The 80s: Shogun (1980)

Blackthorne (Richard Chamberlain) und Marika (Yoko Shimada) am Hof des Fürsten; „Shogun“ (1980); © CBS/Paramount

James Clavell (1924 – 1994) lieferte die literarische Vorlage für die längst zum Klassiker gewordene TV-Serie „Shogun“. Der Roman erschien 1975 und wurde wie alle seine Bücher (z.B. Noble House Hong Kong – 1988 verfilmt mit Pierce Brosnan) zu einem Bestseller. Die TV-Serie führte sozusagen dazu, dass auch die Leute den Namen James Clavell kannten, die keine Bücher lesen.

„Shogun“ war damals eine echte Sensation und hat auch heute nichts von seinem Reiz verloren. Als ich kürzlich die Serie nochmals gesehen habe, war ich erstaunt, an wie viele Szenen ich mich noch erinnern konnte. Von Serie zu sprechen, ist eigentlich nicht ganz richtig. Denn im Grunde genommen handelt es sich um einen mehr als zehnstündigen Spielfilm.

Es geht um den englischen Navigator John Blackthorne, dessen Schiff im Jahr 1600 vor der Küste Japans auf Grund läuft. Blackthorne und seine Mannschaft werden sofort gefangengenommen. Kurz darauf aber wird Blackthorne frei gelassen und an den Hof des Fürsten Yoshi Toranaga gebracht, wo er zum Samurai aufsteigt. Doch Blackthornes Beziehung zu der hübschen Mariko ist vielen ein Dorn im Auge. Währenddessen werden die Anzeichen für einen neuen Krieg zwischen den Feudalherren immer deutlicher.

Sowohl Roman als auch Serie basieren auf historischen Tatsachen. William Adams (1564 – 1620), wie die Hauptfigur ebenfalls Navigator, kam im Jahr 1600  nach Japan, wo er als erster Nicht-Japaner zum Samurai ernannt wurde.

Toshiro Mifune als Fürst Toranaga; „Shogun“ (1980); © CBS/Paramount

Eigentlich hätte Sean Connery die Hauptfigur John Blackthorne spielen sollen, sagte jedoch ab, da er nicht nach Japan wollte. Stattdessen wurde Richard Chamberlain engagiert, den Clavell erst nicht mochte, der dann aber über seine Darstellung Blackthornes überaus begeistert war. Der japanische Schauspieler Toshiro Mifune, der bis dahin vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Akira Kurosawa bekannt gewesen war, erlangte durch seine Rolle des Fürsten Toranaga internationale Bekanntheit. Mariko wird von Yoko Shimada gespielt, die in „Crying Freeman“ (1995) Marc Dacascos‘ Gegenspielerin war, ansonsten war ihre weitere Karriere, trotz ihrer sehr guten Englischkenntnisse, auf Japan beschränkt. Für ihre Rolle der Dame Mariko wurde sie 1980 mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Richard Chamberlain erhielt ebenfalls einen Golden Globe für die beste männliche Hauptrolle.

„Shogun“ verbindet alles, was einen erstklassigen Film ausmacht: Spannung, Action, eine komplexe Handlung und eine unglaubliche Tiefe der Charaktere. Unerreicht finde ich, ist die zarte und dennoch überaus dramatische Liebesbeziehung zwischen Blackthorne und Marika.

Das Besondere an der Serie ist nicht nur, dass sie an Originalschauplätzen in Japan gedreht wurde, sondern dass die japanischen Dialoge nicht übersetzt wurden und es auch keine Untertitel gibt. Auf diese Weise wollte Regisseur Jerry London die außergewöhnliche Situation, in der sich Blackhtorne befindet, so darstellen, dass sich der Zuschauer besser in die Hauptfigur hineinversetzen kann, was tatsächlich funktioniert. Zugleich zeigt der Film, wie Blackthorne nach und nach die japanische Sprache und die Kultur lernt. Heutige Serien würden sich besonders für diese Aspekt nur wenig Zeit lassen. „Shogun“ jedoch geht hierbei auf fast minutiöse Weise vor, wobei auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Keine andere Serie befasste sich so sehr mit der japanischen Geschichte und der damaligen Kultur wie eben „Shogun“. Die Serie kratzt nicht einfach an der Oberfläche, sondern taucht tief in die Gedankenwelt und kulturellen Merkmale ein, was „Shogun“ für jeden, der an Japan und dessen Geschichte interessiert ist, zur Pflicht macht. Interessanterweise floppte die Serie ausgerechnet in Japan. Dort interessierte man sich damals nicht so sehr für das Thema, ganz im Gegenteil zu Europa und den USA, wo die Serie Kultstatus erreichte.

Shogu. Regie: Jerry London, Drehbuch: Eric Bercovici, Produktion: James Clavell, Eric Bercovici, Darsteller: Richard Chamberlain, Toshiro Mifune, Yoko Shimada, John Rhys-Davis. USA/Japan 1980

The 80s: Palast der Winde (1984)

Ashton (Ben Cross) und Anjuli (Amy Irving); „Palast der Winde“ (1984); © Concorde/Goldcrest

Für Christopher Lee gehörte Peter Duffell zu den britischen Regisseuren, die nicht den Rang innehatten, der ihnen eigentlich gebührte. In der Tat kam Duffell nie aus dem TV-Bereich heraus. Seine einzige Großproduktion war die Verfilmung des Romans „Palast der Winde“ von M. M. Kaye (1908 – 2004).

In diesem dreiteiligen TV-Film offenbarte Peter Duffell, dass man ihn in der Tat zu den großen Regisseuren zählen müsste. Aus dem tausendseitigen Bestseller (der Roman erschien 1978), schuf Duffell einen großartigen Abenteuerfilm, in dem sich schöne Landschaftsaufnahmen, wilde Kämpfe und leidenschaftliche Romantik die Klinke in die Hand geben.

Es geht um den Engländer Ashton Pelham-Martyn, der unter dem Namen Ashok in Indien als Hindu erzogen wird, was ihn später bei seinen Landsleuten zum Außenseiter abstempelt. Während seiner Kindheit war er mit dem Mädchen Anjuli befreundet, einer Prinzessin, deren Mutter Russin gewesen ist. Als Erwachsener kehrt Ashton nach Indien zurück, um in der britischen Armee zu dienen, doch sein freundliches Verhalten gegenüber den Einheimischen gefällt nicht jedem in der Armee.

Eines Tages erhält er den Auftrag, einen Hochzeitszug zweier Prinzessinnen zu begleiten, der quer durch Indien zieht. Was Ashton völlig unerwartet erfährt, ist, dass eine der jungen Frauen Anjuli ist. Von da an befindet sich Ashton im Konflikt zwischen der ihm auferlegten Pflicht und seiner Liebe zur Prinzessin.

Man kann es nur wiederholen: „Palast der Winde“ (der Originaltitel lautet „The far Pavilions“) ist ein wunderbarer, aufregend inszenierter Abenteuerfilm. Ashton gerät von einer brenzligen Situation in die nächste, wobei er auch diverse Kämpfe bestehen muss. Als er am Schluss seiner militärischen Laufbahn als Spion nach Afghanistan abkommandiert wird, kommt es zu einer packenden Schlacht um die englische Botschaft.

Englisches Buchcover des Bestsellers von M. M. Kaye

Trotz Staraufgebot (Ben Cross als Ashton, Amy Irving als Anjuli, Christopher Lee als Rao-Sahib, Omar Sharif als Koda Dad), war das Interesse an der Romanverfilmung weniger groß, als sich die Produktionsfirma Goldcrest erhofft hatte. Den Produktionskosten von knapp 7 Millionen Pfund standen Einnahmen von knapp 5 Millionen Pfund gegenüber. Nach und nach aber entwickelte sich die Miniserie zu einem echten Klassiker.

Um doch noch einen Gewinn zu erzielen, brachte Goldcrest die Serie damals nochmals als einen auf 90 Minuten zusammengeschnittenen Spielfilm heraus, doch geriet diese Version schnell wieder in Vergessenheit.

The 80s: Die dreibeinigen Herrscher (1984)

The Tripods (1984); © Koch Media/BBC

Wer Science Fiction-Romane liest, kennt John Christopher (1922 – 2012). Zwischen den 60er und 80er Jahren war der englische Autor aus dem Bereich der Kinder- und Jugendbücher nicht wegzudenken. Mit seinen Werken prägte und beeinflusste er viele andere Autoren und gilt nicht nur aufgrund seiner Trilogie über die Dreibeinigen Herrscher als Klassiker des Genres. Seine Zukunftsszenarien sind überaus düster, sein Menschenbild sehr pessimistisch. Doch gerade das macht seine Werke so interessant und faszinierend. Seine Bücher sind nicht nur spannend, sondern rütteln auf.

In „Die dreibeinigen Monster“, so der damalige deutsche Titel der Romanreihe, sind die verschiedenen Nationen zurück in eine Form des Feudalismus gefallen. Technische Errungenschaften sind in Vergessenheit geraten. Die Menschen betreiben in der Hauptsache Landwirtschaft und einfaches Handwerk. Aberglaube und Traditionen beherrschen das Leben. Das Wissen über die menschliche Vergangenheit ist abhanden gekommen.

Die Trilogie (später kam ein Prequel als vierter Band hinzu) erschien bereits Ende der 60er Jahre. Zwanzig Jahre später verfilmte die BBC die Romane als Fernsehserie. Auch die Serie entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zum Kult.

Die Menschheit wird von Außerirdischen beherrscht, die in riesigen dreibeinigen Maschinen durch die Lande ziehen. Sie kontrollieren die Menschen durch Chips, die jeder Person auf dem Kopf befestigt wird. Dadurch erfahren die Menschen eine Art Gehirnwäsche. Sie glauben fest daran, dass die Anwesenheit der Außerirdischen gut für die Menschheit ist. In der Tat gibt es seit der Besatzung keine Kriege mehr. Als der Junge Will Parker und sein Cousin Henry kurz vor der Weihung stehen (also kurz bevor sie den Chip erhalten sollen), stellen sie sich immer mehr Fragen über den Sinn dieses Ritus. Sie erfahren, dass es auch Menschen gibt, die nicht geweiht wurden und in Freiheit in einem Gebiet leben sollen, das die Weißen Berge genannt wird. Will und Henry beschließen daraufhin, dorthin zu fliehen, um somit ihrem eigentlichen Schicksal zu entgehen. Die Reise erweist sich jedoch als äußerst gefährlich.

The Tripods (1984); © Koch Media/BBC

Die dramaturgische Umsetzung der Romane von John Christopher ist einwandfrei gelungen. Die Kulissen sind hervorragend, die Effekte für eine damalige Fernsehserie überdurchschnittlich. Jeder Teil kreiert eine extrem dichte Atmosphäre und ist spannend von der ersten bis zur letzten Minute. Überaus detailliert liefert die Serie ein unheimliches Zukunftsszenario.

Zu den beeindruckensten Szenen gehört sicherlich der Aufenthalt von Will und Henry in Paris, das – wie auch alle anderen Großstädte auf der Welt – von den Außerirdischen völlig zerstört wurde. Hier wird zum Teil „Der Omegamann“ zitiert, andererseits spiegeln sich hier die Ängste vor einem atomaren Kahlschlag wider.

Wer die Romane bereits kennt, sollte sich auf jeden Fall auch die TV-Adaption ansehen. Hier wurde keine Mühe gescheut, um eine erstklassige SF-Serie hinzubekommen. Nicht nur ein Klassiker, sondern ein Meilenstein der TV-Geschichte.

Die dreibeinigen Herrscher (OT: The Tripods) Regie: Christopher Barry u. a., Drehbuch: Christopher Penfold, Produktion: Richard Bates, Darsteller: John Shackley, Jim Baker, Ceri Steel. England 1984

Die Klunkerecke: Frankenstein – Wie er wirklich war (1973)

Regisseur Jack Smight und Autor Christopher Isherwood gelang es Anfang der 70er Jahre, einen Frankensteinfilm zu schaffen, der mit der Romanvorlage von Mary Shelley so gut wie nichts zu tun hat und zugleich oder eher dennoch einen Meilenstein des TV-Films darstellt.

Ausgestattet mit einem großen Budget, konnte man nicht nur auf Stars wie James Mason, Jane Seymour oder John Gielgud zurückgreifen, sondern auch tolle Kulissen und großartige Explosionen kreieren. Isherwood übernahm dabei lediglich die Grundhandlung des berühmten Schauerromans, der Rest ist eine rasante Gruselstory, die teils überraschend blutig ausgefallen ist und sich von einem dramatischen Höhepunkt zu nächsten hangelt.

Victor Frankenstein (Leonard Whiting) und Dr. Clerval (David McCallum) bei einem Experiment; „Frankenstein – The true Story“ (1973); © Universal Pictures

Victor Frankenstein trifft hier auf den genialen Chirurgen Henry Clerval, der Totes wiederbeleben möchte. Nach ein paar Experimenten an toten Tieren, baut er aus Leichenteilen einen Menschen zusammen. Clerval bittet bei diesem letzten Arbeitsschritt Victor um Hilfe, was dazu führt, dass sich dieser immer mehr in das Vorhaben hineinsteigert. Das Resultat ist bekannt: ein Monster. Clerval stirbt und Frankenstein versucht, den künstlichen Menschen in die Gesellschaft einzuführen.

Doch steht Frankenstein dabei vor zwei Problemen: zum einen verfällt der Körper des Monsters und zweitens ist ihm Dr. Polidori auf den Fersen, der ihn dazu bringen will, zusammen mit ihm eine Frau zu erschaffen. Auch das gelingt, doch nach und nach gerät die Situation für Frankenstein und Polidori außer Kontrolle, was tragische und tödliche Konsequenzen mit sich bringt …

„Frankenstein – The true Story“ ist packend, dramatisch und zugleich tiefgründig und, wie bereits erwähnt, reiht dabei einen Höhepunkt an den anderen. Schon die Schaffung des Monsters ist eine wahre Sensation, wenn dabei die ganzen Instrumente explodieren. Unglaublich toll, wenn bei der Schaffung der Frau bunte Farbblasen das Bild ausfüllen und dabei dem Prozess einen leicht psychedelischen Touch verleihen. Nicht weniger originell, wenn das Monster einen Tanzabend aufmischt, um die künstliche Frau namens Prima zu entführen – mit einem wahrhaft grausamen Höhepunkt. Und schließlich das Finale auf einem Segelschiff mitten auf dem Atlantik und bei starkem Sturm, während das Monster Amok läuft.

Der Film liefert bei all dem eine grandiose Optik, sodass man nicht glaubt, einen Fernsehfilm vor sich zu haben. Die Schauspieler gehen dabei voll in ihren Rollen auf. Besonders James Mason, der wie immer einen zwielichtigen Charakter mimt. Nicht weniger grandios sind Bond-Girl Jane Seymour als Prima, der künstlichen Frau, oder auch U.N.C.L.E.-Veteran David McCallum als Chirurg Clerval. Kurz: ein absolutes Meisterstück.

Frankenstein – Wie er wirklich war (OT: Frankenstein – The true Story). Regie: Jack Smight, Drehbuch: Christopher Isherwood, Produktion: Ian Lewis, Darsteller: James Mason, Leonard Whiting, Jane Seymour, David McCallum, Michael Sarrazin, Nicola Pagett. England/USA 1973, 182 Min.

The 80s: Sherlock Holmes (TV-Serie von 1984 – 1992)

Jeremy Brett als Sherlock Holmes; © Koch Media

Es gibt und gab viele Sherlock Holmes-Darsteller, doch keiner erreichte die Klasse und das Niveau von Jeremy Brett (1933 – 1995). Gut, es gab natürlich Peter Cushing in dem Klassiker der Hammer-Studios Der Hund von Baskerville (1959) oder Basil Rathbone in der Filmserie aus den 30er bzw. 40er Jahren. Doch keiner von beiden, ja kein einziger Darsteller in der Geschichte des Films konnte bzw. kann Jeremy Brett die Hand reichen. Brett gilt als der Holmes-Darsteller überhaupt.

Diese bis heute unerreichte Schauspielkunst kam in der legendären Sherlock Holmes-Serie zur Geltung, die von 1984 bis 1992 produziert und von Produzent Michael Cox ins Leben gerufen wurde. Die englische Produktionsfirma Granada war Anfang der 80er Jahre auf der Suche nach einem neuen Serienkonzept, und da Cox ein echter Holmes-Fan war, kam er auf die Idee einer werkgetreuen Umsetzung der Erzählungen von Arthur Conan Doyle.

Die Idee gefiel den Chefs von Granada, auch wenn man dabei ein hohes finanzielles Risiko einging, denn aufgrund des historischen Settings würde die Serie ziemlich teuer werden. Aber gesagt, getan. 1984 startete die Sherlock Holmes-Serie mit „Ein Skandal in Böhmen“ und wurde ein riesiger Erfolg.

So entstanden insgesamt 36 Episoden und fünf Langfilme. Hierbei gilt Der Hund von Baskerville als die bis heute werkgetreuste Umsetzung von Conan Doyles gleichnamigen Roman.

Überhaupt hält sich die Serie sehr genau an die jeweiligen literarischen Vorlagen, lediglich zwei Adaptionen („Die Liga der rothaarigen Männer“ und „Der begehrte Junggeselle“) wurden aus dramaturgischen Gründen leicht verändert. Sehr faszinierend sind die bis ins Detail konzipierten Straßenszenen, die den Alltag im London am Ende des 19. Jahrhunderts darstellen. Hier wurde nicht nur in Sachen Kostüme ein enormer Aufwand betrieben.

VHS-Cover der Episode „Das leere Haus“ (1986)

In die Fernsehgeschichte ging „Sein letzter Fall“ ein, der am 29. September 1985 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Die Szene, in der Holmes und sein Gegenspieler Prof. Moriarty den Reichenbachfall hinunterstürzen, gilt bis heute als einer der gefährlichsten und aufwendigsten Sunts, der jemals fürs Fernsehen umgesetzt wurde. Denn die beiden Stuntmen stürzten sich tatsächlich den 300 Meter hohen Wasserfall hinunter.

Im Mittelpunkt von allem jedoch stehen natürlich Sherlock Holmes und Dr. Watson. Watson wurde in der ersten Staffel von David Burke gespielt, bevor sein Freund Edward Hardwicke ihn ersetzte. Da beide sich jedoch unglaublich ähnlich sahen, merkten das weder die Zuschauer noch die Arbeiter am Set, die Hardwicke immer mit Burkes Vornamen ansprachen.

Jeremy Brett dagegen blieb in seiner Rolle einzigartig. Obwohl er immer betonte, dass er eigentlich gar nicht wie der von Conan Doyle beschriebene Sherlock Holmes aussehe, so ist seine Ähnlichkeit mit der Figur erstaunlich. Hinzu kommt, dass er die Rolle in sich voll und ganz aufgehen lässt. Man glaubt als Zuschauer nicht, einen Schauspieler zu sehen, der Sherlock Holmes darstellt, sondern man glaubt, Sherlock Holmes tatsächlich vor Augen zu haben.

Cover der ersten und zweiten Staffel (1984/1985)

Bretts intensive Darstellungsweise zollte leider zum Schluss ihren Tribut. Er steigerte sich so sehr in die Rolle hinein, dass er im Laufe der Produktion der letzten Staffel manchmal nicht mehr aus dieser hinauskam. Wahrscheinlich hat dies mit dem Tod seiner Frau zu tun, den Brett nicht verarbeiten konnte. Hinzu kam eine zunehmende Abhängigkeit von Schlafmitteln und Antidepressiva. Am 12. September 1995 starb Jeremy Brett. Bis heute ist ungeklärt, ob es sich bei seinem Tod um Selbstmord handelte.

In Deutschland wurde die Serie nie komplett gezeigt. So wurde die vierte Staffel hierzulande nie ausgestrahlt, auch wurden manche Episoden gekürzt, wobei es sich um Szenen handelt, in denen Holmes Drogen konsumiert. Erst in der Veröffentlichung auf DVD von Koch Media wurden diese Szenen wieder eingefügt und auch die vierte Staffel veröffentlicht.

Sherlock Holmes. Produktion: Michael Cox, Regie u. Drehbuch: Div., Darsteller: Jeremy Brett, David Burke (Dr. Watson in Episode 1 – 13), Edward Hardwicke, Rosalie Williams (Mrs. Hudson), Colin Jeavons (als Inspector Lestrade), Eric Porter (als Prof. Moriarty), Charles Gray (als Mycroft Holmes)

 

Die ZDF-Adventsvierteiler – Ein großes Stück TV-Geschichte

„Der Seewolf“ war und ist der Klassiker der damaligen ZDF-Adventsvierteiler

Heute mag man es kaum glauben, doch in früheren Zeiten produzierte das ZDF hochkarätige Abenteuerfilme, die in der Regel zur Weihnachtszeit ausgestrahlt wurden. Das Besondere war, dass alle Filme vier Teile hatten, was letztendlich zum Namen Adventsvierteiler führte. Es handelte sich dabei um europäische Gemeinschaftsproduktionen, bei denen außer Deutschland auch noch Frankreich, Italien und Bulgarien beteilgt waren.

Begonnen hatte alles 1964 mit der Verfilmung „Robinson Crusoe“, in dem der bekannte österreichische Schauspieler und damalige Bravo-Star Robert Hoffmann die Titelrolle spielte. Es folgten beinahe jedes Jahr weitere Vierteiler, so im Jahr 1965 „Don Quijote“ und ein Jahr darauf „Die Schatzinsel“. 1967 blieb der erwartete Vierteiler aus, doch 1968 folgte „Tom Sawyer und Huckleberry Finns Abenteuer“ und 1969 „Die Lederstrumpferzählungen“.

Den Höhepunkt der Reihe erlebten die Adventsvierteiler aber mit dem absoluten Klassiker der ZDF-Produktionen, nämlich 1971 mit Jack Londons „Der Seewolf.“ Hauptdarsteller Raimund Harmstorf, der Kapitän Wolf Larson spielte, sagte bereits während der Dreharbeiten, dass die Kartoffel sein Schicksal werden würde.

Der erste Adventsvierteiler aus dem Jahr 1964

Gemeint ist damit die wohl berühmteste Szene des deutschen TV-Films: Wolf Larson, der in der Kombüse der Ghost steht, eine rohe Kartoffel aus dem Eimer nimmt und diese vor den Augen Humphrey van Weydens (gespielt von Edward Meeks) mit seiner rechten Hand zerquetscht. Es war die Szene, die bis heute für Gesprächsstoff sorgt und an die sich jeder erinnert, der damals den Film gesehen hat.

Zwar spielte Harmstorf auch noch 1976 in dem Vierteiler „Michael Strogoff“ die Titelrolle und später war er immer mal wieder in „Bud Spencer“-Filmen zu sehen, dennoch assoziierten ihn alle Zuschauer stets nur mit seiner Rolle des brutalen Wolf Larson und eben mit dieser unglaublich starken Szene.

Es folgten weitere Verfilmungen: „Cagliostro“ nach Alexandre Dumas, den das ZDF allerdings 1973 nur in drei Teilen ausstrahlte, die Jules Verne-Adaption „Zwei Jahre Ferien“ (1974), „Lockruf des Goldes“ (1975) und der bereits erwähnte „Michael Strogoff“ aus dem Jahr 1976. 1978 landete das ZDF mit der Stevenson-Adaption „Die Abenteuer des David Balfour“ einen erneuten Hit, dieses Mal auch in Sachen Musik. Denn die Titelmelodie wurde so bekannt, dass sie als Schallplatte veröffentlicht wurde. 1979 folgte eine weitere Jules Verne-Verfilmung mit dem Titel „Matthias Sandorf“.

Einer der letzten Vierteiler aus dem Jahr 1981

Danach näherte sich das Konzept der Adventsvierteiler so langsam dem Ende. Der Grund war, dass die Produzenten keine geeigneten Vorlagen mehr fanden, die man als Vierteiler hätte verfilmen können. So griff man 1980 zu William Godwins Klassiker „Caleb Williams“, der in Deutschland damals völlig unbekannt war, was sich dann durch die TV-Verfilmung schlagartig änderte. William Godwin war übrigens der Vater von „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley.

Es folgten noch „Wettlauf nach Bombay“ (1981), „Der schwarze Bumerang“ (1982) und schließlich „Der Mann vom Suez“ (1983), wobei „Der schwarze Bumerang“ der einzige Vierteiler ist, der nicht auf einem Roman basiert. Danach folgten keine weiteren Vierteiler mehr. Es wurden zwar immer mal wieder Abenteuerfilme als Mehrteiler produziert, wobei „Das Geheimnis der Sahara“ (1987) am erfolgreichsten war und in einer umgeschnittenen Fassung sogar in die Kinos kam, doch mit den einzigartigen Adventsvierteilern war es aus.

Den Versuch eines Mehrteilers übernahm 2016/2017 RTL mit den Winnetou-Filmen, die durchaus ihren Reiz hatten und in die richtige Richtung wiesen, allerdings immer weniger Zuschauer bekamen. Daher ist die Frage groß, ob der Sender ein solches Projekt nochmals wiederholen wird. Das ZDF jedenfalls garantiert nicht, denn was dort heutzutage so produziert wird, darüber sollte man größtenteils lieber schweigen.

 

The 80s: Mandara (12teilige TV-Serie)

mandaraDie These, dass das ZDF verantwortlich ist für eine gute, spannende und damit äußerst unterhaltsame Fernsehserie, würde bei den meisten Leuten sicherlich für große Lacher sorgen. Doch so unglaublich dies auch erscheint, so ist es dennoch wahr. Am 15. November 1983 startete dort im Kinderprogramm eine 12teilige Serie, deren Grundkonzept eine Mischung aus Fantasy, Mystery und Abenteuer offenbarte. Für das ZDF wiederum spricht, dass diese Serie kein zweites Mal ausgestrahlt wurde. Wieso auch? War doch nur hochwertige Qualität.

Der bekannte Dreh- und Jugendbuchautor Justus Pfaue, der hinter dem Projekt steckt, erzählt in „Mandara“ die Geschichte der kleinen Eltje, die herausbekommen möchte, was hinter dem Geheimnis der Strandpiraten steckt. Als sie die maskierten Männer beobachtet, wie sie einem Schiff falsche Signale geben und dieses auf Grund läuft, beginnt für sie ein gefahrvolles Abenteuer. Denn nicht nur die Strandpiraten sind hinter ihr her, sondern auch ein mächtiger Dämon (gespielt von Erzbösewicht Horst Frank), der Eltje zur neuen Priesterin der Göttin Mandara machen möchte. Die Statue der Göttin sowie ihr dämonischer Beschützer als auch der Prinz Shabu, der die Statue aus seiner Heimat verbannen wollte, befanden sich auf dem gestrandeten Schiff. Während der Prinz versucht, Eltje vor dem Dämon zu schützen, gerät diese jedoch immer mehr in dessen Bann.

Justus Pfaue teilt seine Geschichte auf in zwei Teile. Jeder dieser Teile beinhaltet sechs Folgen. Der erste Teil spielt Mitte des 19. Jahrhunderts, der zweite Teil 1983. In beiden Teilen wird im Grunde genommen dieselbe Geschichte erzählt. Dies macht die Serie jedoch keineswegs langweilig. Denn vor allem der Charakter des Shabu weist in beiden Teilen andere Züge auf. Ist er im 19. Jahrhundert noch ein netter junger Mann, so wird der Shabu im zweiten Teil zu einem egoistischen und machtsüchtigen Kerl. Hierbei verwischt Pfaue eindeutig die Grenzen zwischen Gut und Böse und liefert zugleich ein recht kritisches Menschenbild. So gelingt es dem Dämon stets, die Dummheit und Gier der Menschen auszunutzen. Selbst die Kinder sind vor den Tricks des bösen Geistes nicht gefeit. Themen wie Geldgier, Ausländerfeindlichkeit oder auch kaputte Familienverhältnisse werden in „Mandara“ zwar ironisch, aber sehr direkt angesprochen. Zum Glück verhindert es Pfaue, mit erhobenem Zeigefinger den Moralapostel zu spielen. Die Kritik ist wunderbar eingewebt in die Geschichte.

Dieses düstere Menschenbild passt sehr gut zu der unheimlichen und bedrohlichen Atmosphäre, von der alle zwölf Teile geprägt sind. Das klassische Auftreten des Dämons mit wehendem Umhang, die maskierten Strandpiraten, die fremdartige Statue sowie die gespenstischen Geschehnisse, welche die komplette Serie durchziehen, kreieren zusammen eine enorme Dichte und Spannung, der man sich auch als Erwachsener nicht entziehen kann. Die schnellen und pointierten Dialoge liefern zusätzlich alles andere als Langeweile. Wie gesagt, kaum zu glauben, dass die Serie vom ZDF produziert wurde.

Mandara, Regie: Franz Josef Gottlieb, Drehbuch: Justus Pfaue, Darsteller: Horst Frank, Christina Kubinek, Florian Jentsch, Stefan Ernst, Roger Hübner, Hellmut Lange. Deutschland 1983, Laufzeit: 300 Min. (TV-Serie in 12 Teilen)