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Archive for Oktober 2017

Mit der phantastisch angehauchten Komödie „Was geschah wirklich mit Harold Smith?“ legte „Garfield“-Regisseur Peter Hewitt einen Film vor, der die Retro-Phase in gewisser Weise vorwegnahm. Der Film spielt 1977 und zeigt die Gegensätze zwischen der damaligen Disco- und Punkwelle und macht sich zugleich über die sensationslüsterne Medienwelt lustig.

Im Mittelpunkt stehen Vince und sein Vater Harold. Disco-Fan Vince ist Anwaltsgehilfe und unsterblich in seine Kollegin verliebt. Harold sitzt die meiste Zeit vor dem Fernseher, während Vinces Mutter ständig fremdgeht. Eines Tages aber beweist Harold auf einmal außergewöhnliche Kräfte, indem er einen Kugelschreiber zum Schweben bringt. Als er jedoch bei einer kleinen Vorstellung in einem Altenheim nicht nur Uhren, sondern auch Herzschrittmacher zum Stehen bringt, wird nicht nur die Polizei, sondern auch das Fernsehen auf ihn aufmerksam. Es entsteht ein wahrer Kult, während ein Physiker Harold als Betrüger entlarven soll. Dieser aber ist von Harolds Fähigkeiten so sehr beeindruckt, dass er Harold öffentlich als den Sohn Gottes bezeichnet …

Vincent (Michael Legge) und sein Freund Walter (James Cordan) versuchen sich in „Saturday Night Fever“; „Was geschah mit Harold Smith?“ (1999); Copyright: Epix

„Was geschah wirklich mit Harold Smith?“ verbindet leichte Komödie mit köstlicher Satire und kratzt dabei sanft an den Merkmalen des Übernatürlichen. Die Handlung schreitet rasant voran und das Timing der Gags ist erstklassig. Der Film wird nie langweilig, verliert nie an Fahrt und hängt nie durch. Untermalt wird alles von einem tollen Soundtrack, der sowohl die Disco- als auch die Punk-Ära nochmals aufleben lässt.

Dabei lebt die Story vor allem von witzigen Gegenüberstellungen: Zum einen stellt Hewitt die Disco-Ära der Punk-Bewegung gegenüber, zum anderen das Unerklärbare der anscheinend rationalen Wissenschaft und zum Dritten Medienkonsumenten den Medienmachern.

Mit diesen Mitteln wird der Film recht vielschichtig, da er so ziemlich alle sozialen Bereiche heutiger Gesellschaften durch den Kakao zieht. Die Kritik, die sich Fernsehen oder auch Wissenschaft anhören müssen, ist aber keineswegs diejenige des erhobenen Zeigefingers, sondern eine sehr gelungene Entlarvung der geistigen und medialen Elite. Stephen Fry, der den Physiker spielt, erlebt man hier in absoluter Bestform.

Insgesamt macht der Film richtig Spaß und verliert auch nach mehrmaligem Ansehen weder an Originalität noch an Witz. Kurz: eine kleine, feine Perle des englischen Films.

Was geschah mit Harold Smith? (OT: Whatever Happened to Harold Smith?), Regie: Peter Hewitt, Drehbuch: Ben Steiner, Darsteller: Tom Courteney, Stephen Fry, Michael Legge, Laura Fraser. England 1999, 95 Min.

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21 Fälle beinhaltet der zweite Band des „Thüringer Mord Pitaval“, die vom Jahr 1606 bis ins Jahr 1968 reichen. Wie auch im ersten Band, so hat auch für diese Ausgabe der Diplom-Archivar Frank Esche verschiedene Archive durchforstet und sonderbare als auch schreckliche Kriminalfälle zutage befördert.

So geht es unter anderem um einen Mann, der im Jahr 1606 seine ganze Familie erschlägt, so als sei er von einer Sekunde auf die andere dem Wahnsinn verfallen. Eine hübsche Frau entpuppt sich als heimtückische Mörderin und ein Arzt verhindert quasi in letzter Minute einen Justizirrtum. Serienmörder treiben ihr Unwesen, genauso aber kommt es zu Mord aufgrund sozialer Not.

Wie auch in dem vorangegangenen Band, beschreibt Esche nicht nur außergewöhnliche Fälle, die sich über die Jahrhunderte ereignet haben, sondern sucht nach den sozialen Ursachen für die Gräueltaten. Dies macht die einzelnen Kapitel zu Fenstern in vergangene Zeiten, indem der Autor aus Gerichtsprotokollen zitiert, den jeweiligen Lebensumständen und den Biografien der Täter als auch der Opfer nachgeht, sodass man stets ein Gesamtbild der damaligen Situationen erhält.

Wie auch Band 1 des „Thüringer Mord Pitaval“ liefert Band 2 dadurch nicht allein ein spannendes und durchaus auch unheimliches Leseerlebnis, sondern zugleich überaus interessante und detaillierte Hintergründe, welche die Vergangenheit regelrecht lebendig werden lassen. Sicherlich nichts für Leser mit schwachen Nerven, nimmt einem Esche mit in die Abgründe der menschlichen Seele und der dunklen Seiten des sozialen Miteinanders.

Egal ob sich ein Fall im 17. Jahrhundert oder im 20. Jahrhundert ereignet hat, Esche schreibt über all dies auf eine Weise, als hätten sich die Fälle erst vor wenigen Tagen ereignet. Dies zeigt, dass sich die Charaktere und die Handlungsgründe der Menschen eigentlich nie geändert haben. Und genau dieser Punkt macht das Buch zusätzlich faszinierend.

Frank Esche. Thüringer Mord Pitaval Band 2. Verlag Kirchschlager 2017, 278 Seiten, 12,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-69-4

 

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Englands Sozialdramen sind bekannt für die Darstellung düsterer und ausweglos erscheinender Lebenssituationen meist arbeitsloser Menschen. Der junge Regisseur Johnny Kevorkian benutzt die daraus resultierende Beklemmung und die damit verbundene Sozialkritik, um beide mit den Aspekten eines Horrorfilms zu verbinden. Das Ergebnis ist mehr als nur gut.

Es geht um den Jugendlichen Matt, der sich seit dem spurlosen Verschwinden seines kleinen Bruders mit Schuldgefühlen plagt. Zusammen mit seinem Vater lebt er in einer tristen Londoner Arbeitersiedlung. Eines Tages vernimmt er auf einmal auf einem Videoband die Stimme seines Bruders. Kurz darauf wird er von unheimlichen Visionen heimgesucht. Während ihm sein Vater nichts davon glaubt, ist es allein seine Nachbarin Amy, die versucht, ihm zu helfen. Dabei findet Matt heraus, dass in der Gegend bereits mehrere Kinder als vermisst gemeldet wurden. Trotz des zunehmenden Konflikts mit seinem Vater, lässt Matt von seiner Suche nicht ab …

Matt erzählt Amy von seinen Visonen; „The Disappeared“ (2008); Copyright: Sunfilm Entertainment

Johnny Kevorkian gelingt es, die düstere, kalte Architektur der Wohngebäude, die kahlen, dunklen Wohnungen sowie die triste Umgebung einzubeziehen in eine unheimliche Geschichte, die aufgrund dessen eine Atmosphäre der Beklemmung entwickelt, wie sie in nur wenigen neueren Horrorfilmen zu finden ist. Die Gegend, die gekennzeichnet ist von Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit, erweist sich schließlich als ein Ort, in dem das Unheimliche und das Grauen Platz gefunden haben.

Den gesamten Film über dominiert ein gefühlloses Grau, das nicht nur das soziale Drama widerspiegelt, sondern auch die Seelenzustände der Protagonisten. Die kaputten Familienverhältnisse intensivieren sich noch dadurch, da ein Mitglied auf unerklärliche Weise verschwunden ist.

Das Unheimliche wirkt hierbei keineswegs wie aufgesetzt, sondern ist von Kevorkian ästhetisch einwandfrei in die Situation eingebunden. So gibt es im Grunde genommen kaum Schnittstellen zwischen Phantastik und Realität, dafür um so mehr Überraschungen, die erzähltechnisch sehr gelungen sind, da sie eigentlich klassisch sind. Somit wird „The Disappeared“ zu einem handwerklich äußerst geschickten Gruselfilm.

The Disappeared, Regie u. Produktion: Johnny Kevorkian, Drehbuch: Johnny Kervorkian, Neil Murphy, Darsteller: Harry Treadaway, Greg Wise, Alex Jennings, Tom Felton, Finley Robertson, Nikki Amuka-Bird, Ros Leeming, Benedict Martin. England 2008, 96 Min.

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Kussszene aus dem Video „Universe in Love“ der japanischen Band Scandal; Copyright: Epic Records

Die japanische Rockband Scandal probt den Skandal. Oder vielleicht ist es dann doch eher ein Skandälchen? Wenn überhaupt. Auf jeden Fall hat das neue Video seinen Zweck erfüllt und das Netz ist heftig am Diskutieren. Das Marketingkonzept ging voll und ganz auf.

Aber um was geht es konkret? Der neueste Clip der ausschließlich aus Frauen bestehenden Band wurde zu dem Song „Koisuru Universe“ konzipiert. Die englische Übersetzung des Titels lautet „Universe in Love“ und ist für sich genommen ein überaus gelungenes, extrem rockiges Liebeslied. Doch leider wird der Song als solcher kaum wahrgenommen, sondern eben nur das Video.

Der Grund ist, dass die Szenenfolge des Clips in einem Kuss zwischen der Bassistin Tomomi und der Gitarristin Mami kumuliert. Und schon klatschen alle erstaunt die Hände zusammen. Doch genau das wollten die Macher sicherlich bezwecken. Interessant ist, dass es sich hierbei um eine erste Erotisierung der Band handelt, die bisher als überaus emanzipiert beworben wurde.

Die Kussszene ist aufgesplittet in zwei getrennte Teile; Copyright: Epic Records

Bei der Kussszene machten die Produzenten sich die Gerüchte zunutzte, die behaupteten, dass Tomomi lesbisch sei. Und natürlich lauteten manche der Reaktionen, dass sie dies schon längst gewusst hätten. Leider machten sich auch in diesem Fall diejenigen bemerkbar, deren Weltbild kurz vor ihrer eigenen Nasenspitze endet, was zu einer Vielzahl widerlicher Kommentare führte. Aber J-Pop-Fans, die gegen Homosexualität sind? Ein interessantes Paradoxon, da sehr viele Konzepte japanischer (und auch koreanischer Gruppen) homoerotische Aspekte beinhalten.

Doch zurück zum Video, das wir uns natürlich eingehend angesehen haben. Gut, der Fokus liegt auf der Kussszene, die recht schön und interessant umgesetzt wurde. Doch interessant ist auch das Video als Ganzes. Denn dieses ist geradezu vollgestopft mit freudianisch anmutenden Symbolen der Erotik, angefangen von Selbstbefriedigung bis hin zu einem sog. „Three Some“.  Der Titel „Universe of Love“ wird visuell umgesetzt in der Darstellung von unterschiedlichen Formen der sexuellen Lust. Dies aber auf eine solch versteckte, fast schon brav erscheinende Weise, dass man sich den Clip mehrmals ansehen muss, um alle Symbole zu decodieren. – Am längsten benötigten wir, um die Szene mit dem Telefon zu kapieren 😀 .

Einerseits macht dies das Video genial, andererseits aber passt es nicht in das eigentliche Konzept der Band, über das wir bereits in einem früheren Artikel gesprochen haben. Aber wie dem auch sei, die Marketingaktion, wie oben bereits erwähnt, hat genau ins Schwarze getroffen. Etwas, was sich jede Werbeagentur erhofft. Man darf daher gespannt sein, wie sich die nächsten Clips entwickeln werden.

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Fay Wray (1907 – 2004)

Das Horrorgenre begleitet die Geschichte des Films seit dessen Anfängen. Schon immer liebten es die Zuschauer, sich zu gruseln. Was zunächst auf Jahrmärkten und in kleinen, provisorischen Vorführungssälen begann, entwickelte sich zu einem echten Kassenmagnet in den Kinopalästen der 20er und 30er Jahre. Diese Zeit wird als die goldene Ära Hollywoods bezeichnet, da in dieser Zeitspanne nicht nur ästhetisch hochwertige Filme entstanden,  sondern Hollywood weltweit den Markt beherrschte. Vor allem Deutschland, wo es im Vergleich zum übrigen Europa die meisten Kinos gab, war der Absatzmarkt für Hollywood schlechthin.

In dieser Phase des Golden Hollywood entwickelte sich auch das, was wir heute als Starphänomen bezeichnen. Beim Anblick Rudolph Valentinos, dem damals schönsten Mann der Welt, konnte es schon passieren, dass die eine oder andere Frau vor Entzückung in Ohnmacht fiel. Ähnliches wird von Bela Lugosi berichtet, dessen ungarischer Akzent bei manchen Frauen zu einem Orgasmus geführt haben soll.

Aber das nur so nebenbei. Während Valentino nie in einem Horrorfilm mitwirkte, war Lugosi in den 30er Jahren der Horrorstar schlechthin, neben Lon Chaney, dem Mann mit den tausend Masken, der seine Filmfratzen stets selbst entwarf – so u. a. die berühmte Maske des Phantoms der Oper aus dem gleichnamigen Film (1925), die längst Bestandteil der Popkultur geworden ist.

Neben den Monstern waren es die Schauspielerinnen, die in der Rangliste der wichtigen Figuren eines Horrorfilms auf Platz zwei kamen. Wichtig vor allem: sie mussten hübsch sein. Und im Tonfilm kam dann noch ein Aspekt hinzu: sie mussten ordentlichen schreien können. Und eine Schauspielerin, die sowohl außerordentlich hübsch war und dazu noch außerordentlich schreien konnte, war Fay Wray (1907 – 2004).

Horrorfilmmarketing der 30er Jahre

Um das Publikum zahlreich in die Kinosäle zu locken, entwickelten die Studios damals fantasiereiche Konzepte, die von Anfang an vermitteln sollten, wie gruselig der Streifen ist, der gerade im Kino lief. So wurde z.B. ein Krankenwagen vor dem Eingang geparkt, mit dem Hinweis, dass Zuschauer, die während des Films in Ohnmacht fallen, schnell in die nächste Klinik gebracht werden können. Eine ähnliche Strategie beinhaltete vermeintliche Krankenschwestern, die im Foyer warteten, um, wie es auf den Plakaten hieß, den Leuten, die durch den Film psychische oder körperliche Probleme davontragen würden, erste Hilfe zu leisten. Ein weiterer beliebter Einfall der Studios war die Aushändigung eines Gutscheins für eine kostenlose Beerdigung, falls man vor Schreck während des Films sterben sollte.

All dies sollte, wie oben bereits bemerkt, die Zuschauer auf ein wahrhaft unheimliches Filmerlebnis einstimmen. Doch war das noch nicht alles. Denn die Leute der Marketingabteilungen engagierten Frauen (sog. Scream Girls), die sich in die Kinosäle setzten und bei bestimmten Szenen laut kreischen sollten. – Der berühmte Trash- und Horrorfilmproduzent William Castle sollte diese Konzepte vor allem in den 50er Jahren weiterentwickeln. Hierbei liefert der Film Matineé, der lose auf der Biographie Castles beruht, einen witzigen Einblick in die damalige Kinowelt.

Fay Wray

Kurz und gut, in dieser Phase wurde Fay Wray zum Star – zum ersten weiblichen Horrorfilmstar. Während ihre Kolleginnen – ähnlich wie heute – das Mitwirken in einem Horrorfilm als eine Art Sprungbrett für eine spätere Karriere betrachteten, so spielte Wray eine Zeit lang hauptsächlich in Horrorfilmen mit. Und wer jetzt noch immer nicht weiß, wer diese Dame war, der wird bestimmt hellhörig, wenn ich den Titel King Kong erwähne.

Fay Wray (1930), wenige Jahre vor ihrem Ruhm als Scream Queen

Geboren am 15. September 1907, spielte sie in den 20er Jahren vor allem Nebenrollen in Western und Dramen, wobei sie jedoch – trotz ihrer Attraktivität – kaum auffiel. Erst Regisseur Erich von Strohheim engagierte sie für die Hauptrolle in seinem Film Der Hochzeitsmarsch (1928). Die Etablierung als Star jedoch scheiterte. Doch dann machte sie die Rolle der Tochter des verrückten Wissenschaftlers Xavier in Doctor X  schlagartig bekannt. Durch die darin häufig vorkommenden Scream Scenes wurde ihr die Bezeichnung Scream Queen verliehen. Was folgte, waren eine Reihe weiterer Horrorfilme, in denen Fay Wray mitwirkte und durch welche sie zu einer Ikone des Horrorfilmgenres wurde.

Fay Wray gehörte zu den Intellektuellen Hollywoods und war bekannt mit diversen bekannten Schriftstellern und Künstlern. Zusammen mit dem berühmten Autor Sinclair Lewis verfasste sie das Theaterstück Angela is Twenty-Two, das 1935 uraufgeführt wurde. Doch was waren das für Filme, in denen sie mitwirkte?

Doctor X

Begonnen hatte alles ein Jahr vor dem Erscheinen des Monsteraffen, genauer gesagt im Jahr 1932, mit dem ersten Kannibalenfilm der Filmgeschichte. Bei der Diskussion über Kannibalismus im Horrorfilm wird gerne übersehen, dass dieses Phänomen nicht erst seit den 70er und 80er Jahren auf der Leinwand in Erscheinung tritt, sondern bereits Anfang der 30er Jahre eine kleine, aber feine Zuwendung erfuhr. Gemeint ist der Klassiker Doctor X.

Michael Curtiz, der später mit Casablanca Weltruhm erlangen sollte, führte bei diesem exzellenten Film Regie. Die Handlung dreht sich um eine Reihe seltsamer Frauenmorde, die jeweils bei Vollmond begangen werden. Der Reporter Lee Taylor möchte hinter das Geheimnis des Mörders kommen, der den Wunden zufolge, welche die Opfer aufweisen, einen Hang zum Kannibalismus aufweist. Die Spur führt in ein Forschungsinstitut, das von einem gewissen Dr. Xavier geleitet wird. Das Besondere daran, er und seine Mitarbeiter beschäftigen sich mit der Erforschung des Kannibalismus. Hierbei tritt vor allem Dr. Wells in den Focus, der eine Methode entwickelt hat, um Fleisch künstlich herzustellen. Eine weitere Eigenart der Institutsmitarbeiter ist, dass alle nach einem Schiffsunglück gemeinsam auf einem Boot umher getrieben sein sollen, wobei das Gerücht kursiert, sie hätten dabei einen ihrer Kameraden verspeist.

Der unheimliche Mörder geht um; „Doctor X“ (1932); © Universal

Doctor X gehört zu den ersten Farbfilmen jener Zeit und war an den damaligen Kinokassen ein großer Erfolg. Einer der Höhepunkte des Films, in welchem Dr. Xavier mithilfe einer neuartigen Apparatur den wahren Mörder ausfindig machen möchte, ist in Form eines Bühnenspiels gehalten. Michael Curtiz gelang ein schneller, witziger und überaus spannender Film, der später auch im Eröffnungssong der Rocky Horror Picture Show Erwähnung fand. Für Curtiz geht es in dem Film ganz klar darum, den Zuschauer zu erschrecken, auch wenn auf einer zweiten Ebene die Thematik dazu dient, das selbstsüchtige Verhalten von Wissenschaftlern zu kritisieren.

Joan Xavier (Fay Wray) wird von dem Mörder heimgesucht; „Doctor X“ (1932); © Universal

Im Gegensatz zu heutigen Produktionen geht er zwar nicht ans Eingemachte, dafür aber gelingt es ihm, schön-schaurige Bilder zu entwerfen, die es in sich haben. So u. a. die Szene, in welcher der Mörder sein Gesicht mit künstlichem Fleisch beschmiert. Überhaupt kann die Idee eines kannibalisch veranlagten Serienmörders im Hollywood-Kino der 30er Jahre als außergewöhnlich eingestuft werden. Die Thematik erscheint im Vergleich zu den damaligen Horrorfilmen geradezu provokativ. Dennoch beurteilte die Kritik den Streifen wohlmeinend. Mittlerweile zählt Doctor X zu den besten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden.

Und nicht unerwähnt bleiben darf natürlich Fay Wray, die darin Joan Xavier spielt, die Tochter des Forschers Dr. Xavier, die zusammen mit dem eher trotteligen Journalisten versucht, hinter das Geheimnis der Morde zu kommen. Interessant ist, dass es sich bei der Figur nicht um eine Frau handelt, die ständig von einem Mann gerettet werden muss, sondern um eine durchaus emanzipierte Frau, über die zwar ihr Vater „herrscht“, die aber versucht, von dessen Einfluss loszukommen. Mit dieser Rolle symbolisiert sie den Konflikt zwischen Emanzipation und Patriarchat in einer Zeit, in der durch die Frauenbewegung mehr und mehr Frauen Bürojobs übernahmen – es war das Erscheinen der sog. Office Girls, die (zumindest bis zu ihrer Heirat) einer regulären Arbeit nachgingen und dabei versuchten, ein eigenes Leben auf die Beine zu stellen.

The most dangerous Game/Graf Zaroff – Genie des Bösen (1932)

Der riesige Erfolg von Doctor X führte natürlich zu weiteren Horrorfilmen ähnlicher Machart. Noch im selben Jahr wurde der Film The most dangerous Game produziert, in dem es eine Gruppe Schiffbrüchiger auf eine einsame Insel verschlägt, auf der ein psychopathisch veranlagter Graf residiert, der Jagden veranstaltet, bei denen nicht Tiere, sondern Menschen das Ziel sind.

Wiederum war Fay Wray mit von der Partie, die darin Eve spielt, die es zusammen mit ihrem Bruder Robert auf die Insel verschlagen hat. Gedreht wurde der Film in Farbe, was damals ein Mann namens Ray Harrishausen übernahm, der in den 50er Jahren als Special Effect-Künstler Filmgeschichte schreiben sollte.

Der Schriftsteller Bob Rainsford (Joel McCrea) und Eve Trowbridge (Fay Wray) auf der Flucht; „The most dangerous Game“ (1932); © Universal

Die Rolle der Eve ist weniger emanzipiert als die der Joan aus Doctor X, doch geht es auch weniger um die Figuren als um die Darstellung des krankhaften Hobbys des Grafen in all seinen Facetten. So sieht man in einer Szene die Köpfe der bisher bei der Jagd „erlegten“ Menschen wie Trophäen arrangiert. Das Spiel wird dermaßen erbarmungslos umgesetzt, dass es einem auch heute noch kalt über den Rücken läuft.

The most dangerous Game, der in Deutschland unter dem Titel Graf Zaroff – Genie des Bösen lief, gilt bis heute als ein wegweisender Film, der einige spätere filmische wie literarische Werke beeinflusst hat (Running Man wäre ein solcher Fall) und mehrfach neu verfilmt wurde.

Wer an Insel und Dschungel denkt, denkt zugleich an King Kong. Und in der Tat, der Film wurde parallel zu The most dangerous Game gedreht, wobei Teile der Kulissen wieder verwendet wurden.

Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts (1933)

Noch vor dem Riesenaffen kam ein weiterer Horrorklassiker in die Kinos: Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts. Auch dieser Film wurde in Farbe gedreht, doch aufgrund einer falschen Handhabe während der Restaurierung gingen die Farben beinahe vollständig verloren. Der Film galt als verschollen, wurde dann aber Ende der 60er Jahre im Haus eines Produzenten entdeckt. Zum Glück, denn dieser Horrorfilm gehört ebenfalls zu den besten, die jemals gedreht wurden.

In diesem Film spielte Fay Wray Charlotte Duncan, die Freundin einer Reporterin, die zusammen in eine Wohnung leben. Ihre Freundin geht einer Reihe sonderbarer Morde nach (Doctor X lässt grüßen), die angeblich im Zusammenhang mit einem ominösen Wachsfigurenmuseum stehen sollen. Als Charlotte das Museum besucht, ist der Besitzer Ivan Igor von ihrer Erscheinung so fasziniert, dass er sie als Vorbild für sein Meisterwerk, der Figur von Marie Antoinette, nimmt. Mit unangenehmen Folgen …

Fay Wray als Charlotte Duncan in einer ihrer berühmten Scream Scenes; „The Mystery of the Wax Museum“ (1933); © Universal

Im Remake aus dem Jahr 1953 spielte Vince Price den Besitzer des Wachsfigurenkabinetts – in Farbe und in 3D, um die Zuschauer von ihren TV-Geräten zurück in die Kinosäle zu locken, die damals starke Rückgänge bei den Besucherzahlen zu vermelden hatten. 1933 besaß das Kino noch das Monopol auf die bewegten Bilder und so strömten die Besucher auch in diesen Film, was ihn letztendlich zu einem weiteren Kassenschlager werden ließ.

Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts ist ein schneller, spannender Film, voller witziger Dialoge und vieler unheimlicher Momente, der bis heute nichts von seinem großartigen Unterhaltungswert verloren hat. Dem Remake von 1953 folgten zwei weitere Neuverfilmungen aus den 90er Jahren und aus den 00ern, die jedoch nicht einmal ansatzweise an die Großartigkeit des Originals oder dessen genialen Remake aus den 50ern herankommen.

King Kong (1933)

Dieser Film war sowohl Höhepunkt als auch Endpunkt von Fay Wrays Horrorfilmkarriere und ihrer Karriere als Scream Queen. Es ist offensichtlich, dass Wray ihre Darstellung in dem Klassiker der Monsterfilme nicht mehr hätte toppen können. Einzigartig und bis heute unerreicht spielt sie Ann Darrow, ein Opfer der Weltwirtschaftskrise, die durch Zufall einem Filmregisseur begegnet, der in ihr die ideale Besetzung für dessen Meiserstück sein soll: ein Film mit einem echten Ungeheuer.

King Kong wurde schlagartig zum erfolgreichsten Film der 30er Jahre. Trotz der langen Produktionszeit, die 670.000 Dollar verschlang (damals eine unvorstellbar hohe Summe für eine Produktion) und trotz Wirtschaftskrise, spielte der Film bereits in der ersten Woche mehr als 100.000 Dollar ein (ein Ticket kostete damals 15 Cent!). Also auch in finanzieller Hinsicht war King Kong einfach riesig.

Allerdings fiel die Geschichte um den Monsteraffen gleich nach den ersten Wochen der Zensur zum Opfer. Die Zensoren betrachteten den Film als zu brutal und freizügig. Immerhin gab es Nahaufnahmen, in denen man sah, wie King Kong mit seinen Füßen Eingeborene zertrampelte, wie die getöteten Dinos bluteten und wie King Kong in einer Szene beginnt, Fay Wray zu entkleiden – die Szenen mit Fay Wray in zerrissenem Kleid und Spitzen-BH könnten genauso gut aus unserer Zeit stammen. Somit mussten die Trampel- und Ausziehszene geschnitten werden. Der übrige Film wurde zugleich nachgedunkelt, um das viele Blut nicht so deutlich sehen zu können.

Ich glaube, das ist der Beginn einer langen Freundschaft 🙂 . – Fay Wray als Ann Darrow in einer der vielen berühmten Szenen des Films; „King Kong“ (1933); © Universal

Von da an lief King Kong in einer gekürzten Version in den Kinos. Erst während der Restauration des Films wurden die geschnittenen Szenen wieder eingefügt und die Nachdunklung aufgehoben. Anscheinend enthielt die ursprüngliche Version eine Szene, in welcher die Helden in eine Höhle fallen, in der sie von Riesenspinnen angegriffen werden. Diese Szene gilt heute als verschollen. Nur noch ein einziges Szenenfoto beweist, dass diese Szene tatsächlich gedreht worden war. Cooper entschied sich später jedoch dafür, die Szenen herauszunehmen, da er befürchtete, dass der Film aufgrund der aufwendigen Special Effects zu sehr daran gemessen werden würde. In Peter Jacksons Remake aus dem Jahr 2005 wird auf diese Szene jedoch wieder Bezug genommen, wenn die Protagonisten von einer endlos erscheinenden Schar Riesenspinnen attackiert werden.

King Kong war keineswegs der erste Dino-Action-Film der Filmgeschichte. Diese Ehre kommt dem Stummfilm The lost World zugute, einer Adaption des gleichnamigen Romans von Arthur Conan Doyle aus dem Jahr 1925. Dasselbe Special-Effect-Team sollte acht Jahre später den Ungeheuern in Coopers Film Leben einhauchen, was dazu führte, dass King Kong um ein paar tausend Dollar günstiger wurde als The lost World, da man die Dinofiguren aus dem Stummfilm nochmals verwertete.

Durch King Kong wurde Fay Wray endgültig zur Ikone des Horrorfilms. Ihre Bezeichnung als Scream Queen macht der Film in einem witzigen Selbstbezug alle Ehre, indem der Regisseur an Bord der Schiffes mit  ihr den richtigen Schrei übt.

Und danach?

Fay Wray selbst spielte danach nicht mehr in Horrorfilmen mit, sondern verlegte sich auf Komödien, bevor sie ab Mitte der 50er Jahre in verschiedenen TV-Produktionen mitspielte. Ihr Vermächtnis bleibt in Form des Begriffs Scream Queen weiterhin bestehen, mit dem immer wieder kreischende Horrorfilm-Darstellerinnen gekürt werden. Eine der bekanntesten ist Jamie Lee Curtis, die seit ihrem Debut in Halloween (1978) bis Ende der 90er Jahre immer wieder in Horrorfilmen zu sehen war. Nachdem sich Fay Wray Ende der 60er komplett ins Privatleben zurückgezogen hatte, wollte Peter Jackson sie nochmals für eine kleine Rolle in seinem King Kong-Remake engagieren. Doch Fay Wray starb kurz davor am 8. August 2004 im Alter von 97 Jahren.

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Anspruchsvolle SF-Filme sind eher ein seltenes Vergnügen. Um so schöner ist es, wenn sich einmal wieder ein junger Regisseur daran wagt, eine Geschichte zu kreieren, die abseits des Mainstreams angesiedelt ist. Mit seinem Debüt „Eden Log“ liefert Franck Vestiel ein düsteres Zukunftsszenario, das durchaus mit der Ästhetik des französischen Comickünstlers Bilal zu vergleichen ist.

Der Film handelt von Tolbiac, der durch ein seltsames Höhlensystem kriecht. Hier und da gibt es alte, rostige Aufzüge. In verlassenen Kontrollstationen taucht immer wieder der Name Eden Log auf. Tolbiac versucht herauszufinden, was überhaupt geschehen ist und weswegen er sich in diesem unterirdischen System befindet. Dabei wird er von unheimlichen, halbmenschlichen Kreaturen gejagt, genauso wie von Wachpersonal, das nur in schweren Schutzanzügen das unterirdische Labyrinth betrtt …

Mit Sicherheit ist „Eden Log“ keine leichte Kost, sondern verlangt von dem Zuschauer große Aufmerksamkeit. Insgesamt geht der Film zum großen Teil nur in Bildern auf, indem Vestiel versucht, Dialoge soweit wie möglich zu vermeiden. Dies hat zur Folge, dass er sich voll und ganz auf die Visualisierung der Geschichte konzentriert und diese voll ausreizt.

Wie bei einem Puzzle setzen sich nach und nach die einzelnen Teile zusammen, um schließlich am Ende des Films Vestiels bizarre und erschreckende Vision als Ganzes darzustellen. Die Beleuchtung der einzelnen Szenen ist stark reduziert, so dass dadurch zugleich das Geheimnisvolle und Rätselhafte in einer beinahe klaustrophobischen Dunkelheit zum Tragen kommt.

Vestiel setzte dabei noch eines drauf, indem er eine radikale Farbreduktion durchführte, die den gesamten Film in einer Art metallisch anmutendem Schwarzweiß erscheinen lässt. Das dabei erzeugte extreme Spiel zwischen Licht und Schatten gibt dem Film den Anschein eines Comics, ja, einzelne Bilder erscheinen wie die Eins-zu-eins-Umsetzung einer sog. Graphic Novel. All dies macht „Eden Log“ zu einem sehr dichten und extrem beklemmenden SF-Film, der einem nicht so schnell aus dem Kopf geht.

Eden Log, Regie: Franck Vestiel, Drehbuch: Franck Vestiel, Pierre Boridage, Produktion: Cedric Jimenez, Darsteller: Clovis Cornilliac, Vimala Pons, Zohar Wexler, Sifan Shao, Arben Bajraktaraj, Abdelkader Dahou, Frankreich 2007, 98 Min.

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„Daimajin“ (1966); Copyright: JSV

Die Daiei-Studios waren so etwas wie die Konkurrenz zu den legendären Toho Studios. 1942 gegründet, gingen knapp 30 Jahre später in den Hallen die Lichter wieder aus. Berühmt wurde Daiei durch die „Gamera“-Filme sowie die Filme um den blinden Samurai Zatochi. Geradezu außergewöhnlich sind die „Daimajin“-Filme, in denen es um die riesige Statue eines Kriegsgottes geht, die auf einmal lebendig wird.

Außergewöhnlich ist „Daimajin“ deswegen, da er im Grunde genommen ein Historienfilm ist, der sich im Finale abrupt in einen Monsterfilm verwandelt. Es geht um den Fürst Hanabusa, der eines Tages von seinem Feind Odate gestürzt wird. Hanabusas Kinder können in die Berge fliehen, wo sie von einer Priesterin und dem Samurai Kogenta erzogen werden. Zehn Jahre später herrscht Odate immer noch, und die Verehrung des Kriegsgottes ist verboten. Gab es bereits vor zehn Jahren Anzeichen dafür, dass der Majin langsam zum Leben erwacht, so wird die Statue nun endgültig lebendig und beginnt ihr Werk der Zerstörung.

Originalkinoplakat von „Daimajin“

„Daimajin“ ist ein Film, der mich regelrecht umgehauen hat. Eigentlich hätte schon die dramatische Handlung um Odate und die versteckten Kinder des Fürsten genügt, um den Film mit genug Action und Spannung auszufüllen. Auch die wunderbare Optik gefällt, die sich teilweise an klassischen japanischen Gemälden orientiert. Regisseur Kimiyoshi Yasuda geht jedoch noch einen großen Schritt weiter. Die tragische Geschichte, die im Japan des 17. Jahrhunderts angesiedelt ist, verwebt sich zunehmends mit übernatürlichen Elementen.

Zunächst sind es seltsame Beben, die die Bevölkerung erschrecken und den Glauben wieder aufkommen lassen, dass die Statue des Majin lebendig wird, um sich an den Menschen zu rächen. Im großartigen Finale schließlich wird dieser Glaube Realität und die zehn Meter hohe Götterstatue kommt von den Bergen herunter, um die Siedlung zu zerstören.

Der Majin in Aktion; „Daimajin“ (1966); Copyright: JSV

In dem Film wirkt nichts kitschig oder überdreht. Es handelt sich auch nicht um einen der typischen japanischen Monsterklopp-Filme. „Daimajin“ ist ungewöhnlich ernst und verbreitet dabei eine überaus düstere Stimmung. Selbst als der Majin in Aktion tritt, bleibt diese Stimmung erhalten. Es ist interessant, dass der Wechsel vom Hisorienfilm hin zum Monsterfilm nahtlos gelingt. Die Riesenstatue wirkt keineswegs wie aufgesetzt. Sämtliche Ereignisse spielen sich innerhalb der Handlungslogik ab, und das Erscheinen des Majin ist letztendlich die Konsequenz der diversen Handlungsabläufe. Und wenn schließlich der Majin in Erscheinung tritt, dann in einer rasenden Zerstörungswut, vor der so gut wie nichts sicher ist.

Während „Daimajin“ 1966 auch in den US-amerikanischen Kinos lief, so kam er nie bis nach Deutschland. Erst vor wenigen Jahren erschien der Film hierzulande auf DVD. Eine echte Perle des phantastischen Films.

Daimajin. Regie: Kimiyoshi Yasuda, Drehbuch: Tetsuro Yoshida, Produktion: Masaichi Nagata, Darsteller: Riki Hashimoto, Miwa Takada, Yoshihiko Aoyama, Tatsuo Endo, Yutaro Gomi, Jun Fujimaki. Japan 1966, 84 Min.

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