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Archive for the ‘Filmkritik’ Category

Nachdem sich Regisseur Zhang Yimou ein wenig in die chinesische Propaganditis verirrt hatte, versuchte er 2016 sein Revival in den internationalen Kinosälen. Dieses Mal ließ er die Propaganda beiseite und konzentrierte sich auf ein Monster-Action-Spektakel, das bei den Kritikern vollkommen durchfiel, was die Zuschauer aber nicht davon abhielt, scharenweise ins Kino zu gehen.

Mit „The great Wall“ liefert Yimou die etwas andere Erklärung dafür, weswegen die chinesische Mauer errichtet wurde. Nein, nicht wegen den Mongolen (was für ein Witz!), sondern wegen einem Rudel grüner Monster, die alle 60 Jahre versuchen, China zu überrennen. Genau in dieses Schlamassel geraten die beiden Söldner William Garin und Pero Tovar. Beide müssen der hübschen Generalin Lin Mae beistehen, damit die Monster einmal (frei nach SPD-Manier) so richtig in die Fresse kriegen.

Auch wenn die Kritiker sich mit diesem Film nicht anfreunden konnten, so hat er den Erfolg trotzdem verdient. Denn dieses unglaublich kurzweilige Monster-Kloppen ist dermaßen rasant in Szene gesetzt, dass es einfach nur eine Freude ist. Schöne Farben (die Kostüme der chinesischen Garde sind erstklassig), witzige Ideen und Monster, die endlich mal grünes Blut haben – mehr braucht es nicht, um den Trash-Freund bei Laune zu halten.

Dabei verliert sich der Film auch keineswegs in allzu große Oberflächlichkeit, sondern sorgt für schöne moralische Standpunkte, was ja der großteil der Hollywood-Blockbuster zurzeit vermissen lässt. Eingebunden in den Stil eines klassischen Abenteuerfilms, wirft Yimou dennoch so ziemlich alle Kategorien über den Haufen, so als habe er sich plötzlich Takashi Miike als Vorbild genommen, der einmal sagte, er drehe die Filme so wie er möchte, da sie sich sowieso niemand ansehe. Dies sorgt für eine ungeheure Frische, da hier bewusst Historie mit Fantasy vermischt wurde, auch auf die Gefahr hin, als völlig plemplem zu gelten und dadurch bei den Kritikern anzuecken (was ja auch erreicht wurde).

Der Angriff der Monster erinnert entfernt an die Hauptsequenz von „Tauchfahrt des Grauens“ (1978), in der ebenfalls Monster eine Festung angreifen. Möglich, dass Zhang Yimou sich dies als eine Art Blaupause für seinen eigenen Film genommen hat. Sicher ist nur, dass sich mal wieder alle aufregten. Denn nun war es niemanden recht, dass ein weißer Schauspieler die Hauptrolle in einem chinesischen Film inne hatte. Aber egal, zu meckern gibt es in dieser Hinsicht zurzeit anscheinend immer etwas. Aus Sicht der Handlung fragt man sich lediglich, was Willem Dafoe darin verloren hat. Seine Rolle ist im Grunde genommen überflüssig, was dazu führt, dass Dafoe seinen Platz im Film nicht wirklich findet. Ansonsten ist der von „Wonder Woman“-Produzent Charles Roven mitproduzierte Film echtes Popcornkino und hat das Zeug zu einem echten Trash-Klassiker.

The great Wall. Regie: Zhang Yimou, Drehbuch: Carlo Bernard, Doug Miro, Tony Gilroy, Produktion: Thomas Tull, Charles Roven, Darsteller: Matt Damon, Jing Tian, Pedro Pascal, Willem Dafoe, Andy Lau. USA/China 2016, 103 Min.

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Damit hatte wohl keiner gerechnet. Innerhalb kürzester Zeit wurde „Wonder Woman“ nicht nur zu einem der erfolgreichsten Filme des Jahres, sondern schrieb innerhalb weniger Wochen auch noch Filmgeschichte. Denn „Wonder Woman“ ist zugleich der erfolgreichste Film, bei dem eine Frau Regie führte.

Bereits mit ihrem Spielfilmdebut aus dem Jahr 2003, dem Krimi und Sozialdrama „Monster“, wurde Patty Jenkins mit Preisen überhäuft. Und nun setzte sie mit ihrer Regiearbeit für „Wonder Woman“ noch eins oben drauf. Denn in Sachen Emanzipation dürfte dieser Film zur Ikone werden. Die Comic-Adaption ist wohl die beste, die seit langem ins Kino kam. Hier geschieht genau das, was man sich von allen anderen Filmen gewünscht hätte: eine Mischung aus Action, Humor und Tiefgang.

All das, was viele der bisherigen Superheldenfilme falsch machten, macht „Wonder Woman“ richtig, und man fragt sich, wieso es nicht gleich so hätte sein können. Denn verabschieden sich die Comic-Adaptionen in eine immer größere Inhaltsleere, so zeigt Regisseurin Patty Jenkins, dass man sich innerhalb dieses Feldes auch anders bewegen kann.

Sie verleiht dem Film eine durch und durch ernste Thematik. Diana alias Diane Prince alias Wonder Woman (mit dem Fotomodell Gal Godot bestens besetzt) verlässt ihre Heimat, um die Welt vom Krieg zu befreien. Auf diese Weise gerät sie mitten hinein in das Geschehen des Ersten Weltkriegs. Zusammen mit dem Spion Steve Trevor macht sie sich auf die Suche nach dem Kriegsgott Ares. Denn nur wenn dieser vernichtet wird, kann angeblich wieder Frieden herrschen.

Es ist einfach toll, wie Jenkins dem Ziel, das sich Diana selbst setzt, eine Note verleiht, die Naivität und Tragik mit der mythologisch angehauchten Vorstellung von Heldentum verbindet. Dies verleiht dem Aspekt des Superhelden eine völlig neue Dimension, hinterfragt doch der Film das Verhalten eben dieser Comic-Helden, in dem er Wonder Woman in ein historisches Umfeld setzt, das geprägt ist von einem alles erschütternden Krieg. Diese Einbettung in eine sozialhistorische Realität regt durchaus zum Nachdenken an, verleiht dem Action-Fantasy-Spektakel eine gewisse Tiefe, da der Film auch nicht kritische Töne scheut, etwas, was man sich im aktuellen Blockbuster-Kino ja nicht mehr getraut.

So ist die Szene, in der Wonder Woman einen der Generäle direkt ins Gesicht schreit, dass er feige sei, da er so und so viele Menschen in den Tod schickt, aber sich selbst nicht auf das Schlachtfeld traut, geradezu sensationell. Doch auch die angedeuteten Diskussionen über das Wesen des Menschen, über Hass und Brutalität und die Frage, weswegen sich Menschen solche Konflikte überhaupt antun, wenn sie doch genauso gut in Frieden leben könnten, verweisen auf zentrale soziologische und philosophische Fragestellungen.

Mit „Wonder Woman“ ist Patty Jenkins ein toller Wurf geglückt, von dessen Sorte man sich mehr wünscht. Man kann daher nur hoffen, dass die folgenden Filme, die es mit Sicherheit geben wird, nicht der gegenwärtigen Superhelden-Tristesse anheim fallen werden, sondern sich auf diese positive Weise weiter entfalten.

Wonder Woman. Regie: Patty Jenkins, Drehbuch: Allan Heinberg, Produktion: Zack Snyder, Charles Roven, Darsteller: Gal Gadot, Chris Pine, Connie Nielsen, Danny Huston, David Thewlis, Elena Anaya. USA 2017, 141 Min.

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Es hätte im Grunde genommen sehr gut werden können. Der Anfang versprach durchaus ein tiefgründiges SF-Abenteuer. Doch dann geschah folgendes: Regisseur Ridley Scott wollte sich dann doch nicht allzu tief in theologische und philosophische Diskussionen einlassen und beließ es dann weitestgehend bei der Oberflächichkeit.

Nachdem man bei der Alien-Reihe mit den Zahlen durch ist, beginnt man nun die Reihe mit der Aufzählung von Raumschiffnamen. Nach der Prometheus ist daher nun die Covenant an der Reihe. „Alien: Covenant“ will sich als Fortsetzung von „Prometheus“ verstehen, doch kommt der Film nicht wirklich über ein Quasi-Remake hinaus. Auf diesen Umstand verweist bereits die Musik von Jed Kurzel, die sich an der Originalmusik von Jerry Goldsmith orientiert.

Und daher sehen wir einmal mehr ein Raumschiff, in dem die Besatzung aus dem Tiefschlaf erwacht, da ein sonderbares Signal empfangen wurde. Nach kurzer Diskussion macht man sich dann auf, um nach der Quelle dieses Signals zu suchen. Und siehe da: praktisch wie aus dem Ei gepällt, springen der Besatzung die Aliens um die Ohren.

Versagt der Film dabei, seine angepeilte Tiefgründigkeit aufrechtzuerhalten, so versucht er, dies durch eine geniale Optik wieder wett zu machen. Die sorgfältig konzipierten Aufnahmen, die sich manchmal an modernen und klassischen Gemälden orientieren (in einer kurzen Sequenz sieht man dann auch Arnold Böcklins „Die Toteninsel“ als einen direkten Hinweis darauf) sind beinahe zu schade für den neuesten Alien-Streifen. Denn hätte Scott diese noch mit einer Geschichte verwoben, die sich mit den zentralen Fragen des menschlichen Daseins beschäftigt, so wäre daraus eine Art „Silence“ auf Speed geworden, kurz: ein toller SF-Streifen.

Aber Scott  wollte das anscheinend nicht. Dies macht sich dann auch in Fassbenders Darstellung von David bzw. Walter bemerkbar, die im Prolog überrragend ist, aber im Laufe des Films von Mal zu Mal weniger beeindruckt, so als habe er sich während des Drehs zunehmend  gelangweilt, da die Herausforderungen wegfielen. Statt also eine grundlegende Diskussion anzustoßen, nähert sich der Film dem Splatter-Genre der 80er Jahre an, wobei eine Mischung aus Puppen- und CGI-Effekten verwendet wird. Dabei nimmt man auch bewusst das Tangieren des Trash-Genres in kauf, was nicht schlimm ist, doch verliert man sich dabei hin und wieder in ein paar Ungereimtheiten. Das ist alles sehr schade, denn, wie gesagt, der Film hätte das Potential gehabt, wirklich gut zu werden. Aber Hollywood ist nun einmal Hollywood und daher braucht man sich eigentlich nicht über das Ergebnis zu wundern.

Alien: Covenant. Regie: Ridley Scott, Drehbuch: John Logan, Dante Harper, Produktion: Ridley Scott, Walter Hill, Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Guy Pearce. USA 2017, 117 Min.

 

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Mrs Muir (Gene Tierney) und Kapitän Clegg (Rex Harrison) in einer der vielen berühmten Szenen; „The Ghost and Mrs Muir“ (1947); Copyright: 20th Century Fox

Eine junge Witwe zieht zusammen mit ihrer Tochter in ein einsames, an der Küste gelegenes Haus, in dem es spukt. Was klingt wie der Plot eines modernen Horrorfilms, ist die Grundhandlung des Hollywoodklassikers „The Ghost and Mrs Muir“ aus dem Jahr 1947. In Deutschland weitestgehend unbekannt, zählt der Film in den USA zu den beliebtesten Filmen überhaupt.

Tatsächlich kam die Adaption des Romans „The Ghost of Captain Gregg and Mrs. Muir“ von R. A. Dick (ein Pseudonym der Autorin Josephine Leslie) nie in die deutschen Kinos. Zum ersten Mal wurde der Film 1989 im ZDF unter dem idiotischen Titel „Ein Gespenst auf Freiersfüßen“ ausgestrahlt, mit einer noch dämlicheren Synchro, da der Geist des Kapitäns mit ostfriesischem Dialekt spricht.

„The Ghost and Mrs Muir“ ist das, was man als einen perfekten Film bezeichnet. Es handelt sich um eine Mischung aus Romantik, Drama und Fantasy, wobei der Film vor allem durch seinen wunderbaren, melancholischen Witz besticht. Denn Regisseur Joseph Mankiewicz stellt seine Hauptfiguren vor vorhandene Tatsachen: da ist zum einen Mrs Muir, die alles verloren hat und dennoch versuchen möchte, auf eigenen Beinen zu stehen. Und da ist zum anderen Kapitän Clegg, der vor mehreren Jahren verstorben ist und nun als Geist durch das alte Haus spukt.

Clegg hat bisher jeden Mieter des Hauses erfolgreich vertreiben können. Bei Mrs Muir jedoch beißt er auf Granit, da sie aufgrund finanzieller Probleme einfach nicht mehr wegziehen kann. Aus dieser tragikomischen Situation ergibt sich ein bis dahin noch nie da gewesener Liebesfilm, dessen besondere Atmosphäre, dessen Humor und dessen Tragik bis heute ihresgleichen suchen.

Um Mrs Muir aus der finanziellen Klemme zu helfen, diktiert Clegg ihr seine Biografie, die sie einem bestimmten Verlag anbieten soll. Doch Kapitän Cleggs ungehobelte Sprache stößt bei Mrs Muir auf Ablehnung. Im Laufe der Zeit aber gewöhnt sie sich selbst Cleggs Schimpfwörter an, was zu allerhand Situationskomik führt. Höhepunkt ist dabei das angedeutete Wort „Fuck“, das Mrs Muir mit der Schreibmaschnine tippt.

Überhaupt ist der Film für seine damalige Zeit ungewöhnlich direkt. Sexuelle Anspielungen spielen bei den Dialogen eine nicht unwesentliche Rolle. Nicht weniger die Schimpfwörter, die Clegg verwendet, um seiner Wut Luft zu machen. Die Szene, in der Clegg und Mrs Muir einen Fahrgast aus dem Zugabteil vertreiben, ist bis heute legendär. Das Lachen von Mrs Muir und dem Kapitän, das darauf folgt und ihren anfänglichen Streit sowie all ihre Probleme zu vertreiben scheint und trotz aller Gegensätze ihre Gemeinsamkeiten betont, ist so beeindruckend und emotional dermaßen intensiv umgesetzt, dass es noch lange in einem nachhallt.

Mrs Muir (Gene Tierney) und Kapitän Clegg (Rex Harrison); „The Ghost and Mrs Muir“ (1947); Copyright: 20th Century Fox

Diese wundervolle Beziehung zwischen Clegg und Mrs Muir wird jedoch auf die Probe gestellt, als Mrs Muir durch Zufall auf den Autor Miles Fairley trifft, vor dem sie alle warnen, zu dem sie sich jedoch mehr und mehr hingezogen fühlt.

„The Ghost and Mrs Muir“ erhielt trotz seiner großartigen Inszenierung lediglich eine Oskarnominierung für die Beste Kamera. Die wunderbare Filmmusik wurde nicht berücksichtigt, genauso wenig das Drehbuch. Die Dialoge stecken voller Witz, sind zugleich aber getragen von einer fast schon sinnlichen Melancholie, welche den gesamten Film bestimmen und ihn so einzigartig macht.

20 Jahre später wurde aus der Handlung eine 50-teilige TV-Serie gedreht, in der Knight Rider-Veteran Edward Muthare den Kapitän und Hope Lang Mrs Muir spielte. Die Serie, die 1968 bis 1970 ausgestrahlt wurde, erwies sich jedoch als wenig erfolgreich, sodass sie schließlich wieder abgesetzt wurde. Der Kinofilm jedoch wurde inzwischen vom American Film Institute auf Platz zehn der wichtigsten Fantasy-Filme gewählt.

The Ghost and Mrs Muir. Regie: Joseph Mankiewicz, Drehbuch: Philip Dunne, Produktion: Fred Kohlmar, Darsteller: Gene Tierney, Rex Harrison, George Sanders, Edna Best, Vanessa Brown, Natalie Wood. USA 1947, 100 Min.

 

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Obwohl die Hochphase des neuen spanischen Horrorfilms, die etwa Anfang 2000 begann, längst wieder verpufft ist, so kommen dennoch immer mal wieder interessante und vor allem sehenswerte Genrefilme über die Pyrenäen. So z.B. der Thriller „El Bar“ des Regisseurs Alex de la Iglesia.

Iglesia ist einer der wenigen spanischen Regisseure, der sich voll und ganz auf das Horror- und Thrillergenre spezialisiert hat und dabei fast schon regelmäßig Preise einheimst. Sein neuester Streich spielt, wie es der Titel bereits verrät, in einer Bar in der Innenstadt von Madrid. Dort befindet sich gerade eine Handvoll Leute, als auf einmal ein hustender Mann das Lokal betritt und sich in der Toilette verschanzt. Kurz darauf wird ein Kunde, der die Bar verläßt, erschossen und die Umgebung, in der sich die Bar befindet, weiträumig abgesperrt. Für die kleine Gruppe in der Kneipe ist nur eines klar: sie müssen einen Weg hinaus finden. Denn die Lage wird immer bedrohlicher.

„El Bar“ ist eine durch und durch gelungene Mischung aus Thriller, Horror und schwarzer Komödie. Die Anspielungen auf „Rec“ sind gewollt und werden in einer Szene auch mit viel Selbsironie angesprochen. Während „Rec“ aber direkt zeigt, was los ist, so setzt „El Bar“ auf Andeutungen. Dies führt zu einem spannenden Rahmen, innerhalb dessen sich dann die eigentliche Story entfaltet.

Denn diese geht darum, wie die Lage in der Bar nach und nach eskaliert. Sind sich alle zunächst im Klaren, dass sie zusammenhalten müssen, so bröckelt dieser Zusammenhalt sofort, als es nur darum geht, wer mit dem noch einzigen funktionierenden Handy telefonieren darf. Immer weiter spitzt sich die Situation zu, bis diese völlig außer Kontrolle gerät.

Iglesia zeigt auch in diesem Film, dass er sein Handwerk versteht. Die Geschichte rast ungebremst voran, wird dabei von Mal zu Mal dichter und spannender, wobei sich parallel dazu die Konflikte radikalisieren und regelrecht ausarten. All dies aber stets versehen mit einem ironischen Schmunzeln, das aus all den Geschehnissen eine bissige Horrorkomödie macht, die das zwischenmenschliche Verhalten und die Moral in unserer Gesellschaft aufs Korn nimmt. Dies macht „El Bar“ zu einem äußerst kurzweiligen und witzigen Filmvergnügen. Kurz: Sehenswert.

El Bar. Regie: Alex de La Iglesia, Drehbuch: Alex de la Iglesia, Jorge Guerricaechevarria, Produktion: Carolina Bang, Alex de la Isglesia, Darsteller: Mario Casas, Blanca Suarez, Alejandro Awada, Carmen Machi, Terele Pavez, Jaime Orodnez. Spanien 2017, 98 Min.

 

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Mit dem Film „Den Sternen so nah“ („The Space between us“) erhoffte man sich anscheinend die Teenie-Romanze des Jahres zu bringen. Doch der Schuss ging nach hinten los, denn der Film wurde ein Flop-Desaster. Von den 30 Millionen Produktionskosten spielte er nicht einmal die Hälfte ein. Dabei hat der Film ein solches Schicksal eigentlich nicht verdient.

Die durchaus originelle Handlung dreht sich um den 16jährigen Jungen Gardner, der als erster Mensch überhaupt auf dem Mars aufgewachsen ist. Ein negativer Aspekt dieser Entwicklung aber ist, dass er unter der Glasknochenkrankheit leidet. Sein größter Wunsch: endlich einmal die Erde zu besuchen. Übers Internet chattet er inzwischen mit der Schülerin Tulsa. Als sich Gardners Wunsch endlich erfüllt und er ihr Tulsa begegnet, ist allerdings nicht jeder froh darüber. Der Unternehmer Nathaniel Shepherd möchte Gardners Existenz unter allen Umständen geheim halten und den Jungen in seine Gewalt bringen …

„Den Sternen so nah“ überzeugt als netter SF-Film, der ohne Geballer auskommt und dennoch jede Menge Action aufweist. Doch verlegt sich der Film zum Glück nicht allein darauf, aufregend zu sein. Regisseur Peter Chelsom konzentriert sich auf seine beiden liebevoll charakterisierten Hauptfiguren Gardner und Tulsa und deren Sicht auf die Welt. Und dies ist eine große Stärke des Films. Ganz ohne Kitsch erzählt der Film dadurch die Geschichte zweier Außenseiter, die beide versuchen, aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen.

So ist es nicht verwunderlich, dass Chelsom seinen SF-Film mit den Aspekten des Roadmovies verknüpft. Da, wo der Film allerdings schwächelt, sind ausgerechnet die Szenen, in denen sich Gardner und Tulsa nahe kommen. Das Romantische wirkt verkrampft und zu sehr gestellt. Kurz, genau in diesen Momenten nimmt man den beiden Hauptdarstellern ihre Rollen nicht ab.

Insgesamt aber ist es erstaunlich, dass „Den Sternen so nah“ auf ganzer Linie floppte. Die wundervolle Optik, die interessanten Figuren und die spannende und, wie oben bereits bemerkt, originelle Handlung hätten das nicht erwarten lassen. Möglicherweise aber gelingt dem Film der Durchbruch in der Zweitverwertung als DVD und auf diversen Streaming-Portalen. Verdient hätte er es.

Den Sternen so nah (OT: The Space between us). Regie: Peter Chelsom, Drehbuch: Allan Loeb, Stewart Schill, Richard Barton Lewis, Produktion: Richard Barton Lewis, Darsteller: Asa Butterfield, Britt Robertson, Gary Oldman, Carla Gugino, Janet Montgomery. USA 2017, 121 Min.

 

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Hollywood versucht sich wieder an den großen Monstern und dieses Mal muss statt Godzilla King Kong ran. Interessanterweise verlegte man die Handlung ins Jahr 1973 – an einen filmgeschichtlichen Wendepunkt des Hollywoodkinos. Damals wurden die Filme zunehmend sozialkritischer und man könnte annehmen, dass der Regisseur diese Anspielung dazu nutzt, um seinen Film ebenfalls unbequem werden zu lassen. Doch weit gefehlt.

Jordan Vogt-Roberts macht zwar aus dem Abenteuer einen farblichen Augenschmaus, ganz zu schweigen von den Effekten, die sich mehr als nur sehen lassen können, doch für kritische Aspekte reicht es dann doch nicht, auch wenn er anfangs die US-Außenpolitik anhand der schießwütigen Soldaten durch den Kakao zieht. Doch damit hat es sich dann auch schon, der restliche Film konzentriert sich auf reine Action, visuell allerdings wirklich stark umgesetzt, verliert dabei allerdings den Sinn und Zweck seiner menschlichen Figuren fast vollkommen aus den Augen.

Zum Beispiel ist Tom Hiddelstons Rolle regelrecht nicht vorhanden. Die Figur ist nicht nur zu hundert Prozent uninteressant, sondern besitzt im ganzen Film so gut wie keine Funktion. Nicht weniger ärmlich sieht es mit der weiblichen Hauptrolle aus, bei der es Brie Larson sogar fertig bekommt, sie schlecht zu spielen. Einzig und allein ist es mal wieder Samuel L. Jackson, dessen charismatische Ausstrahlung die Aufmerksamkeit zwischendurch auch wieder auf das Verhalten der Menschen zieht.

In dieser Hinsicht funktioniert der Film einzig und allein durch seine wirklich gute Optik, seine teils schöne und interessante Farbgebung und, wie oben bereits erwähnt, durch die Effekte. Aber dann bekommt Vogt-Roberts an manchen Stellen dann doch einen Sinn fürs Hintergründige, indem er hier und da ein paar eigenwillige Filmzitate einstreut – schon allein das Plakat, das einen skurrilen Querverweis auf „Apokalypse Now“ darstellt, ist ein Beispiel dafür. Besonders originell und witzig ist dabei allerdings die Anspielung auf Park Chan-Wooks „Oldboy“, wenn King Kong ein Armstück des Riesenkraken verspeist und dieser genauso an seinen Wangen kleben bleibt wie in der berühmtberüchtigten Szene mit Choi Min-Sik, wenn dieser einen lebendigen Kraken mampft.

Da der Film jedoch im Hinblick auf die Story unglaublich oberflächlich bleibt, bleibt am Ende außer den Filmzitaten und den satten Farben nicht mehr viel hängen. Es wirkt letztendlich wie ein teurer Schnellschuss, dessen Wirkung in Sekundenschnelle wieder verpufft.

Kong: Skull Island. Regie: Jordan Vogt-Roberts, Drehbuch: Dan Gilroy, Produktion: Jon Jashni, Darsteller: Tom Hiddelston, Samuel L. Jackson, Brie Larson, John Goodman, John C. Reilly. USA 2016, 119 Min.

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