FuBs Klassikbox: Jenny – Rendezvouz mit einer Toten (1948)

„Ich komm aus der Unendlichkeit, ich geh in die Unendlichkeit“; „Portait of Jenny“ (1948)

In Deutschland kaum bekannt, zählt „Portait of Jenny“ in den USA zu den Filmklassikern. Wie bei so vielen Klassikern, so war der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Robert Nathan (1894 – 1985) zunächst kein Erfolg beschienen. Mit den Jahren jedoch erlangte „Jenny – Rendezvouz mit einer Toten“ immer größere Beliebtheit. Heute zählt das American Film Institute das Drama zu den zehn besten Fantasyfilmen.

Es geht um den erfolglosen Maler Eben Adams, der eines Tages in einem Park auf ein Mädchen namens Jenny trifft. Doch genauso plötzlich wie sie erschienen ist, ist sie auch schon wieder verschwunden. Wenige Tage später trifft er sie erneut, allerdings ist sie da älter. Schließlich taucht sie als junge Frau auf. Ihre außergewöhnliche Schönheit und ihre sonderbare Traurigkeit bringen Eben dazu, von ihr ein Porträt anzufertigen. Doch wer ist Jenny? Eben versucht das Geheimnis zu lösen …

Vom Erfolg des Fantasy-Dramas „The Ghost and Mrs. Muir“ (1947) animiert, suchte Produzent David O. Selznick nach einem ähnlichen Stoff, um dadurch die Kinokassen zum klingen zu bringen. Wahrscheinlich bedingt durch das schlechte Marketing wurde „Portrait of Jenny“ jedoch ein Flop – trotz Starbesetzung. Den Maler Eben Adams spielt Joseph Cotten, Jenny wird von Jennifer Jones dargestellt, als Kunsthändlerin tritt Ethel Barrymore auf. Regie führte William Dieterle, der vor allem für seine hervorragenden Noir-Filme bekannt war. Nichtzuletzt verfasste der mit Thomas Mann befreundete Autor Ben Hecht das Drehbuch.

Nicht bewegen: Eben Adams erschafft das Gemälde; „Portrait of Jenny“ (1948)

Bei den Oscarverleihungen 1949 erhielt der Film den Oscar für die besten Spezialeffekte und war für die beste Kameraarbeit nominiert worden. Das Besondere an dem Film ist, dass das Finale in gespenstischen Grüntönen koloriert wurde, der übrige Film ist in schwarzweiß. Besonders die außergewöhnlichen Farbsequenzen machten die Produktion für die damalige Zeit ziemlich teuer: etwa vier Millionen Dollar. Wer die sich verändernden Wolkenformationen im Finale genau ansieht, wird feststellen, dass er diese in einem anderen Film schon mal gesehen hat. Und ja, Regisseur Richard Kelly zeigt ganz ähnliche Gebilde in seinem Klassiker „Donnie Darko“ (2001).

„Jenny – Rendezvouz mit einer Toten“ ist eine wundervolle Mischung aus Drama, Mystery und Liebesfilm, der noch lange nachwirkt. Schon allein die tolle Optik macht den Film sehenswert – die Aufnahmen des winterlichen New York sind einfach wunderschön. Das Gemälde von Jenny hängte sich Produzent Selznick übrigens nach den Dreharbeiten in seinem Wohnzimmer auf.

Jenny – Rendezvouz mit einer Toten (OT: Portait of Jenny). Regie: William Dieterle, Drehbuch: Ben Hecht, Produktion: David O. Selznick, Darsteller: Joseph Cotton, Jennifer Jones, Ethel Barrymore. USA 1948

FuBs Klassikbox: Wer den Wind sät (1960)

Anwalt Drummond (Spencer Tracy) und Matthew Brady (Frederic March) vor Gericht; „Inherit the Wind“ (1960); © MGM

Eigentlich hätte der Film heute gedreht werden müssen, passt er doch hervorragend in unsere Zeit. „Wer den Wind sät“ basiert zum einen auf einem Theaterstück von Jerome Lawrence und Robert E. Lee, zum anderen auf einem tatsächlichen Gerichtsfall aus dem Jahr 1925, dem sog. Affenprozess, in dem ein Lehrer angeklagt wurde, da er seinen Schülern die Entwicklungstheorie Charles Darwins beigebracht hat. Stanley Kramer führte Regie.

Der Film handelt von Bertram T. Cates, der in dem kleinen Ort Hillsboro als Lehrer tätig ist. Er wird kurzerhand angeklagt, da er im Biologieunterricht seinen Schülern beigebracht hat, dass der Mensch vom Affen abstammt. In Hillboro jedoch denken die Leute anders, sie sind fest davon überzeugt, dass Gott den Menschen erschaffen hat und die Entwicklungstheorie Teufelszeug ist. Die Bewohner ändern kein bisschen ihre Meinung, obwohl ganz Amerika sich lustig über sie macht.

Daher wird Henry Drummond als Bertrams Anwalt engagiert, um ihn zu verteidigen. Als Ankläger kommt Matthew Harrison Brady nach Hillboro, ein erzkonservativer Mann, der nicht nur nichts anderes als seine eigene Meinung gelten lässt, sondern auch streng nach dem Wort der Bibel lebt. Was sich aus dieser Ausgangssituation ergibt, ist der wohl spannendste und großartigste Schlagabtausch der Filmgeschichte.

„Wer den Wind sät“ erhielt damals nicht nur den Silbernen Bären, sondern auch den Publikumspreis bei der Berlinale und war für vier Oscars nominiert. Der Film ist das, was man anspruchsvolles Unterhaltungskino bezeichnet und präsentiert zugleich Schauspielkunst und fein geschliffene Dialoge in höchster Perfektion. Es geht nicht nur um die Gegenüberstellung zwischen Religion und Wissenschaft, sondern auch um die Dummheit der Menschen.

In dieser Hinsicht ist „Wer den Wind sät“ nicht nur ein faszinierender Gerichtsfilm, sondern zugleich eine hervorragende Satire, macht er sich doch auf köstliche Weise lustig über Kleingeistigkeit und Intoleranz, also genau diese zwei Aspekte, die heute leider vielerorts Gang und Gäbe sind.

Heute scheitert eine Diskussion in vielen Fällen daran, da die jeweiligen Gegenseiten überhaupt nicht mehr gewillt sind, dem jeweils anderen zuzuhören, sondern es wird „gecancelt“, aus Angst, sich anderen Argumenten stellen zu müssen.  Genau das zeigt bereits „Wer den Wind sät“, indem die intoleranten Ankläger keine Argumentation zulassen, damit bloß nicht das eigene kleine Weltbild in Gefahr gerät. Dennoch versucht Drummond, den Lehrer weiter zu verteidigen.

„Wer den Wind sät“ ist ein schlicht und ergreifend großartiger Film, der Vieles vorwegnimmt, was heute leider allzu aktuell ist. Vielleicht aber ist er auch deshalb aktuell, da sich die Menschen im Grunde genommen nie geändert haben.

Wer den Wind sät (OT: Inherit the Wind). Regie u. Produktion: Stanley Kramer, Darsteller: Spencer Tracy, Frederic March, Gene Kelly, Dick York, Donna Anderson. USA 1960

 

FuBs Klassikbox: Hokuspokus oder Wie lasse ich meinen Mann verschwinden (1966)

Liselotte Pulver als Agda Kjerulf in der Komödie „Hokuspokus oder Wie lasse ich meinen Mann verschwinden“ (1966); © Alive

Heinz Rühmann und Liselotte Pulver galten eigentlich als Publikumsmagnet. Doch bei „Hokuspokus oder Wie lasse ich meinen Mann verschwinden“ ging dieses Mal die Rechnung nicht auf. Der Krimikomödie nach einem Theaterstück von Curt Goetz war kein Erfolg beschieden.

Die hübsche Agda Kjerulf wird beschuldigt ihren Mann, den erfolglosen Künstler Hilmar Kjerulf, bei einem Bootsausflug ermordet zu haben. Bei der Gerichtsverhandlung wird sie von dem mysteriösen Anwalt Peer Bille verteidigt, der überaus sprachgewandt sämtliche Anschuldigen ad absurdum führt. Dennoch verhält sich Agda weiterhin überaus verdächtig …

Auch wenn der Film damals floppte, so wird er heute als Komödienklassiker bezeichnet. Dabei handelt es sich nicht einmal um die erste Verfilmung des Theaterstücks von Curt Goetz. Bereits 1930 wurde „Hokuspokus“ zum ersten Mal verfilmt (im selben Jahr erfolgte eine englischsprachige Verfilmung mit Lawrence Olivier), ein Remake folgte 1953. Alle Produktionen feierten große Erfolge, wie gesagt mit Ausnahme der Version mit Heinz Rühmann und Liselotte Pulver.

Möglicherweise lag dies an den surreal angehauchten Kulissen, die dem Film einen leicht psychedelischen Touch verliehen. Für die Kulissen, die für einen deutschen Film einzigartig sind, wurde „Hokuspokus“ damals übrigens ausgezeichnet. Damalige Kritiker bemängelten jedoch an dem Film eine eher schwunglose Inszenierung. Gut, der Film kommt nicht gleich in die Gänge, doch ab dem Moment, da Peer Bille alias Heinz Rühmann auftritt, entwickelt sich der Film zu einem wunderbaren, ja grandiosen und überaus witzigen Schlagabtausch zwischen den Anwälten, dem Richter, den Zeugen und nicht zuletzt der Witwe.

Doch auch schon davor hat der Film einige spaßige Momente zu bieten, besonders dann, wenn der Kunsthändler Amundsen das Haus der Witwe betritt und hofft, das Geschäft seines Lebens zu machen. Denn seitdem der Mord an Hilmar Kjerulf bekannt ist, reißen sich die Kunstsammler um seine Gemälde.

Titelsequenz von „Hokuspokus“, der bereits auf die leicht psychedelische Machart des Films hinweist; © Alive

Da ich den Film bisher nicht kannte, war „Hokuspokus“ für mich eine wahre Entdeckung. Die Pointen sitzen, der Sprachwitz ist einfach herrlich und die Schauspieler sind erstklassig. Nicht nur Rühmann und Lilo zeigen hier ihr Können, sondern auch die Nebendarsteller bereichern den Film ungemein, allen voran Joachim Teege als Munio Eunanio, Besitzer eines Waschsalons, dessen Darbietung fast schon einem eigenen Auftritt im Kabarett gleichkommt. Kurz: „Hokuspokus oder Wie lasse ich meinen Mann verschwinden“ ist eine absolut geniale Komödie.

Hokuspokus oder Wie lasse ich meinen Mann verschwinden. Regie: Kurt Hoffmann, Drehbuch: Eberhard Keindorff, Johanna Sibelius, Produktion: Hans Domnick, Darsteller: Heinz Rühmann, Liselotte Pulver, Richard Münch, Fritz Tillmann, Klaus Miedel, Joachim Teege. Deutschland 1966

FuBs Klassikbox: Die Piratenkönigin (1951)

Gleich am Anfang feuern die Kanonen; „Die Piratenkönigin“ (1951); © 20th Century Fox

So ziemlich alles, was Regisseur Jacques Tourneur anpackte, wurde zum Klassiker. Egal, ob es sich um den Noir-Thriller „Blondes Gift“ handelt oder die Horrorfilme „Katzenmenschen“, „Ich folgte einem Zombie“ und „Night of the Demon“, die Filme entwickelten sich nicht nur zu Kassenschlagern, sondern gingen in die Filmgeschichte ein. Doch war Tourneur nicht nur im Thriller- und Horrorgenre beheimatet, sondern drehte auch Western und den Abenteuerfilm „Die Piratenkönigin“ (Anne of the Indies). Mit letzterem setzte er ebenfalls einen Meilenstein im Filmschaffen.

Denn „Die Piratenkönigin“ ist einer der ersten Abenteuer- bzw. Piratenfilme, in der eine Frau die Hauptrolle hat. Schauspielerin Jean Peters spielt Anne Providence, Kapitänin eines Piratenschiffs, das von der englischen Flotte gejagt wird. Eines Tages versenken Anne und ihre Mannschaft ein englisches Kriegsschiff. Mit an Bord ist der Franzose Pierre LaRochelle, der als Gefangener nach Großbritannien gebracht werden sollte. Anne, die Gefallen an La Rochelle findet, setzt ihn als Ersten Maat ein – obwohl ihr Arzt sie vor dem Mann warnt. Doch das Schicksal nimmt seinen genauso abenteuerlichen wie dramatischen Lauf …

Kanonendonner, wilde Gefechte und jede Menge Seemannsflüche, „Die Piratenkönigin“ zählt zu den aufregendsten Piratenfilmen Hollywoods. Jede Menge Action, eine überaus spannende Handlung und eine wunderbare Vielfalt an rauen Gesellen machen Tourneurs Seeabenteuer zu einem echten Filmereignis, bei dem sich die dramatischen und aufregenden Ereignisse die Klinke in die Hand geben, sodass der Film alles kennt, außer einer ruhigen Minute.

Anne Providence (Jean Peters) baum Hauen und Stechen; „Die Piratenkönigin“ (1951); © 20th Century Fox

Bereits 1947 begannen die ersten Drehbuchentwürfe, die auf einer Erzählung von Herbert Sass basiert. Sass selbst sollte ein Skript entwerfen, doch landete dieses erst einmal in der Schublade. Erst wenige Jahre später wurde das Projekt wieder aufgenommen, doch Sass‘ Konzept, das sich stark an der tatsächlichen Geschichte von Anne Bonny orientierte, wurde so sehr verändert, dass außer dem Vornamen der Piratenkapitänin nichts mehr übrig blieb. 1951 kam der Film schließlich in die Kinos und machte Jean Peters endgültig zum Star.

Wie vorhin erwähnt, lehnt sich die Figur Anne Providence an der tatsächlichen Piratenkapitänin Anne Bonny (1698 – 1782) an, die damals die Meere unsicher gemacht hatte und zusammen mit ihrer „Kollegin“ Mary Read für jede Menge Angst und Schrecken sorgte. Sie wurde gefangengenommen und entkam nur knapp dem Galgen. Später heiratete sie und lebte in einer Stadt in South Carolina.

1995 versuchte man eine Art Remake unter dem Titel „Die Piratenbraut“, doch heißt hier die Kapitänin Morgan Adams. Während Tourneurs Film zum Kassenschlager wurde, entwickelte sich „Die Piratenbraut“ zum größten Flop der Filmgeschichte.

Die Piratenkönigin (OT: Anne of the Indies). Regie: Jacques Tourneur, Drehbuch: Arthur Caesar, Philip Dunne, Produktion: George Jessel, Darsteller: Jean Peters, Louis Jordan, Thomas Gomez, Herbert Marshall. USA 1951

FuBs Klassikbox: Todsünde (1945)

Ellen (Gene Tierney) offenbart ihre psychopathischen Anlagen; „Leave her to Heaven“ (1945); © 20th Century Fox

Ein Film Noir in Farbe? 1945 bewies Regisseur John M. Stahl, dass dies durchaus funktionieren kann, und schuf dabei zugleich einen der Klassiker dieses Genres. Ausgezeichnet mit dem Oscar für die Beste Kamera, waren die Kritiker dennoch nicht ganz von „Leave her to Heaven“ überzeugt. Aber wie so oft änderte sich diese Meinung mit der Zeit. Heute zählt das Werk zu den außergewöhnlichsten Filmen jener Ära.

„Todsünde“ basiert auf dem damaligen Bestseller von Ben Ames Williams. Es geht um den Schriftsteller Richard Harland, der während einer Zugfahrt Ellen Berent kennenlernt. Schnell entwickelt sich aus der Bekanntschaft eine Liebesbeziehung. Doch nach der Hochzeit stellt Richard mehr und mehr fest, dass etwas mit Ellen nicht stimmt …

Ellens Blick verrät: mit ihr stimmt etwas nicht; „Leave her to Heaven“ (1945); © 20th Century Fox

Gene Tierney galt damals als eine der schönsten Frauen. Ein Jahr nachdem sie in dem Thriller „Laura“ die Titelfigur gespielt hatte, stellte sie in „Todsünde“ eine Psychopathin erster Güte dar. Ellen entpuppt sich mehr und mehr als kontrollsüchtig. Niemand darf Richard nahe kommen, nicht einmal ihre Familie. Dass sich ihre Halbschwester Ruth mit Richard gut versteht, bringt sie in Weißglut. Und dann ist da noch Richards behinderter Bruder, der ihr im Weg steht.

John M. Stahl kreierte in „Todsünde“ Szenen, die unter die Haut gehen. Einer der Höhepunkte, bei denen Ellens Boshaftigkeit zur Geltung kommt, ist die beklemmende Szene, in der Ellen gefühllos beobachtet, wie Richards Bruder im See ertrinkt. Man fühlt sich an die Rückblende in „Freitag, der 13.“ (1980) erinnert, in der Jason als Kind dasselbe Schicksal ereilt. Möglich, dass sich Regisseur Sean S. Cunningham von der Szene in „Todsünde“ inspirieren ließ.

Ziemlich gewagt für die damalige Zeit ist auch die Szene, in der Ellen in Richards Bett kriecht, um ihn „in Stimmung“ zu bringen. Sie reibt sich an ihn und bläst ihm sanft ins Gesicht, während ihre eine Hand angedeutet (d.h. außerhalb des Bildes) zwischen seinen Beinen ruht. In dem Moment, in dem Richard auf ihr Spiel reagiert, wird die Situation durch seinen Bruder unterbrochen, der gegen die Wand klopft. Enttäuscht steht Ellen wieder auf.

Bei „Leave her to Heaven“ darf die Farbgebung keineswegs unerwähnt bleiben. Es handelt sich nicht einfach um einen gewöhnlichen Farbfilm. Kameramann Leon Shamroy setzte Beleuchtung und Farbe so ein, dass die Szenen teilweise fast schon surreal wirken. Das farbliche Scheinwerferlicht schafft beinahe traumartige, geheimnisvolle Hintergründe, eine Methode, die der berühmte italienische Horrorregisseur Mario Bava 20 Jahre später wieder aufnehmen sollte.

Die spezielle Farbgebung des Films erinnert teilweise an die späteren Filme Mario Bavas; „Leave her to Heaven“ (1945); © 20th Century Fox

Selbst die Musik wirkt ungeheuer modern. Von Anfang an deutet Filmkomponist Alfred Newman durch tiefe, eindringliche Tonfolgen die düstere Bedrohung an, die sich im Laufe des Films zunehmend verdichtet und schafft dabei eine Musik, die auch in heutigen Thrillern ohne weiteres verwendet werden könnte. Bei der angedeuteten Sexszene sowie bei der Szene, in der Richards Bruder ertrinkt, bleibt die Musik ganz weg, wodurch das Geschehen noch intensiver wirkt. Die damaligen Zuschauer müssen wie gebannt auf die Leinwand gestarrt haben.

Wie auch in „Laura“, so spielt in „Todsünde“ Vincent Price eine Nebenrolle. War er in „Laura“ ein schlaksiger Freund der Familie, der als einer der Verdächtigen galt, so spielt er hier einen Staatsanwalt, der sich an Richard rächen möchte, da dieser ihm seine Verlobte (Ellen) weggenommen hat.

Kurz und knapp: „Todsünde“ ist ein teils subtiler, teils beklemmender Thriller, der auch heute nichts von seiner Wirkung verloren hat.

Todsünde (OT: Leave her to Heaven); Regie: John M. Stahl, Drehbuch: Jo Swerling, Produktion: William H. Bacher, Darsteller: Gene Tierney, Cornel Wilde, Jeanne Crain, Vincent Price. USA 1945

The 80s: Wiedersehen mit Brideshead (1981)

Sebastian (Anthony Andrews), Julia (Diana Quick) und Charles (Jeremy Irons); „Wiedersehen in Brideshead (1981); © New KSM/Granada International

Wer den Roman „Wiedersehen mit Brideshead“ von Evelyn Waugh gelesen hat, vergisst diese unvergleichliche Familiengeschichte nicht so schnell wieder. Die wundervolle Geschichte des Studenten und späteren Malers Charles Ryder, der in die diversen Konflikte der Familie Flyte durch seine Freundschaft mit Sebastian Flyte hineingezogen wird, ist komisch und tragisch zugleich, halb Satire, halb Drama und stets umgeben von einer sanften Melancholie.

Ende der 70er Jahre nahm sich die englische Produktionsfirma Granada dieses Stoffes an und schuf daraus eine siebenteilige Serie, die gleich mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnungen erhielt die Serie zurecht. Denn mit absoluter Sicherheit handelt es sich dabei um eine der besten Literaturverfilmugen überhaupt.

Cover der Jubiläumsausgabe

Während des Zweiten Weltkriegs wird Charles Ryder zu einem neuen Stützpunkt versetzt, in der Erwartung, bald an die Front zu müssen. Der neue Stützpunkt befindet sich direkt bei Brideshead, dem Haus, in dem er in den 20er und 30er Jahren nicht nur immer wieder Gast war, sondern im engen Kontakt zur Familie Flyte stand. Er erinnert sich an seine enge Freundschaft mit Sebastian, die jedoch aufgrund dessen Trunksucht zu Bruch ging, und an seine Beziehung zu Sebastians Schwester Julia. Der strenge Katholizismus der Mutter führte dazu, dass sich ihr Mann nach Venedig absetzte, wo er seitdem mit seiner Geliebten lebt. Auch die Kinder leiden unter dem religiös geprägten Verhalten der Mutter, was zu weiteren Konflikten führt.

Das größte Problem aber ist Sebastians zunehmender Alkoholismus, der die Familie auf eine weitere harte Probe stellt, weswegen die Hoffnungen auf Charles liegen. Dieser ist jedoch hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe zu Sebastian und den Erwartungen der Mutter. Als er diese nicht erfüllen kann, verstößt ihn die Mutter aus dem Haus. Doch zehn Jahre später begegnet er Julia auf einem Passagierschiff, was ihn erneut in Beziehung zur Familie Flyte bringt …

10 Jahre später; „Wiedersehen in Brideshead (1981); © New KSM/Granada International

Das Drehbuch, das vom englischen Schriftsteller John Mortimer verfasst wurde, wurde mehrfach umgeschrieben, bis es sich exakt an der Romanvorlage orientierte. Sogar die meisten Dialoge wurden aus dem Roman übernommen. Die Dreharbeiten dauerten insgesamt eineinhalb Jahre, da sie zwischendurch unterbrochen werden mussten. Jeremy Irons, der Charles Ryder spielt, arbeitete parallel dazu an einem Spielfilm, sodass er nicht immer zur Verfügung stand. Auch wurde der Regisseur zwischendurch gewechselt. Begann Michael Lindsay-Hogg mit den Dreharbeiten, so übernahm diese später der noch eher unerfahrene Charles Sturridge. Gedreht wurde in Oxford, Venedig, auf der Queen Elisabeth 2 und in Marokko. Castle Howard diente als Brideshead House.

Wie oben schon bemerkt, ist die Verfilmung des Romans von Evelyn Waugh über alle Maßen gut, dass man sie sich gerne immer wieder ansieht, genauso wie man den Roman immer wieder zur Hand nimmt, da die Geschichte von Charles Ryder und der Familie Flyte jedes Mal sehr bewegend, doch zugleich durchzogen ist von einem herrlichen Witz. Nicht nur die Hauptfiguren lassen einem nicht mehr los, sondern auch die Nebenfiguren, allen voran der exzentrische Anthony Blanche (hervorragend gespielt von Nickolas Grace) bleiben für immer im Gedächtnis.

Wie schon erwähnt, spielt Jeremy Irons, der damals noch am Anfang seiner Karriere stand, Charles Ryder. Sebastian wird von Anthony Andrews gespielt, Julia von Diana Quick und der älteste Sohn Lord Brideshead von Simon Jones, der u. a. auch durch seine Rolle des Arthur Dent in der Mini-Serie „Per Anhalter durch die Galaxis“ (1981) bekannt ist. Mit von der Partie sind ebenfalls Laurence Olivier als Vater, Claire Bloom als Mutter und John Gielgud als Charles‘ Vater.

In England zählt die TV-Serie längst zu den (Fernsehfilm-)Klassikern, in Deutschland jedoch ist sie leider fast völlig in Vergessenheit geraten.

Wiedersehen mit Brideshead (OT: Brideshead Rivisited). Regie: Michael Lindsay-Hogg, Charles Sturridge, Drehbuch: John Mortimer, Darsteller: Jeremy Irons, Anthony Andrews, Dians Quick, Simon Jones, Laurence Olivier, Claire Bloom, John Gielgud. England 1981

 

FuBs Klassikbox: Ich beichte (1953)

Michael Logan (Montgomery Clift) im inneren Konflikt; „I Confess“ (1953); © Warner Bros.

Spannend, spannender, am spannendsten. „I Confess“, Hitchcocks vorletzter Schwarzweißfilm, sollte man nur genießen, wenn man Beruhigungstropfen in der Nähe stehen hat. Für viele Kritiker zählt der Film, der in Deutschland auch unter dem Titel „Zum Schweigen verurteilt“ bekannt ist, zu den besten Arbeiten des Meisterregisseurs.

Die Handlung spielt in Quebec. Eines nachts wird der junge Priester Michael Logan von Otto Keller aufgesucht, der im Pfarrhaus als Hausmeister angestellt ist und bei dem Anwalt Villette als Gärtner arbeitet. Otto möchte beichten. Bei der Beichte erzählt er Logan etwas Ungeheuerliches: er habe vorhin Villette ermordet. Was Otto nicht erwähnt, ist, dass er als Priester verkleidet die Kanzlei aufgesucht hat. Als die Polizei erste Zeugen vernimmt, fällt der Verdacht auf Pfarrer Logan. Besonders verdächtig ist, dass er sich am Morgen nach der Tat mit einer Frau vor dem Haus des Anwalts getroffen hat. Denn auch Ruth Grandfort hätte einen guten Grund gehabt, den Anwalt zu töten.

Logan kann sich nicht gegen den Verdacht wehren, da er an das Beichtgeheimnis gebunden ist. Die Polizei nimmt ihn immer mehr in die Mangel. Schließlich droht ihm sogar die Todesstrafe, während Otto das Geschehen mit zunehmender Schadenfreude beobachtet.

Wie schon gesagt, wenn man sich diesen Film anschaut, sollte man darauf achten, dass einem der Puls nicht bis hoch zur Decke springt. Doch gehört „I Confess“ nicht nur zu den spannendsten Filmen Hitchcocks, sondern weist zudem noch eine erstklassige Optik auf, die teilweise an den deutschen Expressionismus erinnert. Zugleich ist „Ich beichte“ einer der düstersten und ernstesten Filme Hitchcocks. Es geht um Menschen, die in ihrer Existenz völlig an den Rand gedrängt werden und keinen Ausweg mehr finden, was dazu führt, dass sich mit den Krimielementen noch ein meisterhaft in Szene gesetztes Drama verbindet.

Bootsfahrt ins Unglück: Ruth Grandfort (Anne Baxter) zusammen mit ihrem früheren Freund Michael Logan (Montgomery Clift); „I Confess“ (1953); © Warner Bros.

Hervorragend gespielt wird Otto Keller vom deutschen Schauspieler O. E. Hasse, der der Rolle eine großartige Mischung aus Verzweiflung und Wahnsinn verleiht. Wie ein bösartiger Dämon schwirrt er ständig um Michael Logan (gespielt von Montgomery Clift) herum, ohne dass dieser sich wehren kann. Es ist einfach großartig, welche Kraft Montgomery Clift der Rolle verleiht, die man ihm in jeder einzelnen Sekunde abnimmt. Eisern hält er sich an die Regel des Gelübdes und ist sogar bereit, dafür zu sterben. Gleichzeitig zeigt er geradezu vollendet den inneren Konflikt, in dem er sich befindet und wie er manchmal kurz davor steht, das Geheimnis, an das er gebunden ist, doch zu brechen.

„I Confess“ gehört zu den packendsten und aufwühlensten Filmen, die ich kenne. Eine großartige Mischung aus düsterem Drama und Krimi, die einen vollkommen mitreißt. Damals waren viele Kritiker über den Film eher weniger begeistert. Erst nach und nach wurde die absolute Meisterschaft, die „Ich beichte“ in sich trägt, erkannt.

Ich beichte (AT: Zum Scheigen verdammt/OT: I Confess). Regie u.  Produktion: Alfred Hitchcock, Drehbuch: George Tabori, Darsteller: Montgomery Clift, Anne Baxter, O. E. Hasse, Karl Malden. USA 1953. 91 Min.

FuBs Klassikbox: Ladykillers (1955)

In „guter“ Gesellschaft; „Ladykilles (1955); © Arthouse

Man nehme eine alte, allein stehende Frau und eine Gruppe Verbrecher, die eine Wohnung im oberen Stock mieten. Mit dem Film „Ladykillers“ schuf Regisseur Alexander Mackendrick einen Meilenstein des schwarzen Humors.

Es geht um Mrs. Wilberforce, die eines Tages unerwarteten Besuch erhält. Ein gewisser Professor Marcus fragt, ob er zusammen mit seinem Streicherquartett die Wohnung im oberen Stock mieten dürfe, um dort für ihre Auftritte zu üben. Mrs. Wilberforce hat keine Ahnung, dass die Männer alles andere als Musiker sind. Denn der Psychopath Prof. Marcus und seine „Freunde“ planen, einen Geldtransporter auszurauben. Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind längst zum Klassiker des britschen Humors geworden.

Für die damals 77-jährige Katie Johnson, die Mrs. Wilberforce spielt, war dies die erste Hauptrolle überhaupt. Bis dahin hatte sie ihr Leben als Schauspielerin mit Nebenrollen verbracht. Ihre Darstellung der zierlichen, alten Dame, die nicht glaubt, dass unter ihrem Dach Verbrecher der übelsten Sorte leben, ist und bleibt unvergesslich.

Nicht weniger unvergesslich ist das Ensemble, aus dem sich die Bande zusammenfügt: Alec Guinnes als Professor Marcus ist einfach einzigartig. Kein anderer Schauspieler kam bisher auf dieses Niveau, gekonnt überspitzt und ironisch zugleich einen wirklich gruseligen Psychopathen darzustellen. Ihm zur Seite stehen Herbert Lom, Cecil Parker, Peter Sellers und Danny Green.

Die Spannung und der Witz ergeben sich daraus, dass die Bande Mrs. Wilberforce ermorden möchte, da sie das gestohlene Geld ohne wenn und aber zur Polizei bringen möchte. Doch bei den Versuchen, die Tat umzusetzen, verzweifeln die Verbrecher mehr und mehr, was dazu führt, dass sie sich untereinander nicht mehr vertrauen. Jeder möchte das Geld ganz für sich behalten, während die Polizei glaubt, dass sich Mrs. Wilberforce alles nur einbildet.

Prof. Marcus und sein Streichquartett; „Ladykilles“ (1955); © Arthouse

Wer einmal „Ladykillers“ gesehen hat, behält diesen Film für ewig im Kopf. Diese wunderbaren und nicht weniger großartigen schauspielerischen Leistungen der Darsteller suchen bis heute ihresgleichen. Es ist jedes Mal von neuem ein wahrer Genuss, das Spiel zu beobachten. Dabei ist der Film genauso für Krimi- als auch für Komödienfans ein Fest, denn die Handlung ist genauso spannend wie witzig.

Stets ist da die unheimliche, ja fast schon beklemmende Bedrohung, die von Professor Marcus und seiner Bande ausgeht, doch jedes Mal schleicht sich in diese düstere Szenerie dieser herrliche, teils ironische, teils situationskomische Humor. Wie schon gesagt: „Ladykillers“ ist schlicht und ergreifend ein unvergessliches Filmvergnügen.

Ladykillers (OT: The Ladykillers). Regie: Alexander Mackendrick, Drehbuch: William Rose, Produktion: Michael Balcon, Darsteller: Alec Guinness, Katie Johnson, Herbert Lom, Peter Sellers, Cecil Parker, Danny Green. Englang 1955

FuBs Klassikbox: Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (1959)

Die Dinos haben Hunger; „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (1959); © 20th Century Fox

„Halt den Mund, Weib, sonst drehen wir die Szene zehn weitere Male!“, soll James Mason zu Arlene Dahl gesagt haben, die während des Drehs auf einem Floß Angst vor dem vielen Wasser bekommen hatte, mit dem die Crew die Schauspieler bespritzte. Die Aufnahme übernahm Regisseur Henry Levin in die Endfassung seines neuesten Films, wobei das, was Mason sagte, natürlich mit einem anderen Satz überspielt wurde.

Mit dem neuesten Film war „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ gemeint. Nach dem Welterfolg von „20.000 Meilen unter dem Meer“ (1954) zählt Henry Levins Adaption ebenfalls zu den absoluten Klassikern von Jules Verne-Verfilmungen. Auch wenn sich der Film nicht ganz an die literarische Vorlage hält, so ist sie dennoch eine wunderbare Mischung aus Abenteuer- und Science Fiction-Film.

Wohin führt dieser Weg?; „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (1959); © 20th Century Fox

Wie der Titel bereits sagt, geht es um eine Expedition ins Innere der Erde. Oliver Lindenbrook erhält von seinem Studenten Alec einen Lavastein, in dem sich ein Senkblei befindet. Auf dem Objekt befindet sich eine Botschaft des schwedischen Gelehrten Arne Saknussemm, der vor 300 Jahren spurlos verschwunden ist. Alecs Fund nimmt Lindenbrook zum Anlass, selbst den Mittelpunkt der Erde aufzusuchen. Zusammen mit Alec, der Witwe Carla Goetaborg und dem Isländer Hans machen sie sich auf den Weg …

„Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ ist überaus spannend in Szene gesetzt und fasziniert jedes Mal aufs Neue mit seinen wundervoll gestalteten Kulissen. Die Salzwüste mit den sonderbaren Wurzeln, die Kristallhöhle oder – am wohl berühmtesten – der Wald aus Riesenpilzen, all das begeistert immer wieder – und natürlich der unterirdische Ozean, auf dem Arlene Dahl ihre Panikattacke bekommen hat (gedreht wurde in einem Pool). Natürlich kommen dabei auch der Humor und die Action nicht zu kurz – hierbei darf man den rollenden Felsen nicht verschweigen, auf den Spielberg später in „Indiana Jones“ nochmals Bezug nahm. Nicht zu vergessen die Leguane, die mit den aufgeklebten Rückenschildern als Dinosaurier herhalten mussten.

Eigentlich hätte der berühmte Schauspieler Clifton Webb die Rolle des Oliver Lindenbrook übernehmen sollen (vom Aussehen her hätte er wunderbar in die Rolle gepasst), doch wurde er kurz vor Beginn der Dreharbeiten schwer krank. Aus dem Grund engagierte Henry Levin James Mason, der zuvor bereits Kapitän Nemo in „20.000 Meilen unter dem Meer“ gespielt hatte und somit bereits Jules Verne-erprobt war. Alec wurde von dem Sänger Pat Boone dargestellt, der damals fast genauso bekannt wie Elvis war. Arlene Dahl, die Carla Goetaborg spielt, galt damals als eine der schönsten Frauen. Der schwedische Zehnkämpfer Peter Ronson spielte den Isländer Hans – es war sein einziger Ausflug ins Filmgeschäft. Trotz weiterer Rollenangebote konzentrierte er sich danach wieder auf den Sport. Nicht vergessen darf man den eigentlichen Star des Films, die Ente Gertrud, die im Roman zwar nicht vorkommt, aber für viele heitere Momente sorgt.

„Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ wurde wie auch schon „20.000 Meilen unter dem Meer“ zu einem Riesenerfolg. Zudem war er mehrfach für den Oscar nominiert, erhielt jedoch keine der Trophäen.

Horror de Luxe: The Asphyx (1972)

Cunningham (Robert Stevens) und sein Adoptivsohn Giles (Robert Powell) beim Experiment. „The Asphyx“ (1972); © Ostalgica/BBC

Die Hammer-Film-Productions waren gerade im Niedergang, als es David Leans Kameramännern einfiel, einen Horrorfilm im Stil von Hammer zu kreieren. Das Ergebnis war die außergewöhnliche Produktion „The Asphyx“, in England ein Klassiker, in Deutschland so gut wie unbekannt.

Der Film handelt von Sir Hugo Cummingham, der Ende des 19. Jahrhunderts mit seiner Kamera herumexperimentiert. Er ist Mitglied einer parapsychologischen Gesellschaft, die das Übernatürliche wissenschaftlich erfassen möchte. Auf mehreren seiner Fotos, auf denen sterbende Menschen zu sehen sind, entdeckt Cummingham einen sonderbaren dunklen Fleck. Sofort ist das makabre Interesse des Hobby-Wissenschaftlers geweckt und er beschließt, weitere Fotos von Menschen zu machen, die gerade im Sterben liegen.

Als er eine Hinrichtung filmt, kommt es zu einem unheimlichen Zwischenfall. Durch den Lichtverstärker, den Cummingham benutzt, ist plötzlich ein unheimliches Wesen zu sehen, das sich dem Verurteilten nähern möchte. Cummingham kommt auf die Idee, bei der nächsten Gelegenheit, ein solches Wesen zu fangen. Doch hat er nicht mit den Konsequenzen gerechnet, die seine Aktion mit sich bringt …

„The Asphyx“ ist ein unglaublich origineller Film, der in gewisser Weise Steampunk mit den Elementen des Gothic Horror mischt. Dabei schreitet die Handlung rasant voran, ein Zwischenfall folgt dem nächsten – und parallel dazu nimmt ein weiteres, damit verbundenes Drama seinen unheilvollen Lauf: denn Cunningham zerstört durch seine Experimente mehr und mehr das Glück seiner Familie.

Sowohl Peter Newbrook, der Regie führte, als auch Freddie Young, der hinter der Kamera stand, gehörten zur Stammcrew des berühmten Regisseurs David Lean. Was beide dazu gebracht hat, gemeinsam einen Horrorfilm zu drehen, sei einmal dahingestellt. Das Ergebnis lässt sich allerdings sehen. Die ungewöhnliche Thematik des Films umgibt die Handlung mit einem morbid-düsteren Unterton.

Nicht, dass der Film brutal wäre. Es geht um das Spiel mit grundlegenden moralischen Empfindungen und um die Diskussion um moralische Werte an sich. Was darf man, was nicht – im postmodernen Horrorkino rückte diese Fragestellung und ihre unterschiedliche Betrachtungsweise ins Zentrum der Handlung. So auch bei „The Asphyx“. Zwar ist es bei Cummingham zunächst rein wissenschaftliche Neugier, mit der er sein Handeln rechtfertigt, doch auch in der Wissenschaft stellt sich die oben genannte moralische Frage.

„The Asphyx“ wird dadurch zu einem überraschend tiefgründigen Film, der diese Tiefe mit einer überaus unterhaltsamen und spannenden Handlung verbindet. Erst 1988 kam der Film in Deutschland auf Video heraus. Kurz: sehr sehenswert.