Sanditon – Jane Austens unvollendeter Roman als großartige TV-Serie

Jane Austen begann ihren Roman „Sanditon“ im Januar 1817, um nur drei Monate später mit dem Schreiben aufzuhören. Austen-Experten meinen, dass sie aufgrund ihrer schweren Krankheit (Austen starb im Juli desselben Jahres) nicht mehr hatte weiter daran arbeiten können.

Charlotte Heywood (Rose Williams) kommt nach Sanditon;
„Sanditon“ (2019); © BBC

Der unvollendete Roman über einen kleinen Ort, den Thomas Parker in einen modernen Ferienort verwandeln möchte, regte bereits viele Schriftsteller dazu an, ihn auf ihre Weise weiter zu schreiben. So auch den Drehbuchautor Andrew Davies. Heraus kam eine achtteilige Miniserie, die Kritiker begeisterte, Jane Austen-Fans jedoch teils verstörte.

Grund dafür sind die vielen Nacktszenen zu Beginn der Serie sowie das Austen untypische Ende. Dieses verleitete manchen Zuschauer zu der Spekulation, dass die BBC, die die Serie produzierte, eine zweite Staffel plane. Von den Machern selbst gibt es in dieser Hinsicht bisher keine Kommentare.

Doch unabhängig davon schuf Andrew Davies eine von Anfang bis Ende witzige und spannende Serie, von der lediglich der Anfang an Austens Romanwrackment angelehnt ist. Der Rest orientiert sich zwar am Stil Austens, ist jedoch alleinige Erfindung des Autors. Davies macht allerdings seine Arbeit so gut, dass man den Schnitt zwischen Austens Werk und Davies Einfallsreichtum kaum merkt. Nur hier und da, wenn es z. B. plötzlich um eine Entführung geht oder um eine Verfolgungsjagd mit zwei Kutschen ist klar, dass hierbei Jane Austen nicht Pate gestanden hatte.

Charlotte Heywood (Rose Williams) und Sidney Parker (Theo James); Sanditon (2019); © BBC

Gewitzte und schwungvolle Dialoge beherrschen die Serie, die von sehr guten Schauspielern getragen wird. Zudem überzeugen die einzelnen Episoden durch eine hervorragende Kameraarbeit und nicht zuletzt durch die tollen Kostüme. Machte sich Jane Austen stets darüber lustig, dass es ihren adeligen Zeitgenossen nur ums Geld geht, so macht Andrew Davies dieses Thema zur Grundlage seines Drehbuchs. Um die alte Lady Denham scharen sich ihre Verwandten, die hoffen, ihr Erbe antreten zu können. Dabei versuchen sie, sich gegenseitig auszustechen. Dem gegenüber steht die Hauptfigur Charlotte Heywood, die aus ärmeren Verhältnissen kommt und von Thomas Parker und dessen Frau nach Sanditon eingeladen wurde. Ihr geht es nicht ums Geld, sondern ihr liegt daran, dass es mit Toms Plänen vorangeht, wobei sie immer wieder mit der einen oder anderen Idee aufwartet.

Die Vielzahl an originellen Figuren, die Konflikte, in die Charlotte immer wieder gerät, und nicht zuletzt die internen Intrigen in der Denham-Familie machen die Serie zu einer äußerst kurzweiligen und spaßigen Unterhaltung. Kurz: eine der besten Austen-Adaptionen der letzten Jahre.

Sandition. (8 Episoden). Darsteller: Rose Williams, Theo James, Anne Reid, Chris Marshall, Jack Fox, Charlotte Spencer. England 2019

FuB glotzt: Maria Theresia – Der sensationelle TV-Vierteiler

Marie-Louise Stockinger als Maria Theresia in den ersten beiden Folgen; © ORF/Polygram

In FuB glotzt beschäftigen wir uns mit allem, was mit Fernsehen zu tun hat. Den Anfang macht die großartige TV-Miniserie „Maria Theresia“ aus Österreich. Dabei handelt es sich um vier Teile von je 100 Minuten. Die ersten beiden Folgen wurden 2017 ausgestrahlt, Folge drei und vier im Jahr 2019.

Maria Theresia (1717 – 1780) zählt zu den prägensten Monarchen des 18. Jahrhunderts. Mit 23 Jahren, nach dem Tod ihres Vaters, kam sie auf den Thron, da es keine männlichen Nachfolger gab. Während ihrer Herrschaft führte sie einige wichtige Reformen durch, wie etwa die allgemeine Schulpflicht. Ebenfalls setzte sie Maßstäbe in Sachen Hygiene. Doch war ihre Herrschaft stets durch Frankreich und Preußen bedroht. Erst durch den Einsatz des umstrittenen Baron von Trenck und seiner Armee änderte sich das Blatt zu ihren Gunsten.

Stefanie Reinsperger als Maria Theresia in den Folgen 3 und 4; © ORF/Polygram

Regisseur Robert Dornheim, der immer wieder in Hollywood tätig ist und auch mit Steven Spielberg zusammengearbeitet hat, führte in allen vier Teilen Regie. Das Besondere der Serie ist, dass Maria Theresia von zwei verschiedenen Darstellerinnen gespielt wird. In den jungen Jahren übernimmt Marie-Louise Stockinger die Rolle, die späteren Jahre Stefanie Reinsperger. Beide Schauspielerinnen spielen überaus überzeugend, stellen Maria Theresia als trotz allem einsame Frau dar, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen muss, die zunächst immer wieder Fehler begeht, aber durch eben diese Fehler lernt und dadurch mehr und mehr an Akzeptanz und Macht gewinnt.

Parallel zu den Intrigen und Machtspielchen zeigt der Film die konfliktreiche Ehe mit ihrem Mann Franz Stephan von Lothringen, überaus gut gespielt von Vjotech Kotek. Die Serie glänzt durch ihre wunderbaren Schauspielerinnen und Schauspieler, durch großartige Kostüme und Farben und durch eine erstklassige Optik. Hinzu kommt eine dichte und spannende Dramatik, die einem keine einzige Minute loslässt. In dieser Hinsicht sind die Folgen drei und vier sogar noch um einiges besser als die ersten beiden.

„Maria Theresia“ kann man durchaus als ein TV-Ereignis bezeichnen. Trotz der Komplexität und Tragik gelingt der Serie eine feine Leichtigkeit, die man vielleicht eher als eine tiefgründige Leichtigkeit bezeichnen sollte, da der Vierteiler alles andere als oberflächlich ist. In den letzten beiden Folgen glänzt hier und da auch ein wenig Humor durch, der passend und wirkungsvoll in Szene gesetzt ist.

Man kann nicht anders, als „Maria Theresia“ als eine großartige TV-Miniserie zu bezeichnen, die sich kein bisschen vor der internationalen Konkurrenz zu verstecken braucht und ohne wenn und aber die US-Miniserie „Katharina die Große“ (2019) in den Schatten stellt.

Maria Theresia. Regie: Robert Dornheim, Drehbuch: Mirka Zlatnikova, Produktion: Andreas Kamm, Oliver Auspitz, Darsteller: Marie-Louise Stockinger, Stefanie Reinsperger, Vjotech Kotek, Karl Markovics, Julia Stemberger, Anna Posch. Österreich/Tschechien 2017/2019

 

The 80s: Wiedersehen mit Brideshead (1981)

Sebastian (Anthony Andrews), Julia (Diana Quick) und Charles (Jeremy Irons); „Wiedersehen in Brideshead (1981); © New KSM/Granada International

Wer den Roman „Wiedersehen mit Brideshead“ von Evelyn Waugh gelesen hat, vergisst diese unvergleichliche Familiengeschichte nicht so schnell wieder. Die wundervolle Geschichte des Studenten und späteren Malers Charles Ryder, der in die diversen Konflikte der Familie Flyte durch seine Freundschaft mit Sebastian Flyte hineingezogen wird, ist komisch und tragisch zugleich, halb Satire, halb Drama und stets umgeben von einer sanften Melancholie.

Ende der 70er Jahre nahm sich die englische Produktionsfirma Granada dieses Stoffes an und schuf daraus eine siebenteilige Serie, die gleich mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnungen erhielt die Serie zurecht. Denn mit absoluter Sicherheit handelt es sich dabei um eine der besten Literaturverfilmugen überhaupt.

Cover der Jubiläumsausgabe

Während des Zweiten Weltkriegs wird Charles Ryder zu einem neuen Stützpunkt versetzt, in der Erwartung, bald an die Front zu müssen. Der neue Stützpunkt befindet sich direkt bei Brideshead, dem Haus, in dem er in den 20er und 30er Jahren nicht nur immer wieder Gast war, sondern im engen Kontakt zur Familie Flyte stand. Er erinnert sich an seine enge Freundschaft mit Sebastian, die jedoch aufgrund dessen Trunksucht zu Bruch ging, und an seine Beziehung zu Sebastians Schwester Julia. Der strenge Katholizismus der Mutter führte dazu, dass sich ihr Mann nach Venedig absetzte, wo er seitdem mit seiner Geliebten lebt. Auch die Kinder leiden unter dem religiös geprägten Verhalten der Mutter, was zu weiteren Konflikten führt.

Das größte Problem aber ist Sebastians zunehmender Alkoholismus, der die Familie auf eine weitere harte Probe stellt, weswegen die Hoffnungen auf Charles liegen. Dieser ist jedoch hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe zu Sebastian und den Erwartungen der Mutter. Als er diese nicht erfüllen kann, verstößt ihn die Mutter aus dem Haus. Doch zehn Jahre später begegnet er Julia auf einem Passagierschiff, was ihn erneut in Beziehung zur Familie Flyte bringt …

10 Jahre später; „Wiedersehen in Brideshead (1981); © New KSM/Granada International

Das Drehbuch, das vom englischen Schriftsteller John Mortimer verfasst wurde, wurde mehrfach umgeschrieben, bis es sich exakt an der Romanvorlage orientierte. Sogar die meisten Dialoge wurden aus dem Roman übernommen. Die Dreharbeiten dauerten insgesamt eineinhalb Jahre, da sie zwischendurch unterbrochen werden mussten. Jeremy Irons, der Charles Ryder spielt, arbeitete parallel dazu an einem Spielfilm, sodass er nicht immer zur Verfügung stand. Auch wurde der Regisseur zwischendurch gewechselt. Begann Michael Lindsay-Hogg mit den Dreharbeiten, so übernahm diese später der noch eher unerfahrene Charles Sturridge. Gedreht wurde in Oxford, Venedig, auf der Queen Elisabeth 2 und in Marokko. Castle Howard diente als Brideshead House.

Wie oben schon bemerkt, ist die Verfilmung des Romans von Evelyn Waugh über alle Maßen gut, dass man sie sich gerne immer wieder ansieht, genauso wie man den Roman immer wieder zur Hand nimmt, da die Geschichte von Charles Ryder und der Familie Flyte jedes Mal sehr bewegend, doch zugleich durchzogen ist von einem herrlichen Witz. Nicht nur die Hauptfiguren lassen einem nicht mehr los, sondern auch die Nebenfiguren, allen voran der exzentrische Anthony Blanche (hervorragend gespielt von Nickolas Grace) bleiben für immer im Gedächtnis.

Wie schon erwähnt, spielt Jeremy Irons, der damals noch am Anfang seiner Karriere stand, Charles Ryder. Sebastian wird von Anthony Andrews gespielt, Julia von Diana Quick und der älteste Sohn Lord Brideshead von Simon Jones, der u. a. auch durch seine Rolle des Arthur Dent in der Mini-Serie „Per Anhalter durch die Galaxis“ (1981) bekannt ist. Mit von der Partie sind ebenfalls Laurence Olivier als Vater, Claire Bloom als Mutter und John Gielgud als Charles‘ Vater.

In England zählt die TV-Serie längst zu den (Fernsehfilm-)Klassikern, in Deutschland jedoch ist sie leider fast völlig in Vergessenheit geraten.

Wiedersehen mit Brideshead (OT: Brideshead Rivisited). Regie: Michael Lindsay-Hogg, Charles Sturridge, Drehbuch: John Mortimer, Darsteller: Jeremy Irons, Anthony Andrews, Dians Quick, Simon Jones, Laurence Olivier, Claire Bloom, John Gielgud. England 1981

 

Twin Peaks (2017)

Mit der Fortsetzung von „Twin Peaks“ verblüffte David Lynch so ziemlich jeden Filmkritiker. Als die ersten beiden Episoden der 18-teiligen Serie in Cannes als Spielfilm gezeigt wurden, führte dies zu lang anhaltendem stehenden Applaus. Der Meister war wieder zurück und er zeigte nicht nur, was Filmkunst ist, sondern dass man diese auch mit einem TV-Format verbinden kann.

Noch komplexer als die Originalserie aus den Jahren 1991 und 1992, führt David Lynch die Serie nach 25 Jahren fort. Nicht nur in unserer Realität, sondern auch in der Twin Peaks-Handlung sind seit dem rätselhaften Mord an Laura Palmer 25 Jahre vergangen. Und es geschehen erneut seltsame Dinge. Denn zwei Coopers sind aus der ominösen Zwischenwelt zurückgekehrt. Während der eine von Bob besessen ist, kann sich der andere an nichts erinnern und wird von allen als Versicherungsvertreter Dougy Jones gehalten. Zugleich findet die Polizei in Twin Peaks die fehlende Seite aus Laura Palmers Tagebuch, was dazu führt, dass sie den alten Fall wieder aufrollt.

Viele Zuschauer gaben nach Episode 8 „Gotta Light?“ auf, die Serie weiterzuverfolgen. Der Grund: hier greift David Lynch so richtig in die Vollen und präsentiert eine der wohl bizarrsten TV-Episoden überhaupt. Eine Andernanderreihung sonderbarer Geschehnisse, die zugleich als  Experimentalfilm konzipiert sind und teilweise an Lynch‘ „Earaserhead“ erinnern. Kurz: surreal und bizarr auf höchster filmkünstlerischer Ebene.

David Lynch liefert alles andere ab als eine flache, austauschbare TV-Serie. Da er und Mark Frost die 18-teilige Serie auch selbst produzierten, hatten sie absolut freie Hand und diese künstlerische Freiheit schöpften sie auch mit allen Mitteln aus. Schon allein die Tatsache, dass, wenn man alle 18 Teile aneinanderfügt, einen 18-stündigen Spielfilm vor sich hat, zeigt, dass Lynch keine normale Serie abliefern wollte.

Wie auch in der Originalserie, so bewegt sich die neue Staffel zwischen Kriminal- und Horrorfilm, Familiendrama und Experimentalfilm hin und her. Dieses Mal spielt die Handlung nicht nur in Twin Peaks, sondern ebenso in Las Vegas, South Dakota, Philadelphia und New Mexico. Doch sämtliche wirr erscheinenden Handlungsstränge werden nach und nach zusammengeführt. Bespickt mit skurrilen Figuren, eigenwilligen Gags und auch immer wieder einer brutalen Ernsthaftigkeit wird nicht nur dem Geheimnis um Laura Palmer, sondern auch um Cooper und der mysteriösen Zwischenwelt auf die Spur gekommen.

Man sollte die ersten beiden Staffeln und auch den Spielfilm „Twin Peaks – Fire walk with me“ vorher gesehen haben, damit man den Geschehnissen in der dritten Staffel auch wirklich folgen kann. Denn viele Anspielungen finden sich in winzigen Details. Die Optik ist wie immer erstklassig, manchmal verwendet Lynch eine starre Kamera und lässt den Zuschauer einfach einen Raum oder einen Menschen mehrere Sekunden lang beobachten, bevor es dann an anderer Stelle wieder weitergeht. Diese Eigenwilligkeit, diese Liebe zum Detail und dieses Sich-Zeit-lassen steht im vollen Kontrast zu den raschen Szenenabfolgen anderer oder eher typischer TV-Serien. Lynch macht es klar und deutlich: er möchte, dass sich der Zuschauer mit seinem Werk auseinandersetzt und es nicht einfach bloß konsumiert.

Auch in der neuen Serie um Twin Peaks lässt David Lynch den Zuschauern viel Raum für Spekulationen. Man sollte auch Spaß am Analysieren von Bildern und Filmen überhaupt haben, um in den vollen Genuss dieser Serie zu kommen. Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, so lässt sich einfach sagen, dass die dritte Staffel von „Twin Peaks“ so ziemlich alles schlägt, was jahrelang über die Bildschirme geflimmert ist. Für 2020 ist eine vierte Staffel geplant.

The 80s: Sherlock Holmes (TV-Serie von 1984 – 1992)

Jeremy Brett als Sherlock Holmes; © Koch Media

Es gibt und gab viele Sherlock Holmes-Darsteller, doch keiner erreichte die Klasse und das Niveau von Jeremy Brett (1933 – 1995). Gut, es gab natürlich Peter Cushing in dem Klassiker der Hammer-Studios Der Hund von Baskerville (1959) oder Basil Rathbone in der Filmserie aus den 30er bzw. 40er Jahren. Doch keiner von beiden, ja kein einziger Darsteller in der Geschichte des Films konnte bzw. kann Jeremy Brett die Hand reichen. Brett gilt als der Holmes-Darsteller überhaupt.

Diese bis heute unerreichte Schauspielkunst kam in der legendären Sherlock Holmes-Serie zur Geltung, die von 1984 bis 1992 produziert und von Produzent Michael Cox ins Leben gerufen wurde. Die englische Produktionsfirma Granada war Anfang der 80er Jahre auf der Suche nach einem neuen Serienkonzept, und da Cox ein echter Holmes-Fan war, kam er auf die Idee einer werkgetreuen Umsetzung der Erzählungen von Arthur Conan Doyle.

Die Idee gefiel den Chefs von Granada, auch wenn man dabei ein hohes finanzielles Risiko einging, denn aufgrund des historischen Settings würde die Serie ziemlich teuer werden. Aber gesagt, getan. 1984 startete die Sherlock Holmes-Serie mit „Ein Skandal in Böhmen“ und wurde ein riesiger Erfolg.

So entstanden insgesamt 36 Episoden und fünf Langfilme. Hierbei gilt Der Hund von Baskerville als die bis heute werkgetreuste Umsetzung von Conan Doyles gleichnamigen Roman.

Überhaupt hält sich die Serie sehr genau an die jeweiligen literarischen Vorlagen, lediglich zwei Adaptionen („Die Liga der rothaarigen Männer“ und „Der begehrte Junggeselle“) wurden aus dramaturgischen Gründen leicht verändert. Sehr faszinierend sind die bis ins Detail konzipierten Straßenszenen, die den Alltag im London am Ende des 19. Jahrhunderts darstellen. Hier wurde nicht nur in Sachen Kostüme ein enormer Aufwand betrieben.

VHS-Cover der Episode „Das leere Haus“ (1986)

In die Fernsehgeschichte ging „Sein letzter Fall“ ein, der am 29. September 1985 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Die Szene, in der Holmes und sein Gegenspieler Prof. Moriarty den Reichenbachfall hinunterstürzen, gilt bis heute als einer der gefährlichsten und aufwendigsten Sunts, der jemals fürs Fernsehen umgesetzt wurde. Denn die beiden Stuntmen stürzten sich tatsächlich den 300 Meter hohen Wasserfall hinunter.

Im Mittelpunkt von allem jedoch stehen natürlich Sherlock Holmes und Dr. Watson. Watson wurde in der ersten Staffel von David Burke gespielt, bevor sein Freund Edward Hardwicke ihn ersetzte. Da beide sich jedoch unglaublich ähnlich sahen, merkten das weder die Zuschauer noch die Arbeiter am Set, die Hardwicke immer mit Burkes Vornamen ansprachen.

Jeremy Brett dagegen blieb in seiner Rolle einzigartig. Obwohl er immer betonte, dass er eigentlich gar nicht wie der von Conan Doyle beschriebene Sherlock Holmes aussehe, so ist seine Ähnlichkeit mit der Figur erstaunlich. Hinzu kommt, dass er die Rolle in sich voll und ganz aufgehen lässt. Man glaubt als Zuschauer nicht, einen Schauspieler zu sehen, der Sherlock Holmes darstellt, sondern man glaubt, Sherlock Holmes tatsächlich vor Augen zu haben.

Cover der ersten und zweiten Staffel (1984/1985)

Bretts intensive Darstellungsweise zollte leider zum Schluss ihren Tribut. Er steigerte sich so sehr in die Rolle hinein, dass er im Laufe der Produktion der letzten Staffel manchmal nicht mehr aus dieser hinauskam. Wahrscheinlich hat dies mit dem Tod seiner Frau zu tun, den Brett nicht verarbeiten konnte. Hinzu kam eine zunehmende Abhängigkeit von Schlafmitteln und Antidepressiva. Am 12. September 1995 starb Jeremy Brett. Bis heute ist ungeklärt, ob es sich bei seinem Tod um Selbstmord handelte.

In Deutschland wurde die Serie nie komplett gezeigt. So wurde die vierte Staffel hierzulande nie ausgestrahlt, auch wurden manche Episoden gekürzt, wobei es sich um Szenen handelt, in denen Holmes Drogen konsumiert. Erst in der Veröffentlichung auf DVD von Koch Media wurden diese Szenen wieder eingefügt und auch die vierte Staffel veröffentlicht.

Sherlock Holmes. Produktion: Michael Cox, Regie u. Drehbuch: Div., Darsteller: Jeremy Brett, David Burke (Dr. Watson in Episode 1 – 13), Edward Hardwicke, Rosalie Williams (Mrs. Hudson), Colin Jeavons (als Inspector Lestrade), Eric Porter (als Prof. Moriarty), Charles Gray (als Mycroft Holmes)

 

The 80s: Die dreibeinigen Herrscher (1984)

Wer Science Fiction liest, kennt John Christopher. Zwischen den 60er und 80er Jahren war der englische Autor aus dem Bereich der Kinder- und Jugendbücher nicht wegzudenken. Mit seinen Werken prägte und beeinflusste er viele andere Autoren und gilt nicht nur aufgrund seiner Trilogie über die Dreibeinigen Herrscher als Klassiker des Genres. Seine Zukunftsszenarien sind überaus düster, sein Menschenbild sehr pessimistisch. Doch gerade das macht seine Werke so interessant und faszinierend. Seine Bücher sind nicht nur spannend, sondern rütteln auf.

In vielen Büchern von John Christopher sind die Gesellschaften der Zukunft zurück in eine Form des Feudalismus gefallen. Technische Errungenschaften sind in Vergessenheit geraten. Die Menschen betreiben in der Hauptsache Landwirtschaft und einfaches Handwerk. Aberglaube und Traditionen beherrschen das Leben. Das Wissen über die menschliche Vergangenheit ist abhanden gekommen.

Diese Charakteristik trifft auch auf „Die dreibeinigen Herrscher“ zu. Die Trilogie (später kam ein Prequel als vierter Band hinzu) erschien bereits Ende der 60er Jahre. Zwanzig Jahre später verfilmte die BBC die Romane als Fernsehserie. Auch die Serie entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zum Kult.

Die Menschheit wird von Außerirdischen beherrscht, die in riesigen dreibeinigen Maschinen durch die Lande ziehen. Sie kontrollieren die Menschen durch Chips, die jeder Person auf dem Kopf befestigt wird. Dadurch erfahren die Menschen eine Art Gehirnwäsche. Sie glauben fest daran, dass die Anwesenheit der Außerirdischen gut für die Menschheit ist. In der Tat gibt es seit der Besatzung keine Kriege mehr. Als der Junge Will Parker und sein Cousin Henry kurz vor der Weihung stehen (also kurz bevor sie den Chip erhalten sollen), stellen sie sich immer mehr Fragen über den Sinn dieses Ritus. Sie erfahren, dass es auch Menschen gibt, die nicht geweiht wurden und in Freiheit in einem Gebiet leben sollen, das die Weißen Berge genannt wird. Will und Henry beschließen daraufhin, dorthin zu fliehen, um somit ihrem eigentlichen Schicksal zu entgehen. Die Reise erweist sich jedoch als äußerst gefährlich.

Die dramaturgische Umsetzung der Romane von John Christopher ist einwandfrei gelungen. Die Kulissen sind hervorragend, die Effekte für eine damalige Fernsehserie überdurchschnittlich. Jeder Teil kreiert eine extrem dichte Atmosphäre und ist spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Überaus detailliert liefert die Serie ein unheimliches Zukunftsszenario.

Zu den beeindruckensten Szenen gehört sicherlich der Aufenthalt von Will und Henry in Paris, das – wie auch alle anderen Großstädte auf der Welt – von den Außerirdischen völlig zerstört wurde. Hier wird zum Teil „Der Omegamann“ zitiert, andererseits spiegeln sich hier die Ängste vor einem atomaren Kahlschlag wider.

Wer die Romane bereits kennt, sollte sich auf jeden Fall auch die TV-Adaption ansehen. Hier wurde keine Mühe gescheut, um eine erstklassige SF-Serie hinzubekommen. Nicht nur ein Klassiker, sondern ein Meilenstein der TV-Geschichte.

Die dreibeinigen Herrscher (OT: The Tripods) Regie: Christopher Barry u. a., Drehbuch: Christopher Penfold, Produktion: Richard Bates, Darsteller: John Shackley, Jim Baker, Ceri Steel. England 1984

The 80s: Mandara (12teilige TV-Serie)

mandaraDie These, dass das ZDF verantwortlich ist für eine gute, spannende und damit äußerst unterhaltsame Fernsehserie, würde bei den meisten Leuten sicherlich für große Lacher sorgen. Doch so unglaublich dies auch erscheint, so ist es dennoch wahr. Am 15. November 1983 startete dort im Kinderprogramm eine 12teilige Serie, deren Grundkonzept eine Mischung aus Fantasy, Mystery und Abenteuer offenbarte. Für das ZDF wiederum spricht, dass diese Serie kein zweites Mal ausgestrahlt wurde. Wieso auch? War doch nur hochwertige Qualität.

Der bekannte Dreh- und Jugendbuchautor Justus Pfaue, der hinter dem Projekt steckt, erzählt in „Mandara“ die Geschichte der kleinen Eltje, die herausbekommen möchte, was hinter dem Geheimnis der Strandpiraten steckt. Als sie die maskierten Männer beobachtet, wie sie einem Schiff falsche Signale geben und dieses auf Grund läuft, beginnt für sie ein gefahrvolles Abenteuer. Denn nicht nur die Strandpiraten sind hinter ihr her, sondern auch ein mächtiger Dämon (gespielt von Erzbösewicht Horst Frank), der Eltje zur neuen Priesterin der Göttin Mandara machen möchte. Die Statue der Göttin sowie ihr dämonischer Beschützer als auch der Prinz Shabu, der die Statue aus seiner Heimat verbannen wollte, befanden sich auf dem gestrandeten Schiff. Während der Prinz versucht, Eltje vor dem Dämon zu schützen, gerät diese jedoch immer mehr in dessen Bann.

Justus Pfaue teilt seine Geschichte auf in zwei Teile. Jeder dieser Teile beinhaltet sechs Folgen. Der erste Teil spielt Mitte des 19. Jahrhunderts, der zweite Teil 1983. In beiden Teilen wird im Grunde genommen dieselbe Geschichte erzählt. Dies macht die Serie jedoch keineswegs langweilig. Denn vor allem der Charakter des Shabu weist in beiden Teilen andere Züge auf. Ist er im 19. Jahrhundert noch ein netter junger Mann, so wird der Shabu im zweiten Teil zu einem egoistischen und machtsüchtigen Kerl. Hierbei verwischt Pfaue eindeutig die Grenzen zwischen Gut und Böse und liefert zugleich ein recht kritisches Menschenbild. So gelingt es dem Dämon stets, die Dummheit und Gier der Menschen auszunutzen. Selbst die Kinder sind vor den Tricks des bösen Geistes nicht gefeit. Themen wie Geldgier, Ausländerfeindlichkeit oder auch kaputte Familienverhältnisse werden in „Mandara“ zwar ironisch, aber sehr direkt angesprochen. Zum Glück verhindert es Pfaue, mit erhobenem Zeigefinger den Moralapostel zu spielen. Die Kritik ist wunderbar eingewebt in die Geschichte.

Dieses düstere Menschenbild passt sehr gut zu der unheimlichen und bedrohlichen Atmosphäre, von der alle zwölf Teile geprägt sind. Das klassische Auftreten des Dämons mit wehendem Umhang, die maskierten Strandpiraten, die fremdartige Statue sowie die gespenstischen Geschehnisse, welche die komplette Serie durchziehen, kreieren zusammen eine enorme Dichte und Spannung, der man sich auch als Erwachsener nicht entziehen kann. Die schnellen und pointierten Dialoge liefern zusätzlich alles andere als Langeweile. Wie gesagt, kaum zu glauben, dass die Serie vom ZDF produziert wurde.

Mandara, Regie: Franz Josef Gottlieb, Drehbuch: Justus Pfaue, Darsteller: Horst Frank, Christina Kubinek, Florian Jentsch, Stefan Ernst, Roger Hübner, Hellmut Lange. Deutschland 1983, Laufzeit: 300 Min. (TV-Serie in 12 Teilen)

Quality TV – Aber nicht in Deutschland

quality tvEU-Kommissar Günther Oettinger hat es auf den Punkt gebracht. In seiner letzten Rede sprach er davon, dass der Schwemme von TV-Serien aus den USA endlich Paroli geboten werden muss, sprich, europäische TV-Sender sollten endlich mehr Geld in ihre Produktionen stecken.

Wie es um unsere europäischen Nachbarn bestellt ist, können wir nicht beurteilen, doch die Kritik trifft auf Deutschland zu hundert Prozent zu. In einer Zeit, in der sich die Qualität von TV-Serien derjenigen von Spielfilmen annähert bzw. so gut wie mit dieser identisch ist, bleiben unsere einheimischen TV-Sender auf ihrem (kaum vorhandenen) Niveau sitzen.

Gegen Hochglanzkrimis, aufwendigen Mystery-Serien oder Fantasyspektakel kommen „Das Traumschiff“ oder „Der Bergdoktor“ nicht an.  Selbst die harmlosen Krimiserien, die vor den jeweiligen Hauptnachrichten des ZDF oder der ARD laufen, sind im Vergleich zu den Produktionen aus den USA einfach nur läppisch.

Einmal mehr zeigt sich, dass Deutschland die Entwicklung völlig verschlafen hat. Die Beamten, die auf das Prinzip des Ewig-Gleichen bestehen, sorgen mit ihrem nicht vorhandenen Engagement dafür, dass die Veränderungen in den TV-Serien nicht Deutschland erreichen. Die damit verbundene Amerikanisierung ist kein neues Phänomen, sondern war eigentlich immer vorhanden, doch gerade in einer Phase, in der das sog. Quality-TV hoch gepriesen wird, sieht es hierzulande düster aus.

Gut, man muss keine aufgestylten, fast schon ins Sterile neigenden Darsteller präsentieren. Es geht auch im Schmuddellook. Aber darum geht es ja gar nicht. Es geht z.B. darum, aus einem langweiligen Popel-Krimi einen spannenden Thriller zu schaffen, der den Zuschauer nicht nur handlungsmäßig, sondern auch optisch vom Hocker haut. Dem ARD-Flaggschiff „Tatort“ gelingt dies nicht. Die Vorabberichte in Radio und Fernsehen über den jeweils neuesten Film wirken bereits völlig verkrampft, so als wüssten die Redakteure, dass man nur noch so tun kann, als habe man es mit Qualität zu tun. Nicht anders verhält es sich dann mit den Kritiken danach, die lobhudeln oder versuchen, eine Bagatelle als Skandalthema zu verkaufen.

Dass sich z.B. ARD oder ZDF einmal zusammenraufen und versuchen würden, ein aufwendiges Historienspektakel als Mehrteiler zu kreieren (wie dies z.B. in Südkorea Gang und Gäbe ist), davon kann man nur träumen. Dass sich beide Sender einmal in die Gefielde des Fantasy- oder Phantastik-Genres verirren sollten, darüber lohnt es sich nicht einmal zu reden, werden doch diese Genres in Deutschland noch immer als trivial empfunden. Und nein, „Der Bergdoktor“ oder „Notruf Hafenkante“ sind ja überhaupt nicht trivial.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Serien, die in Deutschland produziert werden, sind im Grunde genommen vollkommener Murks. Die Storys sind so konzipiert, dass Tante Trude, die sich diesen Mist ansieht, nachher nicht schlaflos im Bett liegt. Es gibt keine Qualität oder besser keine Quality. Und wenn jemand „Das Traumschiff“ als Quality TV bezeichnet, der sollte lieber einen Psychiater aufsuchen.

Deutschland hat den Wandel verschlafen und daran wird sich, trotz Oettingers Mahnung, nichts ändern. Statt Quality TV, werden wir weiterhin von langweiligen, schlecht gemachten TV-Filmen genervt werden. Und sollte sich da doch etwas tun, so kann man nur hoffen, dass dies nicht allein deswegen geschieht, um die Gebühren zu erhöhen.