Erschienen: Prähuman 21 – Großalarm in Tokio

Nein, Band 20 war nicht der letzte Band der Serie „Prähuman“, wie manche vielleicht geglaubt haben. Mit Band 21 geht es mit den Abenteuern des beliebten Teams um den Grenzwissenschaftler Frederic Tubb weiter. Mit von der Partie sind wie immer Maki Asakawa, Hans Schmeißer und John Arnold.

Dieses Mal ist, wie der Titel bereits verrät, Tokio der Schauplatz der Handlung. Band 21 schließt sich dadurch direkt an das Ende von Band 20 an, in dem Tubb plötzlich eine SMS seiner seit Jahren verschwundenen Frau Kathrin erhält. Demnach hält sich Kathrin Jarvis anscheinend in Tokio auf. Doch kaum sind Tubb und sein Team in Japans Hauptstadt angekommen, geschehen auch schon die sonderbarsten Dinge.

Eigenartige Signale hallen durch die Häuserschluchten. Menschen werden von Wahnvorstellungen heimgesucht. Eine Reihe eigenartiger Beben erschüttern immer wieder die Stadt. Niemand kennt die Ursachen für diese merkwürdigen Zwischenfälle. Während Tubb nach seiner Frau sucht, bringt ein weiteres Ereignis Chaos und Zerstörung – und in Tokio herrscht plötzlich Großalarm …

Band 21 liefert erneut eine spannende, gewitzte und originelle Handlung, die einen nicht mehr losläßt. Der Band beginnt wie ein Thriller, um dann umzuschwenken in eine rasante SF-Geschichte. Mehr soll nicht gesagt werden, da dies sonst zu viel verraten würde. Verraten aber werden darf, dass in „Großalarm in Tokio“ Maki Asakawas Eltern auftreten, was Carl Denning mit viel Humor und überaus liebevoll in Szene gesetzt hat. Miyu und Hiroku Asakawa sind dermaßen sympathisch, dass man die beiden gerne in weiteren Bänden erleben möchte. Gut, über Makis Freundin Yuna hätte man gerne mehr erfahren, aber vielleicht kommt das ja noch in den folgenden Bänden.

Ingesamt ist Band 21 wieder völlig anders als die vorherigen Bände, was ja zum Markenzeichen der „Prähuman“-Reihe ist. Carl Denning zeigt sich hier eindeutig mal wieder als Meister seines Fachs, denn es ist erstaunlich, dass es innerhalb einer so großen Anzahl von Abenteuern bisher zu keinen Wiederholungen gekommen ist. Kurz: „Großalarm in Tokio“ liefert erneut beste „Prähuman“-Unterhaltung und macht von der ersten bis zur letzten Seite Spaß.

Die 90er: Rocketeer (1991)

Bereits 1983 sollte „Rocketeer“ verfilmt werden, doch gerieten Drehbuchschreiber und Produzenten sich in die Haare, sodass das Projekt zunächst einmal auf Eis gelegt wurde. Erst 1990 griffen die Disney Studios auf die Adaption von Dave Stevens Comic zurück. Bereits ein Jahr darauf kam der Film in die Kinos. Die Kritiker waren begeistert, dennoch spielte „The Rocketeer“ gerade mal die Produktionskosten ein.

Wieso der Film ein finanzieller Misserfolg war, kann nicht so richtig beurteilt werden. Manche Filmexperten schieben es auf ein falsches Marketingkonzept. So war das ursprüngliche Kinoplakat im Art Deco-Stil gehalten und darauf lediglich die Figur des Rocketeers zu sehen. Anscheinend konnten viele Zuschauer damit nichts anfangen (böse gesagt: keine Explosionen und keine Waffen = keine Zuschauer). Erst als klar wurde, dass der Film unterzugehen drohte, gestaltete man ein neues Plakat, auf dem die Hauptdarsteller Timothy Dalton, Jennifer Connelly und Bill Campbell zu sehen waren, doch konnte diese Aktion „The Rocketeer“ nicht mehr zum Erfolg verhelfen.

Das Plakat, das keinen Erfolg brachte

Wirklich schade, denn Joe Johnstons Verfilmung des Comics steckt voller Witz und Humor und besticht zugleich durch eine rasante Handlung. Der Film spielt 1938. Durch Zufall gelangen Cliff Secord und sein Freund, der Mechaniker A. Peevy, in den Besitz des Racketenrucksacks, als zwei Gangster während der Flucht vor dem FBI das neuartige Fluggerät in einem der Flugzeuge verstecken, die von Peevy repariert werde sollen. Da Cliff und Peevy so gut wie pleite sind, beschließen sie, mit dem Rucksack ein wenig Geld zu machen, um ihn später der Polizei zu übergeben.

Doch alles kommt natürlich anders als geplant. Denn als Cliff mithilfe der Raketen einen Freund aus einem abstürzenden Flugzeug rettet, ist der Raketenmann in aller Munde. Sogleich gerät Cliff in den Fokus der Nazis. Diese entführen Cliffs Freundin Jenny Blake. Und Cliff setzt alles daran, um sie zu retten.

Das neu gestaltete Plakat

Zunächst war geplant, „The Rocketeer“ in schwarzweiß zu drehen und ihn wie eine der alten Flash Gordon-Filme aus den 30ern wirken zu lassen. Die Produzenten wollten dieses Konzept allerdings nicht mitfinanzieren, also wurde dieser Plan aufgegeben und stattdessen auf Farbe gesetzt. Und speziell die Farbe macht diesen wunderbaren, leichten und positiven Grundton des Films aus. Man gab „The Rocketeer“ eine durchweg helle Farbgebung, die selbst in den düsteren und bedrohlichen Szenen durchscheint. Hinzu kommt die schwungvolle, witzige Story, die hervorragend unterhält und mit einer großartigen Optik daherkommt. „The Rocketeer“ war für den Saturn Award und den Hugo Award nominiert, doch gewann leider nicht (beide Preise gingen damals an „Terminator 2“).

Joe Johnston, der vor allem durch „Jumanji“ (1995) und „Captain America“ (2011) bekannt ist, wurde für die Regie engagiert – zuvor hatte er bei „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ (1989) sein Debut gegeben. Trotz des Flops gilt „The Rocketeer“ inzwischen als Klassiker der 90er Jahre und teilweise sogar als Kultfilm, zu dem es sogar noch immer die Actionfiguren zu kaufen gibt. Angestachelt durch den nachträglichen Erfolg, ist zurzeit immer wieder die Rede von einem Sequel. Allerdings soll dieses nicht fürs Kino, sondern für den Streamingdienst von Disney produziert werden.

Rocketeer – Der Raketenmann (OT: The Rocketeer); Regie: Joe Johnston, Drehbuch: Danny Bilson, Paul de Med, Produtkion: Lawrence Gordon, Darsteller: Bill Campbell, Jennifer Connelly, Timothy Dalton. USA 1991

FuBs Fundgrube: „Das Phantom des Alexander Wolf“ von Gaito Gasdanow

Gaito Gasdanow (1934)

Gut, den Roman „Das Phantom des Alexander Wolf“ gibt es auch noch immer im Buchhandel, doch haben wir unsere Ausgabe auf einem Bücherflohmarkt entdeckt. Aus diesem Grund haben wir den Beitrag darüber in unsere „Fundgrube“ gestellt.

Um es gleich auf den Punkt zu bringen: was für ein toller Roman! Gaito Gasdanow erlebte leider seinen Erfolg nicht mehr. Fast völlig vergessen starb er 1971 in München (geboren wurde er 1903 in St. Petersburg). In Deutschland wurde Gasdanow erst 2012 durch die Übersetzung von Rosemarie Tietze bekannt – und das, obwohl er seine letzten Lebensjahre in München verbrachte.

Gaito Gasdanow könnte man irgendwo zwischen Leo Perutz und Robert Siodmak einordnen. Ja, der Vergleich verwirrt, immerhin war der eine Schriftsteller phantastischer Romane und Thriller, der andere Regisseur der bekanntesten Noir-Filme Hollywoods. Aber meiner Meinung nach trifft dieser Vergleich am ehesten zu. Denn „Das Phantom des Alexander Wolf“ ist sowohl geheimnisvoll und rätselhaft wie Perutz‘ einzigartige Romane und zugleich düster und kriminalistisch wie Robert Siodmaks Noir-Filme.

In dem 1947 erschienen Roman geht es um einen ehemaligen Weißgardisten, der in Russland während des Bürgerkriegs einen Reiter erschossen hat. Jahre nach seiner Flucht nach Paris gelangt in seine Hände der Erzählband eines gewissen Alexander Wolf, der in einer der Geschichten exakt das Erlebnis, das den Ich-Erzähler plagt, wiedergibt. Also begibt sich der Mann auf die Suche nach dem Autor und begegnet dabei der geheimnisvollen Jelena, die Alexander Wolf ebenfalls gekannt hat …

Cover der ersten deutschen Übersetzung im dtv-Verlag

„Das Phantom des Alexander Wolf“ ist ein überaus spannender und geheimnisvoller Roman, der, wie oben bereits erwähnt, wie ein Noir-Krimi gestaltet ist. Der namenlose Ich-Erzähler gerät durch sein Geheimnis, das schwer auf seinem Gewissen lastet, in ein noch rätselhafteres Beziehungsgeflecht, in dem es um Liebe und Hass und nicht weniger um die Frage geht, ob das Schicksal eines jeden Menschen vorherbestimmt oder alles bloß Zufall ist.

Auf seiner Suche nach dem mysteriösen Alexander Wolf begegnet der Ich-Erzähler Menschen, die alle etwas über diesen Mann wissen, doch niemand kann etwas Gutes über ihn erzählen. Auf diese Weise schleicht sich Alexander Wolf wie ein Phantom ist das Leben des ehemaligen Soldaten und lastet wie ein unheivoller Schatten auf allem, was der Ich-Erzähler unternimmt. Jelena kommt hierbei die Rolle der femme fatale zu, in dem sie mit ihrer Sinnlichkeit den Ich-Erzähler betört und ihn gleichzeitig in eine zunehmend unheilvolle Situation bringt.

„Das Phantom des Alexander Wolf“ habe ich an einem Tag durchgelesen. Gaito Gasdanow schreibt ungeheuer flüssig, sodass man regelrecht durch die Geschichte gleitet. Zugleich gelingt es ihm, die Spannung von Mal zu Mal zu erhöhen, sodass man nicht anders kann, als weiterzulesen, da man unbedingt wissen möchte, wie der Roman endet. Beim Lesen dachte ich ständig, wieso nie jemand diesen Roman verfilmt hat. Man müsste das Buch einfach in eine Filmrolle legen und fertig. Tatsächlich wurde der Roman in den 50er Jahren verfilmt, allerdings nicht fürs Kino, sondern fürs Fernsehen.

Beim Lesen musste ich ständig an die Filme Robert Siodmaks denken. Auf dieselbe Weise, wie Gasdanow seine geheimnisvolle Geschichte entfaltet, geht Siodmak in seinen Filmen vor. Ava Gardner hätte hervorragend in die Rolle der Jelena gepasst, Burt Lancaster in die Rolle des Weißgardisten.

Gaito Gasadnows süchtig machendes Können blieb leider zum großen Teil unbemerkt. Das lag daran, wie Rosemarie Tietze in ihrem Nachwort bemerkt, dass er seine Romane im französischen Exil nur auf Russisch schrieb und nicht z.B. auf Französisch oder Englisch, was dazu führte, dass seine Werke nie den Bekanntheistgrad erreichten, der ihnen eigentlich gebührt hätte. In Russland, seiner eigentlichen Heimat, wurden seine Romane erst Anfang der 1990er bekannt, in Deutschland, wie gesagt, erst 2012.

Gaito Gasdanow. Das Phantom des Alexander Wolf. DTV 2012, 191 Seiten