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Archive for Juli 2015

lustschlossEin Mann begegnet in der Nacht einer schönen Frau. Schnell stellt sich heraus, dass sie auf der Flucht ist vor Leuten mit sonderbaren Tiermasken.- So beginnt einer der wohl faszinierendsten Filme des Meisters Jean Rollin (1938-2010), der bekannt war für seine surrealen Werke.

Die Spur des Geheimnisses um die Frau führt Pierre zu einem abgelegenen Haus, in dem sich allabendlich Leute aus ganz Paris treffen. Hinein aber kommt nur, wer eine Einladungskarte vorweisen kann. Pierre verschafft sich diese auf unrühmliche Weise. Und statt der erhofften Antwort auf seine unausgesprochene Frage, stößt er auf weitere Rätsel.

„La Vampire Nue“ aus dem Jahr 1970 ist ein filmisches Kunstwerk. Rollin pfeift auf den Mainstream, er pfeift auf die bisherigen Darstellungen von Vampiren im Kino. Vielmehr schafft er seine eigene Welt voller Sinnlichkeit, Rätsel und theatralischen Toden.

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Die Frau auf der Flucht vor den Maskenleuten.

Jean Rollin war stets bekannt für seine fast schon statischen Kameraeinstellungen. Doch schuf er damit alles andere als Langeweile. Seine Bildkompositionen sind geradezu exquisit, vermitteln Schönheit, Unheimliches und Mysteriöses in einem. In dem Prolog des Films, in dem Pierre – untermalt von psychedelischer Musik – zum ersten Mal der rätselhaften Frau begegnet, treffen unterschiedliche Tempi aufeinander, die von absolutem Stillstand bis zu Szenen reichen, in denen Pierre verzweifelt vor den Maskenleuten flieht. Zwischendurch eine Verneigung vor dem Horrorkino der 30er und 40er Jahre, in dem lang gezogene Schatten über kahle Hausfassaden schleichen.

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Der Anführer der Maskenleute.

In Deutschland erhielt der Film, der übrigens Rollins erster Farbfilm war, den schön trashigen Titel „Das Lustschloss der grausamen Vampire“. Ähnlich wie Mario Bava bewies Rollin, dass Trash eine besondere Form der Kunst darstellt. Sei es die spezielle Farbgebung, die kunstvollen Einstellungen oder die teils natürlichen Kulissen, Jean Rollin bringt den Zuschauer dazu, in eine Art Trance zu verfallen, in einen Rausch, in dem er sich den traumartigen Bildern vollkommen hingibt.

Das Interessante ist, dass der Film aufgrund seiner teils langsamen Einstellungen keinesfalls langweilig oder öde wird. Rollin gelingt es, genau dadurch eine intensive Dichte und Spannung aufzubauen. Der Schluss des Films ist ein Sinnbild für die sozialen Bewegungen der damaligen Zeit. Hier konfrontiert er kapitalistische Geldgier mit einer alternativen Lebenswelt.

Jean Rollin schrieb und drehte bis zu seinem Todesjahr 2010 weitere Filme. Zwischendurch musste er sich mit Auftragsarbeiten im Softpornobereich über Wasser halten. „La Vampire Nue“ ist und bleibt einer seiner besten Filme.

Bei den Szenenfotos handelt es sich um Screenshots, die dazu dienen, den Inhalt des Textes zu veranschaulichen. Copyright by X Gabu.

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technokratieVor kurzer Zeit wurde ein Buch veröffentlicht, das sich mit dem Thema Medien in japanischen Horrorfilmen beschäftigt. Das hat uns von FILM und BUCH natürlich neugierig gemacht, da einer unserer Schwerpunkte K- und J-Horror ist.

Autor ist Lars Robert Krautschick, der über dieses Thema seine Dissertation verfasste. Die Fragestellung ist durchaus interessant und wichtig, spielen doch in manchen J-Horrorfilmen Handys, Telefone, Fernseher und auch das Internet eine zentrale Rolle. „Ring“ (1998) machte hierbei den Anfang. Krautschick untersucht nun, auf welche Weise die jeweiligen Medien in den Filmen dargestellt werden. Hierzu nahm er sich drei Filme vor: „Ring“, „One missed Call“ (2003) und „Kairo“ (2001).

Seine Darstellung umfasst als jeweiligen „Vorspann“ einen Überblick über die historischen Entwicklungen der jeweiligen Medien (im Westen, nicht in Japan), bevor er sie in den oben genannten Filmen analysiert. Originell ist hierbei, dass er zusätzlich parapsychologische Fachliteratur hinzuzieht, in denen dieselben Medien (Telefon, Fernseher, Internet) auf ihre Heimsuchungsqualitäten untersucht werden.  In den Filmen sucht er nach Parallelen zu diesen Aspekten und findet diese auch, wie etwa im Weißen Rauschen, das in „Ring“ stets die Geisterfrau Sadako ankündigt.

So gesehen macht dies die Analyse durchaus spannend. Allerdings finden sich in Krautschicks Buch auch weniger gute Aspekte. An einer Stelle, in der er kurz auf die US-Remakes eingeht, lässt er sämtliche asiatische Horrorfilme unter der Bezeichnung J-Horror erscheinen –  also auch Horrorfilme aus Südkorea und Thailand. J-Horror ist jedoch kein Überbegriff für asiatische Horrorfilme, sondern bezieht sich eben nur auf den modernen japanischen Horrorfilm, der Ende der 90er Jahr entstand. Urbane Legenden an einer anderen Stelle als urbane Märchen zu bezeichnen, ist ebenfalls weniger gelungen. Bei dieser oralen Narrationsform handelt es sich um moderne Legenden, die vor allem an Unis, Schulen oder in Feriencamps weiter erzählt werden, keinesfalls um Märchen.

Obwohl das Buch ein interessantes Thema bearbeitet, fehlen an vielen Stellen soziokulturelle Hintergründe. Zum großen Teil bleibt offen, was genau diese Medien im sozialen und kulturellen Kontext (Japans) unheimlich macht. Der Bezug auf parapsychologische Artikel, so faszinierend dieser auch ist, ist hierbei zu wenig. Beim Thema Telefon macht sich Krautschick auf einer psychologischen Ebene darüber Gedanken, auf welche Weise dieses mit dem Thema Angst in Verbindung steht. Beim Handy wird dies schon eher vage und beim Internet ebenfalls. Auch fehlen Einblicke in die japanische Gesellschaft, die seine Ergebnisse untermauern könnten. Zwar gibt es hier und da kleinere Einschübe, doch sind diese recht oberflächlich. Hier hätte sich der Autor mehr Mühe machen müssen, da sein Buch nun einmal von japanischen Filmen handelt und man diese nur ganz verstehen kann, wenn man die jeweiligen soziokulturellen Hintergründe kennt.

Doch im Hinblick darauf, wie die jeweiligen Medien in J-Horrorfilmen zur Geltung kommen, wie sie filmisch dargestellt werden, um ihnen einen unheimlichen Touch zu verleihen, liefert das Buch durchaus interessante Informationen.

Lars Robert Krautschick: Gespenster der Technokratie. Medienreflexionen im Horrorfilm. Bertz + Fischer 2015, 314 Seiten, 25 Euro, ISBN: 978-3-86505-390-9.

 

 

 

 

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frau in schwarz 2Fortsetzungsfilme haben immer ein Problem. Sie stehen im Schatten ihres Vorgängers. Besonders schwer hatte es das Sequel zu dem viel gelobten „Die Frau in Schwarz“. Das Original ist ein gut gemachter Geisterhausfilm, der nochmals die gesamte Bandbreite der Ästhetik der Hammer Studios ins Leben ruft. Und Teil 2? Die bisherigen Kritiken gehen weit auseinander.

In dem Sequel steht erneut das unheimliche Haus im Mittelpunkt. Man schreibt das Jahr 1941. Eine Gruppe Waisenkinder wird aus London gebracht, um in dem Haus dem Alltag des Krieges zu entkommen. Unter den Kindern ist auch Edward, der seit dem Tod seiner Eltern kein Wort mehr gesprochen hat. Während es in dem Haus zu immer mehr unheimlichen Zwischenfällen kommt, gerät Edward zunehmend in den Bann der Frau in Schwarz.

Was die Kulissen und die Atmosphäre betrifft, so zieht der Film erneut alle Register der Hammer-Ästhetik. Das herrlich unheimliche Haus, die schiefen Bäume, alles in sehr düsteren, fast schon bedrückenden Farben gehalten. Licht ist in „Die Frau in Schwarz 2“ überhaupt Mangelware. Sehr viele Szenen sind extrem dunkel gehalten, vielleicht sogar etwas zu dunkel, was den Aktionen im Film gelegentlich nicht gerade gut tut. Dennoch bemüht sich Tom Harper um eine sorgfältige Inszenierung, in denen vor allem die langsamen Kamerafahrten hervorstechen, welche für eine gewisse Anspannung sorgen. Um den Film einen leicht anderen Touch als seinem Vorgänger zu verleihen, setzte man hier mehr auf Schockeffekte.

Das eindeutige Problem an dem Film ist die Hintergrundgeschichte. Es wird nicht versucht, dem unheimlichen Drama einen interessanten Zusatz zu verleihen, der auch Zuschauer verblüfft, die den Originalfilm kennen. Im Gegenteil, man klammert sich an die Vorlage fest und gibt sie genauso wieder wie bekannt, was dazu führt, dass die Suche nach der Auflösung des Geheimnisses um das Haus überflüssig wird. Wieso nicht versucht wurde, diese Story weiterzuspinnen, ihr ein paar neue Aspekte zu verleihen, bleibt rätselhaft. Denn der Film verliert dadurch eindeutig an Spannung.

Dennoch hat Teil 2 ein paar schön schaurige Szenen vorzuweisen. Besonders diejenige, in der sich die Erzieherin Eve am nebligen Strand wieder findet, wobei das Heulen der Geister um sie herum tobt, ist ein sehr schönes Beispiel klassischen Grusels. Insgesamt aber reicht Teil 2 nicht an den Originalfilm heran.

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Tatsächlich ist dies hier der 200. Beitrag auf FILM und BUCH. Es ist kaum zu glauben, doch dieses Jahr ist eindeutig Jubiläum angesagt bei FILM und BUCH. Denn wir feiern ja nicht nur den 200. Beitrag, sondern im Frühling hatten wir bereits die 10. Ausgabe veröffentlicht und 3 Jahre FILM und BUCH hinter uns gebracht.

NeuesFilmundBuchLogoSeit wir mit dem eMagazin begonnen haben, beschäftigen wir uns mit allem, was irgendwie mit den Themen Film und Buch zu tun hat. Daran hat sich nach 200 Beiträgen kaum etwas geändert. Noch immer verfolgen wir die Entwicklung des koreanischen Kinos – und sehen dabei zurzeit leider keine wirklich positiven Trends. Zwar werden die Filme optisch immer besser und können längst mit Hollywood mithalten, doch was fehlt, sind gut durchdachte und vor allem interessante Stories. Es wird weiterhin unsere Reihe über K-Pop-Videos geben. Zwischendrin werden wir auch immer wieder Rezensionen veröffentlichen.

beachgirls and the monste1rWas neu ist, ist unsere Rubrik „Die Klunkerecke„, in der wir uns mit alten, teils vergessenen und neueren Trash-Perlen beschäftigen. Auf die Idee kamen wir, da die bisherigen Artikel über Trash-Filme aus den 60ern ohne Zusammenhang auf dem Blog herumlagen. Diese finden sich nun ebenfalls in der neuen Rubrik. Den offiziellen Anfang machte der Artikel über den Film „Teenage Zombies“, der zu den 50 schlechtesten Filmen zählt, die jemals gedreht wurden. Es wird noch eine Menge weiterer interessanter Entdeckungen und Wiederentdeckungen geben. Ihr dürft also gespannt sein.

Seit dem 100. Beitrag hat sich der Artikel über den koreanischen Klassiker „Das Hausmädchen“ auf Rang eins hochgeschoben. Dies liegt bzw. lag vor allem daran, da der Film, ein Jahr nachdem wir darüber berichtet haben, auf Arte gezeigt und dabei auf großes Interesse gestoßen ist. Interessant ist auch, dass plötzlich der Artikel über den jetzigen Zustand von J-Horror häufig aufgerufen wird. Für längere Zeit interessierte sich kaum jemand dafür. Als Dauerbrenner gelten weiterhin die Artikel über die „Kameliendame“ und über die Novelle „Monte Verita“ von Daphne du Maurier.

So, und das war’s auch schon. Schon bald gibt es den 201. Artikel. Und spätestens beim 300. Beitrag lest ihr so etwas wie gerade eben wieder.

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virtualityBereits fünf Jahre vor „Interstellar“ hatte man mit „Virtuality“ die Idee einer Weltraumodyssee, auf der nach einem bewohnbaren Planeten für die Menschheit gesucht werden soll. Allerdings setzte man andere Schwerpunkte als in dem oben genannten Film. Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass „Virtuality“ fürs Fernsehen produziert wurde. Es handelte sich dabei um den Pilotfilm einer TV-Serie, die jedoch nicht realisiert wurde. Also strahlte man den Film als eigenständige Produktion aus.

Es geht darin um die Besatzung der Phaeton auf der Reise in ein anderes Sonnensystem. Um soziale Konflikte auf dieser langen Reise zu verhindern, steht der Crew neueste Technologie zur Verfügung, mit der sie in virtuelle Realitäten eintauchen kann. Zudem wird der Alltag an Bord als Reality-Soap wöchentlich im Fernsehen ausgestrahlt. Doch plötzlich kommt es zu eigenartigen Fehlern im Bordprogramm.

Für einen Fernsehfilm ist „Virtuality“ durchaus hochwertig. Regisseur Peter Berg liefert kein Weltraumgeballer ab, sondern setzt auf ein mögliches Zukunftsszenario. Da die Welt durch zunehmende Naturkatastrophen immer unbewohnbarer wird, ist das Weiterleben der Menschheit abhängig vom Erfolg der Mission. Die zwölf Mitglieder der Besatzung können unterschiedlicher nicht sein. Vom bärbeißigen Ersatzkommandanten über eine Ex-Marine bis hin zu einem Medienspezialisten und Psychologen ist alles dabei. Trotzdem es die Möglichkeit zum Abreagieren mithilfe der virtuellen Realität gibt, entstehen dennoch immer wieder Streitigkeiten an Bord. Die Situation ist also im gewissen Sinne angespannt, besonders dadurch, da niemand so recht weiß, was sie auf der Mission erwartet.

Schauspielerisch ist diese Extremsituation sehr gut umgesetzt. Auch das eigentliche Problem mit der fehlerhaften Technik wird recht gut in die Handlung eingewoben: zunächst als eine einfache Bemerkung, schließlich zu einer lebensbedrohlichen Tatsache. Die Thrilleraspekte werden nicht als Schockmomente präsentiert, sondern wirken teilweise unterschwellig, bauen sich dadurch langsam auf und sorgen für eine dichte und bedrohliche Atmosphäre.
„Virtuality“ ist weit davon entfernt, Filme wie „Alien“ oder „Event Horizon“ nachzuahmen. Peter Berg versucht, sein eigenes Konzept durchzuführen, wobei er auf Zitate völlig verzichtet. Dies ist einerseits schade, andererseits aber sorgt dies für den notwendigen rationalen Hintergrund, durch welche die Idee funktioniert.

Trotz Pilotfilmkonzept, schafft es der Film, größtenteils für sich zu stehen. Die Handlung ist kurzweilig und spannend und Peter Berg sorgt zudem für eine hervorragende Regie. Das Resultat ist ein durchaus interessanter SF-Film.

Virtuality – Killer im System, Regie, Produktion: Peter Berg, Drehbuch: Ronald D. Moore, Darsteller: Nikolaj Coster-Waldau, Kerry Bishè, Joy Bryant, Jimmy Simpson. USA 2009, Laufzeit: 98 Min.

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teenagezombiesDie Rolle des Mad Scientist war und ist im Normalfall Männern vorbehalten. Nicht so bei dem Trashfilm „Teenage Zombies“ aus dem Jahr 1959. Dort ist es überraschenderweise eine Frau, die die Bewohner der USA in willenlose Zombies verwandeln möchte.

Ihr Name lautet Dr. Myra und ihr Wohnort ist eine einsame Insel vor der Küste eines kleinen Ortes. Die Freunde Rag, Skip, Julie und Pam beschließen eines Tages, die Insel aufzusuchen, die als unbewohnt gilt. Überrascht stellen sie aber fest, dass es dort eine Reihe von Gebäuden gibt. Und schließlich beobachten sie eine Gruppe seltsamer Menschen, die einen Weg entlang zu einem Feld wanken. Angeführt wird diese Gruppe von einer Frau, die sich später, als die Freunde an ihre Haustür klopfen, als Dr. Myra herausstellt. Schnell werden die vier Teenager zu Gefangenen der Wissenschaftlerin, die ein Gas entwickelt hat, das jedes Wesen, das es einatmet, in einen Zombie transformiert. So einen wilden Affen, der dann am Ende des Films nochmals einen kurzen Auftritt hat, und zwischendurch auch Julie und Pam. Rag und Skip versuchen, ihre Freundinnen zu befreien und zugleich Dr. Myra das Handwerk zu legen.

teenagezombies1Bei den Dreharbeiten setzte man zum großen Teil auf natürliche bzw. echte Kulissen. So muss als Labor von Dr. Myra ein Einfamilienhaus herhalten. Wenn die Teenies das Haus von Dr. Myra betreten, so landen sie als erstes in der Küche mit Blümchentapete. Als Labor diente wahrscheinlich eine einfache Lagerhalle, möglicherweise aber auch dasselbe Haus. Am gelungensten aber ist die Polizeistation: eine Bretterwand mit einem kleinen, rechteckigen Fenster darin, hinter der ein Officer sitzt.

teenagezombies2Regisseur Jerry Warren schafft es dennoch, die Handlung interessant und irgendwie spannend zu erzählen. Dies vor allem dadurch, da Warren auf Schnelligkeit setzt. Er hält sich nicht lange bei einer einzigen Situation auf, sondern jagt von einer Sequenz zur nächsten. Höhepunkt von „Teenage Zombies“ ist eine lange Rangelei zwischen den Freunden und Dr. Myra und ihren Helfern. Gegen Ende mischt dann auch noch der Affe mit (wohl überflüssig zu erwähnen, dass es sich hierbei um einen Mann im rupfigen Affenkostüm handelt).

„Teenage Zombies“ zählt zu den 50 schlechtesten Filmen, die jemals gedreht wurden, und Regisseur Jerry Warren, der eine ganze Reihe von Low-Budget-Filmen gedreht hat, ist bis heute eigentlich nur für diesen einen Film bekannt. Dennoch ist es in der Tat bemerkenswert, dass dies der wohl einzige Film aus den 50er Jahren ist, in dem eine Frau die Rolle des „verrückten Professors“ einnimmt. In diesem Sinne ist er durchaus ein Vorläufer der darauf folgenden Emanzipationsbewegung. Die Frau in „Teenage Zombies“ möchte die Herrschaft über die amerikanische Gesellschaft erlangen. Die Männer sind ihr untergeordnet. So gesehen ist Warrens Film ein außergewöhnliches Stück Filmgeschichte.

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zombiehingamglockenseilGut, eigentlich sind es 31 Jahre, die seit der Erstaustrahlung der Doku „Mama, Papa, Zombie“ vergangen sind. Die Sendung platzte mitten hinein in den Videoboom, der zu rückläufigen Einnahmen an den Kinokassen führte. Fasst man den Inhalt der Reportage zusammen, so könnte man sagen, dass es darin um die Verdammung von Horrorfilmen geht.

Wieso die Sendung eine Art „Kultstatus“ erreichte, hängt mit der teilweise unfreiwillig komischen Inszenierung zusammen. Um es vorweg zu nehmen, in der Sendung wird nicht nur dummes Geschwätz von sich gegeben. Ein paar Dinge sind auch heute noch aktuell und heute genauso in der Schwebe wie damals. So z.B. die Forderung eines Kunstprofessors, das Fach Film in den Schulunterricht aufzunehmen, damit Kinder den Umgang mit diesem Medium lernen. Eine solche Forderung gibt es seit den 60er Jahren (I. C. Jarvie verweist darauf in seinem Buch „Film und Gesellschaft“) und wurde bisher nur an wenigen Schulen umgesetzt.

Auch die Aussagen darüber, dass letztendlich die Eltern verantwortlich dafür sind, was ihre Kinder sehen dürfen, hat nichts von ihrer Aktualität verloren.

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Mit Szenen aus diesem Film begann die damalige Doku „Mama, Papa, Zombie“.

Dennoch ist da eben diese unfreiwillige Komik, die in der Sendung mitschwingt. Höhepunkt ist das Interview mit einem Pädagogikprofessor, der einen kurzen Vortrag über die angebliche Schädlichkeit von Horrorfilmen hält, wobei in Zwischenszenen ein Junge zu sehen ist, der vor einem TV-Gerät sitzt oder besser liegt, während aus den Lautsprechern die Geräuschkulissen von Karate- oder Zombiefilmen hallen. Nach dem jeweiligen Schnitt zurück zum Professor, blickt dieser mit bierernster Miene von links (Zuschauerseite) zurück in die Kamera, so als habe er gerade selbst den kurzen Ausschnitt mitangesehen, und führt seinen Vortrag weiter. Speziell dieses Interview erinnert stark an die Gags in „Monthy Pythons Flying Circus“, obwohl die ZDF-Reportage natürlich völlig ernst gemeint war.

Auch der Elternabend, der am Ende der Sendung das Finale bildet, hat sich in das mediale Gedächtnis eingeprägt. Vorgeschoben ist ein Unterricht in der vierten Klasse, in der die Klassenlehrerin den Kindern die Videokassettenhülle von „Ein Zombie hing am Glockenseil“ zeigt und sie fragt, wer von ihnen weiß, was Zombies sind, worauf ein paar der Kinder ihre Hände heben. Am Abend findet dann die Besprechung mit den Eltern statt, bei dem die Lehrerin den Film vorführt (übrigens ein grober Copyrightverstoß). Die Lehrerin erklärt daraufhin den Eltern latent zickig, dass fast die Hälfte der Kinder wüssten, was ein Zombie sei. Die Betonung aber liegt darauf, dass die Kinder eben nur wussten, was ein Zombie ist. Um das zu wissen, muss man keine Zombiefilme gesehen haben. Zudem ist ja der Begriff Zombie keine Erfindung des Horrorgenres, sondern Bestandteil der haitianischen Folklore.

„Mama, Papa, Zombie“ vollführte damals eine Art „Horror-Bashing“. Horrorfilme wurden einfach als abscheuliche Machwerke bezeichnet, ohne überhaupt einen Filmexperten zu Wort kommen zu lassen, der über das Genre referiert hätte. Dadurch wurde die Reportage zu einer sehr einseitigen Informationsvermittlung, die zum Inhalt hatte, dass Horrorfilme widerlich und pervers sind und deren Zuschauer psychisch krank.

Was die Sendung dabei indirekt vermittelte, war, dass die Horrorfilmgegner mit diesem Genre nichts anzufangen wissen und auch die Filminhalte nicht verstehen, sie also überhaupt nicht objektiv beurteilen können. Und noch etwas sei erwähnt: Die Sendung führte zu einer der wohl irrwitzigsten Debatten, die es jemals unter Juristen in Deutschland gegeben hatte: Sind Zombies Menschen oder nicht?

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