Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘The 80s’ Category

Die Idee trug Regisseur Tom Holland bereits ein ganzes Jahr mit sich herum, bevor er dazu überging, diese in ein Drehbuch umzuarbeiten. Die Produktionsfirma Columbia Pictures gab ihm das kleinst mögliche Budget und interessierte sich nicht weiter für das Projekt. Als der Film dann 1985 in die Kinos kam, war man in der Chefetage dann doch überrascht. Denn das Einspielergebnis lag bei fast 25 Millionen Dollar – gegenüber dem Budget von knapp 7 Millionen.

„Fright Night“ wurde ein echter Kassenschlager. Und das, obwohl man ihm durchaus das geringe Budget ansieht. Doch Tom Holland machte das Beste daraus – und hinzu kam, dass ihm keiner der Produzenten ins Handwerk pfuschte. Das Ergebnis war eine nette Horrorkomödie, die sich lustig macht über das Leben in den US-amerikanischen Vororten und genau so die durch das Horrorgenre stark geprägte Popkultur.

Horror hatte damals Hochkonjunktur. Umso witziger ist es daher, wenn Charley Brewster, der zusammen mit seiner Mutter neben einem leer stehenden Haus wohnt, vergeblich versucht, ihr zu erklären, dass sie seit letzter Nacht einen Vampir als Nachbar haben. Doch nicht nur seine Mutter hält ihn für ein bisschen zu überdreht (sie schiebt es darauf, dass er in letzter Zeit zu viel gelernt habe), sondern auch seine Freundin Amy und sein Kumpel Edward, den Charley immer Teufel nennt – in der Originalfassung trägt Edward den Spitznamen Evil Ed, als Anspielung auf den Klassiker „Evil Dead“. Als alles nichts hilft und es zu sonderbaren Todesfällen kommt, betrachtet Charley den drittklassigen Schauspieler Peter Vincent, der eine erfolglose Horrorsendung in einem Regionalsender moderiert, als seine letzte Hilfe.

Die Handlung, die sich auf diese Weise weiter entwickelt, ist wirklich witzig, hinzu kommen tolle Spezialeffekte, die sich der Film für die zweite Hälfte des Films aufhebt. Robert Enlund, der ein Jahr davor die Spezialeffekte für „Ghostbusters“ mitentworfen hatte, durfte hier nochmals sein Können zeigen. Trotz des Witzes, der die gesamte Handlung durchzieht, regen die Gags weniger zum Lachen als viel mehr zum Schmunzeln an. In den einzelnen Aufnahmen gibt es immer wieder viele Anspielungen auf das Horrorgenre zu entdecken (wie z.B. der Zaun in Form eines Vampirgebisses), doch der Konflikt zwischen Charley und dem Vampir Jerry Dandridge, der Amy entführt, erscheint dann doch zu sinnlich und zu düster, als dass er als reine Komödie durchgehen könnte, viel eher scheint in diesen Szenen dann eine Hommage an die klassischen Vampirfilme hindurch.

Dies ist andererseits aber auch die Stärke des Films, denn das Düstere und das Lustige schließen sich in dem Film nie gegenseitig aus. Dies liegt vor allem daran, da „Fright Night“ sich nicht lustig über das Horrorgenre macht. Es kommt zu keinen Veralberungen, im Gegenteil, wenn es um Vampirismus geht, so bezieht sich Holland sowohl auf Aspekte des Aberglaubens als auch auf die entsprechenden filmischen Merkmale. Besonders ist hierbei, dass der Vampir als bisexuell charakterisiert wird. Holland bringt diese Merkmale stets in einen alltäglichen Zusammenhang, woraus sich eine originelle Situationskomik ergibt.

„Fright Night“ entwickelte sich rasch zu einem Klassiker des Genres. Ein Jahr darauf sollte Tom Holland (wieder in Zusammenarbeit mit Schauspieler Chris Sarandon) einen weiteren Klassiker der 80er Jahre kreieren: „Child’s Play“, der in Deutschland unter dem Titel „Chucky – Die Mörderpuppe“ in die Kinos kam.

„Fright Night 2“ (1988) war zwar in den Kinos deutlich weniger erfolgreich als das Original, holte dies aber durch den Video-Release nach. Das Remake von 2011 orientierte sich zum großen Teil am Originalfilm, wobei es ihm durchaus gelang, den Humor beizubehalten. Auch zu diesem Film wurde ein Sequel gedreht, das aber nur noch auf DVD erschien.

Fright Night. Regie u. Drehbuch: Tom Holland, Produktion: Herb Jaffe, Darsteller: Chris Sarandon, William Ragsdale, Amanda Bearse, Stephen Geoffreys, Roddy McDowall. USA 1985, 106 Min.

Advertisements

Read Full Post »

Das Kinoerlebnis in den 80er Jahren war vor allem geprägt durch die Eiswerbung, die kurz vor dem Film lief. Untermalt von dem Song „Like Ice in the Sunhshine“ von  Beagle Music Ltd. wurde die Werbung rasch zum Kult und zum Wahrzeichen der Spaßgesellschaft. Und dennoch steckte das Kino damals wieder einmal in der Krise.

Der Video-Boom führte dazu, dass die Leute Filme lieber in ihren eigenen vier Wänden ansahen, als ins Kino zu gehen. Die sog. Direct-to-Video-Produktionen kamen auf. Das Kino musste reagieren. Und wie? – Und wie! Denn in den 80er Jahren wurde Trash zum Mainstream erklärt. Die großen Studios produzierten Filme, die nach denselben Konzepten wie diejenigen von Roger Corman funktionierten, nur waren sie eben besser. Der Grund dafür ist ganz einfach: ein viel größeres Budget.

Corman und seinen Kollegen wurde dadurch der Markt weggeschnappt. Doch erfanden sich Corman und Co. neu, indem sie auf den damals boomenden Videomarkt auswichen. Die Folge: eine Flut an Horrorfilmen, welche Pädagogen und unsere bekannte Zensurstelle FSK zum Schwitzen brachten.

Der deutsche Film konnte da nicht mithalten und geriet in eine lang anhaltende Krise. Gedreht wurden allerhöchstens Filme wie „Otto – Der Film“ oder „Die Supernasen“, womit sich Deutschland in Sachen Filmkunst international ganz weit hinten anstellen musste.

Normalerweise stellen wir in unserer Reihe „Double Feature“ jeweils zwei Filme vor, von denen wir glauben, dass  sie das jeweilige Jahrzehnt besonders gut abbilden. Bei den 80er Jahren ist dies unmöglich, da dieses Jahrzehnt so viele prägende Filme hervorgebracht hat, dass man dieser einzigartigen Hochphase der Popkultur mit nur zwei Filmen einfach nicht gerecht wird. Daher haben wir von verschiedenen Genres jeweils zwei Filme genommen: Action, Science Fiction, Fantasy, Horror, Liebesfilm/Drama. – Viel Spaß dabei! 🙂

Actionfilme der 80er

In Sachen Action kamen in den 80er Jahren durch den Erfolg von „Rambo“ (1982) die Militär-Actionfilme auf, von denen sicherlich „Missing in Action“ mit Chuck Norris am dümmsten abschnitt. Parallel dazu wurde eine Vielzahl von Polizei-Filmen produziert (weißer Einzelgänger mit schwarzem Kollegen), mal als Komödie, mal als Drama und mal als Mischung aus allem. Ab 1981 entwickelte sich aber auch eine Mischung aus Fantasy- und Abenteuerfilmen, von denen die „Indian Jones“-Filme am bekanntesten sind. Harrison Ford spielte den Helden und suchte in seinem ersten Abenteuer „Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981) nach der Bundeslade. Mit vielen Effekten, viel Humor und jeder Menge Action wurde der Film zum absoluten Hit, auch wenn Steven Spielberg noch ein Jahr warten musste, bis er den Zenit seines Erfolgs als Regisseur erreichen sollte.

Und ja, in den 80er Jahren konnte man auch ohne weiteres einen Film übers Armdrücken drehen. „Over the Top“ (1987) hätte man vielleicht eher „Over the Flop“ bezeichnen sollen, denn das Sport-Trucker-Familiendrama, basierend auf einem Drehbuch von Sylvester Stallone, wollte nicht jeder sehen. Heute zählt der Film zu den Trash-Klassikern, damals jedoch begannen Cannon Films damit, ihr eigenes Grab zu schaufeln und gingen wenige Jahre später pleite. Aber grunzende, Schweiß triefende Männer in Unterhemden waren nun einmal nicht jedermanns Sache – obwohl sie ebenfalls ein typisches Merkmal der Actionfilme der 80er Jahre waren.

Science Fiction-Filme der 80er

Natürlich beherrschten die „Star Wars“-Filme die erste Hälfte der 80er Jahre. Doch die SF-Fantasy-Horror-Welle, welche das Jahrzehnt bestimmte, brachte noch viele andere sehenswerte Filme heraus. So versuchte sich John Carpenter 1982 an einer Neuverfilmung von „Das Ding“ und landete einen Flop. Damals galt das Remake, das Carpenter nicht als Remake verstanden wissen wollte, als der brutalste Film überhaupt. Die mechanischen Puppeneffekte sind grandios und die Story orientiert sich stärker an der literarischen Vorlage „Who goes there?“ von John W. Campbell als der Klassiker aus dem Jahr 1951.

Das Gegenstück zu „Das Ding“ schuf Steven Spielberg mit „E.T.“ (1982). Kein bluttriefender Gestaltwandler, sondern ein kleines, hässliches Knuddelalien strandet auf der Erde und will – wer kann es ihm verdenken – so schnell wie möglich wieder nachhause. Der Film zählt nicht nur zu den erfolgreichsten Filmen der Filmgeschichte, sondern ebnete Spielberg endgültig den Weg zum Podest der wichtigsten Regisseure Hollywoods. Seitdem darf in jedem Film, der in den 80er Jahren spielt, das BMX-Rad nicht fehlen. Drew Barrymore, die die kleine Gertie spielte, ist heute selbst Filmproduzentin und finanzierte u. a. „Donnie Darko“.

Fantasy-Filme der 80er

Mit dem Film „Krull“ (1983) hoffte Regisseur Peter Yates aufgrund der Fantasywelle zu punkten, landete aber einen gewaltigen Flop. Heute zählt der Film zu den Klassikern des Fantasy-Genres, damals aber wollte ihn kaum einer sehen. Trotz toller Effekte, konzentrierte sich Yates nicht auf ein reines Actionspektakel, sondern viel mehr darauf, eine durchgängig spannende Story zu kreieren. Irgendwie zwischen „Star Wars“ und „Excalibur“ angesiedelt, verbindet der Film gekonnt beide Genres miteinander. In einer Nebenrolle darf auch Liam Neeson mitspielen – ein bisschen mehr, als ihm zwei Jahre zuvor in „Excalibur“ zugestanden wurde.

Wieso wurden in den 80er Jahren so viele Fantasyfilme gedreht, wenn doch die Mehrzahl davon floppte? So auch „Legend“ (1985) von Ridley Scott. Der Film floppte nicht nur, sondern Scott und sein Team brachten es sogar fertig, die berühmten Pinewood Studios, in denen der Film gedreht wurde, abzufackeln. Stellenweise ist der Film unglaublich kitschig, an anderen Stellen aber schuf Scott eine wunderbare düstere Fantasy-Horror-Mischung, die immer wieder fasziniert. Tragend hierbei ist natürlich Tim Curry als Herr der Finsternis. Tom Cruise dagegen wirkte in der Rolle als Jack ziemlich belämmert.

Horrorfilme der 80er

Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt der Splatter- und Slasher-Filme. Besonders ins Visier unserer Zensur- bzw. FSK-Stelle geriet „Tanz der Teufel“ (1981). Die Mischung aus Horror und Slapstick führte in Deutschland dazu, dass Sam Raimis Debut beschlagnahmt wurde. Erst 2017 wurde diese aufgehoben. Fünf Freunde verbringen eine Nacht in einer einsam gelegenen Hütte und werden dabei von Dämonen überfallen. So einfach und so genial funktionieren eben nur Horrorfilme. Besonders originell an dem Film ist die Kameraführung, die „Tanz der Teufel“ fast schon zu einer Art „Handbuch“ für angehende Kameraleute werden lässt. Denn darin findet man nicht nur jede Einstellung, die es überhaupt gibt, sondern zulgeich eine grandiose Experimentierfreude. Die deutschen Behörden verstanden den Film dennoch nicht und machten sich zudem auch international lächerlich, indem sie darüber diskutierten, ob Zombies nun Menschen seien oder nicht.

Was wären die 80er Jahre ohne Freddy? Freddy Krüger gehört inzwischen ebenso zum festen Bestandteil der Popkultur wie seine Kollegen Jason oder Michael Meyers. Einen hässlichen Ringelpullover, Klingenhandschuhe und einen fransigen Hut, und fertig war eine der berühmtesten Horrorfiguren. Darsteller Robert Englund, der bis dahin nur in Nebenrollen zu sehen gewesen war, wurde dadurch über Nacht berühmt. Wes Craven, der u. a. Psychologie studiert hatte, brachte mit „Nightmare on Elmstreet“ (1984) die Thematik des Horrorgenres auf den Punkt: Albträume. Für Johnny Depp war dies die erste Rolle – sein filmischer Abgang in der berühmten Bettszene stellt eine gewitzte Parodie auf Kubricks „Shining“ dar.

Liebesfilme und Dramen der 80er

Frankreich brachte in den 80er Jahren nicht nur Actionfilme auf den Markt, sondern auch die eine oder andere Komödie. Eine der berühmtesten Liebeskomödien ist „La Boum – Die Fete“ (1980), die Sophie Marceau mit nur 13 Jahren zum internationalen Star machte. Der Song „Reality“ wird auch heute noch im Radio gespielt und hat nichts von seiner Ohrwurmqualität eingebüßt. Apropos Ohrwurm, der Film machte den Walkman zum Verkaufsschlager. Und zugleich führte der Film nicht nur zu einer Fortsetzung, sondern zu einer ganzen Reihe ähnlich gestrickter Teenager-Komödien, welche ein zentraler Aspekt der 80er Jahre waren.

Wer wie ich in einer Kleinstadt mit nur einem Kino aufwuchs, der hat sich wahrscheinlich genauso geärgert, als 1987 wochenlang eben dieses eine Kino von nur einem Film blockiert wurde: „Dirty Dancing“ (1987). Damals ging absolut nichts mehr, alle anderen Filme konnte man sich praktisch selbst malen. Patrick Swayze machte dieser Film zum Star. Davor kämpfte er in der TV-Serie „Fackeln im Sturm“ mit. Niemand weiß eigentlich, wieso „Dirty Dancing“ solch ein Erfolg wurde. Dem hauptsächlich weiblichem Publikum hat der Film gefallen – niemand hatte anscheinend gewusst, dass Swayze seit Mitte der 70er verheiratet gewesen war. Als ich den Film dann später im Fernsehen sah, fand ich ihn auch nicht so schlecht wie befürchtet, aber ein Knaller war er auch nicht.

 

 

 

Read Full Post »

Ende der 80er versuchte sich Action-Regisseur Joel Schumacher im Vampirfilm und schuf dabei einen der Klassiker des Horrorgenres. Nicht im klassischen Outfit, sondern als Rockerbande verunsichert eine Gruppe untoter Blutsauger den kleinen Küstenort Santa Carla. Und genau dorthin zieht auch Lucy Emerson mit ihren beiden Söhnen Michael und Sam, nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hat.

Während Sam Freundschaft mit zwei ziemlich abgedrehten Besitzern eines Comicladens knüpft, die behaupten, Vampirjäger zu sein, gerät sein älterer Bruder Michael in den Bann der Vampirbande, wobei die hübsche Star als Lockvogel dient. Das Ergebnis: Michael droht selbst, zum Vampir zu werden. Sein Bruder und dessen beiden neuen Freunde setzen alles daran, ihn zu retten.

Kaum ein Vampirfilm liefert so viel gelungene Gags und so viel cool inszenierte Action wie eben „The lost Boys“. Keine herumsülzenden Blutsauger, sondern fiese, ja bösartige Gesellen, die einen kleinen Touristenort verunsichern, in dem immer wieder Kinder und Jugendliche spurlos verschwinden. Joel Schumacher macht aus dieser einfachen Handlung ein witziges Filmerlebnis, das noch dazu mit einem hervorragenden Soundtrack auftrumpft.

Dabei vergisst er auch nicht, die klassischen Merkmale des Vampirglaubens mit einfließen zu lassen, wie z.B. dass man einen Vampir nicht zu sich ins Haus bitten darf. Diese spezielle Mischung aus folkloristischen Zitaten und 80er Jahre Popkultur machen eindeutig den Reiz des Filmes aus. Mit von der Partie Kiefer Sutherland, der einfach hervorragend in die Rolle des Gangleaders passt.

Unvergessen auch die Szene mit Saxophinist Tim Cappello, der bei einer Tanzveranstaltung seinen Song „I still believe“ zum besten gibt. Die Montage, die Live-Konzert, Massenszene und die erste, leicht surreal angehauchte Begegnung zwischen Michael und Star auf einen Nenner bringt, schafft eine düster angehauchte Poetik inmitten der Spaßgesellschaft der 80er Jahre.

Auch sonst überzeugt der Film durch eine grandiose Optik, so z.B. die Liebesszene, die übergeht in einen Flug über den morgendlichen Himmel, wobei die Gegenübestellungen absichtlich verdreht werden: die Dunkelheit verbunden mit dem Liebesakt, die Hellligkeit des anbrechenden Morgens verbunden mit dem angedeuteten Bösen.

Die Story selbst wird von einer gewitzten Selbstironie beherrscht, bei der auch, wenn man genau hinsieht, die Verbindung zwischen Horrorboom und Videofilm aufs Korn genommen wird. „The lost Boys“ ist ein durch und durch gelungener Film, der die gesamten Aspekte des Horrorgenres abdeckt, die von subtilen Andeutungen bis zum Actionspektakel reichen. Unheimlich ist der Film in keiner Weise, doch das war auch nicht das Ziel der Produktion. Man wollte das Vampirgenre auf eine moderne Ebene hieven. Und genau das ist überaus gelungen.

The lost Boys. Regie: Joel Schumacher, Drehbuch: Janice Fischer, James Jeremias, Jeffrey Boam, Produktion: Richard Donner, Darsteller: Kiefer Sutherland, Corey Haim, Jason Patric, Dianne West, Corey Feldman, Jamison Newlander, Jami Gertz, Edward Hermann. USA 1987, 97 Min.

Read Full Post »

dawnofthemummyAgramas Dawn of the Mummy steht im Subgenre des Mumienfilms einzigartig dar. Er ist der einzige Mumienfilm mit kannibalischen Einschüben. Bis dahin erwürgten die wiedererweckten Mumien ihre Opfer, schickten ihnen diverse Plagen hinterher oder erschreckten sie einfach. Bei Dawn of the Mummy aber haben wir es mit Mumien zu tun, die es auf Menschenfleisch abgesehen haben.

Die Handlung ist folgende: Vier Models reisen mit ihrem Fotographen für ein Fotoshooting nach Ägypten. Als geeignetes Set bietet sich ein gerade eben entdecktes Grab des mysteriösen Pharaos Safiram an. Niemand von ihnen weiß, dass ein entsetzlicher Fluch auf diesem Grab lastet. Tatsächlich erwacht die Mumie zum Leben. Nach und nach werden die Models Opfer des untoten Pharaos. Doch dabei bleibt es nicht. Denn zusammen mit Safiram ist auch seine Armee aus Zombies erwacht. Der Kampf der Lebenden gegen die Toten hat somit begonnen …

dawnofthemummy1

Die Mumien kommen! „Dawn of the Mummy“ (1980); Copyright: Eurovideo

Der Filmtitel sollte eine Anspielung auf Romeros ein Jahr zuvor erschienenen Zombiefilm Dawn of the Dead sein. Natürlich versteckte Agrama zwischen den Zeilen seines Drehbuchs keine sozialkritischen Aspekte, wie dies seinerzeit Romero tat. Vielmehr wollte er den einschlägigen Mumienfan einfach überraschen und dieses Genre etwas auffrischen. Seine Idee: die Brutalität des Films von Szene zu Szene steigern, um zum Schluss in eine regelrechte Splatterorgie auszuarten. Dabei wirkt Dawn of the Mummy subgenreüberschreitend. Er macht zum einen Anleihen bei den sog. Kannibalenfilmen, die durch Joe D’Amatos Ende der 70er entstandenen Cannibal Holocaust für Furore sorgten. Zum anderen greift Agrama zu Aspekten des klassischen Zombiefilms. Dadurch schrieb Dawn of the Mummy sozusagen Mumienfilmgeschichte, da diese Kombination davor noch nie gewagt wurde. Mit mehreren überraschendenWendungen und einer insgesamt spannenden Inszenierung wurde der Film zum heimlichen Klassiker von Horror- und Trash-Fans.

Nach Dawn of the Mummy kehrte erst einmal für sehr lange Zeit Ruhe in Sachen Mumienfilm ein. Zwar wurden ein paar Fernsehfilme produziert, doch die Kinos durften die Mumien erst einmal nicht mehr unsicher machen. Erst Talos – Die Mumie aus den 90er Jahren schlug wieder Wellen und schließlich Sam Raimis Die Mumie, die (wie soll’s anders sein) ein Remake des gleichnamigen Films aus den 30er Jahren war. Doch eine Verbindung zwischen Kannibalen- und Mumienfilm hat bisher niemand mehr in Angriff genommen.

Dawn of the Mummy, Regie u. Drehbuch: Frank Agrama, Produktion: Ahmed Agrama, Darsteller: Brenda King, Barry Sattles, George Peck, John Salvo, Ibrahim Kahn, USA/Italien 1981, 88 Min.

Read Full Post »

quietearthDurch ein irrsinniges Experiment gerät die Erde aus ihrem Raum-Zeit-Kontinuum, was zur Folge hat, dass alle Lebewesen verschwunden sind. Nur ein einziger Mensch ist noch am Leben. Er irrt durch eine leere Welt, um vielleicht doch noch auf andere Menschen zu treffen …

Im Grunde genommen gibt es nur wenige SF-Filme, die wirklich SF sind und in denen die Bezeichnung SF nicht als bloße Legitimation für Herumgeballere und Herumgejage herhalten muss. Zu diesen wenigen Perlen ist ohne weiteres Geoff Murphys „The Quiet Earth“ zu zählen. Der Stoff lehnt sich an klassische SF-Geschichten an, in denen nach einer globalen Katastrophe nur mehr ein einziger Mensch ums Überleben kämpft. Als Beispiele seien hier die Romane „Ich bin Legende“ von Richard Matheson und „Die purpurne Wolke“ von M.P. Shiel genannt.

quietearth1

Der Wissenschaftler Zac Hobson auf der Suche nach Überlebenden. „Quiet Earth“ (1986). Copyright: Sunfilm Entertainment.

In „The Quiet Earth“ wacht der Wissenschaftler Zac Hobson auf und stellt fest, dass es außer ihm keine anderen Menschen mehr gibt. Sein Erstaunen wandelt sich nach und nach in pure Verzweiflung. Schließlich flieht er in eine Art Wahnsinn. Als er durch Zufall auf eine Frau trifft, die wie er auf der Suche nach anderen Menschen ist, keimen in ihm Schuldgefühle auf, da er selbst an jenem bizarren Experiment beteiligt gewesen ist, durch das die Welt zu einem „stillen“ Planeten geworden ist. Aber auch soziobiologische Aspekte mischen sich gekonnt in die Geschichte, als beide auf einen dritten Überlebenden treffen. Von nun an spielt zwischen dem Wissenschaftler und dem anderen Mann der Kampf um die Frau zur Arterhaltung eine größere Rolle als die Suche nach einer Lösung eines noch viel schwerwiegenderen Problems: Das Raum-Zeit-Kontinuum ist durch das Experiment äußerst instabil geworden und droht jeden Augenblick zu kollabieren.

„The Quiet Earth“, der zu den erfolgreichsten Filmen aus Neuseeland zählt, ist ein SF-Film abseits des Hollywood-Klischees. Die Suche des letzten Menschen nach weiteren Überlebenden und sein Versuch, sich in dieser trostlosen Situation zurechtzufinden, sind sehr realistisch und einfühlsam erzählt. Hinzu kommt ein kongenialer Soundtrack, der das kosmische Ausmaß dieser Katastrophe unterstreicht.

The Quiet Earth, Regie: Geoff Murphy, Produktion: Sam Pillsbury, Don Reynolds, Darsteller: Bruno Lawrence, Alison Routledge, Pete Smith. Neuseeland 1986, 91 Min.

Read Full Post »

infernoNach dem großartigen Erfolg von „Suspiria“ (1977) wollten die Produzenten, dass Dario Argento ihnen etwas Ähnliches ablieferte. Das Ergebnis war „Inferno“, eine Fortsetzung des Klassikers aller Horror-Klassiker. Nun, eine Fortsetzung im eigentlichen Sinne ist „Inferno“ nicht. Dennoch geht es wiederum um die Drei Mütter, drei geheimnisvolle Hexen, von denen eine in Rom, eine in München (in „Inferno“ ist es plötzlich Freiburg) und eine in New York haust.

Rose Elliot, die in New York lebt, findet in einem Buch, das den Titel „Die drei Mütter“ trägt, heraus, dass sie in dem Haus der Mutter Tenebrarum lebt, einem riesigen, sonderbaren und verwinkelten Gebäude. Sie schreibt daraufhin ihrem Bruder Mark, der in Rom Musik studiert. Doch noch bevor er den Brief erhält, wird Rose ermordet. Nachdem Mark in New York angekommen ist, beschließt er, dem Geheimnis um Roses Tod nachzugehen …

Es gibt Kritiker, die von „Inferno“ schlicht und ergreifend enttäuscht sind. Anscheinend hatten sie sich etwas ähnlich Berauschendes wie „Suspiria“ erwartet. In der Tat wirkt „Inferno“ in seiner Gesamtheit wie ein Film, der nicht wirklich geplant war. Argento aber versuchte dennoch, sein Publikum nicht zu enttäuschen, sondern setzte alles daran, um dem Sequel eine ähnliche surreale Ästhetik zu verleihen wie „Suspiria“.

inferno2

Mater Lacrimarum (Ania Pieroni) aus einer POV-Perspektive Marks.

Dies gelang ihm vor allem dadurch, da ihm zur Seite (und leider zum letzten Mal) Mario Bava stand, der viele der (alb-)traumartigen Szenen mitentwarf. Beide versuchten erneut, einen Film zu schaffen, der mehr als Kunstwerk und weniger aufgrund seiner Handlung funktioniert. Obwohl die Story an sich geradlinig erscheint, wirkt sie in der Tat teilweise fast willkürlich. So erhält z.B. als erstes eine Komilitonin Marks den Brief, den sie öffnet und der sie vollkommen verstört. Kurz darauf stirbt sie einen argentoesken Tod – ein Handlungsstrang, der zwar unglaublich wirksam in Szene gesetzt ist, dennoch irgendwie überflüssig wirkt. Auch Marks Begegnung mit Mater Lacrimarum während einer Vorlesung ist ein Meisterstück der Verstörung, wird aber nicht weiter verfolgt.

inferno1

Das Haus der Mutter Tenebrarum, eingetaucht in Mario Bavas Farbspiel.

Erst ab dem Moment, ab dem sich Mark schließlich in New York befindet, entwickelt der Film eine Straight Story, wird zu einer Mischung aus Kriminalfilm, Mystery und Horror. Dabei geizt „Inferno“ keineswegs an bizarren Einfällen und an Szenen, in denen sich Traum und Wirklichkeit miteinander verbinden. Argento begeht zum Glück nicht den Fehler, „Suspiria“ zu wiederholen. Zusammen mit seinem Lehrmeister Mario Bava entwickelt er einen anderen Stil, der zwar einerseits vertraut erscheint, andererseits aber auch Neues zeigt. Interessant hierbei ist, dass er kaum die Architektur New Yorks in seinen Film miteinbezieht, was viele Horrorfilme ja gerne machen, um den Kontrast zwischen Realität und Irrealität zu betonen. Diese scheint überhaupt nicht zu existieren. Man sieht lediglich verschwommene Hausfassaden. Erst als das Haus, in dem Rose gewohnt hat, ganz zu sehen ist, lassen sich im Hintergrund konturhaft Wolkenkratzer erkennen. Das Haus der Mutter Tenebrarum, das – wie in „Suspiria“ – sich in seinem Erscheinen ganz dem Jugendstil hingibt, wird von Bavas berühmten Blau- und Rottönen geradezu überflutet und verdrängt dabei die Stadtkulisse zu einem fast bedeutungslosen Hintergrund, was die Bedrohung und die Dominanz der Hexe mehr als nur betont.

All das macht „Inferno“ zu einem weiteren Meisterstück Argentos. Man sollte daher nicht auf die schlechten Kritiken hören, sondern den Film schlicht und ergreifend genießen.

Inferno. Regie u. Drehbuch: Dario Argento, Produktion: Claudio Argento, Darsteller: Leigh McCloskey, Irene Miracle, Eleonora Giorgi, Daria Nicolodi, Alida Valli. Italien 1980, 107 Min.

 

 

Read Full Post »

whitedogKaum ein anderer Film erregte Anfang der 80er Jahre so viel Aufsehen wie „White Dog“ von Regisseur Samuel Fuller. Der Film geriet bereits kurz nach seiner Fertigstellung ins Kreuzfeuer der Kritik und zwar auf eine solche Weise, dass Paramount den Film in den USA nicht veröffentlichte. Obwohl nur wenige Filmkritiker das Werk überhaupt sichten konnten, transformierte sich die negative Kritik über diesen Film in eine Art Selbstläufer, was soviel heißt wie, dass vor allem Leute den Film kritisierten, die ihn überhaupt nicht gesehen hatten.

„White Dog“ bezeichnet in den USA einen Hund, der von Weißen abgerichtet wurde, um Schwarze anzugreifen und zu töten. Dabei handelt es sich leider um keine urbane Legende, sondern um rassistische Realität. In dem Film läuft der jungen Schauspielerin Julie ein solcher Hund direkt vors Auto. Sie bringt den Hund zum Tierarzt, der sich um die Verletzungen kümmert, und adoptiert ihn schließlich, ohne zu ahnen, was für ein Monster sie sich ins Haus geholt hat. Als sie schließlich selbst merkt, dass etwas mit dem Hund nicht stimmt, bringt sie ihn zu einem Tiertrainer. Dort arbeitet auch Keys, ein Schwarzer, der bereits einmal vergeblich versucht hat, einen White Dog „umzuerziehen“. Nun möchte es Keys noch einmal versuchen …

Die Filmhistorikerin und Bürgerrechtlerin Robin Coleman berichtet in ihrem überaus lesenswerten Buch „Horror Noir“, dass Paramount eigentlich so etwas wie Spielbergs „Weißer Hai“ haben wollte, nur mit einem anderen Tier. Aber außer dem Adjektiv „White“ im Titel gibt es keine Gemeinsamkeiten zwischen dem ersten Blockbuster der Filmgeschichte und der von Samuel Fuller kreierten Parabel. Verärgert darüber, habe sich Paramount nicht weiter um den Film gekümmert. Als aber dann der Aufruhr um den Film immer größer wurde, zog die Produktionsfirma den Film zurück. Zwar wurde er in Europa gezeigt*, wo er u. a. in Cannes positive Kritiken erntete, doch in den USA wurde er erst im Jahr 2008 veröffentlicht.

Die Leute, die den Film in den USA so heftig kritisierten, waren – wie man sich denken kann – Weiße. Sie sahen in dem Film eine verzerrte Darstellung der Realität und vermuteten, dass sich die Bürgerrechtsorganisation NAACP dahinter verberge. Man warf dadurch dem Film einen Rassismus gegen Weiße vor, was aber völliger Quatsch ist.

whitedog1

Keys beim Versuch, den Hund zu bändigen. „Whiter Dog“ (1982), Copyright: Paramount Pictures.

Obwohl der Film als Tierhorror bezeichnet wird, handelt es sich eigentlich nicht um einen Horrorfilm, sondern – wie oben bereits erwähnt – eher um eine Parabel, die sich mit dem Rassismus in den USA beschäftigt. Fast schon verbissen, versucht der Tiertrainer Keys, den Hund davon abzubringen, auf Schwarze loszugehen. Diese Szenen nehmen den Hauptteil des Films ein. Das Problem: der Hund verändert sich nicht, bricht einmal sogar aus und fällt einen Mann an, der gerade aus der Kirche kommt. Die kurze Sequenz davor, in der der Weiße Hund durch das Schwarzenviertel läuft, wobei er vereinsamte Straßen überquert, sich durch puren Zufall Kinder gerade ins Haus begeben, knapp bevor der Hund sie sieht, ist inzwischen zwar unglaublich berühmt geworden, führte aber dennoch nicht dazu, dass dem Film das Siegel eines B-Movies abgenommen wurde.

Der Grund ist, dass sich Samuel Fuller bei der Inszenierung an den Blacksploitationfilmen der 70er Jahre orientiert. Dies betont Fuller zusätzlich dadurch, indem er Trash-Ikone Paul Winfield als Keys auftreten lässt. Winfield spielt in diesem Film einfach nur überragend, sodass alle anderen Darsteller ihm nicht das Wasser reichen können, obwohl sie natürlich auch ihre Arbeit gut machen. Doch Winfield überzeugt in seiner Rolle über alle Maßen, sein Kampf mit dem Hund ist zugleich der symbolische Versuch, gegen Rassismus und Hetze anzukämpfen. Dies macht „White Dog“ zu einem Film, der einen nachdenklich stimmt und der dadurch noch lange im Gedächtnis bleibt.

* In Deutschland wurde der Film allerdings um fünf Minuten gekürzt und teilweise falsch synchronisiert, um dadurch die eigentliche Thematik des Films nicht deutlich werden zu lassen.

White Dog (Die weiße Bestie/Der weiße Hund von Beverlyhills), Regie: Samuel Fuller, Drehbuch: Samuel Fuller, Curtis Hanson, Produktion: Jon Davison, Darsteller: Kristy McNichol, Paul Winfield, Burl Ives, Jameson Parker. USA 1982, 90 Min.

 

 

Read Full Post »

Older Posts »