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Archive for the ‘Filmkritik’ Category

Nachdem Regisseur Michael Cimono (1939 – 2016) mit dem Western „Heaven’s Gate“ (1980) einen der größten Flops der Filmgeschichte abgeliefert hatte, der dazu führte, dass die pleite gegangene United Artists an MGM verkauft wurde, hatte er Schwierigkeiten, Gelder für neue Projekte zu erhalten. Doch Mitte der 80er Jahre konnte er den bekannten Filmproduzenten Dino de Laurentis für seine neueste Arbeit gewinnen: „Das Jahr des Drachen“, ein Film, der damals umstritten war, heute aber zu den Klassikern nicht nur der 80er Jahre, sondern auch des Kriminalfilms zählt.

Es geht darin um den neuen Polizeichef Stanley White, der nach Chinatown versetzt wird, wo sich zwei Clans bis aufs Blut bekämpfen. White möchte dem ein Ende setzen und legt sich mit den Bossen der chinesischen Mafia an, allen voran mit dem jungen Gangster Joey Tai, der riesige Mengen Kokain nach New York schmuggeln möchte.

Damalige Kritiker unterstellten dem Film eine rassistische Darstellungsweise, was u.a. dazu führte, dass sinoamerikanische Vereinigungen gegen den Film protestierten. Die Verwaltung von Chinatown befürchtete zudem, dass aufgrund der negativen Darstellungsweise des New Yorker Stadtteils die Touristenzahlen drastisch zurückgehen würden.

Damals wie heute war bei solchen Themen mehr Hysterie als sonst etwas im Gange, denn die Frage lautet, wieso ein Film rassistisch sein soll, wenn er sich mit der in Chinatown ansässigen chinesischen Mafia beschäftigt. „Das Jahr des Drachen“ zeigt die Brutalität der Gangster und setzt diese der Brutalität Stanley Whites gegenüber, der als Einzelkämpfer für Recht und Ordnung sorgt. Von Rassismus keine Spur.

Als Großstadt-Thriller konzipiert, arbeitet er mit Elementen des Neo-Noir, die er mit den Merkmalen des modernen Gangsterfilms verbindet. Später sollte Ridley Scott eine ganz ähnliche Geschichte mit „Black Rain“ auf die Leinwand bringen. Cimono konzentriert sich in seinem Film auf die Charakterisierung der beiden Kontrahenten Joey Tai und Stanley White, wobei er beiden Figuren eine interessante Tiefe verleiht und ihnen gleichzeitig nichts schenkt.

Der Konflikt wird knallhart ausgetragen, die actionreiche Handlung nimmt dabei klare dramatische Züge an, die dem Film eine zusätzliche Wucht verleihen. Bei allem dominiert eine wunderbare Optik, die „Das Jahr des Drachen“ fast schon zu einem cineastischen Rausch werden lässt. Dies führt dazu, dass einem der Film gleich von Anfang an in seinen Bann schlägt.

Hinzu kommt natürlich die spannende Story, die ohne Kompromisse voranschreitet und in einem äußerst intensiven Höhepunkt kumuliert, der seinesgleichen sucht. 2015 erhielt der Regisseur beim Filmfestspiel von Locarno den Ehrenleopard für sein Lebenswerk.

Das Jahr des Drachen (Year of the Dragon). Regie: Michael Cimono, Drehbuch: Oliver Stone, Michael Cimono, Produktion: Dino de Laurentis, Darsteller: Mickey Rourke, John Lone, Ariane, Dennis Dun, Victor Wong. USA 1985, 134 Min.

 

 

 

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Ob Kenneth Branagh mit dem Erfolg der Neuverfilmung von Agatha Christies „Mord im Orientexpress“ gerechnet hat? Auf jeden Fall hat der Erfolg die Kritiker überrascht – den Produktionskosten von ca. 55 Millionen Dollar stehen Einnahmen von ca. 350 Millionen Dollar gegenüber. Während die Hollywood-Produktionen ihre Existenz nur noch mehr dadurch zu legitimieren scheinen, indem sie den Zuschauern Computer generierte Effekte um die Ohren hauen, setzte Branagh auf das genaue Gegenteil: kaum Spezialeffekte, keine Action, sondern eine klassische Kriminalgeschichte, in der es allein darum geht, den Täter mit genialem Spürsinn zu entlarven.

Agatha Christie-Fans waren dennoch nicht ganz mit der Darstellungsweise einverstanden. Immerhin nahm sich Branagh die Freiheit heraus, der berühmten Figur Hercule Poirot graumeliertes Haar zu verleihen und nicht die von Agatha Christie beschriebene mit viel Pomade versehene schwarzhaarige Frisur. Insgesamt aber orientiert sich die Neuadaption recht genau an dem Roman, wobei er sich in der Anfangssequenz dann aber doch eine gewisse Eigeninitiative erlaubt, um die Genialität von Hercule Poirot dem Zuschauer deutlich zu machen.

Doch mit allem, was danach kommt, hätte die Queen of Crime sicherlich ihre Freude gehabt. Das Einzige, was fehlt, ist der berühmte Running-Gag der Poirot-Romane, in dem der Meisterdetektiv stets für einen Franzosen gehalten wird, obwohl er Belgier ist. Dies wandelte Drehbuchautor Michael Green, der auch an dem Skript zu „Blade Runner 2049“ mitgearbeitet hat, um in die stets falsche Aussprache von Poirots Vornamen.

Dem Film gelingt es jedenfalls, sowohl als Remake der berühmten Verfilmung von 1974 als auch als Adaption des Romans zu funktionieren. Auf diese Weise schwankt Branaghs Version stets zwischen Zitat und Adaption hin und her, wobei der Originalfilm mit der Hintergrundgeschichte eindeutig besser umgeht als die neue Version. Damals stellte man die Geschehnisse ganz in Form des postmodernen Horrorfilms in Szene, was dem Film einen rätselhaften und nicht weniger unheimlichen Rahmen verlieh, der bei Branagh fehlt.

Dennoch ist die Neuverfilmung sehr gelungen, unterhaltsam und spannend, auch wenn man als Agatha Christie-Fan die Lösung natürlich schon kennt. Doch geht es ja auch um Darstellungsweise und Atmosphäre und beides ist in „Mord im Orientexpress“ schlicht und ergreifend hervorragend. Man darf daher gespannt sein, wie Branaghs Version von „Tod auf dem Nil“ aussehen wird, die bereits in Vorproduktion gegangen ist.

Mord im Orientexpress. Regie: Kenneth Branagh, Drehbuch: Michael Green, Produktion: Ridley Scott, Darsteller: Kenneth Branagh, Michelle Pfeifer, Penelope Cruz, Willem Dafoe, Judi Dench, Johnny Depp, Josh Gad, Derek Jacobi, Leslie Odom Jr. USA 2017, 114 Min.

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Nun hat es dann doch geklappt. 2011 kam es zu ersten Verhandlungen hinsichtlich einer Fortsetzung von „Blade Runner“. Sechs Jahre danach kam der fertige Film in die Kinos – und war nicht der Erfolg, den man sich erhofft hatte. „Blade Runner 2049“ konnte bisher die Kosten nicht einspielen. Das Hauptproblem: die meisten der jüngeren Zuschauer kennen das Original nicht und daher ging ihnen dieser Film am Allerwertesten vorbei.

Die Frage lautet wirklich, ob es einer Fortsetzung bedurft hätte. Gut, das Original lässt, rein auf die Handlung bezogen, offen, ob Rick Deckard nun auch ein Replikant ist oder nicht, wobei die Symbolik des Films hier eine klarere Sprache spricht. Wie dem auch sei, „Blade Runner 2049“ spielt 30 Jahre nach der Originalhandlung. Dieses Mal ist es der Blade Runner K, der nach einem verschwundenen Kind suchen soll, das eigentlich nicht existieren dürfte, soll es sich dabei doch um das Kind zweier Replikanten handeln.

Regie führte Denis Villeneuve, der spätestens durch seinen SF-Film „Arrival“ (2016) gezeigt hat, dass heutiges Kino auch anders kann, nämlich eine interessante Handlung mit hohem Anspruch zu verbinden. Ein Aspekt also, für den Hollywood seit Jahren nicht mehr steht. Seinen hohen Anspruch an Ästhetik, Handlung und Symbolik übertrug Villeneuve auch auf „Blade Runner 2049“, zum Ärger Ridley Scotts, der das Prequel als viel zu langsam und ereignisarm bezeichnet hat.

Aber genau das macht diesen Film zu einer hervorragenden Produktion, die den Themen, mit denen sich Philip K. Dick in seinen Romanen beschäftigte, gerecht wird. Der Film ist in der Tat langsam, kommt manchmal beinahe zum Stillstand, und schafft dabei einen absoluten Gegenpol zum derzeitgen schnellen und inhaltsleeren Blockbusterkino. Denn „Blade Runner 2049“ ist fast schon so etwas wie eine Meditation um die Frage nach der eigenen Identität, nach der eigenen Herkunft, nach Moral und Religion. Wie gesagt, alles Themen, mit denen sich Dick in seinen Werken auseinandersetzte.

So bezieht sich der Film auch immer wieder auf Kurzgeschichten und Romane Philip K. Dicks, wie etwa die riesigen Müllberge oder eben auch das Kind, das anders ist als die anderen. Hinzu kommen Zitate auf Filmklassiker wie etwa „Solyent Green“ und „M.A.R.K. 13“. Und nicht zuletzt ist natürlich auch der Name der Hauptfigur K eine Anspielung auf den amerikanischen Schriftsteller.

„Blade Runner 2049“ ist ein Film, der sich tatsächlich mit den Themen, die er anspricht, beschäftigt und sie nicht nacheinander abhakt, um danach schnell in sinnlose Daueraction überzugehen. Nein, der Film ist etwas Besonderes. Die elgenate Kameraführung, die bis ins Detail liebevoll gestalteten Kulissen, die Spezialeffekte und nicht zuletzt die wunderbare Farbgebung, die sich klarerweise an dem Original orientiert, sich zusätzlich aber auch auf andere Filme der 80er Jahre bezieht – in Villeneuves Regiearbeit findet Kino zurück zu seiner eigentlichen Ausdrucksstärke.

„Blade Runner 2049“ ist ein Film, der vollkommen überzeugt, eine durchaus mutige Produktion, die sich bewusst gegen den Mainstream stellt, obwohl sie zugleich Mainstream ist. Auf diese Weise wird der Film selbst zu einer Sinnsuche innerhalb des derzeitigen Hollywood-Kinos.

Blade Runner 2049. Regie: Denis Villeneuve, Drehbuch: Hampton Fancher, Michael Green, Produktion: Andrew A. Kosove, Broderick Johnson, Bud Yorkin, Darsteller: Ryan Gosling, Harrison Ford, Ana de Armas, Sylvia Hoeks, Robin Wright, Carla Juri, Jared Leto. USA 2017, 163 Min.

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„Atomic Blonde“ hat ein Problem: Der Film möchte sich als Agententhriller verstehen, scheitert in dieser Hinsicht jedoch auf ganzer Linie. Regie führte Stuntman und Regisseur David Leitch, der gleich mit seinem Debut „John Wick“ einen enormen Erfolg für sich verbuchen durfte. So ist es dann auch kein Wunder, dass die Produzenten oder besser die Produzentin ihm gleich die Regie für die Comic-Adaption „Atomic Blonde“ anvertraute.

Immerhin geht es auch in dieser Story knallhart und ohne Kompromisse zu. Statt Keanu Reeves ballert Charlize Theron durch die Gegend, und weil man das Jahr 1989 und das Ende des Kalten Krieges feiert, müssen nochmals die Russen dran glauben. Das alles wäre ja ganz schön, wenn der Film eben nicht nur als Adaption, sondern auch als Agentenfilm funktionieren würde. Tut er aber nicht.

MI6-Agentin Lorraine Broughton kommt nach Berlin, um nach einer Liste zu suchen, auf der die Namen diverser westlicher Agenten verzeichnet sind. Zugleich ist sie auf der Suche nach dem Doppelagenten Satchel, der diese Liste auswendig kann, um ihn nach England zu bringen. Doch schon sind ihr die Russen auf den Fersen, die diese Liste ebenfalls in die Hände bekommen möchten.

Das alles klingt recht spannend und nach schönen klassischen Agentenspielchen, doch David Leitch gelingt es tatsächlich, eben diese Handlung uninteressant und oberflächlich abzuarbeiten. Dass im Kalten Krieg zwei Ideologien aufeinaderprallten, davon ist keine Rede. Hier geht es nur um die bösen Russen und die guten Engländer, die sich gegenseitig eins auf die Ömme geben. Mehr aber kommt bei „Atomic Blonde“ nicht heraus.

Das ist wirklich schade. Denn der Film hätte durchaus das Potenzial dazu gehabt, das Genre des klassischen Agententhrillers neu zu beleben, so wie dies bereits 2013 der koreanische Film „Berlin File“ getan hat. Und anfangs versucht er dies ja auch, indem er kurz „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Der dritte Mann“ zitiert. Aber danach verließen Leitch die guten Geister und den Rest des Films kann man getrost in der Pfeife rauchen.

Selbst im Hinblick auf die Popkultur stellt sich die Frage, weswegen „Atomic Blonde“, dessen Handlung Ende der 80er Jahre spielt, Songs der Neuen Deutschen Welle zitiert, die es damals schon seit knapp fünf Jahren nicht mehr gab. Auch die übrigen Songs sind natürlich Hits der 80er, aber spiegeln eben nicht das Ende der 80er Jahre wider.

Auf diese Weise zieht sich der Film 115 Minuten lang hin, die einem beinahe wie gefühlte drei langatmige Stunden vorkommen. Anscheinend hatte man deswegen noch auf Toby Jones und John Goodman für die Randfiguren zurückgegeriffen, um dem Film doch noch so etwas wie Stil zu verleihen. Aber selbst die beiden schaffen es nicht, den Film zu retten.

Atomic Blonde. Regie: David Leitch, Drehbuch: John Johnstad, Produktion: Charlize Theron, Darsteller: Charlize Theron, James McAvoy, Toby Jones, John Goodman, Sofia Boutella, Eddie Marsan. USA 2017, 115 Min.

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Bereits 2015 versuchte sich Südkoreas Filmindustrie in Sachen Exorzismus. Das Ergebnis waren damals zwei Filme, die unterschiedlich nicht hätten sein können. Mit „The Chosen – Forbidden Cave“ legte man einen spannenden und durchaus originellen Horrorstreifen vor, der einen Hauch von Hammers Klassiker „Das schwarze Reptil“ beinhaltete, während man mit „The Priest“ einen unfreiwillig komischen „Exorzist“-Abklatsch hervorbrachte, der zwar erfolgreich gewesen war, aber zurecht schnell wieder in der Versenkung verschwand.

Nun, zwei Jahre später, hat man anscheinend von diesem Thema immer noch nicht genug. Denn erneut versuchte man, das Thema Exorzismus filmisch umzusetzen. Regie und Drehbuch stammten von Thriller-Experten Na Hong-Jin, der bereits mit seinem überaus düsteren Thriller „The Chaser“ (2008) für Aufsehen gesorgt hatte. Und nun also „The Wailing“, im Original „Gokseong“, der Name des Ortes, in dem die Geschichte spielt.

Es geht um sonderbare Zwischenfälle, die sich in Gokseong ereignen. Harmlose Menschen werden von einer Sekunde auf die andere verrückt und bringen ihre Familien um, eine sonderbare Krankheit, die mit einem schmerzenden Hautausschlag einhergeht, sucht den Ort heim. Immer mehr Einheimische verdächtigen einen Japaner, der als Einsiedler in dem Wald lebt, der Gokseong umgibt. Die Polizei steht vor einem Rätsel. Als schließlich auch die Tochter eines der Polizisten von der Krankheit befallen wird, beschließt dessen Frau, einen Schamanen hinzuzuziehen.

Beinahe drei Jahre soll Na Hong-Jin am Drehbuch geschrieben haben. Finanziell unterstützt wurde er von 20th Century Fox, eine neue Strategie der Hollywoodstudios, die seit den 90er Jahren vergeblich versuchen, in Südkorea Fuß zu fassen. Und wie verhält es sich mit dem Film? Zum Glück ließ das Studio dem Regisseur freie Hand. Denn „The Wailing“ stellt K-Horror auf eine neue Stufe.

Originalkinoplakat zu „Gokseong“ (The Wailing)

In dem Film verbindet Na traditionelle westliche mit den traditionellen Glaubensvorstellungen Südkoreas. Kommt es in Friedkins „Exorzist“ (1973) zu einer originellen Gegenüberstellung zwischen Glauben und Wissenschaft, so stellt Na zwei verschiedene Glaubensrichtungen gegenüber, die jeweils auf ihre Weise versuchen, dem Bösen, das sich in Gokseong eingenistet hat, Herr zu werden.

Na gibt sich dabei nicht mit Oberflächlichkeiten ab, sondern geht bei den jeweiligen Riten bis ins Detail. Man merkt dem Film tatsächlich an, dass Na jahrelang an dem Drehbuch geschrieben hat. Eingefangen wird das Ganze mit den wundervollen Bildern Hong Kyung-Pos, der dem Film eine wunderbare, düstere Ästhetik verleiht, die man vor allem im koreanischen Horrorfilm der letzten Zeit eher vermisst hat.

Auf diese Weise schildert Na die Geschichte einer Gruppe einfacher Polizisten, die mit den Geschehnissen in ihrem Ort völlig überfordert sind. Vor allem Darsteller Kwak Do-Won spielt die Rolle des Polizisten Jeong Jong-Gu vollkommen überzeugend. Hin- und hergerissen zwischen seiner Stellung als Ordnungshüter und seiner Rolle als Familienvater, weiß Jeong letztendlich nicht, wie er den Fall lösen soll. Und als schließlich die Verzweiflung obsiegt, ist ihm jedes Mittel recht.

Irgendwie wird man bei der Sichtung von „The Wailing“ den Verdacht nicht los, als habe sich Na Hong-Jin von den Filmen Larry Fessendens inspirieren lassen. Dies zeigt sich vor allem in den einzigartigen Landschaftsaufnahmen, mit denen Na seinen Film würzt – ganz ähnlich wie z.B. in „Wendigo“ des New Yorker-Indieregisseurs. Für Nas Film erweist sich dies als eine ungeheure Bereicherung, schaffen diese Bilder doch einen einzigartigen Kontrast zum unheimlichen Geschehen.

Auch wenn „The Wailing“ in einer seiner Hauptszenen droht, in den Trash umzukippen, so ist der Film als Ganzes nicht nur ein optisch hervorragend gemachtes Filmerlebnis, sondern liefert zugleich eine sehr spannende und beklemmende Handlung, der man die zweieinhalb Stunden Spieldauer keineswegs anmerkt. Die Preise, mit denen der Film bisher regelrecht überhäuft wurde, hat er mehr als nur verdient. Kurz: Sehr zu empfehlen.

The Wailing – Die Besessenen (OT: Gokseong). Regie u. Drehbuch: Na Hong-Jin, Produktion: Lim Min-Sub, Darsteller: Kwak Do-Won, Hwang Jun-Min, Chun Woo-Hee, Jun Kunimura, Kim Hwan-Hee. Südkorea 2017, 156 Min.

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Takashi Miike, der Workaholic unter den Regisseuren, hat es also tatsächlich geschafft: 2017 drehte er seinen 100. Film. Mit „Blade of the Immortal“ legt er eine Manga-Adaption vor, die wahrscheinlich mit dem größten Body Count in die japanische Filmgeschichte eingehen wird.

Es geht um den unsterblichen  Schwertkämpfer Manji, der einem kleinen Mädchen zur Seite steht, um an ihrer Stelle den Mord an ihren Eltern zu rächen. Tatsächlich gibt es nicht mehr zu der Handlung zu sagen. Und das braucht es auch nicht, denn Miikes 100. Film ist ein furioses Action-Schwertkampf-Spektakel, in dem nur so die Körperteile durch die Luft fliegen und das Kunstblut in alle Ecken spritzt.

Takashi Miike, der in seinen Filmen nie zimperlich ist, befindet sich hier somit voll in seinem Element, beinahe scheint es so, als habe er sich damit selbst ein Geschenk machen wollen. Dabei erweist sich der japanische Regisseur einmal mehr als Meister der Optik, als ein Filmästhet, der weiter seinem Motto treu bleibt, dass er seine Filme so drehe wie er möchte, da sie sich sowieso niemand ansehe. Während andere Regisseure früher oder später in eine Routine verfallen, so erlebt man in Miikes Filmen stets aufs Neue eine nicht zu bremsende Kreativität, eine hundertprozentige Leidenschaft am Filmemachen.

So eben auch in „Blade of the Immortal“, der mit seinen über zwei Stunden vielleicht ein wenig kürzer hätte ausfallen können, der aber dennoch von Anfang an überzeugt. Auch wenn sich der Film auf eine fast pausenlose Aneinanderreihung von Schwertkämpfen orientiert, so kommt dabei keineswegs Langeweile auf, denn Miike setzt jedes Mal eins oben drauf und verbindet das Ganze zusätzlich noch mit einer angenehmen Portion Ironie und schwarzem Humor. Dies macht „Blade of the Immortal“ zu einem gelungenen 100. Film eines echten Ausnahmetalents.

Blade of the Immortal (OT: Mugen no junin). Regie: Takeshi Miike, Drehbuch: Tetsuya Oishi, Produktion: Misako Salka, Jeremy Thomas, Darsteller: Takuya Kimura, Hana Sugisaki, Sota Fukushi, Hayato Ichihara. Japan 2017, 140 Min.

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Nach dem Erfolg von „Die Frau in Schwarz“ hatte man gehofft, dass Hammer Films wieder zu ihrem ursprünglichen Stil zurückgefunden haben. Doch konnten die folgenden Produktionen nicht mehr an die klassische Machart und die schaurig-schöne Eleganz heranreichen. So versuchte nun die Produktionsfirma Number 9 Films, diesem Stil wieder gerecht zu werden. Und dies mit Bravour.

Der Film spielt im Jahr 1880 und handelt von Inspector John Kildare, der einen brutalen Mörder dingfest machen soll, der in dem Londoner Stadtteil Limehouse sein Unwesen treibt. Unter den Bewohnern wird der unheimliche Mörder als der Limehouse Golem bezeichnet. Wie es scheint, wählt er seine Opfer willkürlich aus und hinterlässt an den Tatorten rätselhafte Botschaften. Der Fall erweist sich als überaus verstrickt. Es gibt mehrere Verdächtige, unter ihnen die Sängerin Elizabeth Cree, die ihren Mann vergiftet hat. Mehr und mehr steigert sich Kildare in den Fall hinein …

Regisseur Juan Carlos Medina schuf mit „The Limehouse Golem“ – seinem zweiten Spielfilm – einen stark atmosphärischen Horrorthriller, der sich an den klassischen englischen Horrorfilmen wie etwa die späte Hammer-Produktion „Hands of the Ripper“ (1971) orientiert. Als Grundlage diente der Roman „The Limehouse Golem“ des englischen Schriftstellers Peter Ackroyd aus dem Jahr 1994.

Interessanterweise war es ausgerechnet Jane Goldman, die das Drehbuch für „The Limehouse Golem“ verfasst hat, hatte sie doch auch das Drehbuch für „Die Frau in Schwarz“ geschrieben und dadurch Hammer Films in gewissem Sinne reanimiert. Es wirkt daher beinahe so, als hätten Hammer kein Interesse an diesem Stoff gezeigt. Dabei hätte er so gut in das Portfolio von Hammer gepasst. Dies schon allein wegen der wunderbaren Ausstattung, die der Film aufweist.

Er schwelgt beinahe in seinen Kulissen, die das England des 19. Jahrhunderts wieder auferstehen lassen, gibt sich zudem ziemlich düster und lässt auch hin und wieder seine Anerkennung gegenüber Horrorfilmmeister Mario Bava hindurchschimmern, besonders dann, wenn es um die Beleuchtung und die Farbgebung geht.

Die Story selbst ist intelligent erzählt, lässt den Zuschauer mitraten, wer denn nun der Mörder ist, und sorgt am Ende auch noch für eine regelrechte Überraschung. Somit kombiniert der Film das typische „Who’s done it?“ mit den Merkmalen des englischen Horrorkinos der 60er und 70er Jahre, was, aufgrund der sorgfältigen Produktion, überaus gut gelingt.

„The Limehouse Golem“ bietet auf diese Weise eine schön-schaurige Unterhaltung, die vor allem Fans der Hammer Film-Ära erfreuen wird.

The Limehouse Golem. Regie: Juan Carlos Medina, Drehbuch: Jane Goldman, Produktion: Elizabeth Karlson, Stephen Wolley, Darsteller: Bill Nighy, Olivia Cooke, Douglas Booth, Daniel Mays. England 2017, 105 Min.

 

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