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Archive for the ‘Filmkritik’ Category

Für Fans von Zeichentrickfilmen ist Ralph Bakshi längst ein Begriff. Er ist jedoch auch aus der Filmgeschichte im Allgemeinen nicht mehr wegzudenken. Wem der Name des Regisseurs und Künstlers nichts sagt, der kennt sicherlich einen seiner Filme oder hat mindestens schon einmal davon gehört. Eine seiner ersten Produktionen hieß „Fritz the Cat“ und galt damals (1972) schlichtweg als Skandal. Er wurde als X-rated eingestuft, was bis dahin nur Pornofilmen vorbehalten war. Heute ist dieser Film schlicht und ergreifend Kult. Weitere bekannte Produktionen Bakshis sind die Trickfilmversion von „Herr der Ringe“ (1978) und der Fantasy-Trickfilm „Fire and Ice“ (1983), der jedoch an den Kinokassen floppte.

Als sein kunstvollster Film wird „Wizards“ bezeichnet, der 1977 mit einigem Erfolg in den Kinos lief. In Deutschland erhielt er den Titel „Die Welt in 10 Millionen Jahren“ und erzählt eine Geschichte, die Jahrhunderte nach dem Atomkrieg spielt. Es existieren nur mehr wenige Menschen auf der Erde. Sie teilen sich den Planeten mit Feen, Elfen, Mutanten und Zwergen. Doch herrscht keineswegs Frieden. Denn die Welt ist in zwei Reiche aufgeteilt. Das eine heißt Montagar und wird von dem Zauberer Avatar regiert. Das andere Gebiet heißt Scortch. Dort herrscht der böse Zauberer Blackwolf. Dieser möchte mithilfe seines Wissens über die alte Technologie und die Handhabung von Nazipropaganda die gesamte Welt beherrschen. Aus diesem Grunde begibt sich Avatar zusammen mit seiner Freundin Elinore, dem Roboter Frieden und dem Elb Weehawk in das Reich Blackwolfs, um dessen Plänen ein Ende zu bereiten.

Wie auch bei „Herr der Ringe“ und „Fire and Ice“ verwendete Bakshi die so genannte Rotoskopietechnik. Das heißt, Szenen, in denen echte Schauspieler agierten, wurden von Zeichnern übermalt und in den restlichen Film eingebunden. Dadurch wirken die Mutanten und Untoten, aus denen die Armee Blackwolfs besteht, noch unheimlicher und lebendiger. Dies wirkt sich großartig auf die Schlachtenszenen aus, in denen Blackwolfs Horde gegen die Armee Avatars antritt.

Der Film selbst ist ein surreales Meisterwerk. Seine traumartigen Bilder sind liebevoll und detailliert gestaltet. Man sollte sich die einzelnen Szenen sehr genau ansehen, da Bakshi gerne Symbole, Gesichter und Randgeschehnisse darin versteckt. Die einzelnen Figuren besitzen zum Teil recht komplexe Charaktere, was ihnen eine interessante Lebendigkeit einhaucht.

Doch Bakshi liefert mit seinem Film zugleich unverkennbare Kritik. Er zeigt ein sehr düsteres Bild des Menschen und stellt die technische Entwicklung als eine äußerst negative Erscheinung dar, die letztendlich den Untergang der Welt hervorrufen wird. So verbindet er Technik mit Krieg und Versklavung. Im Gegensatz dazu sieht er eine Welt ohne Technik als lebenswerter und freier an. Es wird dadurch offensichtlich, dass sich die Aussagen der zu ende gehenden Hippie-Ära in seinem Film widerspiegeln. „Wizards“ ist ein sehr schön gestalteter Trickfilm, der zum Nachdenken anregt, zugleich aber auch sehr fasziniert.

Die Welt in 10 Millionen Jahren (OT: Wizards), Regie, Drehbuch, Produktion: Ralph Bakshi, USA 1977,  77 Min.

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Egon Schiele war einer der wichtigsten Maler der Wiener Moderne, zugleich lösten seine expressionistischen Zeichnungen und Gemälde immer wieder Skandale aus. Vor allem ein Dorn im Auge war der Justiz, dass er Akte von jungen Mädchen (u. a. auch von seiner Schwester) schuf. Dies brachte Schiele für ein knappes Monat ins Gefängnis.

2016 entstand die österreichisch-luxemburgische Koproduktion „Egon Schiele: Tod und das Mädchen“, die das Leben des Malers nachzeichnet. Regisseur Dieter Berner beginnt den Film mit Schieles Erinnerungen an seinen wahnsinnig gewordenen Vater, der das gesamte Familienvermögen im Kamin verbrannte. Das Kernstück des Films aber konzentriert sich auf Schieles Beziehungen zu seiner Schwester Gerti, seiner Freundin Walli, seiner späteren Frau Edith sowie der Tänzerin Moa – also auf die Frauen, die in seinem Leben eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Berner verzichtet dabei auf eine spektakuläre Inszenierung, wie dies sicherlich in einem Hollywoodfilm der Fall gewesen wäre, sondern zeigt Schieles Lebensstadien in eher ruhigen und überaus feinfühligen Bildern. Hierbei dominieren die düsteren Farben, nur wenige hell ausgeleuchtete Szenen verweisen auf die wenigen glücklichen Momente in Schieles Leben.

Erst als er Klimts Model Wally Neuzil trifft, scheint für ihn eine geordnete Lebensphase zu beginnen. Wally wird zu seiner Muse, doch als er zum Militär muss, beginnt er zu zweifeln, ob sie wirklich die richtige Frau für ihn ist. Dieser Zweifel wird noch dadurch verstärkt, da er inzwischen Edith Harms kennengelernt hat, die im Haus gegenüber seines neu eingerichteten Atteliers lebt und mit der er eine heimliche Beziehung hat.

Berner bleibt nie oberflächlich, sondern geht in den Szenen bis ins Detail. So vergisst er auch nicht Gustav Klimt in Malerkittel und Katze zu zeigen, so wie auf dem berühmten Porträtfoto. Schieles Erfolg gipfelt schließlich in der ausschließlich seinem Werk gewidmeten Ausstellung in der Wiener Secession im Februar 1918, nur wenige Monate vor seinem Tod.

All dies bettet Berner in eine Rahmenhandlung ein, die Schieles letzte Stunden zeigen. Die Spanische Grippe wütet, und seine Frau Edith ist kurz zuvor gestorben. Seine Schwester Gerti kümmert sich aufopferungsvoll um ihn, setzt den Familienschmuck ein, um für ihn Medikamente zu kaufen. Doch alles hilft nichts, Schiele stirbt mit nur 28 Jahren.

Dieter Berner schuf mit dem Bio-Pic einen wunderbaren Film, der sicherlich zu den besten Produktionen aus Österreich zählt, die in den letzten Jahren hergestellt wurden. Die eindringliche Wirkung wird durch ein erstklassiges Ensemble erzielt, bestückt mit teils noch unbekannten Schauspielern, wie etwa Noah Saavedra, der Egon Schiele spielt, oder Maresi Riegner als seine Schwester.

Egon Schiele: Tod und das Mädchen. Regie: Dieter Berner, Drehbuch: Hilde Berger, Dieter Berner, Produktion: Franz Novotny, Darsteller: Noah Saavedra, Maresi Riegner, Valerie Pachner, Marie Jung, Larissa Breidbach, Cornelius Obonya, Nina Proll. Österreich/Luxemburg 2016, 110 Min.

 

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Wer reitet so spät durch Nacht und Wind … Natürlich mal wieder ein Remake aus Hollywood. Aber Remake darf man ja nun nicht mehr sagen, sondern entweder Neuinterpretation oder Version von Regisseur XY. 2016 erwischte es unter anderem den Klassiker „Die glorreichen Sieben“ aus dem Jahr 1960. Regie führte damals John Sturges – und ja, auch dieser Film war schon ein Remake. Und zwar von Kurosawas „Die sieben Samurai“ aus dem Jahr 1954. Eines der originellsten Remakes davon ist übrigens „Sador-Herrscher im Weltraum“ (1980) aus dem Hause Roger Corman.

2016 war es Antoine Fuqua, der sich dieses Stoffes annahm. Über die Handlung muss man nicht viel sagen, außer, dass die sieben Revolverhelden dieses Mal keine mexikanische Kleinstadt aus den Klauen einer Banditenbande retten sollen, sondern eine US-amerikanische Kleinstadt, die von einem reichen Unternehmer schikaniert wird.

Die Frage natürlich lautet, wie Fuqua den Stoff umgesetzt hat. Fuqua versucht sich zwischen den Zeilen in der Kapitalismuskritik, was mit der Figur des Bösewichts Bartholomew Bogue unterstrichen wird, der über Leichen geht, um Geld zu machen. Fuqua möchte somit weg vom glatt gebügelten und Kritik leeren Filmen zurück zum Hollywoodkino, das sich als sozialkritisch versteht. Leider aber gelingt ihm dies nur am Rande. Denn Fuquas Augenmerk konzentriert sich letztendlich auf die Action des Films, welche beinahe die Hälfte des zweistündigen Remakes einnimmt.

Dieser Fokus färbt sich dann auch negativ auf die Zusammenfindung der Figuren ab. Während sich Sturges 1960 genau dafür Zeit ließ, hakt Fuques diesen wichtigen Teil im Eiltempo ab, um möglichst schnell zum Action geladenen Spektakel des Films zu gelangen. Dies führt dazu, dass die Figuren und ihre Motivationen oberflächlich bleiben. Im Falle des Indianers Red Harvest, der von seinem Stamm verstoßen wurde, wirkt dieses Manko noch offensichtlicher als bei den anderen Figuren. Einen richtigen Grund für den Indianer, bei der Aktion mitzumachen, gibt es nicht, und nur darin den Grund zu finden, weil Goodnight (Ethan Hawke) zusammen mit ihm in eine rohe Leber beißt, wirkt geradezu holprig und unplausibel. Hinzu kommt, dass das neue Ensemble einfach nicht das Charisma der Darsteller von 1960 besitzt. Washington, Pratt, Hawke, D’Onofrio, Lee, Garcia-Rulfo und Sensmeier haben gegenüber Bronson, Buchholz, Brunner, Mc Queen, Vaughn, Dexter und Coborn einfach nicht die Klasse. Ganz schwach der koreanische Schauspieler Byung-Hun Lee, der sich in seiner Rolle nicht wirklich zurechtfindet.

Um die flache Charakterisierung seiner Helden zu überspielen, setzt Antoine Fuque dann voll und ganz auf Action. Und hier verfehlt es der Regisseur, einen eigenen Stil zu kreieren, vielmehr wirkt dieser Teil des Films wie ein Best Of des Westerngenres. Die Schießereien und die Pferdestunts kamen auf dieselbe Weise schon in diversen Filmen der 50er und 60er Jahren vor. So kommt zwar ein Hauch von Nostalgie auf, doch mehr auch nicht.

Trotz der Kritik ist das Remake keineswegs langweilig. Antoine Fuque bietet viel für das Auge, zeigt, dass er die klassische genauso wie die moderne Bildsprache beherrscht, schafft aber dennoch kein Meisterwerk, sondern eher einen unterhaltsamen Durchschnittsfilm, der aufgrund seiner handgemachten Action schön zum Anschauen ist, aber ansonsten schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwindet.

Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven). Regie: Antoine Fuque, Drehbuch: Nic Pizzolatto, Richard Wenk, Produktion: Roger Birnbaum, Darsteller: Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-Hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier. USA 2016, 133 Min.

 

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Gerne verfilmt Hollywood Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Und je dramatischer, umso besser. Mit „The Finest Hours“ fanden die Walt Disney Studios, die weiterhin mit aller Kraft versuchen, von dem Trickfilm-Image wegzukommen, eine Geschichte, die an Dramatik kaum zu überbieten ist, deren Umsetzung stellenweise jedoch in Kitsch abdriftet.

1952 kommt es vor der Küste Neuenglands zu einem der schlimmsten Stürme überhaupt. Der Öltanker SS Pendleton wird dabei in zwei Teile gerissen. Während der vordere Teil untergeht, kann sich der hintere Teil dank einer Luftblase noch einige Zeit über Wasser halten. Zur Rettung der Mannschaft wird ein Boot der Küstenwache hinausgeschickt. Doch die Retter haben selbst mit dem Unwetter zu kämpfen …

Regisseur Craig Gillespie beginnt den Film überaus ruhig, indem er Captain Kirk-Darsteller Chris Pine in der Rolle eines der Mitarbeiter der Küstenwache zeigt, wie dieser kurz vor einem Date mit einer hübschen Telefonistin steht. Leider nimmt sich Gillespie für die Zweisamkeit ein wenig zu viel Zeit, sodass ihm nichts anderes übrig bleibt, als immer wieder Actionsequenzen zwischenzuschneiden, die den parallel verlaufenden Überlebenskampf der restlichen Besatzung des Öltankers schildern, damit der Zuschauer nicht das Interesse an dem Film verliert. Möglicherweise fand Gillespie diese Darstellungsweise originell, da der Film nicht wie üblich mit einem Paukenschlag beginnt.

Doch führt dies dazu, dass es bei „The Finest Hours“ genau dadurch hapert. Denn ohne die ruhige, später leicht in den Kitsch abtriftende Liebesgeschichte, hätte Gillespie einen Film geschaffen, der an purer Dramatik und aufreibender Action nichts zu wünschen übrig gelassen hätte. Die lebensgefährliche Fahrt zu dem auseinenander gebrochenen Öltanker, die eine Handvoll Mitarbeiter der Küstenwache unternimmt, ist kolossal in Szene gesetzt. Nicht nur hohe Wellen bedrohen das kleine Rettungsschiff, auch der Kompass wird über Bord gespühlt, sodass Bernie Webber (Chris Pine) von da an lediglich nach Gehör steuert, um die gefährlichen Felsen zu umschiffen. Eine überaus waghalsige Situation, die grandios umgesetzt wurde.

Parallel dazu wird der Kampf ums Überleben auf dem Öltanker immer intensiver. Der Besatzung bleiben nur noch wenige Stunden, denn die Pumpen funktionieren nicht mehr. Der Maschinist muss sich immer neue Hilfsmittel einfallen lassen, um ein sofortiges Sinken zu verhindern. All dies fängt Gillespie in wunderbaren, düsteren und hektischen Bildern ein.

Die dritte Erzählebene, die sich Webbers neuer Freundin widmet, wirkt dabei fast schon überflüssig. Es scheint beinahe so, als habe man mit dem Dampfhammer noch eine Heldin in die Geschichte einfügen wollen, in der, historisch bedingt, die Männerrollen überwiegen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Film genau an den Stellen, die den Kampf zwischen Emanzipation und Patriachat skizzieren, immer wieder abschmiert, da diese Szenen zu konstruiert und teilweise verkrampft wirken.

Insgesamt aber ist der Seerettungsfilm packend inszeniert und Pines Darstellung eines eher schüchternen Mannes, der als einziger den Mut findet, alles auf eine Karte zu setzen, durchaus sehenswert.

The Finest Hours. Regie: Craig Gillespie, Drehbuch: Scott Silver, Paul Tamasy, Eric Johnson, Produktion: Dorothy Aufiero, Darsteller: Chris Pine, Casey Affleck, Ben Foster, Eric Bana, Holliday Grainger. USA 2016, 117 Min.

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„Incarnate“ von Regisseur Brad Payton wurde bereits 2013 gedreht, doch erst 2016 veröffentlicht. Anscheinend waren die Produzenten alles andere als zufrieden mit dem Film, doch nachdem Payton mit „San Andreas“ einen Kassenschlager abgeliefert hatte, wollte man dann wohl doch auf der Welle des Erfolgs aufspringen.

Normalerweise heißt es also nichts Gutes, wenn ein Film zurückgehalten wird. Doch bei „Incarnate“ wundert man sich, dass den Film dieses Schicksal ereilt hat. Denn der Exorzismus-Film ist pure Unterhaltung und ein Fest für alle Horror-Trash-Fans.

Dr. Seth Ember besitzt eine sonderbare Gabe: er kann in das Bewusstsein seiner Mitmenschen eintauchen. Diese Fähigkeit macht er sich zunutze, um dadurch Besessene von ihren dämonischen Plagegeistern zu befreien. Eines Tages erhält er den Auftrag, einen von einem Dämon heimgesuchten Jungen zu „behandeln“. Nach dem obligatorischen Zögern, nimmt er den Auftrag an. Doch schon bald bemerkt er, dass sein Gegner nicht nur böse, sondern auch ziemlich heimtückisch ist …

Brad Paytons Exorzismus-Variante ist durchaus originell, auch wenn der Film nicht gerade das Rad neu erfindet. Ihm gelingt es aber, was so vielen Teufelsfilmen neueren Datums nicht fertig bringen: eine durchweg spannende, Action reiche und witzige Handlung zu kreieren, die nur eines will: den Zuschauer unterhalten. Und dies schafft „Incarnate“ auf allen Ebenen.

Payton drückt bei der Handlung voll aufs Tempo, wobei er von Anfang an zeigt, dass er diese mit einem gewissen Augenzwinkern vorantreibt. So beginnt der Anfang beinahe in Form eines koreanischen Horrorfilms, nur um dann den Charakter einer Quasi-Comic-Verfilmung anzunehmen. Aber auch da bleibt Payton nicht stehen, sondern füllt seinen Film mit sämtlichen Aspekten des Teufelsfilms, sodass – fast wie nebenbei – „Incarnate“ wie ein Überblick über die Figurenkonstellationen und typischen Merkmale des Exorizismus-Genres wirkt.

Gewürzt ist dieses Unterhaltsungsknallbonon mit netten, fast schon klassisch anmutenden Schockeffekten. Aber auch die Handlung selbst ist durchaus interessant, wartet Payton doch mit gewitzten Wendungen auf. Die gelungene Optik rundet das Ganze vortrefflich ab. „Incarnate“ ist somit eine überaus positive Überraschung innerhalb des Horrorgenres, ein Film, der sich selbst nicht wirklich ernst nimmt, dennoch spannend ist und vor allem richtig gut unterhält.

Incarnate. Regie: Brad Payton, Drehbuch: Ronnie Christensen, Produktion: Jason Blum, Darsteller: Aaron Eckhart, Carice van Houten, Catalina Santino, Moreno, David Mazouz. USA 2013/2016, 91 Min.

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rhodosDer Koloss von Rhodos zählt zu den sieben Weltwundern der Antike. Angeblich soll er eine Art Leuchtturm in Gestalt einer gewaltigen Götterstatue gewesen sein, die den Eingang zum Hafen von Rhodos bewachte. Bis heute rätseln Historiker und Archäologen darüber, ob es dieses gigantische Bauwerk tatsächlich gegeben hat. Des Weiteren stellen sich Experten die Frage, wie diese monumentale Statue aufgrund ihres tonnenschweren Gewichtes überhaupt stehen konnte. Sollte es den Koloss von Rhodos wirklich gegeben haben, so lautet die einhellige Meinung, setzt dies ein ungeheures Maß an Know-how in Konstruktion und Materialverwertung voraus.

Unbeeindruckt von all diesen historischen Spekulationen und bauphysikalischen Rätseln, drehte der berühmte Regisseur Sergio Leone Anfang der 60er Jahre einen Film, der genau dieses Weltwunder zum Thema hat. Die Produzenten verlangten von ihm einen der damals in Mode gewesenen Sandalenfilme, in denen eingeölte Muskelmänner Römer verhauten. Leone aber widersetzte sich diesen Vorgaben und drehte einen Film, der das Wort monumental wirklich beanspruchen kann.

Die Handlung ist recht schnell erzählt: Der griechische General Darios erholt sich in Rhodos für ein paar Tage von seinen Kampfstrapazen. Er ist Ehrengast des Tyrannen Xerxes. Das ruhige, angenehme Leben ist allerdings nur von kurzer Dauer, da Darios unvermittelt in einen Aufstand verwickelt wird, durch welchen Xerxes gestürzt werden soll. Intrigen und offene Konflikte durchziehen die gesamte Geschichte und kumulieren gegen Ende in einem gigantischen Spektakel, in dem Kämpfe, Erdbeben und weitere Naturgewalten sich zu einem einzigen Strudel der Ereignisse vermischen.

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Die Riesenstatue in Sergio Leones Erstlingswerk aus dem Jahr 1961; Copyright: e-m-s

Darios besitzt nicht die Charakterzüge eines Herkules, der etwas naiv, aber stets hilfsbereit die Unterdrückten von ihren Unterdrückern befreit. Im Gegenteil, er ist am politischen Leben stark interessiert und bildet sich darüber seine eigenen Meinung, die er gerne mit einer Prise Ironie verkündet, wie zum Beispiel: „Deine Insel des Friedens ist etwas turbulent“ oder: „Für eine Insel des Friedens sind zwei Morde am Tag ein bisschen viel“ oder: „Wenn das hier eine Insel des Friedens ist, dann ziehe ich den Krieg aber vor!“

Sergio Leones Erstling kennt in der Tat keine einzige friedliche Minute. Über 130 Minuten lang wird Darios gejagt, kommt es zu Kämpfen oder zu gemeinen Morden. Die letzte halbe Stunde gehört dabei zu den fulminantesten Actionszenen, die bis heute gedreht wurden: Noch während der Kampf zwischen den Truppen Xerxes‘ und den Aufständischen tobt, bricht ein gewaltiges Erdbeben los, bei dem die gesamte Stadt zerstört wird. Straßen reißen auf, Gebäude stürzen ein, die Menschen fliehen in Panik. Der Kampf erreicht im schwankenden Koloss seinen Höhepunkt, bevor dieser schließlich – wie es in antiken Überlieferungen berichtet wird – ebenfalls zusammenbricht.

Der Film besticht jedoch nicht allein durch seine witzige Ironie und seine turbulente Action, sondern auch durch seinen deftigen, teils schwarzen Humor und seine Selbstironie, die beinahe den gesamten Film durchzieht.

Der Koloss von Rhodos (OT: Il colosso di Rodi), Regie: Sergio Leone, Drehbuch: Luciano Chitarini, Ennio De Concini, Produktion: Michele Scaglione, Darsteller: Rory Calhoun, Lera Massari, Gerges Marchal, Italien/Spanien/Frankreich 1961, 137 Min.

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diebvonbagdadSo ziemlich jeder dürfte den „Dieb von Bagdad“ schon einmal oder vielleicht sogar x-mal gesehen haben. Er gehörte für lange Zeit zum weihnachtlichen Standardprogramm des Fernsehens (neben „Die Zeitmaschine“ von George Pal). Am 5.12.1940 erlebte der Film seine Uraufführung und wurde damals mit drei Oscars ausgezeichnet: Beste Special Effects, Beste Farbphotographie und beste Ausstattung.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Sie handelt von dem Sultan Ahmad, der zusammen mit dem jungen Dieb Abu allerhand Abenteuer erlebt, nachdem ihn der böse Großwesir Jaffar durch einen hinterhältigen Trick entmachtet hat. Abu und der Sultan versuchen, zurück nach Bagdad zu gelangen. Nicht nur, um Jaffar vom Thron zu stoßen, sondern auch um die schöne Prinzessin zu retten.

Auch wenn der Film extrem erfolgreich war, so kam es bei der Produktion zu allerhand Problemen, die dazu führten, dass die Dreharbeiten des Filmes sich fast zwei Jahre hinzogen.

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Die Prinzessin (June Duprez) und Jaffar (Conrad Veidt); „Der Dieb von Bagdad“ (1940); Copyright: United Artists

Zu Beginn der Dreharbeiten war kein geeignetes Drehbuch vorhanden. Aus diesem Grunde wurde Miles Malleson dazu beauftragt, das vorhandene Buch umzuschreiben. Im Herbst 1939 mussten die Dreharbeiten abrupt eingestellt werden, da England in den Krieg eingetreten war und man das Studio für die Produktion von Propagandafilmen benötigte. Erst 1940 konnten daher die Dreharbeiten fortgesetzt werden. Nicht zuletzt gab es auch Streit zwischen dem Produzenten Alexander Kordan und dem Regisseur Ludwig Berger. Berger wollte aus dem Film eine Art Kammerspiel machen, Kordan dagegen wollte einen gewaltigen Film, der die Zuschauer von Anfang an in ihren Bann ziehen sollte. Da Berger nicht entlassen werden konnte, stellte man an seine Seite zwei Co-Regisseure: Michael Powell und Tim Whelan.

Trotz aller Turbulenzen war das Ergebnis mehr als nur sehenswert. Bis heute sind der riesige Dschinn, die unheimliche Mörderpuppe, das fliegende Pferd oder auch die Riesenspinne (nicht eingeblendet, sondern ein enorm großes Modell) nicht mehr aus der Welt des phantastischen Films wegzudenken. Nicht zu vergessen Conrad Veidt als Jaffar und natürlich June Duprez als die schöne Prinzessin.

Der Dieb von Bagdad (OT: The Thief of Bagdad), Regie: Ludwig Berger, Michael Powell, Drehbuch: Miles Malleson, Produktion: Alexander Korda, Darsteller: Conrad Veidt, Sabu, June Duprez, John Justin, Rex Ingram, Mary Morris. England 1940, 102 Min.

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