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Die Idee trug Regisseur Tom Holland bereits ein ganzes Jahr mit sich herum, bevor er dazu überging, diese in ein Drehbuch umzuarbeiten. Die Produktionsfirma Columbia Pictures gab ihm das kleinst mögliche Budget und interessierte sich nicht weiter für das Projekt. Als der Film dann 1985 in die Kinos kam, war man in der Chefetage dann doch überrascht. Denn das Einspielergebnis lag bei fast 25 Millionen Dollar – gegenüber dem Budget von knapp 7 Millionen.

„Fright Night“ wurde ein echter Kassenschlager. Und das, obwohl man ihm durchaus das geringe Budget ansieht. Doch Tom Holland machte das Beste daraus – und hinzu kam, dass ihm keiner der Produzenten ins Handwerk pfuschte. Das Ergebnis war eine nette Horrorkomödie, die sich lustig macht über das Leben in den US-amerikanischen Vororten und genau so die durch das Horrorgenre stark geprägte Popkultur.

Horror hatte damals Hochkonjunktur. Umso witziger ist es daher, wenn Charley Brewster, der zusammen mit seiner Mutter neben einem leer stehenden Haus wohnt, vergeblich versucht, ihr zu erklären, dass sie seit letzter Nacht einen Vampir als Nachbar haben. Doch nicht nur seine Mutter hält ihn für ein bisschen zu überdreht (sie schiebt es darauf, dass er in letzter Zeit zu viel gelernt habe), sondern auch seine Freundin Amy und sein Kumpel Edward, den Charley immer Teufel nennt – in der Originalfassung trägt Edward den Spitznamen Evil Ed, als Anspielung auf den Klassiker „Evil Dead“. Als alles nichts hilft und es zu sonderbaren Todesfällen kommt, betrachtet Charley den drittklassigen Schauspieler Peter Vincent, der eine erfolglose Horrorsendung in einem Regionalsender moderiert, als seine letzte Hilfe.

Die Handlung, die sich auf diese Weise weiter entwickelt, ist wirklich witzig, hinzu kommen tolle Spezialeffekte, die sich der Film für die zweite Hälfte des Films aufhebt. Robert Enlund, der ein Jahr davor die Spezialeffekte für „Ghostbusters“ mitentworfen hatte, durfte hier nochmals sein Können zeigen. Trotz des Witzes, der die gesamte Handlung durchzieht, regen die Gags weniger zum Lachen als viel mehr zum Schmunzeln an. In den einzelnen Aufnahmen gibt es immer wieder viele Anspielungen auf das Horrorgenre zu entdecken (wie z.B. der Zaun in Form eines Vampirgebisses), doch der Konflikt zwischen Charley und dem Vampir Jerry Dandridge, der Amy entführt, erscheint dann doch zu sinnlich und zu düster, als dass er als reine Komödie durchgehen könnte, viel eher scheint in diesen Szenen dann eine Hommage an die klassischen Vampirfilme hindurch.

Dies ist andererseits aber auch die Stärke des Films, denn das Düstere und das Lustige schließen sich in dem Film nie gegenseitig aus. Dies liegt vor allem daran, da „Fright Night“ sich nicht lustig über das Horrorgenre macht. Es kommt zu keinen Veralberungen, im Gegenteil, wenn es um Vampirismus geht, so bezieht sich Holland sowohl auf Aspekte des Aberglaubens als auch auf die entsprechenden filmischen Merkmale. Besonders ist hierbei, dass der Vampir als bisexuell charakterisiert wird. Holland bringt diese Merkmale stets in einen alltäglichen Zusammenhang, woraus sich eine originelle Situationskomik ergibt.

„Fright Night“ entwickelte sich rasch zu einem Klassiker des Genres. Ein Jahr darauf sollte Tom Holland (wieder in Zusammenarbeit mit Schauspieler Chris Sarandon) einen weiteren Klassiker der 80er Jahre kreieren: „Child’s Play“, der in Deutschland unter dem Titel „Chucky – Die Mörderpuppe“ in die Kinos kam.

„Fright Night 2“ (1988) war zwar in den Kinos deutlich weniger erfolgreich als das Original, holte dies aber durch den Video-Release nach. Das Remake von 2011 orientierte sich zum großen Teil am Originalfilm, wobei es ihm durchaus gelang, den Humor beizubehalten. Auch zu diesem Film wurde ein Sequel gedreht, das aber nur noch auf DVD erschien.

Fright Night. Regie u. Drehbuch: Tom Holland, Produktion: Herb Jaffe, Darsteller: Chris Sarandon, William Ragsdale, Amanda Bearse, Stephen Geoffreys, Roddy McDowall. USA 1985, 106 Min.

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The great Wall (2016)

Nachdem sich Regisseur Zhang Yimou ein wenig in die chinesische Propaganditis verirrt hatte, versuchte er 2016 sein Revival in den internationalen Kinosälen. Dieses Mal ließ er die Propaganda beiseite und konzentrierte sich auf ein Monster-Action-Spektakel, das bei den Kritikern vollkommen durchfiel, was die Zuschauer aber nicht davon abhielt, scharenweise ins Kino zu gehen.

Mit „The great Wall“ liefert Yimou die etwas andere Erklärung dafür, weswegen die chinesische Mauer errichtet wurde. Nein, nicht wegen den Mongolen (was für ein Witz!), sondern wegen einem Rudel grüner Monster, die alle 60 Jahre versuchen, China zu überrennen. Genau in dieses Schlamassel geraten die beiden Söldner William Garin und Pero Tovar. Beide müssen der hübschen Generalin Lin Mae beistehen, damit die Monster einmal (frei nach SPD-Manier) so richtig in die Fresse kriegen.

Auch wenn die Kritiker sich mit diesem Film nicht anfreunden konnten, so hat er den Erfolg trotzdem verdient. Denn dieses unglaublich kurzweilige Monster-Kloppen ist dermaßen rasant in Szene gesetzt, dass es einfach nur eine Freude ist. Schöne Farben (die Kostüme der chinesischen Garde sind erstklassig), witzige Ideen und Monster, die endlich mal grünes Blut haben – mehr braucht es nicht, um den Trash-Freund bei Laune zu halten.

Dabei verliert sich der Film auch keineswegs in allzu große Oberflächlichkeit, sondern sorgt für schöne moralische Standpunkte, was ja der großteil der Hollywood-Blockbuster zurzeit vermissen lässt. Eingebunden in den Stil eines klassischen Abenteuerfilms, wirft Yimou dennoch so ziemlich alle Kategorien über den Haufen, so als habe er sich plötzlich Takashi Miike als Vorbild genommen, der einmal sagte, er drehe die Filme so wie er möchte, da sie sich sowieso niemand ansehe. Dies sorgt für eine ungeheure Frische, da hier bewusst Historie mit Fantasy vermischt wurde, auch auf die Gefahr hin, als völlig plemplem zu gelten und dadurch bei den Kritikern anzuecken (was ja auch erreicht wurde).

Der Angriff der Monster erinnert entfernt an die Hauptsequenz von „Tauchfahrt des Grauens“ (1978), in der ebenfalls Monster eine Festung angreifen. Möglich, dass Zhang Yimou sich dies als eine Art Blaupause für seinen eigenen Film genommen hat. Sicher ist nur, dass sich mal wieder alle aufregten. Denn nun war es niemanden recht, dass ein weißer Schauspieler die Hauptrolle in einem chinesischen Film inne hatte. Aber egal, zu meckern gibt es in dieser Hinsicht zurzeit anscheinend immer etwas. Aus Sicht der Handlung fragt man sich lediglich, was Willem Dafoe darin verloren hat. Seine Rolle ist im Grunde genommen überflüssig, was dazu führt, dass Dafoe seinen Platz im Film nicht wirklich findet. Ansonsten ist der von „Wonder Woman“-Produzent Charles Roven mitproduzierte Film echtes Popcornkino und hat das Zeug zu einem echten Trash-Klassiker.

The great Wall. Regie: Zhang Yimou, Drehbuch: Carlo Bernard, Doug Miro, Tony Gilroy, Produktion: Thomas Tull, Charles Roven, Darsteller: Matt Damon, Jing Tian, Pedro Pascal, Willem Dafoe, Andy Lau. USA/China 2016, 103 Min.

Wonder Woman (2017)

Damit hatte wohl keiner gerechnet. Innerhalb kürzester Zeit wurde „Wonder Woman“ nicht nur zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres, sondern schrieb innerhalb weniger Wochen auch noch Filmgeschichte. Denn „Wonder Woman“ ist zugleich der erfolgreichste Film, bei dem eine Frau Regie führte.

Bereits mit ihrem Spielfilmdebut aus dem Jahr 2003, dem Krimi und Sozialdrama „Monster“, wurde Patty Jenkins mit Preisen überhäuft. Und nun setzte sie mit ihrer Regiearbeit für „Wonder Woman“ noch eins oben drauf. Denn in Sachen Emanzipation dürfte dieser Film zur Ikone werden. Die Comic-Adaption ist wohl die beste, die seit langem ins Kino kam. Hier geschieht genau das, was man sich von allen anderen Filmen gewünscht hätte: eine Mischung aus Action, Humor und Tiefgang.

All das, was viele der bisherigen Superheldenfilme falsch machten, macht „Wonder Woman“ richtig, und man fragt sich, wieso es nicht gleich so hätte sein können. Denn verabschieden sich die Comic-Adaptionen in eine immer größere Inhaltsleere, so zeigt Regisseurin Patty Jenkins, dass man sich innerhalb dieses Feldes auch anders bewegen kann.

Sie verleiht dem Film eine durch und durch ernste Thematik. Diana alias Diane Prince alias Wonder Woman (mit dem Fotomodell Gal Godot bestens besetzt) verlässt ihre Heimat, um die Welt vom Krieg zu befreien. Auf diese Weise gerät sie mitten hinein in das Geschehen des Ersten Weltkriegs. Zusammen mit dem Spion Steve Trevor macht sie sich auf die Suche nach dem Kriegsgott Ares. Denn nur wenn dieser vernichtet wird, kann angeblich wieder Frieden herrschen.

Es ist einfach toll, wie Jenkins dem Ziel, das sich Diana selbst setzt, eine Note verleiht, die Naivität und Tragik mit der mythologisch angehauchten Vorstellung von Heldentum verbindet. Dies verleiht dem Aspekt des Superhelden eine völlig neue Dimension, hinterfragt doch der Film das Verhalten eben dieser Comic-Helden, in dem er Wonder Woman in ein historisches Umfeld setzt, das geprägt ist von einem alles erschütternden Krieg. Diese Einbettung in eine sozialhistorische Realität regt durchaus zum Nachdenken an, verleiht dem Action-Fantasy-Spektakel eine gewisse Tiefe, da der Film auch nicht kritische Töne scheut, etwas, was man sich im aktuellen Blockbuster-Kino ja nicht mehr getraut.

So ist die Szene, in der Wonder Woman einen der Generäle direkt ins Gesicht schreit, dass er feige sei, da er so und so viele Menschen in den Tod schickt, aber sich selbst nicht auf das Schlachtfeld traut, geradezu sensationell. Doch auch die angedeuteten Diskussionen über das Wesen des Menschen, über Hass und Brutalität und die Frage, weswegen sich Menschen solche Konflikte überhaupt antun, wenn sie doch genauso gut in Frieden leben könnten, verweisen auf zentrale soziologische und philosophische Fragestellungen.

Mit „Wonder Woman“ ist Patty Jenkins ein toller Wurf geglückt, von dessen Sorte man sich mehr wünscht. Man kann daher nur hoffen, dass die folgenden Filme, die es mit Sicherheit geben wird, nicht der gegenwärtigen Superhelden-Tristesse anheim fallen werden, sondern sich auf diese positive Weise weiter entfalten.

Wonder Woman. Regie: Patty Jenkins, Drehbuch: Allan Heinberg, Produktion: Zack Snyder, Charles Roven, Darsteller: Gal Gadot, Chris Pine, Connie Nielsen, Danny Huston, David Thewlis, Elena Anaya. USA 2017, 141 Min.

Man könnte sagen, das grundlegende Thema des Romans „Der Teufel von Uri“ ist die Midlifecrisis. Es geht darin um die Erfolgsautorin Sophie Mars, die unter einer Schreibblockade leidet. Doch ist es nicht allein das, denn irgendwie hat sie genug von dem ganzen Literaturzirkus und sucht nach einer Möglichkeit, sich auf eine andere Weise selbst zu verwirklichen.

Die bekannte Schweizer Autorin Silvia Götschi macht aus diesem Grundthema etwa kein Psychodrama, sondern einen interessanten und durchaus spannenden Kriminalroman, der jedoch viel mehr ist, als bloß ein Krimi. Es geht auch um eine harsche Kritik am derzeitigen Literaturbetrieb, dem es nur mehr um das schnelle Geld geht. Teils satirisch, teils ernst durchleuchtet Götschi den aktuellen Literaturkapitalismus und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund.

Eingebettet ist dies in einen mysteriösen Kriminalfall, bei dem es um drei verschwundene Frauen aus Andermatt geht. Obwohl die Fälle bereits Jahre zurückliegen, wurden sie von der Polizei bisher nicht aufgeklärt. Durch Zufall gerät Sophie mitten hinein in dieses Geheimnis, als eine ihr unbekannte Frau sie verzweifelt darum bittet, nach ihrer Schwester Damaris zu suchen.

Zunächst eher widerwillig und eher darauf bedacht, Stoff für einen neuen Roman zu finden, um dadurch möglicherweise ihre Schreibblockade zu überwinden, lässt sich Sophie darauf ein. Die Spur führt sie in ihre eigene Vergangenheit und schon bald scheint es so, als werde sie von einem Unbekannten verfolgt.

Vielleicht beginnt das erste Kapitel ein wenig unbeholfen, als darin der Konflikt zwischen dem Verlegerehepaar um Sophie Mars geschildert wird. Es wäre sicherlich besser gewesen, diesen aus der Sicht Sophies zu schildern und dann das zweite Kapitel als Anfang zu nehmen. Denn schon da zeigt sich Silvia Götschis eigentliches Können: nicht nur unterhaltsam und spannend zu schreiben, sondern auch interessante Charaktere zu entwerfen.

Tatsächlich steigert sich die Spannung von Kapitel zu Kapitel, wobei es der Autorin gelingt, den Leser dazu zu bringen, fiebernd mitzurätseln, wer es auf Sophie Mars abgesehen hat. Und da gibt es doch so manchen Verdächtigen. Gut gelingt es Silvia Götschi dabei auch, die Geschehnisse mit einer alten Legende zu verknüpfen, in der es um den Teufel geht, der an Neumond die Gegend um Andermatt heimsucht. „Der Teufel von Uri“ liefert in dieser Hinsicht ein dichtes Lesevergnügen, das neugierig macht auf die anderen Bücher der Autorin.

Silvia Götschi. Der Teufel von Uri. Emons Verlag 2017, 268 Seiten, 11,90 Euro, ISBN: 978-3-7408-0179-3

 

Alien: Covenant (2017)

Es hätte im Grunde genommen sehr gut werden können. Der Anfang versprach durchaus ein tiefgründiges SF-Abenteuer. Doch dann geschah folgendes: Regisseur Ridley Scott wollte sich dann doch nicht allzu tief in theologische und philosophische Diskussionen einlassen und beließ es dann weitestgehend bei der Oberflächichkeit.

Nachdem man bei der Alien-Reihe mit den Zahlen durch ist, beginnt man nun die Reihe mit der Aufzählung von Raumschiffnamen. Nach der Prometheus ist daher nun die Covenant an der Reihe. „Alien: Covenant“ will sich als Fortsetzung von „Prometheus“ verstehen, doch kommt der Film nicht wirklich über ein Quasi-Remake hinaus. Auf diesen Umstand verweist bereits die Musik von Jed Kurzel, die sich an der Originalmusik von Jerry Goldsmith orientiert.

Und daher sehen wir einmal mehr ein Raumschiff, in dem die Besatzung aus dem Tiefschlaf erwacht, da ein sonderbares Signal empfangen wurde. Nach kurzer Diskussion macht man sich dann auf, um nach der Quelle dieses Signals zu suchen. Und siehe da: praktisch wie aus dem Ei gepällt, springen der Besatzung die Aliens um die Ohren.

Versagt der Film dabei, seine angepeilte Tiefgründigkeit aufrechtzuerhalten, so versucht er, dies durch eine geniale Optik wieder wett zu machen. Die sorgfältig konzipierten Aufnahmen, die sich manchmal an modernen und klassischen Gemälden orientieren (in einer kurzen Sequenz sieht man dann auch Arnold Böcklins „Die Toteninsel“ als einen direkten Hinweis darauf) sind beinahe zu schade für den neuesten Alien-Streifen. Denn hätte Scott diese noch mit einer Geschichte verwoben, die sich mit den zentralen Fragen des menschlichen Daseins beschäftigt, so wäre daraus eine Art „Silence“ auf Speed geworden, kurz: ein toller SF-Streifen.

Aber Scott  wollte das anscheinend nicht. Dies macht sich dann auch in Fassbenders Darstellung von David bzw. Walter bemerkbar, die im Prolog überrragend ist, aber im Laufe des Films von Mal zu Mal weniger beeindruckt, so als habe er sich während des Drehs zunehmend  gelangweilt, da die Herausforderungen wegfielen. Statt also eine grundlegende Diskussion anzustoßen, nähert sich der Film dem Splatter-Genre der 80er Jahre an, wobei eine Mischung aus Puppen- und CGI-Effekten verwendet wird. Dabei nimmt man auch bewusst das Tangieren des Trash-Genres in kauf, was nicht schlimm ist, doch verliert man sich dabei hin und wieder in ein paar Ungereimtheiten. Das ist alles sehr schade, denn, wie gesagt, der Film hätte das Potential gehabt, wirklich gut zu werden. Aber Hollywood ist nun einmal Hollywood und daher braucht man sich eigentlich nicht über das Ergebnis zu wundern.

Alien: Covenant. Regie: Ridley Scott, Drehbuch: John Logan, Dante Harper, Produktion: Ridley Scott, Walter Hill, Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Guy Pearce. USA 2017, 117 Min.

 

Schlagt man die Zeitung auf, so scheinen in den Meldungen Betrüger Hochkonjunktur zu haben. Besonders alte Leute sind das Ziel dieser Kriminellen, die u. a. mit dem sog. Enkeltrick versuchen, ihren Opfern das Geld aus der Tasche zu ziehen. Doch ist nicht nur diese Altersgruppe das Ziel der Kleinkriminellen und Banden, sondern im Grunde genommen kann dies jeden treffen.

Lothar Schirmer, Kriminalrat a. D., hat nun ein Buch darüber geschrieben, wie man sich vor solchen Betrügereien schützen kann und wie man vor allem reagieren soll, wenn man in unschönen Kontakt mit diesen Leuten kommt. Erschienen ist der Ratgeber im bekannten Kirchschlager Verlag, der sich auf Sachbücher über historische Kriminalfälle und Kriminalistik spezialisiert hat.

Schirmers Ratgeber ist hierbei keineswegs trocken oder allzu ernst, obwohl es natürlich um ein ernstes Thema geht. Seine Methode liegt darin, auf sehr unterhaltsame Weise und mit viel Humor auf die Vorgehensweise der Trickbetrüger aufmerksam zu machen. Hierfür schildert der Autor insgesamt 199 authentische Kriminalfälle, die von falschen Polizisten über die Teppichmafia bis hin zu den oben genannten Enkeltrickbetrügern reichen.

Die Fälle sind flüssig und überaus lebendig erzählt, was dem Ratgeber einen zusätzlichen hohen Unterhaltungswert verleiht. Aber viel wichtiger ist, dass Schirmer am Ende eines jeden Falls konkrete Tipps gibt, wie man in solchen unangenehmen Situationen reagieren soll. So z.B., wenn jemand einem einen günstigen „Sozialtelefonanschluss“ anbieten möchte, so sollte man schon allein wegen des ungebräuchlichen Wortes stutzig werden. Oder wenn jemand an der Tür klingelt, der angeblich ein Paket für den Nachbarn abgeben will, man dafür aber Geld bezahlen soll, so sollte man ebenfalls dem Gauner die Tür vor der Nase zuschlagen.

Jeder der 199 beschriebenen Fälle ist anders, sodass Schirmer dem Leser eine überaus große Bandbreite an Situationen beschreibt. Auf diese Weise erhält man einen genauen und vielseitigen Überblick über die Verbrechensarten, aber genauso wie man sich vor diesen schützen kann. Bebildert ist der Ratgeber übrigens mit diversen witzigen Cartoons des Zeichners Sven Kirchner. Kurz: ein lesenswertes und wirklich sinnvolles Buch. Sehr zu empfehlen!

Lothar Schirmer. Die Tricks der Gauner und Ganoven. Verlag Kirchschlager 2017, 269 Seiten, 12,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-73-1

 

 

In so ziemlich allen Abhandlungen über die Geschichte der Wissenschaft geht es in der Regel um die bekannten Theorien und Erfindungen, die heute jedermann kennt. Doch ist eine solche Betrachtungsweise alles andere als vollständig. Denn parallel zu der bekannten Entwicklung verlief und verläuft eine Entwicklung weiterer Theorien und Erfindungen, die jedoch – aus unterschiedlichen Gründen – scheitern, verloren gehen oder schlicht und ergreifend aufgrund von wirtschaftlichen und Machtinteressen als Betrug hingestellt werden.

Mit dieser speziellen Historie befasst sich der ungarische Physiker György Egely in seinem Buch „Verbotene Erfindungen“. Darin geht es um Tüftler, die neuartige, effiziente und zugleich sonderbare Maschinen entwickelten, die jedoch heute kaum einer mehr kennt bzw. die völlig in Vergessenheit geraten sind. So z.B. Johann Bessler, der im 18. Jahrhundert ein mysteriöses Rad entwickelte, das sich pausenlos drehte und dabei Gewichte heben und senken konnte, ohne dass von außen irgendeine Form von Energie zugeführt worden war. Doch wurde Bessler von Kritikern so stark in ein lächerliches Licht gerückt, dass die Erfindung nicht weiter genutzt wurde.

Ähnlich erging es Viktor Schrauberger, der in den 30er Jahren eine Turbine entwickelte, die weit mehr Energie erzeugen konnte als heute verwendete Turbinen. Auch entwickelte er ein Flugobjekt, das auf derselben Idee basierte. Beide Erfindungen stießen in der Öffentlichkeit auf kein Interesse. Später nahm sich der US-amerikanische Geheimdienst der Baupläne an, worauf sie auf Nimmerwiedersehen verschwanden.

Nicht weniger interessant ist der Fall Tesla. Nikola Tesla entwickelte 1931 ein elektrisches Automobil, das für großes Aufsehen sorgte und das es auf 150 km/h brachte. Aber auch dieser Erfinder wurde nicht ernst genommen und seine Ideen nicht weiter verfolgt, sondern zugunsten anderer Erfindungen, die vor allem den Energieunternehmen mehr Geld einbrachten, fallen gelassen.

Diese und weitere hoch interessante Fälle schildert Egely in seinem Buch, das sich mindestens so spannend liest wie ein Kriminalroman. Vor allem die Schilderungen der Lebensumstände der jeweiligen Erfinder und deren Schicksale sind sehr beeindruckend. An manchen Stellen wird Egely zu sehr Physiker, sodass er vergisst, dass die Leserschaft zum großen Teil aus Laien besteht, dennoch – auch wenn man die Funktionsweisen der faszinierenden Maschinen nicht ganz versteht – kann man diese zumindest nachvollziehen.

György Egely recherchierte und schrieb an seinem Buch mehrere Jahre. Der Aufwand und das Durchhaltevermögen haben sich gelohnt. Denn „Verbotene Erfindungen“ ist eines der wohl originellsten Sachbücher über Wissenschaftsgeschichte. Von der ersten bis zur letzten Seite durchläuft der Leser eine überaus unterhaltsame, informationsreiche und spannende „Galerie“ der ominösen und zugleich wunderbaren Maschinen. Bilder und Zeichnungen helfen einem dabei, die jeweilige Funktionsweise der Erfindungen besser zu verstehen. – Sehr zu empfehlen.

György Egely. Verbotene Erfindungen. Kopp Verlag 2017, 365 Seiten, 19,95 Euro, ISBN: 978-3-86445-525-4