Erschienen: Prähuman 18 – Der geheimnisvolle Mr. Bolton

Es ist mal wieder soweit: der 18. Band der außergewöhnlichen Serie „Prähuman“ ist erschienen. Dieses Mal haben es Frederic Tubb, Maki Asakawa und Hans Schmeißer mit einem mysteriösen Magier zu tun.

Harold T. Bolton kennt kaum einer mehr, doch in den 70er und frühen 80er Jahren soll er sehr erfolgreich von einem Auftritt zum nächsten gezogen sein. Nun hat er sich in der Nähe von London in einer riesigen Villa niedergelassen, in der er ausgewählten Gästen seine Zaubertricks vorführt. Doch anscheinend geht dabei nicht alles mit rechten Dingen zu. Denn bei einer dieser Vorstellungen kommt es zu einem rätselhaften Todesfall.

Was ist Illusion, was ist real? Diese Gegenüberstellung zieht sich durch den ganzen 18. Band von „Prähuman“ und sorgt dabei für enorme Spannung und eine dichte, faszinierende Handlung. Der Charakter des Magiers ist vortrefflich rätselhaft gelungen, auch die Beschreibungen der Darbietungen hat etwas düster-geheimnisvolles. Und schon bald ist es Tubb selbst, der in dieses Netz aus Illusion und bloßen Tricks gerät.

Auch dieser Band ist äußerst kurzweilig und es fehlen natürlich auch nicht die für diese Serie so typischen Gags. Die tiefe der Handlung und der Charaktere macht Prähuman 18 zu einem der besten Bände von Carl Dennings Reihe. Eine richtige kleine Perle, die uns da der Autor präsentiert. In diesem Sinne darf man schon gespannt sein, was uns in Band 19 erwarten wird.

„Ich töte, was ich liebe“ – Wahre Fälle, erzählt von einer Kommissarin

Kerstin Kämmerer ist ehemalige Erste Hauptkommissarin und berichtet in ihrem Buch „Ich töte, was ich liebe“ über einige Fälle, an deren Lösung sie mitgerarbeitet hat. Doch dabei bleibt es nicht. Denn die Autorin berichtet auch von drei Fällen, von denen sie während ihrer Schulzeit erfahren hat und die Menschen in ihrer unmittelbaren Nähe betrafen.

Um es gleich vorweg zu nehmen: „Ich töte, was ich liebe“ ist erstklassig. Zum einen wegen des wunderbaren Schreibstils von Kerstin Kämmerer, der einen regelrecht über die Seiten gleiten lässt. Zum anderen wegen der interessanten und spannenden Fälle, über die sie berichtet, wobei sie auch auf die biografischen Hintergründe der beteiligten Menschen eingeht. Und drittens, da es mehr als nur eine Schilderung von Ereignissen darstellt. Kerstin Kämmerer lässt den Leser direkt teilhaben an der Polizeiarbeit und schildert dabei ihre Gedanken und Gefühle, die sie während der Ermittlungen hatte, was das gesamte Buch ungemein lebendig und vielschichtig werden lässt.

Das Ergebnis ist ein überaus faszinierender Einblick in das Leben einer Kommissarin, so spannend geschrieben wie ein Krimi. Dabei schildert sie auch ihre Anfänge bei der Polizei und wie sie einen ihrer ersten Fälle löste, bei dem es um den Diebstahl einer Lichtorgel ging. Das weitere Buch ist aufgeteilt in unterschiedliche Verbrechenskategorien, die von Exhibitionismus bis zu Mord reichen und die von der Autorin jeweils mit einer Einleitung versehen sind. Überaus interessant ist dabei das Kapitel über Frauen als Täter. Kerstin Kämmerer schreibt, dass sie es in ihrer Laufbahn eher selten mit Frauen zu tun hatte, die einen Mord begangen haben. Ihre Analyse darüber ist soziologisch sehr faszinierend.

Eine wahre Gänsehaut verursacht einem das letzte Kapitel mit dem Titel „Bizarre Fügung“. Denn hier erwähnt Kerstin Kämmerer eine Reihe von Fällen, die miteinander zusammenhängen, wobei sie selbst einmal dem Täter begegnet ist.

Kurz und knapp: „Ich töte, was ich liebe“ ist ein wahres Highlight zum Thema Kriminalistik. Es ist absolut schwer, mit dem Lesen wieder aufzuhören.

Kerstin Kämmerer. „Ich töte, was ich liebe“. Eine Thüringer Kriminalistin erzählt. Verlag Kirchschlager 2019, 207 Seiten (mit Lesebändchen), 16,95 Euro.

Horror de Luxe: Trollhunter

„Troll!“ Und schon fliehen alle vor den unheimlichen Riesen, die Norwegens Wälder unsicher machen. Nur weiß niemand, dass es Trolle wirklich gibt, da die Regierung dies streng geheim hält. Als eine kleine Gruppe Studenten bei der Durchführung eines Filmprojekts auf den seltsamen Jäger Hans treffen, dessen Auto mit ominösen Krallenspuren überzogen ist, ist für sie klar, dass sie dem Geheimnis des Mannes auf die Spur kommen wollen.

Norwegens Kritiker waren gespalten, als André Øvredals „Trollhunter“ 2010 in die Kinos kam. Die einen bemängelten die Dramaturgie, die anderen waren mit den Spezialeffekten unzufrieden. Von Kritikern im Ausland wurde der Film dagegen eher positiv bewertet.

„Trollhunter“ ist im Stil einer Mockumantery gedreht und wurde daher mit „Blair Witch Project“ und „Cloverfield“ verglichen. Das Problem bei solchen Filmen ist stets, dass sie hätten besser sein können, wenn sie eben nicht im vermeintlichen Dokumentarstil gedreht worden wären. Und dasselbe trifft sicherlich auch auf „Trollhunter“ zu.

Ein Bergtroll greift an; „Trollhunter“ (2010); © Universal Pictures

Dennoch handelt es sich hierbei um ein recht witziges Monsterfilmchen mit durchaus überraschenden Spezialeffekten. Vor allem der Ton ist in dieser Hinsicht erstklassig, das Aussehen der Ungeheuer orientiert sich an klassischen Zeichnungen von Trollen, was zu einem weiteren positiven Aspekt führt: denn „Trollhunter“ vermischt auf geniale Weise Folklore mit Action und Horror. Wenn man sich auf die gewitzte Grundidee des Films einlässt, dann hat man 90 Minuten Spaß vor sich.

Was ein wenig nervt, sind die drei Studenten, die mehr herumhampeln als eine schauspielerische Glanzleistung abzuliefern. Dagegen spielt Otto Jespersen den Trolljäger Hans auf wirklich geniale Weise. Mit anderen Jungdarstellern hätte der Film wahrscheinlich noch besser funktioniert, so aber erscheinen die Protagonisten eher wie zweidimesnionale Abziehbilder. Die Stärken des Films liegen daher vor allem in den Szenen, in denen die Monster ihr Unwesen treiben.  Vor allem das Finale ist hierbei recht faszinierend.

Die koreanische Produktionsfirma CJ Entertainment hatte zusammen mit der US-Firma 1492 Pictures zunächst die Rechte für ein Remake erworben, jedoch wurde das Projekt wieder fallen gelassen. Anscheinend haben die Produzenten erst später gemerkt, dass es in ihren jeweiligen Ländern keine Trolle gibt und daher ein Remake sinnlos wäre. Was daher bleibt, ist sicherlich einer der außergewöhnlichsten Filme aus Norwegen.

Trollhunter. Regie u. Drehbuch: André Øvredal, Produktion: John M. Jacobson, Darsteller: Otto Jespersen, Hans Morton Hansen, Tomas Alf Larsen, Johanna Mørck, Urmila Berg-Domaas, Glenn Erland Tosterud. Norwegen 2010, 99 Min.

Die Klunkerecke: The Mothman Prophecies – Tödliche Visionen (2002)

Reporter John Klein (Richard Gere) als die Katastrophe hereinbricht; „The Mothman Prophecies“ (USA 2002), © Concorde

Der Mothman gehört wohl zum bekanntesten Personal der urbanen Legenden der USA. Immer wieder gibt es Berichte über den geheimnisvollen Mottenmann, der angeblich stets dann erscheint, wenn ein größeres Unglück bevorsteht. Kein Wunder also, dass sich Hollywood dieser Figur angenommen und daraus einen Film gemacht hat.

Mit Richard Gere und Laura Linney hatte man auch schon das kleine Ensemble zusammen, das den gesamten Film trägt, eigentlich nur übertroffen durch die erstklassige Optik, mit der Regisseur Mark Pellington seinen vierten Spielfilm verziert. Basierend auf dem 1975 erschienenen Buch des Journalisten John Keel, erzählt „The Mothman Prophecies“ die seltsamen Erlebnisse des Reporters John Klein, dessen Frau nach einem mysteriösen Unfall gestorben ist. Kurz vor ihrem Tod zeichnete sie eigenartige Bilder, die ein Wesen mit rot glühenden Augen darstellen.

Eines Tages verschlägt es Klein auf unerklärliche Weise in die Stadt Poin Pleasant, in der es immer wieder zu Sichtungen des Mothman kommt. Während Klein gemeinsam mit der Polizistin Connie Mills versucht, das Rätsel zu lösen, bahnt sich eine Katastrophe an …

Man kann über den Film sagen, was man möchte, was Regisseur Pellington gelingt, ist, von Anfang an eine mysteriöse, dichte Atmosphäre zu schaffen, welche die ganzen 114 Minuten über anhält. Verbunden mit der bereits erwähnten großartigen Optik ergibt sich ein Mystey-Thriller, der gekonnt die Gefahren des Kitsch umschifft, auch wenn er gelegentlich haarscharf daran vorbeischrammt.

Mark Pellingtons Motivation besteht darin, Leute, denen etwas Unerklärliches widerfahren ist, zu verstehen. Dabei konfrontiert er die Figuren mit den gängigen Vorurteilen, dass es sich ausschließlich um Spinner oder um Wichtigtuer handelt. Ebenso mit den tragischen Konsequenzen, welche solche außergewöhnlichen Erfahrungen mit sich bringen, z.B. Trennung vom Partner und soziale Ausgrenzung. In dieser Hinsicht ist der Film soziolgisch und auch psychologisch recht genau, was sich wiederum positiv auf den Film als Ganzes auswirkt, da er auf diese Weise die Verbindung zur Realität nicht verliert.

Was ein wenig nervt, ist das ständige Läuten des Telefons bzw. Handys. In wohl kaum einem anderen Film wird so viel angerufen wie in „The Mothman Prophecies“. Vielleicht sogar ein wenig zu viel. Auf jeden Fall spielt Richard Gere den Politikreporter John Klein unglaublich gut. Man nimmt ihm die Rolle des Rationalisten und Skeptikers ab, der auf einmal die Welt nicht mehr versteht. Zunächst versucht er, für alle Vorkommnisse nach plausiblen Erklärungen zu suchen, bis er sich schließlich eingestehen muss, dass es keine solche gibt – für diese Gegenüberstellung zwischen plausibel und unplausibel findet Mark Pellington übrigens immer wieder schöne Bilder.

„The Mothman Prophecies“ ist dadurch eindeutig einer der besseren Mystery-Filme, welche um die Jahrtausendwende über die Leinwand flimmerten und von denen die meisten längst wieder in Vergessenheit geraten sind.

The Mothman Prophecies. Regie: Mark Pellington, Drehbuch: Richard Hatem, Produktion: Tom Rosenberg, Darsteller: Richard Gere, Laura Linney, Will Patten. USA 2002, 114 Min.