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Archive for the ‘The 80s’ Category

dawnofthemummyAgramas Dawn of the Mummy steht im Subgenre des Mumienfilms einzigartig dar. Er ist der einzige Mumienfilm mit kannibalischen Einschüben. Bis dahin erwürgten die wiedererweckten Mumien ihre Opfer, schickten ihnen diverse Plagen hinterher oder erschreckten sie einfach. Bei Dawn of the Mummy aber haben wir es mit Mumien zu tun, die es auf Menschenfleisch abgesehen haben.

Die Handlung ist folgende: Vier Models reisen mit ihrem Fotographen für ein Fotoshooting nach Ägypten. Als geeignetes Set bietet sich ein gerade eben entdecktes Grab des mysteriösen Pharaos Safiram an. Niemand von ihnen weiß, dass ein entsetzlicher Fluch auf diesem Grab lastet. Tatsächlich erwacht die Mumie zum Leben. Nach und nach werden die Models Opfer des untoten Pharaos. Doch dabei bleibt es nicht. Denn zusammen mit Safiram ist auch seine Armee aus Zombies erwacht. Der Kampf der Lebenden gegen die Toten hat somit begonnen …

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Die Mumien kommen! „Dawn of the Mummy“ (1980); Copyright: Eurovideo

Der Filmtitel sollte eine Anspielung auf Romeros ein Jahr zuvor erschienenen Zombiefilm Dawn of the Dead sein. Natürlich versteckte Agrama zwischen den Zeilen seines Drehbuchs keine sozialkritischen Aspekte, wie dies seinerzeit Romero tat. Vielmehr wollte er den einschlägigen Mumienfan einfach überraschen und dieses Genre etwas auffrischen. Seine Idee: die Brutalität des Films von Szene zu Szene steigern, um zum Schluss in eine regelrechte Splatterorgie auszuarten. Dabei wirkt Dawn of the Mummy subgenreüberschreitend. Er macht zum einen Anleihen bei den sog. Kannibalenfilmen, die durch Joe D’Amatos Ende der 70er entstandenen Cannibal Holocaust für Furore sorgten. Zum anderen greift Agrama zu Aspekten des klassischen Zombiefilms. Dadurch schrieb Dawn of the Mummy sozusagen Mumienfilmgeschichte, da diese Kombination davor noch nie gewagt wurde. Mit mehreren überraschendenWendungen und einer insgesamt spannenden Inszenierung wurde der Film zum heimlichen Klassiker von Horror- und Trash-Fans.

Nach Dawn of the Mummy kehrte erst einmal für sehr lange Zeit Ruhe in Sachen Mumienfilm ein. Zwar wurden ein paar Fernsehfilme produziert, doch die Kinos durften die Mumien erst einmal nicht mehr unsicher machen. Erst Talos – Die Mumie aus den 90er Jahren schlug wieder Wellen und schließlich Sam Raimis Die Mumie, die (wie soll’s anders sein) ein Remake des gleichnamigen Films aus den 30er Jahren war. Doch eine Verbindung zwischen Kannibalen- und Mumienfilm hat bisher niemand mehr in Angriff genommen.

Dawn of the Mummy, Regie u. Drehbuch: Frank Agrama, Produktion: Ahmed Agrama, Darsteller: Brenda King, Barry Sattles, George Peck, John Salvo, Ibrahim Kahn, USA/Italien 1981, 88 Min.

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quietearthDurch ein irrsinniges Experiment gerät die Erde aus ihrem Raum-Zeit-Kontinuum, was zur Folge hat, dass alle Lebewesen verschwunden sind. Nur ein einziger Mensch ist noch am Leben. Er irrt durch eine leere Welt, um vielleicht doch noch auf andere Menschen zu treffen …

Im Grunde genommen gibt es nur wenige SF-Filme, die wirklich SF sind und in denen die Bezeichnung SF nicht als bloße Legitimation für Herumgeballere und Herumgejage herhalten muss. Zu diesen wenigen Perlen ist ohne weiteres Geoff Murphys „The Quiet Earth“ zu zählen. Der Stoff lehnt sich an klassische SF-Geschichten an, in denen nach einer globalen Katastrophe nur mehr ein einziger Mensch ums Überleben kämpft. Als Beispiele seien hier die Romane „Ich bin Legende“ von Richard Matheson und „Die purpurne Wolke“ von M.P. Shiel genannt.

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Der Wissenschaftler Zac Hobson auf der Suche nach Überlebenden. „Quiet Earth“ (1986). Copyright: Sunfilm Entertainment.

In „The Quiet Earth“ wacht der Wissenschaftler Zac Hobson auf und stellt fest, dass es außer ihm keine anderen Menschen mehr gibt. Sein Erstaunen wandelt sich nach und nach in pure Verzweiflung. Schließlich flieht er in eine Art Wahnsinn. Als er durch Zufall auf eine Frau trifft, die wie er auf der Suche nach anderen Menschen ist, keimen in ihm Schuldgefühle auf, da er selbst an jenem bizarren Experiment beteiligt gewesen ist, durch das die Welt zu einem „stillen“ Planeten geworden ist. Aber auch soziobiologische Aspekte mischen sich gekonnt in die Geschichte, als beide auf einen dritten Überlebenden treffen. Von nun an spielt zwischen dem Wissenschaftler und dem anderen Mann der Kampf um die Frau zur Arterhaltung eine größere Rolle als die Suche nach einer Lösung eines noch viel schwerwiegenderen Problems: Das Raum-Zeit-Kontinuum ist durch das Experiment äußerst instabil geworden und droht jeden Augenblick zu kollabieren.

„The Quiet Earth“, der zu den erfolgreichsten Filmen aus Neuseeland zählt, ist ein SF-Film abseits des Hollywood-Klischees. Die Suche des letzten Menschen nach weiteren Überlebenden und sein Versuch, sich in dieser trostlosen Situation zurechtzufinden, sind sehr realistisch und einfühlsam erzählt. Hinzu kommt ein kongenialer Soundtrack, der das kosmische Ausmaß dieser Katastrophe unterstreicht.

The Quiet Earth, Regie: Geoff Murphy, Produktion: Sam Pillsbury, Don Reynolds, Darsteller: Bruno Lawrence, Alison Routledge, Pete Smith. Neuseeland 1986, 91 Min.

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infernoNach dem großartigen Erfolg von „Suspiria“ (1977) wollten die Produzenten, dass Dario Argento ihnen etwas Ähnliches ablieferte. Das Ergebnis war „Inferno“, eine Fortsetzung des Klassikers aller Horror-Klassiker. Nun, eine Fortsetzung im eigentlichen Sinne ist „Inferno“ nicht. Dennoch geht es wiederum um die Drei Mütter, drei geheimnisvolle Hexen, von denen eine in Rom, eine in München (in „Inferno“ ist es plötzlich Freiburg) und eine in New York haust.

Rose Elliot, die in New York lebt, findet in einem Buch, das den Titel „Die drei Mütter“ trägt, heraus, dass sie in dem Haus der Mutter Tenebrarum lebt, einem riesigen, sonderbaren und verwinkelten Gebäude. Sie schreibt daraufhin ihrem Bruder Mark, der in Rom Musik studiert. Doch noch bevor er den Brief erhält, wird Rose ermordet. Nachdem Mark in New York angekommen ist, beschließt er, dem Geheimnis um Roses Tod nachzugehen …

Es gibt Kritiker, die von „Inferno“ schlicht und ergreifend enttäuscht sind. Anscheinend hatten sie sich etwas ähnlich Berauschendes wie „Suspiria“ erwartet. In der Tat wirkt „Inferno“ in seiner Gesamtheit wie ein Film, der nicht wirklich geplant war. Argento aber versuchte dennoch, sein Publikum nicht zu enttäuschen, sondern setzte alles daran, um dem Sequel eine ähnliche surreale Ästhetik zu verleihen wie „Suspiria“.

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Mater Lacrimarum (Ania Pieroni) aus einer POV-Perspektive Marks.

Dies gelang ihm vor allem dadurch, da ihm zur Seite (und leider zum letzten Mal) Mario Bava stand, der viele der (alb-)traumartigen Szenen mitentwarf. Beide versuchten erneut, einen Film zu schaffen, der mehr als Kunstwerk und weniger aufgrund seiner Handlung funktioniert. Obwohl die Story an sich geradlinig erscheint, wirkt sie in der Tat teilweise fast willkürlich. So erhält z.B. als erstes eine Komilitonin Marks den Brief, den sie öffnet und der sie vollkommen verstört. Kurz darauf stirbt sie einen argentoesken Tod – ein Handlungsstrang, der zwar unglaublich wirksam in Szene gesetzt ist, dennoch irgendwie überflüssig wirkt. Auch Marks Begegnung mit Mater Lacrimarum während einer Vorlesung ist ein Meisterstück der Verstörung, wird aber nicht weiter verfolgt.

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Das Haus der Mutter Tenebrarum, eingetaucht in Mario Bavas Farbspiel.

Erst ab dem Moment, ab dem sich Mark schließlich in New York befindet, entwickelt der Film eine Straight Story, wird zu einer Mischung aus Kriminalfilm, Mystery und Horror. Dabei geizt „Inferno“ keineswegs an bizarren Einfällen und an Szenen, in denen sich Traum und Wirklichkeit miteinander verbinden. Argento begeht zum Glück nicht den Fehler, „Suspiria“ zu wiederholen. Zusammen mit seinem Lehrmeister Mario Bava entwickelt er einen anderen Stil, der zwar einerseits vertraut erscheint, andererseits aber auch Neues zeigt. Interessant hierbei ist, dass er kaum die Architektur New Yorks in seinen Film miteinbezieht, was viele Horrorfilme ja gerne machen, um den Kontrast zwischen Realität und Irrealität zu betonen. Diese scheint überhaupt nicht zu existieren. Man sieht lediglich verschwommene Hausfassaden. Erst als das Haus, in dem Rose gewohnt hat, ganz zu sehen ist, lassen sich im Hintergrund konturhaft Wolkenkratzer erkennen. Das Haus der Mutter Tenebrarum, das – wie in „Suspiria“ – sich in seinem Erscheinen ganz dem Jugendstil hingibt, wird von Bavas berühmten Blau- und Rottönen geradezu überflutet und verdrängt dabei die Stadtkulisse zu einem fast bedeutungslosen Hintergrund, was die Bedrohung und die Dominanz der Hexe mehr als nur betont.

All das macht „Inferno“ zu einem weiteren Meisterstück Argentos. Man sollte daher nicht auf die schlechten Kritiken hören, sondern den Film schlicht und ergreifend genießen.

Inferno. Regie u. Drehbuch: Dario Argento, Produktion: Claudio Argento, Darsteller: Leigh McCloskey, Irene Miracle, Eleonora Giorgi, Daria Nicolodi, Alida Valli. Italien 1980, 107 Min.

 

 

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whitedogKaum ein anderer Film erregte Anfang der 80er Jahre so viel Aufsehen wie „White Dog“ von Regisseur Samuel Fuller. Der Film geriet bereits kurz nach seiner Fertigstellung ins Kreuzfeuer der Kritik und zwar auf eine solche Weise, dass Paramount den Film in den USA nicht veröffentlichte. Obwohl nur wenige Filmkritiker das Werk überhaupt sichten konnten, transformierte sich die negative Kritik über diesen Film in eine Art Selbstläufer, was soviel heißt wie, dass vor allem Leute den Film kritisierten, die ihn überhaupt nicht gesehen hatten.

„White Dog“ bezeichnet in den USA einen Hund, der von Weißen abgerichtet wurde, um Schwarze anzugreifen und zu töten. Dabei handelt es sich leider um keine urbane Legende, sondern um rassistische Realität. In dem Film läuft der jungen Schauspielerin Julie ein solcher Hund direkt vors Auto. Sie bringt den Hund zum Tierarzt, der sich um die Verletzungen kümmert, und adoptiert ihn schließlich, ohne zu ahnen, was für ein Monster sie sich ins Haus geholt hat. Als sie schließlich selbst merkt, dass etwas mit dem Hund nicht stimmt, bringt sie ihn zu einem Tiertrainer. Dort arbeitet auch Keys, ein Schwarzer, der bereits einmal vergeblich versucht hat, einen White Dog „umzuerziehen“. Nun möchte es Keys noch einmal versuchen …

Die Filmhistorikerin und Bürgerrechtlerin Robin Coleman berichtet in ihrem überaus lesenswerten Buch „Horror Noir“, dass Paramount eigentlich so etwas wie Spielbergs „Weißer Hai“ haben wollte, nur mit einem anderen Tier. Aber außer dem Adjektiv „White“ im Titel gibt es keine Gemeinsamkeiten zwischen dem ersten Blockbuster der Filmgeschichte und der von Samuel Fuller kreierten Parabel. Verärgert darüber, habe sich Paramount nicht weiter um den Film gekümmert. Als aber dann der Aufruhr um den Film immer größer wurde, zog die Produktionsfirma den Film zurück. Zwar wurde er in Europa gezeigt*, wo er u. a. in Cannes positive Kritiken erntete, doch in den USA wurde er erst im Jahr 2008 veröffentlicht.

Die Leute, die den Film in den USA so heftig kritisierten, waren – wie man sich denken kann – Weiße. Sie sahen in dem Film eine verzerrte Darstellung der Realität und vermuteten, dass sich die Bürgerrechtsorganisation NAACP dahinter verberge. Man warf dadurch dem Film einen Rassismus gegen Weiße vor, was aber völliger Quatsch ist.

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Keys beim Versuch, den Hund zu bändigen. „Whiter Dog“ (1982), Copyright: Paramount Pictures.

Obwohl der Film als Tierhorror bezeichnet wird, handelt es sich eigentlich nicht um einen Horrorfilm, sondern – wie oben bereits erwähnt – eher um eine Parabel, die sich mit dem Rassismus in den USA beschäftigt. Fast schon verbissen, versucht der Tiertrainer Keys, den Hund davon abzubringen, auf Schwarze loszugehen. Diese Szenen nehmen den Hauptteil des Films ein. Das Problem: der Hund verändert sich nicht, bricht einmal sogar aus und fällt einen Mann an, der gerade aus der Kirche kommt. Die kurze Sequenz davor, in der der Weiße Hund durch das Schwarzenviertel läuft, wobei er vereinsamte Straßen überquert, sich durch puren Zufall Kinder gerade ins Haus begeben, knapp bevor der Hund sie sieht, ist inzwischen zwar unglaublich berühmt geworden, führte aber dennoch nicht dazu, dass dem Film das Siegel eines B-Movies abgenommen wurde.

Der Grund ist, dass sich Samuel Fuller bei der Inszenierung an den Blacksploitationfilmen der 70er Jahre orientiert. Dies betont Fuller zusätzlich dadurch, indem er Trash-Ikone Paul Winfield als Keys auftreten lässt. Winfield spielt in diesem Film einfach nur überragend, sodass alle anderen Darsteller ihm nicht das Wasser reichen können, obwohl sie natürlich auch ihre Arbeit gut machen. Doch Winfield überzeugt in seiner Rolle über alle Maßen, sein Kampf mit dem Hund ist zugleich der symbolische Versuch, gegen Rassismus und Hetze anzukämpfen. Dies macht „White Dog“ zu einem Film, der einen nachdenklich stimmt und der dadurch noch lange im Gedächtnis bleibt.

* In Deutschland wurde der Film allerdings um fünf Minuten gekürzt und teilweise falsch synchronisiert, um dadurch die eigentliche Thematik des Films nicht deutlich werden zu lassen.

White Dog (Die weiße Bestie/Der weiße Hund von Beverlyhills), Regie: Samuel Fuller, Drehbuch: Samuel Fuller, Curtis Hanson, Produktion: Jon Davison, Darsteller: Kristy McNichol, Paul Winfield, Burl Ives, Jameson Parker. USA 1982, 90 Min.

 

 

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ladyinwhiteEs gibt viele Beispiele in der Geschichte des Films, die zeigen, dass Qualität nicht unbedingt mit Erfolg einhergeht. Eines davon ist „Lady in White“ aus dem Jahr 1988, der in Deutschland den esoterisch-angehauchten Verleihtitel „Die phantastische Reise ins Jenseits“ aufgedrückt bekam. Der Film spielte gerade einmal ein Viertel seiner Produktionskosten ein. Auch heute noch ist der Film relativ unbekannt, zählt in den USA aber als eine Art geheimer Klassiker des 80er Jahre Horrorfilms.

Regisseur Frank LaLoggia erzählt darin die Geschichte des Jungen Frankie, der in den 60er Jahren in der Kleinstadt Willowpoint lebt. An Halloween wird er Opfer eines gemeinen Streichs, sodass er, unbemerkt von allen anderen, in der Schule eingeschlossen wird. Dort wird er in der Nacht Zeuge einer unheimlichen Erscheinung: ein geisterhaftes Mädchen erscheint, das von einem Unsichtbaren ermordet und weggetragen wird. Der Unbekannte verliert dabei seinen Ring. Kurz nach diesem gespenstischen Zwischenfall kehrt der Mörder unerwartet zurück, um den Ring zu holen. Dabei entdeckt er Frankie und erwürgt ihn. Der Junge ist allerdings nur bewusstlos. Nachdem sich Frankie von dem Mordversuch erholt hat, versucht er, das Rätsel des Zwischenfalls zu lösen.

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Frankie (Lukas Haas) auf dem Weg zur Schule.

„Lady in White“ ist eine Mischung aus Kinder-, Mystery- und Horrorfilm, der ganz ohne Blut auskommt. Vielmehr setzt LaLoggia voll und ganz auf Atmosphäre. Er vermischt den Stil klassischer Gespenstergeschichten mit dem Stil moderner Horrorstorys. Das Resultat ist ein Film, der spanned und stellenweise auch unheimlich ist, nie aber über die Stränge schlägt. Geschickt fedelt LaLoggia die damaligen sozialen und politischen Konflikte in die rätselhafte Story mit ein. Denn als erstes wird der schwarze Hausmeister der Schule verdächtigt, der Mörder an dem Mädchen zu sein. Was Frankie nicht ahnt, ist, dass sich der Mörder stets in seiner Nähe befindet und eigentlich nur darauf wartet, ein weiteres Mal zuzuschlagen.

LaLoggia, der auch das Drehbuch schrieb, orientierte sich bei seiner Arbeit an einer amerikanischen Legende über die Weiße Frau, die dazu verdammt ist, auf ewig nach ihrer verschwundenen Tochter zu suchen. So ist es nicht verwunderlich, dass LaLoggia auch ein wenig Folklore mit in die Geschichte einbaut. Manchmal scheint es daher beinahe so, als sei der Film von unterschiedlichen Stilen des Unheimlichen fast schon überfrachtet. Irgendwie wollte der Regisseur alles Mögliche in einen Topf schmeißen. Interessanterweise aber entsteht dadurch keineswegs irgendein Kuddelmuddel. LaLoggia versteht es, den Zuschauer von Anfang an zu packen und die Story nicht nur unterhaltsam, sondern auch durchgehend spannend zu erzählen. Dieser Aspekt wird von einer manchmal ein wenig an Steven Spielberg erinnernden Optik unterstrichen.

Frank LaLoggia gelang mit „Die phantastische Reise ins Jenseits“ ein wirklich wunderbarer Film, den man sich immer wieder mal ansehen kann, ohne dass er langweilig wird. Aber das haben Klassiker bekannterweise an sich.

Die phantastische Reise ins Jenseits (OT: Lady in White). Regie, Drehbuch u. Produktion: Frank LaLoggia, Darsteller: Lukas Haas, Len Cariou, Alex Rocco, Katherine Helmond, Jason Presson. USA 1988, 112 Min.

 

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sundownEs gibt Vampirfilme und es gibt Vampirfilme. Anthony Hickox drehte mit „Sundown“ eindeutig einen überaus originellen Vampirfilm, der zugleich Western, Action, Splatter und Satire ist. Die Geschichte spielt in der Wüstenstadt Purgatory, die von dem Fürsten Graf Mardulak beherrscht wird. Hier leben die letzten Vampire zurückgezogen und ernähren sich von Kunstblut. Einer Gruppe Blutsauger möchte jedoch wieder den alten Zustand herstellen und giert nach echtem Menschenblut. Daraus entwickelt sich schließlich ein Konflikt, der mit Eichenholz geladenen Pistolen und Armbrüsten ausgefochten wird. Mitten drin eine vierköpfige Familie, die zunächst glaubt, dass die Bewohner dieser Kleinstadt nicht alle Tassen im Schrank haben.

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Robert van Helsing (Bruce Campbell) wird gebissen. „Sundown“ (1989).

Wie bereits in „Waxwork“, zeichnet sich Anthony Hickox auch in „Sundown“ als Meister der Groteske aus. Der Film ist gefüllt mit skurrilen Ideen, witzigen Charakteren und jeder Menge Action. Eigentlich besteht beinahe die Hälfte des Films aus einem einzigen Herumgeballere. Und da es sich hierbei ja auch um einen Western handelt, kommt es beim Finale auch zum Duell zwischen dem Guten und dem Bösewicht.

Um sich den Anschein einer normalen Stadt zu bewahren, wagen sich die Vampire auch bei Tageslicht hinaus. Allerdings nicht ohne sich zuvor mit Sonnencreme einzuschmieren. Daraus ergibt sich natürlich eine Reihe nicht enden wollender Gags sowie allerhand Situationskomik. Anthony Hickox versteht es, den Witz und die Ironie, die die Story beherrschen, gekonnt auszureizen. Zugleich gelingen ihm dabei Szenen, die sich stark an den Filmen der Hammer-Productions orientieren, und zeigen, dass Hickox sein Handwerk versteht. Es ist wahrlich ein großes Glück, dass Anthony Hickox überhaupt jemanden gefunden hat, der sein Vorhaben finanzierte. Denn so gelang eine wahre Genreperle, die ihresgleichen sucht.

Sundown – Rückzug der Vampire (OT: Sundown – The Vampire in Retreat), Regie u. Drehbuch: Anthony Hickox, Produktion: Jefferson Richard, Darsteller: David Carradine, Bruce Campbell, Morgan Brittany, Jim Metzler, Maxwell Caulfield. USA 1989, 104 Min.

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linkEs gibt Filme, die bei ihrem Erscheinen Aufsehen erregen, doch kurz darauf fast völlig in Vergessenheit geraten. Dieses Schicksal ereilte unter anderem „Link, der Butler“, einem intensiven Tierhorrorfilm, der Mitte der 80er Jahre zum einen hoch gelobt, zum anderen zutiefst kritisiert wurde. Gelobt wurde die Tierdressur, kritisiert die bösartige Darstellung des Orang Utan.

„Link“ ist zugleich der Name eines Affen, mit dem der Wissenschaftler Philip in einem abgelegenen Haus herum experimentiert. Ihm zur Seite steht die Studentin Jane. Doch Philip wird der Orang Utan zu unheimlich, da er eine immer größere Intelligenz entwickelt. Als Philip Link deshalb lieber einschläfern möchte, ist dieser spurlos verschwunden. Dieser aber sinnt in Wirklichkeit nach Rache. Nachdem er Philip aus dem Weg geräumt hat, hat nun Jane alleine gegen Link zu kämpfen. Dieser wird von Mal zu Mal rabiater…

Was den Affen in „Link“ kennzeichnet, sind seine überaus negativen menschlichen Eigenschaften. Im Grunde genommen agiert der Orang Utan wie ein Psychopath. Er schneidet Telefonkabel durch, hindert Jane an der Flucht und versucht, die Studentin kaltblütig zu beseitigen. All dies lässt den Charakter des Tiers natürlich in einem fragwürdigen Licht dastehen. Denn Richard Franklin hinterfragt in seinem Film keineswegs die wissenschaftlichen Experimente und damit die Degradierung des Affen zum bloßen Objekt, sondern konzentriert sich allein auf das gemeine Verhalten von Link, das für Jane lebensbedrohend wird.

Dies ist sicherlich ein gewagtes Vorgehen, da hier der Mensch nicht für das abweichende Verhalten des Tiers verantwortlich gemacht, sondern das Tier schlicht und ergreifend als bösartig hingestellt wird. Man könnte daher diesem Film durchaus eine fehlende Reflexion vorwerfen. Andererseits aber kreiert genau dieser Aspekt zugleich einen gewissen Grad an Originalität. Denn der Orang Utan ist wirklich extrem gemein, so dass Jane keineswegs im Kampf gegen den Affen erfolgreich ist. Dies zeichnet wiederum ein anderes Bild des Films, da hier Franklin darlegt, dass der Mensch die Natur bei weitem unterschätzt. Denn in Wahrheit ist es nun einmal so, dass der moderne Mensch in der Natur kaum Überlebenschancen hat.

Welchen Blinkwinkel man auch immer einnehmen möchte, „Link“ wirkt auf jeden Fall etwas verstörend. Gleichzeitig ist dieser Film jedoch ein sehr spannender Horrorstreifen, der eigentlich zu Unrecht völlig in Vergessenheit geraten ist. Ein kontroverser Film also, der sicherlich auch heutige Zuschauer zum Diskutieren auffordert.

Link, der Butler (OT: Link), Regie u. Produktion: Richard Franklin, Drehbuch: Everett De Roche, Darsteller: Elisabeth Shue, Terence Stamp, Steve Pinner. England 1986, 90 Min.

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