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Archive for the ‘Trash der 70er’ Category

Die Zeit des Kalten Krieges spiegelt sich in fast allen Spionagefilmen aus jener Epoche wider. Die Drehbuchautoren wussten genau, wer die „Bösen“ und wer die „Guten“ waren, und alles, was sich hinter dem Eisernen Vorhang abspielte, kam bedrohlich und irgendwie fremdartig vor. Natürlich setzte sich das politische Schwarzweißdenken auch in so manchem SF-Thriller fest. Zu den bekanntesten Beispielen zählt sicherlich „Der gefährlichste Mann der Welt“ aus dem Jahr 1969, auch wenn hier auf Seiten der Bösen Russland durch China ersetzt wurde. Ein weiterer Film, der vor allem durch seine Spannung hervorsticht, ist „Who?“, der in Deutschland unter dem Titel „Der Mann aus Metall“ in die Kinos kam.

Dieser Film basiert auf dem SF-Roman „Zwischen den Welten“ (im Original ebenfalls „Who?“) des Schriftstellers Algis Budrys. Die Geschichte handelt von dem Atomphysiker Dr. Martino, der in der DDR bei einem Autounfall schwer verletzt wird. Russische Ärzte ersetzen sein Gesicht sowie seinen Rumpf durch Metall. Als er an der Innerdeutschengrenze den USA übergeben wird, zweifelt man an seiner Identität. Er wird für einen russischen Geheimagenten gehalten …

Rogers (Elliott Gould) ist von der Identität Dr. Martinos (Joseph Bova) nicht überzeugt; „Der Mann aus Metall“ (1974); Copyright: e-m-s

„Der Mann aus Metall“ ist ein sehr spannender Thriller, der von der ersten Minute an fesselt und äußerst überzeugend dargestellt ist. Vor allem sticht hierbei der Konflikt zwischen Dr. Martino und dem überaus skeptischen FBI-Agenten Sean Rogers heraus. Die Tragik, die sich daraus ergibt, ist durchaus nachvollziehbar. Der Atomphysiker, der durch seine Verwandlung in einen Mann aus Metall genug zu leiden hat, wird durch die staatliche Behörde seines Heimatlandes daran gehindert, wieder ein normales Leben zu führen.

Stattdessen wird seine gesamte Biographie bis hin zu den intimsten Details überprüft. Aber egal, welche Antwort Dr. Martino gibt, die Behörde bleibt weiter dabei, seine Identität als zweifelhaft zu beurteilen. Interessant ist hierbei, dass die Rückblenden aus Martinos früherem Leben stets aus der Perspektive einer subjektiven Kamera gedreht sind, so dass man sein richtiges Gesicht nie zu sehen bekommt. Natürlich versuchen auch die Russen, bestimmte Informationen aus Martino herauszubekommen, um dadurch an Informationen über das geheime Neptun-Projekt zu erhalten, an dem Martino arbeitet. Dabei schneidet der Film zwischen dem russischen und dem amerikanischen Verhör hin und her, was eine sehr hohe dramatische Dichte verursacht.

Die Metallmaske besitzt natürlich den Charme der frühen 70er Jahre. Das Design wirkt hierbei nicht aus der Luft gegriffen, sondern durchaus realistisch. „Der Mann aus Metall“ ist auf jeden Fall ein überaus sehenswerter SF-Film.

Der Mann aus Metall (OT: Who?), Regie: Jack Gold, Drehbuch: John Gould, Produktion: Barry Levinson, Darsteller: Elliott Gould, Trevor Howard, Joseph Bova. England 1974, 89 Min.

 

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baronbloodNachdem Mario Bava 1971 mit Im Blutrausch des Satans den Prototyp des Teeny-Slashers gedreht hatte, kehrte er ein Jahr später mit Baron Blood zu seinen eigentlichen Wurzeln des Gothic Horrors zurück. Diesmal aber spielt die Handlung nicht wie sonst im 18. Jahrhundert, sondern, da sich inzwischen das Horrorgenre stark gewandelt hatte, in der Gegenwart.

Ort der Handlung ist Österreich. Der Student Peter von Kleist kehrt nach Österreich zurück, um bei der Versteigerung des Schlosses seiner Vorfahren zugegen zu sein. Das Schloss ist unter der Bevölkerung als das „Schloss des Teufels“ bekannt, da im 16. Jahrhundert darin der Blutbaron von Kleist gehaust hat, der dort unzählige Menschen zu Tode foltern ließ. Gemeinsam mit Eva, einer Kunsthistorikerin, findet Peter eine seltsame Beschwörungsformel, mit deren Hilfe man den Blutbaron wieder zum Leben erwecken kann. Aus Neugier sprechen beide um Mitternacht die Formel aus. Kurz darauf scheint der blutrünstige Baron tatsächlich wieder ins Leben zurückgekehrt zu sein, um neue Opfer für seine Folterkammer zu suchen …

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Gestatten, Baron Blood. „Baron Blood“ (1972); Copyright: ems.

Mit Sicherheit ist Baron Blood nicht der beste Film Mario Bavas, dennoch ist er sehr spannend und kurzweilig inszeniert. Im Grunde genommen gibt sich Baron Blood als eine genau abgestimmte Mischung aus typisch italienischem Horrofilm und den Produktionen der American International Pictures der 60er Jahre, in denen vor allem Vince Price auftrat. Das Monster, das Eva und Peter aus seinem Grab holen, hat einen recht hohen Gruselfaktor und wurde von niemand anderem als Carlo Rambaldi geschaffen, der sich etwa zehn Jahre später ebenfalls für das E.T.-Design auszeichnen sollte. Als Kulisse für das Schloss wurde das Museum Burg Korneuberg in Österreich gewählt, wo auch der gesamte Film gedreht wurde.

Baron Blood versucht zwar, die Aspekte des postmodernen Horrorfilms aufzugreifen, bleibt aber zu sehr den klassischen Aspekten treu. Dies führt dazu, dass er für einen klassischen Horrorfilm recht brutal, für einen postmodernen Horrorfilm, der 1969 durch „Nacht der lebenden Toten“ ins Leben gerufen wurde, jedoch zu naiv wirkt. Die Nahaufnahmen der Untaten des Barons sowie das von einer Eisernen Jungfrau durchbohrte Gesicht seines Dieners sind Beispiele für diesen Stil. So gesehen bewegt sich Baron Blood exakt entlang einer der prägendsten filmhistorischen Übergangsphasen.

Baron Blood, Regie: Mario Bava, Drehbuch: Vincent Fotre, Mario Bava, Produktion: Alfredo Leone, Darsteller: Elke Sommer, Joseph Cotten, Massimo Girotti, Luciano Pigozzi. Italien/Deutschland 1972, 94 Min.

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reitendeleichenMit Die Nacht der reitenden Leichen schuf Regisseur Amando de Ossorio einen zeitlosen Klassiker des spanischen Horrorkinos. Der Film hat die Legenden der grauenvollen Riten der Tempelritter zum Thema, die auch noch nach ihrem Tod als blutgierige Zombiegerippe durch die Landschaft reiten.

Der Film beginnt mit dem Wanderurlaub eines jungen Paars, das plötzlich in Streit gerät. Die Folge des Streits: Virginia flüchtet in die Ruinen eines verfallenen Klosters, um dort zu übernachten. Doch sobald die Sonne untergeht, kommen die Templer aus ihren Gräbern. Als ihrem Freund Roger es doch etwas zu merkwürdig vorkommt, dass Virginia nicht mehr zurückkehrt, beschließt er, sie auf eigene Faust zu suchen. Dabei kommt er ebenfalls zu dem abgelegenen Kloster …

Die beiden größten Fragen, die dieser Film seit jeher aufgeworfen hat, lauten: wieso 1. die Pferde der Tempelritter nicht auch nur aus Knochen bestehen und 2. woher diese Pferde überhaupt stammen. Wenn man sich jedoch nicht weiter darüber den Kopf zerbrechen möchte, so bietet Die Nacht der reitenden Leichen eine schöne Geistermär, in der um Mitternacht die Geisterglocke durch das Kloster hallt, die Einwohner jene gespenstische Gegend seit jeher meiden und furchtbar langsame Gerippe in staubigen Mönchskutten auf Opfersuche gehen. In der Tat wundert man sich immer wieder, wieso die Menschen diesen extrem langsamen Knochenmännern nicht entkommen können. Aber sei’s drum. Wenn die Leichen erst auf ihren Pferden sitzen, liefern sie eine herrliche Gespensterästhetik, die jedes Mal von neuem begeistert.

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Die Tempelritter sind erwacht. „Die Nacht der reitenden Leichen“ (1971); Copyright: Atlas Film

Insgesamt drehte Ossorio noch drei Fortsetzungen mit den Titeln Die Rückkehr der reitenden Leichen, Das Geisterschiff der reitenden Leichen sowie Das Blutgericht der reitenden Leichen. Während im zweiten Teil die knöchernen Tempelritter eine spanische Kleinstadt überfallen und dieser Film mit einem gewissen Tempo aufwartet (manche halten ihn sogar für besser als das Original), besitzt Teil drei eine sehr schöne Geisterschiffkulisse. Hinzu kommt eine angenehm trashige Handlung, in der es darum geht, dass eine Gruppe Fotomodells auf das Schiff der reitenden Leichen gerät. Teil vier schließlich ist der schlechteste Film der Reihe. Hier zieht ein Ehepaar in einen kleinen Küstenort, dessen Einwohner alle sieben Jahre den Templern Opfer darbringen.

Mir persönlich gefällt der Originalfilm am besten. Die Darstellung des auf Volksglauben basierenden Spuks ist hier überaus gelungen. Dieser Film macht aufgrund seiner Mischung aus wundervoll gefilmter Gruselästhetik und Trash einfach immer wieder Spaß. Natürlich drehte Ossorio auch noch weitere Trash- und Horrorfilme, doch wurden diese nie auf dieselbe Weise wahrgenommen wie seine Filme über die reitenden Leichen.

Die Nacht der reitenden Leichen (OT: La Noche del terror ciego), Regie u. Drehbuch: Amando de Ossorio, Produktion: Jose Antonio Perez Giner, Darsteller: Lone Fleming, Cesar Burner, Elena Apron, Joseph Thelman, Maria Silva. Spanien 1971, 97 Min.

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schlossmontechristo1Ab Ende der 60er Jahre wurde das italienische Horrorkino unter Genrefans immer beliebter, gefolgt von den Genrefilmen aus Spanien. Eine Ursache dafür waren die Filme von Mario Bava, dem Begründer des modernen Horrorfilms. Durch Filme wie Die Stunde wenn Dracula kommt, Baron Blood oder Die drei Gesichter der Furcht setzte Bava im internationalen Vergleich sehr hohe Maßstäbe, sodass selbst Vertreter der American International Pictures, welche Vincent Price unter Vertrag hatten und mit Filmen wie Der Untergang des Hauses Usher oder Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes für volle Kinokassen sorgten, vor Staunen kein Wort mehr herausbrachten, als sie sich bei den italienischen Produktionsfirmen umsahen.

Der Grund, weswegen die amerikanischen Produzenten aus dem Staunen nicht mehr herauskamen, war ganz einfach der, dass man im italienischen Horrorkino den Zuschauern viel mehr Blut, Sex und Gewalt zumutete als in den damaligen amerikanischen Filmen, die im Vergleich zu den italienischen Produktionen einfach zu brav wirkten.

Ein Beispiel für das italienische Horrorkino Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre ist Das Geheimnis von Schloss Monte Christo des sonst im Italowestern beheimateten Regisseurs José Luis Merino. Der Film erzählt die Geschichte der Chemikerin Ivana Rakowsky, die eine Anstellung auf Schloss Dalmar angenommen hat. Sie soll helfen, ein Elixier zu suchen, das den toten Bruder des Grafen wieder lebendig werden lässt. Doch kaum ist Ivana bei der Arbeit, als sie beginnt, unter bizarren Alpträumen zu leiden, in denen sie von einem Fremden auf einer Folterbank gequält wird. Als zu diesen Träumen auch noch unheimliche Morde geschehen, lässt Ivana ihre Arbeit ruhen und beginnt, nach der Lösung des Geheimnisses von Schloss Dalmar zu suchen.

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Graf Dalmar reitet aus. Ein Beispiel für die hervorragende Optik des Films.

Typisch für italienische Horrorfilme der 60er und 70er Jahre ist, dass 1. der deutsche Titel nichts mit dem Film zu tun hat und 2. unzählige internationale Alternativtitel zu diesem Film bestehen. So lautet der Originaltitel ganz einfach Ivanna. Mit Schloss Monte Christo hat dies nun wirklich nichts zu tun. Andere internationale Verleihtitel lauten z.B. Altar of Blood oder Scream of the Demon Lover.

Zum Film selbst ist zu sagen, dass Regisseur Merino einen recht guten und spannenden Horrorfilm im Stile der Gothic Novels kreierte. Vor allem fallen die überdurchschnittlich guten Dialoge auf. Besondere Spannung erhält der Film durch den Konflikt zwischen der überaus selbstbewussten Protagonistin und dem charismatischen Grafen Dalmar. Seine Herrschsucht trifft bei ihr zum ersten Mal in seinem Leben auf Widerstand. Dieser Streit zwischen der Chemikerin und dem Grafen ist von Merino sehr einfühlsam und mitreißend in Szene gesetzt worden, im entfernten Sinne erinnert die Figurenkonstellation an diejenige zwischen Jane und Lord Rochester in dem Roman Jane Eyre. Dies wirkt sich durchaus positiv auf den Film aus, erhalten Ivana und Graf Dalmar dadurch eine gewisse Tiefe, die in anderen Filmen dieses Genres größtenteils fehlt.

Die Szenen im Folterkeller erweisen sich geradezu typisch für damalige Horrorfilme und dienen hier eher dazu, dem Film einen Hauch von Sexploitation zu verleihen, was von den Produzenten zwecks Vermarktungsstrategie stets verlangt wurde. dabei liefern die teils natürlichen Kulissen des geheimnisvollen Schlosses einen passenden Hintergrund für die Geschichte. Man merkt, dass sich Merino für diesen Film viel Mühe gegeben hat. Das Geheimnis von Schloss Monte Christo ist somit auf jeden Fall eine kleine Entdeckung für Horrorliebhaber.

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aussaultMit „Assault on Precinct 13“ schuf Starregisseur John Carpenter einen unheimlichen Thriller, in dem er Aspekte des Western mit denen des Zombiefilms a la Romero verknüpft und zusätzlich Elemente des Blacksploitation-Genres übernimmt. Zugleich ist Carpenters Film ein wesentliches Beispiel für den Anfang der 70er Jahre entstandenen modernen amerikanischen Horrorfilm, in dem nicht mehr außerirdische Monster, sondern der Mensch bzw. die Gesellschaft selbst zu einem unerklärlichen, bedrohlichen und unheimlichen Phänomen wird.

Die Handlung: Eine Polizeistation in einem heruntergekommenen Bezirk in Los Angeles. Nur noch für eine Nacht steht die Station offen. Am nächsten Morgen soll sie geschlossen werden. Aus diesem Grunde ist sie auch nur mit einer kleinen Notbesetzung bestückt. Doch gerade in dieser Nacht kommt es zum Ausnahmezustand. Die Station wird von verschiedenen Jugendbanden belagert. Der zunächst noch rein kriminelle Aspekt wird zunehmend zu einer bizarren und unheimlichen Bedrohung …

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Mehrere Gangmitglieder nähern sich der Polizeistation. „Assault – Anschlag bei Nacht“ (1976). Copyright: Image Entertainment

Nach „Dark Star“ war „Aussault on Precinct 13“ Carpenters zweiter Spielfilm. Eigentlich hatte er vor, einen Western im Stil seines Vorbilds Howard Hawks zu drehen, doch wurde daraus nichts, da das Projekt auf kein Interesse stieß. Daher kam er auf die Idee, das Westernthema der Belagerung mit dem des modernen Zombiefilms zu verbinden. Die Kriminellen, die sich um die Polizeistation versammeln und immer wieder versuchen, sie zu stürmen, scheinen nicht normal zu agieren, sondern viel eher wie wandelnde Tote ihre Untaten zu verrichten. Eine kurze Erklärung für das sonderbare Verhalten gibt der Film, indem Polizist Ethan Bishop von sonderbar starken Sonneneruptionen spricht, von denen im Radio die Rede ist. Völlig willenlos marschieren die Jugendlichen auf die Station zu, wobei es zu heftigen Shoot-Outs kommt.

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Das Plattencover des Soundtracks von 1976 ziert die bekannteste Szene von „Assault“.

Berühmt wurde der Film nicht nur durch die Musik, von der damals auch eine Disco-Version produziert wurde, sondern vor allem durch die extreme Schockszene, in der einer der Warlords ohne mit der Wimper zu zucken ein kleines Mädchen auf offener Straße erschießt. Der Vertrieb wollte, dass Carpenter diese Szene wieder herausnahm. Carpenter schnitt die Szene heraus, doch setzte sie kurz vor dem Kinostart wieder ein.

„Aussault on Precinct 13“ ist ein absolutes Meisterwerk und gehört bis heute zu den verstörendsten und zugleich interessantesten Genrefilmen. John Carpenter drehte Ende der 80er Jahre ein Quasi-Remake von „Assault“ mit dem Titel „Fürsten der Dunkelheit“. Dort wurde die Polizeistation durch ein Kloster und die Jugendgang durch wirkliche Zombies (bzw. Streetshizos, wie es im Nachspann heißt) ersetzt.

Im Jahr 2005 kam es zu einem Remake des Klassikers, der jedoch auf verstörende Elemente verzichtet und aus der Story eine bloße Mischung aus Polizei- und Actionfilm macht.

Assault – Anschlag bei Nacht (OT: Assault on Precinct 13), Regie u. Drehbuch: John Carpenter, Produktion: J. S. Kaplan, Darsteller: Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West, USA 1976, 91 Min.

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jacktheripperFür die meisten Kritiker ist und bleibt Regisseur Jess Franco lediglich ein Schmuddelregisseur. In der Tat aber war Jess Franco ein Schüler von Orson Welles. Sein Können zeigte er jedoch hauptsächlich in Trash-Filmen. Hierbei überschritt er gerne die Grenze zwischen „normalem“ Film und (soft)pornographischem Film. Und er machte dabei deutlich, dass Erotikfilme nicht banal sein müssen. Mit „Eugenie“ schuf er z.B. ein geradezu surreales Kunstwerk.

Viele seiner Filme wurden von dem schweizerischen Produzenten Erwin C. Dietrich produziert. So auch Francos Verfilmung der Untaten von Jack the Ripper. Darin geht es um den Arzt Dennis Orloff, der tagsüber eine kleine Praxis führt und seine Patienten behandelt, ohne dafür Geld zu verlangen, nachts aber als Serienmörder durch London streift, wo er Prostituierten auflauert und umbringt. Inspektor Selby versucht, den Mörder zu fassen, doch ohne Erfolg. Selbys Verlobte Cynthia, die als Balletttänzerin arbeitet, beschließt heimlich, Selby zu helfen und verkleidet sich als Prostituierte, um damit den Ripper anzulocken. Als dieser tatsächlich auf sie aufmerksam wird, kommt es zu einem Wettlauf zwischen Leben und Tod.

Dennis Orloff alias Jack the Ripper ist geradezu eine Paraderolle für Klaus Kinski gewesen. Er verkörpert den wahnsinnigen Serienmörder auf seine typische Kinskiart und verleiht dadurch der Figur eine schizophrene Ausstrahlung, gepaart jedoch mit einer tragischen Komponente, deren Ursache in Orloffs Kindheit liegt. Neben ihm agieren deutsche Trash-Stars wie Herbert Fux und Andreas Mannkopff, die nicht weniger ihre Rollen überzeugend darstellen.

Im Groben und Ganzen kann man Francos „Jack the Ripper“ als eine Mischung aus Hammer- und Edgar Wallace-Film betrachten. Allerdings kommt hierbei noch eine Menge Kunstblut hinzu. Auch wenn die Morde hauptsächlich angedeutet sind, so liefert Jess Franco gegen Ende des Films doch ein paar Szenen, welche relativ drastische Puppeneffekte beinhalten. Dass Jess Franco durchaus ein Meister seines Fachs war, beweist er u. a. in einer der Hauptszenen des Films, in dem der Ripper eine Prostituierte durch einen Wald verfolgt. Durch die gelungene Optik und die hervorragende Schnittfolge lässt er die Panik des Opfers fast schon greifbar werden. „Jack the Ripper“ zählt bis heute zu den erfolgreichsten Filmen Jess Francos.

Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London (OT: Jack the Ripper), Regie u. Drehbuch: Jess Franco, Produktion: Erwin C. Dietrich, Darsteller: Klaus Kinski, Josephine Chaplin, Herbert Fux, Andreas Mannkopff, Lina Romay. Deutschland/Schweiz 1976, 89 Min.

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frauen1In den 70er Jahren hatten die deutschen Vertriebe noch wirklich Fantasie, wenn es um Verleihtitel ging, besonders dann, wenn die entsprechenden Filme nur in Bahnhofkinos vorgeführt wurden. „Frauen bis zum Wahnsinn gequält“ ist dann auch der Titel eines Films, der im Original Le foto proibite di una signora per bene heißt, was in etwa „Das verbotene Foto einer angesehenen Frau“ bedeutet.

Es geht darin um Minou, die Frau eines Firmenchefs, die eines Abends bei einem Strandspaziergang plötzlich von einem Unbekannten überfallen wird. Dieser behauptet, ihr Mann sei ein Mörder. Tatsächlich starb ein Gläubiger der Firma ihres Mannes auf seltsame Weise. Wenige Tage später bekommt es Minou erneut mit dem fremden Mann zu tun. Am Telefon teilt er ihr mit, dass sie zu ihm kommen soll, da er sonst ein Tonband an die Polizei schicken werde, auf dem zu hören ist, wie sich ihr Mann über den Mord an den Gläubiger mit jemand anderem unterhält. In der Hoffnung, dass sie das Tonband erhält, sucht sie die Wohnung auf, wo sie der Mann zwingt, sich ihm in SM-Manier zu unterwerfen. Minou weiht daraufhin ihre beste Freundin Dominique in die Angelegenheit ein. Diese glaubt, dass der Mann mehr Geld erpressen möchte. Doch die Situation spitzt sich zu, als der Fremde in Minous Haus eindringt …

Das Plakat des Films suggeriert, dass man es hier mit einem Erotik-Thriller zu tun hat. Doch wird dies dem Film in keiner Weise gerecht, denn Regisseur Luciano Ercoli schuf mit Le foto proibite di una signora per bene, eher eine Mischung aus Krimi und Thriller, der in manchen Szenen durchaus an Hitchcock erinnert und vor allem, im Hinblick auf Erotik, eher mit Andeutungen spielt, diese jedoch intensiv zu nutzen weiß. Das Leben Minous gerät von einer Sekunde auf die andere aus den Fugen, wird regelrecht zu einem Albtraum. Wirklich toll inszeniert Ercoli hierbei den Übergang vom normalen Leben Minous hin zu Angst, Verstörung und Gewalt. Geradezu surreal erscheint die erste Begegnung mit dem Fremden, wenn Minou im blau-violett-farbenen Licht über die einsame Strandpromenade spaziert und ihr auf einmal ein Motorradfahrer folgt.

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Minou (Dagmar Lassander) betritt die Wohnung des Fremden.

Von da an geht es beinahe Schlag auf Schlag. Die Frage, die sich Minou und der Zuschauer stellt, lautet, ob Minous Mann tatsächlich ein Mörder ist. Noch mysteriöser wird es, als Minou auf einem der Fotos, die Dominique ihr zeigt, der fremde Mann zu sehen ist. Steckt etwa Minous beste Freundin hinter den Erpressungsversuchen?

Ercoli schafft mit seinem Thriller ein gelungenes Spiel, in dem im Grunde genommen jeder verdächtig ist. Auf diese Weise gelingen ihm immer wieder äußerst überraschende Wendungen, welche die Spannung jedes Mal noch um einen weiteren Grad erhöhen. Auch Minou ist von der Rätselhaftigkeit, welche die Figuren umgibt, nicht ausgeschlossen, ist sie letztendlich den SM-Spielchen des fremden Mannes keineswegs abgetan. So offenbart sich auch bei der eigentlichen Hauptfigur ein doppelter Boden. Auch hier zeigt sich Ercoli wieder als Meister, wenn er Minou die Wohnung des Fremden betreten lässt: satte rote Farben, tiefe Schatten und ein surreales Interieur, bei dem weiße Hände aus Pfeilern und Wänden ragen.

„Frauen bis zum Wahnsinn gequält“ besitzt damit die Eigenschaften eines typischen Giallos (das von Mario Bava ins Leben gerufene italienische Thriller-Mystery-Genre), in dem es stets um rätselhaften Mord, zwielichtige Figuren und unheimliche Zwischenfälle geht. Die Qualität bei diesen Filmen ist natürlich sehr unterschiedlich. Ercolis Film gehört hierbei ganz klar zur Spitzenklasse dieses Genres und zählt neben Bavas und Argentos Thrillern zu den wichtigsten Beiträgen.

Frauen bis zum Wahnsinn gequält (OT: Le foto proibite di una signora per bene). Regie u.  Produktion: Luciano Ercoli, Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Darsteller: Dagmar Lassander, Pier Paolo Capponi, Nieves Navarro, Simon Andreu. Italien 1970, 96 Min.

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