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Archive for the ‘Videoclips’ Category

Die Band Scandal in dem Clip „Pineheel Surfer“; Copyright: Epic Records

Im Jahr 2006 tingelten die jungen Damen von Scandal noch als Indie-Band von einem Auftritt zum nächsten, bis schließlich zwei Jahre später der japanische Ableger von Epic Records auf die Gruppe aufmerksam wurde. Bereits in ihrer Indie-Zeit durfte sich die Band großer Beliebtheit erfreuen. Kein Wunder also, dass der noch größere Erfolg nicht lange auf sich warten ließ.

Tomomi, Haruna, Rina und Mami sind inzwischen eine nicht mehr wegzudenkende Größe im japanischen Musikgeschäft. Was ihren Stil anbelangt, gab es jedoch nie den Bruch zwisch Straßen-Perfomances und den Auftritten auf großer Bühne. Noch immer schreiben die vier Musikerinnen ihre Songs selbst, was dem Stil von Scandal nur gut tut.

Tomomi (hier in den Clip „Pineheel Surfer“) schreibt die meisten der sozialkritischen Songs; Copyright: Epic Records

Denn oberflächlicher Schnickschnack ist der Band quasi ein Fremdwort. Neben Liebesliedern oder Songs, die sich mit der Leidenschaft, Musik zu machen (wie etwa in dem Lied „Overdrive“), beschäftigen, gibt es auch eine Menge an Songs, die sich mit gesellschaftlichen Themen befassen. So etwa in dem Song „Pineheel Surfer“ (als Pineheel bezeichnet man in Japan die Stöckelschuhe, die zum Outfit von Büromitarbeiterinnen gehören).

Darin geht es um die Probleme, die Frauen am Arbeitsplatz haben. Der fast schon als Hymne angelegte Song zeigt auf, dass sich Frauen nicht von den patriarchalen Strukturen unterkriegen lassen sollen, sondern versuchen sollen, ihren eigenen Weg zu gehen. Damit ist er ein Beitrag zur neuen japanischen Emanzipationsbewegung, die Mitte/Ende der 90er Jahre ihren Anfang genommen hat.

Die Band in einer Szene des Clips „Pineheel Surfer“; Copyright: Epic Records

In eine ähnliche Kerbe schlägt der Song „Stamp!“, in dem es wiederum darum geht, dass Frauen ihre eigenen Ziele verfolgen und sich nicht von Männern etwas vorsschreiben lasssen sollen. Schon ihre erste bei Epic Records veröffentlichte Single „Dolls“ verweist, wenn auch indirekt, auf dieses Thema. Der Song handelt von Schein und Sein in der Gesellschaft, indem quasi der männliche Blick hinterfragt wird.

Und genau dies findet sich auch in den Videoclips der Gruppe wieder, die frei sind von erotisierenden Merkmalen. Die Clips konzentrieren sich auf die Band als Musikerinnen und nicht als Produkt, in heutiger Zeit ein durchaus seltenes Phänomen. Die Bilder und Szenen stellen ständig die Optik in Frage, was dazu führt, dass die Clips, obwohl eigentlich nichts besonderes, einen doppelten Sinn erhalten. Zum einen scheinen sie schlicht und ergreifend eine Perfomance zu zeigen, zugleich aber schleicht sich eine Art subtile Ironie in die Aufnahmen ein, sodass die Clips eine nicht leicht zu findende sozialkritische Tiefe erhalten. – Alles in allem macht dies Scandal zu einer sehr interessanten Band innerhalb von J-Pop.

 

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Hook des Clips „No Playboy“.

Tatsächlich besteht die Formation Nine Muses zurzeit nur aus acht Mitgliedern. Gegründet 2011, bestand die Girl Group aus gecasteten jungen Frauen, die zuvor als Models oder Darstellerinnen in Werbefilmen gearbeitet haben. Trotzdem die Gruppe mit ihren Songs recht gute Erfolge erzielte und mehrfach ausgezeichnet wurde, stand und steht sie eher im Abseits des K-Pop-Trubels. Hinzu kommt, dass die Produktionsfirma kürzlich Konkurs angemeldet hat und damit die Zukunft der acht Sängerinnen in den Sternen steht.

Als würden die Sorgen der Firma sich in ihrem neuesten Song widerspiegeln, trägt dieser den Titel „Sleeples Night“. Natürlich geht es darin nicht um die Probleme der Produktionsfirma, sondern um den Nachhall einer einstigen (lesbischen) Liebe, dennoch ist der Titel bezeichnend für die derzeitige Lage.

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Immer mit ein wenig Ironie werden eindeutige Symbole in den Clips präsentiert. Hier z.B. in „Glue“.

Ihr Debut hatten Nine Muses mit dem Song „No Playboy“, zu dem ein hervorragender Clip gedreht wurde, der ohne weiteres zu den besten Musikvideos in Sachen K-Pop gezählt werden kann. Ihre früheren Berufe als Models kommen hierbei voll zur Geltung, sind die Dance Shots doch in Form von Modeshows umgesetzt. Doch statt Glitzer, gibt es kühle, düstere, bis ins Schwarz hineinreichende Farben. Das Video und die Musik erinnern entfernt an die 80er Jahre.

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Schluss des Videos „Wild“, das in Südkorea ein strenges Jugendverbot erhielt.

Diesen Bezug verfolgten Nine Muses in den nachfolgenden Clips („Figaro“ und „News“ bis hin zu „Glue“) weiter. Stets kühl und zugleich dezent erotisch, bis die Erotikwelle auch von der Produktionsfirma aufgenommen wurde. Die Folge war das Musikvideo „Wild“, welches in Südkorea nur für Erwachsene zugelassen wurde und somit zur Hauptsendezeit nicht gesendet werden durfte. So extrem war das Video zwar nicht, dennoch wurde die hohe Altersfreigabe beibehalten. Auch musikalisch veränderte sich dabei die Gruppe. Von den 80er Jahre- und Soul-Klängen blieb nichts mehr übrig, Musik aus dem Computer verdrängten die echten Instrumente.

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Irgendwie zurück zu den Anfängen. Wieder bestimmten düstere Farben das neueste Video „Sleepless Night“.

Dieser Trend setzte sich (leider) fort. Als Tiefpunkte können die beiden Clips „Drama“ und „Heart Locker“ betrachtet werden. Nicht nur die Musik ist konzept- und einfallslos, sondern auch die Musikvideos an sich. Fast scheint es, als hätte die Firma schon Anfang 2015 finanzielle Schwierigkeiten gehabt und versucht, mindestens irgendetwas auf den Markt zu werfen. Schließlich aber schaffte die Gruppe dann doch wieder die Kehrtwende. Zurück zu Ansätzen aus den 80ern und ein komplexes Video, in dem es (man höre und staune) so gut wie keinen Dance Shot gibt. Der Clip „Sleeples Night“ ist fast zu 99 Prozent bestimmt von narrativen Elementen, die eine zu ende gegangene lesbische Liebesbeziehung schildern. Unserer Meinung nach dürfte der Clip in Südkorea bald der Zensur zum Opfer fallen, gibt es doch einen kurzen narrativen Strang, in dem eine der beiden Protagonistinnen versucht, sich umzubringen. Koreas FSK-Äquivalent ist hierbei äußerst zimperlich, sogar Videos, in denen Autofahrer ohne Gurt im Auto sitzen, werden aus dem Fernsehprogramm verbannt.

Im schlimmsten Fall, d. h. wenn Nine Muses nicht von einer anderen Produktionsfirma übernommen wird, dürfte dies die Sängerinnern nicht mehr jucken, da ihre Karrieren zwangsweise ein Ende finden werden. Es bleibt also weiterhin spannend.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

Zeitgleich zum Release ihres ersten Albums, veröffentlichte die Girl Group Red Velvet den Titelsong „Dumb Dumb“. Über Red Velvet haben wir bereits einen eigenen Artikel verfasst, inzwischen aber hat sich die Gruppe innerhalb des K-Pop etabliert, obwohl sie durch ihre skurrilen Songs und ihre Videoclips eine Ausnahmeerscheinung darstellt.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright SM Entertainment)

Bereits mit ihrem ersten Clip „Happiness“ erregten sie in Japan Empörung, da in einer der Bildmontagen der Atompilz von Hiroshima zu sehen war. Das Video musste umgeschnitten werden und liegt seitdem nur in der zensierten Version vor. Es folgte das elegante, nur aus Danceshots bestehende Video zu „Be Natural“ und das eher schwächelnde Video zu „Automatic“, das in denselben Kulissen gedreht wurde. Mit „Ice Cream Cake“ brachen sie ihre Soul-Phase ab und kehrten zu ihren skurrilen Anfängen zurück.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

Mit dem Clip zu „Dumb Dumb“ erreichten sie nun einen neuen Höhepunkt, neben dem so ziemlich alle anderen Clips langweilig wirken. In der Tat ist K-Pop längst nicht mehr das, was es mal war. Hin und wieder wachen die Produzenten auf und entwickeln interessante Konzepte, im Großen und Ganzen aber zeigt sich eine Ideenlosigkeit. Die Gruppe Red Velvet kommt hier gerade richtig, denn ihre Videoclips überschreiten die Grenze zwischen Kommerz und Kunst.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

„Dumb Dumb“ beginnt recht harmlos. Auffällig sind zugleich die hellen, reinen Farben. Als Zuschauer ist man zunächst enttäuscht, doch schon wenige Sekunden später erfolgt der Paukenschlag. Der Clip wandelt sich schalgartig von Durchschnitt zu Aberwitz. Bewegungsstudien, Spiegelungen und Videoeffekte, die an die 80er Jahre erinnern, werden überdreht dargestellt.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

Das Video beginnt banal, wird dann aber zu einem bizarren Rausch fast schon unheimlicher Ideen, die beinahe an Wahnsinn grenzen. Doppelgängerinnen stehen emotionslos um eine Holzkiste und schlagen mit einem Hammer darauf, menschliche Puppen werden am Fließband gefertigt und erinnern dabei an Werbeplakate aus den 50er Jahren. Die oben genannten Bewegungsstudien zitieren die Anfänge des Films und verdrehen diese zugleich ins Obskure. „Dumb Dumb“ wird damit zu einer visuellen Achterbahnfahrt zwischen Kafkaeskem und Postmoderne, die ihresgleichen sucht.

Einmal mehr beweist die Girl Group, dass man mit ihr rechnen muss. Die Produktionsfirma SM Entertainment, die sonst eher für üblichen K-Pop a la Girl’s Generation bekannt ist, zeigt, dass es auch anders geht. Das macht Red Velvet und ihre Videoclips zurzeit einzigartig im K-Pop.

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Wonder Girls „I feel You“; Copyright: JYP Entertainment

Die Formation Wonder Girls der Firma JYP Entertainment ist neben Girls Generation die erfolgreichste Gruppe innerhalb des K-Pop. 2007 gegründet, legten sie zunächst innerhalb Koreas einen Hit nach dem anderen hin. Das Konzept offenbarte sich zunächst in der Debut-Single „Irony“, zu der es jedoch kein Videoclip gab. Das erste Musikvideo folgte mit „Tell Me“, das sich über das Verhalten von Männern gegenüber Frauen lustig machte.

Dieser ironischen Darstellung sozialer Konflikte folgte mit „So Hot“ ein Seitenhieb auf Frauen, die sich gerne zur Schau stellen. Nach und nach aber gingen die satirischen Elemente in den Clips zurück. Die Videos wurden mittelmäßiger, um nicht zu sagen einfallsloser. Dem Erfolg der Gruppe stellte sich diese negative Entwicklung jedoch keineswegs als Hindernis dar.

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Wonder Girls „I feel You“; Copyright: JYP Entertainment

Zu erwähnen ist noch, dass die Wonder Girls die erste koreanische Girl Group war, die eine US-Tour absolvierte. JYP ebnete damit den Weg des K-Pop in die USA. Der Produzent und Sänger nutzte dabei seine Kontakte, die er während seines langjährigen Aufenthalts in den USA knüpfen konnte. War er vor seinem „US-Ausflug“ eher erfolglos tätig gewesen, so veränderte sich dies nach und nach, als er nach Südkorea zurückkehrte.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass in seine Musik immer wieder westliche Stile miteinfließen. Besonders macht sich dies nun in dem aktuellen Song der Wonder Girls „I feel you“ bemerkbar, zu dem das Video Anfang August veröffentlicht wurde.

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Wonder Girls „I feel You“; Copyright: JYP Entertainment

Anscheinend ging ihm die einfallslose visuelle Umsetzung seiner Songs selbst auf die Nerven, denn das neueste Video unterscheidet sich komplett von den optischen Rohrkrepierern. Bringt man das Video auf einen Punkt, so lässt sich sagen, dass es eine Zitatensammlung aus Videoclips der 80er Jahre ist. Von Robert Palmer bis hin zu Prince reichen die diversen Anspielungen.

Der Hook dient zugleich als witzige Provokation: eine Frau sitzt mit gespreizten Beinen auf einer Toilettenschüssel, die Kamera nähert sich ihrem Schritt, parallel öffnet sie den Reißverschluss. Zugleich dient dies als Übergang zum Dance-Shot des Videos, der im offenen „Hosenstall“ eingeblendet ist und in dem die Sängerinnen in Badeanzügen auftreten. Dieses Mal mit Musikinstrumenten, was die Zitatitis, die in dem Video hingelegt wird, nochmals unterstreicht.

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Wonder Girls „I feel You“; Copyright: JYP Entertainment

Zum einen ist klar, dass JYP auf die derzeitige Erotikwelle innerhalb des K-Pop aufspringt. Doch im Gegensatz zu anderen Gruppen, deren Videos das Verspielte bisheriger Clips aufgeben, um sich nur noch auf die Sexualisierung zu konzentrieren, löst „I feel you“ das Problem durchaus elegant. Farbgebung und Optik überzeugen und lassen die Wonder Girls als neues Konzept auferstehen (die neue LP trägt nicht ohne Grund den Titel „Reboot“). Das neue Konzept ist das, worauf JYP stets hingearbeitet hat: eine Synthese zwischen K-Pop und US-Pop. Wie andere Produzenten auf diese Steilvorlage reagieren werden, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur eines: in Sachen K-Pop bleibt es weiterhin spannend.

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Tahiti in dem Clip „Tonight“ auf der Fahrt in die Freiheit. Interessant hier: Trotz positiver Stimmung ist der Hintergrund besetzt mit überaus düsteren Wolken. (Copyright: Dream Star Entertainment)

Tahiti lautet der Name einer Girl Group, die 2012 von der Produktionsfirma Dream Star Entertainment ins Leben gerufen wurde. Die Gruppe besteht aus fünf Mitgliedern. Wie auch in anderen Girl Groups, wechselten die Sängerinnen öfters, entweder aufgrund von auslaufenden Verträgen oder interner Konflikte.

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Der Firmenbesitzer in dem Clip „Tonight“. Während die einen „ackern“, lässt er es sich in der Rolle des klassischen Ausbeuters gut gehen. (Copyright: Dream Star Entertainment)

Ihr Debut-Clip „Tonight“, der 2012 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, versprach ein interessantes Konzept, das es zu verfolgen galt. Die Narration war eine Mischung aus Witz, Satire und heimlicher Kapitalismuskritik. Sie zeigte die fünf Sängerinnen in einer alten Fabrikhalle, in der sie Kleiderpuppen herstellen müssen, während der Firmenbesitzer in seinem Büro sitzt und es sich gut gehen lässt. Kurzerhand beschließen sie, aus der Fabrik zu fliehen und ein Leben ohne Zwänge zu führen. Der Besitzer der Firma aber, der sie die ganze Zeit über verfolgt hat, „fängt“ sie wieder ein. Dabei wechselt er seine Rolle. Vom klassischen Ausbeuter wird er zum DJ, während die Sängerinnen zu seiner Musik tanzen.

Das kontrastreiche Video, das die Arbeitswelt als düster und schmutzig und das Leben in Freiheit als bunt und verspielt darstellt, wobei es beiden „Welten“ patriarchale Züge verleiht, passt sich ein in die sozialkritischen Aspekte koreanischer Girl Group-Videos, findet in dieser Hinsicht sogar klarere Worte als andere Clips (mit Ausnahme der Band Sunny Hill, bei denen Kapitalismuskritik Programm ist). Man hoffte auf mehr. Leider aber baute die Produktionsfirma die Gruppe in diese Richtung nicht weiter aus.

Bereits der zweite Clip „Hasta Leugo“ ist ein Zusammenschnitt unterschiedlicher, fantasieloser Dance-Shots. Das Verspielte und Schwungvolle, welches Tahiti ins Rennen gebracht hatte, ging verloren. Zurück blieb ein langweiliges Konzept, über das es sich nicht weiter lohnt zu sprechen. Das machte sich auch in den koreanischen Charts bemerkbar, wo die zweite Single unter ferner liefen zu finden war.

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In dem Clip „Love Sick“ überwiegen düstere, kalte Farben. (Coypright: Dream Star Entertainment).

„Love Sick“, die dritte Single bzw. das dritte Video, sollte anscheinend den Rohrkrepierer von zuvor übertünchen. Mit einer Musik, die ansatzweise an Europop erinnert, einer besseren Optik und einer Mischung aus Dance-Shots und losen narrativen Elementen, zeigte sich die Gruppe in düsteren, bis ins Schwarze hineinreichenden Farben. Die gelungene Montage verleiht dem Video einen hochwertigen Charakter. Als wollte man mit „Love Sick“ einen neuen Anfang wagen, wurden am Ende des Clips die einzelnen Sängerinnen nochmals mit Namen vorgestellt.

Aus nicht nachzuvollziehende Gründen, ließ man aber auch von diesem Konzept ab. Statt in der oberen Kategorie weiter mitzumischen, verpatzte Dream Star Entertainment den zweiten Einstand, indem das vierte Video „Oppa, You’re mine“ innerhalb einer kitschig-bunten Mischung die Sängerinnen als „Dummchen“ darstellte. Von dem vorangegangenen Konzept blieb wiederum nichts übrig. Der Clip ist völlig banal und nach drei Minuten Laufzeit sofort wieder vergessen.

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In „Phone Number“ gehören teils überbelichtete Szenen zum Programm. (Copyright: Dream Star Entertainment).

Im Januar 2015 kehrten Tahiti erneut zurück auf die K-Pop-Bühne. Dieses Mal mit dem Clip „Phone Number“. Das aktuelle Video schließt sich an den derzeitigen Erotik-Konzepten an. Etwas, das den Clip oder die Gruppe als solche originell machen würde, sucht man vergeblich. Helle, extrem bunte Farben und teilweise überbelichtete Einstellungen dominieren die einzelnen Szenen. Die Choreographie mit einer zurzeit innerhalb von K-Pop-Clips obligatorischer Selbstbefriedigungsgeste – hier bei weitem gewagter, da direkter – verpasste dem Video in Südkorea eine Altersbeschränkung: es darf nur von Zuschauern gesehen werden, die älter als 16 Jahre alt sind.

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Die Hand im Schritt war eigentlich stets Michael Jackson vorbehalten. Bei koreanischen Girl Groups wie Tahiti gehört diese Geste inzwischen zum Standard. (Copyright: Dream Star Entertainment).

Doch wie bereits erwähnt, fehlt es an Merkmalen, an denen man die Gruppe Tahiti fest legen könnte. Im Gegensatz zu anderen Girl Groups fehlen grundlegende Wiedererkennungsaspekte. Das legt den Verdacht nahe, dass man mit Tahiti eine „Girl Group auf Abruf“ konzipierte, das heißt, eine Gruppe, die gerade dann in Erscheinung tritt, wenn es in der Produktion eine Lücke gibt. Es ist schade, dass hierbei viel Potential vergeudet wurde. Die Grundlage, wie der Clip „Tonight“ zeigt, war vorhanden.

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Die K-Pop-Gruppe Sunny Hill begann eigentlich völlig unoriginell: Ein paar kitschige Liebeslieder und damit hatte es sich. Der Erfolg war zwar da, doch die Gruppe war nun einmal Durchschnitt. Aber was danach aus der Gruppe gemacht wurde, ist durchaus erwähnenswert.

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Die Formation Sunny Hill in einem Danceshot aus „Monday Blues“.

Die Formation bestand aus vier Sängerinnen und dem Sänger Janghyun, wobei letzterer auch die Songs schrieb. Zurzeit besteht Sunny Hill nur aus den vier Sängerinnen. Der radikale Wandel der Gruppe vollzog sich, nachdem sie die Produktionsfirma gewechselt hatten. Seit 2011 wird Sunny Hill von Leon Entertainment produziert. Radikal war der Wandel deswegen, da von dem vorangegangenen Konzept nichts mehr übrig blieb. Im Gegenteil, die brave Strahlemann-Gruppe wurde zu einer düsteren, mit sozialkritischen Themen ausgestatteten K-Pop-Group.

Gleich ihre erste Single „Midnight Circus“ wurde ein riesiger Erfolg, das surreale Musikvideo mehrfach ausgezeichnet. Mit ihrem Folgevideo „Pray“ produzierten sie einen Medienskandal. Der Clip zeigt Experimente an einem deformierten Menschen. Das Musikvideo wurde für unmoralisch erachtet und indiziert, obwohl auch hier Film- und Musikkritiker den kunstvollen Gehalt des Clips über alle Maßen lobten.

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„Grasshopper Song“ setzt auf kafkaeske Büro- und Arbeitswelten.

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Der Protagonist möchte aus dieser Welt ausbrechen.

Schließlich gelangte Sunny Hill mit „Grasshopper Song“ wiederum ein enormer Erfolg. Zugleich startete die Gruppe in ihre antikapitalistische Phase. Der Song handelt von sinnloser Gleichförmigkeit in der Arbeitswelt und dem Wunsch daraus auszubrechen. Das Video besticht durch eine kafkaeske Sicht auf den Alltag eines Angestellten, der zum Schluss seine sieben Sachen packt und der Eintönigkeit entflieht. Trotz der scharfen Kritik am Kapitalismus gelangte der Song in die Top 10 der koreanischen Charts. In Südkorea, einem Land in dem Kapitalismus und Konfuzianismus eine untrennbare Verbindung eingegangen sind, ist dies durchaus erstaunlich.

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In „Waiting for the Prince“ geht es um Äußerlichkeiten, welche das Leben bestimmten.

Auch der nächste Song „Waiting for the Prince“ machte in Sachen Sozial- und Kapitalismuskritik keine halben Sachen. Es geht darum, immer der Beste sein zu müssen. Die Gruppe macht sich lustig über diesen Erfolgsstress, der sich bis hinein ins Intimleben fortsetzt. In kurzen Szenen werden skurrile Nominierungen gezeigt, in denen die Sängerinnen Opfer eines Rituals werden, das von niemandem hinterfragt wird und ohne Rücksicht auf Verluste das Leben bestimmt. Zum Schluss des Clips wird ein großes A – als Symbol für das Erfolg-haben-müssen – in den Müllwagen befördert.

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„Monday Blues“ macht sich lustig über den Büroalltag.

Mit „Monday Blues“ setzte Sunny Hill seine Kritik an Wirtschaft und Gesellschaft fort. In dem Clip wird der Büroalltag aufs Korn genommen. Mit viel Witz und Ironie werden so ernste Themen wie völlige Erschöpfung (neudeutsch Burn Out), sinnlose Aufgaben, soziale Konflikte und sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz angesprochen. Der Clip endet damit, dass sämtliche Mitarbeiter aus dem „Gefängnis“ des Büroalltags ausbrechen. In einer der radikalsten Szenen des Clips kniet der Bürochef am Boden, dabei hächelnd wie ein braver Hund, wobei ihm eine der Sängerinnen den Kopf tätschelt.

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Szene aus dem Hook des Clips „Monday Blues“.

Sunny Hill ist eindeutig eine Ausnahmegruppe innerhalb des K-Pops. Ihre düstere Weltsicht verpacken sie in Videos, die vollgepackt sind mit direkter Kritik an der koreanischen Gesellschaft und an der kapitalistisch geprägten Lebenswelt. Dass die Formation mit antikapitalistischen Statements einen so großen Erfolg erzielt, ist mehr als nur überraschend, besteht doch der Hauptteil der K-Pop-Clientel aus Jugendlichen, welche sich, kritisch gesprochen, im besten „Konsum-Animierungs“-Alter befinden und sich keine Gedanken darüber machen, was es mit dem reinen Kapitalismus auf sich hat. In TV-Dokumentationen sind zwar immer wieder kritische Töne hör- und sehbar, doch hat man Angst, zu direkt zu werden (so kritisierte eine koreanische Doku aus dem Jahr 2013 zwar den US-amerikanischen und chinesischen Kapitalismus, nicht aber den koreanischen. In der Tat wurde Südkorea überhaupt nicht erwähnt). Ein Gegensatz besteht dabei im modernen koreanischen Film, bei dem Kapitalismuskritik quasi zum guten Ton gehört. Dass jedoch in Mainstream-Songs darauf eingegangen wird, ist durchaus mutig und zeigt, dass Sunny Hill ernst genommen werden muss. Man darf gespannt sein, auf welche Weise sie in zukünftigen Songs und Clips ihren Hang zur Kapitalismuskritik fortsetzen werden.

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Red Velvet „Happiness“. Kaldeidoskopartige Spiegelungen sind nur ein Aspekt der Ideenvielfalt des Videoclips.

Es begann überaus bunt. Gemeint ist das Debut-Video der koreanischen Girl Group Red Velvet. Man glaubte schon fast, dass die Zeit der Bonbonfarben innerhalb von K-Pop vorbei sei. Da kam mit dem Song „Happiness“ ein extremer Farbenrausch daher, der den Zuschauer zum Staunen brachte. Verbunden mit einer sehr guten Kameraführung, welche auf originelle Weise die vier Mitglieder der Gruppe vorstellt, ergab sich ein Video, das fast schon einzigartig ist in der derzeitigen K-Pop-Phase, die vor allem mit eher reduzierten, fast schon düsteren Farben und einem hohen Erotikgrad gekennzeichnet ist.

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Die 80er Jahre lassen grüßen: Fotomontage im Bildhinter- und vordergrund.

SM Entertainment, eine der drei größten Produktionsfirmen in Südkorea, suchte anscheinend nach Alternativen. Heraus kam ein Girl Group-Konzept, das einerseits verspielt und kitschig, andererseits erwachsen und ernst ist. In der Tat kreierte man hier eine Art Paradoxon. Das Ergebnis war ein faszinierender Clip, der beeinflusst ist von den Videoeffekten der 80er Jahre. Eine kunterbunte Mischung aus witzigen Dancehots, Fotomontagen und kaleidoskopartigen Spiegelungen. Bei der ersten Sichtung wird einem fast schwindelig. Beim zweiten Betrachten erkennt man die Details.

Man war gespannt, ob und wie das Konzept von Red Velvet weiterentwickelt wird. Mit „Be Natural“ kam nun die zweite Single und das zweite Video an den Start. Die Verblüffung war groß. Das Farbkonzept des ersten Clips wurde ad acta gelegt. Nun herrschen kühle, dunkle Farben. Die Gruppenmitglieder erscheinen in schwarzen Damenanzügen. Gegen Ende des Clips erscheinen sie – ihrem Namen entsprechend – in roten Kostümen. Obwohl man sich hinsichtlich der Farbgebung den übrigen K-Pop-Clips annäherte, wollte man das Konzept nicht wirklich angleichen.

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Red Velvet „Be Natural“ mit reduzierten, kühlen Farben und einer ungewöhnlich tiefen Raumoptik.

Das Besondere an dem neuen Clip sind daher die Kamerafahrten. Die Danceshots präsentieren sich ohne Schnitt. Lediglich angenehm altmodische Überblendungen führen in die nächste Kulisse. Die Kamera kreist dabei um die Sängerinnen herum, verändert dabei immer wieder ihre Höhe und die Distanz zu den Gruppenmitgliedern. Der Hintergrund besteht aus einem extrem weiten Raum, der für K-Pop-Clips ungewöhnlich ist. Die Mitglieder wirken beinahe verloren.

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Abschließender Danceshot von „Be Natural“. Die Raumtiefe setzt sich auch hier fort.

Regisseur Si versuchte, die kühlen Jazzklänge, welche den Song „Be Natural“ – der fast schon an Jamie Cullum erinnert –  prägen, visuell umzusetzen. Dies gelingt ihm auf hervorragende Weise. Die visuelle Ästhetik, mit der Si arbeitet, ist grandios. Das Konzept von Red Velvet ist derzeit einzigartig in der K-Pop-Landschaft. Man setzt auf eine Mischung aus Mainstream und Indie und einen hohen Grad an Videokunst. Es bleibt zu hoffen, dass die Kreativität, mit der das Konzept ausgestattet ist, erhalten bleibt.

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