Puls oder Wie man durchs Handy zum Zombie wird

cellDie Frage ist, welcher Roman oder welche Kurzgeschichte von Stephen King noch nicht verfilmt wurde. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Filmemacher mit Kings Zombie-Roman „Cell“ aus dem Jahr 2006 beschäftigten.

Eigentlich wollte Eli Roth den Stoff verfilmen, doch wurde aus dem Projekt nichts. Er erwarb zwar 2006 die Filmrechte, doch letztendlich verfilmte Tod Williams den Horrorroman dann beinahe zehn Jahre später. Mit wenig Erfolg, denn der Film floppte und wurde sofort als VOD veröffentlicht. Da half auch nicht, dass King selbst das Drehbuch verfasste. Dieses wurde später von Adam Alleca nochmals überarbeit.

Im Film wie im Buch geht es um sonderbare Signale, die von den Handys ausgehen und deren Benutzer innerhalb kurzer Zeit in tollwütige Zombies verwandeln. In all dem Chaos versucht Clay Riddell seine Frau und seinen Sohn zu finden. Dabei schließt er sich einer Gruppe weiterer Überlebender an.

Handys als Objekt des Unheimlichen sind im Horrorgenre nichts Neues. Den Anfang nahm die japanische Produktion „One missed Call“ aus dem Jahr 2003, bei dem Takeshi Miike Regie führte und das zwei Sequels und ein US-Remake erfuhr. So gesehen war Kings Idee, mal einen Horrorroman zu schreiben, in dem Handys die Ursache allen Übels sind, wenig originell.

Der Roman als auch der Film orientieren sich dabei immer wieder an früheren Endzeit- und Zombiefilmen. Interessant ist aber, dass die Handlung von „Cell“ das Zombie-Getue weiter entwickelt. So haben wir es hier nicht mit herumwatschelnden Untoten zu tun, die nur noch rein instinkthaft handeln, sondern die Zombies entwickeln im Laufe des Films eine Art kollektive Intelligenz, was dann doch recht unheimlich wirkt. Der Aspekt des Unheimlichen wird verstärkt, indem sich der Film in Sachen Gewalt eher zurückhält und mehr mit Andeutungen und Atmosphäre spielt. Wer daher einen Zombie-Splatter-Streifen erwartet, wird garantiert enttäuscht werden.

Insgesamt aber ist „Cell“ ein durchaus spannender Horrorfilm, der zwar nicht so schlecht ist wie sein Ruf, der allerdings an ein paar deutlichen Durchhängern leidet. Dennoch weiß der Film, vor allem geprägt durch das Spiel von John Cusack und Samuel L. Jackson, zu unterhalten.

 

FuBs Fundgrube: Griff nach den Sternen

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Cover der Erstausgabe aus dem Jahr 1959

John Wyndhams Roman „Griff nach den Sternen“ zählt zu den zehn besten SF-Romanen aus dem Jahr 1959. Im Gegensatz zu seinem sonstigen Stil, schuf Wyndham mit „The Outward Urge“, so der Originaltitel, einen Hard-SF-Roman, in dem es um die Besiedelung des Weltalls geht.

Erzählt wird dies in vier längeren Episoden. Die erste handelt vom Bau der ersten Raumstation im Jahr 1994. Die zweite Episode spielt im Jahr 2044 auf der ersten Mondstation, während auf der Erde ein Atomkrieg wütet. Die dritte Episode handelt von der ersten Marsexpedition im Jahr 2094. Die letzte Episode schließlich beschreibt eine Expedition zur Venus im Jahr 2144.

John Wyndham, der eigentlich für seine spannenden Invasions-Romane bekannt ist („The Day of the Triffids“ oder „The Midwich Cuckoos“ sind Klassiker des SF-Genres) versuchte mit „Griff nach den Sternen“ einen realistischen SF-Roman zu schreiben, was ihm auch durchaus gelungen ist. So erscheinen die von ihm gewählten Jahreszahlen, in denen die jeweiligen Geschichten spielen, alles andere als aus der Luft gegriffen. 1990 wurde zum Beispiel die erste internationale Raumstation in Betrieb genommen. Die erste bemannte Marsexpedition soll etwa im Jahr 2050 stattfinden.

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Cover der Penguin-Ausgabe aus dem Jahr 1962

Wyndhams Buch war so untypisch für ihn, dass ihm der Verleger vorschlug, für die Veröffentlichung entweder ein Pseudonym oder einen zweiten Autor zu nennen. John Wyndham entschloss sich daraufhin für einen Weg, der irgendwie beides umschloss. Lucas Parkes war eines seiner verschiedenen Pseudonyme. Dieses wählte er als Name für den (eigentlich nicht vorhandenen) Zweitautoren aus.

Doch egal, ob Pseudonym oder Zweitautor, das Buch muss sich hinter den anderen Romanen, die John Wyndham geschrieben hat, nicht verstecken. In einem flotten, ja fast schon rasanten Stil schildert er vier überaus spannende Ereignisse, die durch den Namen Troon miteinander verbunden sind. Troon ist der Name einer Familie aus Weltraumpionieren, die alle ihrem inneren Drang folgen, die Sterne zu erforschen. Dadurch erzählt der Roman zugleich eine Art Familiengeschichte, die ebenso ereignisreich wie tragisch ist.

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Cover der ersten deutschen Übersetzung aus dem Jahr 1965

Überaus intensiv wirkt gleich die erste Episode, in der Ticker Troon am Bau der ersten Weltraumstation mitarbeitet. Er sehnt sich bereits nach dem Urlaub auf der Erde, dieses Mal besonders, da er soeben von der Geburt seines ersten Sohnes erfahren hat, als auf die Station plötzlich eine Atomrakete zufliegt, abgefeuert von einer feindlichen Nation. 2044 droht auf der Mondstation ein Aufstand, da die Besatzung Angst hat, von Raketen der Sowjetunion beschossen zu werden. Ticker Troons Sohn Michael hat das Kommando über die Station und muss entscheiden, was er tun soll.

Schlag auf Schlag geht es auf diese Weise weiter. Den Mars beschreibt Wyndham dabei keineswegs als bewohnt, sondern als Felswüste. Auf der Venus, die er als eine Art Wasserplanet beschreibt, tummeln sich verschiedene Fische in den Meeren. Alles in allem ist „Griff nach den Sternen“ ein toller Roman, der den Leser regelrecht mitreißt. Auf Deutsch erschien der Roman 1965 im Heyne Verlag unter der Nummer 3055 der damaligen SF-Reihe.

Stag Night – Ein kaum beachtetes Remake

stagnight„Verlasst bloß nicht den Zug!“, lautet der Slogan zu dem Horrorfilm „Stag Night“ von Regisseur Peter A. Dowling. Doch genau das machen sechs junge Leute, als die U-Bahn außerplanmäßig an einem geschlossenen Bahnsteig hält. Eindeutig ein Fehler. Denn in den U-Bahn-Schächten unterhalb von New York haust eine Kannibalenhorde, die mächtig Hunger hat …

Peter A. Dowling weiß, wie man den Zuschauer bei Laune hält. Mit „Stag Night“ liefert er einen kurzweiligen Horrorfilm, der Spaß macht, da er aus den übrigen Massenprodukten etwas herausragt. Die Idee von Kannibalen in der U-Bahn ist dabei nicht neu. Bereits Anfang der 70er Jahre drehte Gary Sherman den englischen Streifen „Death Line“, der den für die damalige Zeit typischen deutschen Verleihtitel „Tunnel der lebenden Leichen“ aufgesetzt bekam. Und wer „Death Line“ kennt, weiß, dass Dowlings Film ein Remake davon ist.

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Am Eingang eines der U-Bahn-Schächte. „Stag Night“ (2008); Copyright: Koch Media.

Dowling verlegte die Handlung aus dem London der 70er Jahre ins New York der Gegenwart. Dies gelingt dem Regisseur auf recht gute Weise. Neben neuen Einfällen, zitiert er passend und stets an den richtigen Stellen das Original. Das Aussehen der Kannibalen ist dabei beinahe identisch mit demjenigen aus „Death Line“ (Dowling vergaß auch nicht den rasselnden Atem) und sogar das Cover von „Stag Night“ nimmt das Motiv des Filmplakats von „Death Line“ auf.

Einen Unterschied zwischen „Death Line“ und „Stag Night“ gibt es dann doch. Dowling hält sich nicht lange mit Erklärungen auf. Waren es bei Shermans Film noch die inzestuösen Nachfahren von verschütteten U-Bahn-Arbeitern, so erfährt man hier nicht, weswegen die Kannibalen die Schächte unterhalb von New York unsicher machen. Dowling konzentriert sich vor allem auf die Action in seinem Film. Geradezu rasant stolpern die sechs jungen Leute von einer Gefahr in die nächste, und es muss sicherlich nicht darauf hingewiesen werden, dass ihre Anzahl dabei stetig abnimmt.

Goreszenen setzt Dowling zur Handlung passend ein, was ihm eindeutig einen weiteren Pluspunkt beschert, da diese somit die bedrohliche Atmosphäre des Films mitbestimmen und nicht in nichts sagende Orgien ausarten. Die Effekte, die sich nett an denen der 70er und 80er Jahre orientieren, sind allesamt handmade. Alles in allem ist „Stag Night“ somit nicht nur eine gelungene Horrorfilm-Unterhaltung, sondern ebenso ein gut inszeniertes Remake.

Stag Night, Regie und Drehbuch: Peter A. Dowling, Produktion: Christopher Eberts, Arnold Rifkin, Darsteller: Kip Pardue, Vinessa Shaw, Scott Adkins, USA/Bulgarien 2008, 84 Min

Assault – Anschlag bei Nacht (1976)

aussaultMit „Assault on Precinct 13“ schuf Starregisseur John Carpenter einen unheimlichen Thriller, in dem er Aspekte des Western mit denen des Zombiefilms a la Romero verknüpft und zusätzlich Elemente des Blacksploitation-Genres übernimmt. Zugleich ist Carpenters Film ein wesentliches Beispiel für den Anfang der 70er Jahre entstandenen modernen amerikanischen Horrorfilm, in dem nicht mehr außerirdische Monster, sondern der Mensch bzw. die Gesellschaft selbst zu einem unerklärlichen, bedrohlichen und unheimlichen Phänomen wird.

Die Handlung: Eine Polizeistation in einem heruntergekommenen Bezirk in Los Angeles. Nur noch für eine Nacht steht die Station offen. Am nächsten Morgen soll sie geschlossen werden. Aus diesem Grunde ist sie auch nur mit einer kleinen Notbesetzung bestückt. Doch gerade in dieser Nacht kommt es zum Ausnahmezustand. Die Station wird von verschiedenen Jugendbanden belagert. Der zunächst noch rein kriminelle Aspekt wird zunehmend zu einer bizarren und unheimlichen Bedrohung …

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Mehrere Gangmitglieder nähern sich der Polizeistation. „Assault – Anschlag bei Nacht“ (1976). Copyright: Image Entertainment

Nach „Dark Star“ war „Aussault on Precinct 13“ Carpenters zweiter Spielfilm. Eigentlich hatte er vor, einen Western im Stil seines Vorbilds Howard Hawks zu drehen, doch wurde daraus nichts, da das Projekt auf kein Interesse stieß. Daher kam er auf die Idee, das Westernthema der Belagerung mit dem des modernen Zombiefilms zu verbinden. Die Kriminellen, die sich um die Polizeistation versammeln und immer wieder versuchen, sie zu stürmen, scheinen nicht normal zu agieren, sondern viel eher wie wandelnde Tote ihre Untaten zu verrichten. Eine kurze Erklärung für das sonderbare Verhalten gibt der Film, indem Polizist Ethan Bishop von sonderbar starken Sonneneruptionen spricht, von denen im Radio die Rede ist. Völlig willenlos marschieren die Jugendlichen auf die Station zu, wobei es zu heftigen Shoot-Outs kommt.

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Das Plattencover des Soundtracks von 1976 ziert die bekannteste Szene von „Assault“.

Berühmt wurde der Film nicht nur durch die Musik, von der damals auch eine Disco-Version produziert wurde, sondern vor allem durch die extreme Schockszene, in der einer der Warlords ohne mit der Wimper zu zucken ein kleines Mädchen auf offener Straße erschießt. Der Vertrieb wollte, dass Carpenter diese Szene wieder herausnahm. Carpenter schnitt die Szene heraus, doch setzte sie kurz vor dem Kinostart wieder ein.

„Aussault on Precinct 13“ ist ein absolutes Meisterwerk und gehört bis heute zu den verstörendsten und zugleich interessantesten Genrefilmen. John Carpenter drehte Ende der 80er Jahre ein Quasi-Remake von „Assault“ mit dem Titel „Fürsten der Dunkelheit“. Dort wurde die Polizeistation durch ein Kloster und die Jugendgang durch wirkliche Zombies (bzw. Streetshizos, wie es im Nachspann heißt) ersetzt.

Im Jahr 2005 kam es zu einem Remake des Klassikers, der jedoch auf verstörende Elemente verzichtet und aus der Story eine bloße Mischung aus Polizei- und Actionfilm macht.

Assault – Anschlag bei Nacht (OT: Assault on Precinct 13), Regie u. Drehbuch: John Carpenter, Produktion: J. S. Kaplan, Darsteller: Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West, USA 1976, 91 Min.

The Conjuring oder Von allem bitte etwas

conjuringMan muss anscheinend nur erwähnen, dass ein Film auf einer wahren Begebenheit beruht und schon sind sich viele Leute einig, den wohl gruseligsten Film gesehen zu haben. „The Conjuring“ von „Saw“-Regisseur James Wan ist solch ein Fall.

Bei Geisterhausfilmen geht es nicht um die Handlung. Diese ist bei allen Filmen dieses Subgenres gleich oder zumindest sehr ähnlich. Bei Geisterhausfilmen geht es um die Atmosphäre und die Darstellung der Spukphänomene. Dem einen Regisseur gelingen diese Aspekte sehr gut, dem anderen weniger. James Wans Spukhaus-Version findet sich irgendwo in der Mitte beider Extreme.

Es geht um das Ehepaar Lorraine und Ed Warren, beides erfahrene Experten in Sachen paranormale Ereignisse, die eines Tages von einer verzweifelten Familie gebeten werden, sich in ihrem Haus umzusehen, in das sie erst kürzlich eingezogen sind. Denn innerhalb der vier Wände geschehen unheimliche Dinge. Als die Warrens das Haus aufsuchen, stellen sie fest, dass darin ein bösartiger Geist umgeht, der von der Mutter Besitz ergreifen möchte …

Wie oben bereits erwähnt, bewegt sich James Wan mit seinem Film genau zwischen gut und weniger gut, was Atmosphäre und Spukeffekte anbelangt. Denn irgendwie wollte Wan von allem etwas in den Film einbauen. So wirkt „The Conjuring“ wie ein Überblick über die unterschiedlichen Sparten des Horrorgenres, angefangen vom reinen Spukhausfilm bis hin zum Okkult-Thriller. Anfangs schafft er dadurch noch Gänsehaut, da vor allem die unheimlichen Geräusche sehr gut umgesetzt sind. Beim Finale aber, wo nur noch mehr alle durcheinander schreien und panisch durchs Haus rennen, wirkt der Film stellenweise unfreiwillig komisch.

Mitten drin das Ehepaar Warren, das sich nur kurz anhört, was die Familie über die Phänomene erzählt, und schon mit einer Erklärung daher kommen, dass die dreimaligen Klatschgeräusche Jesus Christus verhöhnen sollen. Auf die Idee, nach alternativen Ursachen für diese Geräusche zu suchen, kommen beide Experten erst gar nicht, was dann doch ein wenig albern wirkt. Dass sie allerdings auch mit einer gewissen Skepsis hantieren, zeigt sich lediglich in einer kleinen Nebenszene, in denen sie (in einem anderen Haus) für angeblich paranormale Geräusche eine natürliche Erklärung finden. In dieser Hinsicht wirkt die Dramaturgie ein wenig unbeholfen.

Solche Ungereimtheiten finden sich auch in anderen Handlungssequenzen. Die beste ist sicherlich diejenige, in der Roger Perron, der Vater der Familie, ewig lange mit einem brennenden Streichholz durch den Keller schleicht. In einer späteren Sequenz, in der seine Frau dasselbe tut, verbrennt ihr die Flamme sofort die Finger.

Was aber an „The Conjuring“ vor allem stört, ist das Einweben einer Parallelhandlung, die allein dazu dient, das Marketing für ein Spin-Off anzukurbeln. Darin geht es um die besessene Puppe Annabell, die auf einmal die Tochter der Warrens plagt. Das war es dann auch schon, denn mit der übrigen Handlung hat dies nichts zu tun.

So gesehen ist „The Conjuring“ kein großer Wurf, allerdings ist er auch nicht wirklich schlecht.

The Conjuring. Regie: James Wan, Drehbuch: Chad Hayes, Carey Hayes, Produktion: Rob Cowan, Darsteller: Vera Farmiga, Patrick Wilson, Lili Taylor, Ron Livingston. USA 2013, 112 Min.

 

Kunoichi oder Mit Ninja-Trick Busenwelle gegen das Böse

kunoichiWenn man sich einen japanischen Schwertkampffilm ansieht, in dem Frauen Blitze aus ihren Brüsten schießen lassen – und auch aus Stellen, die unterhalb der Gürtellinie liegen – , so weiß man, dass man hier einen etwas anderen Genrefilm vor sich hat.

Regisseur Hitoshi Ozawa schuf mit der zweiteiligen Roman- bzw. Manga-Adaption „Kunoichi“ einen Fantasyfilm, der sich selbst nicht ganz so ernst nimmt und daher mit einigen originellen Ideen daherkommt. Ninja-Trick Busenwelle sowie Ninja-Trick Talecho lassen die Bösen durch die Bank weg explodieren und das Blut spritzt in hohen Fontänen. Die Low-Budget-Produktion „Kunoichi“ zeigt also, wie man Liebhaber von Trash-Filmen bei Laune hält, denn unterhaltsamer und sehenswerter kann ein Film kaum sein.

Die Handlung in Kürze: Der dekadente Shogun zieht mit einer Herrschar dämonischer Halbwesen durch die Lande und foltert und missbraucht mit Vorliebe junge Frauen. Als er ein Nonnenkloster überfällt, beschließen die sieben überlebenden Schwestern, sich an dem Shogun zu rächen. Mithilfe eines Schwertmeisters machen sie sich auf, den Shogun zu erledigen …

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Kisagai (Yuko Moriyama) in der Klemme. „Kunoichi“ (1996). Copyright: Toei Company

Regisseur Ozawa gelingt in seinem Zweiteiler eine Mischung aus Splatter-, Sexploitation- und Schwertkampffilm, wobei er zwischen den Extremen Kitsch und Ästhetik ohne Wenn und Aber hin- und herpendelt. Dadurch wird „Kunoichi“ den durchgeknallten Werken von Regisseur Takeshi Miike nicht unähnlich. Trash vermischt sich ohne weiteres mit gespenstischer Gruselästhetik. Ruhige Aufnahmen wechseln abrupt mit rasanten Schnitten. Im selben Maß wechselt ebenfalls die Musik von traditionell zu Hardrock, ohne Übergänge zu beachten.

Bei so vielen Ninja-Frauen in Miniröckchen und Lederstiefeln ist es nicht verwunderlich, dass Regisseur Ozawa auch gleich selbst mitspielen wollte. Aus diesem Grunde sind wahrscheinlich auch die Handlungsstränge gelegentlich etwas durcheinander geraten und manchmal nicht ganz nachvollziehbar. Doch das durchgeknallte Spektakel besitzt gerade darin seinen Reiz, indem Ozawa in der Wirrnis eine Ästhtetik findet, die den Zuschauer in ihren Bann zieht. Das lässt „Kunoichi“ beinahe als modernen Klassiker erscheinen.

Kunoichi 1: Lady Ninja/Kunoichi 2: Blutige Rache (OT: Kunoichi ninpô chô Yagyà gaiden: Edobana jigoku-hen), Regie & Drehbuch: Hitoshi Ozawa, Darsteller: Yuko Moriyama, Hitoshi Ozawa, Momoka Saeki, Kaoru Okawa, Fuyu Ohba, Japan 1998, 74 Min. & 82 Min.

The 80s: Quiet Earth (1986)

quietearthDurch ein irrsinniges Experiment gerät die Erde aus ihrem Raum-Zeit-Kontinuum, was zur Folge hat, dass alle Lebewesen verschwunden sind. Nur ein einziger Mensch ist noch am Leben. Er irrt durch eine leere Welt, um vielleicht doch noch auf andere Menschen zu treffen …

Im Grunde genommen gibt es nur wenige SF-Filme, die wirklich SF sind und in denen die Bezeichnung SF nicht als bloße Legitimation für Herumgeballere und Herumgejage herhalten muss. Zu diesen wenigen Perlen ist ohne weiteres Geoff Murphys „The Quiet Earth“ zu zählen. Der Stoff lehnt sich an klassische SF-Geschichten an, in denen nach einer globalen Katastrophe nur mehr ein einziger Mensch ums Überleben kämpft. Als Beispiele seien hier die Romane „Ich bin Legende“ von Richard Matheson und „Die purpurne Wolke“ von M.P. Shiel genannt.

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Der Wissenschaftler Zac Hobson auf der Suche nach Überlebenden. „Quiet Earth“ (1986). Copyright: Sunfilm Entertainment.

In „The Quiet Earth“ wacht der Wissenschaftler Zac Hobson auf und stellt fest, dass es außer ihm keine anderen Menschen mehr gibt. Sein Erstaunen wandelt sich nach und nach in pure Verzweiflung. Schließlich flieht er in eine Art Wahnsinn. Als er durch Zufall auf eine Frau trifft, die wie er auf der Suche nach anderen Menschen ist, keimen in ihm Schuldgefühle auf, da er selbst an jenem bizarren Experiment beteiligt gewesen ist, durch das die Welt zu einem „stillen“ Planeten geworden ist. Aber auch soziobiologische Aspekte mischen sich gekonnt in die Geschichte, als beide auf einen dritten Überlebenden treffen. Von nun an spielt zwischen dem Wissenschaftler und dem anderen Mann der Kampf um die Frau zur Arterhaltung eine größere Rolle als die Suche nach einer Lösung eines noch viel schwerwiegenderen Problems: Das Raum-Zeit-Kontinuum ist durch das Experiment äußerst instabil geworden und droht jeden Augenblick zu kollabieren.

„The Quiet Earth“, der zu den erfolgreichsten Filmen aus Neuseeland zählt, ist ein SF-Film abseits des Hollywood-Klischees. Die Suche des letzten Menschen nach weiteren Überlebenden und sein Versuch, sich in dieser trostlosen Situation zurechtzufinden, sind sehr realistisch und einfühlsam erzählt. Hinzu kommt ein kongenialer Soundtrack, der das kosmische Ausmaß dieser Katastrophe unterstreicht.

The Quiet Earth, Regie: Geoff Murphy, Produktion: Sam Pillsbury, Don Reynolds, Darsteller: Bruno Lawrence, Alison Routledge, Pete Smith. Neuseeland 1986, 91 Min.

Carl Dennings Horrorthriller – Nur eines ist sicher: Ihr werdet euch fürchten

Seit drei Jahren lehrt Horrorautor Carl Denning seinen Lesern das Fürchten. Bisher sind fünf Romane erschienen:

TodesstationCover11Todesstation:

Die Besatzung einer abgelegenen Forschungsstation in den Alpen macht eine seltsame Entdeckung: Bei einem Zwischenfall wird der Eingang einer Höhle freigelegt, in der sich prähistorische Felszeichnungen befinden. Manche von ihnen wirken äußerst bizarr. Die junge Archäologin Joan Jansen soll die Bilder untersuchen. Doch sie steht selbst vor einem Rätsel. Solche Bilder hat sie bisher noch nirgendwo gesehen. Die Situation wird noch merkwürdiger, als die Forscher mit unheimlichen Ereignissen konfrontiert werden, die sich von Mal zu Mal intensivieren. Als es schließlich zu einem schrecklichen Todesfall kommt, gerät die Lage zunehmend außer Kontrolle …

CoverDasBoese

 

Das Böse:

Das Einsame Haus steht auf einer kleinen Insel vor der Küstenstadt Belsen. Eine 200 Meter lange Brücke verbindet die Insel mit dem Festland. Bei Flut ist das Haus vom Festland vollkommen getrennt. Seit 20 Jahren steht das Gebäude leer. Mira sieht darin einen geeigneten Ort für ihre Uni-Abschlussfeier. Zusammen mit ihren Freunden plant sie, eine Nacht dort zu verbringen. Zunächst scheint alles in Ordnung zu sein. Doch dann kommt die Flut. Und das Grauen beginnt …

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Angst:

Das alte Firmengebäude steht seit Jahren leer. Anfang der 70er Jahre drehte dort ein Mitarbeiter durch und ermordete mehrere seiner Kollegen. Der exzentrische Psychologieprofessor Jean Kalat sieht in dem Haus einen geeigneten Ort für sein Experiment. Er möchte den Gerüchten nachgehen, die besagen, dass es in dem Gebäude spukt. Zusammen mit seiner Assistentin Ellen und einer Handvoll Studenten verbringt er eine Nacht darin. – Der Aufenthalt wird zum Horrortrip.

Blutige Schatten Cover

 

Blutige Schatten:

Ein Haus, in dem es tatsächlich spukt? Das Martenshaus gilt als Monster unter den Spukhäusern. Als eine Gruppe Parapsychologen den unheimlichen Gerüchten, die sich um dieses Gebäude ranken, nachgehen möchte, kommt es zur Katastrophe: Zwei Tote und eine vermisste Person. Die Polizei steht vor einem Rätsel.
Wenige Tage später sucht der bekannte Grenzwissenschaftler Frederic Tubb zusammen mit seinem Team das Haus auf, um den sonderbaren Zwischenfall zu untersuchen. Bereits in der ersten Nacht ereignen sich unerklärliche Dinge. Und schon bald wünscht sich Tubb, das Haus nie betreten zu haben…

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Darkmoore:

Darkmoore, eine Kleinstadt in Devonshire, wird von einer unheimlichen Mordserie heimgesucht. Der Schriftsteller Jeff Cooper zieht zusammen mit seiner Frau Linda in den Ort, um in dem Haus von Jeffs verstorbenen Onkel zu wohnen. Jeff hofft, dort ungestört an seinem neuen Roman arbeiten zu können. Doch kaum sind Jeff und Linda eingezogen, als sie auf Aufzeichnungen seines Onkels stoßen, in denen er darauf hinweist, dass die Morde etwas mit einem sonderbaren Wesen zu tun haben, das in den tiefen Wäldern haust, die sich um Darkmoore herum ausbreiten. Fasziniert von den Notizen seines Onkels, beginnt Jeff selbst Nachforschungen anzustellen. Während die Polizei glaubt, einem Serienmörder auf der Spur zu sein, stößt Jeff auf immer rätselhaftere Hinweise über die Natur des Mörders …

 

Einmal Exorzist, immer Exorzist – Zum Tod von William Peter Blatty

exorzistAm 12. Januar starb Autor William Peter Blatty. Für längere Zeit arbeitete er als Drehbuchautor mit Komödienspezialist Blake Edwards zusammen, doch seine eigentliche Bekanntheit erlange Blatty durch „Der Exorzist“. 1971 veröffentlicht, wurde der Roman rasch zum Bestseller. Die filmische Adaption aus dem Jahr 1973 zählt bis heute zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten.

Blatty, der eigentlich Priester werden wollte, arbeitete für einige Jahre als Verwaltungsangesteller an verschiedenen Universitäten. Während dieser Zeit begann er in seiner Freizeit mit dem Schreiben von Romanen. Sein Buch „Der Exorzist“ basiert auf einem wahren Fall aus dem Jahr 1949: an einem Jungen, der angeblich von Dämonen besessen war, wurde damals ein Exorzismus durchgeführt. In dem Roman ist es die 12-jährige Regan, die von dem Dämonen Pazuzu besessen wird. Zunächst glaubt ihre Mutter, dass Regan unter psychischen Störungen leidet. Doch schließlich stellt sich heraus, dass kein Arzt ihr helfen kann …

exorzist2Der Zeitpunkt für eine Veröffentlichung von „Der Exorzist“ hätte nicht besser gewählt werden können. Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre gab es einen Trend hin zum Esoterischen und Okkulten. Blattys Roman und auch der späteren Verfilmung aber lag es nicht einfach daran, eine  Modeerscheinung aufzugreifen, obwohl dies natürlich den Umsatz förderte. In „Der Exorzist“ geht es um viel mehr.

Film und Roman befassen sich mit den Ängsten und dem Wirrwarr der Postmoderne, mit einer aufkommenden Epoche also, in der sich bisherige Strukturen auflösen. Der Priester zweifelt an seinem Glauben, nicht weniger sind die Ärzte von ihrem fachlichen Wissen überzeugt. Während der Priester Regans Mutter einen Psychiater vorschlägt, um die Symptome zu behandeln, raten ihr die Ärzte, einen Exorzismus durchzuführen. In „Der Exorzist“ verläuft alles seitenverkehrt. Es herrscht ein unübersichtliches Chaos. Das rationale Weltbild bekommt Risse, durch die etwas hindurchschimmert, das aufgeklärte Geister wohl als Aberglaube abtun würden. Nur, dieser Aberglaube ist unheimlich lebendig. Das Irrationale wird zu einer Bedrohung für den modernen Menschen innerhalb der Postmoderne. Was glauben wir nur und was wissen wir wirklich?

exorzist1Diese Fragestellung griff Blatty in seinem Roman „Legion“ (1983) wieder auf, nachdem das Sequel „Der Exorzist II“ sich als ein filmisches Desaster herausgestellt hatte, mit dem Blatty nicht in Verbindung gebracht werden wollte. In dem Roman geht es um Inspektor Kinderman, der einer Reihe unheimlicher Morde nachgeht und letztendlich dem Bösen gegenübersteht. Erneut landete Blatty damit einen Bestseller, doch erst 1990 kam es zu einer Adaption – durch Blatty selbst. Der Film spielte zwar das Dreifache seiner Kosten ein, blieb aber dennoch hinter den Erwartungen der Studios zurück.

Obwohl William Peter Blatty weitere Romane schrieb, blieb „Der Exorzist“ sein bekanntestes Buch.

 

 

Unter Verdacht – Ein außergewöhnlicher Noir-Thriller

unterverdachtDem Film „Unter Verdacht“ liegt der Kriminalfall des Frauenmörders Dr. Crippen zugrunde. Dieser brachte seine Ehefrau um und mauerte sie danach in seinem Haus ein. In dem Klassiker von Robert Siodmak wurde aus Dr. Crippen der sanftmütige und zurückhaltende Tabakwarenverkäufer Philip Marshall. Seine Frau ist eine wahre Xanthippe, die ihm das Leben zur Hölle macht. Als ihr gemeinsamer Sohn auszieht, bringt dies den Konflikt zum überlaufen. Er möchte, dass sie einer Scheidung einwilligt, was diese jedoch ablehnt. Da lernt Marshall die viel jüngere Mary Gray kennen (dargestellt von dem damaligen Pin up-Girl Ella Raines), die in dem Tabakladen eine Anstellung sucht. Sie freunden sich schnell an. Aus der Freundschaft wird eine Affäre. Als Marshalls Frau dies mitbekommt, droht sie ihm, die Affäre seinem Chef zu verraten, was ihm seinen Job kosten würde. Bevor sie ihre Aktion durchführen kann, bringt er sie um.

unterverdacht2Damit endet der Film keineswegs und es geht auch gar nicht darum, wer der Mörder ist. Siodmak kreiert die Spannung auf eine ganz andere Weise. Der Zuschauer hofft inständig, dass Marschall nicht als Mörder entlarvt wird. Von Anfang an wird die Figur als ein sehr höflicher und gutmütiger Mann charakterisiert. Seine Frau dagegen ist schlicht und ergreifend eine Hexe. Die Lage, in die sie Marshall durch ihre Streitlust und ihren Hass bringt, lässt ihm gar keine andere Wahl, als sie auf recht rabiate Art und Weise zum Schweigen zu bringen. Als nun Philip Marshall endlich seine Ruhe hat und nachdem er und seine Geliebte geheiratet haben, taucht ein Inspektor auf, der nicht ganz glauben möchte, dass Marshalls Frau die Treppe hinuntergestürzt ist. Und da ist natürlich auch Marshalls alkoholsüchtiger Nachbar, der versucht, ihn zu erpressen.

unterverdacht1All dies macht „Unter Verdacht“ zu einem extrem spannenden Psychothriller. Zugleich liefert Robert Siodmak ein äußerst sozialkritisches Bild einer modernen Gesellschaft. Die Moral verkommt zu einer reinen Oberflächlichkeit. Es geht um gescheiterte Existenzen und zerrüttete Familien. Sehr direkt geht der Film auf das Thema Gewalt in der Ehe ein, wenn er Marschalls Nachbarin, deren Mann Alkoholiker ist, mit blauen Flecken zeigt. Siodmak nimmt hierbei keineswegs eine feministische Sichtweise ein. Bei ihm sind sowohl Frauen als auch Männer Opfer. Die oben erwähnte Direktheit ließ den Film damals als moralisch bedenklich erscheinen, was dazu führte, dass er nur für Erwachsene freigegeben wurde.

Was den Film nicht weniger interessant macht, ist der Umstand, dass zwischen Philip Marshall und seiner Geliebten und späteren Frau ein recht großer Altersunterschied herrscht. Eine ziemlich außergewöhnliche Figurenkonstellation für die damalige Zeit. Die in „Unter Verdacht“ angesprochenen Themen lassen den Film überaus aktuell erscheinen. Aber das macht echte Klassiker aus: sie sind praktisch zeitlos.

Unter Verdacht (The Suspect), Regie: Robert Siodmak, Drehbuch: Bertram Milhauser, Arthur T. Horman,  Produktion: Islin Auster, Darsteller: Charles Laughton, Ella Raines, Dean Harms, Stanley Ridges, Rosalind Ivan. USA 1944, Laufzeit: 85 Min.