Horror de Luxe: The Asphyx (1972)

Cunningham (Robert Stevens) und sein Adoptivsohn Giles (Robert Powell) beim Experiment. „The Asphyx“ (1972); © Ostalgica/BBC

Die Hammer-Film-Productions waren gerade im Niedergang, als es David Leans Kameramännern einfiel, einen Horrorfilm im Stil von Hammer zu kreieren. Das Ergebnis war die außergewöhnliche Produktion „The Asphyx“, in England ein Klassiker, in Deutschland so gut wie unbekannt.

Der Film handelt von Sir Hugo Cummingham, der Ende des 19. Jahrhunderts mit seiner Kamera herumexperimentiert. Er ist Mitglied einer parapsychologischen Gesellschaft, die das Übernatürliche wissenschaftlich erfassen möchte. Auf mehreren seiner Fotos, auf denen sterbende Menschen zu sehen sind, entdeckt Cummingham einen sonderbaren dunklen Fleck. Sofort ist das makabre Interesse des Hobby-Wissenschaftlers geweckt und er beschließt, weitere Fotos von Menschen zu machen, die gerade im Sterben liegen.

Als er eine Hinrichtung filmt, kommt es zu einem unheimlichen Zwischenfall. Durch den Lichtverstärker, den Cummingham benutzt, ist plötzlich ein unheimliches Wesen zu sehen, das sich dem Verurteilten nähern möchte. Cummingham kommt auf die Idee, bei der nächsten Gelegenheit, ein solches Wesen zu fangen. Doch hat er nicht mit den Konsequenzen gerechnet, die seine Aktion mit sich bringt …

„The Asphyx“ ist ein unglaublich origineller Film, der in gewisser Weise Steampunk mit den Elementen des Gothic Horror mischt. Dabei schreitet die Handlung rasant voran, ein Zwischenfall folgt dem nächsten – und parallel dazu nimmt ein weiteres, damit verbundenes Drama seinen unheilvollen Lauf: denn Cunningham zerstört durch seine Experimente mehr und mehr das Glück seiner Familie.

Sowohl Peter Newbrook, der Regie führte, als auch Freddie Young, der hinter der Kamera stand, gehörten zur Stammcrew des berühmten Regisseurs David Lean. Was beide dazu gebracht hat, gemeinsam einen Horrorfilm zu drehen, sei einmal dahingestellt. Das Ergebnis lässt sich allerdings sehen. Die ungewöhnliche Thematik des Films umgibt die Handlung mit einem morbid-düsteren Unterton.

Nicht, dass der Film brutal wäre. Es geht um das Spiel mit grundlegenden moralischen Empfindungen und um die Diskussion um moralische Werte an sich. Was darf man, was nicht – im postmodernen Horrorkino rückte diese Fragestellung und ihre unterschiedliche Betrachtungsweise ins Zentrum der Handlung. So auch bei „The Asphyx“. Zwar ist es bei Cummingham zunächst rein wissenschaftliche Neugier, mit der er sein Handeln rechtfertigt, doch auch in der Wissenschaft stellt sich die oben genannte moralische Frage.

„The Asphyx“ wird dadurch zu einem überraschend tiefgründigen Film, der diese Tiefe mit einer überaus unterhaltsamen und spannenden Handlung verbindet. Erst 1988 kam der Film in Deutschland auf Video heraus. Kurz: sehr sehenswert.

Die Klunkerecke: The Amityville Horror (1979)

Das berühmte Spukhaus wartet auf seine neuen Bewohner; „The Amityville Horror“ (1979); © MGM

Bis heute zählt das Haus in Amityville zu den bekanntesten Spukhäusern der USA. Ob es dort tatsächlich umgeht, ist eine andere Frage. Die derzeitigen Bewohner beschweren sich weniger über Spukerscheinungen als viel mehr über die vielen lästigen Touristen, die das Haus aufsuchen.

1974 tötete dort Ronald DeFeo seine Eltern und seine vier Geschwister. Der Fall gilt bis heute als ungeklärt und noch immer gehen (Hobby-)Journalisten und Ermittler der Sache nach. DeFeo selbst, der für seine Tat eine lebenslängliche Freiheitsstrafe erhalten hat, machte immer wieder andere Aussagen über die Schreckensnacht in dem Haus. Behauptete er zunächst, dass ihn Stimmen dazu gebracht hätten, sagte er später aus, dass seine Mutter für die Morde verantwortlich sei.

Etwa ein Jahr später zog die Familie Lutz in das Haus ein, nur um es wenige Wochen später wieder zu verlassen, mit der Behauptung, dass es dort spuke. In Interviews erzählten sie von den unheimlichen Vorkommnissen in dem Haus. Skeptiker nehmen bis heute an, dass das Ehepaar sich beim Kauf des Hauses finanziell übernommen habe und daher die Geschichte mit dem Spuk erfand.

Wie dem auch sei, für Hollywood war der Stoff ein gefundenes Fressen, besonders da zuvor das Buch „The Amityville Horror“ der Journalistin Jay Anson ein wahrer Bestseller geworden war. Die auf Trash- und Horrorfilme spezialisierte Firma American International Pictures erstand die Rechte und drehte mit James Brolin, Margot Kidder und Rod Steiger in den Hauptrollen einen Film, der bis heute in die Riege der erfolgreichsten Horrorfilme gehört. Die Produktionskosten betrugen 4,7 Millionen Dollar, die Einnahmen lagen bei über 86 Millionen Dollar.

Der Film erzählt im Grunde genommen das nach, was die Familie Lutz an unheimlichen Vorkommnissen geschildert hat. Kaum sind George und Kathleen Lutz mit ihren Kindern in das Haus eingezogen, ereignen sich schon die seltsamsten Dinge. Tochter Amy behauptet, dass in dem Haus ein Mädchen wohne, George verhält sich von Tag zu Tag eigenartiger und aggressiver. Jede Nacht um genau 3:15 Uhr wacht er auf – der Zeitpunkt der Morde.

George (James Brolin) und Kathleen (Margot Kidder) vor ihrem neuen Haus; „The Amityville Horror“ (1979); © MGM

„The Amityville Horror“ ist ein hervorragend gespielter und spannender Gruselfilm, der sich zum einen an den klassischen Spukhausgeschichten orientiert, andererseits die durch „Der Exorzist“ (1973) eingeleitete Okkult-Welle aufgreift. Dadurch entsteht eine recht dichte und bedrohliche Atmosphäre, die den ganzen Film über anhält. Die seit 2015 erhältliche ungeschnittene 114-Minuten-Fassung weist ein paar unglückliche Schnitte auf, sodass man hin und wieder ein bisschen verwirrt dem Geschehen folgt, doch die ursprüngliche Kinofassung hat bis heute nichts von ihrer Beklemmung und ihrem Grusel verloren.

Der Film brachte es auf 12 Sequels und einem Prequel sowie einem Remake. Von den Sequels sind jedoch gerade mal Teil 2 und Teil 3 ansehbar, danach werden die Filme von Mal zu Mal schlechter. Das Remake besitzt zwar nicht den Charme des Originals, ist aber dennoch ein recht netter und spannender Horrorfilm.

Die Klunkerecke: Die Insel des Dr. Moreau (1977)

Die Tiermenschen proben den Aufstand; „The Island of Dr. Mureau“ (1977); © 20th Century Fox

Auch Leute, die den Roman von H. G. Wells nie gelesen haben, kennen die Insel, auf der Dr. Moreau seine Tiermenschen züchtet. Mehrfach verfilmt, gilt vor allem die Version von Regisseur Don Taylor als herausragend.

Die 70er Jahre waren das Jahrzehnt des Öko-Horrorfilms. Innerhalb dieses Rahmens wurde King Kong wiederbelebt und natürlich passte eine Insel, auf der ein verrückter Wissenschaftler Gott spielt ebenso ins Raster. Michael York spielt darin den Schiffsingenieur Andrew Braddock, der zusammen mit zwei Besatzungsmitgliedern eines untergangenen Schiffes an die Küste der unheimlichen Insel gespült wird. Schnell merken er und seine Freunde, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Und schon bald kommt Andrew hinter das Geheimnis der eigenartigen Tiermenschen …

Dr. Paul Moreau wurde von Burt Lancaster gespielt, der in dieser Rolle absolut überzeugt. Auch Michael York geht in seiner Rolle des gestrandeten Schiffbrüchigen voll und ganz auf. Bondgirl und Trash-Ikone Barbara Carrera spielte Maria, Moreaus hübsche Tochter. Das berühmt gewordene Foto, das seitdem quasi eine Art Eigenleben führt, zeigt sie umringt von mehreren Tiermenschen.

Damals gingen die Kritiken weit auseinander. Die einen fanden den Film schlicht und ergreifend dämlich, die anderen für zu altmodisch und wieder andere fanden ihn einfach nur großartig. Wie auch immer, Don Taylor, der davor 1971 mit „Flucht vom Planet der Affen“ den dritten Film dieser Serie drehte und 1980 für den Science Fiction-Film „Der letzte Countdown“ verantwortlich war, liefert mit seiner Version von Wells‘ Roman die durchaus düsterste Version ab.

Maria (Barbara Carrera) umringt von ihren Lieblingen – eines der bekanntesten Filmbilder der 70er Jahre; „The Island of Dr. Mureau“ (1977); © 20th Century Fox

Andrew Braddock ist Dr. Moreau nicht nur völlig ausgeliefert, sondern wird selbst Teil des Experiments, während die Tiermenschen die Gesetze, die ihnen der Wissenschaftler aufgezwungen hat, mehr und mehr in Frage stellen. Der Film beschäftigt sich Jahre vor tatsächlichen Genmanipulationen mit eben diesem Thema und betrachtet dieses aus unterschiedlichen Perspektiven. Daraus ergibt sich eine wunderbare und spannende Diskussion zwischen Für und Wider dieser Wissenschaft, die in heutigen Filmen lediglich stichwortartig abgehandelt werden würde. „Die Insel des Dr. Moreau“ erhält aber auch durch die feine Charakterisierung der Figuren eine Tiefe, welche Dr. Moreau und Braddock eine faszinierende Vielschichtigkeit verleiht. Ist Dr. Moreau einfach nur wahnsinnig oder verfolgt er tatsächlich Ziele, welche die Menschheit in ihrer Entwicklung weiterbringen könnte?

Diese Fragen ziehen sich durch den ganzen Film, sodass Burt Lancasters Darbietung die klassische Rolle des verrückten Wissenschaftlers sprengt und stattdessen eine düstere, nachdenkliche und auch verbitterte Version schafft, die durch die ständige Beschäftigung mit diesem Thema in eine Art Wahn verfallen ist. Erst wenn es um seine Tochter Maria geht, wird Moreau zum „normalen“ Menschen.

Angeblich war für den Film ein ganz anderes Ende vorgesehen. Bis heute kursiert das Gerücht, dass für das Ende des Films eine Szene gedreht wurde, in der Maria ein Tiermenschenbaby zur Welt bringt. Don Taylor sagte später, dass eine solche Szene tatsächlich einmal besprochen, die Idee aber wieder fallen gelassen wurde, da man befürchtete, das Ende könnte dadurch überaus lächerlich wirken. Aber auch ohne Monsterbaby ist „Die Insel des Dr. Moreau“ aus dem Jahr 1977 immer wieder sehenswert.

Die Klunkerecke: Kameliendame 2000 (1969)

Armand (Nino Catselnuovo) und Maguerite (Daniele Gaubert); „Camille 2000“ (1969); Copyright: Alive

Als Radley Metzgers Adaption von Alexandre Dumas d. Jüngeren „Die Kameliendame“ 1969 in die Kinos kam, löste er einen Skandal aus. Die Literaturverfilmung wurde als Porno bezeichnet. Kritiker wunderten sich, wie etwas in dieser Art in den normalen Kinos laufen konnte. Der Grund, Metzger bespickte die Verfilmung mit – für damalige Verhältnisse – recht freizügigen Erotikszenen.

Wenn man die verschiedenen Adaptionen des berühmten Romans vergleicht, so ist „Camille 2000“ eindeutig die interessanteste und originellste Version, von der Dumas‘ Sohn mit Sicherheit begeistert gewesen wäre, hatte doch bereits seine eigene Adaption als Theaterstück im Jahr 1852 für einen Skandal gesorgt.

Radley Metzger (1929 – 2017) nimmt in der Filmgeschichte einen besonderen Platz ein, liegt doch der Hauptteil seines Gesamtwerks genau zwischen Autorenfilm und Porno. Seine Erotikfilme waren stets zugleich Verfilmungen klassischer Romane und Theaterstücke, bei denen er eben die erotischen Aspekte hervorhob. Auf dieselbe Weise gelang ihm mit „Kameliendame 2000“ einer seiner bekanntesten Filme.

Es geht um Armand Duval, der nach Rom kommt, um Geschäfte für seinen reichen Vater zu erledigen. In der Oper begegnet er der genauso schönen wie sinnlichen Marguerite Gautier, vor der ihn sein Freund warnt. Denn Marguerite ist eine Edelprostituierte, die ihren Lebensunterhalt mit dem Geld reicher Männer bestreitet. Armand aber hört nicht auf seinen Freund. Zwischen ihm und Marguerite entwickelt sich eine Liebesbeziehung, die mehr und mehr dramatische Züge annimmt.

Zwar handelt es sich um eine freie Adaption, die Metzger in eine leicht futuristisch anmutende Moderne verlegt, dennoch bleibt der Film stets in der Nähe des Romans, man könnte ihn daher als eine äußerst gelungene Neuinterpretation des Stoffes bezeichnen. Statt an Tuberkulose leidet Marguerite an ihrer Kokainsucht. Ihre Freunde warnen sie, damit aufzuhören, doch kommt sie nicht davon los. Erst durch Armand scheint sie ihre Sucht bekämpfen zu können.

„Camille 2000“ besticht durch eine erstklassige Kameraarbeit. Durch die Verwendung von Spiegeln und originelle, ja ungewöhnliche Perspektiven erhalten (nicht nur) die Erotikszenen einen surrealen, fast schon psychedelischen Charakter. Untermalt sind diese Szenen durch die kongeniale Musik Piero Piccionis, die stets zwischen psychedelisch und melancholisch schwankt. Immer wieder verwendet Metzger sog. Jump Cuts, welche den Verlauf der Handlung auf interessante Weise bestimmen.

Die leider früh verstorbene Daniele Gaubert verkörpert die Kameliendame auf ganz wunderbare Weise. Sie ist zunächst Teil einer sich in Vergnügungssucht berauschenden und dekadenten Szene, hinterfragt diese durch Armands Lebenseinstellung jedoch mehr und mehr, bis sie dieser selbst kritisch gegenübersteht. Das hat nichts mit der damals aufkommenden Hippiekultur zu tun, sondern eher mit den damals mehr und mehr diskutierten postmodernen Gesellschafsttheorien. Auf jeden Fall zeigt dies Metzgers Fingerspitzengefühl, was die Modernisierung des Stoffes betrifft.

Leider haftet dem Film auch heute noch der voreingenommene Schmuddeltouch an, was viele dazu bringt, sich erst gar nicht mit diesem Werk zu beschäftigen. Es ist ein feinfühliges Erotikdrama, bespickt mit hervorragenden Darstellern. Genauso wie Dumas‘ Roman, so ist auch „Camille 2000“ ein Klassiker.

Hol’s der Teufel – Unser 666. Artikel

Den 666. Artikel auf FILM und BUCH können wir ja nicht einfach so an uns vorbeigehen lassen. Daher haben wir uns gedacht, ein wenig auf okkult zu machen und sechs Teufelsfilme bzw. Okkult-Thriller vorzustellen. Den Anfang macht …

… Geheimrat Goethe. 1960 schuf Gustav Gründgens den Theaterfilm aller Theaterfilme, indem er Goethes „Faust“ auf die Leinwand brachte. Gründgens spielte darin die Rolle des Mephisto, die er bis dahin übrigens 600mal gespielt hatte. Seine Inszenierung war so erfolgreich, dass sie nicht nur auf internationale Tournee ging, sondern eben auch auf Film gebannt und mit überaus großem Erfolg in die Kinos gebracht wurde. Den Faust mimte übrigens Will Quadflieg. „Faust“ war damals für den Oscar nominiert und gewann den Deutschen Filmpreis.

1968 adaptierte Terence Fisher Dennis Wheatleys Roman „The Devil rides out„. Das Drehbuch verfasste Richard Matheson, der normalerweise bei Roger Corman bzw. bei American International Pictures unter Vertrag stand. Wie in so vielen Filmen der Hammer Studios, so war auch hier Christopher Lee mit von der Partie – dieses Mal als Guter. Seinen Widersache verkörperte Bond-Bösewicht Charles Gray. Es geht darum, dass Nickolas, Duc de Richleau auf die Spur einer okkulten Sekte kommt, nachdem er im Haus seines verschwundenen Freundes Simon seltsame Hexensymbole entdeckt hat. Christopher Lee fand, dass „The Devil rides Out“ einer seiner besten Filme aus seiner Zeit bei Hammer war. Es ist in der Tat ein wirklich guter Film, der stellenweise ein wenig an „Night of the Demon“ (1956) erinnert.

1973 drehte William Friedkin den Horrorfilm aller Horrorfilme: „Der Exorzist„. Das Drehbuch stammte von William Peter Blatty, der bis dahin ausschließlich Komödien verfasst hatte. Mit „Der Exorzist“ traf er genau ins Schwarze. Schnell schrieb er auch noch den Roman dazu, damit es so aussah, als handele es sich bei dem Film um eine Adaption. Damals fast schon so etwas wie ein Skandalfilm, entwickelte sich „Der Exorzist“ schnell zum Kassenschlager und gilt heute als einer der Filmklassiker schlechthin. Dem Film folgten zwei Fortsetzungen, wobei „Der Exorzist 2“ zu den schlechtesten Filmen aller Zeiten zählt. Blatty versuchte dann, seine Ehre zu retten, indem er 1990 „Der Exorzist 3“ drehte, der zwar floppte, dennoch qualitativ wieder hervorragend war.

1976 sprang Richard Donner auf die Okkultwelle auf, die „Der Exorzist“ losgetreten hatte, und drehte „Das Omen„, mit Gregory Peck und Lee Remick in den Hauptrollen. Das Drehbuch schrieb David Seltzer, der drei Jahre später auch das Drehbuch zu der Trash-Granate „Die Prophezeiung“ verfasste. Um den Film noch unheimlicher wirken zu lassen, wurden Gerüchte in Umlauf gebracht, dass es während der Dreharbeiten zu unerklärlichen Zwischenfällen gekommen sei. Natürlich steckte dahinter eher die Marketingabteilung und weniger ein Dämon. Der Film wurde ebenfalls ein Riesenerfolg und zählt heute nicht weniger zu den Filmklassikern. „Das Omen“ folgten eine Reihe weiterer „Omen“-Filme und 2006 auch ein Remake, das ebenfalls von David Seltzer geschrieben wurde.

1999 dachten alle, dass zur Jahrtausendwende sämtliche Computer abstürzen würden. Nicht wenige glaubten auch, dass dies das Ende der Welt bedeute. Aufgrund der drei Neuner, die man natürlich auch als drei Sechser sehen konnte, brachte dies wieder den Okkultismus zurück in die Popkultur, was zur Folge hatte, dass um diese Zeit herum mehrere Okkult-Thriller produziert wurden. Einer davon war „End of Days“ mit Arnold Schwarzenegger, der für seine Rolle als Jericho Cane prompt für die Goldene Himbeere nominiert wurde. Ihm zur Seite standen Gabriel Byrne und Udo Kier. Der Film erhielt fast ausschließlich negative Kritiken und war ein eher mäßiger Erfolg an den Kinokassen. Zum Filmklassiker hat es also nicht gereicht.

2015 glaubte die koreanische Filmindustrie, sich ebenfalls am Exorzismusthema zu versuchen und somit drehte Jae-Hyun Jang „The Priests„, in dem zwei Priester versuchen, einen Dämon aus einer Frau auszutreiben. Was unheimlich wirken soll, wirkt dann doch eher banal und nicht weniger lächerlich. So richtig Spannung kommt einfach nicht auf und unheimlich wirkt der Film schon gar nicht. Eher wirkt „The Priests“ wie eine halbherzige und teils hilflose Nachahmung von Friedkins „Der Exorzist.“ Dennoch landete der Film in Südkorea auf Anhieb auf Platz eins und machte allein in diesem Land einen Umsatz von umgerechnet fast 36 Millionen Dollar. Damit zählt der Film zu den erfolgreichsten koreanischen Filmen und vor allem zu den erfolgreichsten koreanischen Horrorfilmen.

 

 

 

Horror de Luxe: Die Prophezeiung (1979)

Pu der Bär einmal anders; „Die Prophezeiung“ (1979); © Paramount Pictures

Als „Die Prophezeiung“ von Regisseur John Frankenheimer 1979 in die Kinos kam, wurde er von manchem Kritiker als schlechtester Film aller Zeiten bewertet. Frankenheimer selbst schob damals alles auf seine Alkoholprobleme. Und dennoch: „Die Prophezeiung“, wobei in dem Film überhaupt nicht klar wird, was das eigentlich für eine Prophezeiung sein soll, ist Unterhaltung pur.

Einerseits verhaftet im typischen Tierhorror der 70er Jahre, geht der Film noch einen Schritt weiter, indem er keine „normalen“ Tiere zeigt, die es auf die Menschheit abgesehen haben, sondern einen mutierten Monsterbären, der durch die Wälder Maines streift und Wanderern und Holzfällern eines auf die Rübe gibt.

Während die dort ansässigen Indianer einer Papierfabrik die Schuld für diverse Todesfälle geben, weist Isley, der Chef der Fabrik, sämtliche Schuld von sich. Schließlich soll der Mediziner Robert Verne untersuchen, ob durch die Fabrik Giftstoffe in die Erde bzw. ins Wasser gelangen. Zusammen mit seiner Frau macht er jedoch unliebsame Bekanntschaft mit einem Monsterbären, der Jagd auf sie macht …

Wie gesagt, der Film ist Unterhaltung pur. David Seltzer, der das Drehbuch zu „Das Omen“ verfasst hat, schrieb auch das Skript für diese Mischung aus Trash und Öko-Horror-Thriller. In dem Monsterbärenkostüm steckte Kevin Peter Hall, der Ende der 80er Jahre auch in die Ganzkörpermaske des Predator schlüpfte. Leider wollte John Frankenheimer, dass das Monster mehr wie ein Bär als wie ein echtes Monster aussehen soll, was dem Aussehen der Kreatur ein wenig schadet.

Was den Film letztendlich so bemerkenswert macht, ist, dass hier eine teils tolle Optik mit teils albern gefilmten Situationen kombiniert wurde – ein echtes Paradoxon, aber Frankenheimer und sein Team haben es geschafft. Dies führt dazu, dass manche Szene, in der das Monster seine Opfer angreift, unfreiwillig komisch wirkt. So zum Beispiel die Szene, in der ein Junge in einem Schlafsack davonhüpft und dabei eines von dem Monsterbären verpasst bekommt, sodass er gegen einen Felsen geschleudert wird. Obwohl die Szene ernst gemeint war, fällt man jedes Mal, wenn man sie sieht, vor Lachen halb vom Stuhl.

Die Öko-Botschaft scheint den Machern von „Die Prophezeiung“ auch nicht so wichtig gewesen zu sein. Sie brauchten nun mal einen Aufhänger, um damit den Monsterfilm besser vermarkten zu können. Das Augenmerk liegt ganz klar auf Monster-jagt-Menschen-durch-den-Wald. Von Anfang an legt der Film dabei ein rasantes Tempo vor. Wenn man einen Vergleich mit einem anderen Film suchen müsste, so würde mir daher als erstes „Komodo“ (1999) einfallen, der nicht weniger eine Mischung aus Trash, guter Optik und rasanter Handlung aufweist.

„Die Prophezeiung“ hat es jedenfalls geschafft zu einer Art Trash- und Monsterklassiker zu werden. Damals war der Film ein großer Erfolg, trotz aller schlechter Kritiken. Zugleich war „Die Prophezeiung“ einer der ersten Hollywoodfilme, der in Kanada gedreht wurde und die dortige Filmwirtschaft ankurbelte.

Die Prophezeiung (OT: The Prophecy). Regie: John Frankenheimer, Drehbuch: David Seltzer, Produktion: Robert L. Rosen, Darsteller: Talia Shire, Robert Foxworth, Armand Assante, Richard Dysart. USA 1979, 98 Min.

Horror de Luxe: Das Landhaus der toten Seelen (1976)

Der unheimliche Chauffeur (Anthony James) in „Burnt Offerings“; © NSM

„Burnt Offerings“, so der Originaltitel von „Landhaus der toten Seelen“ ist hierzulande kaum bekannt. Ganz anders in den USA, wo Dan Curtis‘ Film als Klassiker des Genres bezeichnet wird.

Die Adaption des gleichnamigen Romans von Robert Marasco handelt von dem Ehepaar Ben und Marian Rolf, die zusammen mit ihrem Sohn David und Tante Elizabeth den Sommer in einem abgelegenen Landhaus verbringen wollen. Die Miete für das Haus ist überraschend günstig. Die einzige Bedingung, die die Geschwister Allardyce, denen das Haus gehört, machen, lautet, dass sich die Rolfs um ihre alte Mutter kümmern müssen, die unter dem Dach eine eigene Wohnung hat.

Alles läuft hervorragend. Doch nach und nach geschehen sonderbare Dinge. Noch seltsamer ist, dass sich Mrs. Allardyce nicht zeigt und auch keinen Mucks von sich gibt. Als Ben beginnt, unter Wahnvorstellungen zu leiden, gerät die Lage mehr und mehr außer Kontrolle …

Um genau zu sein, stellt sich das Grauen, das in dem Haus herrscht, eher zwischen den Zeilen dar. Ein Grund, weswegen das Ehepaar Rolf quasi eine Paraderolle für Karen Black und Oliver Reed war. Denn hier zeigen beide ihr ganzes Können, indem sie Figuren darstellen, die nach und nach ihren Verstand verlieren. Dies geschieht langsam, beinahe unmerklich. Die Konflikte zwischen Ben und Marian nehmen zu, es scheint sich um ein Ehedrama zu handeln, doch die Ursache für die sich steigernde Wut der beiden aufeinander, hat ganz andere Ursachen.

Deutsches Kinoplakat von „Burnt Offerings“

Bette Davis als Tante Elizabeth wirkt dagegen eher blass und fast schon überflüssig. Wahrscheinlich hoffte Dan Curtiz, dadurch mehr Aufmerksamkeit erregen zu können, der Film selbst hätte jedoch auch ohne die Hollywood-Diva funktioniert. Vielleicht hätte er sogar besser funktioniert, da sich dann der Fokus ganz auf den Konflikt des Ehepaars konzentriert hätte.

Obwohl Filmkritiker mit „Burnt Offerings“ nicht viel anfangen konnten, entwickelte sich der Film nach und nach zu einem Klassiker des Geisterhausfilms. Besonders die Figur des unheimlichen Chauffeurs, dem Ben in seinen Wahnvorstellungen begegnet, entwickelte sich zu einer Art Kultfigur. Wie bereits erwähnt, nicht in Deutschland, wo der Film mehr oder weniger in Vergessenheit geriet.

Gedreht wurde der Film übrigens im und um Dunsmuir House, einem neoklassizistischem Gebäude, das immer wieder als Drehort benutzt wird, so etwa 1979 für den Horrorfilm „Phantasm“ oder 1985 für den James Bond-Streifen „Im Angesicht des Todes“.

Landhaus der toten Seelen (OT: Burnt Offerings), Regie u. Produktion: Dan Curtiz, Drehbuch: Dan Curtiz, William F. Nolan, Darsteller: Karen Black, Oliver Reed, Bette Davis, Lee Montgomery, Burgess Meredith. USA 1976,

Horror de Luxe: The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchenpensionat (1973)

Sylvia Tortosa als Leherin Elke Ackermann bringt selbst die ärgsten Filmkritiker zum Schwärmen. „The Loreley’s Grasp“ (1973); © JSV

Amando de Ossorio wollte es anscheinend nochmals wissen. Berühmt geworden durch die „Reitenden Leichen“-Filme, drehte er 1973 den Horrorstreifen „The Loreley’s Grasp“, der in Deutschland den Zusatztitel „Die Bestie im Mädchenpensionat“ erhielt, um möglichst viele Zuschauer in die Bahnhofskinos zu locken.

Basierend auf Clemens Brentanos Kunstmärchen über die Lorelei, einer Nixe, die durch ihre Schönheit Männern den Tod bringt, verfasste er ein Drehbuch, in dem eben diese Nixe ein Mädchenpensionat am Rheinufer unsicher macht. Jäger Sigurd wird angeheurt, um dem Ungeheuer den Garaus zu machen. Doch ist das leichter gesagt als getan. Denn das Lorelei-Monster lässt sich nicht so leicht lumpen …

Kritiker teilen sich bis heute in genau zwei Lager, was diesen Film betrifft. Die einen halten ihn für unterirdisch schlecht, die anderen für eine vergessene Perle des Horrorfilms. Nun, irgendwie trifft bei „The Loreley’s Grasp“ beides zu. Denn der Film ist einerseits schlecht, andererseits unfreiwillig komisch und drittens wiederum wirklich gut.

Zuschauer, die sich mit dem europäischen Trash-Kino der 70er Jahre nicht auskennen, werden mit Sicherheit auch mit diesem Film nichts anfangen können. Für alle anderen aber dürfte Ossorios unbekannter Streifen eine echte Entdeckung sein. Die Optik des Films ähnelt derjenigen der „Reitenden Leichen“. Es gibt tolle, atmosphärische Aufnahmen, die an die Schilderungen klassischer Gespenstergeschichten erinnern, und dann natürlich wieder die typischen Trash-Sequenzen – für beides liebt man Ossorios Filme.

Jäger Sigurd (Tony Kendall) pirscht sich an die Lorelei (Helga Liné) heran; „The Loreley’s Grasp“ (1973); © JSV

Überraschend gelungen sind die Szenen, in denen das Ungeheuer sein Unwesen treibt. Zwar ist das Monster selbst nicht wirklich gut getroffen, doch seine Angriffe auf die Bewohner des Mädchenpensionats besitzen ein erstaunlich hohes Tempo, die Schnittfolge dabei ist großartig, sodass man gelegentlich an die Meister des italienischen Horrorkinos denken muss.

Für eher Heiterkeit sorgt Hauptdarsteller Tony Kendall, der nicht wirklich in die Rolle passt bzw. vergeblich versucht, diese darzustellen. Doch dafür sind die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnern geradezu einzigartig: sowohl im Hinblick auf ihre Darstellungsweise als auch ihr Aussehen. Silvia Tortosa spielt Elke Ackermann, die Lehrerin des Mädchenpensionats, wobei selbst die ärgsten Kritiker des Films nicht umhin konnten und können, ihre faszinierende Attraktivität zu würdigen. Nicht anders verhält es sich bei Helga Liné, welche die Wassernixe spielt.

Alles zusammen macht „The Loreley’s Grasp“ zu einem interessanten Film, der zwar nie wirklich spannend wird, aber dennoch hervorragend unterhält. Für Liebhaber des europäischen Horrorfilms ist dies mit Sicherheit eine nette Entdeckung.

The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchenpensionat (OT: Las Garras de Lorelei). Regie u. Drehbuch: Amando de Ossorio, Produkion: Ricardo Munoz Suay, Darsteller: Tony Kendall, Silvia Tortosa, Helga Liné. Spanien 1973, 85 Min.

 

Die Klunkerecke: Die Körperfresser kommen (1978)

Eigentlich gilt stets folgende Regel: Ein Remake ist schlechter als das Original. Und es wäre keine Regel, wenn es da keine Ausnahme gäbe. Eine solche ist der SF-Thriller „Die Körperfresser kommen“, das sowohl Remake des Films von 1956, als auch eine Neuadaption des gleichnamigen Romans von Jack Finney (erschienen 1955) ist.

Der Film von Don Siegel gilt als Inbegriff des Paranoia-Kinos. Wie kein anderer Film stellt er die Angst vor einer ideologischen Unterwanderung der USA dar, die damals vorherrschte. 1978 nahm sich dann Philip Kaufman des Stoffes an, um dadurch die heimtückische Invasion ein zweites Mal auf die USA loszulassen.

Dieses Mal betrifft es San Francisco. Aus dem Psychiater Peter Benell wurde ein Inspektor der Gesundheitsbehörde, der es auf einmal mit sonderbaren Zwischenfällen zu tun hat. Seine Mitarbeiterin Elizabeth behauptet, dass ihr Mann nicht mehr ihr Mann sei. Diese Wahnvorstellung scheint gerade in Sa Francisco zu grassieren. Denn immer mehr Menschen leiden unter der Angst, dass ihre Angehörigen sich plötzlich völlig anders verhalten. Nach und nach kommt Bennell dabei auf die Spur einer außerirdischen Invasion.

„Die Körperfresser kommen“ reicht nicht nur an den Originalfilm heran, sondern übertrifft ihn sogar teilweise. Mit einer unglaublich tollen Optik, bei der zwischendurch immer mal wieder zur wackeligen Handkamera gegriffen wird, überträgt Philip Kaufmann Jack Finneys Klassiker von der Moderne in die Postmoderne, ohne dabei Federn zu lassen. Natürlich dürfen dabei auch nicht die Anspielungen auf den Originalfilm fehlen. Als kleine Gag rennt daher Kevin Mc Carthy, der 1956 Bennell gespielt hat, wieder warnend durch die Straßen.

Aufbau der Spannung, die sich sich entwickelnde Handlung – alles wie aus dem Lehrbuch und darüber hinaus, denn „Die Körperfresser kommen“ wirkt gelegentlich wie heutige Zombiefilme, was wahrscheinlich daran liegt, dass sich heutige Regisseure eben an diesem Meisterwerk orientieren.

Und dennoch floppte der Film damals an den Kinokassen. Die Post-Hippie-Ära war wohl an Paranoia-Themen nicht sonderlich interessiert. In der Tat passt der Film thematisch besser in unsere Zeit, in der durch zunehmende Entfremdungsprozesse die Angst vor dem Anderen zunimmt. Ein genialer Film, ein Meisterwerk.

Die Körperfresser kommen (OT: Invasion of the Bodysnatchers). Regie: Philip Kaufmann, Drehbuch: W. D. Richter, Produktion: Robert H. Solo, Darsteller: Donald Sutherland, Brooke Adams, Leonard Nimoy, Jeff Goldblum, Veronica Cartwright. USA 1978, 113 Min.

Im Reich der Sinne oder Ist Pornografie manchmal auch Kunst?

Ist Pornografie Kunst? Diese Frage musste sich einer der Skandalfilme an und für sich, der japanische Spielfilm Im Reich der Sinne (1976), gefallen lassen. Noch während der damaligen Berlinale wurde der Film beschlagnahmt und als Hardcore Porno bezeichnet. Filmkritiker gingen mit Protesten gegen das Vorgehen der deutschen Behörden vor, denn für sie war klar, dass Nagisa Oshimas Film Kunst darstellte – und Kunst ist u. a. dazu da, um zu provozieren.

Später wurde die Beschlagnahmung tatsächlich zurückgenommen, der Film erhielt – wahrscheinlich als Nachtritt gegen die deutschen Beamten – das Prädikat besonders wertvoll. Im Reich der Sinne besteht aus einre Aneinanderreihung diverser Sexszenen, die in der Tat ziemlich freizügig umgesetzt wurden. Der Film spielt hauptsächlich nur in einem einzigen Raum, in dem Kichizo und die Geisha Abe Sada Sex haben. Immer mehr verfallen sie dabei einer nicht enden wollenden Lust, die bis zur äußersten Grenze vorangetrieben wird, wobei sie alles andere um sich herum vergessen.

Japanisches Originalplakat von „Im Reich der Sinne“

Ist Im Reich der Sinne nun Pronografie oder ist er Kunst? Was, wie ich glaube, den Film von einem Porno unterscheidet, ist, dass Oshima mit den Sexszenen eine sowohl künsterlische als auch soziologische Aussage treffen möchte. Indem er nur die beiden Figuren zeigt, zeigt er zugleich Menschen, die sich nur noch ihren Trieben hingeben und sich dabei gegenseitig selbst zerstören. Die reine Lust daher als ein Gegenpol zu den Merkmalen, mit denen sich der Mensch selbst als ein höheres Wesen definiert. Wenn diese Merkmale wegfallen, bleibt von dem höheren Wesen nicht mehr viel übrig. Die soziologische Gegenüberstellung Zivilisation contra Barbarei kommt einem dabei in den Sinn. Und vielleicht ist es genau das, was Oshima damit ausdrücken wollte: es braucht nicht viel, um aus zivilisierten Menschen unzivilisierte Kreaturen zu machen.

Andererseits besitzt Im Reich der Sinne durchaus pornografische Merkmale. Der erregierte Penis fehlt hier genauso wenig wie die Penetration. Zwar nicht in Großaufnahme, sondern noch immer innerhalb eines spielfilmartigen Rahmens, doch sind dies eben Merkmale, die in anderen Filmen nur angedeutet werden. Etwa wie in Shame (2011) von Steve McQueen, in dem selbst die pornografische Choreografie am Ende des Films keineswegs eine skandalöse Ebene erreicht.

Selbst aus heutiger Sicht erscheint Im Reich der Sinne sehr gewagt. Nicht einmal Jess Francos Werke aus den 70er Jahren, denen Kritiker damals gerne pornografische Absichten unterstellten, erreichen diese Ebene. Letztendlich aber bleibt es jedem selbst überlassen, ob er in dem Film eine Art Porno sieht oder ob es sich um provozierendes Kino der Protestepoche handelt.

Im Reich der Sinne. Regie, Drehbuch, Produktion: Nagisa Oshima, Darsteller: Tatsuya Fuji, Eiko Matsuda. Japan/Frankreich 1976, 105 Min.