Meg (2018)

Also hat es dann doch noch geklappt. Steve Alten hatte sich bereits 1996 darüber in dem Vorwort zu seinem Debutroman „Meg“ gefreut, dass Walt Disney Studios die Rechte seines Buches erworben hatten. Aber dann wurde doch nichts daraus. Die Rechte wurden an New Line Cinema weitergegeben, aber auch die konnten letztendlich mit dem Stoff nichts anfangen. Schließlich und letztendlich aber waren es Warner Bros., die aus dem Ganzen einen Film machten.

Und dies nicht einmal schlecht. Zwar bringt „Meg“ nichts wirklich Neues, doch der Film unterhält auf wunderbare Weise. Die Handlung ist dementsprechend auch schnell erzählt: Es geht darum, dass bei einer Tauchfahrt im Marianengraben ein urzeitlicher Riesenhaifisch aufgestöbert wird, der daraufhin eine Forschungsstation unsicher macht.

Wie immer ist es der traumatisierte Held, der gerufen wird und der dadurch sein Trauma überwindet, dieses Mal in Form von Jason Statham, der als Bergungsexperte eine recht gute Figur macht. Er unterstützt ein wissenschaftliches Team bei der Rettung eines Tauchboots. Und als dann der Megadolon auftaucht, sieht er sich endlich bestätigt. Denn niemand wollte ihm glauben, was er vor fünf Jahren bei der schief gegangenen Bergung eines U-Boots der US-Marine erlebt hat.

Chinesisches Filmplakat der amerikanisch-chinesischen Co-Produktion

„Meg“ ist zwar nicht das, was man als originell versteht, aber dafür ist er ein echtes Unterhaltungsbonon. Das fängt schon bei den schnellen, witzigen Dialogen an und geht weiter bis zu den Spezialeffekten und natürlich dem Riesenhaifisch. Dieser ist wirklich gut gelungen, auch wenn er gelegentlich wie eine übergroße Version von Steven Spielbergs Bruce wirkt.

Aus Steve Altens japanischen Meeresbiologen Tanaka wird in dem Film die chinesische Meeresbiologin Suyin, und zwar aus dem Grund, da der Film von China mitproduziert wurde. Der chinesische Markt ist nun mal riesig, und nachdem Südkorea noch immer Hollywood weitestgehend vor der Tür stehen lässt, ist China wahrscheinlich sogar die lukrativere Option. Jedenfalls macht Schauspielerin Li Bingbing ihre Arbeit wirklich gut – mit viel trockenem Humor bekämpft sie zusammen mit Statham das Tiefseemonster.

„Meg“ ist ein Film, an dem es nicht wirklich was zu bemängeln gibt. Er will schlicht und ergreifend unterhalten und das gelingt ihm zu 100 Prozent. Da „Meg“ das Fünffache seiner Produktionskosten eingespielt hat, ist natürlich zu befürchten, dass es eine Fortsetzung geben wird. Steve Altens Meg-Reihe umfasst bisher acht Romane. Lassen wir uns also einfach mal überraschen.

Meg (OT: The Meg). Regie: Jon Turteltaub, Drehbuch: Dean Georgaris, Jon Hoerber, Erich Hoerber, Produktion: Colin Wilson, Lorenzo di Bonaventura, Darsteller: Jason Statham, Li Bingbing, Rainn Wilson, Ruby Rose, Winston Chao, Cliff Curtis. USA/China 2018, 113 Min.

Horror de Luxe: The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchenpensionat (1973)

Sylvia Tortosa als Leherin Elke Ackermann bringt selbst die ärgsten Filmkritiker zum Schwärmen. „The Loreley’s Grasp“ (1973); © JSV

Amando de Ossorio wollte es anscheinend nochmals wissen. Berühmt geworden durch die „Reitenden Leichen“-Filme, drehte er 1973 den Horrorstreifen „The Loreley’s Grasp“, der in Deutschland den Zusatztitel „Die Bestie im Mädchenpensionat“ erhielt, um möglichst viele Zuschauer in die Bahnhofskinos zu locken.

Basierend auf Clemens Brentanos Kunstmärchen über die Lorelei, einer Nixe, die durch ihre Schönheit Männern den Tod bringt, verfasste er ein Drehbuch, in dem eben diese Nixe ein Mädchenpensionat am Rheinufer unsicher macht. Jäger Sigurd wird angeheurt, um dem Ungeheuer den Garaus zu machen. Doch ist das leichter gesagt als getan. Denn das Lorelei-Monster lässt sich nicht so leicht lumpen …

Kritiker teilen sich bis heute in genau zwei Lager, was diesen Film betrifft. Die einen halten ihn für unterirdisch schlecht, die anderen für eine vergessene Perle des Horrorfilms. Nun, irgendwie trifft bei „The Loreley’s Grasp“ beides zu. Denn der Film ist einerseits schlecht, andererseits unfreiwillig komisch und drittens wiederum wirklich gut.

Zuschauer, die sich mit dem europäischen Trash-Kino der 70er Jahre nicht auskennen, werden mit Sicherheit auch mit diesem Film nichts anfangen können. Für alle anderen aber dürfte Ossorios unbekannter Streifen eine echte Entdeckung sein. Die Optik des Films ähnelt derjenigen der „Reitenden Leichen“. Es gibt tolle, atmosphärische Aufnahmen, die an die Schilderungen klassischer Gespenstergeschichten erinnern, und dann natürlich wieder die typischen Trash-Sequenzen – für beides liebt man Ossorios Filme.

Jäger Sigurd (Tony Kendall) pirscht sich an die Lorelei (Helga Liné) heran; „The Loreley’s Grasp“ (1973); © JSV

Überraschend gelungen sind die Szenen, in denen das Ungeheuer sein Unwesen treibt. Zwar ist das Monster selbst nicht wirklich gut getroffen, doch seine Angriffe auf die Bewohner des Mädchenpensionats besitzen ein erstaunlich hohes Tempo, die Schnittfolge dabei ist großartig, sodass man gelegentlich an die Meister des italienischen Horrorkinos denken muss.

Für eher Heiterkeit sorgt Hauptdarsteller Tony Kendall, der nicht wirklich in die Rolle passt bzw. vergeblich versucht, diese darzustellen. Doch dafür sind die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnern geradezu einzigartig: sowohl im Hinblick auf ihre Darstellungsweise als auch ihr Aussehen. Silvia Tortosa spielt Elke Ackermann, die Lehrerin des Mädchenpensionats, wobei selbst die ärgsten Kritiker des Films nicht umhin konnten und können, ihre faszinierende Attraktivität zu würdigen. Nicht anders verhält es sich bei Helga Liné, welche die Wassernixe spielt.

Alles zusammen macht „The Loreley’s Grasp“ zu einem interessanten Film, der zwar nie wirklich spannend wird, aber dennoch hervorragend unterhält. Für Liebhaber des europäischen Horrorfilms ist dies mit Sicherheit eine nette Entdeckung.

The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchenpensionat (OT: Las Garras de Lorelei). Regie u. Drehbuch: Amando de Ossorio, Produkion: Ricardo Munoz Suay, Darsteller: Tony Kendall, Silvia Tortosa, Helga Liné. Spanien 1973, 85 Min.

 

J-Pop: Scandal – Das Rätsel um die gelöschten Musikvideos ist gelöst

Scandal (Tomomi Ogawa, Haruna Ono, Rina Suzuki, Mami Sasazaki) vor ihrem Konzert zum 11-jährigen Jubiläum bei Billboard Live Osaka im Jahr 2017

Mitte diesen Jahres machte die japanische Girl-Rockband Scandal zusätzlich auf sich aufmerksam, da auf einmal sämtliche Musikvideos auf Youtube und anderen Plattformen sowie sämtliche Songs bei diversen Streamingdiensten gelöscht wurden. Schnell waren Gerüchte im Umlauf, dass sich die Band trennen würde, was sicherlich ein großer Verlust für die Musikwelt gewesen wäre.

Nun gaben die Bandmitglieder bei ihrem Weihnachtskonzert am 24.12. bekannt, dass sie ein eigenes Label gegründet haben. Von nun an würden sie ihre sämtlichen Alben und Songs selbst vertreiben. Der Name des Labels lautet Her und geht Anfang kommenden Jahres an den Start.

Ein mutiger Schritt für die vier jungen Musikerinnen, die sich damit quasi aus dem Mainstream wieder verabschieden und zurück zu ihrem Urpsrung kehren. Denn hatten Scandal als Indie-Band begonnen, bevor sie von Epic/Sony unter Vertrag genommen wurden, so kehren sie nun in die Indie-Szene zurück. Das bedeutet, dass höchstwahrscheinlich auch die Musikvideos nach und nach wieder auf Youtube erscheinen werden.

So wie es aussieht, ging diesem Schritt ein langwieriger Rechtestreit voraus, schrieben an manchen Songs doch mehrere Personen, hinzu kommen eben auch die Videoclips, bei denen wiederum die Rechte bei Regisseur, Plattenfirma usw. liegen. Inzwischen scheint ein Großteil davon geregelt zu sein.

Allerdings werden sich Haruna Ono, Tomomi Ogawa, Mami Sasazaki und Rina Suzuki im Laufe der Zeit nicht nur auf den Vertrieb ihrer eigenen Werke konzentrieren, sondern nach und nach auch andere Indie-Bands unter Vertrag nehmen. Wie gesagt, ein überaus mutiger Schritt.

The 80s: Angel Heart (1987)

„Angel Heart“ wird von manchen Kritikern als einer der besten Horrorfilme bezeichnet, die jemals gedreht wurden. Obwohl der Film damals nicht den gewünschten Erfolg brachte, gilt er inzwischen als Filmklassiker.

„Angel Heart“ basiert auf dem Roman „Falling Angel“ des US-amerikanischen Drehbuchautors und Schriftstellers William Hjortsberg (1941 – 2017), der u. a. das Drehbuch für Ridley Scotts Fantasy-Film „Legend“ (1986) verfasste. Der Roman erschien bereits 1978 und seitdem arbeitete Hjortsberg die Geschichte in ein Drehbuch um, allerdings ohne jemanden zu finden, der das Skript haben wollte. Erst Alan Parker, der bereits mit Filmen wie „Fame“ (1980) oder „Pink Floyd-The Wall“ (1982) große Erfolge aufweisen konnte, zeigte sich an der Geschichte interessiert, schrieb aber das Drehbuch um.

„Angel Heart“ (übrigens Parkers einziger Horrorfilm) spielt Mitte der 50er Jahre. Der heruntergekommene Privatdetektiv Harry Angel erhält den Auftrag, nach dem Sänger Johnny Favorite zu suchen, der aus dem Zweiten Weltkrieg schwer verwundet zurückkam und seitdem verschwunden ist. Angels Auftraggeber ist der mysteriöse Louis Cyphre, der angeblich mit Johnny noch eine Rechnung offen hat. Also begibt sich Angel auf die suche nach dem verschwundenen Sänger. Doch dabei kommt es zu einer Reihe brutaler Morde …

Alan Parkers Meisterwerk packt den Zuschauer von der ersten Sekunde an, in der die Kamera eine düstere Seitenstraße entlangfährt. Von Anfang an stimmt die bedrohlich-mysteriöse Atmosphäre. Und von Anfang an spielt Mickey Rourke die Rolle des Harry Angel mit so viel Kraft und Energie, dass er den Film richtiggehend beherrscht. Doch auch Robert de Niro als ominöser Auftraggeber überzeugt. Die unterschwellige Bedrohlichkeit, die von seiner Figur ausgeht, bereitet einem auch nach mehrmaligem Sehen eine wahre Gänsehaut.

Die Mischung aus Hard-Boiled-Krimi und Horror geht in „Angel Heart“ perfekt auf. Der Film schwankt zwischen der Coolness eines Philip Marlow, der Brutalität und Rohheit eines Jim Thomson-Romans und unheimlichen Horrorelementen, was zu einer packenden Dichte führt, der man sich absolut nicht entziehen kann.Trotz dieser meisterhaften Inszenierung, erregte der Film Bedenken bei der Altersfreigabe. Aufgrund der ziemlich gewagten Sexszene gegen Ende des Films wollte man den Film nur für Erwachsene freigeben. Daher musste Alan Parker diese Szene um mehrere Sekunde kürzen, um eine Freigabe „ab 16“ zu erhalten. Erst später wurde die Szene wieder komplettiert.

Für die Schauspielerin Lisa Bonet hatte dies dennoch Konsquenzen. Denn aufgrund dieser Szene wurde sie aus der damals beliebten „Bing Crosby Show“ geworfen, da man ihre Darstellung als extrem skandalös betrachtete.

„Angel Heart“ ist einer der Filme, die man gesehen haben muss. Ein echtes Meisterwerk und ein großartiger Horrorthriller.

Angel Heart. Regie u. Drehbuch: Alan Parker, Produktion: Mario Kassar, Darsteller: Mickey Rourke, Robert de Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling. USA 1987, 113 Min.

 

Die Klunkerecke: Die Körperfresser kommen (1978)

Eigentlich gilt stets folgende Regel: Ein Remake ist schlechter als das Original. Und es wäre keine Regel, wenn es da keine Ausnahme gäbe. Eine solche ist der SF-Thriller „Die Körperfresser kommen“, das sowohl Remake des Films von 1956, als auch eine Neuadaption des gleichnamigen Romans von Jack Finney (erschienen 1955) ist.

Der Film von Don Siegel gilt als Inbegriff des Paranoia-Kinos. Wie kein anderer Film stellt er die Angst vor einer ideologischen Unterwanderung der USA dar, die damals vorherrschte. 1978 nahm sich dann Philip Kaufman des Stoffes an, um dadurch die heimtückische Invasion ein zweites Mal auf die USA loszulassen.

Dieses Mal betrifft es San Francisco. Aus dem Psychiater Peter Benell wurde ein Inspektor der Gesundheitsbehörde, der es auf einmal mit sonderbaren Zwischenfällen zu tun hat. Seine Mitarbeiterin Elizabeth behauptet, dass ihr Mann nicht mehr ihr Mann sei. Diese Wahnvorstellung scheint gerade in Sa Francisco zu grassieren. Denn immer mehr Menschen leiden unter der Angst, dass ihre Angehörigen sich plötzlich völlig anders verhalten. Nach und nach kommt Bennell dabei auf die Spur einer außerirdischen Invasion.

„Die Körperfresser kommen“ reicht nicht nur an den Originalfilm heran, sondern übertrifft ihn sogar teilweise. Mit einer unglaublich tollen Optik, bei der zwischendurch immer mal wieder zur wackeligen Handkamera gegriffen wird, überträgt Philip Kaufmann Jack Finneys Klassiker von der Moderne in die Postmoderne, ohne dabei Federn zu lassen. Natürlich dürfen dabei auch nicht die Anspielungen auf den Originalfilm fehlen. Als kleine Gag rennt daher Kevin Mc Carthy, der 1956 Bennell gespielt hat, wieder warnend durch die Straßen.

Aufbau der Spannung, die sich sich entwickelnde Handlung – alles wie aus dem Lehrbuch und darüber hinaus, denn „Die Körperfresser kommen“ wirkt gelegentlich wie heutige Zombiefilme, was wahrscheinlich daran liegt, dass sich heutige Regisseure eben an diesem Meisterwerk orientieren.

Und dennoch floppte der Film damals an den Kinokassen. Die Post-Hippie-Ära war wohl an Paranoia-Themen nicht sonderlich interessiert. In der Tat passt der Film thematisch besser in unsere Zeit, in der durch zunehmende Entfremdungsprozesse die Angst vor dem Anderen zunimmt. Ein genialer Film, ein Meisterwerk.

Die Körperfresser kommen (OT: Invasion of the Bodysnatchers). Regie: Philip Kaufmann, Drehbuch: W. D. Richter, Produktion: Robert H. Solo, Darsteller: Donald Sutherland, Brooke Adams, Leonard Nimoy, Jeff Goldblum, Veronica Cartwright. USA 1978, 113 Min.

Erschienen: Prähuman 14 – Der Schrecken von Mount Nock

Seit Jahren hat Frederic Tubb nichts mehr von seiner früheren Freundin Elsa Juran gehört. Und als sie völlig unerwartet nach London kommt, ahnt er nicht, auf was er sich da einlässt. Elsas Mann Laszlo ist spurlos verschwunden. Seit Jahren beschäftigte er sich mit dem Rätsel einer vor Schottland liegenden Insel, die nie besiedelt wurde. Unheimliche Gerüchte ranken sich darum – und um Mount Nock, der die Form eines Haifischzahns besitzt. Seit Laszlo sich auf den Weg dorthin gemacht hat, hat Elsa nichts mehr von ihm gehört. Kurzerhand beschließt Tubb, ihr bei der Suche ihres Mannes zu helfen. Als er zusammen mit seinem Team die Insel betritt, ist dies für ihn, Maki Asakawa und Hans Schmeißer der Beginn eines genauso unglaublichen wie gefährlichen Abenteuers …

Auch der 14. Band der e-Book-Serie „Prähuman“ bleibt ihrem Stil treu: Eine überaus spannende Handlung, Action, skurriler Humor und jede Menge origineller Ideen. Und dennoch schafft es Carl Denning, sich nicht zu wiederholen – ebenfalls ein Markenzeichen dieser außergewöhnlichen Serie. Denn jeder Band ist anders als der vorangegangene. – Ging es z.B. in Band 13 um eine seltsame Mordserie in London, so geht es hier um das Geheimnis einer mysteriösen Insel.

Band 14 liest sich in dieser Hinsicht wie eine Mischung aus klassischem Abenteuerroman und unheimlichem Thriller. Bis zum Finale lässt es Denning offen, was das Geheimnis von Mount Nock ist. Dies erhöht die Spannung der rasanten Geschichte ungemein und macht Lust auf die Bände, die hoffentlich noch folgen werden.

Die himmlische Tafel – Donald Ray Pollocks USA-Satire

Die himmlische Tafel von Donald Ray Pollock erhielt 2017 den Deutschen Krimi Preis. Etwas, das durchaus stutzig macht, ist doch Pollocks Roman eigentlich kein Krimi, sondern viel eher eine bitterböse Abrechnung auf den aktuellen Zustand der USA.

Zwar verlegt Pollock die Handlung ins Jahr 1917, doch sein Spott richtet sich eindeutig auf die Trump-Ära. Es geht um die drei Brüder Cane, Chimney und Cob, die sich auf eine Irrfahrt durch die USA begeben, nachdem ihr streng religiöser Vater gestorben ist. Das einzige Buch, das sie kennen, ist der Schundroman „Bloody Bill Buckett“ über einen kriminellen Revolverhelden, den sich die drei als Vorbild nehmen. Und so reiten sie schießend und raubend durch die USA, um sich ihren Traum zu verwirklichen: ein angenehmes Leben in Kanada zu führen …

Während sich die erste Hälfte des Romans doch eher zieht, ist die zweite Hälfte dafür umso witziger und spannender. Zwar bleibt auch hier die Frage bestehen, aus welchem Grund der Roman in Deutschland als Krimi bewertet wurde, doch tut das eigentlich nichts weiter zur Sache. Pollock konzentriert sich in Die himmlische Tafel nicht allein auf die Jewett-Brüder, auf die hinterhältige Kopfgeldjäger und andere Leute, die sich die Belohnung erhoffen, Jagd machen. Er liefert vielmehr ein Allgemeinbild der USA ab, ein satirisches Bild, in dem er keinen einzigen seiner Protagonisten gut wegkommen lässt.

Für Pollock besteht die USA in der Hauptsache aus degenerierten Vollidioten, die nur dem Geld hinterherlaufen, keine Bildung haben und sich im wahrsten Sinne des Wortes im Dreck suhlen. Wie gesagt, verlegt er seine Geschichte in das Jahr 1917, kurz nachdem die USA in den Ersten Weltkrieg eingetreten ist, doch hält er damit der Gegenwart einen Spiegel vor.

Denn ausgerechnet die Jewett-Bande möchte sich bessern und ein normales Leben führen, während um sie herum die Gesellschaft moralisch auseinanderbricht. Sie reiten durch einen gesellschaftlichen Scherbenhaufen, in dem jeder nur noch an sich selbst denkt. Pollock beschreibt, was passiert, wenn in einer Gesellschaft vollkommener Idiotismus herrscht. Und im Grunde genommen scheinen wir ja wirklich im Zeitalter des Idiotismus zu leben. Pollock hat mit Die himmlische Tafel dieser traurigen Tatsache ein Denkmal errichtet. Kein Krimi, aber ein überaus lesenswerter Roman.

The 80s: Die Goonies (1985)

In den 80er Jahren entdeckte Hollywood das junge Publikum für sich. Die meisten Filme waren nicht mehr „ab 16“ freigegeben, sondern schon für Kinder ab sechs oder ab zwölf Jahren. Einer der erfolgreichsten Filme war „Die Goonies“ aus dem Jahr 1985.

Die Goonies sind eine Gruppe von Freunden, die alle dasselbe Problem haben: ihre Häuser sollen einem Golfplatz für Reiche weichen. Schon am nächsten Tag müssen sie ausziehen. Doch wie es der Zufall will, findet Michael auf dem Dachboden eine alte Schatzkarte. Noch besser: Der Schatz soll irgendwo in der Nähe vergraben sein. Kurzerhand machen sich er und seine Freunde daran, den Schatz zu suchen, wobei sie nicht nur allerhand Gefahren überstehen müssen, sondern auch noch von einer Gangsterfamilie gejagt werden.

Die Idee für den Film stammte von Steven Spielberg, der „The Goonies“ dann auch produzierte. Das Drehbuch verfasste Chris Columbus, der u. a. auch das Drehbuch zu „Gremlins“ verfasste, und Regie führte Richard Donner, der sich mit Actionfilmen bestens auskannte. Die Grundidee des Films klingt wie eine Anlehnung an klassische Kinderbücher. Und anfangs funktioniert der Film auch genau auf diese Weise.

Dann aber wandelt sich der Film um in eine Aneinanderreihung hektischer Actionsquenzen, in denen die Kinder nur noch am Schreien sind und das geht dann teilweise doch ziemlich auf die Nerven. Gut gemacht ist der Film dennoch. Insgesamt wirkt „Die Goonies“ wie eine Art „Indiana Jones“ für Kinder oder besser mit Kindern. So fehlen auch nicht jede Menge fieser Fallen, die der einäugige Pirat Willie in einem unterirdischen Labyrinth angebracht hat.

Auf diese Weise rast die Handlung regelrecht voran, wobei sie allerdings immer am Rand der Eintönigkeit kratzt. Viel nimmt man von dem Film daher auch nicht mit. Spaß aber macht er trotzdem.

Die Goonies (OT: The Goonies). Regie: Richard Donner, Drehbuch: Chris Columbus, Produktion: Steven Spielberg, Darsteller: Sean Astin, Josh Brolin, Jeff Cohen, Corey Feldman, Kerri Green, Martha Plimpton, Jonathan Ke Quan, John Matuszak, Anne Ramsey. USA 1985, 114 Min.

 

Tag der Heuschrecke – Nathanael Wests Abrechnung mit Hollywood

Cover der deutschen Neuübersetzung

Nathanael Wests Roman „Tag der Heuschrecke“ („The Day of the Locust“) aus dem Jahr 1939 gilt bis heute als einer der besten Romane über Hollywood. West hatte selbst erfolglos als Drehbuchautor gearbeitet und daher das Leben hinter den Kulissen aus erster Hand miterlebt.

In seinem Roman geht es nicht um cholerische Produzenten oder notgeile Regisseure, sondern um die Menschen, deren Träume schlicht und ergreifend zerplatzt sind. Um diejeningen also, die vergeblich versuchen, Erfolg zu haben.

Im Zentrum des Romans steht der Künstler Tod Hackett, der Kostüme und Hintergrundbilder für Filme entwickelt. Gleich zu Anfang musste er einsehen, dass Kunst in Hollywood nichts zählt. Daher arbeitet er in seiner Freizeit an einem riesigen Gemälde mit dem Titel „Der Brand von Los Angeles“. Im selben Wohnhaus lebt auch Fay Greener zusammen mit ihrem Vater Harry, einem völlig heruntergekommenen Variete-Künstler. Um Fay, die nichts anderes als Schauspielerin werden möchte, bemühen sich die skurrilsten Kerle. Natürlich auch Tod. Doch als der überaus schüchterne Homer Simpson auftaucht, nutzt sie diesen gnadenlos aus …

Cover der Originalausgabe von 1939

Ja, richtig, Homer Simpson. In der Tat entlehnte „Simpsons“-Erfinder Matt Groening den Namen seiner berühmten Figur aus Nathanael Wests Roman. Doch Wests letzte Veröffentlichung war alles andere als erfolgreich. Erst Mitte der 50er Jahre wurde die Bedeutung seiner Werke erkannt. Heutzutage zählt Nathanael West (1903 – 1940) zu den wichtigsten Autoren der US-amerikanischen Literatur.

„Der Tag der Heuschrecke“ ist ein überaus düsteres Buch. Es geht um Menschen, die auf ganzer Linie gescheitert sind, die sich auch keine Hoffnung mehr auf bessere Zeiten machen, sondern sich mit ihren geplatzten Träumen irgendwie abfinden. Da ist der Cowboy-Darsteller Earl, der nichts auf die Reihe bekommt und mit seinem mexikanischen Freund Hahnenkämpfe veranstaltet, um über die Runden zu kommen. Fay, die es nicht einmal bis zur Komparsin schafft, ihren Tagträumen nachhängt, sich dennoch aufführt wie eine Diva, in Wirklichkeit aber auf den Strich geht. Dann ist da noch der „Zwerg“ Abe Kunich, ein kleinwüchsiger Halbkrimineller, der sich allen aufdrängt. Oder der bereits erwähnte Vater Fays, der als drittklassiger Variete-Künstler auftrat und nun Putzmittel verkauft. Nur Homer Simpson hat eigentlich mit Hollywood nichts zu tun. Er kommt nach Los Angeles, um sich von einer Krankheit zu erholen. Unglücklicherweise begegnet er der hübschen Fay, die zu seinem düsteren Schicksal wird.

Nathanael West (1903 – 1940)

Nathanael Wests letzter Roman geht einem so leicht nicht mehr aus dem Kopf. Mit bitterem Spott macht er sich über seine Mitmenschen lustig und wirkt dabei erschreckend aktuell. Besonders, als er die dumpfe Masse schreiender Fans beschreibt, die auf einen großen Hollywood-Star warten, möchte man nicht meinen, dass der Roman vor fast 80 Jahren erschienen ist. Hier liefert West das Bild einer Gesellschaft ab, deren Mitglieder in eine Mediensucht fliehen, um ihren stupiden Alltag zu ertragen.

Nathanael West starb ein Jahr nach Veröffentlichung des Romans zusammen mit seiner Frau bei einem schweren Autounfall. 1975 wurde das Buch von John Schlesinger verfilmt, und David Bowie zählte den Roman zu seinen Lieblingsbüchern. Ein großartiger Roman, ein Klassiker eben.

Winna – Weg der Seelen (2015)

Mit über 14000 Zuschauern zählt „Winna – Weg der Seelen“ zu den erfolgreichsten Dokumentarfilmen aus der Schweiz. Im Jahr 2015 erreichte er Platz 15 der Kinocharts. Erstaunlich, wenn man berücksichtigt, um was es darin geht: um Geister- bzw. Aberglaube im Oberwallis.

Dennoch scheint die Regisseurin Fabienne Mathier damit einen Nerv getroffen zu haben. Der Erfolg des Films spricht jedenfalls für sich. Und, um es gleich vorwegzunehmen, der Erfolg ist mehr als nur berechtigt. Denn interessanter und faszinierender kann ein Dokumentarfilm kaum sein.

Fabienne Mathier interviewte alte Leute, die noch die Legenden und Berichte über den Gratzug kennen: Arme Seelen, die auf einem bestimmten Weg durch die Alpen wandern. Manche wollen diesen Gespenstermarsch mit eigenen Augen gesehen haben. Andere zeigen den Weg, den die Armen Seelen nehmen, auf einer Karte.

Parallel zu diesem allgemeinen Geisterglauben sprach die Regisseurin auch mit Menschen, die behaupten, selbst Geister gesehen zu haben oder sogar mit Geistern in Kontakt zu stehen. Eine ältere Frau ist fest davon überzeugt, mit ihrem verstorbenen Ehemann in Kontakt zu stehen,  eine andere Bewohnerin eines Dorfes im Oberwallis glaubt, dass ihr verstorbener Sohn immer wieder die Lampe im Wohnzimmer ein- und ausschaltet. Dann erzählt eine alleinstehende Frau von einem Poltergeist, der sie seit zehn Jahren plagt, und eine Art Schamanin oder Medium berichtet davon, wie sie den Geistern hilft, ins Licht zu finden.

Fabienne Mathier geht völlig objektiv an das Thema heran. Sie lässt die Menschen erzählen, ohne ihre Berichte oder ihre Überzeugungen zu kommentieren. Und genau dieser Punkt macht den Film zu etwas Besonderem. Hier werden nicht Leute vorgeführt, sondern ihre Wünsche, Hoffnungen und ihre Erfahrungen ernst genommen. Kein Parapsychologe, der seinen Senf dazu gibt, sondern es bleibt dem Zuschauer überlassen, was er davon hält.

Dieser Aspekt offenbart sich auch in der Schülerin Sarina, die Informationen über diese alten Legenden und Berichte einholen soll. Sie nimmt das, was sie erzählt bekommt, ernst, macht sich nicht über die Leute lustig, sondern ist interessiert an den teils unheimlichen Geschehnissen, die sich früher einmal ereignet haben sollen.

Zusammen mit Dorfbewohnern sucht sie ein Beinhaus auf, geht die Wege entlang, an denen sich der Gratzug gezeigt haben soll. Immer wieder gelingen Fabienne Mathier dabei grandiose Aufnahmen der Berglandschaft und der eingeschneiten Dörfer.

„Winna – Der Weg der Seelen“ ist ein einzigartiger, ein wunderbarer Dokumentarfilm, der auch nach mehrmaligem Ansehen nichts von seiner Faszination verliert.

Winna – Der Weg der Seelen. Regie u. Produktion: Fabienne Mathier. Schweiz 2015, 83 Min.