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Archive for the ‘Trash der 50er Jahre’ Category

Die 50er Jahre waren das Zeitalter der kreischenden Frauen und schrecklichen Ungeheuer. Neben der ideologischen Paranoia vor einer kommunistischen Unterwanderung beschäftigte sich das SF- und Horrorgenre auch mit einer kritischen Sichtweise der Wissenschaft. Ein Ergebnis dieser Reflexion war der SF-Klassiker „Der Schrecken des Amazonas“ (The Creature from the Black Lagoon; 1954). Hier wird das rücksichtslose Vorgehen der Wissenschaftler dargestellt, während sie auf Biegen und Brechen versuchen, neue Erkenntnisse zu sammeln. Das Monster wird somit zum eigentlichen Opfer. Regie führte damals Jack Arnold, der auch SF-Klassiker wie „Tarantula“ (1955), „Der Schrecken schleicht durch die Nacht“ (1958) oder „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ (1957) schuf.

„Der Schrecken des Amazonas“ erwies sich als so erfolgreich, dass 1958 eine Fortsetzung mit dem Titel „Die Rache des Ungeheuers“ produziert wurde. Wiederum führte Jack Arnold Regie. Mit von der Partie ist Genrestar John Agar, der auch schon in „Tarantula“ gegen die bekannte Riesenspinne ins Feld zog.

Der Film handelt von einer Expedition, die erneut in das Amazonasgebiet vordringt, um den Kiemenmenschen zu fangen. Er soll als Attraktion in einem Meeresaquarium in Florida dienen. Gleichzeitig wollen Wissenschaftler das menschenähnliche Ungeheuer genauer untersuchen. Es wird in einem Becken an eine Kette gefesselt, damit die Forscher in Ruhe mit ihm experimentieren können. Doch die Wut des Kiemenmenschen kennt keine Grenzen. Er befreit sich und macht von da an die Küste Floridas unsicher.

Leg dich nicht mit dem Kiemenmenschen an! „Revenge of the Creature“ (1955); Copyright: Koch Media

Wie auch schon im Originalfilm, so ist auch in der Fortsetzung die Sympathie eindeutig auf Seiten des Ungeheuers. Wiederum wird das fast schon als kaltblütig zu bezeichnende Vorgehen der Wissenschaftler stark kritisiert. Lebendige Dinge werden als reine Objekte betrachtet. Dabei ist es egal, ob dem Wesen Schmerzen zugefügt werden oder ob es an Hunger leiden muss. Wichtig sind allein die Erkenntnisse und die Hoffnung, dadurch schnell Karriere machen zu können. Diese Sichtweise hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Der Kiemenmensch macht dieses Spiel jedenfalls nicht lange mit. Ab hier kommt der Titel der Fortsetzung voll zur Geltung. Das Ungeheuer nimmt Rache. Dabei entführt es natürlich eine hübsche Meeresbiologin. Der Kampf zwischen Mensch und Monster ist damit eröffnet.

Jack Arnold inszenierte diesen Film ungeheuer rasant und spannend. Das Kostüm des Kiemenmenschen, das seit über 50 Jahren Kultcharakter besitzt, kommt hier wieder wunderbar zur Geltung. Die Jagd nach dem Kiemenmenschen fordert nicht wenige Opfer. Schließlich ist sogar eine ganze Polizeiarmee hinter ihm her. Wie schon im Originalfilm, so tauchen auch in der Fortsetzung Überlegungen über das eigentliche Wesen des Kiemenmenschen auf. Die Fragen nach einer Art Missing Link oder einer Laune der Natur beleben die Dialoge und charakterisieren dadurch das Ungeheuer als tragische Figur.

„Die Rache des Ungeheuers“ zählt inzwischen ebenfalls zu den Klassikern der Universal-Studios. Die Jagd des Kiemenmenschen durch das Meeresaquarium ist geradezu legendär und wurde in späteren Horrorfilmen wie etwa „Weißer Hai 3“ (1983) immer wieder zitiert. Clint Eastwood hatte übrigens mit diesem Film sein Schauspieldebut in einer Nebenrolle.

Die Rache des Ungeheuers (OT: Revenge of the Creature), Regie: Jack Arnold, Drehbuch: William Alland, Martin Berkeley, Produktion: William Alland, Darsteller: John Agar, Lori Nelson, John Bromfield, Nestor Paiva, Grandon Rhodes. USA 1955, 75 Min.

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schreckenschleichtdurchdienacht„Der Schrecken schleicht durch die Nacht“ gehört zu einem der letzten Horrorfilme, die Regisseur Jack Arnold gedreht hat. Danach wandte er sich anderen Genres zu und produzierte vor allem fürs Fernsehen. Ähnlich wie in „Tarantula“ stehen die unvorhergesehenen Folgen wissenschaftlichen Experimentierens im Zentrum der Geschichte.

Diese dreht sich um den Paläontologieprofessor Donald Blake, der für seine Studien einen vorzeitlichen Fisch geliefert bekommt. Schnell stellt sich heraus, dass etwas mit dem lebenden Fossil nicht stimmt. Denn ein Hund, der mit dem Fisch in Berührung kommt, entwickelt unerwartete urzeitliche Instinkte. Ganz ähnlich ergeht es einer Libelle, die durch die Berührung mit dem Fisch riesige Ausmaße annimmt. Schließlich wird Blake selbst bei der Untersuchung des Fisches verletzt. Mit fürchterlichen Konsequenzen.

Jack Arnold zeigt die Besessenheit eines Wissenschaftlers, der alles opfert, um endlich an das Ziel seiner Forschung zu gelangen. Dabei verliert er zunehmend den Kontakt mit seinen Mitmenschen und zerstört dadurch sein Leben. Seine Besessenheit führt schließlich zu Selbstversuchen als eine Art letztes Mittel, um dadurch seinen Kollegen die Richtigkeit seiner wahnwitzigen Theorie zu beweisen.

Jack Arnold greift hierbei auf Stevensons Jekyll & Hyde-Motiv zurück. Die Polizei glaubt, einen brutalen Mörder zu jagen, der anscheinend durch einen deformierten Körper auffällt. Die Spur, die sie verfolgt, verläuft jedoch ins Leere. Der Zuschauer ist den Protagonisten jeweils einen Schritt voraus. Doch mindert dies keinesfalls die Spannung. Im Gegenteil, denn so fiebert man mit, ob Polizei und Kollegen doch noch rechtzeitig das Geheimnis lüften werden.

Wie auch in seinen übrigen SF- und Horrorfilmen setzt Jack Arnold auf ein schnelles Erzähltempo sowie auf eine rasche Folge unheimlicher Ereignisse, so dass der Film keine Sekunde langweilig wird. Die Dramatik der Geschehnisse ist auch heute noch überaus packend. Regisseur Ken Russell zitierte Jack Arnolds „Monster on the Campus“ in seinem Horrorthriller „Der Höllentrip“ (1980), in dem es ebenfalls zu evolutionären Rückentwicklungen kommt. Jack Arnold selbst versuchte Anfang der 80er erneut wieder Horrorfilme zu drehen (wie etwa ein Remake seines Klassikers „Creature from the Black Lagoon“), doch fand er für seine Projekte keine Produzenten. Er starb 1992. Wie auch seine übrigen SF- und Horrorfilme, ist „Der Schrecken schleicht durch die Nacht“ ein Klassiker dieser beiden Genres.

Der Schrecken schleicht durch die Nacht (OT: Monster on the Campus), Regie: Jack Arnold, Drehbuch: David Duncan, Produktion: Joseph Gershenson, Darsteller: Arthur Franz, Joanna Moore, Judson Pratt, Nancy Walters, Troy Donahue. USA 1958, 73 Min.

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diefliegeWas geschieht, wenn eine gewöhnliche Stubenfliege ein Experiment vermasselt? Dieser Frage ging der französische Schriftsteller George Langelaan nach, als er seine Novelle „Die Fliege“ schrieb. In Hollywood hielt man diesen Stoff für visuell ausbaufähig und kaufte sogleich die Filmrechte an der Story. Der Romancier James Clavell verfasste hierzu das Drehbuch.

Jahre, bevor sich im Fernsehen Kirk und seine Mannschaft auf Planeten beamten, erzählt „Die Fliege“ die Geschichte des Wissenschaftlers André, der einen Weg gefunden hat, um Objekte von einem Ort zu einem anderen zu transferieren. Als dieser eines Tages einen Selbstversuch wagt, geschieht etwas äußerst unerwartetes: eine Fliege befindet sich mit in der Apparatur. Im Laufe des Versuchs vermischen sich die Atome der Fliege mit denen von André. Das Ergebnis ist eine Fliege in Menschengestalt und gleichzeitig ein Mensch in Form einer Fliege. Denn während André mit Fliegenkopf sein Dasein fristet, befindet sich Andrés Kopf auf dem Fliegenkörper.

Was sich aus dieser unangenehmen Lage entwickelt, ist ein sehr intensives Drama und zugleich ein spannender Horrorfilm. André möchte das Experiment nochmals durchführen, doch dafür benötigt er die Fliege. Seine Frau und sein Sohn versuchen verzweifelt, diese zu fangen, doch schließlich und endlich entwischt sie ihnen. Inzwischen machen sich bei André einerseits starke Depressionen bemerkbar, andererseits wird er immer stärker vom instinkthaften Verhalten der Fliege kontrolliert, so dass es ihm immer schwerer fällt, wie ein Mensch zu denken. Als seine Frau endlich wissen möchte, was genau mit ihm geschehen ist und ihm das Tuch vom Kopf zieht, mit dem er den Fliegenkopf verdeckt hält, kommt es zu einer der berühmtesten Scream-Scenes der Filmgeschichte: aus der Facetten-Perspektive der Fliege erscheint Andrés kreischende Frau in ein Dutzend Bildern. Zu den ebenfalls berühmt gewordenen Szenen gehört das Finale in der Stahlpresse, das bis heute nichts von seiner endgültigen Dramatik verloren hat.

1986 drehte David Cronenberg das Remake zu diesem Klassiker. Doch wie es nun einmal so ist, Klassiker sind nun einmal Klassiker. So gesehen reicht Cronenbergs Version kaum an Kurt Neumanns Verfilmung heran. Cronenberg versucht, die fehlende Dramatik seines Films durch diverse Make-up-Effekte zu überspielen, was aber nicht reicht, um einen guten Film hinzu bekommen. Jeff Goldblooms zunehmende Fliegeninstinkte werden durch Dauersex mit Geena Davis dargestellt. Irgendwie scheint es, als habe Cronenberg krampfhaft versucht, einen Film um neu kreierte Spezial Effekte herumzubiegen. Das Resultat war natürlich der Oskar für die besten Special Effects. Interessanterweise aber wurden beide Filme (1958 und 1986) für den Hugo Award nominiert. Der Hilfeschrei jedoch, den die Fliege im Original von sich gibt, während sie im Spinnennetz hängt und die Spinne auf sich zukrabbeln sieht, geht auch heute noch mehr durch Mark und Bein als Cronenbergs Matschorgie.

Die Fliege (OT: The Fly), Regie u. Produktion: Kurt Neumann, Drehbuch: James Clavell, Darsteller: Al Hedison, Patricia Owens, Vincent Price, Herbert Marshall. USA 1958, Laufzeit: 90 Min.

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orion3000Um Commander Rod Jackson gibt es eine ganze Filmreihe. Jackson ist ein heldenhafter Weltraumalleskönner, der die Erde stets vor einer tödlichen Gefahr rettet. In dem Film „War between the Planets“ (Italien 1965), der in Deutschland unter dem Titel „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ lief, hat Jackson wiederum alle Hände voll zu tun.

Die Erde wird von Tsunamis und noch nie dagewesenen Erdbeben heimgesucht. Europa liegt in Schutt und Asche. Commander Jackson, der der Chef der Raumstation Gamma 1 ist, bekommt den Auftrag, nach der Ursache dieser Katastrophen zu suchen. Denn manche Experten sind der Meinung, dass die katastrophalen Heimsuchungen nur durch einen kosmischen Einfluss hervorgerufen werden. Tatsächlich entdeckt Jacksons Mannschaft einen ominösen Planeten, der sich mit großer Geschwindigkeit der Erde nähert. Bewaffnet mit einer Antimateriebombe fliegt der Commander zusammen mit einer Crew aus Freiwilligen auf den fremden Himmelskörper, um diesen zu vernichten.

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Commander Jackson (Giacomo Rossi Stuart) und seine Freundin Terry (Ombretta Colli).

Die damaligen und auch späteren Kritiken zu „Orion 3000“ waren größtenteils schlecht. Nun ja, Big Budget-Kino sieht anders aus. Aber in der Regel sind es ja auch die B-Picture, die besser unterhalten als die aufgeblasenen Großproduktionen. In dieser Hinsicht liefert auch der Film des italienischen Regisseurs Antonio Margheriti (1930 – 2002) beste Trash-Unterhaltung. „Orion 3000“ ist äußerst kurzweilig. Die Szenen sind stets schnell und hektisch, die Dialoge fliegen wie Pistolenkugeln hin und her. Erst beim Besuch des fremden Planeten drückt Margheriti etwas auf die Bremse, sodass manche Szene auf und im Planeten dann doch ein wenig langatmig wirkt.

Ein interesssantes Bild liefert die Figur des Commander Jackson ab. Ganz Mann, scheißt er erst einmal seine Freundin Terry zusammen, die sehnsüchtig auf ihn in der Raumstation gewartet hat. Diese lässt die nicht enden wollende Schimpftirade tapfer über sich ergehen. Widerworte duldet Jackson nicht. Emanzen haben beim Commander keine Chance. Interessant ist bei der Figur ebenfalls, dass sich herausstellt, dass Terry eigentlich seine Geliebte ist und er auf der Erde noch eine Verlobte hat.

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Commander Jackson (Giacomo Rossi Suart) gibt Anweisungen für den Notfall.

Seine heldenhaften Taten, wie etwa Crewmitglieder davor zu retten, im Weltraum abzudriften, kommentiert Jackson mit Worten wie: „Da kann man schon mal einen halben Arsch riskieren.“ Nur, um später sich mit seinem besten Freund Dobrovski in die Haare zu bekommen und ihn als „dumme Sau“ zu bezeichnen.

Nicht weniger witzig, sind die Szenen, in denen Jackson und andere durch den Weltraum schweben. Irgendwie unbeholfen hängen sie im schwarzen Raum herum, wirken dabei schon fast wie Figuren aus der Augsburger Puppenkiste. Dennoch gab man sich Mühe, die Schwerelosigkeit als solche darzustellen. Recht gelungen ist in dieser Hinsicht die Sequenz, in der für einen kurzen Moment die Schwerkraft auf Gamma 1 aufgehoben wird. Denn im selben Moment beginnen die Gegenstände in der Kommandozentrale unkontrolliert durch die Luft zu schweben.

„War between the Planets“ bzw. „Orion 3000“ macht richtig Spaß. Und wenn sich manche Kritiker darüber geärgert haben bzw. noch immer ärgern, so sind sie selbst schuld.

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warningfromspace1Nach dem internationalen Erfolg von „Godzilla“ (1954), musste unbedingt ein neuer Film her, der auf diesem Erfolg aufspringen konnte. Die Fortsetzung des Monsterfilms „Godzilla kehrt zurück“ (1955) floppte an den internationalen Kinokassen. Also suchte man nach einem anderen Konzept.

Godzilla wurde zunächst einmal zu den Akten gelegt. Stattdessen versuchte man, sich an den SF-Filmen Hollywoods zu orientieren und schuf daher einen Film, in dem die Menschheit in den Kontakt zu Außerirdischen tritt. Der Titel des Films lautete „Warning from Space“ und kam 1956 in die Kinos.

Es geht darin um seesternartige Außerirdische, die die Menschheit vor einer Katastrophe warnen wollen. Ein Planet (Planet R) nähert sich der Erde. Es droht ein Zusammenstoß, der unweigerlich zur Vernichtung unserer Welt führt. Während die Wissenschaftler zum einen versuchen, hinter das Geheimnis der Außerirdischen zu kommen, versuchen sie andererseits, etwas gegen die drohende Gefahr zu unternehmen.

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Die Aliens in ihrer Raumstation. Über die Kostüme lässt sich natürlich streiten. „Warning from Space“ (1956).

Um die Aufmerksamkeit zu erhöhen, drehte Regisseur Koji Shima den Film in Farbe. Es handelte sich dabei um den ersten japanischen SF-Film in Farbe. Koji Shima reizte dabei das Farbspektrum regelrecht aus. Zunächst ist man etwas enttäuscht. Gleich die erste Einstellung, welche die Außerirdischen in ihrer Raumstation zeigen, bietet lediglich sonderbare Grautöne. Nur das Auge eines der sprechenden Seesterne blinkt in einem intensiven Blau. Doch nach einem harten Schnitt auf einen Regenschirm, der für ein paar Sekunden das komplette Bild ausfüllt, ist man positiv überrascht. Nicht nur aufgrund der Farbe. Denn die Einstellung leitet eine Szene ein, die an einem regnerischen Abend auf einem Bahnhof spielt, auf dem sich ein Reporter mit einem Wissenschaftler trifft. Dies wirkt überaus modern und so gar nicht aus dem Jahr 1956. In der Tat, was die Optik des Films betrifft, ist dieser seiner Zeit weit voraus. Ganz toll sind die Sequenzen, in denen Menschen in Tokio in den Himmel sehen, um nach den UFOs Ausschau zu halten. Wie gesagt, wirken diese nicht wie aus den 50er Jahren, sondern könnten genauso gut heute gedreht worden sein.

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Prof. Isobe spricht vor den Reportern über die drohende Gefahr.

Man hat gelegentlich den Eindruck, dass Koji Shima bei Orson Welles abgeguckt hat. Zwar wurde auch damals die Optik des Film gewürdigt, doch was die Handlung betrifft, so war man sich einig, dass „Warning from Space“ nicht viel hergibt. Und da hatten die Kritiker durchaus recht. Im Hinblick auf die Story wirkt der Film unglaublich naiv. Somit kommt es auch zu Szenen, die, trotz der genialen Optik, irgendwie dämlich wirken. So z.B. eine Szene, in der einer der Wissenschaftler mit einem in eine Frau transformierten Außerirdischen Tennis spielt. Bei jedem Schlag springt die Frau fast zwei Meter in die Höhe. Ob die Szene damals ernst gemeint war oder Shima diese mit einem Augenzwinkern bedacht hatte, bleibt unklar.

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„Keep watching the Sky!“ Hier ein Beispiel für die teils hervorragende Optik des Films. „Warning from Space“ (1956).

Auch ergeben sich mehrere Ungereimtheiten. Die vermeintliche Frau soll in dem Film eine bekannte Sängerin sein, welche die Aliens kopiert haben. Seltsam ist, dass die Wissenschaftler und Reporter sich über das Aussehen der Frau gar nicht wundern und diese nicht als eben jene Sängerin erkennen, im Gegensatz zu einer Gruppe Schülerinnen, die sie sofort kreischend umringen. Völlig überflüssig ist das plötzliche Auftreten eines Gangsters, der von einem der Wissenschaftler namens Isobe die Formel haben möchte, mit der man eine Bombe bauen kann, die um ein Vielfaches stärker als eine Atombombe ist. Isobe wird entführt. Doch auf seinem Finger trägt er einen Ring der Außerirdischen, mit dem eben jene Außerirdischen ihn jerderzeit lokalisieren können. Doch, und hier macht sich wieder die Unlogik der Story bemerkbar, als erstes kommen die als Menschen transformierten Aliens in das Forschungsinstitut und fragen, ob Isobe hier sei, worauf seine Kollegen meinen, dass sie ihn seit Tagen nicht gesehen hätten. Darauf erwidert die Alien-Frau, dass Isobe eben jenen Ring habe und sie ihn deswegen schnell finden könnten.

Auch „Warning from Space“ blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Anfang der 60er Jahre wurde er erneut aufgeführt. Erst bei seinem zweiten Anlauf wurde er auch in den USA gezeigt. Wie bereits erwähnt, ist der Film rein optisch durchaus bemerkenswert. Trotz seiner teils verpatzten Handlung ging „Warning from Space“ als erster SF-Farbfilm in die japanische Filmgeschichte ein. Wieso aber die Außerirdischen ausgerechnet wie Seesterne aussehen, bleibt eine andere Frage.

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Parallel zu den Produktionen in Hollywood, begannen auch die Filmstudios in Großbritannien auf den Trash-Zug aufzuspringen, in der Hoffnung, den US-amerikanischen Kollegen dadurch Konkurrenz zu machen. Die Themen, die in den Filmen verfolgt wurden, unterscheiden sich nicht von denen der Hollywoodfilme. Allerdings müssen die „Invasions“-Filme anders beurteilt werden. Geht es in den Hollywoodfilmen darum, in einer außerirdischen Invasion die Gefahr des Kommunismus zu symbolisieren, so geht es in den englischen Produktionen um das Infragestellen der Splendid Isolation – zwei völlig unterschieldiche Betrachtungsweisen. Im Gegensatz zu Hollywood ist außerdem der Ekelgrad der Make up-Effekte etwas höher, doch hängt dies mit den jeweiligen Zensurbestimmungen zusammen, die in den USA weit strenger waren als in Großbritannien. In den 50er Jahren begannen zudem die legendären Hammer-Studios, ihre Filmmonster auf die Zuschauer loszulassen. Dabei produzierten sie auch ein paar SF-Horrorfilme, von denen die sog. Quatermass-Filme die wohl bekanntesten sind. Zwei Filme dieser Reihe entstanden in den 50er Jahren, der dritte und bekannteste (Quatermass and the Pit) Ende der 60er Jahre. Gelegentlich liefen die englischen Produktionen in den USA unter anderem Titel, was dazu führte, dass es zu einem Film mehrere Alternativtitel gibt, was die Sache für Sammler hin und wieder schwer macht. Kommen wir nun zu den Beispielen:

X… The Unknown (1956)

X: The Unknown (1956) nimmt das X der Akte X-Serie vorweg. Der Film erzählt von einer schleimigen Substanz, die während eines Militärmanövers aus dem Boden tritt. Der Schleim strahlt einen hohen Grad an Radioaktivität aus. Noch dazu ernährt er sich von Energie. Das Problem wird noch um Einiges größer, als sich der Schleim einer Stadt nähert. X könnte genauso gut Teil der Quatermass-Trilogie sein. In der Tat bezieht er sich – ähnlich wie die Quatermass-Filme – auf eine Fernsehserie. Möchte man ihn mit weiteren Filmen vergleichen, so käme ihm der japanische Monsterfilm Das Grauen schleicht durch Tokio (1958) ziemlich nahe. Der Film ist sehr spannend und kurzweilig und zählt zu den Klassikern des britischen Trash-Kinos.

Quatermass II (1957)

Von den beiden Quatermass-Filmen, die in den 50ern produziert wurden, ist Quatermass II durchaus aufwendiger produziert als sein Vorgänger. Teil 1 mit dem Titel The Quatermass X-periment (man achte hier auf die originelle Schreibweise, welche damals einzigartig war), ähnelt der Hollywoodproduktion First man into Space. Ein Weltraumpilot kehrt zurück auf die Erde, befallen von einem außerirdischen Wesen. Der zweite Teil hat es wiederum mit Schleimmonstern zu tun. Diese werden in einer als Ölraffinerie getarnten Geheimstation gezüchtet. Teil zwei ist nicht weniger spannend als der erste Film, wirkt durch seine Handlung allerdings etwas naiver als Teil eins, der sehr düster und tragisch konzipiert war.

Strange world of planet X (1958). In den USA lief der Film als „Cosmic Monsters“.

Strange World of Planet X (1958) zeigt wiederum die X-fixierung der englischen Produzenten. Wissenschaftler experimentieren mit magnetischen Feldern. Diese Experimente haben jedoch direkte Auswirkungen auf die Umwelt. Sie führen zu Riesenwuchs unter den Insekten und Spinnen. Leider arbeiteten die Filmemacher mit Rückprojektionen und keinen selbstgebastelten Monstern, was die Effekte wenig originell macht. Die Story an sich jedoch ist sehr interessant. Auch der Spannungsaufbau ist gut konstruiert.

The Trollenberg Terror (1958). Lief in den USA als „The crawling Eye“.

The Trollenberg Terror (1958) spielt in den Schweizer Alpen. Auf dem Trollenberg geschehen immer wieder sonderbare Unglücksfälle. Bergsteiger verschwinden spurlos bzw. werden ohne Kopf aufgefunden. Zwei Wissenschaftler machen sich daran, das Rätsel zu lösen. Das Drehbuch dieses Films schrieb Jimmy Sangster, der später zu den besten Autoren und Regisseuren der Hammer-Studios gehörte. Sein Können merkt man dem Film an. Die Story ist konsequent umgesetzt, der Spannungsaufbau wie aus dem Lehrbuch.

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Ein in der Regel gut aussehender Wissenschaftler gehört zu den Hauptfiguren der Trash-Filme der 50er Jahre. Ihm zur Seite steht meistens eine hübsche Assistentin. Die Darstellung der Frau ist in den 50er Jahren differenziert, was soviel heißt wie, dass nicht alle weiblichen Figuren ein konservatives Rollenbild entwerfen. Was dennoch bleibt ist, dass die Frau dem Mann untergeordnet ist. Dies spiegelt aber lediglich die soziale Hierarchie, die in den 50er Jahren vorherrschte, wider. Eigentliches Thema in unserem Artikel ist jedoch die Wissenschaft. In den Trash-Filmen der 50er Jahre wird hiervon ebenfalls ein differenziertes Bild geliefert. Zum einen sind es die Experten, die durch ihr Wissen die Menschheit vor einer globalen Invasion oder einer sonstigen außergewöhnlichen Katastrophe retten. Zum anderen sind es Wissenschaftler in ihren Geheimlabors, die durch ihre moralisch bedenkliche Forschung Katastrophen auslösen. Indirekt fordern daher diese Filme auf, Wissenschaftler und ihr Tun besser zu kontrollieren und durchschaubarer zu machen. Dadurch wird der Wissenschaftler selbst ebenfalls unterschiedlich charakterisiert. Da gibt es den Helden, der die Menschheit rettet, und da gibt es den griesgrämigen Einzelgänger, der sich nicht an die moralischen Auflagen hält, selbts wenn sein Ziel durchaus – wie etwa in Tarantula – ehrenwert ist: den Hunger auf der Welt zu bekämpfen. Im letzten Fall erhält die Figur des Wissenschaftlers nicht wirklich einen bösen Charakter, sondern wird vielmehr zu einer tragischen Gestalt. Und jetzt zu den Beispielen:

Space Master X-7 (1958)

Space Master X-7 (1958) erzählt die Geschichte einer Raumsonde, die zurück auf die Erde fällt. Sie umgibt ein seltsamer Pilz, der im Privatlabor eines Wissenschaftlers untersucht wird. Dieser aber hat gerade Probleme mit seiner Exfrau. Dadurch unkonzentriert, kommt es zur Katastrophe. Denn der Pilz reagiert mit Blut zu einer Art Rost, der alles befällt und vernichtet. Der Film dauert gerade einmal etwas länger als eine Stunde, nutzt diese Zeit aber voll aus. Man könnte die Produktion durchaus als eine Art Science-Thriller bezeichnen, der sich genau in zwei Teile gliedert: zum einen die Untersuchung des rätselhaften Pilzes, die in einer Katastrophe endet, zum anderen die Flucht der Exfrau vor der Polizei, da sie glaubt, dass sie des Mordes an ihrem Ex-Mann bezichtigt wird. Durch ihre Flucht trägt sie die Sporen des außerirdischen Pilzes mit sich. Ein sehr spannender, realistisch umgesetzter SF-Film.

First Man into Space (1958)

First man into Space (1958) handelt vom menschlichen Ehrgeiz. „But I wanted to be the first man into space“, lautet der tragische Schlusssatz eines Astronauten, der sich, nach Rückkehr zur Erde, in ein Monster transformiert hat. Schuld daran ist eine Staubwolke, in die er bei seinem Testflug geraten ist. Der Staub umgibt den Körper des Mannes und beeinflusst sein Verhalten. Ein teilweise (für die damaligen Verhältnisse) recht krass in Szene gesetzter SF-Thriller, der auch heute nichts von seiner Wirkung verloren hat.

Attack of the Puppet People (1958)

Attack of the Puppet People (1958) ist ein Trash-Film, der die Idee des Incredible Shrinking Man nochmals aufgreift und diese recht abenteuerlich umsetzt. Handelt es sich bei Jack Arnolds Klassiker um einen durchaus ernsten Film, der sich mit den Auswirkungen radioaktiver Strahlung auseinandersetzt, so wirkt Puppet People doch eher wie ein Kasperle Theater. Regisseur Bert I. Gordon, der für mehrere Trash-Filme aus den 50ern verantwortlich ist (wie etwa den in Teil 2 unserer Artikelreihe erwähnten The Cyclops), setzte auf Action und groteske Ideen. Es geht um einen verrückten Wissenschaftler, der mithilfe von radioaktiven Strahlen Menschen verkleinert.

The Alligator People (1959)

Alligator People (1959) nimmt sich des Themas radioaktiver Strahlung wieder ernster an. Mitten in einem Sumpfgebiet versucht ein Wissenschaftler mithilfe von radioaktiver Strahlung Wunden zu heilen. Dadurch gelingt es ihm in der Tat, schwerste Verletzungen so zu behandeln, dass nicht einmal ein Kratzer übrig bleibt. Eine Konsequenz davon aber ist, dass sich die Patienten in Reptilien verwandeln, da den Verwundeten zugleich ein Stimulationsmittel gespritzt wird, das aus Alligatoren gewonnen wird. Eine Frau, die nach ihrem verschwundenen Ehemann sucht, kommt dem Forscher auf die Spur, da ihr Mann ebenfalls zu dessen Patienten gehört. Obwohl die Handlung sehr trashig klingt, ist der Film genial umgesetzt, optisch einwandfrei und schauspielerisch auf recht hohem Niveau. Alligator People gehört somit zu den besseren Vertretern der Trash-Filme aus den 50ern.

4 D Man (1959)

4 D Man (1959) dürfte als ein Höhepunkt des SF-Films der 50er Jahre gelten. Es geht um einen Wissenschaftler, dem es gelingt, Raum und Zeit aufzuheben und dadurch neuartige Materlialien zu schaffen. Als sein Bruder heimlich mit den Apparaten experimentiert, verändert sich sein Körper dahingehend, dass er auf einmal durch Wände gehen kann.  Natürlich beeinflusst diese Veränderung seinen Charakter auf negative Weise, was letztendlich zu einem Kampf zwischen den beiden Brüdern ausartet. 4 D Man ist das, was man schlicht und ergreifend als Knüller bezeichnen kann. Hier stimmt einfach alles. Die sehr gute Optik, die hervorragenden Schauspieler, die Spezialeffekte und die Figurenkonstellation. All das wird eingewoben in eine spannende und rasant erzählte Story.

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