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Archive for the ‘FuBs Klassikbox’ Category

Larry (Tyrone Power) und Isabel (Gene Tierney) kurz vor ihrer Trennung; „Auf Messers Schneide“ (1946); © 20th Century Fox

Mit FuBs Klassikbox starten wir in diesem Jahr eine neue Reihe. Wir wollen darin alte bzw. ältere Filme vorstellen, die zu den Filmklassikern zählen, auch wenn manche davon teilweise wieder in Vergessenheit geraten sind. Ein solcher Film ist „Auf Messers Schneide“ aus dem Jahr 1946. Die Adaption des gleichnamigen Romans von William Somerset Maugham war 1947 für vier Oscars nominiert, unter anderem in der Kategorie Bester Film. Vor allem in Deutschland aber kennt diesen tollen Film kaum jemand mehr.

Es geht um Larry Darrel, der als gebrochener Mann aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrt und nach dem Sinn des Lebens sucht. Da er aus diesem Grund sein bisheriges Leben nicht weiterführen kann, löst der die Verlobung mit Isabel Bradley auf. Auch schlägt er ein Jobangebot ihres Vaters aus. Stattdessen zieht er zunächst nach Paris, wo er zunächst ein Leben in der Boheme führt, bevor er erneut wegzieht und in einer abgelegenen Kohlenmiene arbeitet. Schließlich fasst er den Entschluss, nach Indien zu reisen, um dort in einem Kloster wieder zu sich zu kommen.

Mit einem neuen Lebensgefühl kehrt er in die USA zurück, wo Isabel bereits verheiratet ist, doch Larry immer noch liebt. Aus diesem Grund versucht sie, seine Beziehung zu einer anderen Frau zu zerstören.

„Auf Messers Schneide“ war die erste ernste und komplexe Rolle des damaligen Stars Tyrone Power, der vor dem Zweiten Weltkrieg nur in Mantel und Degen-Filmen mitgewirkt hatte. Die Rolle des Larry Darnel scheint ihm wie auf den Leib geschrieben. Denn Power geht in dieser vielschichtigen Figur vollkommen auf. Seine Verzweiflung, sein sehnlicher Wunsch, endlich von seinen Schuldgefühlen erlöst zu werden und einen Sinn in dem Ganzen zu finden, zeigt sich in seiner Haltung, seiner Gestik und Mimik und nicht zuletzt auch in seinem stets in eine ungewisse Ferne gerichteten Blick.

Larry (Tyrone Power) an der Wende seines Lebens; „Auf Messers Schneide“ (1946); © 20th Century Fox

Dem gegenüber stellt Regisseur Edmund Goulding die Oberflächlichkeit und den Materialismus der High Society, wunderbar gebündelt in der zynischen Figur von Isabels Vater, für den es außer Geld nichts anderes gibt. Daher versteht dieser Larrys Verhalten am wenigsten. Aber auch Isabel steht eher hilflos dem veränderten Larry gegenüber. Statt auf ihn zu warten, beschließt sie lieber, sich der Tradition zu fügen und einen anderen Mann zu heiraten.

Doch wird das Leben ihrer Familie nicht weniger von Schicksalsschlägen heimgesucht. Vielleicht liegt auch darin ein zusätzlicher Grund, weswegen Isabel versucht, Larrys Leben zu zerstören. Kann sie nicht glücklich sein, so will sie auch nicht, dass er sein Glück findet – mit schrecklichen Konsequenzen.

„Auf Messers Schneide“ ist ein Film, der einen von der ersten Minute an packt. Die dichte, tragische und konfliktreiche Handlung reißt einen regelrecht mit, sodass die über zwei Stunden Spieldauer wie im Nu vergehen. Fast schon unerbittlich nimmt das Drama seinen Lauf. Manchmal scheint es beinahe so, als haben die Menschen um ihn herum insgeheim eine Wette abgeschlossen, wann Larry doch noch zusammenbricht. Denn das, was Isabel mit seiner neuen Freundin Sophie aufführt, ist wirklich hart.

Natürlich ist das überaus tolle Gelingen des Films auch den erstklassigen Schauspielern zu verdanken. Neben Tyrone Power spielen Noir-Ikone Gene Tierney in der Rolle der Isabel und der auf zynische und eitle Rollen spezialisierte Clifford Webb (als Isabels Vater) mit. Regisseur Edmund Goulding erlaubte sich den Spaß, Sommerset-Maugham als Figur ebenfalls in dem Film auftreten zu lassen, gespielt von Herbert Marshall. Ein Witz, der sich aus der Romanvorlage ergibt, in der der berühmte Schriftsteller behauptet, Larry Darnell auf einem Ozeandampfer tatsächlich begegnet zu sein.

1984 wurde ein gleichnamiges Remake produziert, das jedoch – auch aufgrund seiner absoluten Fehlbesetzung (Bill Murray als Larry Darnell) – nicht einmal die Hälfte seiner Produktionskosten wieder einspielte. Auch von der Kritik wurde der Film damals regelrecht in der Luft zerrissen. Ganz anders der Originalfilm, bei dem sich die damaligen Kritiker mit Lob überschlugen.

Auf Messers Schneide (The Razor’s Edge). Regie: Edmund Goulding, Drehbuch: Lamar Trotti, Produktion: Darryl F. Zanuck, Darsteller: Tyrone Power, Gene Tierney, Clifford Webb, Herbert Marshall, Ann Baxter. USA 1946, 145 Min.

 

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