The 80s: Die dreibeinigen Herrscher (1984)

The Tripods (1984); © Koch Media/BBC

Wer Science Fiction-Romane liest, kennt John Christopher (1922 – 2012). Zwischen den 60er und 80er Jahren war der englische Autor aus dem Bereich der Kinder- und Jugendbücher nicht wegzudenken. Mit seinen Werken prägte und beeinflusste er viele andere Autoren und gilt nicht nur aufgrund seiner Trilogie über die Dreibeinigen Herrscher als Klassiker des Genres. Seine Zukunftsszenarien sind überaus düster, sein Menschenbild sehr pessimistisch. Doch gerade das macht seine Werke so interessant und faszinierend. Seine Bücher sind nicht nur spannend, sondern rütteln auf.

In „Die dreibeinigen Monster“, so der damalige deutsche Titel der Romanreihe, sind die verschiedenen Nationen zurück in eine Form des Feudalismus gefallen. Technische Errungenschaften sind in Vergessenheit geraten. Die Menschen betreiben in der Hauptsache Landwirtschaft und einfaches Handwerk. Aberglaube und Traditionen beherrschen das Leben. Das Wissen über die menschliche Vergangenheit ist abhanden gekommen.

Die Trilogie (später kam ein Prequel als vierter Band hinzu) erschien bereits Ende der 60er Jahre. Zwanzig Jahre später verfilmte die BBC die Romane als Fernsehserie. Auch die Serie entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zum Kult.

Die Menschheit wird von Außerirdischen beherrscht, die in riesigen dreibeinigen Maschinen durch die Lande ziehen. Sie kontrollieren die Menschen durch Chips, die jeder Person auf dem Kopf befestigt wird. Dadurch erfahren die Menschen eine Art Gehirnwäsche. Sie glauben fest daran, dass die Anwesenheit der Außerirdischen gut für die Menschheit ist. In der Tat gibt es seit der Besatzung keine Kriege mehr. Als der Junge Will Parker und sein Cousin Henry kurz vor der Weihung stehen (also kurz bevor sie den Chip erhalten sollen), stellen sie sich immer mehr Fragen über den Sinn dieses Ritus. Sie erfahren, dass es auch Menschen gibt, die nicht geweiht wurden und in Freiheit in einem Gebiet leben sollen, das die Weißen Berge genannt wird. Will und Henry beschließen daraufhin, dorthin zu fliehen, um somit ihrem eigentlichen Schicksal zu entgehen. Die Reise erweist sich jedoch als äußerst gefährlich.

The Tripods (1984); © Koch Media/BBC

Die dramaturgische Umsetzung der Romane von John Christopher ist einwandfrei gelungen. Die Kulissen sind hervorragend, die Effekte für eine damalige Fernsehserie überdurchschnittlich. Jeder Teil kreiert eine extrem dichte Atmosphäre und ist spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Überaus detailliert liefert die Serie ein unheimliches Zukunftsszenario.

Zu den beeindruckensten Szenen gehört sicherlich der Aufenthalt von Will und Henry in Paris, das – wie auch alle anderen Großstädte auf der Welt – von den Außerirdischen völlig zerstört wurde. Hier wird zum Teil „Der Omegamann“ zitiert, andererseits spiegeln sich hier die Ängste vor einem atomaren Kahlschlag wider.

Wer die Romane bereits kennt, sollte sich auf jeden Fall auch die TV-Adaption ansehen. Hier wurde keine Mühe gescheut, um eine erstklassige SF-Serie hinzubekommen. Nicht nur ein Klassiker, sondern ein Meilenstein der TV-Geschichte.

Die dreibeinigen Herrscher (OT: The Tripods) Regie: Christopher Barry u. a., Drehbuch: Christopher Penfold, Produktion: Richard Bates, Darsteller: John Shackley, Jim Baker, Ceri Steel. England 1984

The 80s: Interceptor (1986)

Mit dem Film „Interceptor“ machte sich Regisseur Mike Marvin bei den Kritikern keine Freunde. Die einen bezeichneten ihn als langweilig, die anderen als albern. Nun, große Kinokunst sieht in der Tat anders aus. Aber langweilig ist der Film trotzdem nicht.

Es geht um James Hankins, der als Rennfahrerphantom aus dem Jenseits zurückkehrt, um sich an seinen Mördern, einer Jugendgang, zu rächen. Die Gang steht auf Autorennen und terrorisiert zudem auch noch eine Kleinstadt. The Wraith (Das Gespenst) zeigt den Mitgliedern der Bande, wo der Hammer hängt, und bringt einen nach dem anderen bei verschiedenen Autorennen um.

Was man Mike Marvin durchaus vorwerfen kann, ist, dass der Film nicht viel Abwechslung bietet. Es gibt lediglich drei Handlungsorte: die Straße, das Schnellrestaurant und die Scheune, in der die Gangmitglieder ihre Autos auf Hochglanz polieren. Das war es dann auch schon.

Das letzte Rennen; „Interceptor“ (1986); Copyright: NSM

Dass „Interceptor“ trotzdem nicht langweilig wird, hängt damit zusammen, dass die Geschichte rasant voranschreitet. Die Autorennen sind durchaus gut gefilmt, – dass jedes mit einer Explosion endet, spricht jedoch ebenfalls nicht gerade für großen Einfallsreichtum. Gegen Ende des Films explodiert allerdings auch die Scheune, vielleicht tut man dem Regisseur mit der vorherigen Behauptung daher Unrecht.

Interessant im ironischen Sinne ist natürlich das Kostüm des Gespensts. In schwarzem Lederanzug und schwarzem Rennfahrerhelm und natürlich dem blitzblank geputzten Rennschlitten scheint das Jenseits der Traum eines jeden Autoschraubers zu sein. Mike Marvin erklärte das Aussehen einmal damit, dass James Hankins von außerirdischen Mächten wieder zurück zur Erde gebracht wird. Nun, da er auch selbst das Drehbuch geschrieben hat, müssen wir ihm das glauben.

Im Grobe und Ganzen kommt „The Wraith“ nicht aus dem Rahmen eines TV-Films hinaus. Das wundert auch nicht, da Marvin mehr im Bereich der Fernsehproduktionen und selten im Kinobereich unterwegs ist. Der Soundtrack u. a. mit Songs von Robert Pamer, Billy Idol und Ozzy Osbourne hat allerdings etwas für sich.

The 80s: Absolute Beginners (1986)

Colin (Eddie O’Connell) und Suzette (Patsy Kensit) haben unterschiedliche Zukunftspläne. „Absolute Beginners“ (1986); © Eurovideo

Mitte der 80er Jahre hoffte die Produktionsfirma Goldcrest auf einen Erfolg. Sie stand kurz vor der Pleite. Das von Julien Temple geplante Projekt sollte die Firma vor dem finanziellen Ruin retten. Doch das Resultat hätte nicht desaströser sein können. „Absolute Beginners“, der damals der teuerste britische Film aller Zeiten war, erhielt nicht nur schlechte Kritiken, sondern floppte zudem auf ganzer Linie.

Regisseur Julien Temple floh in die USA, da man ihn für das Fiasko verantwortlich machte. Temple hatte bis dahin als Regisseur von Musikvideos und Dokumentarfilmen gearbeitet. Nach dem Megaflop „Absolute Beginners“ drehte er in Hollywood „Zebo, der Dritte, aus der Sternenmitte“ – man kann sich schon anhand des deutschen Verleihtitels zusammenreimen, welchen miesen Umsatz auch dieser Film an den Kinokassen machte.

„Absolute Beginners“ ist inzwischen mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Nur der gleichnamige Song von David Bowie erinnert im Groben und Ganzen noch daran. Doch was war das Problem an dem Film? Das Problem lag darin, dass Temple aus dem Roman von Colin McInnes einen Musikfilm machte, wobei er sich nicht entscheiden konnte, ob es sich nun um ein Musical handeln soll oder einfach nur um einen Film mit Tanzszenen.

Dennoch besitzt der Film durchaus seinen Reiz. Wir schreiben das Jahr 1958. Der Fotograf Colin gerät mitten hinein in von Investoren angestachelten Rassenunruhen. Die Unternehmer wollen aus dem Stadtviertel, in dem vor allem Bohemians und Arbeiter leben, ein Viertel für Reiche machen.

Temples Film beginnt wie ein Rausch aus Musik, Tanz und schnellen Dialogen. Ein großartiges Durcheinander, dem jedoch nach knapp 20 Minuten langsam die Puste ausgeht. Erst dann kommt die erste Gesangseinlage von Patsy Kensit, die damals mit ihrer Band Eighth Wonder großen Erfolg hatte. Ab da trudelt der Film wie eine bunte Mischung aus „Blow Up“ und Salingers „Der Fänger im Roggen“ weiter.

Trotz allem sind die Choreographien der einzelnen Tanzszenen erstklassig und auch die Optik und Farbgebung sind hervorragend. Man merkt zudem, wie viel Geld vor allem auf die wunderbaren Kulissen draufgegangen ist. Allein schon deswegen ist „Absolute Beginners“, trotz der schlechten Kritiken, sehenswert. Dennoch zieht sich der Film ein wenig, was daran liegt, dass Temple nicht mehr zurück zum Schwung des Anfangs findet. Zum Schluss versucht er sich in einer bitterbösen Satire, indem Nazis den Plan verfolgen, den Stadtteil zu übernehmen, verliert dabei aber die eigentliche Handlung völlig aus den Augen. Selbst Fans von David Bowie kommen nicht wirklich auf ihre Kosten, da dieser nur am Rande erscheint.

Es ist durchaus nachvollziehbar, weswegen „Absolute Beginners“ dermaßen floppte. Er schlägt keine Richtung wirklich ein, sondern nimmt einmal von hier und einmal von da etwas, ohne konkret zu werden. Was bleibt, sind eine Aneinanderreihung schön inszenierter, detailverliebter Szenen. Mehr aber nicht.

The 80s: Alien Nation – Space Cop L.A. 1991 (1988)

James Caan und Mandy Patinkin als Matthew Sykes und Sam Francisco; „Alien Nation“ (1988), © 20th Century Fox

Aufgrund seiner Thematik könnte Alien Nation genauso gut aus diesem Jahrzehnt stammen. Es geht um Immigration und Integration mit allen denkbaren Konsequenzen.

Alien Nation, der in Deutschland den Zusatztitel Space Cop L.A. 1991 erhielt, spielt in eben diesem Jahr. 1988 landete in den USA ein UFO, bei dessen Besatzung es sich um geflohene Sklaven handelte. Da die Außerirdischen, die als Slags bezeichnet werden, menschenähnlich sind, wurde versucht, diese in die Gesellschaft zu integrieren, was teilweise tatsächlich funktioniert hat. Teilweise aber auch nicht.

Als bei einem Einsatz zwei Slags einen Laden überfallen, wird der Partner von Matthew Sykes getötet. Gemeinsam mit einem Slag namens Sam Francisco versucht er, das Verbrechen aufzuklären und kommt dabei einem noch größeren Verbrechen auf die Spur …

Faszinierend an Graham Bakers SF-Cop-Thriller ist die Darstellung der Gesellschaft, in der Menschen und Slags versuchen müssen, miteinander zu leben. Dies gelingt nicht immer. Es gibt diejenigen Slags, die sich in die menschliche Gesellschaft integrieren und diejenigen, die in einer Art Parallelgesellschaft leben und sich kein bisschen integrieren wollen. Heutzutage wirkt der Film ungewollt, als wollte uns Baker ein Spiegelbild in Sachen Flüchtlingskrise vorhalten. Dem ist natürlich nicht so. Man könnte daher sagen, dass der Film vom gesellschaftlichen Wandel eingeholt wurde und er dadurch lediglich so wirkt.

Der Film selbst ist von Anfang an spannend inszeniert, obwohl er in seinen Thriller-Elementen nicht wirklich Neuland schafft. Würde der Aspekt mit den Außerirdischen wegfallen, so hätten wir einen durchschnittlichen Krimi vor uns. So aber besitzt Alien Nation durchaus etwas Originelles. Dies hängt auch damit zusammen, dass Baker versucht, so realistisch wie möglich das Zusammenleben zwischen Menschen und Slags zu skizzieren. Leider aber bleibt es dabei mehr oder weniger beim Skizzenhaften. In diesem Sinne geht der Film kaum in die Tiefe, doch das, was er zeigt, wirkt keineswegs an den Haaren herbeigezogen.

Denn diese Gefahr hätte durchaus bestanden. Um dem entgegenzuwirken, wollten die Macher von Anfang an, dass die Slags nicht wie irgendwelche Monster ausschauen, sondern ihr Äußeres mehr oder weniger menschlich wirkt. Dies alles wird von hervorragenden Schauspielern unterstützt: so spiel James Caan den abgebrannten Cop Matthew Sykes, der mehrfach ausgezeichnete Mandy Patinkin mimt seinen Partner Sam Francisco.

Obwohl der Film damals eher negative Kritiken auslöste, lief er recht erfolgreich in den Kinos. So erfolgreich, dass 1989 daraus eine TV-Serie wurde.

Alien Nation – Space Cop L.A. 1991 (OT: Alien Nation). Regie: Graham Baker, Drehbuch: Rockne S. O’Bannon, Produktion: Gale Anne Hurd, Darsteller: James Caan, Mandy Patinkin, Terence Stamp. USA 1988, 85 Min.

The 80s: The Big Blue – Im Rausch der Tiefe (1988)

1988 konnte Regisseur Luc Besson endlich das Projekt realisieren, an dem er 10 Jahre lang hingearbeitet hatte: den Taucherfilm „Le Grand Bleu“. Besson, der früher selbst als Tauchlehrer gearbeitet hatte, erzählt darin die Geschichte der beiden Extremtaucher Jacques Mayol und Enzo Molinari, die seit ihrer Kindheit befreundet sind und nun gemeinsam an internationalen Tauchwettbewerben teilnehmen.

Der Film entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zum Kultfilm, der allein in Frankreich ein ganzes Jahr lang im Kino lief. Die damalige Version hatte eine Länge von etwa zwei Stunden. Inzwischen allerdings gibt es den Director’s Cut mit einer Länge von etwa 164 Minuten.

„The Big Blue“, so der internationale Verleihtitel, lieferte die Grundlage für die weitere Karriere des Regisseurs, als auch seines Hauptdarstellers Jean Reno. Nur Jean Marc Barr, der den introvertierten Jacques spielt und dafür viel Anerkennung erhielt und damals als erotischter Mann galt, konnte durch den Film seine Karriere nicht wirklich in Schwung bringen. Inzwischen aber ist er nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Regisseur tätig.

Dem Film merkt man von der ersten Sekunde Luc Bessons Leidenschaft an der Thematik an. Die grandiosen Bilder wirken geradezu berauschend, die ganze Optik des Films ist eine einzige Wucht. Egal, ob auf oder unter dem Wasser, Luc Besson schafft dabei grandiose Bilder, die zwischen hypnotisch und märchenhaft wirken. Und dabei natürlich darf die Farbe Blau nicht unerwähnt bleiben, die in unterschiedlichen Abstufungen fast alle Szenen bestimmt.

Jean Reno und Jean Marc Barr ließen sich bei den grandiosen Tauchszenen keineswegs doubeln, sondern führten diese selbst aus, nachdem sie ein Tauchtraining absolviert hatten. Im Film tauchen beide bis zu 120 Meter tief – in der Realität waren es immerhin 40 Meter. Untermalt werden diese Szenen von der Musik Eric Serras, dessen Synthisizerklänge längst zum Klassiker geworden sind. Die Ouvertüre zu „Im Rausch der Tiefe“ gilt bis heute als einer der prägendsten und faszinierendsten Filmmelodien. Aus welchem Grund auch immer, ersetzte der US-Verleih die Originalmusik durch Musik von Toni Conti. Auch wurde für die US-amerikanischen Kinos das Ende umgeschnitten. Amis brauchen nun einmal ihr Happy End.

„The Big Blue“ gehört nicht nur zu den Klassikern des Kinos der 80er Jahre, sondern ist einer der Filmklassiker schlechthin. Egal, wie oft man ihn bereits gesehen hat, er ist immer wieder faszinierend und beeindruckend, ja, einfach wunderschön.

The Big Blue – Im Rausch der Tiefe (OT: Le Grand Bleu). Regie, Produktion, Drehbuch: Luc Besson, Darsteller: Jean Reno, Jean Marc Barr, Rosanna Arquette. Frankreich 1988, 164 Min.

 

 

The 80s: Das fliegende Auge (1982)

Szene aus „Das fliegende Auge“ (USA 1982); © Sony Pictures/Columbia Pictures

Die Frage lautet, welcher Film aus den 80er Jahren denn kein Klassiker ist? Einen Film aus diesem Jahrzehnt zu finden, der nicht auf irgendeine Weise prägend gewesen wäre, ist fast unmöglich. Egal ob Mainstream, Arthouse oder Trash, die 80er Jahre beeinflussen bis heute die Art und Weise und den Stil des Filmemachens.

Hierbei natürlich auch das Actiongenre. 1982 drehte John Badham den Thriller „Das fliegende Auge“, dessen Titel im Original „Blue Thunder“ lautet, und landete damit einen Riesenerfolg. Das Drehbuch stammte von Dan O’Bannon, der unter anderem auch das Drehbuch für den SF-Klassiker „Alien“ verfasst hat. In der Hauptrolle brilliert Roy Scheider, der durch Spielbergs „Der weisse Hai“ einen deutlichen Karriereschub erfuhr.

Gleich zu Anfang wird erwähnt, dass alle technischen Aspekte, die in dem Film vorkommen, tatsächlich existieren. Und dennoch wirkte die Thematik damals noch wie Science Fiction – jedenfalls für mich, als ich den Film damals gesehen hab. Heute dagagen wirkt der Film auf berunruhigende Weise real, da sich immer mehr Staaten in Überwachungsstaaten transformieren.

Kinoplakat von „Das fliegende Auge“

Und da wären wir auch schon mitten in der Handlung. Es geht nämlich um den Polizisten Frank Murphy, der als Helikopterpilot die Straßen Los Angeles‘ von oben überwacht. Eines Tages erhält die Polizeizentrale einen neuen Helikopter, den sie testen soll. Die Maschine besitzt nicht nur hochempfindliche Mikrophone, um Gespräche abzuhören, sondern kann auch mithilfe von Spezialkameras durch Wände filmen. Und: der Helikopter ist mit mehreren Waffen ausgestattet.

Murphy kommt bei einem dieser Probeflüge einer Staatsverschwörung namens „Thor“ auf die Spur. Im spanischen Viertel von Los Angeles soll eine Revolte angezettelt werden, um den Helikopter als Probeversuch einsetzen zu können …

Um es gleich zu sagen: „Das fliegende Auge“ ist unglaublich spannend inszeniert. Das erste Viertel des Films zeigt Murphy bei seinem Arbeitsalltag, während er über die Stadt hinwegfliegt und dabei seinen Kollegen bei der Verbrecherjagd hilft. Schon allein diese Szenen sind genial gefilmt und besitzen eine überaus dichte Atmosphäre.

Als dann auch noch der neue Helikopter Blue Thunder ins Spiel kommt, entwickelt sich der Film zu einem echten Actionhighlight. Etwas mehr als 20 Minuten dauert dann auch der packende Showdown, in dem Murphy mit Blue Thunder zwischen den Hochhäusern herumsaust, während er von zwei Kampfjets verfolgt wird.

Wie bereits erwähnt, sind die Action und die Spannung hochgradig gut inszeniert. Nicht weniger großartig ist die eingewebte Kritik an der Überwachungstechnik und das rücksichtslose Vorgehen seitens der Politik (heute müsste man diverse Konzerne hinzuzählen), diese auf eine Weise einzusetzen, um damit auch unbescholtene Bürger zu kontrollieren. Wie oben bereits erwähnt, ist speziell dieser Aspekt des Films heute noch aktueller als damals und sorgt dabei für ein ungutes Gefühl. Denn das, was damals noch eher wie ein düsterer Blick in eine noch düsterere Zukunft gewirkt hat, ist heute düstere Realität.

Das fliegende Auge (OT: Blue Thunder). Regie: John Badham, Drehbuch: Dan O’Bannon, Don Jakoby, Produktion: Gordon Carroll, Darsteller: Roy Scheider, Warren Oates, Candy Clark, Daniel Stern, Malcom McDowell. USA 1982, 105 Min.

The 80s: Lizenz zum Töten (1989)

„Lizenz zum Töten“ war der zweite und zugleich der letzte James Bond-Film mit Timothy Dalton in der Hauptrolle. Und jedes Mal, wenn man sich den Film ansieht, fragt man sich, was die Produzenten denn nur geritten hat. Denn nach der tollen Mischung aus klassischer Agenten- und Abenteuergeschichte, mit der „Der Hauch des Todes“ (1987) überzeugt, servierte man den Zuschauern zwei Jahre später eine Art aufgeblasene TV-Version.

Für „Lizenz zum Töten“ stand ein etwas geringeres Budget zur Verfügung als für den Vorgänger. Der Film orientiert sich an der klassischen Rächerstory. In diesem Fall rächt James Bond den Mord seines Freundes Felix Leiter. Sein persönlicher Feldzug hat natürlich Konsequenzen: er verliert seine Lizenz zum Töten – was ihn natürlich nicht daran hindert, die Bösewichte zu dezimieren.

Mit Abenteuer- und Agentenfilm hat „Lizenz zum Töten“ nichts zu tun. Viel eher wirkt der Film wie eine Anlehnung an die TV-Serie „Miami Vice“, und da sind wir auch schon wieder bei dem oben genannten Kritikpunkt. Denn der 16. James Bond vermittelt den Eindruck, als seien den Stuntmen, ja eigentlich der gesamten Crew die Ideen ausgegangen. Gut, der Film befindet sich, was Bonds Charakter und die Brutalität anbelangt, näher an der literarischen Vorlage als die übrigen Filme. Und so, als wollte Regisseur John Glen dies mit einem Wink mit dem Zaunpfahl noch unterstreichen, baute er Szenen aus zwei Bond-Romanen in seinen Film ein. Doch alles andere ist doch eher enttäuschend.

Denn, wie bereits zweimal erwähnt, kommt „Lizenz zum Töten“ nicht aus seinem TV-artigen Format heraus, was auch an der Optik liegt, die hier den Anschein vermittelt, als wollte Kameramann Alec Wills schnell Feierabend machen, um nicht die Sportschau zu verpassen.

Nach „Der Hauch des Todes“ lieferte „Lizenz zum Töten“ einen klaren Dämpfer. Selbst die Spannung hält sich eher in Grenzen. Danach war auch erst einmal Schluss mit Bond. Der nächste Film wurde erst Mitte der 90er Jahre produziert.

Lizenz zum Töten (OT: Licence to Kill). Regie: John Glen, Drehbuch: Michael G. Wilson, Richard Maibaum, Produktion: Albert R. Broccoli, Darsteller: Timothy Dalton, Carey Lowell, Robert Davi, Talisa Soto, Anthony Zerbe. England/USA 1989, 128 Min.