The 80s: Wiedersehen mit Brideshead (1981)

Sebastian (Anthony Andrews), Julia (Diana Quick) und Charles (Jeremy Irons); „Wiedersehen in Brideshead (1981); © New KSM/Granada International

Wer den Roman „Wiedersehen mit Brideshead“ von Evelyn Waugh gelesen hat, vergisst diese unvergleichliche Familiengeschichte nicht so schnell wieder. Die wundervolle Geschichte des Studenten und späteren Malers Charles Ryder, der in die diversen Konflikte der Familie Flyte durch seine Freundschaft mit Sebastian Flyte hineingezogen wird, ist komisch und tragisch zugleich, halb Satire, halb Drama und stets umgeben von einer sanften Melancholie.

Ende der 70er Jahre nahm sich die englische Produktionsfirma Granada dieses Stoffes an und schuf daraus eine siebenteilige Serie, die gleich mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnungen erhielt die Serie zurecht. Denn mit absoluter Sicherheit handelt es sich dabei um eine der besten Literaturverfilmugen überhaupt.

Cover der Jubiläumsausgabe

Während des Zweiten Weltkriegs wird Charles Ryder zu einem neuen Stützpunkt versetzt, in der Erwartung, bald an die Front zu müssen. Der neue Stützpunkt befindet sich direkt bei Brideshead, dem Haus, in dem er in den 20er und 30er Jahren nicht nur immer wieder Gast war, sondern im engen Kontakt zur Familie Flyte stand. Er erinnert sich an seine enge Freundschaft mit Sebastian, die jedoch aufgrund dessen Trunksucht zu Bruch ging, und an seine Beziehung zu Sebastians Schwester Julia. Der strenge Katholizismus der Mutter führte dazu, dass sich ihr Mann nach Venedig absetzte, wo er seitdem mit seiner Geliebten lebt. Auch die Kinder leiden unter dem religiös geprägten Verhalten der Mutter, was zu weiteren Konflikten führt.

Das größte Problem aber ist Sebastians zunehmender Alkoholismus, der die Familie auf eine weitere harte Probe stellt, weswegen die Hoffnungen auf Charles liegen. Dieser ist jedoch hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe zu Sebastian und den Erwartungen der Mutter. Als er diese nicht erfüllen kann, verstößt ihn die Mutter aus dem Haus. Doch zehn Jahre später begegnet er Julia auf einem Passagierschiff, was ihn erneut in Beziehung zur Familie Flyte bringt …

10 Jahre später; „Wiedersehen in Brideshead (1981); © New KSM/Granada International

Das Drehbuch, das vom englischen Schriftsteller John Mortimer verfasst wurde, wurde mehrfach umgeschrieben, bis es sich exakt an der Romanvorlage orientierte. Sogar die meisten Dialoge wurden aus dem Roman übernommen. Die Dreharbeiten dauerten insgesamt eineinhalb Jahre, da sie zwischendurch unterbrochen werden mussten. Jeremy Irons, der Charles Ryder spielt, arbeitete parallel dazu an einem Spielfilm, sodass er nicht immer zur Verfügung stand. Auch wurde der Regisseur zwischendurch gewechselt. Begann Michael Lindsay-Hogg mit den Dreharbeiten, so übernahm diese später der noch eher unerfahrene Charles Sturridge. Gedreht wurde in Oxford, Venedig, auf der Queen Elisabeth 2 und in Marokko. Castle Howard diente als Brideshead House.

Wie oben schon bemerkt, ist die Verfilmung des Romans von Evelyn Waugh über alle Maßen gut, dass man sie sich gerne immer wieder ansieht, genauso wie man den Roman immer wieder zur Hand nimmt, da die Geschichte von Charles Ryder und der Familie Flyte jedes Mal sehr bewegend, doch zugleich durchzogen ist von einem herrlichen Witz. Nicht nur die Hauptfiguren lassen einem nicht mehr los, sondern auch die Nebenfiguren, allen voran der exzentrische Anthony Blanche (hervorragend gespielt von Nickolas Grace) bleiben für immer im Gedächtnis.

Wie schon erwähnt, spielt Jeremy Irons, der damals noch am Anfang seiner Karriere stand, Charles Ryder. Sebastian wird von Anthony Andrews gespielt, Julia von Diana Quick und der älteste Sohn Lord Brideshead von Simon Jones, der u. a. auch durch seine Rolle des Arthur Dent in der Mini-Serie „Per Anhalter durch die Galaxis“ (1981) bekannt ist. Mit von der Partie sind ebenfalls Laurence Olivier als Vater, Claire Bloom als Mutter und John Gielgud als Charles‘ Vater.

In England zählt die TV-Serie längst zu den (Fernsehfilm-)Klassikern, in Deutschland jedoch ist sie leider fast völlig in Vergessenheit geraten.

Wiedersehen mit Brideshead (OT: Brideshead Rivisited). Regie: Michael Lindsay-Hogg, Charles Sturridge, Drehbuch: John Mortimer, Darsteller: Jeremy Irons, Anthony Andrews, Dians Quick, Simon Jones, Laurence Olivier, Claire Bloom, John Gielgud. England 1981

 

FuBs Klassikbox: Ich beichte (1953)

Michael Logan (Montgomery Clift) im inneren Konflikt; „I Confess“ (1953); © Warner Bros.

Spannend, spannender, am spannendsten. „I Confess“, Hitchcocks vorletzter Schwarzweißfilm, sollte man nur genießen, wenn man Beruhigungstropfen in der Nähe stehen hat. Für viele Kritiker zählt der Film, der in Deutschland auch unter dem Titel „Zum Schweigen verurteilt“ bekannt ist, zu den besten Arbeiten des Meisterregisseurs.

Die Handlung spielt in Quebec. Eines nachts wird der junge Priester Michael Logan von Otto Keller aufgesucht, der im Pfarrhaus als Hausmeister angestellt ist und bei dem Anwalt Villette als Gärtner arbeitet. Otto möchte beichten. Bei der Beichte erzählt er Logan etwas Ungeheuerliches: er habe vorhin Villette ermordet. Was Otto nicht erwähnt, ist, dass er als Priester verkleidet die Kanzlei aufgesucht hat. Als die Polizei erste Zeugen vernimmt, fällt der Verdacht auf Pfarrer Logan. Besonders verdächtig ist, dass er sich am Morgen nach der Tat mit einer Frau vor dem Haus des Anwalts getroffen hat. Denn auch Ruth Grandfort hätte einen guten Grund gehabt, den Anwalt zu töten.

Logan kann sich nicht gegen den Verdacht wehren, da er an das Beichtgeheimnis gebunden ist. Die Polizei nimmt ihn immer mehr in die Mangel. Schließlich droht ihm sogar die Todesstrafe, während Otto das Geschehen mit zunehmender Schadenfreude beobachtet.

Wie schon gesagt, wenn man sich diesen Film anschaut, sollte man darauf achten, dass einem der Puls nicht bis hoch zur Decke springt. Doch gehört „I Confess“ nicht nur zu den spannendsten Filmen Hitchcocks, sondern weist zudem noch eine erstklassige Optik auf, die teilweise an den deutschen Expressionismus erinnert. Zugleich ist „Ich beichte“ einer der düstersten und ernstesten Filme Hitchcocks. Es geht um Menschen, die in ihrer Existenz völlig an den Rand gedrängt werden und keinen Ausweg mehr finden, was dazu führt, dass sich mit den Krimielementen noch ein meisterhaft in Szene gesetztes Drama verbindet.

Bootsfahrt ins Unglück: Ruth Grandfort (Anne Baxter) zusammen mit ihrem früheren Freund Michael Logan (Montgomery Clift); „I Confess“ (1953); © Warner Bros.

Hervorragend gespielt wird Otto Keller vom deutschen Schauspieler O. E. Hasse, der der Rolle eine großartige Mischung aus Verzweiflung und Wahnsinn verleiht. Wie ein bösartiger Dämon schwirrt er ständig um Michael Logan (gespielt von Montgomery Clift) herum, ohne dass dieser sich wehren kann. Es ist einfach großartig, welche Kraft Montgomery Clift der Rolle verleiht, die man ihm in jeder einzelnen Sekunde abnimmt. Eisern hält er sich an die Regel des Gelübdes und ist sogar bereit, dafür zu sterben. Gleichzeitig zeigt er geradezu vollendet den inneren Konflikt, in dem er sich befindet und wie er manchmal kurz davor steht, das Geheimnis, an das er gebunden ist, doch zu brechen.

„I Confess“ gehört zu den packendsten und aufwühlensten Filmen, die ich kenne. Eine großartige Mischung aus düsterem Drama und Krimi, die einen vollkommen mitreißt. Damals waren viele Kritiker über den Film eher weniger begeistert. Erst nach und nach wurde die absolute Meisterschaft, die „Ich beichte“ in sich trägt, erkannt.

Ich beichte (AT: Zum Scheigen verdammt/OT: I Confess). Regie u.  Produktion: Alfred Hitchcock, Drehbuch: George Tabori, Darsteller: Montgomery Clift, Anne Baxter, O. E. Hasse, Karl Malden. USA 1953. 91 Min.

FuBs Klassikbox: Ladykillers (1955)

In „guter“ Gesellschaft; „Ladykilles (1955); © Arthouse

Man nehme eine alte, allein stehende Frau und eine Gruppe Verbrecher, die eine Wohnung im oberen Stock mieten. Mit dem Film „Ladykillers“ schuf Regisseur Alexander Mackendrick einen Meilenstein des schwarzen Humors.

Es geht um Mrs. Wilberforce, die eines Tages unerwarteten Besuch erhält. Ein gewisser Professor Marcus fragt, ob er zusammen mit seinem Streicherquartett die Wohnung im oberen Stock mieten dürfe, um dort für ihre Auftritte zu üben. Mrs. Wilberforce hat keine Ahnung, dass die Männer alles andere als Musiker sind. Denn der Psychopath Prof. Marcus und seine „Freunde“ planen, einen Geldtransporter auszurauben. Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, sind längst zum Klassiker des britschen Humors geworden.

Für die damals 77-jährige Katie Johnson, die Mrs. Wilberforce spielt, war dies die erste Hauptrolle überhaupt. Bis dahin hatte sie ihr Leben als Schauspielerin mit Nebenrollen verbracht. Ihre Darstellung der zierlichen, alten Dame, die nicht glaubt, dass unter ihrem Dach Verbrecher der übelsten Sorte leben, ist und bleibt unvergesslich.

Nicht weniger unvergesslich ist das Ensemble, aus dem sich die Bande zusammenfügt: Alec Guinnes als Professor Marcus ist einfach einzigartig. Kein anderer Schauspieler kam bisher auf dieses Niveau, gekonnt überspitzt und ironisch zugleich einen wirklich gruseligen Psychopathen darzustellen. Ihm zur Seite stehen Herbert Lom, Cecil Parker, Peter Sellers und Danny Green.

Die Spannung und der Witz ergeben sich daraus, dass die Bande Mrs. Wilberforce ermorden möchte, da sie das gestohlene Geld ohne wenn und aber zur Polizei bringen möchte. Doch bei den Versuchen, die Tat umzusetzen, verzweifeln die Verbrecher mehr und mehr, was dazu führt, dass sie sich untereinander nicht mehr vertrauen. Jeder möchte das Geld ganz für sich behalten, während die Polizei glaubt, dass sich Mrs. Wilberforce alles nur einbildet.

Prof. Marcus und sein Streichquartett; „Ladykilles“ (1955); © Arthouse

Wer einmal „Ladykillers“ gesehen hat, behält diesen Film für ewig im Kopf. Diese wunderbaren und nicht weniger großartigen schauspielerischen Leistungen der Darsteller suchen bis heute ihresgleichen. Es ist jedes Mal von neuem ein wahrer Genuss, das Spiel zu beobachten. Dabei ist der Film genauso für Krimi- als auch für Komödienfans ein Fest, denn die Handlung ist genauso spannend wie witzig.

Stets ist da die unheimliche, ja fast schon beklemmende Bedrohung, die von Professor Marcus und seiner Bande ausgeht, doch jedes Mal schleicht sich in diese düstere Szenerie dieser herrliche, teils ironische, teils situationskomische Humor. Wie schon gesagt: „Ladykillers“ ist schlicht und ergreifend ein unvergessliches Filmvergnügen.

Ladykillers (OT: The Ladykillers). Regie: Alexander Mackendrick, Drehbuch: William Rose, Produktion: Michael Balcon, Darsteller: Alec Guinness, Katie Johnson, Herbert Lom, Peter Sellers, Cecil Parker, Danny Green. Englang 1955

FuBs Klassikbox: Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (1959)

Die Dinos haben Hunger; „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (1959); © 20th Century Fox

„Halt den Mund, Weib, sonst drehen wir die Szene zehn weitere Male!“, soll James Mason zu Arlene Dahl gesagt haben, die während des Drehs auf einem Floß Angst vor dem vielen Wasser bekommen hatte, mit dem die Crew die Schauspieler bespritzte. Die Aufnahme übernahm Regisseur Henry Levin in die Endfassung seines neuesten Films, wobei das, was Mason sagte, natürlich mit einem anderen Satz überspielt wurde.

Mit dem neuesten Film war „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ gemeint. Nach dem Welterfolg von „20.000 Meilen unter dem Meer“ (1954) zählt Henry Levins Adaption ebenfalls zu den absoluten Klassikern von Jules Verne-Verfilmungen. Auch wenn sich der Film nicht ganz an die literarische Vorlage hält, so ist sie dennoch eine wunderbare Mischung aus Abenteuer- und Science Fiction-Film.

Wohin führt dieser Weg?; „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (1959); © 20th Century Fox

Wie der Titel bereits sagt, geht es um eine Expedition ins Innere der Erde. Oliver Lindenbrook erhält von seinem Studenten Alec einen Lavastein, in dem sich ein Senkblei befindet. Auf dem Objekt befindet sich eine Botschaft des schwedischen Gelehrten Arne Saknussemm, der vor 300 Jahren spurlos verschwunden ist. Alecs Fund nimmt Lindenbrook zum Anlass, selbst den Mittelpunkt der Erde aufzusuchen. Zusammen mit Alec, der Witwe Carla Goetaborg und dem Isländer Hans machen sie sich auf den Weg …

„Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ ist überaus spannend in Szene gesetzt und fasziniert jedes Mal aufs Neue mit seinen wundervoll gestalteten Kulissen. Die Salzwüste mit den sonderbaren Wurzeln, die Kristallhöhle oder – am wohl berühmtesten – der Wald aus Riesenpilzen, all das begeistert immer wieder – und natürlich der unterirdische Ozean, auf dem Arlene Dahl ihre Panikattacke bekommen hat (gedreht wurde in einem Pool). Natürlich kommen dabei auch der Humor und die Action nicht zu kurz – hierbei darf man den rollenden Felsen nicht verschweigen, auf den Spielberg später in „Indiana Jones“ nochmals Bezug nahm. Nicht zu vergessen die Leguane, die mit den aufgeklebten Rückenschildern als Dinosaurier herhalten mussten.

Eigentlich hätte der berühmte Schauspieler Clifton Webb die Rolle des Oliver Lindenbrook übernehmen sollen (vom Aussehen her hätte er wunderbar in die Rolle gepasst), doch wurde er kurz vor Beginn der Dreharbeiten schwer krank. Aus dem Grund engagierte Henry Levin James Mason, der zuvor bereits Kapitän Nemo in „20.000 Meilen unter dem Meer“ gespielt hatte und somit bereits Jules Verne-erprobt war. Alec wurde von dem Sänger Pat Boone dargestellt, der damals fast genauso bekannt wie Elvis war. Arlene Dahl, die Carla Goetaborg spielt, galt damals als eine der schönsten Frauen. Der schwedische Zehnkämpfer Peter Ronson spielte den Isländer Hans – es war sein einziger Ausflug ins Filmgeschäft. Trotz weiterer Rollenangebote konzentrierte er sich danach wieder auf den Sport. Nicht vergessen darf man den eigentlichen Star des Films, die Ente Gertrud, die im Roman zwar nicht vorkommt, aber für viele heitere Momente sorgt.

„Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ wurde wie auch schon „20.000 Meilen unter dem Meer“ zu einem Riesenerfolg. Zudem war er mehrfach für den Oscar nominiert, erhielt jedoch keine der Trophäen.

Horror de Luxe: The Asphyx (1972)

Cunningham (Robert Stevens) und sein Adoptivsohn Giles (Robert Powell) beim Experiment. „The Asphyx“ (1972); © Ostalgica/BBC

Die Hammer-Film-Productions waren gerade im Niedergang, als es David Leans Kameramännern einfiel, einen Horrorfilm im Stil von Hammer zu kreieren. Das Ergebnis war die außergewöhnliche Produktion „The Asphyx“, in England ein Klassiker, in Deutschland so gut wie unbekannt.

Der Film handelt von Sir Hugo Cummingham, der Ende des 19. Jahrhunderts mit seiner Kamera herumexperimentiert. Er ist Mitglied einer parapsychologischen Gesellschaft, die das Übernatürliche wissenschaftlich erfassen möchte. Auf mehreren seiner Fotos, auf denen sterbende Menschen zu sehen sind, entdeckt Cummingham einen sonderbaren dunklen Fleck. Sofort ist das makabre Interesse des Hobby-Wissenschaftlers geweckt und er beschließt, weitere Fotos von Menschen zu machen, die gerade im Sterben liegen.

Als er eine Hinrichtung filmt, kommt es zu einem unheimlichen Zwischenfall. Durch den Lichtverstärker, den Cummingham benutzt, ist plötzlich ein unheimliches Wesen zu sehen, das sich dem Verurteilten nähern möchte. Cummingham kommt auf die Idee, bei der nächsten Gelegenheit, ein solches Wesen zu fangen. Doch hat er nicht mit den Konsequenzen gerechnet, die seine Aktion mit sich bringt …

„The Asphyx“ ist ein unglaublich origineller Film, der in gewisser Weise Steampunk mit den Elementen des Gothic Horror mischt. Dabei schreitet die Handlung rasant voran, ein Zwischenfall folgt dem nächsten – und parallel dazu nimmt ein weiteres, damit verbundenes Drama seinen unheilvollen Lauf: denn Cunningham zerstört durch seine Experimente mehr und mehr das Glück seiner Familie.

Sowohl Peter Newbrook, der Regie führte, als auch Freddie Young, der hinter der Kamera stand, gehörten zur Stammcrew des berühmten Regisseurs David Lean. Was beide dazu gebracht hat, gemeinsam einen Horrorfilm zu drehen, sei einmal dahingestellt. Das Ergebnis lässt sich allerdings sehen. Die ungewöhnliche Thematik des Films umgibt die Handlung mit einem morbid-düsteren Unterton.

Nicht, dass der Film brutal wäre. Es geht um das Spiel mit grundlegenden moralischen Empfindungen und um die Diskussion um moralische Werte an sich. Was darf man, was nicht – im postmodernen Horrorkino rückte diese Fragestellung und ihre unterschiedliche Betrachtungsweise ins Zentrum der Handlung. So auch bei „The Asphyx“. Zwar ist es bei Cummingham zunächst rein wissenschaftliche Neugier, mit der er sein Handeln rechtfertigt, doch auch in der Wissenschaft stellt sich die oben genannte moralische Frage.

„The Asphyx“ wird dadurch zu einem überraschend tiefgründigen Film, der diese Tiefe mit einer überaus unterhaltsamen und spannenden Handlung verbindet. Erst 1988 kam der Film in Deutschland auf Video heraus. Kurz: sehr sehenswert.

FuBs Klassikbox: Flucht ins 23. Jahrhundert (1976)

Logan 5 (Michael York) und Jessica 6 (Jenny Agutter) auf der Flucht; „Logan’s Run“; © MGM

Eigentlich sollte der Roman „Logan’s Run“ bereits 1969 verfilmt werden. George Pal, der mit Filmen wie „Wenn Welten zusammenstoßen“ (1951) und „Die Zeitmaschine“ (1960) nicht nur extrem erfolgreiche Filme produziert hatte, sondern dadurch auch in die Filmgeschichte einging, hatte die Rechte des Romans der beiden Autoren William F. Nolan und George Clayton Johnson erworben. Allerdings zerstritt er sich mit diversen Drehbuchautoren, die alle die Story anders konzipieren wollten als Pal, sodass das Projekt letztendlich zu den Akten gelegt wurde.

Jahre später erwarb die Produktionsfirma MGM die Rechte, um von der Science Fiction-Welle weiter profitieren zu können. Obwohl sich Roman und Film sehr unterscheiden, ist das Grundthema einer ewig jungen Gesellschaft gleich. Regie führte Michael Anderson, der ein Jahr zuvor mit „Doc Savage – Der Mann aus Bronze“ einen solchen Flop hinlegte, dass sich der oben erwähnte George Pal, der den Film produziert hatte, nach und nach aus dem Filmgeschäft zurückzog.

„Logan’s Run“ oder „Flucht ins 23. Jahrhundert“, wie der deutsche Titel lautet, war ein enormer Erfolg. Bei Kosten von neun Millionen Dollar spielte er 25 Millionen Dollar ein, trotz schlechter Filmkritiken. Die Handlung spielt im Jahr 2274. Nach einer globalen Seuche, welche ein Großteil der Menschheit vernichtet hat, leben die übrigen Menschen in einer mit Glaskuppeln überdachten Stadt. Für alle Belange des Lebens ist bestens gesorgt. Allerdings dürfen die Einwohner nicht älter als 30 Jahre werden. Um dies zu kontrollieren, wird jedem Menschen eine Lebensuhr implantiert, die anfängt zu blinken, wenn die Zeit abgelaufen ist.

Diese Menschen kommen zur „Erneuerung“ ins sog. Karussell, wo sie während eines Rituals getötet werden. Menschen, die sich diesem Ritual entziehen, werden als Läufer bezeichnet und von den sog. Sandmännern gejagt und getötet. Logan 5 ist ein solcher Sandmann. Ebenso sein Freund Francis 7. Doch als Logan 5 eines Tages ein kreuzförmiges Symbol findet, das der Großcomputer, der die Stadt und das Leben darin steuert, als ein Hinweis auf einen Ort namens Zuflucht identifiziert, gibt er Logan 5 den Auftrag, nach diesem Ort zu suchen. Dabei muss er sich als Läufer tarnen, was wiederum die Sandmänner auf ihn hetzt. Zusammen mit Jessica 6, die Mitglied einer geheimen Gruppe von Läufern ist, versucht Logan 5 nicht nur Die Zuflucht zu finden, sondern auch vor den Sandmännern, allen voran Francis 7, zu entkommen.

Das Ritual der Erneuerung beginnt; „Logan’s Run“ (1976); © MGM

Damals wurde „Logan’s Run“ wegen seiner erstklassigen Kulissen gelobt – sogar die ärgsten Kritiker konnten nicht anders, als diese positiv zu beurteilen. Die Kritiken bezogen sich daher auf den Umstand, dass die Handlung auf Kosten der Action und der Spezialeffekte zu oberflächlich bleibt.

Dennoch greift der Film ein Thema auf, das heute nicht weniger aktuell ist wie damals. Es geht darum, den Tod aus der Gesellschaft auszublenden und darum, ewig jung zu bleiben. Die beiden Autoren Nolan und Johnson betrachteten ihre Idee als eine Art Satire auf die Hippie-Bewegung, die Ende der 60er Jahre voll im Gange war. Der Film geht in dieser Hinsicht einen Schritt weiter, indem er – in Ansätzen – auf das Thema Schönheits-OPs verweist, mit dem sich die Bewohner der Stadt ein anderes Aussehen verschaffen können.

Cover der im Heyne Verlag 1977 erschienenen Übersetzung

Dadurch wirkt der Film nicht weniger aktuell als damals, versuchen doch auch heute mehr und mehr Menschen, sich durch solche OPs zu verändern oder auch zu „verjüngen“. Jugendlichkeit ist sozusagen zum Zwang geworden, der nicht nur von der Werbung propagiert wird, sondern z.B. auch die Voraussetzung für eine erfolgreiche Stellensuche ist. In diesem Sinne ist auch die Gesellschaft in der Zukunftsstadt keineswegs frei, sondern unterliegt einem Zwang, der sogar zu einer Beschränkung ihrer Lebenszeit führt.

„Logan’s Run“ wird damit zum typischen Vertreter der sozialkritischen SF der 70er Jahre und ist aufgrund seines stylischen Designs zugleich ziemlich untypisch dafür. Der Film scheint selbst aus einer eher späteren Zeit zu stammen und man muss sich jedes Mal vergegenwärtigen, dass er im Jahr 1976 produziert wurde. Das macht „Flucht ins 23. Jahrhundert“ zu einem der faszinierendsten Filme der 70er Jahre.

Durch den Erfolg des Films motiviert, schrieben Nolan und Johnson zwei Fortsetzungsromane. Seit dem Jahr 2000 ist immer wieder von einem Remake die Rede, bisher wurde das Projekt jedoch nicht weiterverfolgt.

FuBs Klassikbox: Convoy (1978)

Zwei Trucker nehmen Sheriff Lyle in die Mangel; „Convoy“ (1978); © Weltkino

Regisseur Sam Packinpah war bereits durch seine Drogen- und Alkoholsucht ziemlich angeschlagen, als er mit den Dreharbeiten von „Convoy“ begann. Er brauchte unbedingt einen Kassenschlager, da seine vorangegangenen Filme gefloppt waren. Also wandte er sich dem Genre zu, in dem er sich am besten auskannte, dem Western, nur dass er statt Cowboys auf Pferden Trucker in ihren riesigen Lastwagen auf der Leinwand erscheinen ließ.

Es geht um den Truckfahrer Rubber Duck, der von dem paranoiden Sheriff Lyle jedes Mal verfolgt wird, wenn Rubber Duck durch Arizona fährt. Dieses Mal geht Lyle zuweit, als er den schwarzen Fernfahrer Spider Mike wegen Vagabundierens ins Gefängnis stecken möchte. Angeführt von Rubber Duck schließen sich immer mehr Trucker dem Konvoi an, um gegen die Willkür der Polizei anzukämpfen. Die Polizei aber lässt nicht locker und der Konflikt eskaliert.

Der erhoffte Erfolg stellte sich, trotz zahlreicher schlechter Kritiken, tatsächlich ein. Mit Produktionskosten von 12 Millionen Dollar zählte „Convoy“ damals zu den teuersten Filmen. An den Kinokassen spielte er das Vierfache ein. Dennoch wurde Packinpah nachträglich von dem Projekt ausgeschlossen und verlor auch sämtliche Rechte daran.

Der Grund lag in der ersten Schnittfassung von über 200 Minuten. Die Produktionsfirma war damit alles andere als einverstanden und engagierte einen neuen Cutter, der den Film auf knapp 100 Minuten kürzen sollte. Packinpah fand die geschnittene Fassung schrecklich. Die meisten Kritiker mochten „Convoy“ ebenfalls nicht, da sie mit dem Film nichts anzufangen wussten. Heute sieht dies ganz anders aus. „Convoy“ zählt inzwischen zu den Filmklassikern.

Rubber Duck (Chris Kristofferson) und Melissa (Ali MacGraw); „Convoy“ (1978); © Weltkino

Er ist eine großartige Mischung aus Drama, Actionfilm und Satire, wobei sich die satirischen Elemente auf die Regierung und die Polizei beziehen. Während der Senator von Arizona den Konvoi für Wählerstimmen nutzen möchte, verhält sich die Polizei wie ein Haufen debiler Rassisten. Die Actionsequenzen sind großartig in Szene gesetzt: ob nun ein Truck auf einer Kreuzung umkippt, ob zwei Trucks ein Polizeiauto in die Mangel nehmen oder ob sie eine Kleinstadt zertrümmern, was Packinpah zeigt, ist erstklassiges Actionkino.

Dabei bleibt der Film keineswegs oberflächlich, sondern zeigt anhand des Konflikts, dass es in den USA in Sachen Freiheit und Selbstverwirklichung nicht weit her ist. Die Ideale werden von Regierung und Behörden im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten, nur um ihre Macht zu zeigen. Willkür und Bestechlichkeit ist bei den Beamten an der Tagesordnung. Packinpah stülpt den USA sozusagen das Image eines Entwicklungslandes über. Eine solche Kritik wünscht man sich auch in heutigen Großproduktionen, doch leben wir nun mal in einer Zeit, in der sich niemand mehr etwas traut und alles nur noch auf Kommerz abzielt. Doch eigentlich war es früher nicht anders. Denn auch dieser Kritikpunkt findet sich in „Convoy“ wieder, indem die Medien den Kampf der Trucker gegen den Staat sofort zu Geld machen wollen. Im Grunde genommen hat sich eigentlich gar nichts geändert.