Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for Mai 2013

Monster haben Geschmack. Sie fressen nicht alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Nein, sie wählen ihre Opfer gezielt aus. Horrorfilme lieben den Kontrast. Daher setzen sie der hässlichen Kreatur eine schöne Frau gegenüber. Die Schöne und das Biest dient als Grundmotiv für jeden Konflikt, der sich innerhalb des Horrorgenres abspielt. Die Vertreter(innen) der Genderstudies sehen darin gerne sexistische Motive. Aber wahrscheinlich sind sie nur neidisch, da nicht sie es sind, die der Kiemenmensch auf seinen starken Armen davon trägt. Der Kontrast zwischen schön und hässlich führt gelegentlich zu Produktionen, in denen Schönheit verbunden wird mit rein materialistischen Werten. Diese dienen als Grundlage für heimliche Satiren auf das Geschäft mit der Schönheit. Der koreanische Horrorfilm „Yoga“ (2009) wäre dafür ein geeigntes Beispiel. Darin geht es um eine Gruppe junger Frauen, die innerhalb weniger Tage mithilfe von Yogaübungen ihre Traumfigur erhalten wollen. Dies ist jedoch verbunden mit einem gemeinen Wettbewerb. Der Leser kann sich sicherlich denken, dass der Kampf um die Schönheit recht blutig werden wird.

Noch direkter werden Filme, in denen die Hauptfiguren Fotomodels sind, die nach und nach Opfer einer hinterhältigen Kreatur werden. Man könnte hier beinahe von einem Subgenre sprechen, wenn es nicht so wenig Filme geben würde, die exakt diese Figurenkonstellation aufweisen. Im Folgenden möchten wir drei Beispiele diese Filmkost vorstellen:

Horrors-of-spider-island-poster

Ein Toter hing im Netz (1960)

Bekanntlich produzierte man in Deutschland in den 60er Jahren noch unterhaltsame Filme. In der Tat kommt so manche Trash-Granate aus jener Zeit aus Deutschland bzw. wurde von deutschen Produzenten mitfinanziert. So auch der Streifen „Ein Toter hing im Netz“, dessen internationaler Verleihtitel „Horrors of Spider Island“ lautet. Der Film kam 1960 in die Kinos und handelt von einer Gruppe Fotomodels, die für ein Shooting nach Singapur gebracht werden sollen. Doch das Flugzeug stürzt ab und die jungen Frauen können sich gerade noch auf eine einsame Insel retten. Das heißt, so einsam ist es dort nicht. Ihre Gastgeber sind mutierte Riesenspinnen. Diese haben Fotomodels besonders gern… Wie auch die späteren Karl Mai-Filme, so wurde „Horrors of Spider Island“ (auch bekannt unter dem Titel „It’s hot in Paradise“) in Yugoslavien gedreht.

Das Geisterschiff der reitenden Leichen (1974)

1974 kaperten Amando de Osorios berühmte reitenden Leichen ein altes Segelschiff. Unsere FSKler machten mit dem Film kurzen Prozess und beschlagnahmten ihn. Das Verbot gilt bis heute, auch wenn einmal mehr die Gründe dafür nicht nachvollziehbar sind. In dem dritten Teil der Quadrologie um spukende Tempelritter mit dem Titel „Das Geisterschiff der reitenden Leichen“ (alternativ gibt es auch den Titel „Das Geisterschiff der schwimmenden Leichen“) geht es um zwei Fotomodels, die Werbung für ein neues Motorboot machen sollen. Dafür werden sie mit dem Boot im Meer ausgesetzt, in der Hoffnung, von einem Schiff gerettet zu werden und dadurch Schlagzeilen zu machen. Etwas kompliziert, um Werbung für das Boot zu machen, aber bitte. Jedenfalls hält tatsächlich ein Schiff auf sie zu. Doch handelt es sich dabei um keinen erhofften Luxusliner, sondern um ein altes Segelschiff. Kaum an Bord, machen die Models auch schon die unangenehme Bekanntschaft mit den reitenden Leichen.

Dawn of the Mummy (1981)

1981 erblickte die Produktion „Dawn of the Mummy“ das Licht der Welt. Es handelt sich dabei um den einzigen Mumienfilm, in dem die Mumien kanibalistische Gelüste zeigen. Hauptfiguren sind einmal mehr eine Gruppe Fotomodels. Diese reisen für ein Shooting nach Ägypten, wo sie zwischen den Pyramiden ein paar Werbeaufnahmen machen sollen. Dabei stoßen sie auf ein neu entdecktes Grab. Der Fotograph entscheidet sich dafür, das Shooting im Grab weiter zu führen. Natürlich eine fatale Fehlentscheidung. Denn dort ist gerade eine Mumie zum Leben erwacht und hat es nun auf die Models abgesehen.

In Frank Agramas Trash-Klassiker bleibt es nicht bei einer einzigen Mumie. Nach und nach gesellen sich weitere Untote dazu, um ordentlich auf den Putz zu hauen. Es ist wirklich erstaunlich, dass dieser Film im Grunde genommen eine Mischung aus Mumien-, Zombie-, Vampir- und Kannibalenfilm ist. Agrama gelingt es dadurch, das verstaubte Image des Mumienfilms (eine der letzten Hammer-Produktionen aus den 70er Jahren beschäftigte sich ebenfalls mit wieder erweckten Mumien und ging, trotz interessanter Story, baden), aufzupolieren und den damaligen Trends, welche vom US-Slasher-Film und den italienischen Horrorfilmen bestimmt wurden, anzugleichen. Dies gelang erst zwei Jahrzehnte später wieder mit dem Remake des Boris Karloff-Klassikers „The Mummy“ (1999). Nur mit dem Unterschied, dass man in dieser Produktion auf Action, Abenteuer und Witz setzte, also den damaligen (und eigentlich bis heute geltenden) Stilelementen. Ein weiterer Unterschied: es fehlen die Fotomodels.

Advertisements

Read Full Post »

RunningMan

„Running Man“

Hollywood hat es in Korea schwer. Aufgrund des koreanischen Vertriebssystems ziehen Filme aus den USA gegenüber den einheimischen Produktionen stets den Kürzeren. Dies hat Hollywood dazu veranlasst, seine Strategie gegenüber der südkoreanischen Filmwirtschaft zu ändern. US-amerikanische Produktionsfirmen produzieren koreanische Filme mit, um dadurch in den Genuss der „Korean Hallyu“ zu kommen.  Der Film „Running Man“ ragt hinsichtlich dieses strategischen Umdenkens heraus, da er komplett von 20th Century Fox produziert wurde.

Der Film handelt von Jong-Woo, der tagsüber in einer Autoreperaturwerkstatt arbeitet und sich nachts als privater Taxifahrer etwas Geld hinzu verdient. Eines nachts wird in seinem Auto ein Mann ermordet, der sich später als amerikanischer Spion erweist. Jong-Woo wird verdächtigt, den Mann ermordet zu haben und von da an nicht nur von der Polizei, sondern auch vom koreanischen Geheimdienst gejagt.

Die Handlung klingt für einen Actionfilm viel versprechend. Das Handlungsmuster lässt darauf schließen, dass hier ein Treatment aus Hollywood für den koreanischen Filmmarkt in ein Drehbuch umgesetzt wurde. Und genau daran hapert es. Irgendwie kommt „Running Man“ nie richtig in die Gänge. Er beginnt zwar durchaus witzig und fulminant – man denke nur an die Verfolgungsjagd durch die engen Gassen eines alten Stadtteils von Seoul. Doch dann wird der Film auf einmal uninteressant. Hin und wieder gelingt es Regisseur Jo Dong-Oh gelungene Gags zu präsentieren, doch reichen diese nicht, um einen Film mit einer Länge von zweieinhalb Stunden auszufüllen. Dafür hätte es mehr aufregende Stunts und einer besseren Optik bedurft. Hauptdarsteller Shin Ha-Kyun beweist zwar hier einmal mehr, dass er zurecht einer der besten Schauspieler Koreas ist – und in der Tat verblassen ihm gegenüber alle anderen Darsteller -, aber auch sein Engangement reicht nicht, um dem Film das zu geben, was er gebraucht hätte: Stil und Klasse. Im Gegenteil, „Running Man“ wirkt wie Durchschnittsware, die hinter Filmen wie „Company Man“ (2012) weit zurückliegt. Er erinnert eher an den Actionfilm „Quick“ (2011). Und wird wahrscheinlich genauso schnell wieder vergessen sein. Schade. Man hätte viel aus dem Film machen können.

Running Man. Regie u. Drehbuch: Jo Dong-Oh, Produktion: Jeong Jong-Hun, Darsteller: Shin Ha-Kyun, Lee Min-Ho, Jo Eun-Ju. Südkorea 2013. Spielzeit: 127 Min.

 

Read Full Post »

denke reziIn der kleinen Stadt Münsterberg jagt bis heute der Name Karl Denke den Bewohnern einen Schauer über den Rücken. Denke lebte dort bis 1924 recht zurückgezogen. Jeder hielt ihn für einen harmlosen Eigenbrötler. Doch dann kam es zu einer grauenvollen Entdeckung: Karl Denke hatte zwischen 1903 und 1924 immer wieder arbeitslose Männer in seine Einzimmerwohnung gelockt, indem er ihnen Arbeit versprach. Dort wurden sie zu seinen Opfern. Doch Denke war nicht nur ein heimtückischer Mörder. Er war ein Kannibale.

Der Kriminalhistoriker Armin Rütters ist den Spuren dieses grauenvollen Falls nachgegangen und hat dabei höchst interessante Fakten zutage gefördert. Seit vielen Jahren beschäftigte er sich mit dem Mann, der in Münsterberg als Vater Denke bekannt war, bevor er sich als menschliches Ungeheuer offenbarte. Armin Rütters sichtete unzählige Dokumente, spürte Zeitungsartikel und andere Schriften auf, die sich mit dem Fall beschäftigen und korrespondierte sogar mit noch lebenden Zeitzeugen.

Das Ergebnis seiner Arbeit ist ein überaus sorgfältig recherchiertes Buch über einen der außergewöhnlichsten Kriminalfälle der deutschen Geschichte. Armin Rütters liefert einen genauen Bericht über das Leben Denkes und seine Untaten. Bereits dieser Text ist sehr spannend und äußerst interessant. Stets muss man sich vergegenwärtigen, dass dies wirklich geschehen ist. Der Anhang des Buches ist jedoch nicht weniger faszinierend. Hier präsentiert Rütters Text- und Bildquellen zu dem Fall. Unter den Texten befinden sich u. a. Überlegungen eines damaligen Psychologen zum geistigen Zustand Denkes sowie die Broschüre „Mein Kampf mit Denke“ von Vincenz Olivier, der Denkes hinterhältigen Angriff überlebte und die Polizei alarmierte, was schließlich zur Aufdeckung der grauenvollen Taten führte. Damalige Gerichtsbeschlüsse und Gutachten über den Fall runden die Textquellen ab. Der Bildteil beinhaltet Polizeifotos sowie Ansichten des Ortes, sodass in dem Buch der Fall Denke auch visuell dokumentiert wird.

Die Kriminalpsychologin Lydia Benecke liefert in einem eigens für das Buch geschriebenen Aufsatz eine genaue Analyse zur Psyche Denkes. Ein Interview mit dem bekannten Kriminalbiologen Mark Benecke liefert zudem Vergleiche zu anderen Serienmördern.

Alles in allem ist der dritte Band aus der Reihe „Historische Serienmörder“ ein Buch, das sowohl Krimifans als auch historisch interessierte Leser in seinen Bann zieht.  

Armin Rütters: Karl Denke – Der Kannibale von Münsterberg. Kirchschlager Verlag 2013, 288 Seiten, 24,00€, ISBN: 978-3-934277-42-7

Read Full Post »

Haben Computer ein Bewusstsein? Oder besser formuliert: können Computer irgendwann einmal eine Art von Bewusstsein entwickeln? Diese Frage stellen sich u. a.  Forscher der künstlichen Intelligenz. Die Antworten bleiben in der Regel vage. Es könnte sein, aber es könnte auch nicht sein. Man könnte auch sagen: man weiß es einfach nicht. Schließlich ist auch das Rätsel um das Bewusstsein noch immer nicht gelöst. Descartes würde ganz einfach sagen: Ich denke, also bin ich. SF-Autoren nehmen und nahmen sich dieses Satzes an und entwarfen dabei Romane, die von riesigen Computern handeln, welche beginnen, selbständig zu denken und dadurch ein Bewusstsein entwickeln. Dies zum Schaden für die Menschheit. Normalerweise soll die Maschine dem Menschen dienen und  nicht umgekehrt. Doch ist es erst einmal soweit, dass eine hochkomplexe Rechenmaschine ihre eigenen Gedanken spinnt, dann kann dies recht unangehm werden. Drei Romane, die mit dieser Grundidee arbeiten, sollen hier kurz vorgestellt werden.

„Gigant Hirn“ in der Ausgabe des Gebrüder Weisse Verlags. Der Roman erschien später auch in der Reihe Goldmanns Weltraum Taschenbücher.

1958 erschien posthum Heinrich Hausers Roman „Gigant Hirn“. Darin geht es um einen riesigen Computer, der unterhalb der künstlich geschaffenen Stadt Cephalon liegt (deren Beschreibung übrigens haargenau der Filmarchitektur von „Blade Runner“ entspricht). Der Computer heißt „Das Hirn“. Er soll im Ernstfall die militärische Verteidigung der USA übernehmen. Der Ameinsenforscher Semper F. Lee wird gebeten, an dem Projekt teilzunehmen. Lee ist es, der plötzlich merkt, dass das „Hirn“ ein eigenes Bewusstsein entwickelt. Dadurch kommt es zu einer zunehmenden Gefahr. Denn das „Hirn“ beschäftigt sich mit der Frage nach Gott und kommt zu dem Schluss, dass es selbst eine Art Gott ist, dem die Menschen dienen sollen. Lee versucht, dem unheimlichen Treiben des gigantischen Computers Einhalt zu gebieten.  Bei „Gigant Hirn“ handelt es sich um einen äußerst kurzweiligen und spannenden Roman, der vor allem durch seine originellen philosophischen und theologischen Diskussionen überrascht.

Colossus

„Colossus“. Die deutsche Ausgabe erschien als Goldmanns Weltraum Taschenbuch.

1966 veröffentlichte der SF-Autor D. F. Jones seinen bekanntesten Roman mit dem Titel „Colossus“. Colossus ist – wie auch das „Hirn“ – ein Riesencomputer, der dazu dient, das militärische Verteidigungssystem der USA (im Roman USNA) zu stärken. Allerdings gerät das Projekt außer Kontrolle, da auch Colossus ein Bewusstsein entwickelt. Da sämtliche Atomwaffen der USA bzw. der USNA seiner Kontrolle unterstehen, beginnt er, die Menschheit zu erpressen. Entweder die Menschen dienen ihm oder es hagelt Atombomben. Hinzu kommt, dass die Russen an einem ganz ähnlichen Projekt arbeiten. Dort heißt der Riesenrechner Guardian.  – Auch „Colossus“ ist ein hervorragender Roman, der 1969 unter dem Titel „Colossus – The Forbin Project“ verfilmt wurde, der aber an den Kinokassen floppte. Inzwischen gilt der Film genauso wie das Buch als Klassiker.

„The God Machine“ erschien unter dem Titel „Der große Computer“ 1969 im Heyne Verlag.

1968 wurde der Roman „The God Machine“ von Martin Caidin veröffentlicht. Wiederum haben wir eine ganz ähnliche Handlung. Diesmal heißt der Protagonist Steve Rand, der an „Project 79“ beteiligt ist. Bei diesem Projekt handelt es sich ebenfalls um einen Riesencomputer, der ein eigenes Bewusstsein erlangt. Zudem besitzt er – ähnlich wie in Hausers Roman – telepathische Fähigkeiten, mit denen es ihm gelingt, die Menschen zu beeinflussen. Steve Rand versucht, Project 79 zu zerstören, um dadurch die Menschheit zu retten. – Caidin ist vor allem durch seinen Roman „Cyborg“ bekannt, der als Grundlage für die bekannte TV-Serie „The Six Million Dollar Man“ diente. Aber auch seine übrigen SF-Romane sind sehr gut geschrieben und überaus spannend und erinnern an die Romane von Michael Crichton.

Read Full Post »

EinJahrFuB1Wer hätte das gedacht. Das e-Magazin FILM und BUCH wird bereits ein Jahr alt. Genau vor einem Jahr erschien die erste Ausgabe des Magazins auf unserem Blog, später dann auf beam-ebooks, zulu-ebooks und seit Kurzem auch auf Amrun. Das Magazin gibt es kostenlos.

Um ehrlich zu sein, waren wir zunächst der Meinung, dass sich FILM und BUCH als Rohrkrepierer herausstellen würde. Doch inzwischen haben sich unsere Befürchtungen widerlegt. Mittlerweile haben wir eine kleine, aber feine Nische eingenommen. Bisher erschienen vier Ausgaben, von denen Ausgabe drei die bisher erfolgreichste ist, was wohl an der schönschaurigen Maske des Schauspielers Conrad Veidt liegt. Selbst die hübsche Meiko Kaji, die als Sasori im Knastkittel das Cover der Erstausgabe ziert, kann da nicht mithalten.

FILM und BUCH beschäftigt sich mit allem, was irgendwie mit Film und Buch zu tun hat. Bisherige Artikel befassen sich z.B. mit der Rolle der Tür im Horrorfilm, mit der Figur des Golem in der Popkultur oder mit Fritz von Hermanovsky-Orlandos literarischer Würdigung des Klos. Wir versuchen, in jeder Ausgabe eine große Bandbreite an Themen abzudecken. Eine Besonderheit dabei ist, dass sich bei uns Artikel über anspruchsvolle Kunst und Artikel über Trash quasi die Klinke in die Hand geben. Wir betrachten sämtliche Genres gleichrangig, da schließlich jedem Genre und jedem Werk eine gewisse Bedeutung zukommt.  

Hier auf unserem Blog veröffentlichen wir ca. einmal pro Woche weitere Texte. Ein Schwerpunkt liegt u. a. auf koreanischer Popkultur, die weltweit immer mehr an Bedeutung gewinnt. Im Bereich des Kinos ist Südkorea das einzige Produktionsland, das Hollywood auf gleichrangigem Niveau Paroli bietet. Es ist also wichtig, die Entwicklungen auf der koreanischen Halbinsel im Auge zu behalten. Daher stellen wir immer wieder die neuesten Filme vor, beurteilen die aktuellen Trends und verfassen auch die ein oder andere Rezension. Dies alles, bevor die Filme nach Deutschland kommen, da wir die Informationen und das Sichtungsmaterial direkt aus Südkorea erhalten.

Das nächste e-Magazin ist für Juli geplant. Darin wird es u. a. ein Interview mit einem bekannten Kleinverleger geben, ein Konzept, das wir von da an weiter verfolgen wollen. Und natürlich werden regelmäßig weitere Artikel auf unserem Blog erscheinen.

In diesem Sinne wünschen wir euch weiterhin viel Spaß auf unserer Seite und mit unserem Magazin.

Hier sind nochmals alle Magazine auf einem Blick und natürlich zum kostenlosen Download:

FILM und BUCH – Magazin für Film und Literatur

 

 

 

Read Full Post »

Auch wenn, und zugegeben, meine ausgiebige Beschäftigung mit objektiven Destruktionswelten,  -erfahrungen, -prozessen und ihrer subjektiven Verarbeitung (Albrecht 1987: Kapitel „Die braunen Jahre“) in den 1980er Jahren inzwischen gut ein Vierteljahrhundert her ist – so könnte ich mich doch und auch als senior scholar an einer fachöffentlichen Debatte über  Vernichtungserfahrungen aktiv beteiligen. Und so kundig wie engagiert einen textsoziologisch-kulturwissenschaftlichen Beitrag (grundlegend Zima 1980; zuletzt Albrecht 2012) über die literarisch-autobiographische Verarbeitung von Lager- und Zwangsarbeitserfahrung(en)  versuchen. Es geht um zwei bekannte Autoren und ihre thematisch bezogenen jeweils ersterschienenen Bücher. Diese werden als im idealtypischen Sinn konträre Aufarbeitungsweisen verstanden und exemplarisch vorgestellt. (Auch als Vorarbeit zu einem größeren kulturwissenschaftlichen Essay.)

Primo Levi o.J. (italienische wikipedia)

Primo Levi (undatiert)

 Der italienische Schriftsteller Primo Levi (1919-1987) wurde vor allem bekannt für sein Werk als Zeuge und Überlebender des Holocaust oder Shoa genannten Völkermords an den europäischen Juden. Sein bekanntestes Buch, in dem es um seine Erfahrungen im KZ Auschwitz und als Zwangsarbeiter  in Auschwitz-Monowitz 1944/45 geht, ist der autobiographische Bericht Ist das ein Mensch?  Es wird vermutet, daß Levi im April 1987 suizidal endete (Freitod; Selbstmord).

Jorge Semprun 2009 (spanische wikipedia)

Jorge Semprun (2009)

Der spanische Autor Jorge Semprún (1923-2011) verkörpert die andere Seite des kontrastiven Rahmens. Semprun schrieb als ehemaliger kommunistischer Funktionär und illegaler Widerständler sowohl gegen die fancistische Diktatur als auch in der französischen résistance gegen das Vergessen im allgemeinen und gegen selektive Erinnerung in Form eines „ideologischen Gedächtnisses“ – una memoria ideológica – im besonderen  und stand für ein Gedächtnis historischer Zeitzeugenschaft – una memoria histórica, testimonial (Semprun 1977). Nach seinem hier interessierenden ersten Roman Die große Reise und zahlreichen Drehbucharbeiten[1], unter anderem für Costa Gavras´ Z (1968)[2], entwickelte Semprun in seinen typischerweise autobiografischen Texten eine besondere narrativ-ausgreifende literarästhetische Montagetechnik, die auch philosophische Reflexionen einvernimmt. Semprun war lebenslang politisch engagiert und zuletzt 1988/91 Kulturminister (in) der spanischen Zentralregierung 1988/91. Er   starb 2011 in Paris.

 

  

Primo Levi, Se questo è un uomo [1947]; dt.spr. Ausgabe udT. Ist das ein Mensch? [1961]; München: Hanser, ²1987; dtv ³1992.

Jorgé Semprún, Le grand voyage [1963]; dt.spr. Ausgabe udT.  Die große Reise [1964]; Frankfurt/Main: Suhrkamp,²1981.

-Ders., Autobiografía de Federico Sánchez. Novela. Barcelona: Ed.  Planeta, 1977; dt.spr. Taschenbuchausgabe: Frankfurt/Main-Berlin-Wien: Ullstein, ²1981.

 Richard Albrecht,  Zirkus Konzentrazani – eine Modellanalyse; in: Österreichische Zeitschrift für Soziologie, 9 (1984) 1/2: 183-190.

-Ders., Der militante Sozialdemokrat. Carlo Mierendorff 1897 bis 1943, Dietz, Berlin 1987.

[1997 unter dem Titel Deckname Dr. Friedrich: Carlo Mierendorff – ein Leben auf Zeit von Alfred Jungraithmayr verfilmt.]

-Ders., «nous voulons une Arménie sans Arméniens» – Drei Jahrzehnte Armenierbilder in kolonial-imperialistischen und totalitär-faschistischen Diskursen in Deutschland, 1913-1943; in: Schweizerische Zeitschrift für Religions- und Kulturgeschichte, 106 (2012): 625-661.

Peter V. Zima, Textsoziologie. Eine kritische Einführung, Stuttgart: Metzler, 1980.

 

 

 Richard Albrecht ist „gelernter“ Journalist, extern provomierter und habilitierter Sozialwissenschaftler, lebt seit seiner Beurlaubung als Privatdozent (1989) als Freier Autor & Editor in Bad Münstereifel und war 2002/07 Herausgeber von rechtskultur.de. Unabhängiges online-Magazin für Menschen und Bürgerrechte. Bio-Bibliographie -> http://wissenschaftsakademie.net e-Korrespondenzadresse -> eingreifendes.denken@gmx.net


[1]1966 Der Krieg ist vorbei. Regie: Alain Resnais – 1968 Z. Regie: Costa-Gavras – 1969 Das Geständnis. Regie: Costa-Gavras – 1972 Das Attentat. Regie: Yves Boisset – 1974 Stavisky. Regie: Alain Resnais – 1974 Les deux mémoires. Regie: Jorge Semprún – 1975 Jeder kämpft für sich allein. Regie: Constantin Costa-Gavras (Auswahl)

Read Full Post »

Das, was wir in einem unserer früheren K-Pop-Artikel prophezeit haben, wird in der Tat nach und nach umgesetzt. Die koreanische Musikindustrie ist weiterhin im internationalen Höhenflug und schaffte sogar mit Psys „Gentleman“ einen Eintrag ins Guinnes Buch der Rekorde, da das Video zu diesem Song innerhalb von 24 Stunden am häufigsten angeklickt wurde. Und somit sind wir schon bei unserem eigentlichen Thema. Denn Psys neuestes Video wurde in Korea stark kritisiert. Zum einen wegen angedeuteten Vandalismus, zum anderen da es angeblich zu direkte erotische Anspielungen beinhalte. Noch vor einem halben Jahr herrschte helle Aufregung innerhalb der K-Pop-Welt, da das koreanische Kulturministierum meinte, eine neue Altersregelung für Musikvideos einführen zu müssen. Die Folge davon, die Clips wurden brav, Groups, die normalerweise ein erotisches oder draufgängerisches Image vermittelten, passten sich auf einmal der Norm an.

Nun, da sich die Wogen geglättet haben und K-Pop weltweit noch mehr Aufmerksamkeit erhält, scheinen sich die Images der Groups wieder zu ändern. Am Ende unseres vorletzten Artikels behaupteten wir, dass K-Pop-Clips bald mehr auf Erotik setzen würden, um mit dieser Marketingstrategie noch mehr internationalen Erfolg erzielen zu können. Tatsächlich scheint sich dieses Konzept nun langsam einzuschleichen. Damit ist nicht Hyun-A mit „Icecream“ oder die Sistar-Split-Group Sistar 19 gemeint, deren Name das Konzept des Duos bereits vorwegnimmt. Sowohl Hyun-A als auch Sistar 19 sind von Anfang an als erotische Konzepte entwickelt worden. Es geht um neuere Videoclips, die verstärkt Erotik als Strategie benutzen, um damit Erfolg zu haben.

Gain Bloom

Gains „Bloom“ ist das erste koreanische Musikvideo, in dem ein Geschlechtsakt dargestellt wird.

Bereits Ende des vergangenen Jahres erregte die Sängerin Gain durch ihr Video „Bloom“ große Aufmerksamkeit. In dem Song geht es um sexuelle Befriedigung. Das Thema wurde nicht verspielt dargestellt –  wie sonst bei K-Pop-Clips üblich -, sondern geradezu direkt visuell umgesetzt. Die narrativen Elemente des Clips zeigen Gain bei der Selbstbefriedigung und beim Sex. Interessanterweise wurde das Video nicht verboten, wie man es aufgrund der strengeren Regelung vermutet hätte, sondern lediglich mit einer Altersbeschränkung belegt, sodass es nur noch für Zuschauer ab 19 angesehen werden darf.

KimSori Dual Life

„Dual Life“ von Kim So Ri galt zunächst als zu erotisch und sollte verboten werden.

Auch die Sängerin Kim Sori bekam mit ihrem durchaus interessanten Video „Dual Life“ Probleme. Der Text spielt auf die Diskrepanz zwischen Schein und Sein an, wobei die visuelle Umsetzung durch diverse Spiegelsymbole auch auf das Thema gespaltene Persönlichkeit eingeht. Den Beamten erschien das Video als zu erotisch, sodass es tatsächlich verboten werden sollte – bei Gain stand ein Verbot überhaupt nicht zur Debatte. Die Produzenten konnten aber dieselben Herren von der Harmlosigkeit des Videos überzeugen, sodass es nun ab 12 frei gegeben ist.  Man kommt nicht umhin, an unsere FSKler zu denken, deren Entscheidungsfreude gelegentlich auch nicht wirklich nachvollziehbar ist.

Rania Just Go

In „Just Go“ kehren Rania zu ihrem ursprünglichen Stil zurück.

Anfang 2013 kehrte die Gruppe Rania zu ihrem ursprünglichen Konzept zurück, das sie ja aufgrund der strengeren Altersbeschränkungen für kurze Zeit abgelegt hatte. In ihrem neuen Video „Just Go“ erscheinen die weiblichen Mitglieder wieder in teils durchsichtigen Kostümen und legen einmal mehr eine – für K-Pop-Verhältnisse – gewagte Choreographie hin. Diesmal hütete man sich allerdings vor einem drohenden Cut, indem man auf Nahaufnahmen bei den Dance-Shots (diese hatten bei ihrem Debut-Video „Dr. Feel Good für Wirbel gesorgt) verzichtete.

NineMuses Wild

Nine Muses‘ „Wild“ ist das erste Video der Gruppe, das nur für Erwachsene frei gegeben wurde.

Schließlich und endlich ist auch der Titel „Wild“ der Gruppe Nine Muses quasi zum Programm ihres neuesten Clips geworden. Zugleich greifen die neun ehemaligen Fotomodels in visueller Hinsicht auf ihr Debut „No Playboy“ zurück, auch wenn „Wild“ eindeutig freizügiger ist und daher erst ab 19 freigegeben wurde. Anscheinend versuchten die Produzenten das etwas fragwürdig geratene Video „Dolls“, das kurze Zeit vor „Wild“ erschien, schnell vergessen zu machen, da dies wirklich an einer schlechten Umsetzung gelitten hat.

Es zeigt sich jedenfalls, dass parallel zum zunehmenden internationalen Erfolg von K-Pop die Zweideutigkeiten zunehmend in Eindeutigkeiten übergehen. Wie immer darf man gespannt sein, wie die Entwicklung weitergeht.

Read Full Post »

Older Posts »