Die Klunkerecke: Congo (1996)

Aufmerksame Leser werden sich sicherlich fragen, wie es „Congo“ in unsere Klunkerecke geschafft hat. Die Frage ist durchaus berechtigt. Um ehrlich zu sein, wussten wir nicht, in welche Kategorie wir den Film stecken sollten. Und da wir mit Absicht keine extra Trash-Reihe haben, da wir Trash und Nicht-Trash in einen Topf werfen, war nur Die Klunkerecke übrig.

„Congo“ ist eine weitere Adaption eines Michael Crichton-Romans. Nachdem „Jurassic Park“ wie eine Bombe einschlug, suchte man schnell nach weiteren Werken des Autors, um diese auf filmische Weise zu Geld zu machen. Bei Frank Marshall fiel die Wahl auf „Congo“, in dem es um eine Expedition geht, die während ihrer Suche nach Diamanten verschollen ist. Dr. Karen Ross soll es nun richten, indem sie nach den Diamanten  und nach der Ursache für das Verschwinden der ersten Expedition sucht. Mit dabei ist ein Primatenforscher und seine Gorilladame Amy und ein geldgieriger Hobbyarchäologe, der glaubt zu wissen, wo die legendäre Stadt Zinj liegt, wo Salomons Diamanten vergraben sein sollen.

All das klingt nach einem schönen Abenteuerfilm. Und Frank Marschall setzt alles daran, um „Congo“ auch als solchen zu kreieren. Um es kurz zu machen: der Film unterhält vorzüglich. Und dennoch … Leider ist da eben der Primatenforscher und sein liebes Äffchen. Statt auf einen echten Affen zurückzugreifen, kam man auf die Idee, eine Stuntfrau in ein Affenkostüm zu stecken – und fertig war das Malheur. Denn egal wie oft man „Congo“ sichtet, Amy ist stets eine Mischung aus Kitsch und Das-darf-doch-nicht-wahr-sein.

Alternatives Filmplakat

Wer auch immer auf die Idee mit dem Affenkostüm gekommen ist (vielleicht Stan Winston, der auch die Kostüme der übrigen Affen schuf und den Produzenten noch ein übriges Kostüm aufgeschwatzt hat?), er hat dem Film keinen großen Gefallen getan. Das Ergebnis ließ auch nicht lange auf sich warten: die fiktive Amy erhielt die Goldene Himbeere als schlechteste Darstellerin.

Dennoch wurde „Congo“ ein recht großer Erfolg, der das Dreifache seiner Produktionskosten einbrachte – mal wieder zur Überraschung von Paramount, die befürchteten, den Film gleich in die Tonne werfen zu müssen.

Man könnte „Congo“ als einen gelungenen B-Movie bezeichnen oder auch als einen Trashfilm, der es durch Zufall in die Kinos geschafft hat. Wie schon erwähnt, liefert der Film kurzweilige Unterhaltung, auch wenn die Spannung nicht wirklich rüberkommt. Als kleines Schmankerl gibt es dafür Bruce Campbell im Prolog des Films. Leider überzeugt ausgerechnet Tim Curry am wenigsten. Sein Spiel wirkt eher lustlos, so als wollte er nur einmal kurz vorbeischauen. – Alles in allem also ein Film, der weder Hand noch Fuß hat und dennoch irgendwie Spaß macht.

Congo. Regie: Frank Marshall, Drehbuch: John Patrick Shanley, Produktion: Kathleen Kennedy, Darsteller: Dylan Walsh, Laura Linney, Ernie Hudson, Grant Helsov, Tim Curry. USA 1996. 104 Min.

 

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Erschienen: „Boten des Schreckens“ – Der neue Horrorroman von Carl Denning

Mit „Boten des Schreckens“ erscheint nun bereits der siebte Roman aus der Feder des bekannten Horrorautors Carl Denning (die Bände seiner Serie „Prähuman“ nicht mitgerechnet). Es handelt sich dabei um den zweiten Fall von Chefinspector Susan Gant, die zugleich die Polizeistation in dem kleinen kanadischen Ort Altamont leitet (Susan Gants erster Fall trägt den Titel „Monster“ und ist der bisher erfolgreichste Roman Carl Dennings).

In „Boten des Schreckens“ entdecken zwei Ranger einen schwerverletzten Wissenschaftler im Grand Jardin Nationalpark, der sich um Altamont herum erstreckt. Seine fünf Mitarbeiter sind spurlos verschwunden. Noch am selben Tag wird die verstümmelte Leiche eines Zoomitarbeiters gefunden. Mehrere Tiere liegen tot in ihrem Gehege. Von Mal zu Mal entpuppt sich der Fall als unheimlicher. Immer wieder stößt Susan Gant bei ihren Ermittlungen auf den Namen Waheela. Doch wer oder was ist das? Zusammen mit ihrem Team setzt Susan Gant alles daran, den Fall zu lösen. Denn die Serie von schrecklichen Zwischenfällen reißt nicht ab …

Wie auch schon in „Monster“, so ist auch in „Boten des Schreckens“ der eigenwillige Grenzwissenschaftler Frederic Tubb dabei. In Quebec findet ein Kongress statt, an dem dieses Mal auch Susan teilnehmen soll, um über ihren letzten Fall zu berichten. Doch wie immer kommt alles anders – oder beinahe anders. Susan hält zwar ihren Vortrag, aber … Mehr soll nicht verraten werden. Was davor bereits alles geschieht und dann daran anschließt, ist auf jeden Fall überaus spannend, witzig und nicht weniger gruselig.

Im Gegensatz zu anderen Autoren, hält sich Denning in dem zweiten Fall seiner Protagonistin nicht an das gleiche Schema. „Boten des Schreckens“ funktioniert völlig anders als „Monster“, ist dabei aber genauso unterhaltsam. Genauer soll nicht auf die Handlung eingegangen werden, da sonst zu viel verraten wird. Man kann jedoch festhalten, dass in Dennings neuestem Roman jede Menge geschieht, es viele unheimliche Momente gibt und auch die Action nicht zu kurz kommt. Man kann daher nur noch viel Spaß beim Lesen wünschen.

 

The 80s: Fright Night (1985)

Die Idee trug Regisseur Tom Holland bereits ein ganzes Jahr mit sich herum, bevor er dazu überging, diese in ein Drehbuch umzuarbeiten. Die Produktionsfirma Columbia Pictures gab ihm das kleinst mögliche Budget und interessierte sich nicht weiter für das Projekt. Als der Film dann 1985 in die Kinos kam, war man in der Chefetage dann doch überrascht. Denn das Einspielergebnis lag bei fast 25 Millionen Dollar – gegenüber dem Budget von knapp 7 Millionen.

„Fright Night“ wurde ein echter Kassenschlager. Und das, obwohl man ihm durchaus das geringe Budget ansieht. Doch Tom Holland machte das Beste daraus – und hinzu kam, dass ihm keiner der Produzenten ins Handwerk pfuschte. Das Ergebnis war eine nette Horrorkomödie, die sich lustig macht über das Leben in den US-amerikanischen Vororten und genau so die durch das Horrorgenre stark geprägte Popkultur.

Horror hatte damals Hochkonjunktur. Umso witziger ist es daher, wenn Charley Brewster, der zusammen mit seiner Mutter neben einem leer stehenden Haus wohnt, vergeblich versucht, ihr zu erklären, dass sie seit letzter Nacht einen Vampir als Nachbar haben. Doch nicht nur seine Mutter hält ihn für ein bisschen zu überdreht (sie schiebt es darauf, dass er in letzter Zeit zu viel gelernt habe), sondern auch seine Freundin Amy und sein Kumpel Edward, den Charley immer Teufel nennt – in der Originalfassung trägt Edward den Spitznamen Evil Ed, als Anspielung auf den Klassiker „Evil Dead“. Als alles nichts hilft und es zu sonderbaren Todesfällen kommt, betrachtet Charley den drittklassigen Schauspieler Peter Vincent, der eine erfolglose Horrorsendung in einem Regionalsender moderiert, als seine letzte Hilfe.

Die Handlung, die sich auf diese Weise weiter entwickelt, ist wirklich witzig, hinzu kommen tolle Spezialeffekte, die sich der Film für die zweite Hälfte des Films aufhebt. Robert Enlund, der ein Jahr davor die Spezialeffekte für „Ghostbusters“ mitentworfen hatte, durfte hier nochmals sein Können zeigen. Trotz des Witzes, der die gesamte Handlung durchzieht, regen die Gags weniger zum Lachen als viel mehr zum Schmunzeln an. In den einzelnen Aufnahmen gibt es immer wieder viele Anspielungen auf das Horrorgenre zu entdecken (wie z.B. der Zaun in Form eines Vampirgebisses), doch der Konflikt zwischen Charley und dem Vampir Jerry Dandridge, der Amy entführt, erscheint dann doch zu sinnlich und zu düster, als dass er als reine Komödie durchgehen könnte, viel eher scheint in diesen Szenen dann eine Hommage an die klassischen Vampirfilme hindurch.

Dies ist andererseits aber auch die Stärke des Films, denn das Düstere und das Lustige schließen sich in dem Film nie gegenseitig aus. Dies liegt vor allem daran, da „Fright Night“ sich nicht lustig über das Horrorgenre macht. Es kommt zu keinen Veralberungen, im Gegenteil, wenn es um Vampirismus geht, so bezieht sich Holland sowohl auf Aspekte des Aberglaubens als auch auf die entsprechenden filmischen Merkmale. Besonders ist hierbei, dass der Vampir als bisexuell charakterisiert wird. Holland bringt diese Merkmale stets in einen alltäglichen Zusammenhang, woraus sich eine originelle Situationskomik ergibt.

„Fright Night“ entwickelte sich rasch zu einem Klassiker des Genres. Ein Jahr darauf sollte Tom Holland (wieder in Zusammenarbeit mit Schauspieler Chris Sarandon) einen weiteren Klassiker der 80er Jahre kreieren: „Child’s Play“, der in Deutschland unter dem Titel „Chucky – Die Mörderpuppe“ in die Kinos kam.

„Fright Night 2“ (1988) war zwar in den Kinos deutlich weniger erfolgreich als das Original, holte dies aber durch den Video-Release nach. Das Remake von 2011 orientierte sich zum großen Teil am Originalfilm, wobei es ihm durchaus gelang, den Humor beizubehalten. Auch zu diesem Film wurde ein Sequel gedreht, das aber nur noch auf DVD erschien.

Fright Night. Regie u. Drehbuch: Tom Holland, Produktion: Herb Jaffe, Darsteller: Chris Sarandon, William Ragsdale, Amanda Bearse, Stephen Geoffreys, Roddy McDowall. USA 1985, 106 Min.

Alien: Covenant (2017)

Es hätte im Grunde genommen sehr gut werden können. Der Anfang versprach durchaus ein tiefgründiges SF-Abenteuer. Doch dann geschah folgendes: Regisseur Ridley Scott wollte sich dann doch nicht allzu tief in theologische und philosophische Diskussionen einlassen und beließ es dann weitestgehend bei der Oberflächichkeit.

Nachdem man bei der Alien-Reihe mit den Zahlen durch ist, beginnt man nun die Reihe mit der Aufzählung von Raumschiffnamen. Nach der Prometheus ist daher nun die Covenant an der Reihe. „Alien: Covenant“ will sich als Fortsetzung von „Prometheus“ verstehen, doch kommt der Film nicht wirklich über ein Quasi-Remake hinaus. Auf diesen Umstand verweist bereits die Musik von Jed Kurzel, die sich an der Originalmusik von Jerry Goldsmith orientiert.

Und daher sehen wir einmal mehr ein Raumschiff, in dem die Besatzung aus dem Tiefschlaf erwacht, da ein sonderbares Signal empfangen wurde. Nach kurzer Diskussion macht man sich dann auf, um nach der Quelle dieses Signals zu suchen. Und siehe da: praktisch wie aus dem Ei gepällt, springen der Besatzung die Aliens um die Ohren.

Versagt der Film dabei, seine angepeilte Tiefgründigkeit aufrechtzuerhalten, so versucht er, dies durch eine geniale Optik wieder wett zu machen. Die sorgfältig konzipierten Aufnahmen, die sich manchmal an modernen und klassischen Gemälden orientieren (in einer kurzen Sequenz sieht man dann auch Arnold Böcklins „Die Toteninsel“ als einen direkten Hinweis darauf) sind beinahe zu schade für den neuesten Alien-Streifen. Denn hätte Scott diese noch mit einer Geschichte verwoben, die sich mit den zentralen Fragen des menschlichen Daseins beschäftigt, so wäre daraus eine Art „Silence“ auf Speed geworden, kurz: ein toller SF-Streifen.

Aber Scott  wollte das anscheinend nicht. Dies macht sich dann auch in Fassbenders Darstellung von David bzw. Walter bemerkbar, die im Prolog überrragend ist, aber im Laufe des Films von Mal zu Mal weniger beeindruckt, so als habe er sich während des Drehs zunehmend  gelangweilt, da die Herausforderungen wegfielen. Statt also eine grundlegende Diskussion anzustoßen, nähert sich der Film dem Splatter-Genre der 80er Jahre an, wobei eine Mischung aus Puppen- und CGI-Effekten verwendet wird. Dabei nimmt man auch bewusst das Tangieren des Trash-Genres in kauf, was nicht schlimm ist, doch verliert man sich dabei hin und wieder in ein paar Ungereimtheiten. Das ist alles sehr schade, denn, wie gesagt, der Film hätte das Potential gehabt, wirklich gut zu werden. Aber Hollywood ist nun einmal Hollywood und daher braucht man sich eigentlich nicht über das Ergebnis zu wundern.

Alien: Covenant. Regie: Ridley Scott, Drehbuch: John Logan, Dante Harper, Produktion: Ridley Scott, Walter Hill, Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Guy Pearce. USA 2017, 117 Min.

 

FuBs Double Feature (1980 – 1990): Die 80er – Ein fantastisches Jahrzehnt

Das Kinoerlebnis in den 80er Jahren war vor allem geprägt durch die Eiswerbung, die kurz vor dem Film lief. Untermalt von dem Song „Like Ice in the Sunhshine“ von  Beagle Music Ltd. wurde die Werbung rasch zum Kult und zum Wahrzeichen der Spaßgesellschaft. Und dennoch steckte das Kino damals wieder einmal in der Krise.

Der Video-Boom führte dazu, dass die Leute Filme lieber in ihren eigenen vier Wänden ansahen, als ins Kino zu gehen. Die sog. Direct-to-Video-Produktionen kamen auf. Das Kino musste reagieren. Und wie? – Und wie! Denn in den 80er Jahren wurde Trash zum Mainstream erklärt. Die großen Studios produzierten Filme, die nach denselben Konzepten wie diejenigen von Roger Corman funktionierten, nur waren sie eben besser. Der Grund dafür ist ganz einfach: ein viel größeres Budget.

Corman und seinen Kollegen wurde dadurch der Markt weggeschnappt. Doch erfanden sich Corman und Co. neu, indem sie auf den damals boomenden Videomarkt auswichen. Die Folge: eine Flut an Horrorfilmen, welche Pädagogen und unsere bekannte Zensurstelle FSK zum Schwitzen brachten.

Der deutsche Film konnte da nicht mithalten und geriet in eine lang anhaltende Krise. Gedreht wurden allerhöchstens Filme wie „Otto – Der Film“ oder „Die Supernasen“, womit sich Deutschland in Sachen Filmkunst international ganz weit hinten anstellen musste.

Normalerweise stellen wir in unserer Reihe „Double Feature“ jeweils zwei Filme vor, von denen wir glauben, dass  sie das jeweilige Jahrzehnt besonders gut abbilden. Bei den 80er Jahren ist dies unmöglich, da dieses Jahrzehnt so viele prägende Filme hervorgebracht hat, dass man dieser einzigartigen Hochphase der Popkultur mit nur zwei Filmen einfach nicht gerecht wird. Daher haben wir von verschiedenen Genres jeweils zwei Filme genommen: Action, Science Fiction, Fantasy, Horror, Liebesfilm/Drama. – Viel Spaß dabei! :)

Actionfilme der 80er

In Sachen Action kamen in den 80er Jahren durch den Erfolg von „Rambo“ (1982) die Militär-Actionfilme auf, von denen sicherlich „Missing in Action“ mit Chuck Norris am dümmsten abschnitt. Parallel dazu wurde eine Vielzahl von Polizei-Filmen produziert (weißer Einzelgänger mit schwarzem Kollegen), mal als Komödie, mal als Drama und mal als Mischung aus allem. Ab 1981 entwickelte sich aber auch eine Mischung aus Fantasy- und Abenteuerfilmen, von denen die „Indian Jones“-Filme am bekanntesten sind. Harrison Ford spielte den Helden und suchte in seinem ersten Abenteuer „Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981) nach der Bundeslade. Mit vielen Effekten, viel Humor und jeder Menge Action wurde der Film zum absoluten Hit, auch wenn Steven Spielberg noch ein Jahr warten musste, bis er den Zenit seines Erfolgs als Regisseur erreichen sollte.

Und ja, in den 80er Jahren konnte man auch ohne weiteres einen Film übers Armdrücken drehen. „Over the Top“ (1987) hätte man vielleicht eher „Over the Flop“ bezeichnen sollen, denn das Sport-Trucker-Familiendrama, basierend auf einem Drehbuch von Sylvester Stallone, wollte nicht jeder sehen. Heute zählt der Film zu den Trash-Klassikern, damals jedoch begannen Cannon Films damit, ihr eigenes Grab zu schaufeln und gingen wenige Jahre später pleite. Aber grunzende, Schweiß triefende Männer in Unterhemden waren nun einmal nicht jedermanns Sache – obwohl sie ebenfalls ein typisches Merkmal der Actionfilme der 80er Jahre waren.

Science Fiction-Filme der 80er

Natürlich beherrschten die „Star Wars“-Filme die erste Hälfte der 80er Jahre. Doch die SF-Fantasy-Horror-Welle, welche das Jahrzehnt bestimmte, brachte noch viele andere sehenswerte Filme heraus. So versuchte sich John Carpenter 1982 an einer Neuverfilmung von „Das Ding“ und landete einen Flop. Damals galt das Remake, das Carpenter nicht als Remake verstanden wissen wollte, als der brutalste Film überhaupt. Die mechanischen Puppeneffekte sind grandios und die Story orientiert sich stärker an der literarischen Vorlage „Who goes there?“ von John W. Campbell als der Klassiker aus dem Jahr 1951.

Das Gegenstück zu „Das Ding“ schuf Steven Spielberg mit „E.T.“ (1982). Kein bluttriefender Gestaltwandler, sondern ein kleines, hässliches Knuddelalien strandet auf der Erde und will – wer kann es ihm verdenken – so schnell wie möglich wieder nachhause. Der Film zählt nicht nur zu den erfolgreichsten Filmen der Filmgeschichte, sondern ebnete Spielberg endgültig den Weg zum Podest der wichtigsten Regisseure Hollywoods. Seitdem darf in jedem Film, der in den 80er Jahren spielt, das BMX-Rad nicht fehlen. Drew Barrymore, die die kleine Gertie spielte, ist heute selbst Filmproduzentin und finanzierte u. a. „Donnie Darko“.

Fantasy-Filme der 80er

Mit dem Film „Krull“ (1983) hoffte Regisseur Peter Yates aufgrund der Fantasywelle zu punkten, landete aber einen gewaltigen Flop. Heute zählt der Film zu den Klassikern des Fantasy-Genres, damals aber wollte ihn kaum einer sehen. Trotz toller Effekte, konzentrierte sich Yates nicht auf ein reines Actionspektakel, sondern viel mehr darauf, eine durchgängig spannende Story zu kreieren. Irgendwie zwischen „Star Wars“ und „Excalibur“ angesiedelt, verbindet der Film gekonnt beide Genres miteinander. In einer Nebenrolle darf auch Liam Neeson mitspielen – ein bisschen mehr, als ihm zwei Jahre zuvor in „Excalibur“ zugestanden wurde.

Wieso wurden in den 80er Jahren so viele Fantasyfilme gedreht, wenn doch die Mehrzahl davon floppte? So auch „Legend“ (1985) von Ridley Scott. Der Film floppte nicht nur, sondern Scott und sein Team brachten es sogar fertig, die berühmten Pinewood Studios, in denen der Film gedreht wurde, abzufackeln. Stellenweise ist der Film unglaublich kitschig, an anderen Stellen aber schuf Scott eine wunderbare düstere Fantasy-Horror-Mischung, die immer wieder fasziniert. Tragend hierbei ist natürlich Tim Curry als Herr der Finsternis. Tom Cruise dagegen wirkte in der Rolle als Jack ziemlich belämmert.

Horrorfilme der 80er

Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt der Splatter- und Slasher-Filme. Besonders ins Visier unserer Zensur- bzw. FSK-Stelle geriet „Tanz der Teufel“ (1981). Die Mischung aus Horror und Slapstick führte in Deutschland dazu, dass Sam Raimis Debut beschlagnahmt wurde. Erst 2017 wurde diese aufgehoben. Fünf Freunde verbringen eine Nacht in einer einsam gelegenen Hütte und werden dabei von Dämonen überfallen. So einfach und so genial funktionieren eben nur Horrorfilme. Besonders originell an dem Film ist die Kameraführung, die „Tanz der Teufel“ fast schon zu einer Art „Handbuch“ für angehende Kameraleute werden lässt. Denn darin findet man nicht nur jede Einstellung, die es überhaupt gibt, sondern zulgeich eine grandiose Experimentierfreude. Die deutschen Behörden verstanden den Film dennoch nicht und machten sich zudem auch international lächerlich, indem sie darüber diskutierten, ob Zombies nun Menschen seien oder nicht.

Was wären die 80er Jahre ohne Freddy? Freddy Krüger gehört inzwischen ebenso zum festen Bestandteil der Popkultur wie seine Kollegen Jason oder Michael Meyers. Einen hässlichen Ringelpullover, Klingenhandschuhe und einen fransigen Hut, und fertig war eine der berühmtesten Horrorfiguren. Darsteller Robert Englund, der bis dahin nur in Nebenrollen zu sehen gewesen war, wurde dadurch über Nacht berühmt. Wes Craven, der u. a. Psychologie studiert hatte, brachte mit „Nightmare on Elmstreet“ (1984) die Thematik des Horrorgenres auf den Punkt: Albträume. Für Johnny Depp war dies die erste Rolle – sein filmischer Abgang in der berühmten Bettszene stellt eine gewitzte Parodie auf Kubricks „Shining“ dar.

Liebesfilme und Dramen der 80er

Frankreich brachte in den 80er Jahren nicht nur Actionfilme auf den Markt, sondern auch die eine oder andere Komödie. Eine der berühmtesten Liebeskomödien ist „La Boum – Die Fete“ (1980), die Sophie Marceau mit nur 13 Jahren zum internationalen Star machte. Der Song „Reality“ wird auch heute noch im Radio gespielt und hat nichts von seiner Ohrwurmqualität eingebüßt. Apropos Ohrwurm, der Film machte den Walkman zum Verkaufsschlager. Und zugleich führte der Film nicht nur zu einer Fortsetzung, sondern zu einer ganzen Reihe ähnlich gestrickter Teenager-Komödien, welche ein zentraler Aspekt der 80er Jahre waren.

Wer wie ich in einer Kleinstadt mit nur einem Kino aufwuchs, der hat sich wahrscheinlich genauso geärgert, als 1987 wochenlang eben dieses eine Kino von nur einem Film blockiert wurde: „Dirty Dancing“ (1987). Damals ging absolut nichts mehr, alle anderen Filme konnte man sich praktisch selbst malen. Patrick Swayze machte dieser Film zum Star. Davor kämpfte er in der TV-Serie „Fackeln im Sturm“ mit. Niemand weiß eigentlich, wieso „Dirty Dancing“ solch ein Erfolg wurde. Dem hauptsächlich weiblichem Publikum hat der Film gefallen – niemand hatte anscheinend gewusst, dass Swayze seit Mitte der 70er verheiratet gewesen war. Als ich den Film dann später im Fernsehen sah, fand ich ihn auch nicht so schlecht wie befürchtet, aber ein Knaller war er auch nicht.

 

 

 

Fantasmagoriana – Die wohl berühmteste Gespensteranthologie

Zwischen den Jahren 1811 und 1815 veröffentlichten die beiden Schriftsteller Friedrich Laun und Johann August Apel „Das Gespensterbuch“, eine Sammlung unheimlicher Erzählungen in fünf Bänden. Im Jahr 1812 stellte der französische Übersetzer Jean-Baptiste Benoît Eyriès daraus eine eigene Sammlung zusammen, die er unter dem Titel „Fantasmagoriana“ veröffentlichte.

Es war diese französische Ausgabe, die 1816 Lord Byron, seinem Arzt Polidori, Mary Shelley und ihrem Mann Percy Shelley in die Hände fiel, als sie sich im Sommer jenes Jahres in der Villa Diotati aufhielten. Da es mehrere Tage durchgehend regnete, vertrieb man sich die Zeit mit dem Vorlesen der unheimlichen Geschichten aus jenem Buch.

Dies führte dazu, dass die Gruppe daraus ein Spiel machte, denn jeder sollte nun eine eigene unheimliche Geschichte erfinden. Während Polidori die berühmte Erzählung „Der Vampyr“ verfasste, sollte dieses Spiel ebenfalls zur Geburt eines anderen Stücks Weltliteratur führen: zu dem Roman „Frankenstein“, der eben durch jene Geschichten inspiriert wurde.

Im Verlag Ripperger u. Kremers ist nun eben diese Anthologie, wie sie Byron, Polidori und das Ehepaar Shelley in den Händen hielten, erschienen. Neun Erzählungen beinhaltet die Sammlung, von denen „Die Bilder der Ahnen“ die Bewohner der Villa anscheinend am meisten beeindruckt hat. Darin geht es um einen unheimlichen Familienfluch, denn durch die Gemäuer eines alten Herrenhauses stampft in manchen Nächten ein Ritter. Und wenn dies geschieht, so kommt es jedes Mal zu sonderbaren Todesfällen.

Und auf diese Weise geht es weiter. In „Die Totenbraut“ verführt eine Untote junge Männer, in „Der Totenkopf“ nimmt eine Geisterbeschwörung ein fatales Ende und in „Verwandtschaft mit der Geisterwelt“ erzählt eine junge Frau von ihrer verstorbenen Schwester. Das Märchen „Stumme Liebe“ ragt dabei aus der Sammlung heraus, da es sich hierbei um eine Art fantastisches Abenteuer handelt, in dem ein Mann, der sein ganzes Erbe verprasst hat, nach einem geheimnisvollen Schatz sucht. Dennoch besitzt auch diese Geschichte ihre unheimlichen Momente und liefert sozusagen den Auftakt zu den übrigen Erzählungen.

Der Sammlung voran geht das Vorwort von Jean-Baptiste Benoît Eyriès, das hier zum ersten Mal überhaupt in einer deutschen Übersetzung vorliegt. Die Zusammenstellung bietet nicht nur kurzweilige und spannende Unterhaltung, sondern liefert zugleich einen faszinierenden Einblick in die damalige Lebenswelt. Ein sehr interessantes Nachwort von Markus Bernauer rundet das Buch ab. Wer sich also nicht nur angenehm gruseln lassen, sondern auch wissen möchte, was bei Percy Shelley damals eine regelrechte Wahnvorstellung ausgelöst hatte, der hat sicherlich viel Vergnügen mit diesem Buch.

Fantasmagoriana. Geisterbarbiere, Totenbräute und mordende Porträts. Ripperger u. Kremers 2017, 288 Seiten, 19,90 Euro, ISBN: 978-3-943999-88-4

Die Klunkerecke: Eden Log (2007)

Anspruchsvolle SF-Filme sind eher ein seltenes Vergnügen. Um so schöner ist es, wenn sich einmal wieder ein junger Regisseur daran wagt, eine Geschichte zu kreieren, die abseits des Mainstreams angesiedelt ist. Mit seinem Debüt „Eden Log“ liefert Franck Vestiel ein düsteres Zukunftsszenario, das durchaus mit der Ästhetik des französischen Comickünstlers Bilal zu vergleichen ist.

Der Film handelt von Tolbiac, der durch ein seltsames Höhlensystem kriecht. Hier und da gibt es alte, rostige Aufzüge. In verlassenen Kontrollstationen taucht immer wieder der Name Eden Log auf. Tolbiac versucht herauszufinden, was überhaupt geschehen ist und weswegen er sich in diesem unterirdischen System befindet. Dabei wird er von unheimlichen, halbmenschlichen Kreaturen gejagt, genauso wie von Wachpersonal, das nur in schweren Schutzanzügen das unterirdische Labyrinth betrtt …

Mit Sicherheit ist „Eden Log“ keine leichte Kost, sondern verlangt von dem Zuschauer große Aufmerksamkeit. Insgesamt geht der Film zum großen Teil nur in Bildern auf, indem Vestiel versucht, Dialoge soweit wie möglich zu vermeiden. Dies hat zur Folge, dass er sich voll und ganz auf die Visualisierung der Geschichte konzentriert und diese voll ausreizt.

Wie bei einem Puzzle setzen sich nach und nach die einzelnen Teile zusammen, um schließlich am Ende des Films Vestiels bizarre und erschreckende Vision als Ganzes darzustellen. Die Beleuchtung der einzelnen Szenen ist stark reduziert, so dass dadurch zugleich das Geheimnisvolle und Rätselhafte in einer beinahe klaustrophobischen Dunkelheit zum Tragen kommt.

Vestiel setzte dabei noch eines drauf, indem er eine radikale Farbreduktion durchführte, die den gesamten Film in einer Art metallisch anmutendem Schwarzweiß erscheinen lässt. Das dabei erzeugte extreme Spiel zwischen Licht und Schatten gibt dem Film den Anschein eines Comics, ja, einzelne Bilder erscheinen wie die Eins-zu-eins-Umsetzung einer sog. Graphic Novel. All dies macht „Eden Log“ zu einem sehr dichten und extrem beklemmenden SF-Film, der einem nicht so schnell aus dem Kopf geht.

Eden Log, Regie: Franck Vestiel, Drehbuch: Franck Vestiel, Pierre Boridage, Produktion: Cedric Jimenez, Darsteller: Clovis Cornilliac, Vimala Pons, Zohar Wexler, Sifan Shao, Arben Bajraktaraj, Abdelkader Dahou, Frankreich 2007, 98 Min.