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Archive for Juli 2017

In den 40er Jahren stoppte Hollywood aufgrund des Kriegseintritts der USA den Filmexport ins Deutsche Reich. Es war das Jahrzehnt des Film Noir, der Komödien, doch nicht mehr des Horrorfilms. Zwar wurden weiterhin Horrorfilme produziert, doch weitaus weniger als noch in den 30er Jahren. Klassiker wie „Casablanca“ (1942) beschäftigten sich mit dem Schicksal der Menschen, die vor dem Nationalsozialismus flohen. Andere Filme wie „Sein oder Nichtsein“ (1942) machten sich über das Deutsche Reich lustig. 1948 begann mit „Fahrraddiebe“ der italienische Neorealismus, der wiederum den Film Noir beeinflussen sollte. Beide Strömungen beeinflussen bis heute die Filmästhetik.

Die Verfilmung von Daphne du Mauriers Roman „Rebecca“ (erschienen 1938) war Alfred Hitchcocks erste Hollywood-Produktion. Davor hatte er in England gearbeitet. Hitchcock hatte eigentlich selbst die Rechte an der Verfilmung erwerben wollen, doch waren für ihn die Kosten zu hoch gewesen. Daher erstand der bekannte Produzent David O. Selznick diese, um daraufhin Hitchcock mit der Verfilmung zu beauftragen.

Noch scheint alles in Ordnung zu sein; „Rebecca“ (1940); Copyright: United Artists

Die Adaption war 1941 in fast allen Kategorien für einen Oskar nominiert, wobei er schließlich zwei der Trophäen erhielt: als bester Film und für die beste Kamera. Es geht um eine junge Gesellschafterin (ihr Name wird nie genannt), die in einem Ferienort den mysteriösen Maxim de Winter kennenlernt, der sich Hals über Kopf in sie verliebt. Beide heiraten schon bald, worauf de Winter sie mit auf sein Anwesen Manderley nimmt. Doch dort stößt sie auf die bösartige Haushälterin Mrs. Danvers, die der ersten Frau de Winters, Rebecca, vollkommen verfallen war. Aus Eifersucht versucht Mrs. Denvers, der neuen Frau de Winters das Leben zur Qual zu machen. Doch auch Maxim de Winter scheint von Rebecca noch immer beherrscht zu werden, obwohl diese bereits seit längerer Zeit tot ist. Daher versucht Maxims neue Frau, hinter das Geheimnis ihrer Vorgängerin zu kommen.

„Rebecca“ hält sich sehr an du Mauriers unheimlichen Thriller, übernimmt sogar den berühmten Anfangssatz des Romans: „Letzte Nacht träumte ich wieder von Manderley.“ Das gewaltige Gebäude erscheint dann auch am Ende des Hooks als düsteres Spukhaus, und dies ist keineswegs abwegig, geht doch noch immer die Erinnerung an Rebecca in den Zimmern und Fluren des Anwesens um.

Mrs. Denvers enthüllt der zweiten Mrs. de Winter ein schreckliches Geheimnis; „Rebecca“ (1940); Copyright: United Artists

Joan Fontaine spielte die schüchterne zweite Frau de Winters großartig. Ihre Gestig und Mimik, ja ihr ganzes Verhalten und auch ihr Aussehen scheinen direkt aus dem Roman entsprungen zu sein. Im Gegensatz dazu wirkt Laurence Olivier doch irgendwie fehl am Platz. Nicht, dass Fontaine ihm die Show stehlen würde, doch besitzt Olivier nicht das im Roman beschriebene düstere Aussehen des geplagten Mannes, der von Rebecca noch immer besessen ist. Rebecca selbst tritt zwar nie in Erscheinung, doch wirkt ihre Präsenz noch immer so intensiv, dass das ganze Leben auf dem Anwesen davon beeinflusst wird.

Um dieser unheimlichen Macht Ausdruck zu verleihen, kam Hitchcock auf eine geniale Idee. Er stellte Rebeccas früheres Zimmer überproportional groß dar, sodass die zweite Mrs. de Winter, Mrs. Denver und auch Maxim de Winter im Verhältnis dazu geradezu klein und verloren wirken. Zwar ist die Hintergrundgeschichte dann doch (aus moralischen Gründen) abgeschwächt worden, insgesamt aber zieht einen der Film genauso in den Bann wie der unübertroffene Roman du Mauriers.

Zwei Jahre nach „Rebecca“ brachte der französische Regisseur Jacques Tourneur sein Debut auf die Leinwand. Davor war er als Regieassistent tätig und hatte einen Kurzfilm hergestellt. Mit „Katzenmenschen“ schuf er den Klassiker des Noir-Horrorfilms, eine Mischung aus (wie die Bezeichnung schon sagt) Elementen des Film Noir und des klassischen Horrors. Wobei „klassisch“ dem kongenialen Werk nicht wirklich gerecht wird.

Jacques Tourneur erneuerte das Horrorfilmgenre, indem er die Handlung in das Alltagsleben einer Großstadt einwebte. Zwar spielten bereits in den 30er Jahren Horrorfilme im urbanen Raum (wie z.B. „Dr. X“), doch gingen diese nicht auf den modernen Alltag der Protagonisten ein. Ganz im Gegensatz zu „Katzenmenschen“, der die negativen Aspekte des Großstadtlebens wie Vereinsamung, fehlendes Vertrauen und Angst vor dem Anderen aufzeigte.

Irena erzählt Oliver die sonderbare Legende der Katzenmenschen; „Cat People“ (1942); Copyright: Universal Pictures

Es geht darin um den Ingenieur Oliver Reed, der eines Tages die sinnlich-mysteriöse Irena Dubrovna kennenlernt und sich schlagartig in sie verliebt. Irenas Aura besitzt einen seltsamen Effekt auf die Raubtiere im Zoo, werden diese doch extrem unruhig und angriffslustig. Von ihrer Sinnlichkeit angezogen, kommt Oliver von Irena nicht mehr los, und beide heiraten. Doch Irena leidet unter einer Art Sexphobie. Aus diesem Grund beginnt Oliver fremd zu gehen. Als Irena eines Abends mitbekommt, wie sich Oliver mit seiner Kollegin Alice trifft, werden ihre raubtierhaften Instinkte wach …

„Katzenmenschen“ ist ein Film, der damalige Tabus brach. Einerseits symbolisch, doch dabei unwahrscheinlich direkt geht Tourneur ein auf das Thema Sexualität. Irena kann nicht mit Oliver schlafen, da sie Angst hat, die Kontrolle über sich zu verlieren. Oliver zeigt sich dabei zunächst verständnisvoll, doch je länger dieser Zustand andauert, desto frustrierter wird er. Er schickt Irena zum Psychiater, um ihre Phobie zu heilen, doch auch dies gelingt nicht, im Gegenteil, auch der Arzt gerät in den Bann ihrer unheimlichen Sinnlichkeit.

Alice wird verfolgt; „Cat People“ (1942); Copyright: Universal Pictures

Ganz im Stil des Film Noir ist „Katzenmenschen“ zugleich ein kunstvolles Spiel mit Licht und Schatten, der beinahe den Neorealismus vorwegnimmt, indem er den beruflichen Alltag eines Schiffbauingenieurs verfolgt. Auf eine überaus nüchterne Art erzählt er dabei von der schicksalhaften Beziehung zwischen Oliver und Irena. Die übersinnlichen Aspekte sind dabei wie zufällige Ereignisse in die Geschichte eingeflochten. So z.B. die Szene, in der Irena in einem Lokal eine andere Frau ihrer Art trifft und vor ihr erschrickt. Nicht zu vergessen auch die berühmteste Szene des Films, in dem Alice am späten Abend im Pool schwimmt und plötzlich von einer schattenhaften Riesenkatze bedroht wird. Diese äußerst intensive Szene wird bis heute immer wieder zitiert.

All dies macht „Katzenmenschen“ zu einem ganz besonderen Film und letztendlich zu einem Klassiker des Horrorfilms. Jacques Tourneur zählt bis heute zu den wichtigsten Horror- und Thrillerregisseuren.

 

 

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Colm McCarthy hat sich vor allem als Regisseur der „Peaky Blinders“-Serie einen Namen gemacht. Die Darstellung von düster-tragischen Handlungen und physischen wie psychischen Grausamkeiten machte ihn daher für die Adaption des Zombie-Romans von M. R. Carey, der auch selbst das Drehbuch schrieb, durchaus geeignet.

McCarthys erster Kinofilm handelt in einer post-apokalyptischen Welt, in der sich Menschen aufgrund von außergewöhnlichen Sporen in Zombies verwandeln. Während die Gesellschaften zusammengebrochen sind, versuchen die Militärs weiterhin nach einem Impfstoff zu suchen, der die Seuche eindämmt. Als Grundlage der Forschung dienen ihnen Kinder, bei denen sich der Verlauf der Seuche völlig anders verhält. Unter den „Versuchsobjekten“ ist auch das Mädchen Melanie. Als das Lager von Zombies überrannt wird, gelingt ihm zusammen mit einer Handvoll Soldaten die Flucht nach London, wo sie weiteren Gefahren ausgesetzt sind …

„The Girl with all the Gifts“ beginnt wie ein beklemmendes Kammerspiel, in dem Nahaufnahmen und enge Räume eine fast schon klaustrophobische Atmosphäre schaffen. Kinder werden behandelt wie Dinge, nur die Soldatin Helen behandelt sie wie richtige Menschen, wobei ihr besonders die begabte Melanie am Herzen liegt.

Auf diese Weise beschäftig sich die erste viertel Stunde mit dem trostlosen Alltag auf der Station. Doch dann beginnt die plötzliche Wende, als die Station von Zombies überfallen wird. Die Szene, in der in einer Totalen das gesamte Gelände gezeigt wird, vor dessen Umzäunung die Infizierten lauern, ist durchaus beeindruckend und erinnert in seiner Endgültigkeit an den Klassiker „Things to Come“ aus dem Jahr 1936, der sich in mehreren Sequenzen ebenfalls mit einer post-apokalyptischen Welt inklusive Zombies auseinandersetzt.

Überhaupt steckt „The Girls with all the Gifts“ voller Zitate, die durchaus gewitzt in die Handlung eingefügt sind. Ob es sich nun um „Blumen des Schreckens“ handelt, um die Star Trek-Folge „Miri, ein Kleinling“ oder natürlich um „Der Omegamann“, der Film webt diese Querverweise stilsicher in die eigene Geschichte ein. Die Pointe des Ganzen schließlich ist dann wiederum weniger originell. Denn genau da, wo man sich ein überraschendes Ende erwartet, übernimmt der Film die Pointe des Romans „I am Legend“ von Richard Matheson. Dennoch oder vielleicht sogar deswegen bringt dies einem zum Schmunzeln, besitzt Mathesons Roman doch einen der originellsten und faszinierendsten Endgags überhaupt.

Trotz interessanter Story, wollten die Produzenten Colm McCarthy dann doch nicht allzu viel Geld in die Hand geben, sodass er mit einem Budget von vier Millionen Pfund auskommen musste. Auf diese Weise wirkt der Film mehr wie eine Direct to Video-Produktion als wie ein für die Leinwand bestimmter Film. Doch ist dies eigentlich gut so, denn auf diese Weise musste sich der Regisseur auf die Handlung konzentrieren und weniger darauf, ein Zombie-Effekt-Gewitter loszutreten. Dies macht „The Girl with all the Gifts“ zu einem durchaus interessanten Vertreter der Zombie-Welle.

The Girl with all the Gifts. Regie: Colm McCarthy, Drehbuch: M. R. Casey, Produktion: Will Clarke, Angus Lamont, Darsteller: Gemma Aterton, Paddy Considine, Glenn Close, Sennia Nanua. England/USA 2016, 111 Min.

 

 

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Das Autorenduo Douglas Preston und Lincoln Child haben ihren neuesten Roman auf vielfachen Wunsch geschrieben. Dies vermerken beide jedenfalls im Nachwort. Viele Leser wollten eine Fortsetzung des Romans „Ice Ship“ haben, der vor mehreren Jahren veröffentlicht wurde. „Ice Limit“ ist sozusagen das Sequel.

Es geht um ein außerirdisches Wesen, das am Grund des Pazifiks haust und für Ärger sorgt. Geschlüpft ist es aus einem Meteoriten, der bei einer Schiffskatastrophe ins Meer geplumpts ist. Der Agent Gideon Crew muss zusammen mit einem Team aus Wissenschaftlern versuchen, dem Wesen den Garaus zu machen.

Was Preston und Child mit ihrem neuen Roman bieten, ist ein für ihre Fans zugeschnittener Thriller. Dabei gingen sie jedoch eher halbherzig vor. Irgendwie schienen beide so ihre Schwierigkeiten mit dem Stoff gehabt zu haben, denn der Roman plätschert zunächst vor sich hin, ohne wirklich spannend zu werden. Wie immer allerdings fasziniert die exakte Recherche der beiden. In dieser Hinsicht haben sie nichts verlernt.

Was sie jedoch verlernt haben, ist, einen durchweg packenden Thriller zu schreiben. Das Thema muss Preston und Child selbst irgendwie gelangweilt haben, denn der Roman fängt damit an, dass man ein Alien im Pazifik entdeckt habe, die erstaunte Reaktion der Figuren allerdings bleibt aus. Auf diese Weise hätte es genauso gut heißen können, dass der Zug Verspätung hat. So etwas lähmt natürlich die Spannung erheblich. Und man fragt sich, ob das Autorenduo doch noch zu seiner früheren Stärke findet.

Leider aber bleiben zunächst wirkliche Höhepunkte aus. Zwar nimmt die Spannung bei der ersten Begegnung mit dem Ungeheuer deutlich zu, allerdings nur, um danach wieder abzuflachen. Der Grund, die Szenen wiederholen sich teilweise. Hinzu kommen diverse Logikfehler, die den beiden Autoren eigentlich hätten selbst auffallen müssen.

Zum Beispiel befindet sich das Schiff an einer Stelle des Ozeans, der mit einem Helikopter nicht mehr erreicht werden kann, nur um mehrere Seiten danach von einem Helikopter erreicht zu werden. An einer anderen Stelle betrinkt sich einer der wissenschaftlichen Assistenten, um dann mit einem U-Boot abzuhauen. Gideon Crews kongeniale Schlussfolgerung lautet, dass der Mann betrunken gewesen sein muss.

Erst gegen Ende hin nimmt dann der Roman wirklich Fahrt auf und wird zu einem furiosen Action-Horror-Seitenfetzer. Hier schimmert dann die frühere Stärke der beiden Autoren durch. An die früheren Romane der beiden Autoren allerdings reicht „Ice Limit“ nicht heran.

Douglas Preston/Lincoln Child. Ice Limit. Knaur Verlag 2017, 400 Seiten, 14,99 Euro, ISBN: 978-3-426-51498-6

 

 

 

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Cover der Originalausgabe von 1958

Mit seiner Novelle „Frühstück bei Tiffany“ hatte der Exzentriker Truman Capote (1924 – 1984) endgültig das Podest der amerikanischen Literatur erklommen. Seine Novelle wurde quasi über Nacht zum Bestseller und Paramount erwarb die Filmrechte, um 1961 (also drei Jahre nach Erscheinen des Buches) einen der Klassiker der Filmgeschichte zu produzieren.

Die Frage, die ich mir immer stelle, lautet, was ist so herausragend an dieser Geschichte? Was so einzigartig? Ich habe keine Ahnung, ob es darauf eine klare Antwort geben kann, sicher ist nur, dass, wer Capotes Novelle liest, sich in diese genauso heimlich verliebt wie der Erzähler in Holly, den sie den Namen ihres Bruders Fred gibt.

Eigentlich erzählt Truman Capote lediglich die freundschaftliche Beziehung zwischen einem Mann, der Schriftsteller werden möchte, und einer jungen Frau, die sich leichtfüssig durchs Leben schlägt. Halb Prostituierte, halb It Girl gelingt es ihr im Handumdrehen, reiche Männer an sich zu binden. Dass sie jedoch nebenher mit der New Yorker Unterwelt verkehrt, scheint niemanden groß zu stören.

Capote erzählt die Novelle mit einer unerhörten Leichtigkeit, die dem Namen der weiblichen Hauptfigur alle Ehre erweist. Voller Witz, voller überraschender Wendungen, ist „Frühstück bei Tiffany“ ein wahres literarisches Feuerwerk. Doch so leicht Capote über „Freds“ Beziehung mit Holly schreibt, so schwer und tragisch sind zugleich die Themen, die darin anklingen.

So unter anderem um Eltern, die ihre Kinder aussetzen, um schwere Verluste, um das Verdrängen von Wirklichkeit – immer dann, wenn Holly sich an ihr wahres Ich erinnert, geht sie zu Tiffany’s, um sich wieder zu beruhigen und sich dem Trug hinzugeben -, es geht um Einsamkeit und um zerstörte Träume. Es wäre unfair gegenüber Lesern, die die Novelle noch nicht kennen, auf die einzelnen Aspekte genauer einzugehen, da sie die Überraschungsmomente und die Spannung wegnehmen würden.

Capote glingt jedenfalls das Meisterstück, all diese Themen in eine Art melancholische Sichtweise zu verpacken, die der Novelle diese ganz spezielle Atmosphäre verleiht. Die Tragik ist stets allgegenwärtig, doch Holly gelingt es immer wieder, sich zu behaupten. Sie ist eine Kämpfernatur, da sie von Anfang an hatte kämpfen müssen. Schließlich macht sie sich ihr Aussehen zunutze und verdient dadurch ihr Geld.

Man merkt regelrecht, dass der Erzähler bei Hollys rasantem Lebenswandel kaum oder so gut wie gar nicht mithalten kann. Er beobachtet völlig erstaunt und beinahe hilflos ihre spontanen Handlungen und merkt dabei zugleich, wie er sich in sie zu verlieben beginnt. Doch der Erzähler bewahrt, manchmal beinahe mit sich selbst ringend, die Distanz, so als sei ihm ihre Lebensart nicht ganz geheuer. Ist sie ihm zu wild, zu unberechenbar?

Truman Capote (1958)

Holly verhält sich gegenüber „Fred“ völlig anders als zu allen anderen Figuren. Sie mag ihn, seine zurückhaltende und zugleich hilflose Art scheint sie auf eine gewisse Art anzuziehen, sie aber keineswegs zu bändigen. Gleich am Anfang nennt sie ihn Fred, als zeichen für Leute, die sie gerne hat und die sie an ihren Bruder erinnern, der eingezogen wurde und nun an der Front in Europa kämpfen muss. Auf diese Weise bekommt der Erzähler so gut wie alles mit, was mit Holly und ihrem sprunghaften Leben zu tun hat. Doch gelingt es ihm nie, sie vor bestimmten Dingen zurückzuhalten. Sie lässt sich nichts sagen und hat es nicht gerne, wenn man sie mit der Wahrheit konfrontiert. Auf diese Weise wirkt Holly, als sei sie ständig auf der Flucht, und zwar auf der Flucht vor sich selbst.

Es scheint manchmal so, als versuchte Capote selbst, seine Figur wieder einzufangen, um sie im Rahmen der Handlung zu belassen, als versuchte er zu verhindern, dass Holly seine Geschichte übernimmt. Auf diese Weise entsteht eine ungeheure Lebendigkeit und Schnelligkeit, bei der man als Leser selbst aufpassen muss, dass man nicht aus der Puste kommt.

Wenn ich nur drei Bücher mit auf eine einsame Insel mitnehmen dürfte, so wäre „Frühstück bei Tiffany“ auf jeden Fall dabei. Es ist ein Buch, das man immer wieder liest, in das man sich immer wieder von neuem verliebt und das man vor allem immer wieder von neuem erleben kann. In der Tat gibt es nicht viele Romane oder Novellen, die man wirklich erlebt. Truman Capotes Meisterwerk ist solch eine wundervolle Ausnahme.

 

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Die dritte Sonderausgabe von FILM und BUCH beschäftigt sich mit dem Thema Sozialer Wandel im Film. Am Beispiel des SF-Klassikers „Das Ding aus einer anderen Welt“ aus dem Jahr 1951 und dessen beiden Remakes von 1982 und 2011 untersucht der Beitrag, auf welche Weise die Gesellschaft in den drei Filmen jeweils dargestellt wird. Wie sieht es z.B. aus mit der Rolle der Frau oder mit sozialen Ängsten? Zwischen den drei Filmen liegt jeweils eine Zeitspanne von ca. 30 Jahren. Daher erscheinen gerade „Das Ding“ und seine beiden Nachfolger überaus geeignet, um sozialen Wandel im Film zu untersuchen.

Achtung: Der Text ist urheberrechtlich geschützt und zudem mit vielen wichtigen und bekannten sozial- und kulturwissenschaftlichen Organisationen verlinkt.

Hier könnt ihr Sonderausgabe 3 gratis downloaden: Das Ding mal drei

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Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön … – Das denken auch die Passagiere der Fähre Baltic Charisma, die an Bord vor allem zwei Dinge wollen: Alkohol und Sex. Denn dafür ist die Autofähre berühmt wie berüchtigt. Auf jeder Reise finden dort ausufernde Partys statt, es kommt zu Schlägereien und so ziemlich jeder benimmt sich daneben. Ebenfalls bekannt ist, dass die Passagiere in der Hauptsache aus einfachen Leuten und Proleten bestehen. Alle anderen, die etwas auf sich halten, nehmen lieber ein anderes Schiff. Doch bei der jetzigen Fahrt läuft alles anders. Denn zwei Vampire haben sich an Bord geschlichen, die mit den alkoholisierten Passagieren kurzen Prozess machen.

Was Mats Strandbergs erster Horrorroman vor allem ist, ist eine gelungene Satire. Strandberg lässt kein gutes Haar an seinen Landsleuten, die sich durch die Bank weg daneben benehmen. Es wird nur noch gekotzt, gepöbelt, gesoffen und gerammelt, sodass einer der Mitarbeiter bemerkt, dass sich bei jeder Fahrt fast alle Passagiere an Bord in Urmenschen verwandeln. Am gelungensten hierbei sind die Beschreibungen des ehemaligen Schlagerstars Dan Appelgreen, der nun als Witzfigur für die Abendunterhaltung herhalten muss, indem er Karaokewettbewerbe moderiert. In den jeweiligen Kapiteln zeigt sich der Autor in Bestform, da er mit einem Wisch jeweils eine große Bandbreite an Kritik und Spott loswerden kann.

Strandberg erweist sich dabei als ein minutiöser Beobachter, was wirklich beachtlich ist. Fast scheint es so, als würde er das beschreiben, was er selbst einmal auf einer Fähre erlebt hat. Das Verhalten und die jeweiligen Reaktionen der Figuren sind hervorragend geschildert, sodass es beinahe wirkt, als würde man einer Dokumentation über den Alltag auf einer Fähre beiwohnen. Hier überzeugt Mats Strandberg auf ganzer Linie und dies ist es auch, was den Roman spannend und interessant macht.

Neben der köstlichen Satire tritt allerdings auch eine vehemente Gesellschaftskritik zutage. Der Autor nimmt das Leben auf der Fähre als eine Art Sinnbild für den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft. Was er dabei sieht, sind zerborchene Existenzen, kaputte Familien, Gewalt, Roheit – eine Gesellschaft, die sich praktisch selbst zerstört, wie es in dem Roman interessanterweise mehrmals heißt.

Doch dann kommt der Dämpfer. Denn diese durchaus düstere, dennoch immer wieder witzige Satire, verbunden mit einem treffsicheren Spott, würzt Strandberg mit der Handlung eines Horrorromans. Nach und nach werden die Passagiere Opfer zweier Vampire, bevor sie sich selbst in Vampire verwandeln. Was zunächst ebenfalls seinen Witz hat (Grusel sucht man in dem Roman vergeblich), wird jedoch in der zweiten Hälfte des Romans zu einer Art bloßen Aneinanderreihung an blutigen Geschehnissen, die zunehmend langweilen, da sie alle exakt nach dem gleichen Muster ablaufen.

Ein wenig mehr Einfallsreichtum hätten den Horrormomenten durchaus gut getan, so aber präsentiert Strandberg lediglich einen uninspirierten Hollywood-Vampirismus, indem sich die Verwandlungen genauso ereignen wie in Zombie- oder eben Vampirfilmen. Zwar schimmern auch in der zweiten Romanhälfte immer mal wieder satirische Aspekte hindurch, besonders wenn es um den ehemaligen Schlagerstar geht, doch helfen diese nicht, um den Roman zurück in sein ursprüngliches Fahrwasser zu bringen.

Aus diesem Grund hat Mats Strandberg zwar eine geniale und lesenswerte Satire geschaffen, als Horrorautor aber muss er eindeutig noch üben.

Mats Strandberg. Die Überfahrt. Fischer/TOR 2017, 506 Seiten, 14,99 Euro, ISBN: 978-3-596-29599-9

 

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Die 30er Jahre gehörten zu den goldenen Jahren Hollywoods. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Weltwirtschaftskrise bot das Kino den Menschen für kurze Zeit Ablenkung von ihren Sorgen. Vor allem Hollywood baute seinen internationalen Einfluss aus. Als wichtigstes Publikum außerhalb der USA galten die deutschen Kinobesucher. In dieser Zeit setzte sich der Tonfilm vollends durch. Die Universal Studios begannen mit den Produktionen ihrer legendären Monsterfilme. Aber auch der Antikriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ (1930) sorgte national wie international für Furore. Im Bereich der Komödie waren es Stan Laurel und Oliver Hardy, die die Kinosäle füllten, nicht weniger wie die Marx Brothers mit ihren legendären Filmen.

Doch der wohl erfolgreichste Film der 30er war „King Kong„. Trotz der langen Produktionszeit, die 670.000 Dollar verschlang (damals eine unvorstellbar hohe Summe für eine Produktion), wurde „King Kong“ auf Anhieb ein Erfolg. Und trotz Wirtschaftskrise spielte der Film bereits in der ersten Woche mehr als 100.000 Dollar ein (ein Ticket kostete damals 15 Cent!). Also auch in finanzieller Hinsicht war „King Kong“ einfach riesig.

King Kong macht Ernst; „King Kong“ (1933); Copyright: Studio Canal

Allerdings fiel die Geschichte um den Monsteraffen gleich nach den ersten Wochen der Zensur zum Opfer. Die Zensoren betrachteten „King Kong“ als zu brutal und freizügig. Immerhin gab es Nahaufnahmen, in denen man sah, wie King Kong mit seinen Füßen Eingeborene zertrampelte, wie die getöteten Dinos bluteten und wie King Kong in einer Szene beginnt, Fay Wray zu entkleiden. Somit mussten die Trampel- und Ausziehszene geschnitten werden. Der übrige Film wurde zugleich nachgedunkelt, um das viele Blut nicht so deutlich sehen zu können.

Von da an lief „King Kong“ in einer gekürzten Version in den Kinos. Erst während der Restauration des Films wurden die geschnittenen Szenen wieder eingefügt und die Nachdunklung aufgehoben. Anscheinend enthielt die ursprüngliche Version von „King Kong“ eine Szene, in welcher die Helden in eine Höhle fallen, in der sie von Riesenspinnen angegriffen werden. Diese Szene gilt heute als verschollen. Nur noch ein einziges Szenenfoto beweist, dass diese Szene tatsächlich gedreht worden war. Cooper entschied sich später jedoch dafür, die Szenen herauszunehmen, da er befürchtete, dass der Film aufgrund der aufwendigen Special Effects zu sehr daran gemessen werden würde. In Peter Jacksons Remake wird auf diese Szene jedoch wieder Bezug genommen, wenn die Protagonisten von einer endlos erscheinenden Schar Riesenspinnen attackiert werden.

 

Mit Way out West, der in Deutschland unter den Titeln „Zwei ritten nach Texas“ und „Dick und Doof im Wilden Westen“ bekannt ist, produzierten Stan Laurel und Oliver Hardy ihren bekanntesten Film, der zugleich ihr eigener Lieblingsfilm war.

Die Komödie, die als Parodie auf das Westerngenre gedacht war, steckt voller Highlights. Es ist mühselig, alle Höhepunkte des Films aufzuzählen, denn sonst müsste man den kompletten Film nacherzählen. Es geht jedoch darum, dass Stan und Ollie nach Brushwood Gulch fahren, um Mary Roberts, die in einer Bar arbeitet, eine Erbschaftsurkunde zu übergeben. Ihr Vater hat ihr eine Goldmine vermacht. Doch als die Besitzer des Lokals Lola Marcel und Mickey Finn dies mitbekommt, gibt sich Lola als Mary aus und zwingt Mary, die Urkunde auf sie zu übertragen. Als Stan und Ollie dies mitbekommen, setzen sie alles daran, um das Testament zurückzubekommen.

Ob es nun die Szene ist, in der Ollie in den See plumpst, während Stan einfach hindurchstapft, als wäre es eine Pfütze, ob es das peinliche Gespräch zwischen Ollie und einer Mitreisenden ist, ob es Stans bekannte Gesangseinlage an der Theke ist, ob es Lolas Kitzelattacke auf Stan ist, ob … Ganz egal, der Film steckt voller Witz, voller Gags und ist im Grunde genommen eine geniale Aneinanderreihung von komödiantischen Höhepunkten, deren Timing perfekt funktioniert. Obwohl alle Filme des Komikerduos sehenswert sind, zeigt „Way out West“ ihr Können in der wohl ausgeprägtesten Form. Der Film war 1938 für einen Oskar für die beste Filmmusik nominiert.

 

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