„Ghastly“ – Ein Skandalfilm?

Der koreanische Horrorfilm hat 2011 etwas nachgelassen. Der mit Spannung erwartete „Sector 7“ enttäuschte ebenso wie „Cat“ oder „White“. Einziger Lichtblick stellte „Ghastly“ dar, ein Geisterhausfilm des neuen Regisseurs Yung Yoon-Ho. Der Film ist eine Mischung aus konventionellem Spukhausfilm, einem Hauch von Slasher und Familiendrama. Erzählt wird die Geschichte eine Ehepaars, das in ein Haus zieht, in dem vor kurzem ein sonderbarer Mord stattgefunden hat. Gemeinsam mit dem Ehepaar zieht auch die jüngere Schwester von Sunny, der Frau, ein. In dem Haus selbst wohnt noch der kleine Sohn des Mordopfers, den Sunny adoptiert, was bei ihrer Schwester zu Eifersucht führt, da sie nun an die zweite Stelle rückt. Kaum haben sie sich einigermaßen eingelebt, als es zu den ersten unheimlichen Zwischenfällen und schließlich auch den ersten Morden kommt.

Ghastly
Noch scheint in der Familie alles in Ordnung zu sein

Der Film sticht durch seine starke Atmosphäre und seine stilvolle Kamera hervor. Zugleich stellt er das moderne Korea anhand einer Patchworkfamilie dar. Es ist keine Vorbildsfamilie, sondern eine mit emotionalen Konflikten beladene. So hegt Sunnys Mann erotische Gefühle gegenüber ihrer Schwester, wobei er zugleich seine Frau vernachlässigt. Ihre Schwester hält ihren Schwager führ ein Ekelpaket. Hinzu kommt der fremde Junge, der durch sein Verhalten für zusätzliche Konflikte sorgt. Sunny, die sich sehnlichst ein Kind wünscht, lässt ihm jede Tat durchgehen.

Speziell die Beziehung zwischen Sunny und dem Jungen Bin sorgt für zwei interessante Szenen, von denen die eine merkwürdigerweise kaum Bedenken hervorgerufen hat. Szene 1 ist relativ harmlos. In ihrer Symbolik zeigt diese an, dass Bin von Sunny die Brust bekommen möchte (Bins Blick auf ihre Brüste; Annäherung an Sunnys Busen; Sunnys mütterliches Verhalten). Die Sequenz besitz eine etwas verstörende Eigenschaft, da Yung diese Szene beinahe sinnlich inszeniert hat. Doch scheint es so, als habe Yung sich hierbei mit seinen Provokationsmechanismen zurückgehalten, denn andere Szenen vollenden ihre anfänglichen Andeutungen, auch wenn diese eher auf einer symbolischen Ebene verlaufen.  Ich glaube nicht, dass er seitens der Produzenten ausgebremst wurde, die Mise en Scène auf provokante Weise zu vollenden, denn dagegen spricht die zweite hervorstechende Sequenz. Szene 2 ist eindeutig als Skandalszene inszeniert.

Bin blickt während des Dialogs ständig auf Sunnys Busen.
Regisseur Yung verleiht dieser Szene eine sinnliche Atmosphäre.

Sunny auf ihrem Bett, ihr Gesicht (in einer Totalen) deutet eine sexuelle Erregung an. Als Sunny zu sich kommt, erschrickt sie vor ihren eigenen Gefühlsregungen. Sie bemerkt, dass sich etwas unter der Decke befindet und schlägt diese zurück. Die Kamera zeigt ihre gespreizten Beine und Bin, der sie (andeutungsweise) oral befriedigt hat. Verbunden ist diese Szene mit sehr viel Blut, dem hierbei nicht weniger eine sexuelle Komponente zukommt (hinzuzufügen ist, dass es sich hierbei um eine Traumsequenz handelt, was dem Ganzen seine Skandalträchtigkeit nehmen soll). – Wie gesagt, hat sich über diese Szene anscheinend keiner Gedanken gemacht (vielleicht, da es sich nun einmal um eine Traumsquenz handelt), jedenfalls habe ich bisher keine Erwähnung dahingehend gefunden. Eine Diskussion innerhalb eines soziokulturellen Kontextes wäre sie auf alle Fälle wert, führt Yung doch hier den in den 60er Jahren als skandalös empfundenen Kuss zwischen dem Jungen Miles und dem Kindermädchen Miss Giddens in „Schloss des Schreckens“ auf eine weit extremere Ebene.

Bin zwischen Sunnys Beinen. Yung kratzt hierbei absichtlich an einem Tabu.

Dass Yung einen kleinen Sakandalfilm inszenieren wollte, zeigt sich auch an einer anderen Szene, in welcher Bin einen Jungen aus seiner Schulklasse kaltblütig ermordet. „Ghastly“ zweigt hier von den typischen Frauengeistern ab, die bisher in so vielen koreanischen und japanischen Horrorfilmen zu sehen gewesen sind. Er versucht dezentes Grauen mit Schockmomenten zu verbinden, was ihm durchaus auch gelingt. Durch seine angedeutete Gewagtheit dürfte er vielleicht den ein oder anderen koreanischen Horrorregisseur inspiriert haben. Man darf daher mit Interesse auf die diesjährigen Horrorfilme aus Korea warten, welche spätestens im Sommer erscheinen werden.

Die Screenshots stammen von der koreanischen DVD.  Die Helligkeit wurde mit gimp erhöht.

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