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Archive for the ‘Essay’ Category

Park Jae-Jin als die Schülerin Hyo-Shin in „Memento Mori“ (1999); © e-m-s

„Ich würde für dich sterben!“ Dieser Ausbruch von Leidenschaft findet im Finale eines der bekanntesten koreanischen Horrorfilme statt. Titel: Memento Mori. Produktionsjahr 1999. Der Film erregte dazumal großes Aufsehen. Nicht nur national, sondern auch international wurde er mit diversen Nominierungen beehrt. Hinzu kam ein weiterer Aspekt, der Memento Mori zu einem außergewöhnlichen Werk werden ließ. Wie kein anderer Film zuvor sprachen die beiden Regisseure Kim Tae-Yong und Min Kyu-Dong das Thema Homosexualität an. Dies anscheinend auf eine so direkte Weise, dass die koreanische Zensurbehörde die Produktionsfirma dazu aufforderte, ganze zwanzig Minuten herauszuschneiden. Was soll’s, dachten sich die beiden und kamen der Aufforderung nach. Fünf Jahre später wurden diese Szenen dem fertigen Film wieder hinzugefügt. Aber dabei blieb es nicht. Denn der Director’s Cut, der zum fünfjährigen Jubiläum (leider nur in Korea) erschien, besitzt eine Länge von sage und schreibe drei Stunden.

Doch um was geht es überhaupt in Memento Mori und in welchem Zusammenhang steht dieser Film eigentlich?

Kinoplakat von „Memento Mori“

Memento Mori erzählt die tragische Liebesbeziehung zwischen den beiden Schülerinnen Hyo-Shin und Min-Ah. Während sowohl Lehrer als auch Schüler Min-Ah aufgrund ihrer Leistungen als Schnellläuferin gleichermaßen respektieren, wird Hyo-Shin zur Außenseiterin abgestempelt. Grund ist, dass ihre lesbischen Neigungen offensichtlich sind. Zugleich benimmt sie sich seltsam und besitzt eine düstere Aura. Die heimliche Beziehung zwischen ihr und Min-Ah halten beide in einem gemeinsamen Tagebuch fest. Doch Min-Ah beginnt plötzlich, sich von ihrer Freundin zu distanzieren. Erst zu spät merkt sie, welche leidenschaftlichen Gefühle Hyo-Shin für sie empfindet. Hyo-Shin hält den Schmerz der Trennung nicht aus und bringt sich um. Von da an geschehen unheimliche Dinge in der Schule, auf der zudem ein Fluch lasten soll. Denn bereits zuvor starben dort sechs Mädchen auf seltsame Weise.

Min-Ah (Gong Hyo-Jin) und Hyo-Shin (Park Jae-Jin) verstecken sich; „Memento Mori“ (1999); © e-m-s

Wer der Inhaltsangabe folgt und sich fragt, ob Memento Mori nicht eher ein Drama als ein Horrorfilm ist, steht nicht alleine da. Denn Kim Tae-Yong und Min Kyu-Dong hatten während der Schreibphase ein Drama im Sinn, in dem die unheimlichen Momente eine sehr geringe Rolle spielen sollten. Doch ihr eigentlicher Plan ging nicht auf. Nachdem die Produzenten das Skript gelesen hatten, lautete es: mehr Horror, weniger Drama, sonst könnt ihr die Tür von außen zumachen. Also schrieben beide das Drehbuch um und wurstelten in das Liebesdrama eine Gruselgeschichte ein. Übrigens stellte dies die erste Regiearbeit der beiden dar. Die Produzenten waren allerdings noch immer nicht ganz zufrieden. Der Titel musste leicht geändert werden. Doch dieser war schnell gefunden: Yeogo Geodam 2: Memento Mori. Wahrscheinlich wird sich der ein oder andere Leser jetzt fragen: Teil 2? Hab ich gerade etwas verpasst? Die Antwort darauf setzt Memento Mori in einen größeren Zusammenhang, bei dem auch ein winziger historischer Einblick in die Filmindustrie Südkoreas nicht fehlen darf.

„Shiri“ (1999) ist der erste koreanische Blockbuster

Fasst man die Geschichte des koreanischen Films in einem kurzen Satz zusammen, so lautet dieser: vorher keine Zuschauer, nachher volle Kinosäle. In der Tat wurden vor Mitte der 90er Jahre koreanische Filme in koreanischen Kinos nur gezeigt, da die Kinobesitzer gesetzlich dazu verpflichtet wurden. Das Problem war, dass die gesamte Filmbranche in staatlicher Hand lag und dementsprechend nur das in den Kinos lief, was vielleicht gerade einmal ein, zwei verstaubte Beamte hinter dem Ofen hervorlockte. Das heißt nicht, dass diese Filme handwerklich schlecht waren. Das heißt aber, dass sie im Vergleich zum bunten und glitzernden Hollywoodkino eindeutig den Kürzeren zogen. Den Filmen vor den 90ern merkt man eindeutig an, dass nicht sonderlich viel Geld für die Ausstattung vorhanden gewesen ist.

Dies änderte sich schlagartig Mitte der 90er Jahre. Die Verstaatlichung der Filmindustrie wurde aufgehoben. Von nun an standen sich vier Produktionsfirmen gegenüber: Cinema Service, CJ Entertainment, Showbox und Lotte Cinema. Diese pumpten riesige Mengen Gelder in ihre Produktionen. Das Ergebnis: gleich die erste Großproduktion, der Thriller Shiri, erzielte an den koreanischen Kinokassen einen weit höheren Umsatz als Titanic, der zur selben Zeit lief. Fasst man diese Veränderung in einen noch größeren Zusammenhang, so findet man diesen in der in den 90er Jahren aufgekommenen Krise in Hollywood, welche den Filmindustrien auch in anderen Ländern Auftrieb verlieh.

In Südkorea ist Hollywood aufgrund der hervorragenden koreanischen Eigenproduktionen inzwischen so sehr in Bedrängnis gekommen, dass z.B. Filmgrößen wie Steven Spielberg versuchen, Gemeinschaftsproduktionen anzuzetteln, da die eigenen Produkte nicht mehr genug einbringen. Und zum Schluss noch ein weiterer Ausholer: der große Erfolg der modernen japanischen Horrorfilme, welche traditionellen Geisterglauben mit dem modernen Großstadtleben verbinden und Mitte/Ende der 90er Jahre ins Leben gerufen wurden, führte dazu, dass sich die Industrien in Südkorea ebenfalls dem Horrorgenre zuwandten, das bis dahin eher geschmäht worden war. Die erste Produktion trug den Titel Yeogo Geodam – Whispering Corridors (1998). In diesem Film tauchten nicht gerade Geister auf. Vielmehr kann dieser Streifen als Psychothriller bezeichnet werden, dessen Schauplatz eine Schule ist, in der die Schülerinnen von den Lehrern auf jede Art und Weise schikaniert werden. Dabei kommt es zu mehreren unheimlichen Morden.

Die Schülerinnen werden von ihrem Lehrer schikaniert; „Whispering Corridors“ (1998); © Cinema Service

Der Film wurde ein voller Erfolg. Mit seiner Darstellung der Misshandlungen von Schülern durch Lehrer übte er scharfe Kritik am südkoreanischen Schulsystem. Die Diskussion über dieses System hält bis heute an. Während man seit der PISA-Studie ehrfürchtig von Deutschland aus nach Südkorea und Japan blickt, denkt man dort darüber nach, wie man den teils unmenschlichen Leistungsdruck nach und nach lockern kann. Eine Folge dieses Drucks ist eine hohe Selbstmordrate unter Schülern. Diese Selbstmorde wiederum sind Auslöser für so genannte urbane Legenden, welche dem tragischen Schicksal einer Schülerin oder eines Schülers eine düster-romantische Note verleiht.

Man kann sagen, fast jede Schule hat ihre eigenen Geistergeschichten, in denen es um unglücklich verliebte Jugendliche geht oder auch um bizarre Flüche. Nicht selten vernimmt man die Geschichte, dass der Geist eines Mädchens durch das Klassenzimmerfenster blickt, während ihr Lieblingslehrer gerade Unterricht hält. Stirbt jemand in der Schule, so wird sogleich spekuliert, ob der Geist einer Schülerin die unglückliche Person heimgesucht hat. Diese Legenden oder Spukgeschichten griff Whispering Corridors auf. Der eigentliche Titel Yeogo Geodam bedeutet übrigens Geistergeschichten aus der Schule. Der Titel macht noch einmal deutlich, dass sich der Film (und auch die nachfolgenden Filme) auf eben diese Legenden und Gerüchte beziehen, welche sich bei den Schülerinnen und Schülern großer Beliebtheit erfreuen.

„Whishing Stairs“ (2003)

Memento Mori setzte diese Form des Horrorfilms fort. Doch nun waren es nicht mehr die bösen Lehrer, sondern die Schülerinnen untereinander, die sich schikanierten, um dadurch den Druck abzubauen, der aufgrund des Schulsystems auf ihnen lastet. Geschickt webt der Film die Spuklegenden gleich am Anfang in die Erzählung ein, um kurz darauf mit der unglücklichen Beziehung zwischen Hyo-Shin und Min-Ah fortzufahren, welche letztendlich in tatsächlichen Spukphänomenen mündet. Äußerst komplex verbinden Kim und Min die eigentliche Handlung mit Rückblenden, sodass man nach dem ersten Anschauen zunächst einmal unter einer gewissen Ratlosigkeit leidet.

Erst nach mehrmaligem Ansehen ist es möglich, die unterschiedlichen Erzählebenen voneinander zu trennen und damit die ganze Story aufzulösen. Die Komplexität verbindet sich mit einer ungeheuren Ästhetik, welche den Film radikal aus der Yeogo Geodam-Reihe hervorhebt. Ebenso ist die Tragik der Handlung in keiner der anderen vier Filme derart ausgeprägt wie hier. Hyo-Shins verzweifelter Ausruf „Ich würde für dich sterben!“ löst auch nach mehrmaligem Ansehen eine regelrechte Gänsehaut aus.

„Voice“ (2005)

Diese Intensität ist vor allem den beiden hervorragenden Hauptdarstellerinnen zu verdanken, hierbei allen voran Park Yae-Jin, welche für ihre Rolle der sinnlich-düsteren Hyo-Shin gleich bei zwei Filmfestivals als beste Newcomerin ausgezeichnet wurde. Ihre darauf folgende Karriere ist nicht weniger erfolgreich, beschränkt sich allerdings in der Hauptsache auf Rollen in den so genannten Dramas, den berühmtberüchtigten koreanischen Fernsehserien. Wie bei allen Yeogo Geodam-Filmen wurden die Darstellerinnen aus speziellen Castings ausgewählt, an denen tausende von Bewerberinnen, in der Regel unerfahrene Schauspielerinnen oder junge Frauen, die von einer Filmkarriere träumen, teilnahmen. Dieses Vorgehen sowie die Strategie, unbekannte Regisseure die Arbeit machen zu lassen, dient allein dazu, die Produktionskosten so gering wie möglich zu halten.

„A Blood Pledge“ (2009)

Vier Jahre nach Memento Mori ging der dritte Teil der Schulhorrorreihe an den Start. Mit Yeogo Geodam 3 – Wishing Stairs machte man zwar erneut Kasse, doch ließ die Qualität zu Wünschen übrig. Regisseurin Yoon Jae-Yeon fiel nichts anderes ein, als aus der Handlung einer Mädchenschule, hinter der sich eine geheimnisvolle Wunschtreppe befindet, einen miserablen Argento-Abklatsch zu liefern. Die Qualität steigerte sich zum Glück wieder bei den Teilen vier und fünf. Yeogo Geodam 4 – Voice aus dem Jahr 2005 bringt wiederum das Thema Homosexualität ins Spiel, wenn auch nicht so sinnlich-tragisch wie in Memento Mori. Hier geht es um den Tod einer Schülerin, die besonders gut singen konnte. Ihre Freundin findet heraus, dass sie eine Beziehung zu ihrer Musiklehrerin hatte.

„Ghost“ (2004)

Es geht um Eifersüchteleien und die Aufklärung eines weiteren Todesfalles. Alles in allem ein recht gut in Szene gesetzter Film, der jedoch aufgrund seiner Längen etwas Durchhaltevermögen abverlangt. Mit Yeogo Geodam 5 – A Blood Pledge von 2009 erreichte die Reihe ihr vorläufiges Ende. Das Schulgebäude erinnert stark an dasjenige aus Memento Mori, allerdings befindet sich jetzt darin eine streng katholische Einrichtung. Vier Mädchen beschließen einen Selbstmordpakt. Nur eines der Mädchen setzt das Vorhaben auch tatsächlich um. Kurz darauf werden die anderen drei Schülerinnen von ihrem Geist ermordet. Der fünfte Teil ist eindeutig der blutigste von allen. Zugleich ist er auch der schnellste und kurzweiligste. Trotz der Konzentration auf Blut und Action ist A Blood Pledge hervorragend gefilmt, zitiert gelegentlich Memento Mori und weist auch wie dieser ein Durcheinander aus eigentlicher Handlung und Rückblenden auf. Es kommt einem fast so vor, als wollte man mit einem gehörigen Paukenschlag die Reihe zu einem Ende führen. Da die Besucherzahlen gegenüber Voice aber fast um das Doppelte gestiegen waren, dürften die Produzenten gerade am Überlegen sein, ob man nicht doch noch ein kleines Filmchen hinzufügen könnte.

Parallel zur Yeogo Geodam-Reihe entstanden und entstehen weitere Schulhorrorfilme, die allerdings nicht die Eigentümlichkeiten dieser Serie aufweisen. Es handelt sich dabei um so unterschiedliche Filme wie Ghost, der mit einem freudianischen Konzept aufwartet, oder um Slasher-Movies wie Death Bell, die sich ansatzweise an den Produktionen von Eli Roth orientieren. Die Herstellung dieser Filme zeigt, wie stark das Thema Schule auf negative Weise in das Bewusstsein der koreanischen Gesellschaft eingewebt ist. Die Angst vor den Geistern, die in den Schulgebäuden lauern, entpuppt sich aus dieser Perspektive als eine Angst vor der Schule selbst.

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Das Jubiläumsjahr (5 Jahre FILM und BUCH) geht langsam aber sicher zu ende. Aber keine Angst, der 550. Beitrag ist auch nicht mehr fern. Es gibt also schon bald wieder etwas zu feiern 🙂 .  Auf jeden Fall haben wir uns Gedanken darüber gemacht, was uns in diesem Jahr am besten an Büchern, Filmen und K-Pop/J-Pop-Videoclips gefallen hat.

Cover des Albums „Yellow“; © Epic Records

In der Kategorie Videoclips fiel uns die Entscheidung mehr als nur leicht. Zwar gibt es die Band schon seit 11 Jahren, doch haben wir sie erst in diesem Jahr entdeckt: Scandal, eine japanische Girl-Indie-Rock-Band, die ihre Songs stets selbst schreiben und sich irgendwo zwischen Alternative Rock, Punk-Rock und Pop-Rock befinden. Sehr poetisch-melancholische Texte verbinden sich dabei mit eingehenden Melodien, die genauso hart wie weich sein können. Ein neues Album ist für das kommende Jahr geplant und in Sachen Videoclips darf man gespannt sein, wie sich die Visualisierung der Band in dieser Hinsicht weiter entwickeln wird, hat doch der Clip „Koisuru Universe“ (Universe of Love) aufgrund seiner sinnlichen Symbolik für viel Diskussionsstoff gesorgt. Interessanterweise orientiert sich die Band bei ihren aktuellen Auftritten nicht daran, sondern gibt sich dem Schlabberlook hin.

In der Kategorie Film haben uns eine neue Produktion und ein Klassiker am besten gefallen. Wonder Woman hat gezeigt, dass Hollywood auch anders kann. Für uns war es die Überraschung des Jahres, einen witzigen, actionreichen und zugleich durchaus tiefgründigen Superheldenfilm zu sehen, also etwas, an das man schon gar nicht mehr glauben wollte. Aber Regisseurin Patty Jenkins hat dies möglich gemacht und ging dafür sogar in die Filmgeschichte ein.

Bei den Klassikern fiel uns die Entscheidung ebenfalls recht leicht. The Ghost and Mrs Muir ist eine wundervolle, zeitlose Mischung aus Tragikomödie, Fantasy und Romance, die mit schlagfertigen Dialogen, einer unglaublich guten Optik und einer tollen Story daher kommt und dabei ganz ohne Kitsch auskommt. In Deutschland ist der Film leider noch immer unbekannt, während er in den USA zu den Klassikern Hollywoods zählt und vom American Film Institute auf Platz 10 der besten Fantasyfilme gewählt wurde.

Auch in der Kategorie Buch wählten wir zwei Romane aus. Beides Klassiker. Zum einen Schau heimwärts, Engel von Thomas Wolfe (1900 – 1938), der darin über die Geschichte seiner Familie schreibt und dies in einem solchen Sprachrausch, einem solchen Witz und einer solchen Tragik, das einen der Roman schlicht und ergreifend packt und mitreißt. Die knapp 800 Seiten liest man in einem Rutsch durch. Leider verstarb Wolfe bereits im Alter von nur 38 Jahren, sodass er lediglich zwei Romane veröffentlichen konnte. „Zeit und Fluss“ ist mit ca. 1200 Seiten noch umfangreicher und setzte die Geschichte um Eugene Gant fort. Diesen Roman werden wir uns im kommenden Jahr vornehmen.

Der zweite Roman, der uns regelrecht hinweggefegt hat, ist Zeiten des Aufruhrs von Richard Yates (1926 – 1996) aus dem Jahr 1961. Der Roman eines Ehepaars in den 1950er Jahren, das in einem Vorort lebt, ist einerseits eine grandiose Satire, andererseits aber auch ein packendes Drama, in dem die Verzweiflung der Figuren regelrecht zum Greifen ist. Besonders der Schluss nimmt einen dermaßen mit, dass man nachher fix und fertig ist. Sollte wirklich jeder mal gelesen haben. Richard Yates sagte selbst, dass er seinen besten Roman gleich am Anfang seiner Laufbahn als Schriftsteller geschrieben habe. Und tatsächlich sollte er nie wieder diese Eindringlichkeit erreichen.

Und das war auch schon unser Best of 2017.

Wir wünschen euch allen einen guten Rutsch, Gesundheit und viel Glück für 2018.

 

 

 

 

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Besonders in den 50er Jahren war das Personalpronomen „It“ in den Filmtiteln recht beliebt. Es stand schlicht und ergreifend für das Andere, das Nicht-Weltliche und damit für eine überaus fremdartige Bedrohung. Das Wörtchen it wurde danach seltener, doch gelegentlich tauchte es wieder auf. Im folgenden haben wir daher eine kleine Liste mit den entsprechenden Filmen aufgestellt:

It came from Outer Space (1953) ist nicht nur ein Filmklassiker, sondern wurde zudem in 3D gedreht. Die damalige 3D-Welle sollte – nicht weniger wie heute – die Zuschauer wieder zurück in die Kinos bringen, die ab den 50er Jahren lieber vor dem Fernseher saßen. Parallel dazu wurde für denselben Zweck auch Cinemascope entwickelt. Jack Arnolds SF-Thriller nimmt zudem die Idee von „Invasion der Körperfresser“ vorweg: Bizarre Außerirdische übernehmen menschliche Körper. Also Paranoia-Kino pur. Das Monster mit dem Glotzauge ist rasch zum Bestandteil der Popkultur geworden. Für das Drehbuch war übrigens der amerikanische SF-Autor Ray Bradbury verantwortlich.

It came from beneath the Sea (1955) hatte den einzigen Zweck, um auf die Zuschauer ein Effektgewitter loszulassen. Ein Riesenkrake greift San Francisco an – und natürlich muss mal wieder die Golden Gate Bridge dran glauben. Ray Harryhausen hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, ging es doch darum, einem achtarmigen Riesenoktopus Leben einzuhauchen. Das Ergebnis lässt sich auch heute noch sehen, ein gelungener und spannender SF-Horror-Monster-Film, der die Stop Motion-Technik voll zur Geltung bringt. Später bezeichnete Harryhausen seine für die Großleinwand kreierten Effekte als Dynamation. Ab den 80er Jahren jedoch erhielt er immer weniger Aufträge, da er seine eigene Technik nicht weiter entwickelte, während andere Firmen bereits mit Computereffekten arbeiteten.

It conquered the World (1956) ist ein typischer Roger Corman Film. Corman, der in seiner gesamten Karriere als Regisseur und Produzent nur zwei Flops hinlegte, erzählt darin die Geschichte von einem Monster von der Venus, das auf der Erde landet, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Dabei macht es sich einen Wissenschaftler zunutze, der glaubt, dass das Monster der Welt Frieden bringen wird. Das rettichartige Ungetüm mit Augen und spitzen Zähnen hat Kultcharakter. In England war der Film zunächst nur für Erwachsene zugelassen, da man das Abfackeln des Monsters unter den Aspekt der Tierquälerei betrachtete. Man sieht, nicht nur unsere deutschen Behörden haben einen an der Waffel. Der Film zählt zu den besten Produktionen aus dem Hause Corman.

From Hell it came (1957) dürfte eine der wohl originellsten Handlungen besitzen. Der Prinz eines Südsee-Stammes erhält die Todesstrafe, nachdem er einen Mann ermordet haben soll. Seine Leiche wird in einem hohlen Baumstamm gelegt und begraben. In der Nähe führen Wissenschaftler Experimente mit radioaktiven Elementen durch. Die Radioaktivität erweckt den Prinzen wieder zum Leben – als wandelnden Baumstamm. „From Hell it came“ zählt zu den schlechtesten Filmen der Filmgeschichte. Allerdings ist der Film so schlecht, dass er schon wieder gut ist. Wer auf Baumstämme steht, die kreischende Bikini-Frauen herumschleppen, ist hier genau richtig – Schlammcatchen inklusive.

It! The Terror from Beyond Space (1958) handelt von einer Marsexpedition im Jahr 1973, die eine verschollene Gruppe Wissenschaftler auf dem Roten Planeten aufspüren soll. Tatsächlich finden sie einen Überlebenden. Doch dieser faselt ständig etwas von einem Monster, das auf dem Mars sein Unwesen treibt. Erst glaubt ihm niemand. Doch dann? Genau, dann bekommt einer nach dem anderen eines auf die Mütze. Neben „Planet der Vampire“ gilt auch dieser Film als Inspirationsquelle für Ridley Scotts „Alien“. „It!“ ist ein durchweg spannender Film und das Monster genial in Szene gesetzt.

It (1990) lautet die erste Adaption von Stephen Kings Klassiker. Der zweiteilige TV-Film hätte eigentlich von George A. Romero gedreht werden und Tobe Hooper hätte das Drehbuch schreiben sollen. Doch wurde leider daraus nichts. Stattdessen übernahm Tommy Lee Wallace, der mit „Halloween 2“ sein Debut gefeiert hatte, die Regie und schrieb auch am Drehbuch mit. Mit fast 30 Millionen Zuschauern wurde „It“ zu einem der größten Erfolge der TV-Geschichte. Dies vor allem auch durch Tim Currys Darstellung von Pennywise. Stephen King selbst war von der Adaption begeistert. 1991 erhielt „It“ den Prime Time Emmy Award.

It Follows (2014) übernahm wieder das Pronomen aus den SF-Horror-Filmen der 50er Jahre. Das Debut von Regisseur David Robert Mitchell handelt von einem unheimlichen Wesen, das Jugendliche verfolgt. Erst wenn sie mit einer anderen Person Sex haben, wird der „Fluch“ auf jemand anderen übertragen. „It Follows“ ist vor allem ein gut gemachter Zitatenschatz, der von „Halloween“ bis zu „Ring“ reicht. Die einfache Handlung ist dicht und spannend umgesetzt, wobei die Musik nicht weniger interessant ist und sich irgendwie an Dario Argentos Hausband Goblin orientiert. Die Low Budget-Produktion wurde ein Riesenerfolg. Leider wird zurzeit an einem zweiten Teil gebastelt, der wahrscheinlich wieder alles vermasselt.

It (2017) ist die zweite Adaption von Stephen Kings Roman. Schon jetzt zählt er zu den erfolgreichsten Horrorfilmen der Filmgeschichte und zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres 2017. Allerdings wurde nur die erste Hälfte des Romans verfilmt. Die zweite Hälfte soll angeblich 2018 in die Kinos kommen. Irgendwie hat die Neuverfilmung anscheinend den Zahn der Zeit getroffen. Nur so ist der Erfolg zu erklären. Auf jeden Fall zeigt sich einmal mehr, dass Horror längst zum Mainstream gehört, auch wenn unsere Pädagogen noch immer dagegen angehen. Zu dem Film selbst kann ich nichts sagen, da ich ihn noch nicht gesehen habe. Aber das Plakat sieht nicht schlecht aus 😀 .

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Fay Wray (1907 – 2004)

Das Horrorgenre begleitet die Geschichte des Films seit dessen Anfängen. Schon immer liebten es die Zuschauer, sich zu gruseln. Was zunächst auf Jahrmärkten und in kleinen, provisorischen Vorführungssälen begann, entwickelte sich zu einem echten Kassenmagnet in den Kinopalästen der 20er und 30er Jahre. Diese Zeit wird als die goldene Ära Hollywoods bezeichnet, da in dieser Zeitspanne nicht nur ästhetisch hochwertige Filme entstanden,  sondern Hollywood weltweit den Markt beherrschte. Vor allem Deutschland, wo es im Vergleich zum übrigen Europa die meisten Kinos gab, war der Absatzmarkt für Hollywood schlechthin.

In dieser Phase des Golden Hollywood entwickelte sich auch das, was wir heute als Starphänomen bezeichnen. Beim Anblick Rudolph Valentinos, dem damals schönsten Mann der Welt, konnte es schon passieren, dass die eine oder andere Frau vor Entzückung in Ohnmacht fiel. Ähnliches wird von Bela Lugosi berichtet, dessen ungarischer Akzent bei manchen Frauen zu einem Orgasmus geführt haben soll.

Aber das nur so nebenbei. Während Valentino nie in einem Horrorfilm mitwirkte, war Lugosi in den 30er Jahren der Horrorstar schlechthin, neben Lon Chaney, dem Mann mit den tausend Masken, der seine Filmfratzen stets selbst entwarf – so u. a. die berühmte Maske des Phantoms der Oper aus dem gleichnamigen Film (1925), die längst Bestandteil der Popkultur geworden ist.

Neben den Monstern waren es die Schauspielerinnen, die in der Rangliste der wichtigen Figuren eines Horrorfilms auf Platz zwei kamen. Wichtig vor allem: sie mussten hübsch sein. Und im Tonfilm kam dann noch ein Aspekt hinzu: sie mussten ordentlichen schreien können. Und eine Schauspielerin, die sowohl außerordentlich hübsch war und dazu noch außerordentlich schreien konnte, war Fay Wray (1907 – 2004).

Horrorfilmmarketing der 30er Jahre

Um das Publikum zahlreich in die Kinosäle zu locken, entwickelten die Studios damals fantasiereiche Konzepte, die von Anfang an vermitteln sollten, wie gruselig der Streifen ist, der gerade im Kino lief. So wurde z.B. ein Krankenwagen vor dem Eingang geparkt, mit dem Hinweis, dass Zuschauer, die während des Films in Ohnmacht fallen, schnell in die nächste Klinik gebracht werden können. Eine ähnliche Strategie beinhaltete vermeintliche Krankenschwestern, die im Foyer warteten, um, wie es auf den Plakaten hieß, den Leuten, die durch den Film psychische oder körperliche Probleme davontragen würden, erste Hilfe zu leisten. Ein weiterer beliebter Einfall der Studios war die Aushändigung eines Gutscheins für eine kostenlose Beerdigung, falls man vor Schreck während des Films sterben sollte.

All dies sollte, wie oben bereits bemerkt, die Zuschauer auf ein wahrhaft unheimliches Filmerlebnis einstimmen. Doch war das noch nicht alles. Denn die Leute der Marketingabteilungen engagierten Frauen (sog. Scream Girls), die sich in die Kinosäle setzten und bei bestimmten Szenen laut kreischen sollten. – Der berühmte Trash- und Horrorfilmproduzent William Castle sollte diese Konzepte vor allem in den 50er Jahren weiterentwickeln. Hierbei liefert der Film Matineé, der lose auf der Biographie Castles beruht, einen witzigen Einblick in die damalige Kinowelt.

Fay Wray

Kurz und gut, in dieser Phase wurde Fay Wray zum Star – zum ersten weiblichen Horrorfilmstar. Während ihre Kolleginnen – ähnlich wie heute – das Mitwirken in einem Horrorfilm als eine Art Sprungbrett für eine spätere Karriere betrachteten, so spielte Wray eine Zeit lang hauptsächlich in Horrorfilmen mit. Und wer jetzt noch immer nicht weiß, wer diese Dame war, der wird bestimmt hellhörig, wenn ich den Titel King Kong erwähne.

Fay Wray (1930), wenige Jahre vor ihrem Ruhm als Scream Queen

Geboren am 15. September 1907, spielte sie in den 20er Jahren vor allem Nebenrollen in Western und Dramen, wobei sie jedoch – trotz ihrer Attraktivität – kaum auffiel. Erst Regisseur Erich von Strohheim engagierte sie für die Hauptrolle in seinem Film Der Hochzeitsmarsch (1928). Die Etablierung als Star jedoch scheiterte. Doch dann machte sie die Rolle der Tochter des verrückten Wissenschaftlers Xavier in Doctor X  schlagartig bekannt. Durch die darin häufig vorkommenden Scream Scenes wurde ihr die Bezeichnung Scream Queen verliehen. Was folgte, waren eine Reihe weiterer Horrorfilme, in denen Fay Wray mitwirkte und durch welche sie zu einer Ikone des Horrorfilmgenres wurde.

Fay Wray gehörte zu den Intellektuellen Hollywoods und war bekannt mit diversen bekannten Schriftstellern und Künstlern. Zusammen mit dem berühmten Autor Sinclair Lewis verfasste sie das Theaterstück Angela is Twenty-Two, das 1935 uraufgeführt wurde. Doch was waren das für Filme, in denen sie mitwirkte?

Doctor X

Begonnen hatte alles ein Jahr vor dem Erscheinen des Monsteraffen, genauer gesagt im Jahr 1932, mit dem ersten Kannibalenfilm der Filmgeschichte. Bei der Diskussion über Kannibalismus im Horrorfilm wird gerne übersehen, dass dieses Phänomen nicht erst seit den 70er und 80er Jahren auf der Leinwand in Erscheinung tritt, sondern bereits Anfang der 30er Jahre eine kleine, aber feine Zuwendung erfuhr. Gemeint ist der Klassiker Doctor X.

Michael Curtiz, der später mit Casablanca Weltruhm erlangen sollte, führte bei diesem exzellenten Film Regie. Die Handlung dreht sich um eine Reihe seltsamer Frauenmorde, die jeweils bei Vollmond begangen werden. Der Reporter Lee Taylor möchte hinter das Geheimnis des Mörders kommen, der den Wunden zufolge, welche die Opfer aufweisen, einen Hang zum Kannibalismus aufweist. Die Spur führt in ein Forschungsinstitut, das von einem gewissen Dr. Xavier geleitet wird. Das Besondere daran, er und seine Mitarbeiter beschäftigen sich mit der Erforschung des Kannibalismus. Hierbei tritt vor allem Dr. Wells in den Focus, der eine Methode entwickelt hat, um Fleisch künstlich herzustellen. Eine weitere Eigenart der Institutsmitarbeiter ist, dass alle nach einem Schiffsunglück gemeinsam auf einem Boot umher getrieben sein sollen, wobei das Gerücht kursiert, sie hätten dabei einen ihrer Kameraden verspeist.

Der unheimliche Mörder geht um; „Doctor X“ (1932); © Universal

Doctor X gehört zu den ersten Farbfilmen jener Zeit und war an den damaligen Kinokassen ein großer Erfolg. Einer der Höhepunkte des Films, in welchem Dr. Xavier mithilfe einer neuartigen Apparatur den wahren Mörder ausfindig machen möchte, ist in Form eines Bühnenspiels gehalten. Michael Curtiz gelang ein schneller, witziger und überaus spannender Film, der später auch im Eröffnungssong der Rocky Horror Picture Show Erwähnung fand. Für Curtiz geht es in dem Film ganz klar darum, den Zuschauer zu erschrecken, auch wenn auf einer zweiten Ebene die Thematik dazu dient, das selbstsüchtige Verhalten von Wissenschaftlern zu kritisieren.

Joan Xavier (Fay Wray) wird von dem Mörder heimgesucht; „Doctor X“ (1932); © Universal

Im Gegensatz zu heutigen Produktionen geht er zwar nicht ans Eingemachte, dafür aber gelingt es ihm, schön-schaurige Bilder zu entwerfen, die es in sich haben. So u. a. die Szene, in welcher der Mörder sein Gesicht mit künstlichem Fleisch beschmiert. Überhaupt kann die Idee eines kannibalisch veranlagten Serienmörders im Hollywood-Kino der 30er Jahre als außergewöhnlich eingestuft werden. Die Thematik erscheint im Vergleich zu den damaligen Horrorfilmen geradezu provokativ. Dennoch beurteilte die Kritik den Streifen wohlmeinend. Mittlerweile zählt Doctor X zu den besten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden.

Und nicht unerwähnt bleiben darf natürlich Fay Wray, die darin Joan Xavier spielt, die Tochter des Forschers Dr. Xavier, die zusammen mit dem eher trotteligen Journalisten versucht, hinter das Geheimnis der Morde zu kommen. Interessant ist, dass es sich bei der Figur nicht um eine Frau handelt, die ständig von einem Mann gerettet werden muss, sondern um eine durchaus emanzipierte Frau, über die zwar ihr Vater „herrscht“, die aber versucht, von dessen Einfluss loszukommen. Mit dieser Rolle symbolisiert sie den Konflikt zwischen Emanzipation und Patriarchat in einer Zeit, in der durch die Frauenbewegung mehr und mehr Frauen Bürojobs übernahmen – es war das Erscheinen der sog. Office Girls, die (zumindest bis zu ihrer Heirat) einer regulären Arbeit nachgingen und dabei versuchten, ein eigenes Leben auf die Beine zu stellen.

The most dangerous Game/Graf Zaroff – Genie des Bösen (1932)

Der riesige Erfolg von Doctor X führte natürlich zu weiteren Horrorfilmen ähnlicher Machart. Noch im selben Jahr wurde der Film The most dangerous Game produziert, in dem es eine Gruppe Schiffbrüchiger auf eine einsame Insel verschlägt, auf der ein psychopathisch veranlagter Graf residiert, der Jagden veranstaltet, bei denen nicht Tiere, sondern Menschen das Ziel sind.

Wiederum war Fay Wray mit von der Partie, die darin Eve spielt, die es zusammen mit ihrem Bruder Robert auf die Insel verschlagen hat. Gedreht wurde der Film in Farbe, was damals ein Mann namens Ray Harrishausen übernahm, der in den 50er Jahren als Special Effect-Künstler Filmgeschichte schreiben sollte.

Der Schriftsteller Bob Rainsford (Joel McCrea) und Eve Trowbridge (Fay Wray) auf der Flucht; „The most dangerous Game“ (1932); © Universal

Die Rolle der Eve ist weniger emanzipiert als die der Joan aus Doctor X, doch geht es auch weniger um die Figuren als um die Darstellung des krankhaften Hobbys des Grafen in all seinen Facetten. So sieht man in einer Szene die Köpfe der bisher bei der Jagd „erlegten“ Menschen wie Trophäen arrangiert. Das Spiel wird dermaßen erbarmungslos umgesetzt, dass es einem auch heute noch kalt über den Rücken läuft.

The most dangerous Game, der in Deutschland unter dem Titel Graf Zaroff – Genie des Bösen lief, gilt bis heute als ein wegweisender Film, der einige spätere filmische wie literarische Werke beeinflusst hat (Running Man wäre ein solcher Fall) und mehrfach neu verfilmt wurde.

Wer an Insel und Dschungel denkt, denkt zugleich an King Kong. Und in der Tat, der Film wurde parallel zu The most dangerous Game gedreht, wobei Teile der Kulissen wieder verwendet wurden.

Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts (1933)

Noch vor dem Riesenaffen kam ein weiterer Horrorklassiker in die Kinos: Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts. Auch dieser Film wurde in Farbe gedreht, doch aufgrund einer falschen Handhabe während der Restaurierung gingen die Farben beinahe vollständig verloren. Der Film galt als verschollen, wurde dann aber Ende der 60er Jahre im Haus eines Produzenten entdeckt. Zum Glück, denn dieser Horrorfilm gehört ebenfalls zu den besten, die jemals gedreht wurden.

In diesem Film spielte Fay Wray Charlotte Duncan, die Freundin einer Reporterin, die zusammen in eine Wohnung leben. Ihre Freundin geht einer Reihe sonderbarer Morde nach (Doctor X lässt grüßen), die angeblich im Zusammenhang mit einem ominösen Wachsfigurenmuseum stehen sollen. Als Charlotte das Museum besucht, ist der Besitzer Ivan Igor von ihrer Erscheinung so fasziniert, dass er sie als Vorbild für sein Meisterwerk, der Figur von Marie Antoinette, nimmt. Mit unangenehmen Folgen …

Fay Wray als Charlotte Duncan in einer ihrer berühmten Scream Scenes; „The Mystery of the Wax Museum“ (1933); © Universal

Im Remake aus dem Jahr 1953 spielte Vince Price den Besitzer des Wachsfigurenkabinetts – in Farbe und in 3D, um die Zuschauer von ihren TV-Geräten zurück in die Kinosäle zu locken, die damals starke Rückgänge bei den Besucherzahlen zu vermelden hatten. 1933 besaß das Kino noch das Monopol auf die bewegten Bilder und so strömten die Besucher auch in diesen Film, was ihn letztendlich zu einem weiteren Kassenschlager werden ließ.

Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts ist ein schneller, spannender Film, voller witziger Dialoge und vieler unheimlicher Momente, der bis heute nichts von seinem großartigen Unterhaltungswert verloren hat. Dem Remake von 1953 folgten zwei weitere Neuverfilmungen aus den 90er Jahren und aus den 00ern, die jedoch nicht einmal ansatzweise an die Großartigkeit des Originals oder dessen genialen Remake aus den 50ern herankommen.

King Kong (1933)

Dieser Film war sowohl Höhepunkt als auch Endpunkt von Fay Wrays Horrorfilmkarriere und ihrer Karriere als Scream Queen. Es ist offensichtlich, dass Wray ihre Darstellung in dem Klassiker der Monsterfilme nicht mehr hätte toppen können. Einzigartig und bis heute unerreicht spielt sie Ann Darrow, ein Opfer der Weltwirtschaftskrise, die durch Zufall einem Filmregisseur begegnet, der in ihr die ideale Besetzung für dessen Meiserstück sein soll: ein Film mit einem echten Ungeheuer.

King Kong wurde schlagartig zum erfolgreichsten Film der 30er Jahre. Trotz der langen Produktionszeit, die 670.000 Dollar verschlang (damals eine unvorstellbar hohe Summe für eine Produktion) und trotz Wirtschaftskrise, spielte der Film bereits in der ersten Woche mehr als 100.000 Dollar ein (ein Ticket kostete damals 15 Cent!). Also auch in finanzieller Hinsicht war King Kong einfach riesig.

Allerdings fiel die Geschichte um den Monsteraffen gleich nach den ersten Wochen der Zensur zum Opfer. Die Zensoren betrachteten den Film als zu brutal und freizügig. Immerhin gab es Nahaufnahmen, in denen man sah, wie King Kong mit seinen Füßen Eingeborene zertrampelte, wie die getöteten Dinos bluteten und wie King Kong in einer Szene beginnt, Fay Wray zu entkleiden – die Szenen mit Fay Wray in zerrissenem Kleid und Spitzen-BH könnten genauso gut aus unserer Zeit stammen. Somit mussten die Trampel- und Ausziehszene geschnitten werden. Der übrige Film wurde zugleich nachgedunkelt, um das viele Blut nicht so deutlich sehen zu können.

Ich glaube, das ist der Beginn einer langen Freundschaft 🙂 . – Fay Wray als Ann Darrow in einer der vielen berühmten Szenen des Films; „King Kong“ (1933); © Universal

Von da an lief King Kong in einer gekürzten Version in den Kinos. Erst während der Restauration des Films wurden die geschnittenen Szenen wieder eingefügt und die Nachdunklung aufgehoben. Anscheinend enthielt die ursprüngliche Version eine Szene, in welcher die Helden in eine Höhle fallen, in der sie von Riesenspinnen angegriffen werden. Diese Szene gilt heute als verschollen. Nur noch ein einziges Szenenfoto beweist, dass diese Szene tatsächlich gedreht worden war. Cooper entschied sich später jedoch dafür, die Szenen herauszunehmen, da er befürchtete, dass der Film aufgrund der aufwendigen Special Effects zu sehr daran gemessen werden würde. In Peter Jacksons Remake aus dem Jahr 2005 wird auf diese Szene jedoch wieder Bezug genommen, wenn die Protagonisten von einer endlos erscheinenden Schar Riesenspinnen attackiert werden.

King Kong war keineswegs der erste Dino-Action-Film der Filmgeschichte. Diese Ehre kommt dem Stummfilm The lost World zugute, einer Adaption des gleichnamigen Romans von Arthur Conan Doyle aus dem Jahr 1925. Dasselbe Special-Effect-Team sollte acht Jahre später den Ungeheuern in Coopers Film Leben einhauchen, was dazu führte, dass King Kong um ein paar tausend Dollar günstiger wurde als The lost World, da man die Dinofiguren aus dem Stummfilm nochmals verwertete.

Durch King Kong wurde Fay Wray endgültig zur Ikone des Horrorfilms. Ihre Bezeichnung als Scream Queen macht der Film in einem witzigen Selbstbezug alle Ehre, indem der Regisseur an Bord der Schiffes mit  ihr den richtigen Schrei übt.

Und danach?

Fay Wray selbst spielte danach nicht mehr in Horrorfilmen mit, sondern verlegte sich auf Komödien, bevor sie ab Mitte der 50er Jahre in verschiedenen TV-Produktionen mitspielte. Ihr Vermächtnis bleibt in Form des Begriffs Scream Queen weiterhin bestehen, mit dem immer wieder kreischende Horrorfilm-Darstellerinnen gekürt werden. Eine der bekanntesten ist Jamie Lee Curtis, die seit ihrem Debut in Halloween (1978) bis Ende der 90er Jahre immer wieder in Horrorfilmen zu sehen war. Nachdem sich Fay Wray Ende der 60er komplett ins Privatleben zurückgezogen hatte, wollte Peter Jackson sie nochmals für eine kleine Rolle in seinem King Kong-Remake engagieren. Doch Fay Wray starb kurz davor am 8. August 2004 im Alter von 97 Jahren.

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Die Produktionsfirma Amicus verstand sich als Konkurrenz zu Hammer Films. Doch im Gegensatz zu Hammer, die in den 70ern nur noch Flops einfuhren, erkannte Amicus die Zeichen der Zeit und verlegte sich in den 70er Jahren weg vom Horrorgenre zu Fantasy-Abenteuer-Filmen, in denen vor allem der US-amerikanische Schauspieler Doug McClure die Rolle des draufgängerischen Helden spielte.

Neben den „Caprona“-Filmen, war es schließlich „Tauchfahrt des Schreckens“ (im Original: „Warlords of Atlantis“), der einer der größten Erfolge für Amicus wurde. Der Film erzielte Rang 15 der erfolgreichsten Kinofilme im Jahr 1978. Es geht um eine Expedition ins Bermuda-Dreieck am Ende des 19. Jahrhunderts, in dem der Ingenieur Greg Collinson eine neuartige Taucherglocke testen möchte. Mit an Bord des Forschungsschiffes ist auch der Archäologe Charles Aitken, der am Meeresgrund die Reste eines versunkenen Reiches vermutet. Kaum sind Collinson und Aitken unter Wasser, als sie plötzlich von einem Plesiosaurier angegriffen werden.

Am Meeresboden entdecken sie tatsächlich eine sonderbare Skulptur aus reinem Gold. Doch da taucht das nächste Ungeheuer auf, ein Riesenkrake, der das Schiff angreift und die Taucherglocke in eine Höhle zerrt. Von dort aus werden sie von einer Strömung aus der Höhle gerrissen und gelangen wieder an die Oberfläche. Und schon haben sie es mit weiteren Monstern und einem sonderbaren Volk zu tun …

Wie die Inhaltsangabe bereits verrät, geht es in dem Film von einem Abenteuer ins nächste. In der Tat gibt es in „Tauchfahrt des Schreckens“ keine ruhige Minute. Collinson und Aitken haben stets alle Hände voll zu tun, um sich aus diversen gefährlichen Situationen zu retten, zwischendurch meutert die Besatzung an Bord es Forschungsschiffes, um die Goldstatue zu ergattern, während am Meeresgrund bereits wieder andere Gefahren lauern.

„Tauchfahrt des Schreckens“ gilt als Klassiker des Fantasyfilms und verwebt darin klassische Lost Race-Merkmale, ohne sich dabei jedoch explizit auf eine literarische Vorlage zu beziehen. Dennoch liegt auf der Hand, dass hier einmal mehr die Werke von Edgar Rice Burroughs Pate gestanden haben, auf die sich bereits die beiden Filme „The Land that Time forgot“ und „The People that Time forgot“ (dt.: „Caprona- Das vergessene Land“ und „Caprona 2“) aus den Jahren 1975 und 1977 bezogen.

Das Besondere an den späten Amicus-Filmen ist, dass hier nicht an Monstern gespart wurde. So kommen auch in „Tauchfahrt des Schreckens“ neben dem Riesenkraken und dem Plesiosaurier weitere Riesenungeheuer vor, den Höhepunkt bildet dabei der furios in Szene gesetzte Angriff zweier Ungeheuer auf die mysteriöse Stadt, in die Collinson und Aitken geraten.

Trotz des enormen Erfolgs von „Tauchfahrt des Schreckens“, schlossen sich die Tore der Produktionsfirma Amicus Ende der 70er Jahre für immer. Grund waren nicht fehlende Einnahmen, sondern dass die Gründer der Firma nicht mehr weiter machen wollten. Was bleibt sind nicht nur spannend inszenierte Horrorfilme, sondern auch eine Reihe faszinierender Fantasy-Abenteuer, die bis heute nichts von ihrem grandiosen Unterhaltungswert verloren haben.

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FILM und BUCH kommt aus der Feierlaune gar nicht mehr raus. Nicht nur 5 Jahre alt,  sondern nun auch noch der 500. Beitrag 🙂 . Daher muss natürlich etwas Besonderes her. Daher dachten wir, ein Special unserer Jubiläumsreihe „FuBs Double Feature“ zu bringen. Ihr wisst ja, mit dem „Double Feature“ geht es mit je zwei Filmen durch die Filmgeschichte. Angefangen von 1900 bis in unsere Gegenwart. Im Special möchten wir euch die erfolgreichsten Filme der Filmgeschichte präsentieren. Aus welchem Grund auch immer, gibt es keine Daten für die Jahre 1910 bis 1920, daher beginnen wir mit den Goldenen Zwanzigern:

Der erfolgreichste Film der 20er …

… war „Ben Hur“ aus dem Jahr 1925. Den Film erwähnten wir bereits in unserem „Double Feature“. Obwohl „Ben Hur“ ein enormer Erfolg wurde, waren zunächst die hohen Kosten, die vor allem dadurch entstanden, dass die Produktion aufgrund von diversen Streitigkeiten zwischen Produzenten und Regisseuren in die Länge gezogen wurde, höher als der Gewinn. Erst bei der Wiederaufführung in den 30er Jahren machte der Film Gewinn. Bis heute gilt „Ben Hur“ als Vorbild für so ziemlich alle späteren Actionfilme, sogar die „Fast and Furious“-Filme nehmen immer wieder Bezug darauf. Also nicht nur ein Klassiker, sondern zugleich ein Film, der bis heute das Filmschaffen beeinflusst.

Der erfolgreichtse Film der 30er …

… war „Vom Winde verweht“ aus dem Jahr 1939. In jenem Jahr schmelzte das weibliche Publikum einfach nur so dahin, wenn Rhett Butler als sexiest Man Scarlett O’Hara in die Arme schließt. „Morgen ist auch noch ein Tag“ gilt bis heute zu den bekanntesten Filmzitaten, doch in Wahrheit waren es die aufwendigen Massenszenen und die verschwenderischen Kulissen und Kostüme, die den Film damals zu etwas Einzigartigem machten. 1940 wurde der Aufwand mit acht Oscars belohnt, wobei Clark Gable leer ausging. Ein größeres Geschäft machte in den 30ern kein anderer Film. Den Kosten von fast 4 Millionen Dollar standen ein Einspielergebnis von 350 Millionen Dollar gegenüber.

Der erfolgreichste Film der 40er …

… war „Bambi“ aus dem Jahr 1942. Es war der fünfte Trickfilm der Disney Studios in Spielfilmlänge und eine Adaption des gleichnamigen Buches von Felix Salten. Wahrscheinlich ist dies der einzige Film von Disney, der sich sehr realistisch gibt und noch dazu für einen Schock unter den Zuschauern sorgte, als Bambi seine Mutter verliert. Dafür sorgen Bambis Freunde wie der Hase Klopfer und das Stinktier Blume wieder für etwas mehr Spaß, auch wenn der Film letztendlich eine grundlegende düstere Atmosphäre besitzt. Vom American Film Institute wurde „Bambi“ auf Platz drei der wichtigsten Animationsfilme gesetzt.

Der erfolgreichste Film der 50er …

… war „Die zehn Gebote“ aus dem Jahr 1956. Für Charlton Heston war dies der Film, der seine spätere Karriere ebnete. Als Moses sorgt er in dem Film für jede Menge Spezialeffekte, von denen der damals aufwendigste die Teilung des Roten Meeres war. „Die zehn Gebote“ war das Remake des gleichnamigen Stummfilms aus dem Jahr 1923. Damals führte ebenfalls Cecil B. DeMille Regie. Sein Wunsch war es immer gewesen, die Handlung nochmals als Ton- und Farbfilm umzusetzen. 13 Millionen Dollar kostete das Epos und führte zu einem Einspielergebnis von 122 Millionen Dollar. Hestons Gegenspieler war niemand anderer als Yul Brunner, der als Pharao eine düster-sinnliche Performance ablieferte.

Der erfolgreichste Film der 60er …

… war „The Sound of Music“ aus dem Jahr 1965. Regie führte bei der Mischung aus Drama und Musical der bekannte Regisseur Robert Wise. Zwei Jahre zuvor drehte er mit „The Haunting“ einen der berühmtesten Horrorfilme und 1979 war er für den ersten „Star Trek“-Film verantwortlich. „The Sound of Music“ erzählt von Maria, die durch ihren Hang zur Musik wieder Leben in die Bude der Familie Trapp bringt, die vom strengen Vater dominiert wird. Schließlich kann auch Kapitän von Trapp nicht mehr länger an sich halten, doch ob es dann auch ein Happy End gibt, wird hier nicht verraten. Manche halten „The Sound of Music“ für puren Kitsch. Sehenswert ist der Film auf jeden Fall.

Der erfolgreichste Film der 70er …

… war „Star Wars“ aus dem Jahr 1978. Irgendwann soll George Lucas mal gesagt haben, dass er „Star Wars“ als eine Kritk am Vietnamkrieg betrachtet. Nun, viel ist davon nicht zu erkennen, auf jeden Fall aber definierte Lucas den Begriff Atemgerät neu. Beeinflusst von den „Sternenkrieger“-Romanen des SF-Autors Edmond Hamilton aus den 40er Jahren, schuf Lucas einen bis dahin noch nie dagewesenen SF-Abenteuer-Film, dessen Erfolg und Einfluss bis heute anhält. Außer Harrison Ford allerdings machte keiner der Darsteller wesentlich Karriere. Und die Einnahmen versüßten George Lucas‘ Nervenzusammenbruch, den er während des Drehs gehabt haben soll. Obwohl „Star Wars“ ein ganzes Genre neu definierte, halten die meisten Zuschauer „Das Imperium schlägt zurück“ (1982) für den besten der „Star Wars“-Filme.

Der erfolgreichste Film der 80er …

… war „E. T. – Der Außerirdische“ aus dem Jahr 1982. Es war der zweite Riesenerfolg von Regisseur Steven Spielberg und begründete letztendlich auch seinen Ruhm als der Regisseur Hollywoods. Nachdem „Alien“ Ende der 70er das Bild des Außerirdischen nochmals kräftig ins negative geschubst hatte, nutzte Spielberg die Andersartigkeit als Knuddeleffekt. Auf diese Weise war der Außerirdische nicht mehr Täter, sondern Opfer. Der Film beinhaltete ebenfalls eine gehörige Portion an Wissenschaftskritik und zeigte auch, wie man den Fieberthermometer beeinflussen kann, wenn man nicht zur Schule gehen möchte. Das Aussehen E. T.s entwarf der italienische Maskenbildner Carlo Rambaldi, der seit den 60er Jahren im Geschäft war und davor bereits mit Größen wie Mario Bava zusammengearbeitet hatte.

Der erfolgreichste Film der 90er …

… war „Titanic“ aus dem Jahr 1997. In jenem Jahr hatte es nochmals gehörig Blubb gemacht, als das als unsinkbar bezeichnete Schiff mal wieder gegen einen Eisberg knallte. Dies verbunden mit einer romantischen Liebesgeschichte und einem Fiesling, der sich auch an Bord befindet, sorgte für ein Einspielergebnis von fast 3 Milliarden Dollar. Im Gegensatz zur UFA-Produktion aus dem Jahr 1943, geht das Schiff nicht mehr als Model unter, sondern als CGI-Variante. Regisseur Cameron, der seine ersten Erfahrungen bei Roger Corman sammelte, wurde dadurch zu einem der erfolgreichsten Regisseure, dem die Produzenten gerne auch ein größeren Budget anvertrauten. Dies sollte sich im folgenden Jahrzehnt noch einmal bezahlt machen.

Der erfolgreichste Film der 2000er …

… war „Avatar“ aus dem Jahr 2009. Die Idee des Films geht zurück auf das Jahr 1995, als Cameron bereits einen Teil des Drehbuchs geschrieben hatte. Doch war damals die Umsetzbarkeit nicht möglich. Erst durch die Weiterentwicklung der sog. Computer generierten Effekte gelang es, diesen fast vollständig Computer generierten Film zu drehen. Dieses Mal hatte Cameron ein Budget von 300 Millionen Dollar zur Verfügung. Und wieder sollten es die Produzenten nicht bereuen. Irgendwo zwischen Kitsch und SF-Abenteuer, wurde „Avatar“ die wohl teuerste und erfolgreichste Kapitalismuskritik der Filmgeschichte.

Der bisher erfolgreichste Film der 2010er …

… ist „Star Wars 7“. Allerdings ist das Jahrzehnt noch nicht vorbei, sodass man noch kein endgültiges Urteil fällen kann. Auch wenn der Film wie ein Remake des Originalfilms wirkt und kaum neue Ideen hervorbrachte, so lockte der Film dennoch die meisten Zuschauer in die Kinos. Die Frage ist natürlich, wie die nächsten beiden Filme abschneiden werden. In diesem Jahr ging die Anzahl der Kinobesucher deutlich zurück und befindet sich wieder im Quasi-Krisenzeitmodus. Anscheinend sind die Streaming-Dienste eine doch größere Konkurrenz zum Kino als gedacht. Doch unabhängig davon, wer der erfolgreichste Film in diesem Jahrzehnt sein wird, erfahren wir spätestens in drei Jahren …

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Eine Illustration aus einer Ausgabe von 1796

Wenige Jahre vor der Französischen Revolution veröffentlichte der Offizier Choderlos de Laclos (1741 – 1803) einen Briefroman mit dem Titel „Les Liaisons dangereuses“, auf deutsch „Gefährliche Beziehungen“, der sofort zum Bestseller wurde. Innerhalb nur eines Monats war die Auflage von 2000 Exemplaren ausverkauft, sodass nachgedruckt werden musste. Bis heute zählt de Laclos‘ einziger Roman als eines der wichtigsten Werke der französischen Literatur.

De Laclos schrieb seinen Roman aus einer gewissen Laune heraus. Als Offizier, der sich eine weitere Karriere beim Militär ausmalte, überging man ihn, da er nicht adelig genug war. Dies brachte ihn in Rage. Aus Wut gegenüber der höfischen Gesellschaft verfasste er eine Geschichte um den dekadenten und intriganten Vicomte de Valmont, der sich an der Frau eines Offiziers rächen möchte, da sie mit ihm nicht ins Bett will. Zugleich ist da aber auch die hinterhältige Marquise de Merteuil, die aus Rache eine junge Frau, die gerade aus der Klosterschule kommt, ins Verderben führen will.

Choderlos de Laclos (1741 – 1803)

Mit dem Vicomte und der Marquise schuf de Laclos zwei Figuren, die es ohne Wenn und Aber in die Hall of Fame der literarischen Fieslinge bringen würden, wenn sie dort nicht schon längst Einzug gehalten haben. Ihre Briefe, die sie sich regelmäßig schicken, strotzen nur so vor Bosheit und Gemeinheit, dass man den beiden wirklich nichts Gutes wünscht.

Valmont betrachtet Frauen und Männer lediglich als Spielfiguren, mit denen er seinen Spaß haben kann. Er gibt sich nach außen hin höflich und zuvorkommend, in Wirklichkeit aber ist er das, was man einen Wolf im Schafspelz bezeichnet. Er benutzt seine Verführungskünste nicht allein zur Lustbefriedigung, sondern um die Frauen, die sich auf ihn einlassen, ins Unglück zu stürzen. Wegen ihm gerieten bereits mehrere Damen in Skandale und wurden aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Ihm aber sind die Schicksale seiner Opfer egal, im Gegenteil, er brüstet sich sogar mit seinen Untaten und benutzt die Rücken seiner Gespielinnen als Schreibtisch. Die einzige Person, mit der er so etwas wie eine echte Freundschaft unterhält, ist die Marquise de Merteuil, wahrscheinlich aber nur, weil sie ihm in Sachen Bosheit ebenbürtig ist. Gemeinsam hecken sie daher den Plan aus, zwei Personen ins Unglück zu stürzen. Valmont geht nur darauf ein, da die Marquise ihm verspricht, nach Gelingen der Tat mit ihm zu schlafen.

Der Roman war damals ein Skandal, da er die adelige Gesellschaft als dekadent, vergnügungssüchtig und im gewissen Sinne sexbesessen schildert. Die Frauen, die sich mit ihren teils viel zu alten Ehemännern langweilen, gehen fremd, die Ehemänner sind größtenteils zu dumm und zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um dies zu merken. Andeutungsweise geht de Laclos so weit, die Marquise als bisexuell zu skizzieren, was in manchen ihrer Briefe hindurchschimmert.

Doch ist „Gefährliche Liebschaften“ mehr als nur ein Roman über Verführung und Intrige. Er liefert zugleich Einblicke in das damalige Alltagsleben und übt zugleich Kritik daran, wie Frauen an reiche Männer verkuppelt werden, nur um den eigenen Lebensstil erhalten oder sogar verbessern zu können. Dies wird vor allem in den Briefen der jungen Cecile deutlich, die ihre Ängste vor einer solchen Heirat ihre besten Freundin schildert. Verliebt ist Cecile in den jungen Chevalier de Danceny, doch Ceciles Mutter will aus den oben genannten Gründen, dieser Beziehung ein Ende bereiten. Dabei geht Ceciles Mutter so weit, das Zimmer ihrer Tochter zu durchsuchen, um die Briefe Dancenys zu finden und ihm zurückzuschicken.

Manche behaupten, „Gefährliche Liebschaften“ sei ein langweilger Roman. Dem kann ich nicht zustimmen. Ich finde das Werk sehr dicht, spannend und nicht weniger aufreibend, besonders dann, wenn Valmont und die Marquise weiter an ihren hinterhältigen Plänen schmieden. Überaus faszinierend finde ich außerdem, wie de Laclos seinen Figuren in den jeweiligen Briefen Stimmen verleiht, die so lebendig erscheinen, als würde man einen tatsächlichen Brief lesen.

1988 wurde „Gefährliche Liebschaften“ von Stephen Frears verfilmt, wobei das Drehbuch nicht auf dem Roman, sondern auf dem Theaterstück basiert, das sich an dem Roman orientiert. Damals spielten John Malcovich Valmont und Glenn Close die Marquise.

 

 

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