Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Filmkritik’ Category

Anscheinend muss man nur ein Musical drehen und schon heimst man sämtliche Oscars ein. So geschehen jedenfalls bei dem Film „La La Land“ von Regisseur Damien Chazelle. Der Film ging mit einer solchen Euphorie durch die Medien, dass sich die Produktionsfirma praktisch eine Menge Werbekosten einsparte. Bereits vor Veröffentlichung kam es zu einem Hype, der einmal mehr Hollywood hochleben und die Krise als besiegt erscheinen ließ. Das Resultat war für Chazelle mehr als nur gewünscht: Die Produktionskosten von 30 Millionen Dollar erscheinen verschwindend gering gegenüber einem Einspielergebnis von weit über 400 Millionen Dollar.

In der Tat ist „La La Land“ ein sehr gut gemachter Liebesfilm, bei dem vor allem zwei Dinge hervorstechen: die Anfangsszene und die sehr schöne Farbgebung. Auch gelingt es Chazelle, Kitsch gekonnt zu umschiffen und statt dessen die Geschichte angenehm leicht zu erzählen. Was aber nicht bedeutet, dass sich Chazelle von der Realität abwendet. Er bleibt überraschend nüchtern und möchte alles andere als eine Komödie sein. Viel eher verweist er immer wieder auf den Kontrast zwischen traurigem Alltag und Wunschtraum. All das wird ausgefüllt mit den satten und leuchtenden Farben von Technicolor (angelehnt an die 50er Jahe), die die Optik so beherrschen, dass sie beinahe die eigentlichen Hauptdarsteller sind.

Das Problem an „La La Land“ ist allerdings, dass der Regisseur fast sein gesamtes Pulver in der fünfminütigen Tanzszene am Anfang verschießt. Der restliche Film kommt an dieses geniale Opening einfach nicht mehr heran. Allerdings merkt man dies erst im Laufe des Films, denn diese Wucht von einer einzigen Kamerafahrt, die einen in den Film quasi unvermittelt hineinsaugt, hallt noch ziemlich lange nach.

Leider kehrt der restliche Film nicht mehr auf dieses Niveau zurück, was beinahe so wirkt, als habe sich Chazelle in der Hauptsache auf die Anfangssequenz konzentriert und weniger auf das, was danach kommt. Dennoch versucht Chazelle sein Bestes, um die Geschichte von dem Jazzpianisten Sebastian und der Schauspielerin Mia schwungvoll zu erzählen. Zwischendurch droht „La La Land“ ein wenig durchzuhängen, die Story tritt ein wenig auf der Stelle, dann aber kommt schnell wieder mehr Leben in das Ganze und treibt den Film auf das Finale zu.

„La La Land“ ist insgesamt ein durchweg unterhaltsamer Film, dem man die zwei Stunden Laufzeit kein bisschen anmerkt. Der Film macht Spaß, obwohl er durchweg ernst ist, was indirekt auch einen satirischen Blick auf die Gesellschaft wirft. Kurz: sehenswert.

La La Land. Regie u. Drehbuch: Damien Chazelle, Produktion: Fred Berger, Jordan Horowitz, Gary Gilbert, Marc Platt, Darsteller: Ryan Gosling, Emma Stone, John Legend. USA 2016, 128 Min.

 

 

 

Read Full Post »

„Au weia“, kann man da nur sagen. Und mehr gibt es über „Rings“ eigentlich auch nicht zu vermerken. Die Produktion des Films wurde bereits 2014 abgeschlossen, doch die Veröffentlichung immer wieder verschoben, bis er schließlich drei Jahre später doch noch die Leinwand heimsuchte. Ein Hinweis dafür, dass Paramount den Film selbst für schlecht hielt. Umso erstaunter müssen die Firmenbosse dann gewesen sein, als „Rings“ das dreifache seiner Kosten einspielte.

Nun, die meisten Zuschauer dürften sich nach dem Kinobesuch geärgert haben. Denn „Rings“ ist das, was man schlicht und ergreifend als ein Machwerk bezeichnet. Regisseur F. Javier Gutiérrez Halbherzigkeit vorzuwerfen, wäre sogar noch eine Übertreibung. Denn der Film wirkt so lieblos wie eine graue Wand.

Die Handlung, die, laut der Produzenten, ein Sequel darstellen soll, dreht sich um Julia, die auf einmal nichts mehr von ihrem Freund Holt hört, nachdem dieser sein Studium begonnen hat. Dabei stößt sie auf den Biologieprofessor Carter, der sich mit übernatürlichen Phänomenen beschäftigt und Studenten nacheinander das unheimliche Video von Samara Morgan anschauen lässt. Nachdem Julia das Video ebenfalls gesehen hat, leidet sie unter mysteriösen Visionen. Zusammen mit ihrem Freund versucht sie, den Fluch des Videos zu bannen.

Die Frage, die man sich von Anfang an stellt, lautet, wieso sich ausgerechnet ein Biologe mit Videoexperimenten beschäftigt. Schon allein dadurch wirkt der Film vollkommen unplausibel. Wieso die Drehbuchautoren die Figur des Dozenten nicht als Parapsychologen charakterisiert haben, wissen wohl nur sie selbst. Andererseits erstaunt es auch nicht wirklich, haben hier doch drei Leute ein Drehbuch zusammengeschustert, das einfach nur dämlich ist. Eigentlich interessant, dass man für solch einen Murks so viele Autoren benötigte.

Die wohl dümmste Szene des Films ist diejenige, in der Julia vor dem Grab Samaras kniet und am Grabstein lauscht. An dieser Stelle beginnt man sich wirklich zu fragen, ob der Regisseur einen verarschen will oder ob er sich einen Witz erlaubte, der aber, aufgrund seiner Idiotie, ziemlich nach hinten losging. Auch sonst kommt „Rings“ nicht über sein schlechtes Niveau hinaus. Hier stimmt einfach nichts. Der gesamte Film erinnert an einen Flickenteppich, wobei hier die Flicken aus erbärmlich zusammengesetzten Zitaten aus anderen Horrorfilmen bestehen. Normalerweise gehören Zitate zum Repertoire eines jeden Horrorfilms dazu, macht es doch Spaß, die versteckten Hin- und Querverweise auf andere Filme zu entdecken. Doch hier besitzen sie einen völlig hilflosen Charakter, der darüber hinwegtäuschen soll, wie schlecht der eigentliche Film ist.

Wie gesagt, „Au weia“ trifft für „Rings“ am besten zu. Etwas anderes bleibt einem nicht mehr zu sagen.

Rings. Regie: F. Jarvier Gutiérrez, Drehbuch: David Loucka, Jacob Aaron Estes, Akiva Goldsman, Produktion: Walter F. Parkes, Darsteller: Matilda Lutz, Alex Roe, Johnny Galecki, Vincent D’Onofrio. USA 2014/2017, 102 Min.

Read Full Post »

Science Fiction-Filme aus Deutschland sind ein sehr seltenes Phänomen. Interessant ist daher, dass Regisseur Sebastian Hilger für seine Abschlussarbeit sich dieses Genre ausgewählt hat.

„Wir sind die Flut“ handelt von dem Physiker Micha, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter Gelder für ein neues Forschungsprojekt beantragen möchte. Doch schon die Vorstellung seines Projekts vor einer Handvoll Professoren sorgt für Unmut. Denn niemand möchte ihm die Gelder bewilligen. Der Grund: Micha möchte ein bisher ungelöstes Naturphänomen lösen. Vor dem kleinen Küstenort Windholm ist vor 15 Jahren das Meer verschwunden. Am selben Tag verschwanden auch die Kinder des Ortes. Seitdem wird Windholm als eine Art Sonderzone vom Militär abgeriegelt.

Micha lässt das Rätsel jedoch nicht los. Noch am selben Abend bricht er zusammen mit seiner Exfreundin Jana nach Windholm auf, um eine Lösung für das außergewöhnliche Phänomen zu finden. Dabei stößt er auf weitere Sonderbarkeiten …

In düsteren Bildern erzählt Hilger diese Geschichte, die Science Fiction mit Mystery-Elementen verbindet. Sicherlich hätte er die Story auch als Action-Thriller inklusive Schockeffekten verfilmen können, doch wählte er eine subtile Form des Unheimlichen und des Rätselhaften, wobei er sich vor allem auf die durchgehende Aufrechterhaltung einer beklemmenden Atmosphäre konzentrierte, die dem Film die passende Dichte verleiht.

Von Anfang schwelgt der Film in wunderbaren Bildern. Egal, ob weite Landschaftsaufnahmen, ob lange Korridore oder überwucherte Hausfassaden, Hilger gelingt stets eine fast vollendete Ästhetik des Mysteriösen, die den Zuschauer berauscht und ihn dadurch in ihren Bann zieht. Es scheint beinahe so, als wollte er den übrigen Filmemachern Deutschlands zeigen, wie Kino funktioniert. Denn eigentlich kommen deutsche Kinofilme nie über das Niveau eines TV-Films hinaus.

So schön alles ist, so hapert es dann doch bei der Auflösung des Ganzen. Hilger schien sich am Ende nicht entscheiden zu können, welche der möglichen Pointen er nun für das Finale wählen sollte und so kommt es zu einem Kuddelmuddel aus SF-Drama und Mystery-Kitsch, das dann doch enttäuscht, hat man sich doch eine spannendere Lösung erhofft.

Der Film an sich aber ist sehr schön gemacht und zeigt uns einen Regisseur, von dem wir noch viel erwarten dürfen.

Wir sind die Flut. Regie: Sebastian Hilger, Drehbuch: Nadine Gottmann, Produktion: Anna Wendt, Darsteller: Max Mauff, Lana Cooper, Gro Swantje Kohlhof, Roland Koch. Deutschland 2016, 84 Min.

 

Read Full Post »

Für Fans von Zeichentrickfilmen ist Ralph Bakshi längst ein Begriff. Er ist jedoch auch aus der Filmgeschichte im Allgemeinen nicht mehr wegzudenken. Wem der Name des Regisseurs und Künstlers nichts sagt, der kennt sicherlich einen seiner Filme oder hat mindestens schon einmal davon gehört. Eine seiner ersten Produktionen hieß „Fritz the Cat“ und galt damals (1972) schlichtweg als Skandal. Er wurde als X-rated eingestuft, was bis dahin nur Pornofilmen vorbehalten war. Heute ist dieser Film schlicht und ergreifend Kult. Weitere bekannte Produktionen Bakshis sind die Trickfilmversion von „Herr der Ringe“ (1978) und der Fantasy-Trickfilm „Fire and Ice“ (1983), der jedoch an den Kinokassen floppte.

Als sein kunstvollster Film wird „Wizards“ bezeichnet, der 1977 mit einigem Erfolg in den Kinos lief. In Deutschland erhielt er den Titel „Die Welt in 10 Millionen Jahren“ und erzählt eine Geschichte, die Jahrhunderte nach dem Atomkrieg spielt. Es existieren nur mehr wenige Menschen auf der Erde. Sie teilen sich den Planeten mit Feen, Elfen, Mutanten und Zwergen. Doch herrscht keineswegs Frieden. Denn die Welt ist in zwei Reiche aufgeteilt. Das eine heißt Montagar und wird von dem Zauberer Avatar regiert. Das andere Gebiet heißt Scortch. Dort herrscht der böse Zauberer Blackwolf. Dieser möchte mithilfe seines Wissens über die alte Technologie und die Handhabung von Nazipropaganda die gesamte Welt beherrschen. Aus diesem Grunde begibt sich Avatar zusammen mit seiner Freundin Elinore, dem Roboter Frieden und dem Elb Weehawk in das Reich Blackwolfs, um dessen Plänen ein Ende zu bereiten.

Wie auch bei „Herr der Ringe“ und „Fire and Ice“ verwendete Bakshi die so genannte Rotoskopietechnik. Das heißt, Szenen, in denen echte Schauspieler agierten, wurden von Zeichnern übermalt und in den restlichen Film eingebunden. Dadurch wirken die Mutanten und Untoten, aus denen die Armee Blackwolfs besteht, noch unheimlicher und lebendiger. Dies wirkt sich großartig auf die Schlachtenszenen aus, in denen Blackwolfs Horde gegen die Armee Avatars antritt.

Der Film selbst ist ein surreales Meisterwerk. Seine traumartigen Bilder sind liebevoll und detailliert gestaltet. Man sollte sich die einzelnen Szenen sehr genau ansehen, da Bakshi gerne Symbole, Gesichter und Randgeschehnisse darin versteckt. Die einzelnen Figuren besitzen zum Teil recht komplexe Charaktere, was ihnen eine interessante Lebendigkeit einhaucht.

Doch Bakshi liefert mit seinem Film zugleich unverkennbare Kritik. Er zeigt ein sehr düsteres Bild des Menschen und stellt die technische Entwicklung als eine äußerst negative Erscheinung dar, die letztendlich den Untergang der Welt hervorrufen wird. So verbindet er Technik mit Krieg und Versklavung. Im Gegensatz dazu sieht er eine Welt ohne Technik als lebenswerter und freier an. Es wird dadurch offensichtlich, dass sich die Aussagen der zu ende gehenden Hippie-Ära in seinem Film widerspiegeln. „Wizards“ ist ein sehr schön gestalteter Trickfilm, der zum Nachdenken anregt, zugleich aber auch sehr fasziniert.

Die Welt in 10 Millionen Jahren (OT: Wizards), Regie, Drehbuch, Produktion: Ralph Bakshi, USA 1977,  77 Min.

Read Full Post »

Egon Schiele war einer der wichtigsten Maler der Wiener Moderne, zugleich lösten seine expressionistischen Zeichnungen und Gemälde immer wieder Skandale aus. Vor allem ein Dorn im Auge war der Justiz, dass er Akte von jungen Mädchen (u. a. auch von seiner Schwester) schuf. Dies brachte Schiele für ein knappes Monat ins Gefängnis.

2016 entstand die österreichisch-luxemburgische Koproduktion „Egon Schiele: Tod und das Mädchen“, die das Leben des Malers nachzeichnet. Regisseur Dieter Berner beginnt den Film mit Schieles Erinnerungen an seinen wahnsinnig gewordenen Vater, der das gesamte Familienvermögen im Kamin verbrannte. Das Kernstück des Films aber konzentriert sich auf Schieles Beziehungen zu seiner Schwester Gerti, seiner Freundin Walli, seiner späteren Frau Edith sowie der Tänzerin Moa – also auf die Frauen, die in seinem Leben eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Berner verzichtet dabei auf eine spektakuläre Inszenierung, wie dies sicherlich in einem Hollywoodfilm der Fall gewesen wäre, sondern zeigt Schieles Lebensstadien in eher ruhigen und überaus feinfühligen Bildern. Hierbei dominieren die düsteren Farben, nur wenige hell ausgeleuchtete Szenen verweisen auf die wenigen glücklichen Momente in Schieles Leben.

Erst als er Klimts Model Wally Neuzil trifft, scheint für ihn eine geordnete Lebensphase zu beginnen. Wally wird zu seiner Muse, doch als er zum Militär muss, beginnt er zu zweifeln, ob sie wirklich die richtige Frau für ihn ist. Dieser Zweifel wird noch dadurch verstärkt, da er inzwischen Edith Harms kennengelernt hat, die im Haus gegenüber seines neu eingerichteten Atteliers lebt und mit der er eine heimliche Beziehung hat.

Berner bleibt nie oberflächlich, sondern geht in den Szenen bis ins Detail. So vergisst er auch nicht Gustav Klimt in Malerkittel und Katze zu zeigen, so wie auf dem berühmten Porträtfoto. Schieles Erfolg gipfelt schließlich in der ausschließlich seinem Werk gewidmeten Ausstellung in der Wiener Secession im Februar 1918, nur wenige Monate vor seinem Tod.

All dies bettet Berner in eine Rahmenhandlung ein, die Schieles letzte Stunden zeigen. Die Spanische Grippe wütet, und seine Frau Edith ist kurz zuvor gestorben. Seine Schwester Gerti kümmert sich aufopferungsvoll um ihn, setzt den Familienschmuck ein, um für ihn Medikamente zu kaufen. Doch alles hilft nichts, Schiele stirbt mit nur 28 Jahren.

Dieter Berner schuf mit dem Bio-Pic einen wunderbaren Film, der sicherlich zu den besten Produktionen aus Österreich zählt, die in den letzten Jahren hergestellt wurden. Die eindringliche Wirkung wird durch ein erstklassiges Ensemble erzielt, bestückt mit teils noch unbekannten Schauspielern, wie etwa Noah Saavedra, der Egon Schiele spielt, oder Maresi Riegner als seine Schwester.

Egon Schiele: Tod und das Mädchen. Regie: Dieter Berner, Drehbuch: Hilde Berger, Dieter Berner, Produktion: Franz Novotny, Darsteller: Noah Saavedra, Maresi Riegner, Valerie Pachner, Marie Jung, Larissa Breidbach, Cornelius Obonya, Nina Proll. Österreich/Luxemburg 2016, 110 Min.

 

Read Full Post »

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind … Natürlich mal wieder ein Remake aus Hollywood. Aber Remake darf man ja nun nicht mehr sagen, sondern entweder Neuinterpretation oder Version von Regisseur XY. 2016 erwischte es unter anderem den Klassiker „Die glorreichen Sieben“ aus dem Jahr 1960. Regie führte damals John Sturges – und ja, auch dieser Film war schon ein Remake. Und zwar von Kurosawas „Die sieben Samurai“ aus dem Jahr 1954. Eines der originellsten Remakes davon ist übrigens „Sador-Herrscher im Weltraum“ (1980) aus dem Hause Roger Corman.

2016 war es Antoine Fuqua, der sich dieses Stoffes annahm. Über die Handlung muss man nicht viel sagen, außer, dass die sieben Revolverhelden dieses Mal keine mexikanische Kleinstadt aus den Klauen einer Banditenbande retten sollen, sondern eine US-amerikanische Kleinstadt, die von einem reichen Unternehmer schikaniert wird.

Die Frage natürlich lautet, wie Fuqua den Stoff umgesetzt hat. Fuqua versucht sich zwischen den Zeilen in der Kapitalismuskritik, was mit der Figur des Bösewichts Bartholomew Bogue unterstrichen wird, der über Leichen geht, um Geld zu machen. Fuqua möchte somit weg vom glatt gebügelten und Kritik leeren Filmen zurück zum Hollywoodkino, das sich als sozialkritisch versteht. Leider aber gelingt ihm dies nur am Rande. Denn Fuquas Augenmerk konzentriert sich letztendlich auf die Action des Films, welche beinahe die Hälfte des zweistündigen Remakes einnimmt.

Dieser Fokus färbt sich dann auch negativ auf die Zusammenfindung der Figuren ab. Während sich Sturges 1960 genau dafür Zeit ließ, hakt Fuques diesen wichtigen Teil im Eiltempo ab, um möglichst schnell zum Action geladenen Spektakel des Films zu gelangen. Dies führt dazu, dass die Figuren und ihre Motivationen oberflächlich bleiben. Im Falle des Indianers Red Harvest, der von seinem Stamm verstoßen wurde, wirkt dieses Manko noch offensichtlicher als bei den anderen Figuren. Einen richtigen Grund für den Indianer, bei der Aktion mitzumachen, gibt es nicht, und nur darin den Grund zu finden, weil Goodnight (Ethan Hawke) zusammen mit ihm in eine rohe Leber beißt, wirkt geradezu holprig und unplausibel. Hinzu kommt, dass das neue Ensemble einfach nicht das Charisma der Darsteller von 1960 besitzt. Washington, Pratt, Hawke, D’Onofrio, Lee, Garcia-Rulfo und Sensmeier haben gegenüber Bronson, Buchholz, Brunner, Mc Queen, Vaughn, Dexter und Coborn einfach nicht die Klasse. Ganz schwach der koreanische Schauspieler Byung-Hun Lee, der sich in seiner Rolle nicht wirklich zurechtfindet.

Um die flache Charakterisierung seiner Helden zu überspielen, setzt Antoine Fuque dann voll und ganz auf Action. Und hier verfehlt es der Regisseur, einen eigenen Stil zu kreieren, vielmehr wirkt dieser Teil des Films wie ein Best Of des Westerngenres. Die Schießereien und die Pferdestunts kamen auf dieselbe Weise schon in diversen Filmen der 50er und 60er Jahren vor. So kommt zwar ein Hauch von Nostalgie auf, doch mehr auch nicht.

Trotz der Kritik ist das Remake keineswegs langweilig. Antoine Fuque bietet viel für das Auge, zeigt, dass er die klassische genauso wie die moderne Bildsprache beherrscht, schafft aber dennoch kein Meisterwerk, sondern eher einen unterhaltsamen Durchschnittsfilm, der aufgrund seiner handgemachten Action schön zum Anschauen ist, aber ansonsten schnell wieder aus dem Gedächtnis verschwindet.

Die glorreichen Sieben (The Magnificent Seven). Regie: Antoine Fuque, Drehbuch: Nic Pizzolatto, Richard Wenk, Produktion: Roger Birnbaum, Darsteller: Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D’Onofrio, Byung-Hun Lee, Manuel Garcia-Rulfo, Martin Sensmeier. USA 2016, 133 Min.

 

Read Full Post »

Gerne verfilmt Hollywood Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Und je dramatischer, umso besser. Mit „The Finest Hours“ fanden die Walt Disney Studios, die weiterhin mit aller Kraft versuchen, von dem Trickfilm-Image wegzukommen, eine Geschichte, die an Dramatik kaum zu überbieten ist, deren Umsetzung stellenweise jedoch in Kitsch abdriftet.

1952 kommt es vor der Küste Neuenglands zu einem der schlimmsten Stürme überhaupt. Der Öltanker SS Pendleton wird dabei in zwei Teile gerissen. Während der vordere Teil untergeht, kann sich der hintere Teil dank einer Luftblase noch einige Zeit über Wasser halten. Zur Rettung der Mannschaft wird ein Boot der Küstenwache hinausgeschickt. Doch die Retter haben selbst mit dem Unwetter zu kämpfen …

Regisseur Craig Gillespie beginnt den Film überaus ruhig, indem er Captain Kirk-Darsteller Chris Pine in der Rolle eines der Mitarbeiter der Küstenwache zeigt, wie dieser kurz vor einem Date mit einer hübschen Telefonistin steht. Leider nimmt sich Gillespie für die Zweisamkeit ein wenig zu viel Zeit, sodass ihm nichts anderes übrig bleibt, als immer wieder Actionsequenzen zwischenzuschneiden, die den parallel verlaufenden Überlebenskampf der restlichen Besatzung des Öltankers schildern, damit der Zuschauer nicht das Interesse an dem Film verliert. Möglicherweise fand Gillespie diese Darstellungsweise originell, da der Film nicht wie üblich mit einem Paukenschlag beginnt.

Doch führt dies dazu, dass es bei „The Finest Hours“ genau dadurch hapert. Denn ohne die ruhige, später leicht in den Kitsch abtriftende Liebesgeschichte, hätte Gillespie einen Film geschaffen, der an purer Dramatik und aufreibender Action nichts zu wünschen übrig gelassen hätte. Die lebensgefährliche Fahrt zu dem auseinenander gebrochenen Öltanker, die eine Handvoll Mitarbeiter der Küstenwache unternimmt, ist kolossal in Szene gesetzt. Nicht nur hohe Wellen bedrohen das kleine Rettungsschiff, auch der Kompass wird über Bord gespühlt, sodass Bernie Webber (Chris Pine) von da an lediglich nach Gehör steuert, um die gefährlichen Felsen zu umschiffen. Eine überaus waghalsige Situation, die grandios umgesetzt wurde.

Parallel dazu wird der Kampf ums Überleben auf dem Öltanker immer intensiver. Der Besatzung bleiben nur noch wenige Stunden, denn die Pumpen funktionieren nicht mehr. Der Maschinist muss sich immer neue Hilfsmittel einfallen lassen, um ein sofortiges Sinken zu verhindern. All dies fängt Gillespie in wunderbaren, düsteren und hektischen Bildern ein.

Die dritte Erzählebene, die sich Webbers neuer Freundin widmet, wirkt dabei fast schon überflüssig. Es scheint beinahe so, als habe man mit dem Dampfhammer noch eine Heldin in die Geschichte einfügen wollen, in der, historisch bedingt, die Männerrollen überwiegen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Film genau an den Stellen, die den Kampf zwischen Emanzipation und Patriachat skizzieren, immer wieder abschmiert, da diese Szenen zu konstruiert und teilweise verkrampft wirken.

Insgesamt aber ist der Seerettungsfilm packend inszeniert und Pines Darstellung eines eher schüchternen Mannes, der als einziger den Mut findet, alles auf eine Karte zu setzen, durchaus sehenswert.

The Finest Hours. Regie: Craig Gillespie, Drehbuch: Scott Silver, Paul Tamasy, Eric Johnson, Produktion: Dorothy Aufiero, Darsteller: Chris Pine, Casey Affleck, Ben Foster, Eric Bana, Holliday Grainger. USA 2016, 117 Min.

Read Full Post »

Older Posts »