Sanditon – Jane Austens unvollendeter Roman als großartige TV-Serie

Jane Austen begann ihren Roman „Sanditon“ im Januar 1817, um nur drei Monate später mit dem Schreiben aufzuhören. Austen-Experten meinen, dass sie aufgrund ihrer schweren Krankheit (Austen starb im Juli desselben Jahres) nicht mehr hatte weiter daran arbeiten können.

Charlotte Heywood (Rose Williams) kommt nach Sanditon;
„Sanditon“ (2019); © BBC

Der unvollendete Roman über einen kleinen Ort, den Thomas Parker in einen modernen Ferienort verwandeln möchte, regte bereits viele Schriftsteller dazu an, ihn auf ihre Weise weiter zu schreiben. So auch den Drehbuchautor Andrew Davies. Heraus kam eine achtteilige Miniserie, die Kritiker begeisterte, Jane Austen-Fans jedoch teils verstörte.

Grund dafür sind die vielen Nacktszenen zu Beginn der Serie sowie das Austen untypische Ende. Dieses verleitete manchen Zuschauer zu der Spekulation, dass die BBC, die die Serie produzierte, eine zweite Staffel plane. Von den Machern selbst gibt es in dieser Hinsicht bisher keine Kommentare.

Doch unabhängig davon schuf Andrew Davies eine von Anfang bis Ende witzige und spannende Serie, von der lediglich der Anfang an Austens Romanwrackment angelehnt ist. Der Rest orientiert sich zwar am Stil Austens, ist jedoch alleinige Erfindung des Autors. Davies macht allerdings seine Arbeit so gut, dass man den Schnitt zwischen Austens Werk und Davies Einfallsreichtum kaum merkt. Nur hier und da, wenn es z. B. plötzlich um eine Entführung geht oder um eine Verfolgungsjagd mit zwei Kutschen ist klar, dass hierbei Jane Austen nicht Pate gestanden hatte.

Charlotte Heywood (Rose Williams) und Sidney Parker (Theo James); Sanditon (2019); © BBC

Gewitzte und schwungvolle Dialoge beherrschen die Serie, die von sehr guten Schauspielern getragen wird. Zudem überzeugen die einzelnen Episoden durch eine hervorragende Kameraarbeit und nicht zuletzt durch die tollen Kostüme. Machte sich Jane Austen stets darüber lustig, dass es ihren adeligen Zeitgenossen nur ums Geld geht, so macht Andrew Davies dieses Thema zur Grundlage seines Drehbuchs. Um die alte Lady Denham scharen sich ihre Verwandten, die hoffen, ihr Erbe antreten zu können. Dabei versuchen sie, sich gegenseitig auszustechen. Dem gegenüber steht die Hauptfigur Charlotte Heywood, die aus ärmeren Verhältnissen kommt und von Thomas Parker und dessen Frau nach Sanditon eingeladen wurde. Ihr geht es nicht ums Geld, sondern ihr liegt daran, dass es mit Toms Plänen vorangeht, wobei sie immer wieder mit der einen oder anderen Idee aufwartet.

Die Vielzahl an originellen Figuren, die Konflikte, in die Charlotte immer wieder gerät, und nicht zuletzt die internen Intrigen in der Denham-Familie machen die Serie zu einer äußerst kurzweiligen und spaßigen Unterhaltung. Kurz: eine der besten Austen-Adaptionen der letzten Jahre.

Sandition. (8 Episoden). Darsteller: Rose Williams, Theo James, Anne Reid, Chris Marshall, Jack Fox, Charlotte Spencer. England 2019

FuB glotzt: Maria Theresia – Der sensationelle TV-Vierteiler

Marie-Louise Stockinger als Maria Theresia in den ersten beiden Folgen; © ORF/Polygram

In FuB glotzt beschäftigen wir uns mit allem, was mit Fernsehen zu tun hat. Den Anfang macht die großartige TV-Miniserie „Maria Theresia“ aus Österreich. Dabei handelt es sich um vier Teile von je 100 Minuten. Die ersten beiden Folgen wurden 2017 ausgestrahlt, Folge drei und vier im Jahr 2019.

Maria Theresia (1717 – 1780) zählt zu den prägensten Monarchen des 18. Jahrhunderts. Mit 23 Jahren, nach dem Tod ihres Vaters, kam sie auf den Thron, da es keine männlichen Nachfolger gab. Während ihrer Herrschaft führte sie einige wichtige Reformen durch, wie etwa die allgemeine Schulpflicht. Ebenfalls setzte sie Maßstäbe in Sachen Hygiene. Doch war ihre Herrschaft stets durch Frankreich und Preußen bedroht. Erst durch den Einsatz des umstrittenen Baron von Trenck und seiner Armee änderte sich das Blatt zu ihren Gunsten.

Stefanie Reinsperger als Maria Theresia in den Folgen 3 und 4; © ORF/Polygram

Regisseur Robert Dornheim, der immer wieder in Hollywood tätig ist und auch mit Steven Spielberg zusammengearbeitet hat, führte in allen vier Teilen Regie. Das Besondere der Serie ist, dass Maria Theresia von zwei verschiedenen Darstellerinnen gespielt wird. In den jungen Jahren übernimmt Marie-Louise Stockinger die Rolle, die späteren Jahre Stefanie Reinsperger. Beide Schauspielerinnen spielen überaus überzeugend, stellen Maria Theresia als trotz allem einsame Frau dar, die sich in einer von Männern dominierten Welt durchsetzen muss, die zunächst immer wieder Fehler begeht, aber durch eben diese Fehler lernt und dadurch mehr und mehr an Akzeptanz und Macht gewinnt.

Parallel zu den Intrigen und Machtspielchen zeigt der Film die konfliktreiche Ehe mit ihrem Mann Franz Stephan von Lothringen, überaus gut gespielt von Vjotech Kotek. Die Serie glänzt durch ihre wunderbaren Schauspielerinnen und Schauspieler, durch großartige Kostüme und Farben und durch eine erstklassige Optik. Hinzu kommt eine dichte und spannende Dramatik, die einem keine einzige Minute loslässt. In dieser Hinsicht sind die Folgen drei und vier sogar noch um einiges besser als die ersten beiden.

„Maria Theresia“ kann man durchaus als ein TV-Ereignis bezeichnen. Trotz der Komplexität und Tragik gelingt der Serie eine feine Leichtigkeit, die man vielleicht eher als eine tiefgründige Leichtigkeit bezeichnen sollte, da der Vierteiler alles andere als oberflächlich ist. In den letzten beiden Folgen glänzt hier und da auch ein wenig Humor durch, der passend und wirkungsvoll in Szene gesetzt ist.

Man kann nicht anders, als „Maria Theresia“ als eine großartige TV-Miniserie zu bezeichnen, die sich kein bisschen vor der internationalen Konkurrenz zu verstecken braucht und ohne wenn und aber die US-Miniserie „Katharina die Große“ (2019) in den Schatten stellt.

Maria Theresia. Regie: Robert Dornheim, Drehbuch: Mirka Zlatnikova, Produktion: Andreas Kamm, Oliver Auspitz, Darsteller: Marie-Louise Stockinger, Stefanie Reinsperger, Vjotech Kotek, Karl Markovics, Julia Stemberger, Anna Posch. Österreich/Tschechien 2017/2019