Der kleine Jahresrückblick

2015 war für FILM und BUCH, das heißt vor allem für den Blog, durchaus erfolgreich. Leider nicht für unser Magazin im pdf-Format. Geplant waren zwei Ausgaben, geschafft haben wir dann leider doch nur eine.

Das Magazin wird es aber weiterhin geben. Nur wird die Anzahl der Veröffentichungen pro Jahr schwanken. Die kommende Ausgabe (Nummer 11) wird wahrscheinlich Ende Februar erscheinen. Es wird wieder interessante Artikel und Interviews geben. Hier schon einmal das Cover der kommenden Ausgabe:

FuB11-Seite001Mit drei Ausgaben pro Jahr haben wir uns einfach übernommen. Schließlich soll das Ganze ja auch Spaß machen. Also basteln wir lieber länger an einer Ausgabe. Interessant ist, dass Ausgabe 9 die bisher erfolgreichste Ausgabe ist, gefolgt von Ausgabe 7. An dritter Stelle steht Ausgabe 5.

2015 war ja unser offizielles Jubiläumsjahr: 3 Jahre und 10 Ausgaben. Mittlerweile nähern wir uns im Hinblick auf unsere Blogbeiträge der Zahl 250. Also wieder ein Grund zum Feiern.

Sehr erfreulich ist, dass unsere neue Rubrik „Die Klunkerecke“, die es seit dem Sommer auf unserem Blog gibt, auf großen Anklang stößt. Hier wird es demnächst wieder weitere Beiträge geben. Die meisten Leser hatte 2015 erneut unsere Serie „Trash der 50er Jahre“. Diese Serie ist sozusagen der Dauerbrenner auf unserem Blog. Die Filme, die wir darin vorstellen, sind allesamt sehenswert – viele davon gemeinfrei und daher legal im Internet zu sichten.

So, das war es auch schon mit dem kurzen Überblick. Wir hoffen, ihr habt weiterhin viel Spaß mit FILM und BUCH!!!

Allen unseren Lesern wünschen wir einen guten Rutsch!

Eure FILM und BUCH-Redaktion

 

 

 

The Priests – Koreas Filmindustrie macht einen auf „Exorzist“

thepriestsWer hätte das gedacht, dass Südkorea einmal einen „Exorzisten“-Film drehen würde. In der Tat scheint dieses Jahr Besessenheit im K-Horror großgeschrieben zu sein. Bereits der Film „The forbidden Cave“ befasste sich mit dieser Thematik. Während es dort aber eher um eine Mischung aus Mystik und Parapsychologie ging, setzt Jungregisseur Jang Jae-Hyun voll und ganz auf die katholische Kirche und deren Exorzismusritual.

Pater Kim befasst sich mit dem Fall eines jungen Mädchens, das seit einem Autounfall im Koma liegt. Er ist davon überzeugt, dass der Körper des Mädchens von einer bösen Macht besessen ist. Zusammen mit dem jungen Priesteranwärter Choi unternimmt er in einer Wohnung einen Exorzismus und muss dabei feststellen, dass der Dämon, der in dem Mädchen haust, alles andere als harmlos ist.

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Choi macht mit beim Exorzismus.

William Friedkins „Exorzist“ ist nicht nur die Mutter aller darauf folgenden Okkultismusfilme, sondern ein Filmklassiker schlechthin. So ist es beinahe unmöglich, das Genre des Teufelsfilms neu zu definieren. Und genau hier hapert es in Jangs erstem Film. Das Drehbuch basiert auf seinem eigenen Kurzfilm mit dem Titel „12th Assistant Deacon“. Der Film selbst beginnt sehr vielversprechend: zwei Priester rasen in einem schwarzen Auto durch die Nacht. Einer von ihnen hält etwas in seinen Händen, das in ein Tuch eingewickelt ist und merkwürdige Laute von sich gibt. Plötzlich kommt es zu einem Unfall.

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Einmal Handauflegen bitte.

Und dann? Genau dann beginnt es zu hapern. Jang fällt nichts anderes ein, als eine Art Sparflammenversion von Friedkins „Exorzist“ abzuliefern. Würde er dabei versuchen, eine beklemmende Atmosphäre zu gestalten, könnte man dafür dem Regisseur eine gute Note geben. Doch auch bei dem Versuch, die übernatürlichen Geschehnisse in einen Kontrast zum materialistischen Alltag Südkoreas zu stellen, bleibt es beim Versuch. Fast schon unbeholfen lässt Jang Krähen auf dem Dach eines Hauses in Seoul kreisen, Katzen maunzen um die Wette und computeranimierte Kakerlaken krabbeln aus den Wänden. All das bewirkt nicht, dass hier so etwas wie eine mystisch-düstere Dichte entsteht. Alles wirkt irgendwie zu banal – erst recht der CGI-Weihrauch, der fast schon unfreiwillig komisch ist. Aber auch das Kindheitserlebnis Chois, dessen Schwester von einem tobenden Hund totgebissen wurde. Die Szene ist mehr Kitsch als Drama und bewirkt alles andere als eine dämonisch angehauchte Perspektive.

Der Exorismus selbst verläuft auf sehr ähnliche Weise wie in Friedkins „Exorzist“ nur eben auf niedrigerem Niveau. Erst im Finale scheint Jang auf den Trichter gekommen zu sein und versucht, anhand von Stromausfällen, umstürzenden Strommasten und Massenkarambolagen das nachzuholen, was er im ganzen Film über vergessen hat. Tatsächlich sind die letzten zehn Minuten des Films sehr spannend umgesetzt. Wäre der gesamte Film so gewesen, dann hätte man Jang für sein Debut beglückwünschen können. So aber ist „The Priests“, der zu den erfolgreichsten Filmen zählt, die in Korea Ende des Jahres gestartet sind, ein Abklatsch US-amerikanischer Okkultismusfilme.

Totmacher 5 – Gerd Frank auf den Spuren amerikanischer Serienmörder

totmacher5Gerd Frank beschäftigt sich in Band 5 seiner auf sechs Bände angelegten Serie über historische Serienmörder mit Fällen aus den USA. Die zeitliche Spannbreite reicht dabei vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Mitte der 1990er Jahre.

In diesem Band geben sich die wohl bekanntesten Serienmörder der Kriminalgeschichte die Klinke in die Hand. Den Anfang macht ein Bericht über Henry Howard Holmes, der in Chicago ein Hotel bauen ließ, dass nur zu einem einzigen Zweck diente: ahnunglose Gäste zu ermorden. Hierfür ließ Holmes Geheimzimmer, Falltüren und vieles mehr in das Gebäude einbauen, sodass es sich letztendlich als eine einzige Falle entpuppte.

Aber auch Namen wie Charles Starkweather, Ted Bundy, John Wayne Gacy oder Jeffrey Dahmer haben in dem Buch ihre eigenen Kapitel. Sie sind nicht nur bekannt aufgrund ihrer Untaten, sondern auch – und dies ist eine makabre Reaktion darauf – Bestandteil der Popkultur geworden. Ihre Untaten dienten als Grundlage für Thriller und Horrorromane und wurden mehrfach verfilmt. Starkweather fuhr in den 50er Jahren zusammen mit seiner Freundin durch die USA und brachte dabei willkürlich Menschen um. Bundy, Gacy und Dahmer gehören zu den brutalsten Serienmördern in den USA. Zu den Opfern Ted Bundys zählten vor allem Studentinnen, weswegen er auch als der „Campus-Mörder“ bekannt wurde. Der „Killer-Clown“ John Wayne Gacy trat bei Parteiverantsaltungen immer wieder als Clown verkleidet auf. Niemand wusste, dass er in seinem Haus homosexuelle Männer umbrachte. Jeffrey Dahmer lockte seine Opfer mit Geldversprechungen in seine Wohnung, wo er sie dann brutal ermordete.

In dem Buch ebenfalls enthalten ist der Fall um Charles Manson, der mit einer Gruppe seiner „Jünger“ das Haus der Schauspielerin Sharon Tate (Roman Polanskis damalige Ehefrau) überfiel und alle Bewohner umbrachte. Insgesamt beschäftigt sich Gerd Frank mit 19 der bekanntesten Fälle, die sich innheralb von 100 Jahren in den USA zugetragen haben. Wie immer ist Gerd Frank nicht darauf bedacht, den Voyeurismus zu bedienen. Die überaus spannenden Kapitel setzen sich sachlich mit den jeweiligen Tätern und ihren Untaten auseinander. Gerd Frank sucht nach den Ursachen, welche Ted Bundy und alle anderen Serienmörder zu den unheimlichen Bestien machten. Er geht dabei auf die Biographien der jeweiligen Mörder ein und untersucht deren Familienverhältnisse. Chronologisch verfolgt er daraufhin die jeweiligen Taten, wobei er diese stets mit der parallel verlaufenden Polizeiarbeit verknüpft.

Bereits mit den vier vorangegangenen Bänden hat Gerd Frank bewiesen, mit welchem Geschick er kriminalhistorische Begebenheiten spannend und zugleich informationsreich schildern kann. Genau diese gekonnte Mischung aus Spannung und Informationsreichtum findet der Leser auch in Band 5 „Das Massaker am Cielo Drive und andere unheimliche Kriminalfälle US-amerikanischer Serienmörder“ wieder.

Gerd Frank. Totmacher 5. Das Massaker am Cielo Drive und andere unheimliche Kriminalfälle US-amerikanischer Serienmörder. Kirchschlager Verlag 2015, 199 Seiten, 12,80 Euro, ISBN: 978-3-934277-57-1.

Die Klunkerecke: Paganini Horror

paganinihorrorcoverEs gibt Filme, die so schlecht sind, dass sie schon wieder gut sind. Dieses Kriterium trifft eindeutig auf „Paganini Horror“ des italienischen Regisseurs Luigi Cozzi zu. Cozzi dürfte Trash-Fans eher durch seinen SF-Film „Star Crash – Sterne im Duell“ (1978) bekannt sein. „Paganini Horror“, aus dem Jahr 1989, stammt aus der Spätphase des italienischen Horrorfilms.

Es geht um eine Girlband, die nach ihrem letzten Erfolg unbedingt einen neuen Hit braucht. Doch das, was Kate, Elena und Rita zusammenschustern, taugt nicht viel. Da gelangen sie an eine vergessene Komposition Niccolo Paganinis. Sie schreiben die Noten um in einen Popsong, den sie Paganini Horror nennen. Um dem ganzen Projekt noch den letzten Schliff zu verpassen, soll in einem verlassenen Haus, in dem u. a. Paganini selbst gewohnt hat, ein Videoclip gedreht werden. Doch während des Drehs kommt es zu seltsamen Zwischenfällen.

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Rita sieht …

Der lange Vorspann, in dem ein Mädchen mit einem Geigenkoffer durch Venedig läuft, besitzt Stil und lässt auf einen guten Film hoffen. Nach dem Prolog aber kommt es zu einem harten Schnitt und der Film wird wie durch Zauberhand zu einer echten Trashgranate. In einem Tonstudio kommt es zu einem hysterischen Zickenkrieg, da der neue Song nichts taugt. Kurzerhand und ohne weitere Erklärung trifft Daniel, der Drummer der Band, einen seltsamen Mann, der ihm das geheimnisvolle Notenblatt Paganinis für eine Tasche voller Geld verkauft. Der Mann wurde übrigens von niemand anderem als Donald Pleasance gespielt. Gerüchten zufolge soll der Schauspieler während der Dreharbeiten stets völlig betrunken gewesen sein.

Die unlogischen Momente reihen sich weiter aneinander. Aus einem reinen Horrorfilm wird ein Film über unterschiedliche Zeitdimensionen. So als wollte Cozzi dieses Thema dick unterstreichen, hängt in einem der Zimmer ein Bild von Albert Einstein. Personen verschwinden, tauchen wieder auf und verschwinden erneut. Zwischendurch geistert ein Mann mit einer vergoldeten Pappmachemaske durch die Gegend, bei dem es sich um den Teufelsgeiger Paganini handeln soll. Das ganze Hin und Her wird durch trashige Dialoge noch versüßt.

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… den hier.

Man könnte sagen: Eindeutig ein Film für die Tonne. Doch Luigi Cozzi gelang das Kunststück, von Anfang an köstlich zu unterhalten. Das liegt vor allem an der Schnelligkeit der Handlung. Die Story rast richtiggehend von einem Zwischenfall zum nächsten. Und die oben erwähnten Dialoge tun ihr übriges. Hellhörig werden sicherlich Musikfans, denn die Melodie des Songs Paganini Horror ist geradezu identisch mit dem Song Twilight der Band ELO. Es wäre interessant, zu wissen, was Jeff Lynn damals zu diesem Quasi-Plagiat gemeint hat. Doch im Internet sucht man Informationen darüber vergeblich.

Luigi Cozzi ließ sich in seinem Tun nicht beirren und blieb dem Trash-Genre treu. Bis heute dreht er Filme dieser Art, doch lieben ihn seine Fans vor allem oder gerade wegen „Star Crash“ und „Paganini Horror“.

Wie man einen Animationsfilm produziert – Einblicke in ein faszinierendes Arbeitsfeld

animationsfilmHannes Rall drehte bisher mehrere Animationskurzfilme, die auf verschiedenen Festivals großen Anklang fanden. In seinem Buch „Animationsfilm“ gibt er angehenden Filmemachern hilfreiche Hinweise und Tipps, wie man animierte Filme konzipiert und produziert.

Es geht dabei nicht nur um technische Details, sondern vor allem um die Kunstfertigkeit, die man dafür mitbringen sollte. Bei Animationsfilmen läuft Vieles anders ab, als in einem Realfilm. Das beginnt schon an dem Punkt, die Hauptfiguren zu gestalten. Hierbei ist anatomisches Wissen unabdingbar, muss der Zeichner doch mindestens eine Ahnung davon haben, wie Bewegungsabläufe vonstatten gehen. Hält sich ein Künstler nicht daran, verliert die Figur sofort an „Echtheit“. Da die Figuren in eine Geschichte eingebettet sind, geht auch bei einem Animationsfilm nichts ohne Drehbuch. Hier ist jedoch das Storyboard von großer Wichtigkeit. Dieses zeigt nicht nur den detaillierten Handlungsverlauf, sondern nimmt auch Bezug auf Kameraeinstellungen und Filmformate.

Im Hauptteil behandelt Rall die drei wichtigsten Animationsstile: Stop Motion, Trickfilm und 3D-Computeranimationen. Bis ins Detail bespricht der Autor die Vorgehensweise beim Zeichnen, Gestalten und Umsetzen. Zu vielen Punkten gibt es Übungsaufgaben, an denen sich der Leser selbst versuchen kann. Interviews mit Experten runden die jeweiligen Kapitel ab.

Obwohl es sich bei „Animationsfilm“ um eine Art Lehrbuch handelt, ist dieses keineswegs langweilig oder trocken. Im Gegenteil, selten oder besser so gut wie gar nicht gibt es Fachbücher, die mit einer hochgradigen Lebendigkeit daher kommen. Hannes Rall verbindet in seinem Buch Fakten und Hinweise mit Unterhaltung. Dafür sorgen nicht nur die unzähligen Zeichnungen, mit denen der Autor Beispiele für die einzelnen Problemfelder liefert. Hannes Rall bringt die Thematik in einem flotten, leicht verständlichen Schreibstil stets auf den Punkt. So erhält der Leser nicht nur jede Menge hilfreicher Informationen, sondern zugleich jede Menge Spaß.

Hannes Rall. Animationsfilm. Konzept und Produktion. UVK 2015, 341 Seiten, 34,99 Euro, ISBN: 978-3-86764-376-4.

Die Klunkerecke: Superzombie

superzombieDieses Mal ist es angebracht, den deutschen Verleihtitel zu verwenden. Interessanterweise gibt es dazu gleich zwei. Doch egal, welchen der beiden Titel man bevorzugt, es handelt sich um den Horrorfilm „The Manitou“ aus dem Jahr 1978. Der deutsche Verleih Ascot hatte sich wohl nicht für einen Titel entscheiden können. Also nahm man einfach beide und schuf dazu jeweils ein passendes Plakat.

Zum einen kamen die Leute von Ascot auf „Superzombie“, zum anderen auf „Lasersturm“. Ganz egal, welchen der beiden Titel man bevorzugt, beide haben nichts mit dem Inhalt des Films zu tun. „The Manitou“ basiert auf dem gleichnamigen Roman von Graham Masteron. Es geht darin um eine Frau namens Karen, auf deren Rücken ein riesiges Geschwür wächst. Allerdings handelt sich dabei keineswegs um ein Krankheitssymptom. Denn in dieser Riesenbeule sitzt ein kleines, fieses Monster, die Reinkarnation eines bösen Schamanen. Die Beule platzt und das Ungeheuer entkommt. Bereits davor geschehen unheimliche Dinge, doch nachdem der Schamane wiedergeboren ist, verstärken sich diese. Und so versucht ein Medizinmann zusammen mit einem Hellseher, den bösen Geist einzufangen.

superzombie1„The Manitou“ ist der einzige Horrorfilm, in dem Tony Curtis mitspielte. Doch seine Aufgabe erledigte er mit Bravour. „Superzombie“ oder auch „Lasersturm“ (was einem besser gefällt) ist großartige Horror-Trash-Kost. Der Film ist witzig, schnell, überaus spannend und die Ganzkörpermaske des wiedergeborenen Schamanen besitzt so etwas wie Kultcharakter. Höhe- und zugleich inhaltlicher Wendepunkt des Films ist die Szene, in der der Monsterschmanane sich ein Laseduell mit der auf dem Krankenhausbett fliegenden Karen liefert. Ab da ist es Trash at its best.

manitouNatürlich versuchte Regisseur William Girdler, der vor allem im Blaxploitation-Genre beheimatet war, sich an Filmen wie „Exorzist“ oder „Das Omen“ zu orientieren. Hierbei spielte er seinen Produzenten in die Hände, die mit „The Manitou“ auf die Welle der 70er Jahre-Okkultismusfilme aufspringen wollten. Mit großem Erfolg, denn der Film entpuppte sich als Kassenschlager. Zwar fehlt ihm die Klasse eines William Friedkin, doch Girdler setzt in „The Manitou“ durchaus Akzente. Leider stellte dies zugleich auch Girdlers letzte Produktion dar, da er kurz darauf bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben kam. „The Manitou“ ist ein Klassiker des Trash- und Horrorkinos.

 

 

 

Camera Acting – Hilfreiche Tipps für angehende Schauspieler

cameraactingNick Dong-Sik ist Schauspieler, Schauspiellehrer und Leiter der First Take Schauspielakademie. In seinem Buch „Camera Acting“ liefert er grundlegende und wichtige Tipps für junge Schauspieler. Für Nick bedeutet Schauspielen, mit dem ganzen Körper präsent zu sein. Daher geht er in verschiedenen Kapiteln sehr detailliert auf Mimik, Gestik und Körperbewegungen ein. Auch Hinweise zum Trainieren der Stimme und sprachlicher Eigenheiten fehlen nicht.

Schauspieler müssen jedoch nicht nur wissen, auf welche Weise sie eine Rolle verkörpern sollen. Das notwendige Wissen sollte auch darin bestehen, wie man ein Drehbuch liest, Szenen analysiert und letztendlich auch die jeweiligen Rollen untersucht. Mir diesem Bereich beschäftigt sich Nick gleich am Anfang seines Buches und schafft dadurch den Boden, auf dem alle nachfolgenden Hinweise aufbauen. Für viele der in dem Buch behandelten Themen gibt es hilfreiche Videobeispiele.

Junge Schauspieler müssen sich nicht nur mit ihrer jeweiligen Rolle zurechtfinden. Es geht auch darum, zu wissen, wie ein Drehtag abläuft und auf welche Dinge dabei zu achten sind. Dies behandelt Nick im letzten Teil des Buches. Hier geht er auf Regieanweisungen und ihre Bedeutungen ein, erklärt die unterschiedlichen Kameraeinstellungen und gibt Tipps, wie man die anfängliche Nervosität in den Griff bekommt. All dies macht „Camera Acting“ zu einem wertvollen Begleiter für junge Schauspieler.

Nick Dong-Sik. Camera Acting. Das Schauspiel-Training. UVK 2015, 378 Seiten, 34,99 Euro, ISBN: 978-3-86764-623-9.

 

Die Klunkerecke: The Church

thechurch1Regisseur Michele Soavis bekannteste Arbeit ist der Horrorfilm „DellaMorte, DellAmore“ aus dem Jahr 1994. Fünf Jahre zuvor drehte er mit „The Church“ einen eher unbekannten Horrorfilm. Doch interessanterweise ist „The Church“ ästhetisch weitaus ausgefeilter als die darauf folgende Produktion.

Wie der Titel bereits verrät, geht es in „The Church“ um eine Kirche, genauer eine Kathedrale, in der soeben Restaurierungsarbeiten durchgeführt werden. Das Bauwerk wurde auf einem Ort errichtet, an dem im Mittelalter die Bewohner eines Dorfes von Mitgliedern eines Ritterordens getötet wurden, da man sie bezichtigte, Umgang mit dem Teufel zu haben. Während der Restauration entdeckt Lisa ein rätselhaftes Dokument, das in einer Geheimschrift abgefasst wurde. Der Bibliothekar Evald findet heraus, dass in dem Dokument die Rede von einem Siegel, dem „Stein mit sieben Augen“, ist, das im Unterbau der Kathedrale eingelassen ist. Evald geht der Sache nach und findet das Siegel, das sich als ein komplexer Mechanismus herausstellt. Als er das Siegel öffnet, entweicht eine bösartige Kraft, die zunehmend Besitz von dem Ort ergreift.

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Surreale Wesen erscheinen wie in einem Albtraum; „The Church“ (1989).

Der Hintergrund zu „The Church“ ist nicht weniger interessant, als der Film selbst. Die grundlegende Idee stammte von „Dämonen“-Regisseur Lamberto Bava, der mit „The Church“ den bisherigen beiden Teilen einen dritten Teil hinzufügen wollte. Michele Soavi aber hatte keine Lust, aus dem Stoff einen gewöhnlichen Horrorfilm zu drehen. Beeinflusst von Terry Gilliam, bei dessen „Baron Münchhausen“ er mitgearbeitet hatte, hatte er ein surreales Kunstwerk im Kopf. Kurzerhand schrieb er das vorhandene Drehbuch komplett um. In einem späteren Interview bemerkte er, dass er „The Church“ als eine Art filmischen Essay betrachte. Als Produzenten konnte er Dario Argento gewinnen. Böse Zungen behaupten, dass Argento beim Dreh das Steuer selbst in die Hand nahm und man daher von einem Argento-Film und weniger von einem Soavi-Film sprechen muss.

Tatsächlich finden sich in „The Church“ viele Elemente, die auf den Stil Argentos hinweisen. Verschiedene Kameraeinstellungen und Bildkompositionen erinnern an sein „Inferno“ (1982) oder an „Suspiria“ (1978). Soavi selbst äußerte sich dazu nicht. Doch egal, wie die Arbeitsaufteilung war, sicher ist, dass es eine bessere Zusammenarbeit nicht hätte geben können.

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Das Finale wird Hieronymus Bosch-artig eingeleitet; „The Church“ (1989).

„The Church“ ist genau das, was Soavi im Sinn hatte, als er das Drehbuch umschrieb: ein surreales Kunstwerk. Dieses entfaltet seine ganze Kraft ab der Szene, in welcher die unheimliche Macht die Portale der Kathedrale verriegelt, sodass die Besucher nicht mehr hinaus können. Ab diesem Moment löst sich die anfängliche Handlung beinahe auf. Der Film wird zu einem wahren Bilderrausch. Jede Szene, jedes Bild steht für sich und ist beinahe überfrachtet mit Details. Um in den vollen Genuss der kompositorischen Einzelheiten zu kommen, müsste man jedes Bild einfrieren, um es genauer betrachten zu können.

Für die Musik engagierte Argento einmal mehr seine „Hausband“ Goblin, die sich hier an Philip Glass orientieren, wobei sie sich vor allem auf das Stück „Floe“ aus dem Album „Glassworks“ beziehen.

Trotz der großartigen Kunst, die in „The Church“ geboten wird, ist der Film heutzutage nur noch wenigen Horrorliebhabern bekannt. Nach seinem erfolgreichen „DellaMorte, dellAmore“, legte Michele Soavi eine längere Pause ein. Seit Ende der 90er Jahre dreht er vor allem Werbefilme und TV-Krimis.

 

 

 

Ungelöste Rätsel – Ein grenzwissenschaftlicher Rundumblick

ungelösterätselReinhard Habeck gehört zu den bekanntesten deutschsprachigen Grenzwissenschaftlern. Vergangenes Jahr erschien sein Buch „Steinzeit-Astronauten“, in dem er sich mit prähistorischen Felszeichnungen in den Alpen beschäftigt, die bis heute Rätsel aufgeben. In seinem neuen Buch „Ungelöste Rätsel“ lädt der Autor die Leser auf eine Reise durch weitere grenzwissenschaftliche Themen ein. Er liefert dabei einen Rundumblick über Artefakte, für die es bis heute keine Erklärung gibt.

Hierbei fördert Habeck unglaublich Interessantes und Faszinierendes zu Tage. Egal ob im Fernen Osten, in Südamerika oder mitten in Europa, es gibt Dinge, die mit dem herkömmlichen Wissen und den bisherigen Theorien von Archäologen und Historikern nicht zu erklären sind. Bei vielen nicht zu erklärenden Artefakten versuchen Vertreter der klassischen Wissenschaft daher, diese als bloße Gebrauchsgegenstände für unbekannte Riten zu bezeichnen. Der Vorteil, den die Grenzwissenschaft gegenüber der klassischen Wissenschaft besitzt, ist ihre Methode, unvoreingenommen rätselhafte Aspekte zu betrachten. Und aus dieser Perspektive ergeben sich zum Teil neue Blickweisen und Erkenntnisse auf die menschliche Geschichte.

Wie kommt es zum Beispiel dazu, dass sich in einem altägyptischen Grab eine Schale befindet, deren „Design“ an moderne Schwungräder erinnert? Für wen wurden riesige Särge bereitgestellt? Oder wieso fand man als Grabbeigaben Modelle von Fluggeräten? Nebenbei bemerkt, fanden Wissenschaftler bei Experimenten heraus, dass diese „Flugzeuge“ hätten tatsächlich fliegen können.

Globus von Matelica; Copyright: Rabatti-Domingie/akg-images/picturedesk.com

Reinhard Habeck setzt seine spannende und informationsreiche Entdeckungsreise fort, indem er sich mit dem Geheimnis der Pyramiden in Frankreich beschäftigt. Aber auch im Wienerwald lassen sich merkwürdige Artefakte aus der Vorzeit entdecken: eigenartige Steine, deren Bedeutung bis heute nicht geklärt ist. Auch das Erdstall-Phänomen spielt in einem der Kapitel eine Rolle. Erdställe sind in die Erde gebrabene, enge Gänge, von denen man bis heute nicht weiß, für welchen Zweck sie geschaffen wurden. Bewiesen wurde zudem Außergewöhnliches: Bei einem der Gänge, der vor über 10.000 Jahren geschaffen wurde, muss etwas benutzt worden sein, bei dessen Verwendung eine Temperatur von mehr als 1200 Grad Celsius entstanden ist.

Das Buch beinhaltet noch viele weitere Rätsel und Geheimnisse der Menschheit. Unter anderem entdeckten Forscher Spuren von Menschen, die in derselben Zeit wie die Dinosaurier lebten. In einem antiken Schiffswrack wurden Teile eines Apparats entdeckt, den man aus heutiger Perspektive durchaus als Vorform eines Computers bezeichnen kann.

Reinhard Habecks neues Buch ist nicht nur überaus spannend, sondern bringt den Leser auf jeder Seite erneut zum Staunen. Wie bereits in „Steinzeit-Astronauten“, so wägt Habeck auch hier die unterschiedlichen Theorien ab. Dabei zeigt sich, dass viele Vertreter der herkömmlichen Wissenschaft genau diese Rätsel lieber übergehen oder sie als banal abtun, aus Angst, ihre Theorien könnten nicht mehr stimmen. „Ungelöse Rätsel“ zeigt, dass man durchaus die prähistorische Zeit sowie die Antike im Hinblick auf Wissen und Technik neu betrachten muss.