Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for Juli 2017

Die dritte Sonderausgabe von FILM und BUCH beschäftigt sich mit dem Thema Sozialer Wandel im Film. Am Beispiel des SF-Klassikers „Das Ding aus einer anderen Welt“ aus dem Jahr 1951 und dessen beiden Remakes von 1982 und 2011 untersucht der Beitrag, auf welche Weise die Gesellschaft in den drei Filmen jeweils dargestellt wird. Wie sieht es z.B. aus mit der Rolle der Frau oder mit sozialen Ängsten? Zwischen den drei Filmen liegt jeweils eine Zeitspanne von ca. 30 Jahren. Daher erscheinen gerade „Das Ding“ und seine beiden Nachfolger überaus geeignet, um sozialen Wandel im Film zu untersuchen.

Achtung: Der Text ist urheberrechtlich geschützt und zudem mit vielen wichtigen und bekannten sozial- und kulturwissenschaftlichen Organisationen verlinkt.

Hier könnt ihr Sonderausgabe 3 gratis downloaden: Das Ding mal drei

Read Full Post »

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön … – Das denken auch die Passagiere der Fähre Baltic Charisma, die an Bord vor allem zwei Dinge wollen: Alkohol und Sex. Denn dafür ist die Autofähre berühmt wie berüchtigt. Auf jeder Reise finden dort ausufernde Partys statt, es kommt zu Schlägereien und so ziemlich jeder benimmt sich daneben. Ebenfalls bekannt ist, dass die Passagiere in der Hauptsache aus einfachen Leuten und Proleten bestehen. Alle anderen, die etwas auf sich halten, nehmen lieber ein anderes Schiff. Doch bei der jetzigen Fahrt läuft alles anders. Denn zwei Vampire haben sich an Bord geschlichen, die mit den alkoholisierten Passagieren kurzen Prozess machen.

Was Mats Strandbergs erster Horrorroman vor allem ist, ist eine gelungene Satire. Strandberg lässt kein gutes Haar an seinen Landsleuten, die sich durch die Bank weg daneben benehmen. Es wird nur noch gekotzt, gepöbelt, gesoffen und gerammelt, sodass einer der Mitarbeiter bemerkt, dass sich bei jeder Fahrt fast alle Passagiere an Bord in Urmenschen verwandeln. Am gelungensten hierbei sind die Beschreibungen des ehemaligen Schlagerstars Dan Appelgreen, der nun als Witzfigur für die Abendunterhaltung herhalten muss, indem er Karaokewettbewerbe moderiert. In den jeweiligen Kapiteln zeigt sich der Autor in Bestform, da er mit einem Wisch jeweils eine große Bandbreite an Kritik und Spott loswerden kann.

Strandberg erweist sich dabei als ein minutiöser Beobachter, was wirklich beachtlich ist. Fast scheint es so, als würde er das beschreiben, was er selbst einmal auf einer Fähre erlebt hat. Das Verhalten und die jeweiligen Reaktionen der Figuren sind hervorragend geschildert, sodass es beinahe wirkt, als würde man einer Dokumentation über den Alltag auf einer Fähre beiwohnen. Hier überzeugt Mats Strandberg auf ganzer Linie und dies ist es auch, was den Roman spannend und interessant macht.

Neben der köstlichen Satire tritt allerdings auch eine vehemente Gesellschaftskritik zutage. Der Autor nimmt das Leben auf der Fähre als eine Art Sinnbild für den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft. Was er dabei sieht, sind zerborchene Existenzen, kaputte Familien, Gewalt, Roheit – eine Gesellschaft, die sich praktisch selbst zerstört, wie es in dem Roman interessanterweise mehrmals heißt.

Doch dann kommt der Dämpfer. Denn diese durchaus düstere, dennoch immer wieder witzige Satire, verbunden mit einem treffsicheren Spott, würzt Strandberg mit der Handlung eines Horrorromans. Nach und nach werden die Passagiere Opfer zweier Vampire, bevor sie sich selbst in Vampire verwandeln. Was zunächst ebenfalls seinen Witz hat (Grusel sucht man in dem Roman vergeblich), wird jedoch in der zweiten Hälfte des Romans zu einer Art bloßen Aneinanderreihung an blutigen Geschehnissen, die zunehmend langweilen, da sie alle exakt nach dem gleichen Muster ablaufen.

Ein wenig mehr Einfallsreichtum hätten den Horrormomenten durchaus gut getan, so aber präsentiert Strandberg lediglich einen uninspirierten Hollywood-Vampirismus, indem sich die Verwandlungen genauso ereignen wie in Zombie- oder eben Vampirfilmen. Zwar schimmern auch in der zweiten Romanhälfte immer mal wieder satirische Aspekte hindurch, besonders wenn es um den ehemaligen Schlagerstar geht, doch helfen diese nicht, um den Roman zurück in sein ursprüngliches Fahrwasser zu bringen.

Aus diesem Grund hat Mats Strandberg zwar eine geniale und lesenswerte Satire geschaffen, als Horrorautor aber muss er eindeutig noch üben.

Mats Strandberg. Die Überfahrt. Fischer/TOR 2017, 506 Seiten, 14,99 Euro, ISBN: 978-3-596-29599-9

 

Read Full Post »

Die 30er Jahre gehörten zu den goldenen Jahren Hollywoods. Trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Weltwirtschaftskrise bot das Kino den Menschen für kurze Zeit Ablenkung von ihren Sorgen. Vor allem Hollywood baute seinen internationalen Einfluss aus. Als wichtigstes Publikum außerhalb der USA galten die deutschen Kinobesucher. In dieser Zeit setzte sich der Tonfilm vollends durch. Die Universal Studios begannen mit den Produktionen ihrer legendären Monsterfilme. Aber auch der Antikriegsfilm „Im Westen nichts Neues“ (1930) sorgte national wie international für Furore. Im Bereich der Komödie waren es Stan Laurel und Oliver Hardy, die die Kinosäle füllten, nicht weniger wie die Marx Brothers mit ihren legendären Filmen.

Doch der wohl erfolgreichste Film der 30er war „King Kong„. Trotz der langen Produktionszeit, die 670.000 Dollar verschlang (damals eine unvorstellbar hohe Summe für eine Produktion), wurde „King Kong“ auf Anhieb ein Erfolg. Und trotz Wirtschaftskrise spielte der Film bereits in der ersten Woche mehr als 100.000 Dollar ein (ein Ticket kostete damals 15 Cent!). Also auch in finanzieller Hinsicht war „King Kong“ einfach riesig.

King Kong macht Ernst; „King Kong“ (1933); Copyright: Studio Canal

Allerdings fiel die Geschichte um den Monsteraffen gleich nach den ersten Wochen der Zensur zum Opfer. Die Zensoren betrachteten „King Kong“ als zu brutal und freizügig. Immerhin gab es Nahaufnahmen, in denen man sah, wie King Kong mit seinen Füßen Eingeborene zertrampelte, wie die getöteten Dinos bluteten und wie King Kong in einer Szene beginnt, Fay Wray zu entkleiden. Somit mussten die Trampel- und Ausziehszene geschnitten werden. Der übrige Film wurde zugleich nachgedunkelt, um das viele Blut nicht so deutlich sehen zu können.

Von da an lief „King Kong“ in einer gekürzten Version in den Kinos. Erst während der Restauration des Films wurden die geschnittenen Szenen wieder eingefügt und die Nachdunklung aufgehoben. Anscheinend enthielt die ursprüngliche Version von „King Kong“ eine Szene, in welcher die Helden in eine Höhle fallen, in der sie von Riesenspinnen angegriffen werden. Diese Szene gilt heute als verschollen. Nur noch ein einziges Szenenfoto beweist, dass diese Szene tatsächlich gedreht worden war. Cooper entschied sich später jedoch dafür, die Szenen herauszunehmen, da er befürchtete, dass der Film aufgrund der aufwendigen Special Effects zu sehr daran gemessen werden würde. In Peter Jacksons Remake wird auf diese Szene jedoch wieder Bezug genommen, wenn die Protagonisten von einer endlos erscheinenden Schar Riesenspinnen attackiert werden.

 

Mit Way out West, der in Deutschland unter den Titeln „Zwei ritten nach Texas“ und „Dick und Doof im Wilden Westen“ bekannt ist, produzierten Stan Laurel und Oliver Hardy ihren bekanntesten Film, der zugleich ihr eigener Lieblingsfilm war.

Die Komödie, die als Parodie auf das Westerngenre gedacht war, steckt voller Highlights. Es ist mühselig, alle Höhepunkte des Films aufzuzählen, denn sonst müsste man den kompletten Film nacherzählen. Es geht jedoch darum, dass Stan und Ollie nach Brushwood Gulch fahren, um Mary Roberts, die in einer Bar arbeitet, eine Erbschaftsurkunde zu übergeben. Ihr Vater hat ihr eine Goldmine vermacht. Doch als die Besitzer des Lokals Lola Marcel und Mickey Finn dies mitbekommt, gibt sich Lola als Mary aus und zwingt Mary, die Urkunde auf sie zu übertragen. Als Stan und Ollie dies mitbekommen, setzen sie alles daran, um das Testament zurückzubekommen.

Ob es nun die Szene ist, in der Ollie in den See plumpst, während Stan einfach hindurchstapft, als wäre es eine Pfütze, ob es das peinliche Gespräch zwischen Ollie und einer Mitreisenden ist, ob es Stans bekannte Gesangseinlage an der Theke ist, ob es Lolas Kitzelattacke auf Stan ist, ob … Ganz egal, der Film steckt voller Witz, voller Gags und ist im Grunde genommen eine geniale Aneinanderreihung von komödiantischen Höhepunkten, deren Timing perfekt funktioniert. Obwohl alle Filme des Komikerduos sehenswert sind, zeigt „Way out West“ ihr Können in der wohl ausgeprägtesten Form. Der Film war 1938 für einen Oskar für die beste Filmmusik nominiert.

 

Read Full Post »

Zwischen 2009 und 2015 erschien bei dem Online-Magazin Geisterspiegel die Serie „Prähuman“, die sich mit weit über 35.000 Lesern zur heimlichen Kultserie entwickelte. Damals erschienen insgesamt 18 Bände.

Nun hat Carl Denning die Serie komplett überarbeitet und erweitert. Nach dem überaus erfolgreichen Start der neuen Serie auf Amazon, ist nun Band zwei erschienen. Mit gut 100 Seiten verspricht auch die Fortsetzung jede Menge Spannung, Action und Spaß.

Zum Inhalt: Wie aus heiterem Himmel wird London von unheimlichen Maschinen angegriffen, die ganze Gebäude zerstören und mit ihren Strahlen Menschen in Sekundenschnelle in Mumien verwandeln. In der Stadt bricht Panik aus. Doch genauso schnell wie die bizarren Objekte erschienen sind, sind sie auch schon wieder verschwunden. Dennoch gelingt es Frederic Tubb und seinem Team, eine der Maschinen in ihre Gewalt zu bringen. Wer oder was steckt hinter diesem Angriff? Und in welcher Verbindung stehen die Maschinen mit der mysteriösen Entdeckung eines kürzlich verstorbenen Hobbyarchäologen? Nur eines ist sicher: Die Gefahr ist keineswegs gebannt. Denn noch während Frederic Tubb, Maki Asakawa und Hans Schmeißer nach Erklärungen suchen, ereignen sich weitere Zwischenfälle …

Auch der zweite Band besticht durch eine dichte Mischung aus genreübergreifenden Elementen, die von Science Fiction über Abenteuer bis zu Action und Horror reicht.

Band drei wird Mitte August erscheinen.

Die Serie ist auf insgesamt 20 Bände geplant.

Read Full Post »

„Die neunte Stadt“ heißt der Debutroman von J. Patrick Black, mit knapp 800 Seiten ein echter Wälzer. Wie bei vielen Erstlingen, so scheint es auch hier, als habe Black so ziemlich alles, was er an SF gelesen und gesehen hat, auf die eine oder andere Weise in den Roman hineingezwängt. Das Ergebnis ist folglich ein umfangreiches Werk, das zwar voller Ideen steckt, das aber zugleich stets an andere Romane und Filme erinnert.

So umfangreich „Die neunte Stadt“ ist, so kurz lässt sich die Handlung schildern: es geht darum, dass die Menschen sich auf eine außerirdische Invasion vorbereiten, nachdem sie bereits vor mehreren hundert Jahren von Aliens heimgesucht wurden.

Black schreibt den Roman aus der Perspektive von sieben Protagonisten in Gegenwartsform, was anscheinend einen neuen Trend darstellt, der z. B. bereits von Paula Hawkins in „Girl on the Train“ und auch von Mats Strandberg in „Die Überfahrt“ Verwendung findet. Black wendet diesen Stil für eine detaillierte Beschreibung einer zukünftigen Gesellschaft mit all ihren verschiedenen Facetten an, die alles daran setzt, um sich gegen die erneute außerirdische Invasion zu verteidigen.

Die Menschen haben dabei von den Außerirdischen in Sachen kriegerische Auseinandersetzung gelernt, denn durch sie sind sie in den Besitz geistiger Fähigkeiten gekommen, mit deren Hilfe effizienter gegen die Invasoren vorgegangen werden kann. Intersssant hierbei ist, dass Black die Geschehnisse ausschließlich aus der Perspektive von jungen Menschen, wie etwa der Nomadin Naomi oder dem Jungen Jax, der eine Ausbildung in einer Militärakademie absolviert, erzählt. Dies lässt in einem die Frage entstehen, ob „Die neunte Stadt“ nicht eigentlich als Jugendbuch gedacht war, beeinflusst etwa durch „Die Tribute von Panem“ und ähnlichen Romanen, obwohl die jeweiligen Handlungen natürlich nichts miteinander zu tun haben.

Wie dem auch sei, der Roman macht trotz der vielen „geborgten“ Ideen (wie z.B. der riesigen Kampfmaschinen, die man nicht nur in Hollywood, sondern auch bei Alfred Döblins „Berge, Meere und Giganten“ findet) Spaß und ist flüssig zu lesen. Positiv zu bewerten ist ebenfalls, dass Black versucht, jeder Figur eine individuelle Stimme zu geben, was den Roman zusätzlich interessant und vielfältig macht.

„Die neunte Stadt“ wird durch das gewitzte Ideensammelsurium zu einem Lesevergnügen mit Quasi-Déjà-vu-Erlebnissen. Black setzt an den Anfang nicht den obligatorischen großen Knall, sondern nimmt sich im wahrsten Sinne des Wortes Zeit, um die Handlung langsam zu entwickelt und die Spannung zu steigern, wobei er im Laufe der Geschehnisse auch mit Action und dem einen oder anderen Gag nicht geizt. Kurz: spannende Unterhaltung zwischen SF und Fantasy.

J. Patrick Black. Die neunte Stadt. Heyne Verlag 2017, 792 Seiten, 16,99 Euro, ISBN: 978-3-453-31788-8

 

Read Full Post »

Kein anderer Regisseur ist wohl so sehr mit der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und der Kritik am Kapitalismus verbunden wie George R. Romero, der 1968 mit „Night of the Living Dead“ nicht nur Filmgeschichte schrieb, sondern die Filmkunst an sich veränderte.

Es war die Zeit von Vietnam und der sozialen Unruhen, als Romero mit seinem Debut die Zuschauer schockte. Waren Zombies in früheren Filmen durch Voodoo-Zauber ins Leben gerufene Untote, so hatte Romero ganz andere Vorstellungen. Außerirdische Bakterien, die sich auf einem abgestürzten Satelliten befinden, lösen eine ungeahnte Katastrophe aus: Tote werden durch die Bakterien lebendig und sind auf der Suche nach einer ganz speziellen Nahrung: Menschenfleisch.

So etwas hatte es zuvor im Kino noch nicht gegeben. Der Schwarzweiß-Stil war bewusst gewählt, da, wie Romero in einem Interview sagte, das Geschehen dadurch realistischer wirkte. Doch war „Nacht der lebenden Toten“ weit mehr als ein Horrorfilm. Es war eine Abrechnung mit dem Vietnamkrieg und dem in den USA herrschenden Rassismus. Die grobkörnigen Stills am Ende des Films, die an Fotos in den Tageszeitungen erinnern sollen, zeigen stiernackige Weiße, die Jagd auf die Zombies machen und dabei ihren Spaß zu haben scheinen. Es könnte sich genauso um Aufnahmen von Jagden auf Schwarze in den Südstaaten handeln. Eine eindeutigere Kritik an der Gesellschaft hätte es nicht geben können.

Mit „Dawn ot the Dead“, in dem Zombies ein Einkaufszentrum belagern, schuf Romero quasi die Mutter aller Kapitalismuskritik. „We are the living dead“, sagte er damals und sah in den Zombies die vom Kaufrausch besessenen Konsumenten der westlichen Industriestaaten. Und ist das zombiehafte Verhalten nicht tatsächlich so? Man denke nur an die Furore, wenn ein neues Smartphone auf den Markt kommt und sich lange Schlangen vor den Läden bilden.

Obwohl Romero mit seinen anderen Filmen an den Erfolg von „Nacht der lebenden Toten“ nicht mehr anknüpfen konnte, so veränderte er mit seinem Klassiker nicht nur das Horrorgenre, sondern den gesamten US-amerikanischen Film. Danach war nichts mehr so wie früher. Die Filme aus Hollywood muckten auf, zeigten, was in der Gesellschaft falsch lief und übten damit heftige Kritik. Das Blacksploitation-Genre entstand, ein überaus wichtiges Merkmal der damaligen Bürgerrechtsbewegungen. Denn Filme wie „Shaft“ stellten Schwarze und Weiße auf eine gleiche Ebene.

Das Kino und die Gesellschaft haben George R. Romero viel zu verdanken. Am 16. Juli starb der großartige Regisseur mit 77 Jahren.

 

Read Full Post »

„Der Seewolf“ war und ist der Klassiker der damaligen ZDF-Adventsvierteiler

Heute mag man es kaum glauben, doch in früheren Zeiten produzierte das ZDF hochkarätige Abenteuerfilme, die in der Regel zur Weihnachtszeit ausgestrahlt wurden. Das Besondere war, dass alle Filme vier Teile hatten, was letztendlich zum Namen Adventsvierteiler führte. Es handelte sich dabei um europäische Gemeinschaftsproduktionen, bei denen außer Deutschland auch noch Frankreich, Italien und Bulgarien beteilgt waren.

Begonnen hatte alles 1964 mit der Verfilmung „Robinson Crusoe“, in dem der bekannte österreichische Schauspieler und damalige Bravo-Star Robert Hoffmann die Titelrolle spielte. Es folgten beinahe jedes Jahr weitere Vierteiler, so im Jahr 1965 „Don Quijote“ und ein Jahr darauf „Die Schatzinsel“. 1967 blieb der erwartete Vierteiler aus, doch 1968 folgte „Tom Sawyer und Huckleberry Finns Abenteuer“ und 1969 „Die Lederstrumpferzählungen“.

Den Höhepunkt der Reihe erlebten die Adventsvierteiler aber mit dem absoluten Klassiker der ZDF-Produktionen, nämlich 1971 mit Jack Londons „Der Seewolf.“ Hauptdarsteller Raimund Harmstorf, der Kapitän Wolf Larson spielte, sagte bereits während der Dreharbeiten, dass die Kartoffel sein Schicksal werden würde.

Der erste Adventsvierteiler aus dem Jahr 1964

Gemeint ist damit die wohl berühmteste Szene des deutschen TV-Films: Wolf Larson, der in der Kombüse der Ghost steht, eine rohe Kartoffel aus dem Eimer nimmt und diese vor den Augen Humphrey van Weydens (gespielt von Edward Meeks) mit seiner rechten Hand zerquetscht. Es war die Szene, die bis heute für Gesprächsstoff sorgt und an die sich jeder erinnert, der damals den Film gesehen hat.

Zwar spielte Harmstorf auch noch 1976 in dem Vierteiler „Michael Strogoff“ die Titelrolle und später war er immer mal wieder in „Bud Spencer“-Filmen zu sehen, dennoch assoziierten ihn alle Zuschauer stets nur mit seiner Rolle des brutalen Wolf Larson und eben mit dieser unglaublich starken Szene.

Es folgten weitere Verfilmungen: „Cagliostro“ nach Alexandre Dumas, den das ZDF allerdings 1973 nur in drei Teilen ausstrahlte, die Jules Verne-Adaption „Zwei Jahre Ferien“ (1974), „Lockruf des Goldes“ (1975) und der bereits erwähnte „Michael Strogoff“ aus dem Jahr 1976. 1978 landete das ZDF mit der Stevenson-Adaption „Die Abenteuer des David Balfour“ einen erneuten Hit, dieses Mal auch in Sachen Musik. Denn die Titelmelodie wurde so bekannt, dass sie als Schallplatte veröffentlicht wurde. 1979 folgte eine weitere Jules Verne-Verfilmung mit dem Titel „Matthias Sandorf“.

Einer der letzten Vierteiler aus dem Jahr 1981

Danach näherte sich das Konzept der Adventsvierteiler so langsam dem Ende. Der Grund war, dass die Produzenten keine geeigneten Vorlagen mehr fanden, die man als Vierteiler hätte verfilmen können. So griff man 1980 zu William Godwins Klassiker „Caleb Williams“, der in Deutschland damals völlig unbekannt war, was sich dann durch die TV-Verfilmung schlagartig änderte. William Godwin war übrigens der Vater von „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley.

Es folgten noch „Wettlauf nach Bombay“ (1981), „Der schwarze Bumerang“ (1982) und schließlich „Der Mann vom Suez“ (1983), wobei „Der schwarze Bumerang“ der einzige Vierteiler ist, der nicht auf einem Roman basiert. Danach folgten keine weiteren Vierteiler mehr. Es wurden zwar immer mal wieder Abenteuerfilme als Mehrteiler produziert, wobei „Das Geheimnis der Sahara“ (1987) am erfolgreichsten war und in einer umgeschnittenen Fassung sogar in die Kinos kam, doch mit den einzigartigen Adventsvierteilern war es aus.

Den Versuch eines Mehrteilers übernahm 2016/2017 RTL mit den Winnetou-Filmen, die durchaus ihren Reiz hatten und in die richtige Richtung wiesen, allerdings immer weniger Zuschauer bekamen. Daher ist die Frage groß, ob der Sender ein solches Projekt nochmals wiederholen wird. Das ZDF jedenfalls garantiert nicht, denn was dort heutzutage so produziert wird, darüber sollte man größtenteils lieber schweigen.

 

Read Full Post »

Older Posts »