Die Konkurrenz aus England – Trash-Filme der 50er Teil 5

Parallel zu den Produktionen in Hollywood, begannen auch die Filmstudios in Großbritannien auf den Trash-Zug aufzuspringen, in der Hoffnung, den US-amerikanischen Kollegen dadurch Konkurrenz zu machen. Die Themen, die in den Filmen verfolgt wurden, unterscheiden sich nicht von denen der Hollywoodfilme. Allerdings müssen die „Invasions“-Filme anders beurteilt werden. Geht es in den Hollywoodfilmen darum, in einer außerirdischen Invasion die Gefahr des Kommunismus zu symbolisieren, so geht es in den englischen Produktionen um das Infragestellen der Splendid Isolation – zwei völlig unterschieldiche Betrachtungsweisen. Im Gegensatz zu Hollywood ist außerdem der Ekelgrad der Make up-Effekte etwas höher, doch hängt dies mit den jeweiligen Zensurbestimmungen zusammen, die in den USA weit strenger waren als in Großbritannien. In den 50er Jahren begannen zudem die legendären Hammer-Studios, ihre Filmmonster auf die Zuschauer loszulassen. Dabei produzierten sie auch ein paar SF-Horrorfilme, von denen die sog. Quatermass-Filme die wohl bekanntesten sind. Zwei Filme dieser Reihe entstanden in den 50er Jahren, der dritte und bekannteste (Quatermass and the Pit) Ende der 60er Jahre. Gelegentlich liefen die englischen Produktionen in den USA unter anderem Titel, was dazu führte, dass es zu einem Film mehrere Alternativtitel gibt, was die Sache für Sammler hin und wieder schwer macht. Kommen wir nun zu den Beispielen:

X… The Unknown (1956)

X: The Unknown (1956) nimmt das X der Akte X-Serie vorweg. Der Film erzählt von einer schleimigen Substanz, die während eines Militärmanövers aus dem Boden tritt. Der Schleim strahlt einen hohen Grad an Radioaktivität aus. Noch dazu ernährt er sich von Energie. Das Problem wird noch um Einiges größer, als sich der Schleim einer Stadt nähert. X könnte genauso gut Teil der Quatermass-Trilogie sein. In der Tat bezieht er sich – ähnlich wie die Quatermass-Filme – auf eine Fernsehserie. Möchte man ihn mit weiteren Filmen vergleichen, so käme ihm der japanische Monsterfilm Das Grauen schleicht durch Tokio (1958) ziemlich nahe. Der Film ist sehr spannend und kurzweilig und zählt zu den Klassikern des britischen Trash-Kinos.

Quatermass II (1957)

Von den beiden Quatermass-Filmen, die in den 50ern produziert wurden, ist Quatermass II durchaus aufwendiger produziert als sein Vorgänger. Teil 1 mit dem Titel The Quatermass X-periment (man achte hier auf die originelle Schreibweise, welche damals einzigartig war), ähnelt der Hollywoodproduktion First man into Space. Ein Weltraumpilot kehrt zurück auf die Erde, befallen von einem außerirdischen Wesen. Der zweite Teil hat es wiederum mit Schleimmonstern zu tun. Diese werden in einer als Ölraffinerie getarnten Geheimstation gezüchtet. Teil zwei ist nicht weniger spannend als der erste Film, wirkt durch seine Handlung allerdings etwas naiver als Teil eins, der sehr düster und tragisch konzipiert war.

Strange world of planet X (1958). In den USA lief der Film als „Cosmic Monsters“.

Strange World of Planet X (1958) zeigt wiederum die X-fixierung der englischen Produzenten. Wissenschaftler experimentieren mit magnetischen Feldern. Diese Experimente haben jedoch direkte Auswirkungen auf die Umwelt. Sie führen zu Riesenwuchs unter den Insekten und Spinnen. Leider arbeiteten die Filmemacher mit Rückprojektionen und keinen selbstgebastelten Monstern, was die Effekte wenig originell macht. Die Story an sich jedoch ist sehr interessant. Auch der Spannungsaufbau ist gut konstruiert.

The Trollenberg Terror (1958). Lief in den USA als „The crawling Eye“.

The Trollenberg Terror (1958) spielt in den Schweizer Alpen. Auf dem Trollenberg geschehen immer wieder sonderbare Unglücksfälle. Bergsteiger verschwinden spurlos bzw. werden ohne Kopf aufgefunden. Zwei Wissenschaftler machen sich daran, das Rätsel zu lösen. Das Drehbuch dieses Films schrieb Jimmy Sangster, der später zu den besten Autoren und Regisseuren der Hammer-Studios gehörte. Sein Können merkt man dem Film an. Die Story ist konsequent umgesetzt, der Spannungsaufbau wie aus dem Lehrbuch.

Gefährliche Wissenschaft – Trash-Filme der 50er Jahre Teil 4

Ein in der Regel gut aussehender Wissenschaftler gehört zu den Hauptfiguren der Trash-Filme der 50er Jahre. Ihm zur Seite steht meistens eine hübsche Assistentin. Die Darstellung der Frau ist in den 50er Jahren differenziert, was soviel heißt wie, dass nicht alle weiblichen Figuren ein konservatives Rollenbild entwerfen. Was dennoch bleibt ist, dass die Frau dem Mann untergeordnet ist. Dies spiegelt aber lediglich die soziale Hierarchie, die in den 50er Jahren vorherrschte, wider. Eigentliches Thema in unserem Artikel ist jedoch die Wissenschaft. In den Trash-Filmen der 50er Jahre wird hiervon ebenfalls ein differenziertes Bild geliefert. Zum einen sind es die Experten, die durch ihr Wissen die Menschheit vor einer globalen Invasion oder einer sonstigen außergewöhnlichen Katastrophe retten. Zum anderen sind es Wissenschaftler in ihren Geheimlabors, die durch ihre moralisch bedenkliche Forschung Katastrophen auslösen. Indirekt fordern daher diese Filme auf, Wissenschaftler und ihr Tun besser zu kontrollieren und durchschaubarer zu machen. Dadurch wird der Wissenschaftler selbst ebenfalls unterschiedlich charakterisiert. Da gibt es den Helden, der die Menschheit rettet, und da gibt es den griesgrämigen Einzelgänger, der sich nicht an die moralischen Auflagen hält, selbts wenn sein Ziel durchaus – wie etwa in Tarantula – ehrenwert ist: den Hunger auf der Welt zu bekämpfen. Im letzten Fall erhält die Figur des Wissenschaftlers nicht wirklich einen bösen Charakter, sondern wird vielmehr zu einer tragischen Gestalt. Und jetzt zu den Beispielen:

Space Master X-7 (1958)

Space Master X-7 (1958) erzählt die Geschichte einer Raumsonde, die zurück auf die Erde fällt. Sie umgibt ein seltsamer Pilz, der im Privatlabor eines Wissenschaftlers untersucht wird. Dieser aber hat gerade Probleme mit seiner Exfrau. Dadurch unkonzentriert, kommt es zur Katastrophe. Denn der Pilz reagiert mit Blut zu einer Art Rost, der alles befällt und vernichtet. Der Film dauert gerade einmal etwas länger als eine Stunde, nutzt diese Zeit aber voll aus. Man könnte die Produktion durchaus als eine Art Science-Thriller bezeichnen, der sich genau in zwei Teile gliedert: zum einen die Untersuchung des rätselhaften Pilzes, die in einer Katastrophe endet, zum anderen die Flucht der Exfrau vor der Polizei, da sie glaubt, dass sie des Mordes an ihrem Ex-Mann bezichtigt wird. Durch ihre Flucht trägt sie die Sporen des außerirdischen Pilzes mit sich. Ein sehr spannender, realistisch umgesetzter SF-Film.

First Man into Space (1958)

First man into Space (1958) handelt vom menschlichen Ehrgeiz. „But I wanted to be the first man into space“, lautet der tragische Schlusssatz eines Astronauten, der sich, nach Rückkehr zur Erde, in ein Monster transformiert hat. Schuld daran ist eine Staubwolke, in die er bei seinem Testflug geraten ist. Der Staub umgibt den Körper des Mannes und beeinflusst sein Verhalten. Ein teilweise (für die damaligen Verhältnisse) recht krass in Szene gesetzter SF-Thriller, der auch heute nichts von seiner Wirkung verloren hat.

Attack of the Puppet People (1958)

Attack of the Puppet People (1958) ist ein Trash-Film, der die Idee des Incredible Shrinking Man nochmals aufgreift und diese recht abenteuerlich umsetzt. Handelt es sich bei Jack Arnolds Klassiker um einen durchaus ernsten Film, der sich mit den Auswirkungen radioaktiver Strahlung auseinandersetzt, so wirkt Puppet People doch eher wie ein Kasperle Theater. Regisseur Bert I. Gordon, der für mehrere Trash-Filme aus den 50ern verantwortlich ist (wie etwa den in Teil 2 unserer Artikelreihe erwähnten The Cyclops), setzte auf Action und groteske Ideen. Es geht um einen verrückten Wissenschaftler, der mithilfe von radioaktiven Strahlen Menschen verkleinert.

The Alligator People (1959)

Alligator People (1959) nimmt sich des Themas radioaktiver Strahlung wieder ernster an. Mitten in einem Sumpfgebiet versucht ein Wissenschaftler mithilfe von radioaktiver Strahlung Wunden zu heilen. Dadurch gelingt es ihm in der Tat, schwerste Verletzungen so zu behandeln, dass nicht einmal ein Kratzer übrig bleibt. Eine Konsequenz davon aber ist, dass sich die Patienten in Reptilien verwandeln, da den Verwundeten zugleich ein Stimulationsmittel gespritzt wird, das aus Alligatoren gewonnen wird. Eine Frau, die nach ihrem verschwundenen Ehemann sucht, kommt dem Forscher auf die Spur, da ihr Mann ebenfalls zu dessen Patienten gehört. Obwohl die Handlung sehr trashig klingt, ist der Film genial umgesetzt, optisch einwandfrei und schauspielerisch auf recht hohem Niveau. Alligator People gehört somit zu den besseren Vertretern der Trash-Filme aus den 50ern.

4 D Man (1959)

4 D Man (1959) dürfte als ein Höhepunkt des SF-Films der 50er Jahre gelten. Es geht um einen Wissenschaftler, dem es gelingt, Raum und Zeit aufzuheben und dadurch neuartige Materlialien zu schaffen. Als sein Bruder heimlich mit den Apparaten experimentiert, verändert sich sein Körper dahingehend, dass er auf einmal durch Wände gehen kann.  Natürlich beeinflusst diese Veränderung seinen Charakter auf negative Weise, was letztendlich zu einem Kampf zwischen den beiden Brüdern ausartet. 4 D Man ist das, was man schlicht und ergreifend als Knüller bezeichnen kann. Hier stimmt einfach alles. Die sehr gute Optik, die hervorragenden Schauspieler, die Spezialeffekte und die Figurenkonstellation. All das wird eingewoben in eine spannende und rasant erzählte Story.

Angriff der Riesenmonster – Trash-Filme der 50er Teil 3

Bedingt durch den enormen Erfolg des ersten japanischen Monsterfilms Godzilla (1954) nahmen sich in den 50er Jahren auch die Hollywoodstudios dem Thema Riesenungeheuer an. In manchen dieser Filme schwingt die Angst vor den Auswirkungen radioaktiver Strahlung mit, welche z.B. durch Atombombentests im Südpazifik und in der Wüste Nevadas hervorgerufen wurde. Die dadurch in den Filmen entstehenden Mutationen bedrohen die Menschen und zerstören deren Städte. Zwei der bekanntesten Beispiele sind Tarantula und Formicula. Hierbei gibt es jedoch auch Filme, in denen die Ursache des Riesenwuchses nicht exakt genannt wird. Entweder handelt es sich um Ungeheuer aus der Vorzeit, die aufgrund unterschiedlicher Zwischenfälle aus ihrem „Winterschlaf“ geweckt wurden, oder um außerirdische Besucher. Wie bereits in den vorangegangenen Teilen wollen wir uns auch hier wieder Filmen widmen, die heutzutage einen geringeren Bekanntheitsgrad besitzen.

Attack of the Crab Monsters (1957)

Attack of the Crab Monsters (1957) spielt auf einer Insel im Südpazifik. Auf einem benachbarten Atoll wurden vor wenigen Jahren Atombombentests durchgeführt. Die radioaktive Strahlung beeinflusst jedoch noch immer das Leben auf der kleinen Insel. Eine Gruppe Wissenschaftler sucht auf dieser Insel nach den verschwundenen Mitgliedern einer Forschungsmannschaft. Bereits nach kurzer Zeit erfahren sie den Grund für das Verschwinden der Leute: riesige Monsterkrabben, die zugleich telepathische Fähigkeiten besitzen. Der Film gehört zu den erfolgreichsten Produktionen Roger Cormans. Gezielt wurde jede Szene mit Spannung und Action bereichert.

The Giant Claw (1957)

The Giant Claw (1957) handelt von einem Riesenvogel, dessen Herkunft allerdings nicht ganz klar ist. So wird er zunächst als riesiger Vorzeitvogel präsentiert, nur um später als außerirdisches Monster aus einem Antimaterieuniversum bezeichnet zu werden. Das Monser selbst wirkt wie eine selbst gebastelte Marionette und soll angeblich die damaligen Zuschauer zum Lachen gebracht haben.

The deadly Mantis (1957)

The deadly Mantis (1957) ist ein spannender SF-Horror-Film um eine riesige Gottesanbeterin, die durch einen Vulkanausbruch auf der Südhalbkugel der Erde aus dem Schlaf geweckt wird und von da an ihr Unwesen treibt. Ihr eigentliches Ziel aber ist Washington, wo sie für Angst und Schrecken sorgt. Das Rieseninsekt ist kein Resultat radioaktiver Strahlung, sondern ein lebendiges Fossil aus der Urzeit, das bisher im Eis der Arktis gefangen gehalten worden war. Regie führte übrigens der ungarische Regisseur Nathan Juran, der auch SF-Klassiker wie 20 Million Miles to Earth (1957) geschaffen hat. The deadly Mantis gehört zu den sensationellsten SF-Filmen der 50er Jahre und beeinflusste durch seine Dramaturgie sämtliche spätere Riesenmomsterfilme Hollywoods.

Kronos 1957
Kronos (1957)

KRONOS (1957) ist kein Ungeheuer im eigentlichen Sinne. Es handelt sich um eine riesige außerirdische Maschine, die im Südpazifik landet. Unterwasser nähert sie sich Mexiko. Als die Megamaschine an Land kommt, sucht sie zunächst ein paar Kraftwerke auf, um deren Energie einzusaugen. Mit jeder Energieladung wird Kronos noch größer. – Neben der Fliege ist KRONOS Kurt Neumanns zweites Meisterwerk. Es handelt sich um einen Ausnahmefilm innerhalb der Trash-Produktionen, die während der 50er Jahre entstanden sind. Die Idee einer kolossalen Maschine ist für die damalige Zeit hervorragend umgesetzt. Zudem besticht der Film durch eine grandiose Optik.

Giant from the Unknown (1958)

The Giant from the Unknown (1958) ist nicht wirklich ein Riese. Es handelt sich bei ihm um einen spanischen Hünen aus dem 16. Jahrhundert, der durch einen Blitzschlag zum Leben erweckt wird und die Bewohner einer Kleinstadt in Californien bedroht. Man verzichtete hier ganz auf Einblendungen, sondern ließ Vargas – so der Name des Riesen – einfach etwas größer und kräftiger aussehen als die übrigen Schauspieler. Das enttäuscht etwas. Trotzdem bietet der Film auch heute noch eine nette Unterhaltung.

The giant Behemoth (1959)

The Giant Behemoth (1959) ist eine amerikanisch-britische Co-Produktion, um ein Seeungeheuer, das London heimsucht. Das Monster entstand wie auch die oben erwähnten Monsterkrabben durch die radioaktive Strahlung eines Atomtests. Manche Szenen klaute Roland Emmerich für sein Godzilla-Remake. Regie führte Eugene Lourie, der vor dem Zweiten Weltkrieg mit Max Ophüls und Jean Renoir zusammengearbeitet hat. Auch wenn das Monster nicht gerade das Gelbe vom Ei ist, so ist der Spannungsaufbau einzelner Szenen geradezu lehrbuchartig umgesetzt.

The giant Leeches (1959)

The Giant Leeches (1959) schließlich handelt von riesigen Blutegeln, die ihre Opfer in ein unterirdisches Höhlensystem zerren, um sie dort nach und nach auszusaugen. Aus welchem Grund die Blutegel so groß und vor allem intelligent geworden sind, wird nicht wirklich klar. Aber das stört auch nicht weiter, denn der Film ist auch so durchaus kurzweilige Trash-Unterhaltung.

Fantastic Journeys – Trash der 50er Jahre Teil 2

Der erste Teil unserer kleinen Artikelreihe beschäftigte sich mit Invasionen aus dem Weltall. Neben diesen SF-Filmen wurden noch eine Reihe anderer Trash-Movies produziert, welche ein Crossover zwischen Abenteuerfilm, Horror und SF darstellten. Obwohl es sich dabei um reine Unterhaltungsfilme handelte, schwang in der ein oder anderen Story auch ein Hauch von Sozialkritik mit. Zum einen kritisierten sie den Umgang mit radioaktiven Stoffen und warnten – natürlich auf ihre übliche verspielte Weise – vor den Konsequenzen radioaktiver Verunreinigungen. Zum anderen verurteilten sie Diktaturen als veraltete, nicht überlebensfähige Herrschaftsform. Dies geschah in der Regel in Form einer Konfrontation zwischen amerikanischen Expeditionsteilnehmern und einem vergessenen Volk, das seit Jahrtausenden dieselben Riten verfolgt und starr an seinen Traditionen festhält. Natürlich wurde dabei indirekt auch auf die Überlegenheit der USA gegenüber nicht-westlichen Gesellschaften angespielt. Immerhin betrachtete sich die USA als die am höchst entwickelte Nation auf der Erde, was durch die in den 50er Jahren entworfenen Modernisierungstheorien von Talcott Parsons u. a. sozialwissenschaftlich bewiesen werden sollte. In den 60er Jahren begann diese Weltsicht langsam zu bröckeln, bevor sie Anfang der 70er Jahre, bedingt durch den Vietnamkrieg, vollends ad acta gelegt wurde. Doch nun zu ein paar Beispielen zu den oben genannten Filmen:

The Snow Creature (1954)

The Snow Creature (1954) orientiert sich in gewissem Sinne an Merian C. Coopers King Kong. Eine Forschungsexpedition sucht im Himalaya nach dem sagenumwobenen Schneemenschen. Tatsächlich finden sie dieses menschenähnliche Ungeheuer, fangen es und bringe es nach New York. Dort bricht es aus und sorgt gehörig für Unruhe. Der Film ist auch heute noch recht unterhaltsam. Das Auftreten des Monsters ist recht originell in Szene gesetzt. Die Jagd durch das New Yorker Kanalsystem beeinflusste zahlreiche spätere Produktionen wie etwa den Tierhorrorfilm Alligator (1980). Zugleich war The Snow Creature der Auftakt für eine ganze Reihe von Yeti-Filmen, die sich durch die ganze Filmgeschichte ziehen. Angefangen von The abominable Snowman (1957) bis zu Snow Beast (2011).

The Mole People (1956)

The Mole People (1956) spielt ebenfalls im Himalaya. Der Film orientiert sich an den phantastischen Abenteuerromanen Henry Rider Haggards und daher an dem sog. „Lost People“-Subgenre. Einer seiner She-Romane spielt im Himalaya. Die Expeditionsteilnehmer in The Mole People finden jedoch keine unsterbliche Frau, sondern ein Volk, das in einem Höhlensystem unterhalb des Gebirges existiert. Da sie nie in Berührung mit direktem Licht gekommen sind, halten sie die Eindringlinge zunächst für Götter, da das Licht ihrer Taschenlampe das Volk in Angst und Schrecken versetzt. Allerdings kommt der Hohepriester schnell dahinter, dass es sich bei den Wissenschaftlern um ganz normale Sterbliche handelt und möchte sie daher so schnell wie möglich opfern. The Mole People ist überaus spannend in Szene gesetzt. Im Hinblick auf die weibliche Hauptfigur ist das Ende für einen 50er Jahre Trash-Film sehr überraschend.

The Cyclops (1957)

The Cyclops (1957) handelt von einer Reise nach Mexiko. Eine Frau sucht dort nach ihrem Mann, einem Piloten, der seit drei Jahren vermisst wird. Zusammen mit ihrem Bekannten und zwei zwielichtigen Draufgängern geht sie den Hinweisen auf seinen letzten Verbleib nach. Dadurch gelangt sie in eine abgelegene Gegend, die aufgrund des Vorkommens hochradioaktiven Materials unzählige Mutationen aufweist. Hierbei vor allem Riesenwuchs. Somit müssen sich die Schauspieler vor durch Rückprojektion eingeblendeten Mäusen, Schlangen und anderem Getier in Sicherheit bringen. Und natürlich auch vor dem Zyklopen, der dort sein Unwesen treibt. Wie viele andere Trash-Filme, so ist auch Cyclops äußerst kurzweilig. In der Tat wundert man sich, dass im Zeitalter der Remakeitis kein Mensch auf die Idee gekommen ist, diese alten Produktionen neu zu verfilmen.

The increcible petrified world (1957)

Zum Schluss werfen wir noch einen kurzen Blick auf die Incredible Petrified World (1957). Forscher untersuchen in einer Taucherglocke die Tiefen des Ozeans. Da reißt das Verbindungskabel, die Taucherglocke sinkt in die Tiefe und gelangt dadurch in ein unterirdisches Kanalsystem, das den Eingang in eine prähistorische Welt darstellt. Die Handlung kommt bekannt vor? Stimmt, denn im gewissen Sinne kann The Warlords of Atlantis (1980) als eine Art Remake dieses Filmes betrachtet werden, wobei der Trash-Faktor der 80er Jahre-Version eindeutig höher liegt.

Eifel-Bilder: Der kritische Realist Gunter Lorenz – Ein Beitrag von Richard Albrecht

Ausführlich gewürdigt wurde der Künstler Gunter Lorenz (*1942) bereits Mitte der 1990er Jahre als „Landschaftsmaler in der Eifel.“[i] Und zuletzt 2012 als ´kritischer Realist´ so vorgestellt: „In den 1970er und 1980er Jahren [waren] im Zusammenhang mit neuen sozialen Bewegungen wie Friedens- und Ökologiebewegung(en) neue zeitkritische Künstler nachgewachsen. Sie hinterfragten den „schönen Schein“ idyllischer Eifellandschaft auch mithilfe von Verfremdungseffekten; zu verweisen ist in diesem Zusammenhang etwa auf Arbeiten des 1966/70 an der Düsseldorfer Kunstakademie von Ru- precht Geiger ausgebildeten, seit 1976 in Blankenheim(erdorf) lebenden, politisch engagierten Malers Günter Lorenz (*1942)[ii]. Lorenz´ Bilder wie etwa sein Holzschnitt „Die Bleikuh“ (1982) oder sein damals höchstaktueller Kaltnadel-Stich „Die Tschernobyl-Kuh“ (1986) präsentieren die zahlreich idyllisch vernutzte leitmotivische Eifel-Kuh als bürgerliche Sehnsucht nach „heiler Welt“ und „einfachem Leben“ (Ernst Wiechert) mehrfach verfremdet und konfrontiert mit zeitgenössischer Landschaftszerstörung durch Elektrizität, Kraftwerke und Atommeiler.“[iii]

Im September 2012 ist Gunter Lorenz 70 Jahre alt geworden. Dies war Anlaß einer vierwöchigen Lorenz-Werkschau (als Auswahl) im Nettersheimer Kulturbahnhof KuBa.[iv] Die Ausstellung gab unter dem doppelbödigen Motto EinVerführung zum Werk einen Querschnitt durch das 1965/66 begonnene, inzwischen so umfangreiche wie vielfältige, Schaffen des Künstlers. Die Werkschau wurde in Anwesenheit von Gunter Lorenz durch eine gutbesuchte sonntagsnachmittägliche Vernissage am 23. 9. 2012 von Agnes Harff-Hilger, die auch für einen zeitgleich erschienen Kleinstkatalog verantwortlich zeichnet[v], eröffnet.

Ausstellung im Kulturbahnhof Nettersheim Gunter Lorenz zum 70. Geburtstag. Ausstellung vom 23. September bis 21. Oktober 2012 deutscher Nachkriegsmaler

Ergänzend zum kleinen Ausstellungskatalog mit seinem gelungenen, weil auch behutsam-knapp kommentierten, Werk-Kaleidoskop mögen hier stellvertretend für den auch

Gunter Lorenz: Mechernicher Bleikuh (Holzschnitt 1981)

ästhetisch unterfütterten Kritischen Realismus und das politische Engagement des Künstlers drei schwarz-weiß-Reproduktionen stehen: zuerst Gunter Lorenz´ Holzschnitt Mechernicher Bleikuh (1981)[vi], in dem Eifel sowohl als Landschaft wie auch als gesellschaftliches Verhältnis begriffen und dargestellt wird.

Das zweite Beispiel veranschaulicht Lorenz´ politästhetische Montage: das nur im Papierkorb angemessen zu entsorgende Hakenkreuz[vii]. Es ist zugleich die weitverbreitetste handlungsleitende Graphik des Künstlers. Sie steht in der historischen Tradition antifaschistischer Bildersprache.[viii]

Gunter Lorenz: [Weg mit dem Hakenkreuz] 1995
Das dritte Beispiel ist ein dem Ausstellungskatalog entnommener Ausschnitt aus der Euskirchener Kreisausgabe der Kölnischen Rundschau (13.12.1988; vor nunmehr fünfundzwanzig Jahren). Hier plädierte der engagierte (Berufs-) Künstler sowohl für Veröffentlichung von Gegenwartskunst als auch nach dem bekannten Motto Fördert Eure lebenden Künstler solange sie leben. Denn sie werden nächst lange tot sein für Künstlerförderung durch den Kreis Euskirchen und seine Institutionen. Zugleich konterkariert Gunter Lorenz damals weitsichtiges Plädoyer für Kulturtourismus in der und Kulturtouristen in die Eifel ein bekanntes geflügeltes Wort: auch wer zu früh kommt, den bestraft das Leben …

Gunter Lorenz

Richard Albrecht ist „gelernter“ Journalist, extern provomierter und habilitierter Sozialwissenschaftler und lebt seit seiner Beurlaubung als Privatdozent (1989) als Freier Autor & Editor in Bad Münstereifel. Bio-Bibliographie des Autors -> http://wissenschaftsakademie.net


[i] Conrad-Peter Joist, Landschaftsmaler in der Eifel: Gunter Lorenz – ein kritischer Realist; in: Eifeljahrbuch 1996: 37-52.

[ii] http://www.gunterlorenz.de/

[iii] Wilma Ruth Albrecht, Eifel-Landschafts-Malerei – Otto Pankok und seine Kollegen; in: Kreis Euskirchen. Jahrbuch 2013: 183-187, Zitat 187.

[v] Agnes Harff-Hilger, Gunter Lorenz. Dann hole ich ein Stück von dem Grün draussen zu mir herein. EinVerführung zum Werk. O.O. [Nettersheim/Eifel] 2012 [Ausstellungskatalog, unpaginiert, 12 p.; in Farbe, Format 14.5 X 14.5 cm; mit 27 stark verkleinerten Arbeiten des Künstlers].

[vi] ©Gunter Lorenz; mit freundlicher Genehmigung des Künstlers hier honorarfrei veröffentlicht.

 [vii] ©Gunter Lorenz; mit freundlicher Genehmigung des Künstlers hier honorarfrei veröffentlicht.

 [viii] Richard Albrecht, Schwarz-Weiss & Gegen den Strom: Gerd Arntz (1900-1988); in: liberal, 38 (1996) 4: 75-86; um aktuelle Links ergänzte kostenfreie Netzversion (2012): https://filmundbuch.wordpress.com/2013/02/01/schwarz-weis-gegen-den-strom-gerd-arntz-1900-1988-ein-portrat-von-richard-albrecht/

Il Mare oder Gedanken über einen Briefkasten

Der koreanische Film Il Mare gilt inzwischen als moderner Filmklassiker. Obwohl in erster Linie ein Liebesfilm, so ist er doch auch für SF-Fans nicht uninteressant. Schließlich geht es ja um eine Zeitmaschine in Form eines Briefkastens. Die Synchronsprecherin Eun-Joo zieht 1999 aus dem Haus am See aus, um in die Stadt zu ziehen. Sie hinterlässt eine Nachricht, in dem sie den Nachmieter bittet, ihr einen wichtigen Brief nachzusenden. Gemeint damit ist natürlich der Brief ihres (Ex)Freundes, der in den USA Animation studiert. Doch alles kommt wie immer völlig anders. Denn zum einen gibt es keinen Nachmieter und zum anderen wundert sich der Architekt Sung-Hyun, der 1997 in demselben Haus wohnt, über eine Mitteilung aus dem Jahr 1999. Daraus ergibt sich ein Briefwechsel zwischen Vergangenheit und Zukunft, bei dem der ominöse Briefkasten als Zeitmaschine funktioniert. Dass sich daraus im Laufe der Handlung ein Zeitparadoxon entwickelt, über das sich der Zuschauer auch noch lange nach dem Ansehen des Films den Kopf zerbricht, spielt in diesem Essay keine Rolle.

Il Mare (Südkorea 2000)

Es geht hier viel mehr um den Briefkasten selbst. Regisseur Lee Hyun-Sung hat den Effekt dieser versteckten Zeitmaschine nicht zu ende gedacht. Sung-Hyun erhält Briefe aus der Zukunft, Eun-Ju aus der Vergangenheit. Soweit so gut. Der Film setzt dabei jedoch voraus, dass beide Protagonisten keine anderen Briefe bekommen. Betrachten wir die Situation aus einer alltäglichen Perspektive. Die Synchronsprecherin und der Architekt erhalten mit Sicherheit auch andere Briefe, Rechnungen, Mitteilungen usw.  Aber aufgrund der speziellen Eigenart des Briefkastens müsste Folgendes passieren: Sobald der Briefträger die z.B. an Sung-Hyun adressierten Sendungen in den Briefkasten stecken würde, würden diese – nach Logik des Films – sofort in die Zukunft transportiert werden. 1999, also in dem Jahr, in dem Eun-Ju in Il Mare wohnt, würde das Gegenteil passieren: die Sendungen, welche der Briefträger in den Briefkasten schmeißt, würden in die Vergangenheit geschickt werden.

Was heißt das nun für unsere beiden Hauptfiguren? Sie würden außer den Briefen, die sie sich gegenseitig schreiben, auch andere Briefe erhalten. Zum Beispiel Stromrechnungen, Werbeprospekte, Buchsendungen usw.  Diese anderen Sendungen würden den eigentlichen Empfänger nie erreichen, da sie ja in die Zukunft geschickt wurden. Die Mitteilung vom Finanzamt an Eun-Ju würde sie nicht erreichen, sondern Sung-Hyun. Umgekehrt wäre es nicht anders.

Der Briefkasten verliert dadurch seine romantische Aura. Die Funktion des Briefkastens als Zeitmaschine würde für beide Protagonisten in Stress, vielleicht sogar Ärger ausarten. Man nehme nur einmal an, Eun-Ju würde sich auf einen Brief von Sung-Hyun freuen, sieht in den Briefkasten und findet darin eine an ihn gerichtete Mahnung aus dem Jahr 1997. Sie müsste die Mahnung wieder in den Briefkasten stecken, damit der Architekt sie erhält. Nicht anders verhielte es sich mit allen anderen Sendungen. Im schlimmsten Fall bestellt sich Sung-Hyun jede Woche ein oder zwei Bücher. Eun-Ju würde diese Bücher erhalten, müsste die Sendungen wieder einwerfen, damit ihr Briefpartner aus der Vergangenheit sie erhält. Umgekehrt würde es nicht anders verlaufen.

Der Briefkasten würde für beide zu einer enormen Belastung werden. Ob Eun-Ju und Sung-Hyun bei diesem Ärger überhaupt noch Lust hätten, sich Briefe zu schreiben?

Heimliche, unheimliche und offensichtliche Invasionen – Trash der 50er Teil 1

Die 1950er Jahre gelten innerhalb der USA schlechthin als das Jahrzehnt der Paranoia. Keine andere Nation fürchtete sich zu jener Zeit mehr vor einer kommunistischen Unterwanderung als die Vereinigten Staaten. Natürlich machte sich dies auch in den damaligen Filmproduktionen bemerkbar. Besonders zeigte sich dies in den sog. B-Pictures, SF- und Horrorfilmen, die mit sehr geringem Budget produziert wurden. In keinem anderen Genre wird die Angst vor einer sowjetischen Invasion so stark wie hier reflektiert. Der Kampf zwischen zwei Ideologien wurde auf eine symbolische Ebene gehoben. Als USA diente in den meisten Fällen eine Kleinstadt, als Sowjetunion außerirdische Invasoren. Natürlich gibt es hierbei auch Ausnahmen. Gelgentlich dient Chicago oder sogar Washington als Landeplatz Unbekannter Flugobjekte. Der Schlusssatz von The Thing lautet daher nicht ohne Grund: „Keep watching the skys!“

Neben den bekannten „Invasoren“ wie  dem Ding aus einer anderen Welt oder den angreifenden fliegenden Unterassen, welche Washington dem Erdboden gleich machen, gab es noch eine Menge an Filmen, welche im Schatten dieser Klassiker stehen.

Target Earth (1954)

So z.B. Target Earth (1954), in dem Chicago vollständig evakuiert wurde. Der Grund: eine Invasion von der Venus. Ein paar Einwohner sind bei der Evakuierung übergangen worden und irren nun durch eine menschenleere Stadt, stets in Gefahr, den außerirdischen Robotern in die Hände zu fallen. Der Film greift die Idee des „last man“ auf. Zudem beeinflusste er die englische Produktion „The Earth dies screaming“ (1965). Die Optik des Films wirkt noch immer recht originell, sodass manche Szenen genauso gut aus heutigen SF-Filmen stammen könnten. Auch musikalisch beeinflusste Target Earth spätere Produktionen. So gehört das militärische Trommeln zum Repertoire jedes späteren SF-Blockbusters.

The astounding She Monster (1957)

The astounding She Monster (1957) ist eine Low-Budget-Produktion, welche als eine Art Prototyp zu Species (1995) gelten kann. Zwar geht es nicht darum, den Fortpflanzungstrieb des Monsters zu befriedigen, doch die außerirdische Besucherin schleicht sich in bizarr-sinnlichen Bewegungen durch die Landschaft. Interessant hierbei ist, dass dieser Film ein Crossover zwischen Krimi, Thriller und SF darstellt. She Monster beginnt damit, dass eine Gruppe Gangster die Frau eines reichen Mannes entführt. Bei ihrer Flucht vor der Polizei gelangen sie zur Hüte eines Geologen, der kurz zuvor beobachtet hat, wie im Wald ein seltsames Objekt gelandet ist. Im Laufe der Handlung werden die Gangster von der außerirdischen Frau, welche sich in dem Objekt befunden hat, nach und nach dezimiert.

The Brain from Planet Arous (1957)

The Brain from Planet Arous (1957) ist nicht gerade das, was man als spektakulär bezeichnet, doch John Agar-Fans dürften diesen Film lieben. Es geht um ein außerirdisches Gehirn namens Gor, das die Erde in seine Gewalt bringen möchte. Zum Glück aber ist auch noch ein gutes Gehirn namens Vol auf der Erde gelandet, welches den Verbrecher zur Strecke bringen soll.  – Protagonist und Antagonist kommen aus einer fernen Zukunft oder einer anderen Galaxis zu uns, um ihren Konflikt weiter auszutragen. Ein Thema, das bis heute immer wieder aufgegriffen wird. Die bekanntesten „Wiederverwerter“ sind Terminator (1984) und Highlander (1986).

Invisible Invaders (1959)

Invisible Invaders (1959) – wieder mit John Agar – ist eine Art Vorläufer von Romeros Night of the living Dead (1969). Kürzlich Verstorbene werden von außeriridischen Baktieren befallen und wandeln von da an als Zombies durch die Gegend. Exakt dieselbe Grundidee findet sich in George R. Romeros Klassiker wieder. Zwischen beiden Filmen liegen ca. zehn Jahre. Hierbei zeigt sich einmal mehr, dass neue Ideen nicht „vom Himmel“ fallen, sondern sie Teil einer narrativen Entwicklung sind. Allerdings müssen beide Filme verschieden analysiert und bewertet werden, da sie innerhalb zweier unterschiedlicher soziokultureller Rahmenbedingungen entstanden sind.

The atomic Submarine (1959)

The Atomic Submarine (1959) bildet den Schluss unserer kurzen Darstellung. Der Film handelt von seltsamen Vorkommnissen im Nordpolarmeer. Schiffe und U-Boote verschwinden auf seltsame Weise und werden zerstört aufgefunden. Das Atom-U-Boot Tigershark wird bemannt und in Richtung Nordpol geschickt, wo die Mannschaft nach den Gründen für die mysteriösen Zwischenfälle suchen soll. Der Film ist, trotz seines geringen Budgets, recht gut in Szene gesetzt und hat so gut wie nichts von seiner Spannung verloren. Der Nordpol dient, wie auch in The Thing, nicht ohne Grund als Schauplatz, spielte die Arktis während des Kalten Krieges doch eine wichtige strategische Rolle. Bei der Rezeption dieses Films kommt man nicht um die Vermutung, dass Atomic Submarine bis zu einem gewissen Grad Filme wie Alien (1979) und Event Horizon (1998) beeinflusst haben könnte.

The Tower – Eine Rezension

„The Tower“
Ein Spektakel im klassischen Stil

Regisseur Kim Ji-Hoon machte sich bisher keine guten Freunde. Sein Debut „Sector 7“ war zwar ein finanzieller Erfolg, wurde aber von der Kritik erbarmunglos heruntergemacht. Selbst Fans trashiger Kost mussten zugeben, dass die schnell zusammengebastelte 3 D-Monsterjagd nicht viel hergab.  Deswegen war durchaus Skepsis angebracht, als 2012 ein neuer Film Kim Ji-Hoons angekündigt wurde.

Mit „The Tower“ liefert Kim nun seinen zweiten Film ab, ein auf Blockbuster getrimmtes Katastrophenspektakel und zugleich ein Remake des Hollywood-Klassikers „Flammendes Inferno“ (1974). Der Film spielt während der Eröffnung des höchsten Wolkenkratzers Südkoreas in Seoul. Während der weihnachtlichen Eröffnungsfeier sollen Helikopter künstlichen Schnee herunterrieseln lassen. Bei dieser Aktion kommt es zur Katastrophe, als einer der Piloten die Kontrolle über den Heli verliert und in das Hochhaus kracht. Sofort breitet sich Feuer aus, das die meisten der geladenen Gäste von den Fluchtwegen abtrennt. Das Team um den Feuerwehrmann Kang Yong-Ki versucht, die Gäste zu befreien.

Der Trailer zu „The Tower“ ließ Übles befürchten: eine um ein Katastrophenszenario herum aufgebaute Kitsch-Version  von „The Towering Inferno“, eine Produktion also, welche dieselben Fehler wie „Haeundae“ (2009) begeht. Der Film selbst straft den Trailer jedoch Lügen. Typisch für einen Katastrophenfilm werden zunächst die Hauptfiguren mit ihren Alltagsproblemchen vorgestellt. Diesen Teil hat Kim elegant gelöst, indem er die Szenen mit viel Ironie und Humor präsentiert.  Parallel dazu braut sich die Katastrophe zusammen, sodass Spannung mit Witz um die Wette ringen. Nach der durch den abstürzenden Helikopter durchgeführten dramaturgischen Wende setzt Kim ganz auf Action und CGI, sodass „The Tower“ keine Sekunde langweilig wird. Man ist beinahe geneigt, Kims Ausrutscher „Sector 7“ zu verzeihen. Der Regisseur und mit ihm die Produzenten und Drehbuchautoren haben gelernt. Somit wird das „Tower Sky“, so der Name des Wolkenkratzers, nicht nur zu einem architektonischen Koloss, sondern zu einem Koloss des modernen koreanischen Kinos. Schon jetzt ist „The Tower“ der bisher erfolgreichste koreanische Film aller Zeiten.

Es wäre nun witzlos, wenn Produzenten aus Hollywood die Remakerechte von „The Tower“ kaufen würden, denn so würden sie nichts anderes machen als eine von Südkorea neuverfilmte Version eines US-Filmklassikers neu verfilmen. Das hieße dann wohl wirklich doppelt gemoppelt.  Kim Ji-Hoon dürfte demnächst dennoch mehr von Hollywood hören, denn „The Tower“ ist solide Action-Kost, präsentiert mit einer hervorragenden Optik.

The Tower (Südkorea 2012). Regie: Kim Ji-Hoon, Drehbuch: Kim Sang-Don, Heo Jun-Seok, Produktion: Lee Han-seung
Lee Su-man, Darsteller: Sol Kyung-Gu, Kim Sang-Kyung, Son Ye-Jin  

Vom roman policier Français zum film policier Allemand – Ein Beitrag von Richard Albrecht

  Vom roman policier Français zum film policier Allemand.

Hinweise auf Zusammenhänge und Entwicklungen.

Richard Albrecht

1. Begriffliches 2. Film policier Français 2.1. „Der eiskalte Engel“ 2.2. „Die Abenteurer“ 3. Film policier Allemand 3.1. „Im Schatten“ 3.2. „Lösegeld“ 4. Schlußbemerkung

„Wir müssen freilich, wenn wir die Popularität des Kriminalromans besprechen, dem Hunger des Lesers nach abenteuerlichen Geschehnissen, einfacher Spannung und so weiter, den er befriedigt, einen breiten Raum gewähren. Es bereitet schon Genuss, Menschen handelnd zu sehen, Handlungen mit faktischen, ohne weiteres feststellbaren Folgen mitzuerleben. Die Menschen des Kriminalromans hinterlassen nicht nur Spuren in den Seelen ihrer Mitmenschen, sondern auch in ihren Körpern und auch in der Gartenerde vor dem Bibliothekszimmer. Der literarische Roman und das wirkliche Leben stehen hier auf der einen Seite, der Kriminalroman, ein besonderer Ausschnitt des wirklichen Lebens, auf der andern. Der Mensch im wirklichen Leben findet selten, daß er Spuren hinterlässt, zumindest solange er nicht kriminell wird und die Polizei diese Spuren aufstöbert. Das Lebe der atomisierten Masse und des kollektivisierten Individuums unserer Zeit verläuft spurenlos. Hier bietet der Kriminalroman gewisse Surrogate.“ Bertolt Brecht, Über die Popularität des Kriminalromans (1935)

In diesem Kurztext geht es nach allgemeiner Abklärung von Begrifflichkeiten um Kriminalroman und Kriminalfilm um die Vorstellung jeweils zweier genregeschichtlich bekannter französischer Filme aus dem Polizei- und Gangster-Milieu (von Jean-Pierre Melville und José Giovanni) und vergleichbarer aktueller deutscher Filme von (bisher jedenfalls noch) weniger bekannten Regisseuren, die jeweils ihre eigenen Drehbücher verfilmten (Thomas Arslan und Stephan Wagner).

1. Üblicherweise gilt, etwa beim weitverbreiteten Netzlexikon wikipedia, roman policier als Kriminalroman oder kurz Krimi. Und entsprechend wird film policier als Kriminalfilm oder kurz Krimi eingedeutscht1. Gegenüber diesem weiten Verständnis meine ich hier, und ohne mich auf definitorische Spitzfindigkeiten einzulassen, etwas Spezielles, das auch auf historische Ausgangslage und Tradition (in) der modernen französischen Gesellschaft des 19. Jahrhunderts verweist und das die „Karriere“ des Eugène François Vidocq (1775-1857), des französischen Kriminellen und Kriminalisten, Begründer der Sûreté Nationale und Doyen aller moderner Kriminalistik und der französischen Polizei sowie später auch ersten Privatdetektiv überhaupt2 veranschaulichen mag – wobei Polizei in Deutschland seit Beginn des 19. Jahrhunderts ein „mit besonderen Vollmachten und Plichten ausgestattetes staatliches Organ“ meint, „das die öffentliche Ordnung und Sicherheit, gegebenenfalls auch zwangsweise, zu gewähren hat und damit der Aufrechterhaltung der bestehenden Gesellschaftsordnung dient“3, insofern auch als Hauptträger jedes offen „repressiven Staatsapparats“ (Louis Althusser) wirkt.

Weiters verbinde ich den französischen roman policier und den hier besonders interessierenden französischen film policier4 in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert mit Verbrechen und Polizei, mit Polizeiarbeit und/als Aufklärung, mit Polizei und Verbrechern und ihrem Verhältnis als Handlungszusammenhang und (gelegentlich auch nur scheinbare) Antipoden. Insofern verweist roman policier als Subgenre oder Unterkategorie und film policier als eigenständiges Genre oder Kategorie auf Besonderes und damit auf etwas, was der allgemeine Gattungsbegriff roman policier oder Kriminalroman5 entsprechend der hier eben angewandten Methode definitio per genus proximum et differentiam specificam gar nicht ausdrücken kann.

 

2. Hier interessieren Filme der beiden französischen Filmemacher und Drehbuchautoren Jean-Pierre Melville (1917-1973) und José Giovanni (1923-2004)6.

Melvilles erster Film entstand 1945: 24 Stunden im Leben eines Clowns (Vingt-quatre heures de la vie d’un clown). Es folgten 1947 Das Schweigen des Meeres (Le silence de la mer), 1950 Die schreck-lichen Kinder (Les enfants terribles), 1953 Und keine blieb verschont (Quand tu liras cette lettre), 1955: Drei Uhr nachts (Bob le flambeur), 1959 Zwei Männer in Manhattan (Deux hommes dans Manhattan), 1961 Eva und der Priester (Léon Morin, prêtre), 1962: Der Teufel mit der weißen Weste (Le doulos), 1963 Die Millionen eines Gehetzten (L’aîné des Ferchaux), 1966 Der zweite Atem (Le deuxième souffle), 1967: Der eiskalte Engel (Le samouraï), 1969 Armee im Schatten (L’armée des ombres), 1970 Vier im roten Kreis (Le Cercle Rouge). Melvilles letzter Film war Der Chef (Un flic) 1972.

Giovanni war vor allem Romancier, Krimiautor, und führte erst später selbst Regie: 1972 bei Der Mann aus Marseille (La Scoumoune), 1973 bei Endstation Schafott (Deux hommes dans la ville), 1980 bei Verdammt zum Schafott) (Une robe noire pour un tueur), 1984 bei Der Weekend-Killer (Le Tueur De Dimanche, Fernsehfilm), 1986 bei Unter Wölfen (Les Loups entre eux), 1988 bei Mein Freund, der Verräter (Mon ami le traitre) und zuletzt 1969 bei Der Clan der Sizilianer (Le clan des Siciliens). Früher, in den 1960er Jahren, schrieb Giovanni die Filmdrehbücher der Filme Sie nannten ihn Rocca (Un nommé la Rocca) 1961, Mädchen im Schaufenster (La ragazza in vetrina) 1961, Sieben Tote hat die Woche (Symphonie pour un massacre) 1963, Die großen Schnauzen (Les grandes gueules) 1965, Der große Coup von Casablanca (L’homme de Marrakech) 1966, Die Haut des Anderen (Avec la peau des autres) 1966, Der zweite Atem (Le deuxieme souffle) 1967, Die Abenteurer (Les Aventuriers) 1967 und zuletzt Der Clan der Sizilianer (Le clan des Siciliens) 1969.

Es wäre reizvoll (gewesen), den Film, in dem Melville und Giovanni zusammenarbeiteten, Der zweite Atem (1966, mit Lino Ventura in der Hauptrolle als alternder ´moralischer´ Gangster Gu[stave], Drehbuch Giovanni nach einem seiner Romane)7 ebenso vorzustellen wie Melvilles letzten Film Der Chef (1966, mit Alain Delon als kühlem Polizeikommissar Coleman)8. Das wäre aber in diesem Zusammenhang zu weitergehend, weshalb es hier denn auch „nur“ um Melvilles 1967 entstandenen Film Der eiskalte Engel (1967)9 geht. Im gleichen Jahr kam auch Die Abenteurer (Regie Robert Enrico, Drehbuch José Giovanni, Robert Enric, Pierre Pelegri)10 in die Kinos. Dies war der vorletzte Film, an dem Giovannis als Drehbuchautor (mit)arbeitete. Der Film wird hier als zweites Beispiel des französischen film policier der 1960er Jahre vorgestellt.

2.1. „Ein professioneller Killer erkennt, daß er in eine Sackgasse geraten ist, und geht mit der Konsequenz, mit der er andere tötete, selber in den Tod. Ein in Regie und Darstellung perfekt gestalteter Gangsterfilm, der sich bewußt nicht an der Wirklichkeit orientiert. Kino von hohem ästhetischem Reiz.“ – Soweit das Zweitausendeins Filmlexikon (das sich seiner Filmkritiken, „verfasst von der Crème der deutschen Filmkritik und Filmpublizistik“ 11, rühmt) über Melvilles Genrefilm Der Eiskalte Engel (1967, 98´). Präziser ist die Handlung im deutschsprachige Netzlexikon wikipedia beschrieben:12

„Es gibt keine größere Einsamkeit als die eines Samurai, außer vielleicht die eines Tigers im Dschungel.“ Mit diesem fiktiven Zitat aus den Büchern des Bushidō begegnet der Zuschauer Jef Costello, der einsam in seinem spärlich möblierten Apartment liegt. Fast mechanisch kleidet er sich an und verabschiedet sich von seinem Zimmergenossen, einem Kanarienvogel. Auf der Straße entwendet er routiniert eine unverschlossen geparkte Citroën DS und fährt zu einer abgelegenen Garage, wo jemand wortlos seine Nummernschilder austauscht und ihm eine Pistole aushändigt.

Nachdem er sich bei seiner Freundin ein Alibi verschafft hat, geht er in einen Nachtklub und erschießt den Barbesitzer. Dabei wird er von der Pianistin Valérie überrascht, die ihn wortlos flüchten lässt. Er wird jedoch von mehreren Gästen gesehen, und so kommt es zu einer polizeilichen Gegenüberstellung. Da sich aber nicht alle Zeugen sicher sind, in ihm den Mörder zu erkennen, die Pianistin Valérie leugnet, ihn zu erkennen, und das Alibi seiner Freundin stichhaltig scheint, kann der Kommissar ihn nicht festhalten. Da er Costello nicht glaubt, lässt er ihn auf Schritt und Tritt überwachen. Costello hingegen ahnt das offenbar und kann seine Verfolger wiederholt abschütteln.

Des Verhörs bei der Polizei wegen verlieren Costellos Auftraggeber ihr Vertrauen und versuchen, ihn zu ermorden: Costello gerät zwischen die Fronten. Da ihm die Motivation der Pianistin, ihn zu verleugnen, unklar bleibt, sucht er diese auf und stellt sie zur Rede. In seinem Apartment wird er von ei-nem Killer seiner Auftraggeber überrascht; diese wollen ihm eine weitere Chance geben und bezahlen ihn für einen weiteren Mord, wobei die Identität des Opfers für das Publikum im Unklaren bleibt. Costello überwältigt den Killer und erfährt von diesem den Namen des Auftraggebers. Diesen erschießt er in dessen Wohnung. Wohl wissend, dass er von der Polizei überwacht wird, sucht er den Nachtklub auf. Anders als bei zwei vorherigen Besuchen richtet er sich diesmal nicht auf einen schnellen Abgang ein: Draußen stellt er den Motor seines Wagens ab und gibt an der Garderobe seinen Hut ab, ohne indes die Garderobenmarke mitzunehmen. Mit ungeladener Pistole nähert sich Costello in dem gut besuchten Raum der Bühne. Als er die Waffe auf die Pianistin richtet, erschießt ihn die Polizei.“

Der eiskalte Engel

Ob dieser Melville-Film „ein perfekt gestalteter Gangsterfilm“ ist, mag hier offenbleiben; eine Dimension seiner genreästhetishen Faszination und nachhaltigen Wirksamkeit liegt freilich im Farewell jeder Melodramatik einerseits und in der durchgängigen und konsequenten „Kühle der Parabel“13 andererseits.

 2.2. „Drei abenteuerlustige Franzosen, zwei Männer und eine Frau, starten zu einer Schatzsuche in den Kongo, die für zwei tödlich endet. Lebendig inszenierter Abenteuerfilm, dem es nicht so sehr um vordergründige Spannung als um die Zeichnung verschiedener Charaktere unter extremen Bedingungen geht. Gleichzeitig demonstriert der Film die Unmöglichkeit romantischen Abenteuertums in unserer Zeit.“14 – Wäre dies, wie im Filmlexikon von Zweitausendeins, alles, dann könnte der Film Die Abenteurer (1967, 113´) draußen rechts verbleiben. Auch hier ist das deutsch(sprachig)e Netzlexikon ausführlicher und informativer in der Narration dieses französischen film policier15:

„Manu und Roland sind Freunde fürs Leben und hegen beide eine Leidenschaft für abenteuerliche Projekte. Der Sportpilot Manu macht spektakuläre Kunststücke mit seinem Flugzeug, während der Mechaniker Roland wie besessen an einem Dragster arbeitet, mit dem er Geschwindigkeitsrekorde brechen will.

Eines Tages taucht die junge Künstlerin Laetitia in Rolands Werkstatt auf, wo sie ihm Schrottteile abkaufen will, die sie für ihre Kunst benötigt. Roland weist sie zunächst ab, aber Laetitia bietet ihm spontan ihre Hilfe an, die er gerne annimmt. Sie begeben sich auf ein brachliegendes Gelände und errichten zusammen eine Metallkonstruktion, durch die dann ein kleines Flugzeug fliegt. Der Flug ist die Generalprobe für Manus nächsten Coup: Er will durch den Triumphbogen fliegen und dabei Fotos machen, für die ihm jemand viel Geld angeboten hat. Nach dem Manöver machen sich die drei förmlich miteinander bekannt. Manu, Roland und Laetitia schließen schnell Freundschaft. Sie mietet sich in Rolands Werkstatt ein, wo sie ihre Skulpturen schweißen kann, Manu bereitet sich auf den Flug vor und Roland arbeitet am Motor seines Dragsters. Die Geschichte erfährt eine Wende, als Manu zu seinem waghalsigen Flug ansetzt. Das Kunststück wird verhindert und er darüber hinaus seine Pilotenlizenz los. Für Roland läuft es nicht besser, sein mit Methylalkohol betriebener Rennwagen geht in Flammen auf. Laetitia schweißt aus den Teilen des Wracks Skulpturen, aber die Ausstellung mit die-sen wird zum Flop. Zu allem Überfluss erfährt Manu, dass er bei den Fotos einem Spaßvogel aufgesessen ist. Wütend lauern Manu und Roland dem Schwindler (ein Angestellter einer Versicherung) auf und verpassen ihm eine Tracht Prügel. Aus Angst vor weiteren Schlägen vertraut er den beiden ein Geheimnis an: Im Wrack eines kleinen Flugzeugs, das vor der Küste des Kongo abgestürzt ist, soll sich ein Schatz befinden. Da die beiden finanziell am Ende sind, wollen sie, obwohl sie die Geschichtezunächst für einen weiteren Schwindel halten, der Sache nachgehen. Sie begeben sich zusammen mit Laetitia nach Afrika.

Das Trio hat sich für die Suche nach dem verlorenen Schatz auf einem Boot eingerichtet. Sie suchen die Küste ab, tauchen zu Wracks hinunter, machen Späße und sind in ausgelassener Abenteuerlust. Manu hat sich in Laetitia verliebt, doch die fühlt sich augenscheinlich mehr zu Roland hingezogen. Roland bemerkt die Gefühle seines Freundes und fühlt sich unbehaglich, aber bevor es zu einer Aussprache kommt, eskaliert die Situation. Die drei finden tatsächlich das Flugzeug und heben den Schatz, aber sie werden von Söldnern angegriffen, die ebenfalls hinter der Beute her sind. Bei dem folgenden Kampf trifft eine verirrte Kugel Laetitia und verwundet sie tödlich. Manu und Roland sind voller Trauer und bestatten ihre Freundin bei einem letzten Tauchgang in der tiefen, blauen See.

Anschließend kehren sie mit dem Schatz, den sie vor dem Zugriff der Söldner retten konnten, nach Frankreich zurück. Sie beschließen, Laetitias Anteil ihrer Familie zukommen zu lassen. Auf der Île-d’Aix finden sie dann den einzigen noch lebenden Verwandten, einen kleinen Jungen (sie haben ihn bereits als Museumsführer kennengelernt), und übergeben den Eltern das Geld treuhänderisch.

Die Gangster sind derweil immer noch auf ihrer Spur. Im Fort Boyard (das Laetitia sich von ihrem Anteil der Beute hat kaufen wollen) vor der Küste kommt es schließlich zum endgültigen Showdown.

Fort Boyard

Eingekesselt verteidigen sich Manu und Roland mit Waffen, die noch von den deutschen Besatzern stammen. Zunächst können sie einen der Söldner töten, dann aber wird Manu getroffen, er kann nicht weiterkämpfen. Roland rennt zu ihm, aber er sieht, dass er nichts tun kann, und weil die Söldner wei-ter auf ihn schießen, zieht er sich in das alte Arsenal zurück. Von dort kommt er zurück mit einem Arm voller alter Stielhandgranaten, mit denen er den Kampf alleine weiterführt. In dieser letzten, von sakraler Orgelmusik getragenen Szene bringt er alle Eindringlinge zur Strecke. Nachdem auch der An-führer den Tod gefunden hat, kehrt er zu dem schwerverletzten Manu zurück. Roland beugt sich über seinen Freund und erkennt seine Hilflosigkeit im Angesicht des Todes. Er erzählt ihm, dass Laetitia gesagt habe, sie wolle für immer mit Manu zusammen sein. Kurz vor seinem Ende zeigt Manu noch ein Lächeln und erwidert: Du bist ein lieber, alter Lügner.“

 

3. Was den film policier Allemand der ganzdeutschen Nullerjahre betrifft, mögen stets in Großstädten spielende und auch Korruption ansprechende, insofern teilambitionierte, Fernsehserien16 erwähnt werden: der auf Polizeialltags abhebende Kriminaldauerdienst (Berlin: 2007-10), die bisher noch nicht eingestellte Serie Nachtschicht (Hamburg: seit 2003), die auf Bayernamigos zielende Unter Verdacht– Serie (München: seit 2002) und der inhaltlich, formal und genreästhetisch wenig gelungene Verbrechens-Zehnteiler von Dominik Graf (Berlin: 2010); hier interessieren jedoch speziell zwei so erzählerisch ambitionierte wie ästhetisch ansprechende Filmgeschichten: Im Schatten (2010) von Thomas Arslan (Buch & Regie, spielt in Berlin) und der oberflächlich als bloßer „routinierter (Fernseh-) Kriminalfilm“17 erscheinende Fernsehfilm Lösegeld (2012) von Stephan Wagner (Buch & Regie, spielt nicht im auch filmisch überdehnten Berlin, sondern im NRW-rheinischen Düsseldorf). Diese werden als zwei eigenständige deutsche Varianten des Genres und seiner Möglichkeiten der frühen 2010er Jahre vorgestellt.

 

3.1. Der Film Im Schatten (3sat-Sendung: 12. 2. 2013, Länge 85´) des deutsch-türkischen Filmregisseurs und Drehbuchautors Thomas Arslan18 (*1962) gilt als „starker, konsequent durchgestylter und ungemein spannender moderner deutscher Film Noir in der Tradition von Jean-Pierre Melville.“19

Auch diese Filmhandlung erzählt Wikipedia präziser als das zitierte Fachportal:

„Trojan kommt aus dem Gefängnis und will von seinem ehemaligen Komplizen Richard Bauer, den er nicht verraten hat, seinen Anteil an dem Coup, den sie damals gemacht haben. Richard Bauer speist ihn mit lächerlichen 10.000 Euro ab und schickt ihm zudem noch zwei Killer auf den Hals.

Da Trojan Geld benötigt, sucht er den Planer auf, um zu erfahren, ob dieser einen Job für ihn hat. Der Planer schlägt ihm einen Überfall auf einen Juwelier vor, aber als Trojan die beiden Komplizen (einen Alkoholiker und einen Heroinsüchtigen) trifft, die für diesen Coup vorgesehen sind, steigt er aus diesem Geschäft aus. Über die Rechtsanwältin Dora Hillmann erfährt er von der Möglichkeit einen Geldtransport auszurauben. Martin Krüger, ein flüchtiger Bekannter von ihr, arbeitet bei dem Unternehmen und kann ihr wichtige Hinweise geben. Trojan besucht seinen alten Kumpel Nico und kann ihn überreden, bei diesem Überfall mitzumachen.

Unterdessen hat der Polizist René Meyer, der nebenbei im Drogenhandel tätig ist, von einem seiner Verkäufer erfahren, dass Trojan wieder im Geschäft ist. Durch die Überwachung von Trojan und Dora Hillmann kommt er dem Coup auf die Spur. Nach dem geglückten Überfall holt er sich den Anteil von Martin Krüger und tötet ihn. Als er in die Wohnung von Dora Hillmann einbricht, um sich auch von ihr das Geld aus der Beute zu holen, wird er von Trojan erschossen.

Dora Hillmann und Trojan trennen sich. Er wirft die Leiche von René Meyer in einen Fluss und versteckt sich in seiner Waldhütte. Unterdessen foltern und töten die beiden Killer, die Richard Bauer losgeschickt hat, Trojans Kumpel Nico. Am nächsten Morgen schleichen sie sich zur Waldhütte. Trojan bemerkt sie und kann sie töten. Nachdem er die Leichen beseitigt hat, kehrt er zu seiner Hütte zurück und entdeckt dort die Polizei. Er muss ohne seine Beute fliehen. An einer Tankstelle stiehlt er einen Wagen und fährt in die Nacht.“20

ImSchattenCover
Im Schatten – Cover

Sowohl die Frankfurter Rundschau (6. 10. 2012) als auch Die Zeit (14. 10. 2012) akzentuieren was sie als film noir ausgeben: „Thomas Arslan hat einen stimmungsvollen „film noir“ im modernen Berlin gedreht: „Im Schatten“. Der Film funktioniert auf allen Ebenen, als Thriller wie als Kunstfilm und als Städteporträt. Und das ist eine ganze Menge.“ – „Warum ist Im Schatten trotz seiner Nüchternheit so spannend? Weil Thomas Arslan das Genre des Gangsterfilms zu sich selbst zurückführt. Weil er zeigt, dass die von ihm mit aller Sorgfalt freigelegte Mechanik des Genres genügt, um jene rätselhafte Mischung aus Düsternis, Verlorenheit und Vergeblichkeit zu erzeugen, die den Film noir ausmacht.“ 21

Im Schatten (Szenenfoto)
Verwendung mit freundlicher Genehmigung der Produktionsfirma

3.2. Der Film Lösegeld des Regisseurs und Drehbuchautors Stephan Wagner22 (*1968) ist der ak-tuellste film policier Allemand. Er wurde von der ARD am 11.04. 2012 20:15 erstgesendet (Länge 88´):

„Die in Düsseldorf spielende Handlung setzt dort ein, wo ein Verbrechen fast aufgeklärt ist – im konkreten Fall eine Kindesentführung. Ein gekidnappter Junge wird aus seinem Versteck befreit. Den ermittelnden Kriminalbeamten um das Duo Diethard Lysewski (Mišel Matičević) und Lutz Weber (Simon Licht) fehlt für den Abschluss des Falls nur noch die Ergreifung des Täters sowie die Sicherstellung der Beute – ein Set Rohdiamanten im Wert von mehreren Millionen Euro. Durch einen Zufall befinden sich diese nunmehr im Besitz der Escortagentur-Leiterin Nina Hausen. Mit ihrem Hund war Nina Hausen unbeabsichtigt in der Nähe des Übergabeorts, wurde von dem flüchtenden Täter überfallen, konnte sich aus der gefährlichen Situation jedoch befreien und mit den Diamanten flüchten.

Aus dieser Ausgangssituation heraus entwickelt sich der weitere Ablauf der Handlung. Nina Hausen steckt aufgrund einer geplatzten Bürgschaft finanziell in der Klemme. Auch die Kommissare stehen unter Erfolgsdruck. Der Täter wiederum hat aufgrund des beim nächtlichen Zusammenstoß entwendeten Geldbeutels Kenntnis von Nina Hausen, ahnt, dass diese nunmehr im Besitz der Diamanten ist und setzt sich auf ihre Fährte. Im weiteren Verlauf der Handlung kommen sich Lysewski und Nina Hausen persönlich näher. Lysewski ahnt, dass seine neue Geliebte die Diamanten unterschlagen hat. Als sich die Fahndung, vorangetrieben durch Lysewskis Partner Weber sowie ihren erfolgssüchtigen Chef Lahn, mehr und mehr auf die Escortservice-Chefin konzentriert, die ihre Flucht ins Ausland vorbereitet, muss Lysewski eine folgenschwere Entscheidung treffen zwischen Job und Liebe.“23

Lösegeld
Lösegeld – Cover des Pressehefts
(mit freundlicher Genehmigung)

Zur Anlage und Wirkung von Lösegeld meinte Jens Szameit24: „Vermutlich wären nicht wenige Zuschauer darüber verstört, dass der Film mit der Handlung dort einsetzt, wo sie im Krimi normalerweise wieder aufhört. Eine Geiselnahme ist zu Ende gegangen. Das entführte Kind ist zum Glück wohlauf. Nur der Täter ist mit dem „Lösegeld“ – Diamanten im Wert von zwei Millionen Euro – entwischt. Da kommt es nachts im Wald zu einer schicksalhaften Begegnung.

Lösegeld
Lösegeld – Szenenfoto
(mit freundlicher Genehmigung)

Nina Hausen (Tscharre), Chefin einer Escort-Service-Agentur, führt gerade ihren Hund Gassi, als sie dem gesuchten Kidnapper in die Quere kommt. Sie kann dem skrupellosen Kerl mit Mut und Geschick entkommen, indem sie ihn mit dem Wagen über den Haufen fährt. Während der Gangster verletzt zurückbleibt, hat er seine Beute in ihrem Auto gelassen. Nina wird den Vorfall der Polizei melden, die Sache mit den Diamanten wird sie aber verschweigen. Schließlich bietet sich die Chance ihres Lebens: Die attraktive Lady träumt schon lange davon, nach Costa Rica auszuwandern.

Die Unbeteiligte, der der Zufall ein gefährliches Vermögen zuspielt: Natürlich ist das eine klassische Thriller-Konstellation. Und es bleibt klassisch. Der ermittelnde Kommissar Lysewski (Maticevic) verfällt den Reizen der alleinstehenden Geschäftsfrau, die sein Kollege Weber (Simon Licht) verdächtigt, in der Entführungssache mit drinzustecken. Weber, ein offenherziger Kumpeltyp, der Nina aus ihrer Zeit im horizontalen Gewerbe „näher“ kennt, will dringend die Karriereleiter hinauf. Lysewski, der sich mit dem Polizeipräsidenten einen persönlich motivierten Kleinkrieg liefert, hat sich jedoch verliebt. Und so steuert der ruppige Bulle von Frühlingsgefühlen beflügelt mitten rein ins vorgezeichnete Dilemma.“

 

4. Als Studie habe ich Ende der 1960er Jahre beide französischen Filme im Kino gesehen. Und seitdem beide nochmal und mehr als nur einmal in deutschen Fernsehprogrammen. Beide ganzdeutsche Filme habe ich im eigenen Fernsehzimmer gesehen. Dort steht inzwischen ein Philips Smart LED Fernseher mit einem Bildschirmdurchmesser von 81 cm: nicht jeder, der´n Flachbildschirm benützt, muß´n Flachdenker oder´n Flachkopf sein.

1 http://fr.wikipedia.org/wiki/Roman_policier

http://de.wikipedia.org/wiki/Kriminalroman

http://de.wikipedia.org/wiki/Krimi

2 http://fr.wikipedia.org/wiki/Eugène_François_Vidocq

3 http://de.wikipedia.org/wiki/Eugène_François_Vidocq

4 http://fr.wikipedia.org/wiki/Film_policier

5 Richard Albrecht; Wilma Ruth Albrecht, Krimi – und Literaturwissenschaft, in: Literatur in Wissenschaft und Unterricht, 13 (1980) 2: 124-142; Richard Albrecht, Literarische Unterhaltung als politische Aufklärung; in: Recherches Germaniques, 4/1984: 119-143; ders., Le ´nouveau roman policier Allemand´, in: Allemagne d´Aujourdhui, 97/1986: 133-146.

6 http://fr.wikipedia.org/wiki/Jean-Pierre_Melville

http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Pierre_Melville

7 http://fr.wikipedia.org/wiki/José_Giovanni

8 http://fr.wikipedia.org/wiki/Le_Deuxième_Souffle_(film,_1966)

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_zweite_Atem

9 http://fr.wikipedia.org/wiki/Un_flic_(film,_1972)

http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Chef_(1972)

10 http://fr.wikipedia.org/wiki/Les_Aventuriers_(film,_1967)

http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Abenteurer_(Film)

11 http://www.zweitausendeins.de/filmlexikon/?sucheNach=titel&wert=2403

12 http://de.wikipedia.org/wiki/Der_eiskalte_Engel [mit Filmdaten]

13 Die Zeit: 2. 4. 1968; hier nach http://de.wikipedia.org/wiki/Der_eiskalte_Engel

14 http://www.zweitausendeins.de/filmlexikon/?sucheNach=titel&wert=7357

15 http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Abenteurer_(Film) [mit Filmdaten]

16 Erwähnt werden sollte hier die (altbundes-) deutsche ARD-Vorabendserie (jeweils 50´) Der Fahnder (mit der von Klaus Wennemann von 1984-1993 verkörperten Faber-Figur in 91 Folgen) als ambitionierter Versuch, einen deutschen Polizeifilm in einer fiktiven NRW-Großstadt G. zu begründen; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fahnder

17 Zweitausendeins Filmlexikon: http://www.zweitausendeins.de/filmlexikon/?sucheNach=titel&wert=539432 – wodurch sich dieses Lexikon erneut als informatorisch selektiv, begrifflich unklar und problematisch wertend zeigt.

18 http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Arslan

19 http://www.filmportal.de/film/im-schatten_6c3b4d8ee2aa45f88b3afde9d17432fb [mit Filmdaten]

20 http://de.wikipedia.org/wiki/Im_Schatten [mit Filmdaten]

21 Zitiert nach http://de.wikipedia.org/wiki/Im_Schatten

22 http://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_Wagner_(Regisseur)

23 http://de.wikipedia.org/wiki/Lösegeld_(2012) [mit Filmdaten]

24 http://www.viva.de/film.php?op=tv-hot&what=show&Artikel_ID=132866

Richard Albrecht ist „gelernter“ Journalist, extern provomierter und habilitierter Sozialwissenschaftler, lebt seit seiner Beurlaubung als Privatdozent (1989) als Freier Autor & Editor in Bad Münstereifel und war 2002/07 Herausgeber von rechtskultur.de. Unabhängiges online-Magazin für Menschen und Bürgerrechte. Bio-Bibliographie -> http://wissenschaftsakademie.net e-Postadresse -> eingreifendes.denken@gmx.net