The 80s: Shogun (1980)

Blackthorne (Richard Chamberlain) und Marika (Yoko Shimada) am Hof des Fürsten; „Shogun“ (1980); © CBS/Paramount

James Clavell (1924 – 1994) lieferte die literarische Vorlage für die längst zum Klassiker gewordene TV-Serie „Shogun“. Der Roman erschien 1975 und wurde wie alle seine Bücher (z.B. Noble House Hong Kong – 1988 verfilmt mit Pierce Brosnan) zu einem Bestseller. Die TV-Serie führte sozusagen dazu, dass auch die Leute den Namen James Clavell kannten, die keine Bücher lesen.

„Shogun“ war damals eine echte Sensation und hat auch heute nichts von seinem Reiz verloren. Als ich kürzlich die Serie nochmals gesehen habe, war ich erstaunt, an wie viele Szenen ich mich noch erinnern konnte. Von Serie zu sprechen, ist eigentlich nicht ganz richtig. Denn im Grunde genommen handelt es sich um einen mehr als zehnstündigen Spielfilm.

Es geht um den englischen Navigator John Blackthorne, dessen Schiff im Jahr 1600 vor der Küste Japans auf Grund läuft. Blackthorne und seine Mannschaft werden sofort gefangengenommen. Kurz darauf aber wird Blackthorne frei gelassen und an den Hof des Fürsten Yoshi Toranaga gebracht, wo er zum Samurai aufsteigt. Doch Blackthornes Beziehung zu der hübschen Mariko ist vielen ein Dorn im Auge. Währenddessen werden die Anzeichen für einen neuen Krieg zwischen den Feudalherren immer deutlicher.

Sowohl Roman als auch Serie basieren auf historischen Tatsachen. William Adams (1564 – 1620), wie die Hauptfigur ebenfalls Navigator, kam im Jahr 1600  nach Japan, wo er als erster Nicht-Japaner zum Samurai ernannt wurde.

Toshiro Mifune als Fürst Toranaga; „Shogun“ (1980); © CBS/Paramount

Eigentlich hätte Sean Connery die Hauptfigur John Blackthorne spielen sollen, sagte jedoch ab, da er nicht nach Japan wollte. Stattdessen wurde Richard Chamberlain engagiert, den Clavell erst nicht mochte, der dann aber über seine Darstellung Blackthornes überaus begeistert war. Der japanische Schauspieler Toshiro Mifune, der bis dahin vor allem durch seine Zusammenarbeit mit Akira Kurosawa bekannt gewesen war, erlangte durch seine Rolle des Fürsten Toranaga internationale Bekanntheit. Mariko wird von Yoko Shimada gespielt, die in „Crying Freeman“ (1995) Marc Dacascos‘ Gegenspielerin war, ansonsten war ihre weitere Karriere, trotz ihrer sehr guten Englischkenntnisse, auf Japan beschränkt. Für ihre Rolle der Dame Mariko wurde sie 1980 mit dem Golden Globe ausgezeichnet. Richard Chamberlain erhielt ebenfalls einen Golden Globe für die beste männliche Hauptrolle.

„Shogun“ verbindet alles, was einen erstklassigen Film ausmacht: Spannung, Action, eine komplexe Handlung und eine unglaubliche Tiefe der Charaktere. Unerreicht finde ich, ist die zarte und dennoch überaus dramatische Liebesbeziehung zwischen Blackthorne und Marika.

Das Besondere an der Serie ist nicht nur, dass sie an Originalschauplätzen in Japan gedreht wurde, sondern dass die japanischen Dialoge nicht übersetzt wurden und es auch keine Untertitel gibt. Auf diese Weise wollte Regisseur Jerry London die außergewöhnliche Situation, in der sich Blackhtorne befindet, so darstellen, dass sich der Zuschauer besser in die Hauptfigur hineinversetzen kann, was tatsächlich funktioniert. Zugleich zeigt der Film, wie Blackthorne nach und nach die japanische Sprache und die Kultur lernt. Heutige Serien würden sich besonders für diese Aspekt nur wenig Zeit lassen. „Shogun“ jedoch geht hierbei auf fast minutiöse Weise vor, wobei auch der Humor nicht zu kurz kommt.

Keine andere Serie befasste sich so sehr mit der japanischen Geschichte und der damaligen Kultur wie eben „Shogun“. Die Serie kratzt nicht einfach an der Oberfläche, sondern taucht tief in die Gedankenwelt und kulturellen Merkmale ein, was „Shogun“ für jeden, der an Japan und dessen Geschichte interessiert ist, zur Pflicht macht. Interessanterweise floppte die Serie ausgerechnet in Japan. Dort interessierte man sich damals nicht so sehr für das Thema, ganz im Gegenteil zu Europa und den USA, wo die Serie Kultstatus erreichte.

Shogu. Regie: Jerry London, Drehbuch: Eric Bercovici, Produktion: James Clavell, Eric Bercovici, Darsteller: Richard Chamberlain, Toshiro Mifune, Yoko Shimada, John Rhys-Davis. USA/Japan 1980

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