheren Schülerinnen heimsucht, fand niemand so toll. An sich ist der Film durchaus sehenswert und besticht durch eine hervorragende Optik. Auch Beleuchtung und Farbgebung sind überdurchschnittlich. Dennoch schreckte die Nonnen-Idee anscheinend eher ab.

beneathDas unrühmliche Ende von Fantastic Factory lieferte „Beneath Still Waters“. Der Film basiert auf einem spanischen Horrorroman und erzählt von der Kleinstadt Marienbad, die in einem See versinkt, nachdem dort satanische Rituale durchgeführt wurden. Am Rand des Sees entstand eine neue Stadt. Doch kommt es dort seit einiger Zeit zu unheimlichen Todesfällen. Ein Fotojournalist versucht, hinter das Geheimnis zu kommen.

Oh weh, kann man da nur noch sagen. Der Film ist ein Stückwerk unterschiedlicher Szenen, die alle irgendwie nicht zusammenpassen. Es scheint fast so, als habe Yuzna einfach keine Lust mehr gehabt und mit den Worten „scheiß drauf“ die Tür hinter sich zugemacht.

Seitdem ist es still um die Firma Fantastic Factory. Da die Firmenhomepage nicht mehr existiert, ist anzunehmen, dass die Produktionsfirma dicht gemacht wurde. Ein Grund dürfte der sinkende Umsatz gewesen sein, der aufgrund der zunehmenden schlechten Kritiken entstand. Yuzna selbst ist seit 2013 wieder als Regisseur tätig.

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