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Archive for the ‘Trash der 70er’ Category

reitendeleichenMit Die Nacht der reitenden Leichen schuf Regisseur Amando de Ossorio einen zeitlosen Klassiker des spanischen Horrorkinos. Der Film hat die Legenden der grauenvollen Riten der Tempelritter zum Thema, die auch noch nach ihrem Tod als blutgierige Zombiegerippe durch die Landschaft reiten.

Der Film beginnt mit dem Wanderurlaub eines jungen Paars, das plötzlich in Streit gerät. Die Folge des Streits: Virginia flüchtet in die Ruinen eines verfallenen Klosters, um dort zu übernachten. Doch sobald die Sonne untergeht, kommen die Templer aus ihren Gräbern. Als ihrem Freund Roger es doch etwas zu merkwürdig vorkommt, dass Virginia nicht mehr zurückkehrt, beschließt er, sie auf eigene Faust zu suchen. Dabei kommt er ebenfalls zu dem abgelegenen Kloster …

Die beiden größten Fragen, die dieser Film seit jeher aufgeworfen hat, lauten: wieso 1. die Pferde der Tempelritter nicht auch nur aus Knochen bestehen und 2. woher diese Pferde überhaupt stammen. Wenn man sich jedoch nicht weiter darüber den Kopf zerbrechen möchte, so bietet Die Nacht der reitenden Leichen eine schöne Geistermär, in der um Mitternacht die Geisterglocke durch das Kloster hallt, die Einwohner jene gespenstische Gegend seit jeher meiden und furchtbar langsame Gerippe in staubigen Mönchskutten auf Opfersuche gehen. In der Tat wundert man sich immer wieder, wieso die Menschen diesen extrem langsamen Knochenmännern nicht entkommen können. Aber sei’s drum. Wenn die Leichen erst auf ihren Pferden sitzen, liefern sie eine herrliche Gespensterästhetik, die jedes Mal von neuem begeistert.

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Die Tempelritter sind erwacht. „Die Nacht der reitenden Leichen“ (1971); Copyright: Atlas Film

Insgesamt drehte Ossorio noch drei Fortsetzungen mit den Titeln Die Rückkehr der reitenden Leichen, Das Geisterschiff der reitenden Leichen sowie Das Blutgericht der reitenden Leichen. Während im zweiten Teil die knöchernen Tempelritter eine spanische Kleinstadt überfallen und dieser Film mit einem gewissen Tempo aufwartet (manche halten ihn sogar für besser als das Original), besitzt Teil drei eine sehr schöne Geisterschiffkulisse. Hinzu kommt eine angenehm trashige Handlung, in der es darum geht, dass eine Gruppe Fotomodells auf das Schiff der reitenden Leichen gerät. Teil vier schließlich ist der schlechteste Film der Reihe. Hier zieht ein Ehepaar in einen kleinen Küstenort, dessen Einwohner alle sieben Jahre den Templern Opfer darbringen.

Mir persönlich gefällt der Originalfilm am besten. Die Darstellung des auf Volksglauben basierenden Spuks ist hier überaus gelungen. Dieser Film macht aufgrund seiner Mischung aus wundervoll gefilmter Gruselästhetik und Trash einfach immer wieder Spaß. Natürlich drehte Ossorio auch noch weitere Trash- und Horrorfilme, doch wurden diese nie auf dieselbe Weise wahrgenommen wie seine Filme über die reitenden Leichen.

Die Nacht der reitenden Leichen (OT: La Noche del terror ciego), Regie u. Drehbuch: Amando de Ossorio, Produktion: Jose Antonio Perez Giner, Darsteller: Lone Fleming, Cesar Burner, Elena Apron, Joseph Thelman, Maria Silva. Spanien 1971, 97 Min.

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schlossmontechristo1Ab Ende der 60er Jahre wurde das italienische Horrorkino unter Genrefans immer beliebter, gefolgt von den Genrefilmen aus Spanien. Eine Ursache dafür waren die Filme von Mario Bava, dem Begründer des modernen Horrorfilms. Durch Filme wie Die Stunde wenn Dracula kommt, Baron Blood oder Die drei Gesichter der Furcht setzte Bava im internationalen Vergleich sehr hohe Maßstäbe, sodass selbst Vertreter der American International Pictures, welche Vincent Price unter Vertrag hatten und mit Filmen wie Der Untergang des Hauses Usher oder Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes für volle Kinokassen sorgten, vor Staunen kein Wort mehr herausbrachten, als sie sich bei den italienischen Produktionsfirmen umsahen.

Der Grund, weswegen die amerikanischen Produzenten aus dem Staunen nicht mehr herauskamen, war ganz einfach der, dass man im italienischen Horrorkino den Zuschauern viel mehr Blut, Sex und Gewalt zumutete als in den damaligen amerikanischen Filmen, die im Vergleich zu den italienischen Produktionen einfach zu brav wirkten.

Ein Beispiel für das italienische Horrorkino Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre ist Das Geheimnis von Schloss Monte Christo des sonst im Italowestern beheimateten Regisseurs José Luis Merino. Der Film erzählt die Geschichte der Chemikerin Ivana Rakowsky, die eine Anstellung auf Schloss Dalmar angenommen hat. Sie soll helfen, ein Elixier zu suchen, das den toten Bruder des Grafen wieder lebendig werden lässt. Doch kaum ist Ivana bei der Arbeit, als sie beginnt, unter bizarren Alpträumen zu leiden, in denen sie von einem Fremden auf einer Folterbank gequält wird. Als zu diesen Träumen auch noch unheimliche Morde geschehen, lässt Ivana ihre Arbeit ruhen und beginnt, nach der Lösung des Geheimnisses von Schloss Dalmar zu suchen.

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Graf Dalmar reitet aus. Ein Beispiel für die hervorragende Optik des Films.

Typisch für italienische Horrorfilme der 60er und 70er Jahre ist, dass 1. der deutsche Titel nichts mit dem Film zu tun hat und 2. unzählige internationale Alternativtitel zu diesem Film bestehen. So lautet der Originaltitel ganz einfach Ivanna. Mit Schloss Monte Christo hat dies nun wirklich nichts zu tun. Andere internationale Verleihtitel lauten z.B. Altar of Blood oder Scream of the Demon Lover.

Zum Film selbst ist zu sagen, dass Regisseur Merino einen recht guten und spannenden Horrorfilm im Stile der Gothic Novels kreierte. Vor allem fallen die überdurchschnittlich guten Dialoge auf. Besondere Spannung erhält der Film durch den Konflikt zwischen der überaus selbstbewussten Protagonistin und dem charismatischen Grafen Dalmar. Seine Herrschsucht trifft bei ihr zum ersten Mal in seinem Leben auf Widerstand. Dieser Streit zwischen der Chemikerin und dem Grafen ist von Merino sehr einfühlsam und mitreißend in Szene gesetzt worden, im entfernten Sinne erinnert die Figurenkonstellation an diejenige zwischen Jane und Lord Rochester in dem Roman Jane Eyre. Dies wirkt sich durchaus positiv auf den Film aus, erhalten Ivana und Graf Dalmar dadurch eine gewisse Tiefe, die in anderen Filmen dieses Genres größtenteils fehlt.

Die Szenen im Folterkeller erweisen sich geradezu typisch für damalige Horrorfilme und dienen hier eher dazu, dem Film einen Hauch von Sexploitation zu verleihen, was von den Produzenten zwecks Vermarktungsstrategie stets verlangt wurde. dabei liefern die teils natürlichen Kulissen des geheimnisvollen Schlosses einen passenden Hintergrund für die Geschichte. Man merkt, dass sich Merino für diesen Film viel Mühe gegeben hat. Das Geheimnis von Schloss Monte Christo ist somit auf jeden Fall eine kleine Entdeckung für Horrorliebhaber.

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aussaultMit „Assault on Precinct 13“ schuf Starregisseur John Carpenter einen unheimlichen Thriller, in dem er Aspekte des Western mit denen des Zombiefilms a la Romero verknüpft und zusätzlich Elemente des Blacksploitation-Genres übernimmt. Zugleich ist Carpenters Film ein wesentliches Beispiel für den Anfang der 70er Jahre entstandenen modernen amerikanischen Horrorfilm, in dem nicht mehr außerirdische Monster, sondern der Mensch bzw. die Gesellschaft selbst zu einem unerklärlichen, bedrohlichen und unheimlichen Phänomen wird.

Die Handlung: Eine Polizeistation in einem heruntergekommenen Bezirk in Los Angeles. Nur noch für eine Nacht steht die Station offen. Am nächsten Morgen soll sie geschlossen werden. Aus diesem Grunde ist sie auch nur mit einer kleinen Notbesetzung bestückt. Doch gerade in dieser Nacht kommt es zum Ausnahmezustand. Die Station wird von verschiedenen Jugendbanden belagert. Der zunächst noch rein kriminelle Aspekt wird zunehmend zu einer bizarren und unheimlichen Bedrohung …

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Mehrere Gangmitglieder nähern sich der Polizeistation. „Assault – Anschlag bei Nacht“ (1976). Copyright: Image Entertainment

Nach „Dark Star“ war „Aussault on Precinct 13“ Carpenters zweiter Spielfilm. Eigentlich hatte er vor, einen Western im Stil seines Vorbilds Howard Hawks zu drehen, doch wurde daraus nichts, da das Projekt auf kein Interesse stieß. Daher kam er auf die Idee, das Westernthema der Belagerung mit dem des modernen Zombiefilms zu verbinden. Die Kriminellen, die sich um die Polizeistation versammeln und immer wieder versuchen, sie zu stürmen, scheinen nicht normal zu agieren, sondern viel eher wie wandelnde Tote ihre Untaten zu verrichten. Eine kurze Erklärung für das sonderbare Verhalten gibt der Film, indem Polizist Ethan Bishop von sonderbar starken Sonneneruptionen spricht, von denen im Radio die Rede ist. Völlig willenlos marschieren die Jugendlichen auf die Station zu, wobei es zu heftigen Shoot-Outs kommt.

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Das Plattencover des Soundtracks von 1976 ziert die bekannteste Szene von „Assault“.

Berühmt wurde der Film nicht nur durch die Musik, von der damals auch eine Disco-Version produziert wurde, sondern vor allem durch die extreme Schockszene, in der einer der Warlords ohne mit der Wimper zu zucken ein kleines Mädchen auf offener Straße erschießt. Der Vertrieb wollte, dass Carpenter diese Szene wieder herausnahm. Carpenter schnitt die Szene heraus, doch setzte sie kurz vor dem Kinostart wieder ein.

„Aussault on Precinct 13“ ist ein absolutes Meisterwerk und gehört bis heute zu den verstörendsten und zugleich interessantesten Genrefilmen. John Carpenter drehte Ende der 80er Jahre ein Quasi-Remake von „Assault“ mit dem Titel „Fürsten der Dunkelheit“. Dort wurde die Polizeistation durch ein Kloster und die Jugendgang durch wirkliche Zombies (bzw. Streetshizos, wie es im Nachspann heißt) ersetzt.

Im Jahr 2005 kam es zu einem Remake des Klassikers, der jedoch auf verstörende Elemente verzichtet und aus der Story eine bloße Mischung aus Polizei- und Actionfilm macht.

Assault – Anschlag bei Nacht (OT: Assault on Precinct 13), Regie u. Drehbuch: John Carpenter, Produktion: J. S. Kaplan, Darsteller: Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West, USA 1976, 91 Min.

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jacktheripperFür die meisten Kritiker ist und bleibt Regisseur Jess Franco lediglich ein Schmuddelregisseur. In der Tat aber war Jess Franco ein Schüler von Orson Welles. Sein Können zeigte er jedoch hauptsächlich in Trash-Filmen. Hierbei überschritt er gerne die Grenze zwischen „normalem“ Film und (soft)pornographischem Film. Und er machte dabei deutlich, dass Erotikfilme nicht banal sein müssen. Mit „Eugenie“ schuf er z.B. ein geradezu surreales Kunstwerk.

Viele seiner Filme wurden von dem schweizerischen Produzenten Erwin C. Dietrich produziert. So auch Francos Verfilmung der Untaten von Jack the Ripper. Darin geht es um den Arzt Dennis Orloff, der tagsüber eine kleine Praxis führt und seine Patienten behandelt, ohne dafür Geld zu verlangen, nachts aber als Serienmörder durch London streift, wo er Prostituierten auflauert und umbringt. Inspektor Selby versucht, den Mörder zu fassen, doch ohne Erfolg. Selbys Verlobte Cynthia, die als Balletttänzerin arbeitet, beschließt heimlich, Selby zu helfen und verkleidet sich als Prostituierte, um damit den Ripper anzulocken. Als dieser tatsächlich auf sie aufmerksam wird, kommt es zu einem Wettlauf zwischen Leben und Tod.

Dennis Orloff alias Jack the Ripper ist geradezu eine Paraderolle für Klaus Kinski gewesen. Er verkörpert den wahnsinnigen Serienmörder auf seine typische Kinskiart und verleiht dadurch der Figur eine schizophrene Ausstrahlung, gepaart jedoch mit einer tragischen Komponente, deren Ursache in Orloffs Kindheit liegt. Neben ihm agieren deutsche Trash-Stars wie Herbert Fux und Andreas Mannkopff, die nicht weniger ihre Rollen überzeugend darstellen.

Im Groben und Ganzen kann man Francos „Jack the Ripper“ als eine Mischung aus Hammer- und Edgar Wallace-Film betrachten. Allerdings kommt hierbei noch eine Menge Kunstblut hinzu. Auch wenn die Morde hauptsächlich angedeutet sind, so liefert Jess Franco gegen Ende des Films doch ein paar Szenen, welche relativ drastische Puppeneffekte beinhalten. Dass Jess Franco durchaus ein Meister seines Fachs war, beweist er u. a. in einer der Hauptszenen des Films, in dem der Ripper eine Prostituierte durch einen Wald verfolgt. Durch die gelungene Optik und die hervorragende Schnittfolge lässt er die Panik des Opfers fast schon greifbar werden. „Jack the Ripper“ zählt bis heute zu den erfolgreichsten Filmen Jess Francos.

Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London (OT: Jack the Ripper), Regie u. Drehbuch: Jess Franco, Produktion: Erwin C. Dietrich, Darsteller: Klaus Kinski, Josephine Chaplin, Herbert Fux, Andreas Mannkopff, Lina Romay. Deutschland/Schweiz 1976, 89 Min.

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frauen1In den 70er Jahren hatten die deutschen Vertriebe noch wirklich Fantasie, wenn es um Verleihtitel ging, besonders dann, wenn die entsprechenden Filme nur in Bahnhofkinos vorgeführt wurden. „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“ ist dann auch der Titel eines Films, der im Original Le foto proibite di una signora per bene heißt, was in etwa „Das verbotene Foto einer angesehenen Frau“ bedeutet.

Es geht darin um Minou, die Frau eines Firmenchefs, die eines Abends bei einem Strandspaziergang plötzlich von einem Unbekannten überfallen wird. Dieser behauptet, ihr Mann sei ein Mörder. Tatsächlich starb ein Gläubiger der Firma ihres Mannes auf seltsame Weise. Wenige Tage später bekommt es Minou erneut mit dem fremden Mann zu tun. Am Telefon teilt er ihr mit, dass sie zu ihm kommen soll, da er sonst ein Tonband an die Polizei schicken werde, auf dem zu hören ist, wie sich ihr Mann über den Mord an den Gläubiger mit jemand anderem unterhält. In der Hoffnung, dass sie das Tonband erhält, sucht sie die Wohnung auf, wo sie der Mann zwingt, sich ihm in SM-Manier zu unterwerfen. Minou weiht daraufhin ihre beste Freundin Dominique in die Angelegenheit ein. Diese glaubt, dass der Mann mehr Geld erpressen möchte. Doch die Situation spitzt sich zu, als der Fremde in Minous Haus eindringt …

Das Plakat des Films suggeriert, dass man es hier mit einem Erotik-Thriller zu tun hat. Doch wird dies dem Film in keiner Weise gerecht, denn Regisseur Luciano Ercoli schuf mit Le foto proibite di una signora per bene, eher eine Mischung aus Krimi und Thriller, der in manchen Szenen durchaus an Hitchcock erinnert und vor allem, im Hinblick auf Erotik, eher mit Andeutungen spielt, diese jedoch intensiv zu nutzen weiß. Das Leben Minous gerät von einer Sekunde auf die andere aus den Fugen, wird regelrecht zu einem Albtraum. Wirklich toll inszeniert Ercoli hierbei den Übergang vom normalen Leben Minous hin zu Angst, Verstörung und Gewalt. Geradezu surreal erscheint die erste Begegnung mit dem Fremden, wenn Minou im blau-violett-farbenen Licht über die einsame Strandpromenade spaziert und ihr auf einmal ein Motorradfahrer folgt.

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Minou (Dagmar Lassander) betritt die Wohnung des Fremden.

Von da an geht es beinahe Schlag auf Schlag. Die Frage, die sich Minou und der Zuschauer stellt, lautet, ob Minous Mann tatsächlich ein Mörder ist. Noch mysteriöser wird es, als Minou auf einem der Fotos, die Dominique ihr zeigt, der fremde Mann zu sehen ist. Steckt etwa Minous beste Freundin hinter den Erpressungsversuchen?

Ercoli schafft mit seinem Thriller ein gelungenes Spiel, in dem im Grunde genommen jeder verdächtig ist. Auf diese Weise gelingen ihm immer wieder äußerst überraschende Wendungen, welche die Spannung jedes Mal noch um einen weiteren Grad erhöhen. Auch Minou ist von der Rätselhaftigkeit, welche die Figuren umgibt, nicht ausgeschlossen, ist sie letztendlich den SM-Spielchen des fremden Mannes keineswegs abgetan. So offenbart sich auch bei der eigentlichen Hauptfigur ein doppelter Boden. Auch hier zeigt sich Ercoli wieder als Meister, wenn er Minou die Wohnung des Fremden betreten lässt: satte rote Farben, tiefe Schatten und ein surreales Interieur, bei dem weiße Hände aus Pfeilern und Wänden ragen.

„Frauen bis zum Wahnsinn gequält“ besitzt damit die Eigenschaften eines typischen Giallos (das von Mario Bava ins Leben gerufene italienische Thriller-Mystery-Genre), in dem es stets um rätselhaften Mord, zwielichtige Figuren und unheimliche Zwischenfälle geht. Die Qualität bei diesen Filmen ist natürlich sehr unterschiedlich. Ercolis Film gehört hierbei ganz klar zur Spitzenklasse dieses Genres und zählt neben Bavas und Argentos Thrillern zu den wichtigsten Beiträgen.

Frauen bis zum Wahnsinn gequält (OT: Le foto proibite di una signora per bene). Regie u.  Produktion: Luciano Ercoli, Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Darsteller: Dagmar Lassander, Pier Paolo Capponi, Nieves Navarro, Simon Andreu. Italien 1970, 96 Min.

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fleshandbloodshow„The Flesh & Blood Show“ gehört im gewissen Sinne zur englischen Post-Hammer-Ära, in der die englischen Produktionen versuchten, an den sozialkritischen US-Horrorfilmen der 70er Jahre anzuknüpfen. Regie führte Peter Walker, der davor im Erotik-Genre tätig gewesen war. Dies liefert eine Erklärung dafür, weswegen sich jede der Protagonistinnen mindestens einmal naggisch macht. Seine späteren Filme „Haus der Peitschen“ und „Frightmare“ sind in Deutschland leider noch immer beschlagnahmt.

Peter Walkers erster Horrorfilm handelt von einer Gruppe junger Schauspieler, die in einem alten Theater, das in einem Küstenort liegt, ein Stück proben. Doch kaum sind sie dort angekommen, als einer nach dem anderen von einem Psychopathen ermordet wird …

Aus einem filmhistorischen Gesichtspunkt ist dieser Film sicherlich interessant, da er, wie gesagt, ein Beispiel für den 70er Jahre-Horrorfilm aus England ist, der ja größten Teils ohne die Produktionen der Hammer-Studios auskommen musste. Die sozialkritischen Grundtöne, die vor allem den Werte- und Generationenkonflikt in den Mittelpunkt stellen, kennzeichnen Walkers Erstling ebenfalls als Kind seiner Zeit. Die offene und freie Lebenseinstellung der Schauspieler, die man als eine Art Symbol für die Hippie-Bewegung nehmen könnte, steht die strenge, konservative Moral- und Wertevorstellung der älteren Generation gegenüber. Dies schafft natürlich einen Nährboden für Konflikte, da weder die Hippies die Älteren verstehen wollen noch umgekehrt. Trotzdem „The Flesh & Blood Show“ gerne als Horrorfilm bezeichnet wird, so ist der Film doch eher Krimi bzw. Psycho-Thriller und liegt irgendwo zwischen Agatha Christie, Edgar Wallace und Robert Bloch. In diese Richtung funktioniert Walkers Film allerdings recht gut, kreiert er doch eine bedrohliche und durchaus beklemmende Grundatmosphäre, die zu mehreren spannenden Szenen führt. Das eigentliche Grauen oder besser der eigentliche Schrecken vollzieht sich jedoch nur in teils sehr vagen Andeutungen, sodass der Film speziell in diesen Szenen schwächelt. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass das Ende eher enttäuscht, als provoziert.

The Flesh & Blood Show – Im Rampenlicht des Bösen (OT: Originaltitel: The Flesh & Blood Show), Regie u. Produktion: Peter Walker, Drehbuch: Alfred Shaughnessy, Darsteller: Ray Brooks, Jenny Hanley, Luan Peters, Patrick Barr. England 1972, 92 Min.

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tunnelderlebendenleichen“Eine atembeklemmende Schreckensreise in das schauerliche Horror-Reich der lebenden Leichen!” wurde dem Zuschauer in den 70er Jahren geboten. Und in der Tat, dieser „Super-Horror“ aus dem Jahre 1972 ist äußerst beklemmend, obwohl wir es eigentlich nicht mit wirklichen Zombies zu tun haben. Dafür wartet der Film mit einer weit originelleren Idee auf.

In den U-Bahn-Stationen Londons verschwinden seit einigen Jahren spurlos Menschen. Die Polizei ging den Fällen nur halbherzig nach und schließlich verliefen sie im Sand. Eines Tages aber verschwindet ein bekannter Politiker. Inspektor Calhoun bleibt daher nichts anderes übrig, als eine gründliche Untersuchung anzuordnen. Die Spur führt ihn dabei zu einem längst vergessenen U-Bahn-Tunnel, der bei Bauarbeiten um die Jahrhundertwende einstürzte und die Arbeiter von der Außenwelt abschnitt. Dort entwickelten sie eine Art autonome Gesellschaft, deren letzte, missgebildete Nachkommen einen Weg nach draußen gefunden haben, wo sie nach Menschenfleisch gieren …

Regisseur Gary Sherman lieferte mit seinem Werk „Death Line“ einen überaus spannenden, extrem dichten Horrorfilm ab, der zu den ersten Streifen der englischen Post-Hammer-Ära gehört. Die Charaktere sind sehr überzeugend und lebendig, wobei vor allem Donald Pleasence als extrem spießiger Inspektor hervorsticht. Anscheinend soll Pleasence während der gesamten Dreharbeiten ständig betrunken gewesen sein. Wenn dies stimmt, so hat ihm dies keineswegs geschadet, denn seine schauspielerische Leistung ist erstklassig. Sherman machte seinen Film zum Kind seiner Zeit, indem er die traditionelle britische Lebensart (vertreten durch den Inspektor) der Hippie- und Jugendkultur der 70er Jahre gegenüberstellt. Diese sozialkritische Perspektive ist hervorragend eingewoben in eine recht originelle Gruselgeschichte, die, gewürzt mit mehreren Gore-Szenen, auch heute nichts von ihrer Wirkung verloren hat. Der deutsche Titel ist verwirrend, spiegelt aber sehr schön das Bahnhofskino-Flair von damals wider. Im ganzen Film kommt kein einziger Zombie vor und auch der Plural ist keineswegs angebracht. Denn in der U-Bahn haust nur mehr ein einziger Nachfahre der ehemaligen Tunnelarbeiter, und dieser leidet unter Blutarmut und Beulenpest. Sherman verhindert es stilvoll, seinen Antagonisten zu einem bloßen, menschenfressenden Monster werden zu lassen. Vielmehr zeigt er uns in dem „letzten seiner Art“ eine verzweifelte, vereinsamte Kreatur, wodurch der Film einen starken tragischen Unterton bekommt.

Shermans „Death Line“, der in den USA unter dem Titel „Raw Meat“ lief, wurde 1972 zum besten Horrorfilm nominiert. Er gilt als vergessener Klassiker des Genres. Der Ruf „Vorsicht an den Türen!“ bleibt einem noch lange im Gedächtnis.

2008 drehte Peter A. Dowling ein Remake des Films mit dem Titel „Stag Night“. Dowling gelang es, die Handlung in Form eines Slashers recht gut zu aktualisieren. Allerdings schaffte der Film es nie in die Kinos, sondern wurde direkt als DVD vermarktet.

Tunnel der lebenden Leichen (OT: Death Line (UK)/Raw Meat (USA)), Regie: Gary Sherman, Drehbuch: Ceri Jones, Gary Sherman, Produktion: Paul Maslansky, Darsteller: Donald Pleasence, Norman Rossington, David Ladd, Sharon Gurny, Christopher Lee, England 1972, 83 Min.

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