The 80s: Das fliegende Auge (1982)

Szene aus „Das fliegende Auge“ (USA 1982); © Sony Pictures/Columbia Pictures

Die Frage lautet, welcher Film aus den 80er Jahren denn kein Klassiker ist? Einen Film aus diesem Jahrzehnt zu finden, der nicht auf irgendeine Weise prägend gewesen wäre, ist fast unmöglich. Egal ob Mainstream, Arthouse oder Trash, die 80er Jahre beeinflussen bis heute die Art und Weise und den Stil des Filmemachens.

Hierbei natürlich auch das Actiongenre. 1982 drehte John Badham den Thriller „Das fliegende Auge“, dessen Titel im Original „Blue Thunder“ lautet, und landete damit einen Riesenerfolg. Das Drehbuch stammte von Dan O’Bannon, der unter anderem auch das Drehbuch für den SF-Klassiker „Alien“ verfasst hat. In der Hauptrolle brilliert Roy Scheider, der durch Spielbergs „Der weisse Hai“ einen deutlichen Karriereschub erfuhr.

Gleich zu Anfang wird erwähnt, dass alle technischen Aspekte, die in dem Film vorkommen, tatsächlich existieren. Und dennoch wirkte die Thematik damals noch wie Science Fiction – jedenfalls für mich, als ich den Film damals gesehen hab. Heute dagagen wirkt der Film auf berunruhigende Weise real, da sich immer mehr Staaten in Überwachungsstaaten transformieren.

Kinoplakat von „Das fliegende Auge“

Und da wären wir auch schon mitten in der Handlung. Es geht nämlich um den Polizisten Frank Murphy, der als Helikopterpilot die Straßen Los Angeles‘ von oben überwacht. Eines Tages erhält die Polizeizentrale einen neuen Helikopter, den sie testen soll. Die Maschine besitzt nicht nur hochempfindliche Mikrophone, um Gespräche abzuhören, sondern kann auch mithilfe von Spezialkameras durch Wände filmen. Und: der Helikopter ist mit mehreren Waffen ausgestattet.

Murphy kommt bei einem dieser Probeflüge einer Staatsverschwörung namens „Thor“ auf die Spur. Im spanischen Viertel von Los Angeles soll eine Revolte angezettelt werden, um den Helikopter als Probeversuch einsetzen zu können …

Um es gleich zu sagen: „Das fliegende Auge“ ist unglaublich spannend inszeniert. Das erste Viertel des Films zeigt Murphy bei seinem Arbeitsalltag, während er über die Stadt hinwegfliegt und dabei seinen Kollegen bei der Verbrecherjagd hilft. Schon allein diese Szenen sind genial gefilmt und besitzen eine überaus dichte Atmosphäre.

Als dann auch noch der neue Helikopter Blue Thunder ins Spiel kommt, entwickelt sich der Film zu einem echten Actionhighlight. Etwas mehr als 20 Minuten dauert dann auch der packende Showdown, in dem Murphy mit Blue Thunder zwischen den Hochhäusern herumsaust, während er von zwei Kampfjets verfolgt wird.

Wie bereits erwähnt, sind die Action und die Spannung hochgradig gut inszeniert. Nicht weniger großartig ist die eingewebte Kritik an der Überwachungstechnik und das rücksichtslose Vorgehen seitens der Politik (heute müsste man diverse Konzerne hinzuzählen), diese auf eine Weise einzusetzen, um damit auch unbescholtene Bürger zu kontrollieren. Wie oben bereits erwähnt, ist speziell dieser Aspekt des Films heute noch aktueller als damals und sorgt dabei für ein ungutes Gefühl. Denn das, was damals noch eher wie ein düsterer Blick in eine noch düsterere Zukunft gewirkt hat, ist heute düstere Realität.

Das fliegende Auge (OT: Blue Thunder). Regie: John Badham, Drehbuch: Dan O’Bannon, Don Jakoby, Produktion: Gordon Carroll, Darsteller: Roy Scheider, Warren Oates, Candy Clark, Daniel Stern, Malcom McDowell. USA 1982, 105 Min.

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The 80s: Lizenz zum Töten (1989)

„Lizenz zum Töten“ war der zweite und zugleich der letzte James Bond-Film mit Timothy Dalton in der Hauptrolle. Und jedes Mal, wenn man sich den Film ansieht, fragt man sich, was die Produzenten denn nur geritten hat. Denn nach der tollen Mischung aus klassischer Agenten- und Abenteuergeschichte, mit der „Der Hauch des Todes“ (1987) überzeugt, servierte man den Zuschauern zwei Jahre später eine Art aufgeblasene TV-Version.

Für „Lizenz zum Töten“ stand ein etwas geringeres Budget zur Verfügung als für den Vorgänger. Der Film orientiert sich an der klassischen Rächerstory. In diesem Fall rächt James Bond den Mord seines Freundes Felix Leiter. Sein persönlicher Feldzug hat natürlich Konsequenzen: er verliert seine Lizenz zum Töten – was ihn natürlich nicht daran hindert, die Bösewichte zu dezimieren.

Mit Abenteuer- und Agentenfilm hat „Lizenz zum Töten“ nichts zu tun. Viel eher wirkt der Film wie eine Anlehnung an die TV-Serie „Miami Vice“, und da sind wir auch schon wieder bei dem oben genannten Kritikpunkt. Denn der 16. James Bond vermittelt den Eindruck, als seien den Stuntmen, ja eigentlich der gesamten Crew die Ideen ausgegangen. Gut, der Film befindet sich, was Bonds Charakter und die Brutalität anbelangt, näher an der literarischen Vorlage als die übrigen Filme. Und so, als wollte Regisseur John Glen dies mit einem Wink mit dem Zaunpfahl noch unterstreichen, baute er Szenen aus zwei Bond-Romanen in seinen Film ein. Doch alles andere ist doch eher enttäuschend.

Denn, wie bereits zweimal erwähnt, kommt „Lizenz zum Töten“ nicht aus seinem TV-artigen Format heraus, was auch an der Optik liegt, die hier den Anschein vermittelt, als wollte Kameramann Alec Wills schnell Feierabend machen, um nicht die Sportschau zu verpassen.

Nach „Der Hauch des Todes“ lieferte „Lizenz zum Töten“ einen klaren Dämpfer. Selbst die Spannung hält sich eher in Grenzen. Danach war auch erst einmal Schluss mit Bond. Der nächste Film wurde erst Mitte der 90er Jahre produziert.

Lizenz zum Töten (OT: Licence to Kill). Regie: John Glen, Drehbuch: Michael G. Wilson, Richard Maibaum, Produktion: Albert R. Broccoli, Darsteller: Timothy Dalton, Carey Lowell, Robert Davi, Talisa Soto, Anthony Zerbe. England/USA 1989, 128 Min.

 

The 80s: Angel Heart (1987)

„Angel Heart“ wird von manchen Kritikern als einer der besten Horrorfilme bezeichnet, die jemals gedreht wurden. Obwohl der Film damals nicht den gewünschten Erfolg brachte, gilt er inzwischen als Filmklassiker.

„Angel Heart“ basiert auf dem Roman „Falling Angel“ des US-amerikanischen Drehbuchautors und Schriftstellers William Hjortsberg (1941 – 2017), der u. a. das Drehbuch für Ridley Scotts Fantasy-Film „Legend“ (1986) verfasste. Der Roman erschien bereits 1978 und seitdem arbeitete Hjortsberg die Geschichte in ein Drehbuch um, allerdings ohne jemanden zu finden, der das Skript haben wollte. Erst Alan Parker, der bereits mit Filmen wie „Fame“ (1980) oder „Pink Floyd-The Wall“ (1982) große Erfolge aufweisen konnte, zeigte sich an der Geschichte interessiert, schrieb aber das Drehbuch um.

„Angel Heart“ (übrigens Parkers einziger Horrorfilm) spielt Mitte der 50er Jahre. Der heruntergekommene Privatdetektiv Harry Angel erhält den Auftrag, nach dem Sänger Johnny Favorite zu suchen, der aus dem Zweiten Weltkrieg schwer verwundet zurückkam und seitdem verschwunden ist. Angels Auftraggeber ist der mysteriöse Louis Cyphre, der angeblich mit Johnny noch eine Rechnung offen hat. Also begibt sich Angel auf die suche nach dem verschwundenen Sänger. Doch dabei kommt es zu einer Reihe brutaler Morde …

Alan Parkers Meisterwerk packt den Zuschauer von der ersten Sekunde an, in der die Kamera eine düstere Seitenstraße entlangfährt. Von Anfang an stimmt die bedrohlich-mysteriöse Atmosphäre. Und von Anfang an spielt Mickey Rourke die Rolle des Harry Angel mit so viel Kraft und Energie, dass er den Film richtiggehend beherrscht. Doch auch Robert de Niro als ominöser Auftraggeber überzeugt. Die unterschwellige Bedrohlichkeit, die von seiner Figur ausgeht, bereitet einem auch nach mehrmaligem Sehen eine wahre Gänsehaut.

Die Mischung aus Hard-Boiled-Krimi und Horror geht in „Angel Heart“ perfekt auf. Der Film schwankt zwischen der Coolness eines Philip Marlow, der Brutalität und Rohheit eines Jim Thomson-Romans und unheimlichen Horrorelementen, was zu einer packenden Dichte führt, der man sich absolut nicht entziehen kann.Trotz dieser meisterhaften Inszenierung, erregte der Film Bedenken bei der Altersfreigabe. Aufgrund der ziemlich gewagten Sexszene gegen Ende des Films wollte man den Film nur für Erwachsene freigeben. Daher musste Alan Parker diese Szene um mehrere Sekunde kürzen, um eine Freigabe „ab 16“ zu erhalten. Erst später wurde die Szene wieder komplettiert.

Für die Schauspielerin Lisa Bonet hatte dies dennoch Konsquenzen. Denn aufgrund dieser Szene wurde sie aus der damals beliebten „Bing Crosby Show“ geworfen, da man ihre Darstellung als extrem skandalös betrachtete.

„Angel Heart“ ist einer der Filme, die man gesehen haben muss. Ein echtes Meisterwerk und ein großartiger Horrorthriller.

Angel Heart. Regie u. Drehbuch: Alan Parker, Produktion: Mario Kassar, Darsteller: Mickey Rourke, Robert de Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling. USA 1987, 113 Min.

 

The 80s: Die Goonies (1985)

In den 80er Jahren entdeckte Hollywood das junge Publikum für sich. Die meisten Filme waren nicht mehr „ab 16“ freigegeben, sondern schon für Kinder ab sechs oder ab zwölf Jahren. Einer der erfolgreichsten Filme war „Die Goonies“ aus dem Jahr 1985.

Die Goonies sind eine Gruppe von Freunden, die alle dasselbe Problem haben: ihre Häuser sollen einem Golfplatz für Reiche weichen. Schon am nächsten Tag müssen sie ausziehen. Doch wie es der Zufall will, findet Michael auf dem Dachboden eine alte Schatzkarte. Noch besser: Der Schatz soll irgendwo in der Nähe vergraben sein. Kurzerhand machen sich er und seine Freunde daran, den Schatz zu suchen, wobei sie nicht nur allerhand Gefahren überstehen müssen, sondern auch noch von einer Gangsterfamilie gejagt werden.

Die Idee für den Film stammte von Steven Spielberg, der „The Goonies“ dann auch produzierte. Das Drehbuch verfasste Chris Columbus, der u. a. auch das Drehbuch zu „Gremlins“ verfasste, und Regie führte Richard Donner, der sich mit Actionfilmen bestens auskannte. Die Grundidee des Films klingt wie eine Anlehnung an klassische Kinderbücher. Und anfangs funktioniert der Film auch genau auf diese Weise.

Dann aber wandelt sich der Film um in eine Aneinanderreihung hektischer Actionsquenzen, in denen die Kinder nur noch am Schreien sind und das geht dann teilweise doch ziemlich auf die Nerven. Gut gemacht ist der Film dennoch. Insgesamt wirkt „Die Goonies“ wie eine Art „Indiana Jones“ für Kinder oder besser mit Kindern. So fehlen auch nicht jede Menge fieser Fallen, die der einäugige Pirat Willie in einem unterirdischen Labyrinth angebracht hat.

Auf diese Weise rast die Handlung regelrecht voran, wobei sie allerdings immer am Rand der Eintönigkeit kratzt. Viel nimmt man von dem Film daher auch nicht mit. Spaß aber macht er trotzdem.

Die Goonies (OT: The Goonies). Regie: Richard Donner, Drehbuch: Chris Columbus, Produktion: Steven Spielberg, Darsteller: Sean Astin, Josh Brolin, Jeff Cohen, Corey Feldman, Kerri Green, Martha Plimpton, Jonathan Ke Quan, John Matuszak, Anne Ramsey. USA 1985, 114 Min.

 

The 80s: Ferris macht blau! (1986)

Ferris Bueller’s Day Off ist nicht nur eine der erfolgreichsten Komödien der 80er Jahre, sondern zugleich ein Klassiker, der erst kürzlich in den USA in das National Film Registry aufgenommen wurde. Er gehört damit zu den filmischen Werken, die von der Library of Congress als besonders erhaltenswert betrachtet werden.

Regisseur John Hughes, der mit Komödien wie Kevin allein zuhaus oder Mr. Mom ebenfalls große Erfolge erzielen konnte, erzählt in Ferris macht blau! die Geschichte dreier Freunde, die, wie der Titel schon verrät, für einen Tag die Schule schwänzen. Angezettelt wird diese Aktion von Ferris Bueller, der einfach mal aus dem System ausbrechen möchte, um das Leben zu genießen. Sein bester Freund Cameron leidet unter Depressionen und Angstzuständen. Und als Ferris den teuren Ferrari von Camerons Vater für die gemeinsame Spritztour ausleiht, ist dies für Cameron Trauma und Therapie zugleich. Die Dritte im Bunde ist Sloane, Ferris‘ Freundin, die jeden Blödsinn mitmacht, jedoch alles überlegter angeht.

Ihnen auf den Fersen ist Schuldirektor Rooney, der nicht glaubt, dass Ferris wirklich krank ist und ihn daher als Schwindler entlarven möchte. Auf diese Weise geraten Ferris, Cameron und Sloane von einer witzigen und schrägen Situation in die nächste, wobei Rooney gleichzeitig von einem Schlamassel ins nächste stolpert.

Während Ferris und seine Freunde in einem Nobelrestaurant zu Mittag essen, sich in einem Stadion ein Baseballspiel ansehen oder in die Kunstgallerie gehen, tappt Rooney von einem Fettnäpfchen ins nächste, wobei seine Wut auf Ferris von Mal zu Mal größer wird.

Ferris macht blau! ist jedoch alles andere als eine oberflächliche Komödie, sondern liefert zugleich einen überraschenden Tiefgang. Es geht um viel mehr, als nur darum, einen Tag von der Schule fernzubleiben und allerhand Blödsinn zu treiben. Der Film hinterfragt das kapitalistische System und den ständigen Erfolgszwang, der damit verbunden ist.

Ferris liefert eine alternative Sichtweise auf den gesellschaftlichen Zwang, etwas unbedingt tun zu müssen, indem er einfach das macht, wozu er Spaß hat. Indem Ferris (gespielt von Matthew Broderick) immer wieder mit den Zuschauern spricht, fordert John Hughes diese direkt dazu auf, sich selbst Gedanken über ihr eigenes Leben zu machen.

Auf diese Weise wirkt Ferris Bueller’s Day Off stellenweise leicht melancholisch, ohne allerdings kitschig zu werden. Denn letztendlich verweist Hughes darauf, dass es eigentlich ganz und gar unmöglich ist, aus dem System vollständig auszubrechen. Es bleibt letztendlich nur beim Versuch. Und dies hinterlässt bei allem Witz eine doch irgendwie tragische Note, vor allem, da Ferris, Cameron und Sloane kurz vor ihrem Schulabschluss stehen, was für alle drei bedeutet, dass sie bald von einander getrennt leben müssen. Aber genau diese Mischung aus sprühendem Witz und einer zwischen den Zeilen verborgenen Tragik, verleiht Ferris macht blau! diesen einzigartigen Stil.

Ferris macht blau! (OT: Ferris Bueller’s Day Off). Regie, Drehbuch u. Produktion: John Hughes, Darsteller: Matthew Broderick, Alan Ruck, Mia Sara, Jeffrey Jones, Jennifer Grey, Charley Sheen. USA 1986, 103 Min.

Yo-Yo-Girlcops – Kult-Trash aus Japan und ein weniger kultiges Remake

Szenenfoto aus „Sukeban Deka 1“; Copyright: Rapid Eye Movies

Irgendwie kam und kommt aus Japan der bessere Trash. Ein wunderbares Beispiel dafür dürften die beiden Kazama-Schwestern sein, die mithilfe ihrer Yo-Yos den Bösewichten den Garaus machen. 1987 und 1988 entstanden zwei Filme, die so erfolgreich waren, dass die Schauspielerinnen sogar als Bandformation durch die Präfekturen tingelten.

Bei den Kazama-Schwestern handelt es sich um außergewöhnliche Schulmädchen, deren Herkunft im Dunkeln liegt. Auf jeden Fall sind sie sehr kampferprobt. Auch ihre Waffen sind alles andere als gewöhnlich: so gibt es Killer-Origamivögel oder auch die oben genannten Yo-Yos, mit deren Hilfe unter Umständen sogar Helikopter vom Himmel geholt werden können. Die Schwestern arbeiten im Geheimauftrag der Polizei und sollen größenwahnsinnige Verbrecher aus dem Weg räumen.

In Teil 1 aus dem Jahr 1987 haben es Asamyia Saki und ihre Kampfgenossinnen mit einem Cyborg zu tun, der auf einer abgelegenen Insel Schüler zu Attentätern ausbildet. In Teil 2 ist es ein geisitg verwirrter Jura-Student, der Japan in seine Macht bringen möchte.

„Sukeban Deka – The Movie“; Copyright: Rapid Eye Movies

Ganz klar schwierige Aufgaben. Doch die Supermädels haben es drauf, und schon fliegen die Fetzen. Beide Filme sind gefüllt mit bizarrer Action und haufenweise Explosionen, so dass zum Schluss kaum noch ein Stein auf dem anderen liegt.

Teil 1 ist in dieser Hinsicht eindeutig besser und witziger als sein Nachfolger, der zwischendurch ein, zwei Durchhänger hat, bevor es wieder zur Sache geht. Insgesamt aber liefern beide Filme ein wahren Feuerwerk an trashiger Unterhaltung.

Beide Filme liefen damals sehr erfolgreich in den japanischen Kinos. Nach dem zweiten Film jedoch war Schluss mit Lustig, und auch die Gesangs-Tournee wurde wieder abgesetzt. Die Filme selbst waren übrigens Adaptionen einer damals erfolgreichen Manga-Serie.

Etwa 20 Jahre nach den beiden Erfolgen Sukeban Deka 1 und 2, verfilmten die japanischen Studios erneut eine Geschichte um das Yo-Yo schwingende Supergirl Asamiya Saki. Dabei kommt jedoch alles andere als Freude auf.

Inzwischen lebt die frühere Yo-Yo Kämpferin Saki in den USA, wo sie sich dem tristen Alkoholgenuss hingibt. Ihre Tochter wird der Spionage verdächtigt und zurück nach Japan gebracht. Dort kommt es zwischen ihr und der Polizei zu einem Deal: sie soll merkwürdige Todesfälle unter Schülern untersuchen. Wenn ihr die Lösung des Falles gelingt, so kommt sie frei. Die junge Saki nimmt das Angebot an. Bei ihren Nachforschungen kommt sie auf die Spur einer gemeinen Gaunerbande …

Alles in allem überzeugt der neue Saki-Film nur sehr wenig. Waren die früheren Filme voller kurioser Action und bizarrer Bösewichte, so läuft in Yo-Yo Girlcop alles zu normal ab. Im Zentrum des Films steht die Diskussion über die heutige Jugend von Japan, die sich ganz und gar nicht den alten Traditionen anpassen möchte.

Immer diese Schlägereien auf dem Schulhof …; „Yo-Yo-Girlcop“ (2006); Copyright: Rapid Eye Movies

So kommt Saki hinein in eine Welt, in der Schüler gemobbt und schikaniert werden, in der Joints am Schulklo geraucht werden und in der der Selbstmord von Schülern an der Tagesordnung ist. Der Film liefert dadurch ein extrem pessimistisches Bild der japanischen Gesellschaft. Battle-Royal 2-Regisseur Kenta Fukasaku zeigt ein völlig heruntergekommenes Japan, das fast schon dystopische Merkmale besitzt. Dabei verliert er sich jedoch zu sehr in gesellschaftskritischen Aspekten, sodass die eigentliche Handlung flöten geht. So gesehen ist hier Action Mangelware, die Bösen keineswegs so grotesk wie in den 80ern und von Ironie und Witz kann schon fast gar nicht mehr die Rede sein.

Um die Zuschauer dennoch in die Kinos zu locken, engagierten die Produzenten die drei Mitglieder der damals angesagten Girl-Band Vu-Den, die es inzwischen längst nicht mehr gibt. Zwar spielt die Leadsängerin ihre Rolle als Bösewichtin wirklich gut, doch ist ihre Mühe leider vergeblich. Trotz guter Optik, funktioniert die Neuadaption so gut wie gar nicht.

Sukeban Deka 1 u. 2 sind jedoch bis heute Kult und gelten als Actionklassiker des japanischen (Trash-)Kinos.

Sukeban Deka – Der Film/Sukeban Deka 2 – Die Kazama-Schwestern schlagen zurück (OT: Sukeban Deka 1 + 2), Regie: Hideo Tanaka, Drehbuch: Izo Hashimoto, Darsteller: Yui Asaka, Masato Ibu, Keizo Hanie, Goro Kataoka. Japan 1987/88, jeweils 90 Min

Yo-Yo Girl Cop (OT: Sukeban Deka: Kodo nemu = Asamiya Saki), Regie: Kenta Fukasaku, Drehbuch: Shoichi Maruyama, Darsteller: Aya Mahuura, Rika Ishikawa, Shunsuke Ishikawa. Japan 2006, 98 Min

The 80s: Verfluchtes Amsterdam (1988)

Dick Maas ist der kommerziell erfolgreichste Regisseur der Niederlande. Bereits sein Debut Fahrstuhl des Grauens (1983) ließ die Kassen an den einheimischen Kinos klingeln. 1988 schuf er mit Verfluchtes Amsterdam einen Film, der nicht nur national, sondern auch international für Aufsehen sorgte.

Die Handlung ist in einem Satz erzählt: Eine unheimliche Mordserie sucht Amsterdam heim. Dick Maas mischt in seinem Blockbuster Elemente des Thrillers mit denen des Horrorfilms, wobei er durchgehend für Spannung sorgt und als Höhepunkt auch noch eine Verfolgungsjagd durch die Grachten von Amsterdam bietet. Gekonnt bringt er dabei die klassische Krimifrage „Who’s done it?“ ins Spiel, liefert er doch eine Anzahl von Figuren, die alle irgendwie etwas Zwielichtiges an sich haben. Die Auflösung des Ganzen wirkt dann allerdings ein wenig halbgar, hier hätte sich Maas durchaus etwas Interessanteres ausdenken können.

Amsterdamned, so der Originaltitel, überzeugt daher vor allem durch die tolle Optik, die ab und zu durchaus an die Thriller Brian de Palmas erinnert. Für den Film komponierte Maas die Musik selbst, sodass man während des Vorspanns, der aus der Sicht des Mörders gedreht ist, nicht umhin kann, an John Carpenter zu denken. Maas‘ Komposition erinnert jedenfalls sehr an die Werke des Großmeisters.

Dick Maas geht allerdings nicht dazu über, seine Vorbilder einfach zu kopieren oder einen Zitatensalat anzurichten. Nein, Verfluchtes Amsterdam trägt ganz die Handschrift seines Regisseurs, der sich zwar auf Thriller spezialisiert hat, zwei Jahre vor Amsterdamned allerdings mit der Komödie Flodder – Eine Familie zum Knutschen für volle Kinosäle sorgte.

Trotz der enormen Erfolge seiner Filme, blieben interessanterweise bisher größere Engagements aus Hollywood aus. Zwar drehte Dick Maas in den USA zwei Fernsehfilme für die damalige Young Indiana Jones-Reihe, doch mehr passierte in dieser Hinsicht nicht. Vielleicht ist das auch besser so. Denn auf diese Weise bleibt den Niederlanden ein hervorragender Regisseur erhalten.

Verfluchtes Amsterdam (Amsterdamned). Regie, Drehbuch u. Produktion: Dick Maas, Darsteller: Huub Stapel, Monique van den Ven, Hidde Maas, Serge-Henri Valcke, Tannecke Hartzuiker, Wim Zomer, Edwin Bakker. Niederlande 1988, 108 Min.