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Archive for the ‘Trash der 50er Jahre’ Category

Besonders in den 50er Jahren war das Personalpronomen „It“ in den Filmtiteln recht beliebt. Es stand schlicht und ergreifend für das Andere, das Nicht-Weltliche und damit für eine überaus fremdartige Bedrohung. Das Wörtchen it wurde danach seltener, doch gelegentlich tauchte es wieder auf. Im folgenden haben wir daher eine kleine Liste mit den entsprechenden Filmen aufgestellt:

It came from Outer Space (1953) ist nicht nur ein Filmklassiker, sondern wurde zudem in 3D gedreht. Die damalige 3D-Welle sollte – nicht weniger wie heute – die Zuschauer wieder zurück in die Kinos bringen, die ab den 50er Jahren lieber vor dem Fernseher saßen. Parallel dazu wurde für denselben Zweck auch Cinemascope entwickelt. Jack Arnolds SF-Thriller nimmt zudem die Idee von „Invasion der Körperfresser“ vorweg: Bizarre Außerirdische übernehmen menschliche Körper. Also Paranoia-Kino pur. Das Monster mit dem Glotzauge ist rasch zum Bestandteil der Popkultur geworden. Für das Drehbuch war übrigens der amerikanische SF-Autor Ray Bradbury verantwortlich.

It came from beneath the Sea (1955) hatte den einzigen Zweck, um auf die Zuschauer ein Effektgewitter loszulassen. Ein Riesenkrake greift San Francisco an – und natürlich muss mal wieder die Golden Gate Bridge dran glauben. Ray Harryhausen hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, ging es doch darum, einem achtarmigen Riesenoktopus Leben einzuhauchen. Das Ergebnis lässt sich auch heute noch sehen, ein gelungener und spannender SF-Horror-Monster-Film, der die Stop Motion-Technik voll zur Geltung bringt. Später bezeichnete Harryhausen seine für die Großleinwand kreierten Effekte als Dynamation. Ab den 80er Jahren jedoch erhielt er immer weniger Aufträge, da er seine eigene Technik nicht weiter entwickelte, während andere Firmen bereits mit Computereffekten arbeiteten.

It conquered the World (1956) ist ein typischer Roger Corman Film. Corman, der in seiner gesamten Karriere als Regisseur und Produzent nur zwei Flops hinlegte, erzählt darin die Geschichte von einem Monster von der Venus, das auf der Erde landet, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Dabei macht es sich einen Wissenschaftler zunutze, der glaubt, dass das Monster der Welt Frieden bringen wird. Das rettichartige Ungetüm mit Augen und spitzen Zähnen hat Kultcharakter. In England war der Film zunächst nur für Erwachsene zugelassen, da man das Abfackeln des Monsters unter den Aspekt der Tierquälerei betrachtete. Man sieht, nicht nur unsere deutschen Behörden haben einen an der Waffel. Der Film zählt zu den besten Produktionen aus dem Hause Corman.

From Hell it came (1957) dürfte eine der wohl originellsten Handlungen besitzen. Der Prinz eines Südsee-Stammes erhält die Todesstrafe, nachdem er einen Mann ermordet haben soll. Seine Leiche wird in einem hohlen Baumstamm gelegt und begraben. In der Nähe führen Wissenschaftler Experimente mit radioaktiven Elementen durch. Die Radioaktivität erweckt den Prinzen wieder zum Leben – als wandelnden Baumstamm. „From Hell it came“ zählt zu den schlechtesten Filmen der Filmgeschichte. Allerdings ist der Film so schlecht, dass er schon wieder gut ist. Wer auf Baumstämme steht, die kreischende Bikini-Frauen herumschleppen, ist hier genau richtig – Schlammcatchen inklusive.

It! The Terror from Beyond Space (1958) handelt von einer Marsexpedition im Jahr 1973, die eine verschollene Gruppe Wissenschaftler auf dem Roten Planeten aufspüren soll. Tatsächlich finden sie einen Überlebenden. Doch dieser faselt ständig etwas von einem Monster, das auf dem Mars sein Unwesen treibt. Erst glaubt ihm niemand. Doch dann? Genau, dann bekommt einer nach dem anderen eines auf die Mütze. Neben „Planet der Vampire“ gilt auch dieser Film als Inspirationsquelle für Ridley Scotts „Alien“. „It!“ ist ein durchweg spannender Film und das Monster genial in Szene gesetzt.

It (1990) lautet die erste Adaption von Stephen Kings Klassiker. Der zweiteilige TV-Film hätte eigentlich von George A. Romero gedreht werden und Tobe Hooper hätte das Drehbuch schreiben sollen. Doch wurde leider daraus nichts. Stattdessen übernahm Tommy Lee Wallace, der mit „Halloween 2“ sein Debut gefeiert hatte, die Regie und schrieb auch am Drehbuch mit. Mit fast 30 Millionen Zuschauern wurde „It“ zu einem der größten Erfolge der TV-Geschichte. Dies vor allem auch durch Tim Currys Darstellung von Pennywise. Stephen King selbst war von der Adaption begeistert. 1991 erhielt „It“ den Prime Time Emmy Award.

It Follows (2014) übernahm wieder das Pronomen aus den SF-Horror-Filmen der 50er Jahre. Das Debut von Regisseur David Robert Mitchell handelt von einem unheimlichen Wesen, das Jugendliche verfolgt. Erst wenn sie mit einer anderen Person Sex haben, wird der „Fluch“ auf jemand anderen übertragen. „It Follows“ ist vor allem ein gut gemachter Zitatenschatz, der von „Halloween“ bis zu „Ring“ reicht. Die einfache Handlung ist dicht und spannend umgesetzt, wobei die Musik nicht weniger interessant ist und sich irgendwie an Dario Argentos Hausband Goblin orientiert. Die Low Budget-Produktion wurde ein Riesenerfolg. Leider wird zurzeit an einem zweiten Teil gebastelt, der wahrscheinlich wieder alles vermasselt.

It (2017) ist die zweite Adaption von Stephen Kings Roman. Schon jetzt zählt er zu den erfolgreichsten Horrorfilmen der Filmgeschichte und zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres 2017. Allerdings wurde nur die erste Hälfte des Romans verfilmt. Die zweite Hälfte soll angeblich 2018 in die Kinos kommen. Irgendwie hat die Neuverfilmung anscheinend den Zahn der Zeit getroffen. Nur so ist der Erfolg zu erklären. Auf jeden Fall zeigt sich einmal mehr, dass Horror längst zum Mainstream gehört, auch wenn unsere Pädagogen noch immer dagegen angehen. Zu dem Film selbst kann ich nichts sagen, da ich ihn noch nicht gesehen habe. Aber das Plakat sieht nicht schlecht aus 😀 .

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Einmal gegrilltes Huhn bitte; „Weltraumbestien“ (1957); Copyright: JSV

Wenn es einen Regisseur gibt, der mit dem Phantastischen Film eng verbunden ist, so ist dies Ishiro Honda. Auf sein Konto geht nicht nur „Godzilla“, sondern auch jede Menge weiterer Monsterfilme, die das Image des japanischen Films (neben den Werken Akira Kurosawas) im Ausland prägten.

1957 drehte Honda den SF-Film „Weltraumbestien“, den Kritiker gelegentlich als die japanische Version von „Krieg der Welten“ bezeichnen. In Hondas Film als auch in der berühmten Adaption von H. G. Wells‘ Klassiker geht es um eine Invasion vom Mars. Nur, dass sich die Hintergründe der Invasion in „Weltraumbestien“ ein wenig komplexer gestalten.

Originalplakat von „Weltraumbestien“

Denn in diesem Film stammen die außerirdischen Invasoren von einem Asteroiden namens Mysteroid, der einst Teil eines Planeten gewesen sein soll. Von dort seien die Außerirdischen auf den Mars geflohen und wollen nun die Erde besetzen. Das alles beginnt mit einem sonderbaren Waldbrand, der bereits das erste Anzeichen der Landung der Mysteroiden ist. Kurz darauf greift ein Riesenroboter eine kleine Stadt an. Während das Militär vergeblich gegen die Invasoren kämpft, versucht eine Gruppe internationaler Wissenschaftler, eine Waffe zu entwickeln, die gegen die überlegene Technik der Außerirdischen doch noch etwas bewirken kann …

„Weltraumbestien“ weist in allererster Linie eine hervorragende Optik auf. Auch wenn aus heutiger Sicht der Roboter ziemlich trashig wirkt, so ist die riesige Kampfmaschine dennoch genial in Szene gesetzt. Doch bleibt es nicht allein bei dem Angriff der gewaltigen Maschine, sondern es kommt zu Erdbeben und Überflutungen – und nicht zuletzt ist da der verzweifelte Kampf der Menschen gegen die Außerirdischen.

Aber das ist … das ist doch … 🙂 ; „Weltraumbestien“ (1957); Copyright: JSV

Es ist also mächtig was los in dem Film, der, ähnlich wie in „Godzilla“, die Verzweiflung und die Tragik der Katastrophe hervorhebt, was „Weltraumbestien“ recht düster und ernst erscheinen lässt. Man sieht, dass hier die Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg verarbeitet wurden. Die Bilder der fliehenden Bewohner der Stadt erscheinen beinahe wie aus einer Wochenschau.

US-Plakat von „Weltraumbestien“

Diesem Realismus gegenüber stehen die detailverliebten Spezialeffekte sowie der geniale Trash-Faktor des Films, der sich z.B. bei der Entführung der Frauen bemerkbar macht, da die Außerirdischen sich mit ihnen paaren wollen, um den zunehmenden Mutationen entgegenzuwirken. So steht plötzlich einer der fremden Besucher im Garten, schnappt sich die Frau und zieht sie mit sich hoch in das im Himmel schwebende UFO, was ungefähr so aussieht, als würde ein verkleideter Ken auf einem unsichbaren Seil Barbie in die Höhe ziehen. Immerhin handelt es sich bei der Darstellerin um Momoko Kochi, die durch ihre Rolle in Hondas „Godzilla“ weltberühmt wurde.

Auf jeden Fall ist „Weltraumbestien“ ein durch und durch sehenswerter Film, bei dem einem aufgrund seines Lärmpegels nur so die Ohren dröhnen. Während der Film in Japan ein großer Erfolg war, wollte sich dieser im Ausland und vor allem in den USA leider nicht einstellen.

Weltraumbestien (OT: Chikyū Bōeigun). Regie: Ishiro Honda, Drehbuch: Takeshi Kimura, Produktion: Tomoyuki Tanaka, Darsteller: Kenji Sahara, Yumi Shirakawa, Momoko Kochi, Akihito Hirata, Takashi Shimura. Japan 1957, 89 Min.

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Odysseus gehört zu den bekanntesten Figuren der Weltliteratur. Die vielen Abenteuer, die der tollkühne Held erlebt, und die vielen Monster, denen er begegnet, war und ist ein gefundenes Fressen für die Filmindustrie. Die bekannteste Verfilmung von Homers Versepos lieferte Mario Camerini im Jahr 1954, wobei als Zweitregisseur kein Geringerer als Mario Bava agierte.

Ihm sind die Szenen zu verdanken, in der Odysseus von Kassandra verflucht wird, sowie die Szenen in der Höhle der Circe. Bereits hier macht sich Bavas wundervolles Spiel mit den Farben bemerkbar, das er in seinen Horrorfilmen aus den 60er Jahren weiterführen und geradezu vollenden sollte.

Der Film ist ein Klassiker aus den Schmieden der italienischen Filmstudios. Die Szenen, in denen Odysseus den Zyklopen Polyphem übers Ohr haut, sind genauso legendär wie die stürmische und abenteuerlustige Darstellung des Helden durch Kirk Douglas.

Circe (Silvana Mangano) im für Mario Bava typischen grünen Licht; „Die Fahrten des Odysseus“ (1954); Copyright: e-m-s

Dieser packt die Figur im Zentrum ihrer Aussage an. So sehen wir einen Menschen, der die antiken Glaubensvorstellungen hinterfragt, der beginnt, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und nicht von den Göttern steuern zu lassen. Er möchte ausprobieren und herausfordern. Seine Abenteuerlust ist zugleich die Lust am Entdecken. Daraus, dass er mehr sieht als die anderen und hinter die „Fassade“ der antiken Glaubenswelt blickt, ergibt sich seine Tollkühnheit und seine Fähigkeit zur List.

Polyphem wird so zu seinem ersten Opfer, die Sirenen können ihn nicht zu sich ziehen, und auch Circe kann seinem ständigen Hinterfragen nicht mehr Paroli bieten. Als Odysseus am Ende alle Männer niedermetzelt, die um seine Frau buhlen, bricht jedoch wiederum sein archaisches Temperament hervor – ein Symbol dafür, dass Moderne und Barbarei trotz allem eng verzahnt sind.
„Die Fahrten des Odysseus“ ist und bleibt einer der unterhaltsamsten Abenteuerfilme. Auch wenn man die Dialoge bereits auswendig kennt, so sind das Spiel Kirk Douglas‘ sowie die faszinierenden Farben und Spezialeffekte immer wieder einen Blick wert.

Die Fahrten des Odysseus (OT: Ulysses), Regie: Mario Camerini, Mario Bava, Produktion: Dino de Laurentis, Carlo Ponti, Darsteller: Kirk Douglas, Silvana Mangano, Anthony Quinn, Rossana Podesta. USA/Italien 1954, Laufzeit: 98 Min.

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Im Jahr 1954 erblickte eines der berühmtesten Filmmonster das Licht der Welt. Das Besondere dabei ist, dass dieses Ungetüm diesmal nicht aus den USA, sondern aus Japan kam, um von da aus die Welt zu erobern. Die Rede ist natürlich von niemand anderem als Godzilla, der in Japan unter seinem eigentlichen Namen Gojira bekannt ist. Godzilla eroberte recht schnell die Herzen der Zuschauer und wandelte sich von einem unbarmherzigen Monster zum Helfer in der Not, der die Menschheit stets vor gemeingefährlichen Kreaturen rettete, egal ob sie aus dem Weltraum oder aus den Tiefen der Erde kamen.

Dies ist um so erstaunlicher, als der Urgodzilla ein durch und durch pessimistischer und medienkritischer Film ist, der versucht, die Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges, die sich in Japan durch ein völlig niedergebranntes Tokio sowie durch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki am eindringlichsten zeigten, zu verarbeiten. Regisseur Ishiro Honda, der selbst als Soldat im Zweiten Weltkrieg diente und in China in Kriegsgefangenschaft geriet, schuf mit „Godzilla“ einen dramatischen Appell gegen Krieg und vor allem gegen den Einsatz atomarer Sprengkörper. Die Bilder der Zerstörung, die Godzilla hinterlässt, gleichen den Fotos von Nagasaki und Hiroshima nach ihrer atomaren Vernichtung. Die Musik, die jene Szenen untermalt, hat keinen Monstercharakter mehr, sondern ist eine Vertonung von Trauer und Ohnmacht, das Resultat eines verheerenden Krieges. Die Medienkritik zeigt sich in den Sensationsreportern, die auf dem Tokiotower verharren, um das Grauen live zu senden, und sich dabei in einen Katastrophenrausch hineinsteigern, bis sie selbst von dem Monster erschlagen werden. Nicht zuletzt kritisieren diese Szenen den Aufopferungswillen japanischer Arbeitnehmer, gegenüber ihren Firmen einfach alles zu geben. Auch heute haben sie nichts von ihrer Eindringlichkeit verloren.

Godzilla räumt auf; „Godzilla“ (1954); Copyright: Toho

In Deutschland kam „Godzilla“ 1956 in die Kinos und wurde damals als „der sensationellste Film der Gegenwart“ bezeichnet. Dieser Satz stellt natürlich die Tricktechnik in den Vordergrund, die sich völlig von derjenigen Hollywoods unterschied. Während in den USA die Stop-Motion-Technik den Ungeheuern Leben einhauchte, waren es in Japan Studenten in Gummianzügen, die als Monster ein liebevoll und bis ins Detail übereinstimmendes Modell einer Großstadt dem Erdboden gleich machten. Kombiniert wurde dies mit einem extrem lauten Sound, der Godzilla auch für das Trommelfell zu einer Urgewalt werden ließ. Diese Idee entwickelte Ishiro Honda gemeinsam mit dem Effektkünstler der Toho-Studios Eiji Tsuburaja, der bis hinein in die 70er Jahre die Effekte für die nachfolgenden Godzilla-Filme weiterentwickelte.

„Godzilla gegen King Kong“ (1974), einer von vielen „Godzilla“-Nachfolgefilmen

Der Erfolg des Filmes war enorm. Dies führte einerseits zu einer überflüssigen US-Version des Filmes aus dem Jahr 1954. Hollywood tat dabei nichts anderes, als den Originalfilm umzuschneiden und selbst gedrehte Szenen einzufügen. Jedoch führte „Godzilla“ auch zu einem Vorwurf Hollywoods an Toho, die Idee für den Film „The Beast from 20.000 Fathoms“ einfach übernommen zu haben. Dieser Film, der auf Deutsch unter den beiden Alternativtiteln „Panik in New York“ und „Dinosaurier in New York“ bekannt ist, war eine Adaption der Erzählung „Das Nebelhorn“ von Ray Bradbury. Da sowohl hier als auch bei „Godzilla“ das Monster aus dem Meer steigt, um eine Großstadt heimzusuchen, warfen die amerikanischen Produzenten ihren japanischen Kollegen Ideenklauerei vor. Rein filmhistorisch kann dies bis heute jedoch nicht belegt werden.

Nichtsdestotrotz konnte dies den Siegeszug des Monsters nicht aufhalten. Eine Vielzahl weiterer „Godzilla“-Filme wurden produziert, in denen er nicht mehr alleine zu sehen war, sondern King Kong (egal ob als Lebewesen oder als Riesenroboter), Mothra und allerhand anderes Getier verkloppen musste. Natürlich konnte es Hollywood nicht lassen und drehte zwei Remakes (1998 und 2014) des Klassikers, wobei beide Filme zwar eine hervorragende Optik bieten, dennoch nicht an den echten Godzilla herankommen.

Mit dem Film „Godzilla – Final Wars“ (2004) wollte die japanische Produktionsfirma Toho das Monster eigentlich in Rente schicken. Allerdings gab es natürlich Gerüchte. Und diese verwandelten sich in eine überraschende Tatsache, als im Juli 2016 ein neuer Godzilla-Film in die japanischen Kinos kam. Der Titel lautete „Shin Godzilla“ und ist mit einem Umsatz von 40 Millionen Dollar der erfolgreichste Godzilla-Film aus Japan. Kein Wunder, dass zurzeit an einem weiteren Film gebastelt wird.

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Die 50er Jahre waren das Zeitalter der kreischenden Frauen und schrecklichen Ungeheuer. Neben der ideologischen Paranoia vor einer kommunistischen Unterwanderung beschäftigte sich das SF- und Horrorgenre auch mit einer kritischen Sichtweise der Wissenschaft. Ein Ergebnis dieser Reflexion war der SF-Klassiker „Der Schrecken des Amazonas“ (The Creature from the Black Lagoon; 1954). Hier wird das rücksichtslose Vorgehen der Wissenschaftler dargestellt, während sie auf Biegen und Brechen versuchen, neue Erkenntnisse zu sammeln. Das Monster wird somit zum eigentlichen Opfer. Regie führte damals Jack Arnold, der auch SF-Klassiker wie „Tarantula“ (1955), „Der Schrecken schleicht durch die Nacht“ (1958) oder „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ (1957) schuf.

„Der Schrecken des Amazonas“ erwies sich als so erfolgreich, dass 1958 eine Fortsetzung mit dem Titel „Die Rache des Ungeheuers“ produziert wurde. Wiederum führte Jack Arnold Regie. Mit von der Partie ist Genrestar John Agar, der auch schon in „Tarantula“ gegen die bekannte Riesenspinne ins Feld zog.

Der Film handelt von einer Expedition, die erneut in das Amazonasgebiet vordringt, um den Kiemenmenschen zu fangen. Er soll als Attraktion in einem Meeresaquarium in Florida dienen. Gleichzeitig wollen Wissenschaftler das menschenähnliche Ungeheuer genauer untersuchen. Es wird in einem Becken an eine Kette gefesselt, damit die Forscher in Ruhe mit ihm experimentieren können. Doch die Wut des Kiemenmenschen kennt keine Grenzen. Er befreit sich und macht von da an die Küste Floridas unsicher.

Leg dich nicht mit dem Kiemenmenschen an! „Revenge of the Creature“ (1955); Copyright: Koch Media

Wie auch schon im Originalfilm, so ist auch in der Fortsetzung die Sympathie eindeutig auf Seiten des Ungeheuers. Wiederum wird das fast schon als kaltblütig zu bezeichnende Vorgehen der Wissenschaftler stark kritisiert. Lebendige Dinge werden als reine Objekte betrachtet. Dabei ist es egal, ob dem Wesen Schmerzen zugefügt werden oder ob es an Hunger leiden muss. Wichtig sind allein die Erkenntnisse und die Hoffnung, dadurch schnell Karriere machen zu können. Diese Sichtweise hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Der Kiemenmensch macht dieses Spiel jedenfalls nicht lange mit. Ab hier kommt der Titel der Fortsetzung voll zur Geltung. Das Ungeheuer nimmt Rache. Dabei entführt es natürlich eine hübsche Meeresbiologin. Der Kampf zwischen Mensch und Monster ist damit eröffnet.

Jack Arnold inszenierte diesen Film ungeheuer rasant und spannend. Das Kostüm des Kiemenmenschen, das seit über 50 Jahren Kultcharakter besitzt, kommt hier wieder wunderbar zur Geltung. Die Jagd nach dem Kiemenmenschen fordert nicht wenige Opfer. Schließlich ist sogar eine ganze Polizeiarmee hinter ihm her. Wie schon im Originalfilm, so tauchen auch in der Fortsetzung Überlegungen über das eigentliche Wesen des Kiemenmenschen auf. Die Fragen nach einer Art Missing Link oder einer Laune der Natur beleben die Dialoge und charakterisieren dadurch das Ungeheuer als tragische Figur.

„Die Rache des Ungeheuers“ zählt inzwischen ebenfalls zu den Klassikern der Universal-Studios. Die Jagd des Kiemenmenschen durch das Meeresaquarium ist geradezu legendär und wurde in späteren Horrorfilmen wie etwa „Weißer Hai 3“ (1983) immer wieder zitiert. Clint Eastwood hatte übrigens mit diesem Film sein Schauspieldebut in einer Nebenrolle.

Die Rache des Ungeheuers (OT: Revenge of the Creature), Regie: Jack Arnold, Drehbuch: William Alland, Martin Berkeley, Produktion: William Alland, Darsteller: John Agar, Lori Nelson, John Bromfield, Nestor Paiva, Grandon Rhodes. USA 1955, 75 Min.

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schreckenschleichtdurchdienacht„Der Schrecken schleicht durch die Nacht“ gehört zu einem der letzten Horrorfilme, die Regisseur Jack Arnold gedreht hat. Danach wandte er sich anderen Genres zu und produzierte vor allem fürs Fernsehen. Ähnlich wie in „Tarantula“ stehen die unvorhergesehenen Folgen wissenschaftlichen Experimentierens im Zentrum der Geschichte.

Diese dreht sich um den Paläontologieprofessor Donald Blake, der für seine Studien einen vorzeitlichen Fisch geliefert bekommt. Schnell stellt sich heraus, dass etwas mit dem lebenden Fossil nicht stimmt. Denn ein Hund, der mit dem Fisch in Berührung kommt, entwickelt unerwartete urzeitliche Instinkte. Ganz ähnlich ergeht es einer Libelle, die durch die Berührung mit dem Fisch riesige Ausmaße annimmt. Schließlich wird Blake selbst bei der Untersuchung des Fisches verletzt. Mit fürchterlichen Konsequenzen.

Jack Arnold zeigt die Besessenheit eines Wissenschaftlers, der alles opfert, um endlich an das Ziel seiner Forschung zu gelangen. Dabei verliert er zunehmend den Kontakt mit seinen Mitmenschen und zerstört dadurch sein Leben. Seine Besessenheit führt schließlich zu Selbstversuchen als eine Art letztes Mittel, um dadurch seinen Kollegen die Richtigkeit seiner wahnwitzigen Theorie zu beweisen.

Jack Arnold greift hierbei auf Stevensons Jekyll & Hyde-Motiv zurück. Die Polizei glaubt, einen brutalen Mörder zu jagen, der anscheinend durch einen deformierten Körper auffällt. Die Spur, die sie verfolgt, verläuft jedoch ins Leere. Der Zuschauer ist den Protagonisten jeweils einen Schritt voraus. Doch mindert dies keinesfalls die Spannung. Im Gegenteil, denn so fiebert man mit, ob Polizei und Kollegen doch noch rechtzeitig das Geheimnis lüften werden.

Wie auch in seinen übrigen SF- und Horrorfilmen setzt Jack Arnold auf ein schnelles Erzähltempo sowie auf eine rasche Folge unheimlicher Ereignisse, so dass der Film keine Sekunde langweilig wird. Die Dramatik der Geschehnisse ist auch heute noch überaus packend. Regisseur Ken Russell zitierte Jack Arnolds „Monster on the Campus“ in seinem Horrorthriller „Der Höllentrip“ (1980), in dem es ebenfalls zu evolutionären Rückentwicklungen kommt. Jack Arnold selbst versuchte Anfang der 80er erneut wieder Horrorfilme zu drehen (wie etwa ein Remake seines Klassikers „Creature from the Black Lagoon“), doch fand er für seine Projekte keine Produzenten. Er starb 1992. Wie auch seine übrigen SF- und Horrorfilme, ist „Der Schrecken schleicht durch die Nacht“ ein Klassiker dieser beiden Genres.

Der Schrecken schleicht durch die Nacht (OT: Monster on the Campus), Regie: Jack Arnold, Drehbuch: David Duncan, Produktion: Joseph Gershenson, Darsteller: Arthur Franz, Joanna Moore, Judson Pratt, Nancy Walters, Troy Donahue. USA 1958, 73 Min.

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diefliegeWas geschieht, wenn eine gewöhnliche Stubenfliege ein Experiment vermasselt? Dieser Frage ging der französische Schriftsteller George Langelaan nach, als er seine Novelle „Die Fliege“ schrieb. In Hollywood hielt man diesen Stoff für visuell ausbaufähig und kaufte sogleich die Filmrechte an der Story. Der Romancier James Clavell verfasste hierzu das Drehbuch.

Jahre, bevor sich im Fernsehen Kirk und seine Mannschaft auf Planeten beamten, erzählt „Die Fliege“ die Geschichte des Wissenschaftlers André, der einen Weg gefunden hat, um Objekte von einem Ort zu einem anderen zu transferieren. Als dieser eines Tages einen Selbstversuch wagt, geschieht etwas äußerst unerwartetes: eine Fliege befindet sich mit in der Apparatur. Im Laufe des Versuchs vermischen sich die Atome der Fliege mit denen von André. Das Ergebnis ist eine Fliege in Menschengestalt und gleichzeitig ein Mensch in Form einer Fliege. Denn während André mit Fliegenkopf sein Dasein fristet, befindet sich Andrés Kopf auf dem Fliegenkörper.

Was sich aus dieser unangenehmen Lage entwickelt, ist ein sehr intensives Drama und zugleich ein spannender Horrorfilm. André möchte das Experiment nochmals durchführen, doch dafür benötigt er die Fliege. Seine Frau und sein Sohn versuchen verzweifelt, diese zu fangen, doch schließlich und endlich entwischt sie ihnen. Inzwischen machen sich bei André einerseits starke Depressionen bemerkbar, andererseits wird er immer stärker vom instinkthaften Verhalten der Fliege kontrolliert, so dass es ihm immer schwerer fällt, wie ein Mensch zu denken. Als seine Frau endlich wissen möchte, was genau mit ihm geschehen ist und ihm das Tuch vom Kopf zieht, mit dem er den Fliegenkopf verdeckt hält, kommt es zu einer der berühmtesten Scream-Scenes der Filmgeschichte: aus der Facetten-Perspektive der Fliege erscheint Andrés kreischende Frau in ein Dutzend Bildern. Zu den ebenfalls berühmt gewordenen Szenen gehört das Finale in der Stahlpresse, das bis heute nichts von seiner endgültigen Dramatik verloren hat.

1986 drehte David Cronenberg das Remake zu diesem Klassiker. Doch wie es nun einmal so ist, Klassiker sind nun einmal Klassiker. So gesehen reicht Cronenbergs Version kaum an Kurt Neumanns Verfilmung heran. Cronenberg versucht, die fehlende Dramatik seines Films durch diverse Make-up-Effekte zu überspielen, was aber nicht reicht, um einen guten Film hinzu bekommen. Jeff Goldblooms zunehmende Fliegeninstinkte werden durch Dauersex mit Geena Davis dargestellt. Irgendwie scheint es, als habe Cronenberg krampfhaft versucht, einen Film um neu kreierte Spezial Effekte herumzubiegen. Das Resultat war natürlich der Oskar für die besten Special Effects. Interessanterweise aber wurden beide Filme (1958 und 1986) für den Hugo Award nominiert. Der Hilfeschrei jedoch, den die Fliege im Original von sich gibt, während sie im Spinnennetz hängt und die Spinne auf sich zukrabbeln sieht, geht auch heute noch mehr durch Mark und Bein als Cronenbergs Matschorgie.

Die Fliege (OT: The Fly), Regie u. Produktion: Kurt Neumann, Drehbuch: James Clavell, Darsteller: Al Hedison, Patricia Owens, Vincent Price, Herbert Marshall. USA 1958, Laufzeit: 90 Min.

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