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Archive for September 2014

geraDas neue Buch aus dem Hause Kirchschlager beschäftigt sich mit Mordfällen aus dem Bezirk Gera, die sich zwischen den Jahren 1973 und 1990 zugetragen haben. Verfasst hat es der ehemalige Kriminalrat Hans Thiers, der mehrere Jahre lang die Morduntersuchungskommission in Gera leitete.

Es sind 47 Fälle, über die Hans Thiers berichtet und in denen er selbst ermittelte. Fälle, die tragisch, grausam und nicht selten überaus schrecklich sind. Die Stärke der einzelnen Texte liegt in ihrer nüchternen und objektiven Berichterstattung. Der Leser ist geradezu „live“ dabei, wenn Thiers zusammen mit seinen Kollegen Tatorte besucht oder Täter verhört. Bei vielen Taten spielte Alkohol eine nicht unwesentliche Rolle. Es ist geradezu erschreckend, wie schnell sich Menschen dadurch in wahre Bestien verwandeln können und sich selbst und ihre Mitmenschen ins Unglück stürzen. Doch die Texte konzentrieren sich nicht nur auf die jeweiligen Taten, sondern geben immer wieder interessante und spannende Einblicke in die Arbeit der Polizei der ehemaligen DDR. Die Aufklärugsquote lag damals bei 98%. Das heißt, kaum ein Täter, der nicht gefasst wurde. Hans Thiers widmet dem Abteilungsaufbau der Polizei und ihrer jeweiligen Zuständigkeiten ein eigenes Kapitel.

Zu manchen Berichten liefert Hans Thiers Abschriften der Tätergeständnisse. Diese wurden, was Rechtschreibung und Grammatik betrifft, in ihrem Originalzustand belassen, sodass der Leser einen Einblick in die Psyche verschiedener Täter erhält. Zudem enthält das Buch zahlreiche Fotos der Tatorte, welche die Schilderungen nochmals unterstreichen.

Hans Thiers‘ „Mordfälle im Bezirk Gera“ ist nicht nur ein spannendes und interessantes Kriminalbuch. Es ist zugleich ein faszinierendes Zeitdokument. Es zu lesen, lohnt sich auf jeden Fall.

Hans Thiers. Mordfälle im Bezirk Gera (1973-1990). Verlag Kirchschlager 2014, 289 Seiten, 18,95€, ISBN: 978-3-934277-47-2.

 

 

 

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videothekEine Geschichte der Videothek war längst überfällig. So hat es sich der Medienwissenschaftler Tobias Haupts zur Aufgabe gemacht, dies in seinem Buch „Die Videothek“ nachzuholen. Speziell in einer Zeit, in welcher Online-Angebote den klassischen Videotheken das Leben schwer machen, kommt fast schon ein wenig Nostalgie auf, wenn man in dem Buch liest.

Geradezu akribisch ging Haupts auf Spurensuche, sichtete diverse Broschüren, Zeitschriften und Magazine und was ihm sonst noch in die Hände fiel, um die Geschichte einer besonderen Institution nachzeichnen zu können. Dabei lässt er so gut wie kein Thema aus und keine Frage offen. Angefangen von der angestachelten Goldgräberstimmung, die in der Videothek die Möglichkeit sah, auf bequeme und schnelle Art und Weise Geld verdienen zu können, bis hin zum langsamen Niedergang der Videothek geht der Rundumblick. Auch die „Vorläufer“ der Videothek wie etwas das Bahnhofskino oder das Autokino werden nicht außer Acht gelassen.

Unweigerlich verbunden mit der Geschichte der Videothek ist das politische und von Pädagogen initiierte Gerangel um die Indizierung von Filmen. Auch darauf geht Tobias Haupts in mehreren Kapiteln ein, wobei selbst der Klassiker aller Pädagogen-Warnungen „Mama, Papa, Zombie“ nicht fehlt. Haupts nimmt in dieser Debatte keine Stellung, sondern schildert objektiv, welche Hürden den Videothekaren zum Teil aufgestellt wurden, wenn es um Horror-, Action- und Pornofilme ging. Auch die irrwitzige Debatte über „Evil Dead“ wird hier (wenn auch nur am Rande) angeschnitten.

Nein, über dieses Buch kann man nicht meckern. Es macht Spaß, ist hoch informativ und nicht nur etwas für die Wissenschaft, sondern für jeden, der sich mit Mediengeschichte auseinandersetzt. Und wenn man das Buch beendet hat, möchte man nur eines: in die nächste Videothek gehen.

Tobias Haupts: Die Videothek. Zur Geschichte und medialen Praxis einer kulturellen Institution. Transcript Verlag 2014, 422 Seiten, 34,99€. ISBN: 978-3-8376-2628-5.

 

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sax rohmer

Sax Rohmer

Der Autor Sax Rohmer ist vor allem durch seine Figur Dr. Fu Manchu bekannt geworden. Rohmer ließ sich bekanntlich durch seine journalistischen Recherchen im Londoner Chinatown für die Figur des genialen Bösewichts inspirieren. In den 60er Jahren erfolgten dann eine Reihe von Filmen, die sich auf Sax Rohmers Werk beziehen. Produziert wurden diese Filme von Alan Towers, der sich ebenfalls einen Namen durch die damals populären Edgar Wallace-Filme machte. In den meisten Fällen spielte Christopher Lee die Rolle des Fu Manchu.

Nachdem Rohmer seine Romanserie um den berüchtigten Chinesen beendet hatte, ließ er, angestachelt durch den Erfolg, eine weibliche Figur zunächst auf die Radiowelt und später auf die Literaturwelt los. Mit der Antagonistin Sumuru schuf er das weibliche Äquivalent zu Dr. Fu Manchu. Dem Namen nach handelt es sich dabei eindeutig um eine Japanerin. Sie möchte die Welt in Frauenhänden wissen. Aus diesem Grund schart die Superbösewichtin eine Armee von Frauen um sich, um ihren Plan umzusetzen. Die Geheimorganisation trägt den Namen „Orden der Frau“.

Die Hörspiele wurden zwischen den Jahren 1945 und 1946 in England ausgestrahlt. Anfang der 50er Jahre schrieb Sax Rohmer die Hörspiele um in Romane. So entstanden insgesamt sechs Bücher, in denen Sumuru jeweils versucht, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Rohmers Hang zum Sado-Masochismus macht sich deutlich in den Romanen bemerkbar. Sumuru – ähnlich wie Fu Manchu – liebt es, ihre Opfer (egal ob männlich oder weiblich) zu foltern.

sumuru

Sumuru – Tochter des Satans (1967)

Ende der 60er Jahre fand auch diese Figur ihren Weg auf die Kinoleinwand. Wie auch bei den Fu Manchu-Filmen, wurden die Sumuru-Filme von Alan Towers produziert. Der erste Film enstand 1967 und trägt den Titel „The Million Eyes of Sumuru“. Interessanterweise wurde für die Rolle der selbsternannten Weltbeherrscherin die blonde Shirley Eaton gewählt, die nun in langen schwarzen Haaren auftritt. Eaton, die als vergoldetes Bond-Girl in die Filmgeschichte einging, spielt hier zum einzigen Mal eine Antagonistin. Spannend ist, dass der Film mitten hinein in die Emanzipationsbewegung der späten 60er Jahre fällt. Indirekt bezieht er dabei Stellung, indem er die soziale Bewegung gehörig durch den Kakao zieht und das Patriarchat letzten Endes die Oberhand gewinnt. Doch als konkrete politische Botschaft möchte sich der Film keineswegs verstehen.  Er nimmt viel mehr die in den 70er Jahren entstandenen Sexploitationfilme vorweg, wie etwa die japanische „Sasori“-Reihe.

Der Film handelt davon, dass Sumuru mithilfe hübscher Frauen die Präsidenten dieser Welt aus dem Weg schaffen möchte, um schließlich selbst die Weltherrschaft anzutreten. Unter anderem steht der sidonesische Präsident Boong unter Verdacht, von einer der Frauen becirct zu werden. Der Agent Nick West wird beauftragt, den Fall zu klären und Sumuru das Handwerk zu legen.

Der Film lief in Deutschland unter dem Titel „Sumuru – Tochter des Satans“. Es handelt sich um einen sehr kurzweiligen Trash-Film, in dem Klaus Kinski in einer Doppelrolle zu sehen ist. Er verkörpert Boong und sein Double. Alan Towers Produktion ist voller skurriler Gags, schnell geschnitten und im Grunde genommen völlig plem-plem. Aber das macht bekanntlich einen guten Trash-Film aus. „Sumuru“ erregte nach Veröffentlichung Anstoß, da z.B. gleich zu Anfang eine Frau einen Mann mit ihren Schenkeln erwürgt. Die Szene ist sehr lang und besitzt auch heute noch einen gewissen Reiz – nicht des Anstoßes, sondern der Filmkunst. Zwischendurch darf Shirly Eaton die Peitsche schwingen und damit entweder ungehorsamen Frauen oder gefangenen Männern Schmerz oder Lust bereiten – je nachdem. Sumurus gehauchter Satz „Ich bin auch nur eine Frau“, als sie sich dem Agenten West hingeben möchte, ist fast schon legendär.

sumuru

Deutsches Kinoplakat von „The Girl from Rio“ (1969).

Zwei Jahre später wurde der spanische Regisseur Jess Franco engagiert, um eine Fortsetzung zu drehen. „The Girl from Rio“, ein wirklich harmloser Titel für ein Sequel mit dem Namen „The Million Eyes of Sumuru“, hinkt jedoch dem Originalfilm um Meilen hinterher. Produziert wurde der Film ebenfalls von Towers, der auch schon zuvor mit Franco zusammengearbeitet hatte. Doch hier war die Entscheidung einfach falsch. Jess Franco, der, wenn er wollte, richtig gute Filme drehen konnte, gelingt es nicht, einen Actionfilm zu kreieren. Zu sehr orientiert er sich auf die Surrealität der Handlung. Betrachtet man „The Girl from Rio“ als rein surreales Experiment, so ist der Film in Ansätzen nicht schlecht, ist doch eine der Stärken Francos eben das Surreale – wie etwa in „Die Jungfrau und die Peitsche“. Doch in dem „Sumuru“-Sequel schafft Jess Franco vor allem Langeweile. Ewig lange Einstellungen, in denen so gut wie nichts passiert, gehören nun einmal nicht in einen Actionfilm.

„The Girl from Rio“ handelt davon, dass Sumuru im brasilianischen Dschungel eine Stadt mit dem Namen Feminia gegründet hat. Dorthin hat sie die Tochter eines reichen Bankiers entführt. Der Privatdetektiv Jeff Sutton soll die junge Frau retten. Im Gegensatz zu „The Million Eyes of Sumuru“ gibt sich „The Girl from Rio“ ungewöhnlich ernst. Nur hier und da kommt es zu kleineren Gags oder ironischen Seitenhieben. Insgesamt aber macht der Film nicht wirklich Spaß. Anscheinend auch nicht Towers. Denn danach war Schluss mit den „Sumuru“-Filmen.

 

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