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Archive for Juni 2013

Am 23. Juni 2013 starb einer der bekanntesten SF- und Horrorschriftsteller: Richard Matheson. Seine Ideen waren wegweisend für das Horror- und SF-Genre. Mit seinem Roman „I am Legend“ (1954) definierte er das Vampirgenre neu. Aus mythologisch verankerten Figuren wurden Opfer einer globalen Seuche. Dieses Konzept übertrug sich später auf die Zombie-Welle. Aber auch seine Romane „The shrinking Man“ (1956) und „Hell House“ (1971) zeigen einen innovativen Charakter.

ich bin legende

Erste (gekürzte) deutsche Veröffentlichung von „I am Legend“.

In „I am Legend“ kämpft der letzte Mensch Robert Neville gegen eine Horde Vampirwesen, die jede Nacht sein Haus angreifen. Bei diesen Kreaturen handelt es sich allerdings nicht um gewöhnliche Vampire, sondern um Überlebende einer globalen Seuche, die sich genetisch verändert haben und nun kein Sonnenlicht vertragen. Der Roman wurde mehrfach verfilmt. 1964 erfolgte die erste Adaption mit dem Titel „The last Man on Earth“. Niemand anderer als Vincent Price spielte damals die Hauptrolle. Der Film hält sich ziemlich genau an dem Roman, sodass auch die spezielle Pointe übernommen wurde. 1971 erfolgte die zweite Adaption mit Charlton Heston als Robert Neville. Hierbei haomega manndelt es sich um die bekannteste Verfilmung des Romans, auch wenn sie sich weniger an die Vorlage hält. 2007 kam es gleich zu zwei Verfilmungen. Zum einen spielte Will Smith in „I am Legend“ die Hauptfigur. Mit Sicherheit ist dieser Film im Hinblick auf den Roman alles andere als gelungen, sondern suhlt sich in Smiths Selbstinszenierung. Im selben Jahr erfolgte die Kickbox-Variante unter dem Titel „I am Omega“. Trash-Star Marc Dacascos spielte Robert Neville. Die erste Hälfte des Films hält sich brav an die Romanvorlage. Die zweite Hälfte dagegen liefert den typischen C-Picture-Charme.

„The shrinking Man“ wurde 1957 von Jack Arnold unter dem Titel „The incredible shrinking Man“ verfilmt. Es geht um Scott Carey, der bei einer Bootsfahrt in eine radioaktive Wolke gerät. Von da an beginnt er, zu incredible shrinking manschrumpfen. Was zunächst Einfluss auf sein Eheleben hat, wird schließlich zu einem immer bedrohlicheren Problem. Denn irgendwann muss Scott vor seiner eigenen Hauskatze fliehen. Während der Roman überzeugend das Gefühlsleben und die Gedanken Scotts wiedergibt, orientiert sich der Film vor allem an der Action. Resultat ist einer der berühmtesten SF-Filme der 50er Jahre. Der Kampf mit der Spinne ging in die Filmgeschichte ein.

„Hell House“ wurde 1973 als „Legend of Hell House“ verfilmt. Es geht um den Parapsychologen Lionel Barrett, der in einem angeblichen Spukhaus ein parapsychologisches Experiment durchführen möchte. Natürlich mit unheimlichen Konsequenzen. Der Roman ist mehr oder weniger ein „Remake“ von Shirley Jacksons „The Haunting of Hill House“ (1959), der 1963 als „The Haunting“ verfilmt wurde. Dennoch ist er überaus spannend umgesetzt. Im Gegensatz zu Shirley Jackson, bringt Matheson einen technischen Aspekt mit ein.

Neben Romanen und Kurzgeschichten verfasste Richard Matheson auch mehrere Drehbücher. Am bekanntesten dürften seine Drehbücher zu den Edgar Allan Poe-Filmen der 60er Jahre sein, in denen vor allem Vincent Price die Hauptrolle spielte. Am berühmtesten ist sicherlich „The Fall of the House of Usher“. Aber auch Filme wie „The Pit and the Pendulum“ (mit Barabara Steele) und „The Raven“ (mit Jack Nicholson, Peter Lorre und Boris Karloff) sind Klassiker des Horrorgenres.

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Wissenschaftsgeschichtliche Miszelle über „Literaturgesellschaft“ und „Leseland“ DDR der 1980er Jahre als deutsch-deutsche Kontoverse.

Es gab Mitte der 1980er Jahre tatsächlich einmal eine so offen wie öffentlich ausgetragene Debatte zu den beiden unterüberschriftig angedeuteten Themenfeldern. Warum zwei damals prominente DDRLiteratursoziologen – einer dieser weiland auch Vorstand des DDR-Schriftstellerverbands – auf (m)einen speziellen Beitrag zur empirischen Literatursoziologie und Lese(r)forschung, der
vergleichbare wissenschaftliche Maßstäbe anlegte wie bei der Kritik bundesdeutscher Forschungsstudien und der durchaus als kritisch-solidarischer Beitrag angelegt war, so (über)reagierten – konnte ich auch später, Ende der 1990er Jahre, in einem vier-Augen-Gespräch mit einem der DDR-Forschungsgruppe angehörenden Autor, der sich an der Polemik der beiden 1985 nicht beteiligte, nicht erfahren. Und daran, daß ich damals in der DDR als junger „fortschrittlicher bürgerlicher Wissenschaftler“ galt, der sowohl in den „Weimarer Beiträgen“ wie auch in der 1980 neugegründeten Zeitschrift „Germanistik“ publiziert wurde, dürfte´s mutmaßlich nicht gelegen haben;-) …

Der erste SPIEL-Text (1984)[1] klang so aus: Allen beeindruckenden Daten übers „Leseland“ Deutsche Demokratische Republik relativierend, gibt es offensichtlich in der DDR-„Literaturgesellschaft“ zumindest in weiten Teilen gegenüber der „sozialistischen Gegenwartsliteratur“ gleichgültige und indifferente Lesantriebe und Lektüreausrichtungen. Sie korrespondieren formal mit vergleichbaren unterhaltungsliterarischen Bedürfnissen realkapitalistischer westlicher Gesellschaften – nicht zuletzt der Bundesrepublik -, bedeuten aber nicht notwendig ein literarische Flucht in den Westen, sondern zunächst nur Distanz(en) gegenüber dem DDR-Alltag uni seiner literarischen Verdopplung […] Zugleich scheinen sowohl im tatsächlichen, aktuellen Leseverhalten – das natürlich auch in der DDR immer in hohen Maße von über den Büchermarkt verfügbaren Büchern und fiktionalen Lesestoffen abhängt – als auch in den tieferliegenden Lesantrieben, Lektüreinteressen, themen- und genrebezogenen Lesestoffen Momente einer verborgenen Gesellschaft auf. Sie mögen gewertet werden als wertbezogener gesellschaftlicher Kontrapunkt oder auch als spurenhafte Elemente historisch älteren volkstümlichen Drangs nach eigenem vitalen Ausdruck – verweisen aber in jefem Fall auf die „ungelöste Wechselwirkung … zwischen dem fertig Gestalteten und dem Suche nach eigenem Ausdruck“ (Peter Weiss). Leseverhalten und Lektüreinteressen in der DDR der 70er Jahre veranschaulichen aber auch das empirisch vorhandene Ausmaß gesellschaftlicher Differenzierung. Die breit und nicht zuletzt im Lager der „unmittelbaren Produzenten“ (Marx) vorhandenen Leseinteressen und Lektürebedürfnisse verwiesen auch in ihrer offensichtlichen Gleichgültigkeit und Indifferenz gegenüber „sozialistischer Gegenwartsliteratur“ damit durchaus auf die „Vitalität der Bedürfnisse“. Deren ideeller Ausdruck ist […] jene Spannungs- und Entspannungsliteratur als Ausdruck von Entlastungs-, Flucht- und Verweigerungstendenzen gegenüber dem DDR-Alltag, seiner relativen Sicherheit, aber auch der mit ihr notwendig einhergehenden Statik und Monotonie. Diesem steht der noch immer vorhandene „Hunger nach Unmittelbarkeit“ (Siegfried Kracauer) in Form erkennbarer Lektüreinteressen und Lesemotive drängend und in seiner zunächst immer gegeben Ambivalenz gegenüber. Die Untersuchung von Leseverhalten, Lektüreinteressen und Leseerfahrung in der DDR zeigt aber noch einen weiteren Aspekt: daß nämlich jene Autoren und Werke der DDR, die in der Bundesrepublik als die DDR-Literatur diskutiert werden, in der DDR-Lesestoffe einer Minderheit sind. Dem nachzuspüren, warum das so ist, wäre freilich eine andere Untersuchung.

Kleines, verwundertes Nachwort hieß unter Bezug auf ein Anna-Seghers-Zitat der zweite knappe SPIEL-Text (1985): „Ob der „Kernpunkt“ meines […] Beitrags einen „Komplex von Vorurteilen … über die gesellschaftlichen Verhältnisse“ in der DDR beförderte, weiß ich nicht. Und als Autor stecke ich auch, um die zugestandenen Antwortzeilen einhalten zu können, dunkel über mich Angedeutetes wie mir sprachlich Unklares ebenso weg wie die schlußendliche Rubrizierung als „Konvergenztheoretiker“. Trotzdem finde ichs schade, daß Sommer/Walter (S&W) meine systematische Arbeitsweise in ihrem Rückbezug auf „gesellschaftliche Verhältnisse“ in der DDR so wenig strukturiert ansprechen wie sie die „dahinter stehende Vorstellungswelt“ kritisch offenlegen. Gerade dies hätte mich interessiert. Denn das – von mir, zugegeben, nur im Schlußakkord angedeutete Konzept von „hidden society“ könnte auch – hüben wie drüben – prominente Literatursoziologen gerade dann interessieren, wenn sie sich nicht auf ein Funktionsverständnis von Datenrapporteuren reduzieren lassen wollen […] S&W verwechseln … zweierlei: erstens ihre soziotechnische Methode mit der erfragten Realität, und zweitens mein – zugegeben idealtypisches – Verfahren mit einer mechanischen – ideologischen – Vorstellung. Erstgenanntes habe ich in der Tat angewandt. Letztere unterstellen mir S&W, weil ich, ihrem Auswertungsverfahren gegenüber skeptisch, so verfahren bin. Schließlich vermag ich nicht zu erkennen, warum S&W einerseits ihre Befragungsergebnisse als „Präponderanz“ des Lebens gegenüber Kunst/Literatur betonen – und auf der anderen Seite die in meiner Interpretation stärker betonte Flucht-These so zentral, ausgiebig und (vielleicht auch) langweilig attackieren. Zumal ich immer noch denke, in auch für S&W nachvollziehbarer Form festgehalten zu haben, daß diese Flucht nicht mit der Flucht aus der DDR (etwa in die BRD) ineinsgesetzt werden kann. S&W befinden zum Schluß, mein Beitrag eigne sich nicht als „Ausgangspunkt für einen wissenschaftlichen Meinungsstreit“, bescheinigen zugleich eingangs „wohlwollendes Nachdenken.“ Die eine Wertung scheint mir so problematisch wie die andere überflüssig. <27.II.1985>

Aber wie auch immer: Wenn diese wissenschaftsgeschichtliche Debatte, die implizit auch eine zwischen einem realsozialistisch-staatsalimentierten Autorenkollektiv und einem unabhängigen, westmarxistisch engagierten „Sozialwissenschaftsjournalisten“ (Lars Clausen) war und in einer soziokulturellen Kerndimension die politische Frage des „dritten“ gesellschaftlichen Wegs zwischen Spätkapitalismus und Realsozialismus in Deutschland ansprach – dann verweist sie auch Jahrzehnte später in der Rückschau auf eine „linke“ Merkwürdigkeit: daß grad jene (in der referierten Debatte von mir selbstbewußt vertretene) unabhängige marxistische Strömung westlicher Provenience mit ihren subjektwissenschaftlichen Zügen nicht nur unbegriffen blieb – sondern als tendenziell schon staatsfeindliche Ideologie attackiert wurde. Dieser Tendenz entsprach der Tatbestand, daß auch der damalige DDR-„Bücherminister“ Klaus Höpcke eine 1987 angeregte öffentliche Debatte anläßlich einer Tagung in Neuwied/Rhein Ende 1988[2] so gar nicht als Chance marxistischen Lernens in der Beschreibung, Untersuchung und Debatte realexistierender Widersprüche verstand …

Die (von mir als damals vierzigjährigem Autor so kundig wie engagiert vertretene) third position erwies sich schon wenige Jahre später als machtpolitisch illusionär – auch wenn eine ähnliche Position des „dritten“ Weges jenseits von Spätkapitalismus und Realsozialismus in der noch existierenden DDR Ende November 1989 von damals prominenten DDR-Bürgern und Intellektuellen wie (dem von mir geschätzten) Stefan Heym im bewegenden Aufruf Für unser Land öffentlich propagiert und bis Mitte Januar 1990 von etwa einer Million DDR-Bürgern mitunterzeichnet wurde. Ähnlich wie das gleichentags, am 28. November 1989, verkündete Zehn-Punkte-Programm von Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU)[3] wandten sich die Verfasser des DDR-Aufrufs gegen die „Wiedervereinigung“ genannte deutsch-deutsche Staatsvereinigung und betonten[4]: Entweder können wir auf der Eigenständigkeit der DDR bestehen und versuchen, mit allen unseren Kräften und in Zusammenarbeit mit denjenigen Staaten und Interessengruppen, die dazu bereit sind, in unserem Land eine solidarische Gesellschaft zu entwickeln, in der Frieden und soziale Gerechtigkeit, Freiheit des einzelnen, Freizügigkeit aller und die Bewahrung der Umwelt gewährleistet sind. Oder wir müssen dulden, daß, veranlaßt durch starke ökonomische Zwänge und durch unzumutbare Bedingungen, an die einflußreiche Kreise aus Wirtschaft und Politik in der Bundesrepublik ihre Hilfe für die DDR knüpfen, ein Ausverkauf unserer materiellen und moralischen Werte beginnt und über kurz oder lang die Deutsche Demokratische Republik durch die Bundesrepublik Deutschland vereinnahmt wird. Laßt uns den ersten Weg gehen. Noch haben wir die Chance, in gleichberechtigter Nachbarschaft zu allen Staaten Europas eine sozialistische Alternative zur Bundesrepublik zu entwickeln. Noch können wir uns besinnen auf die antifaschistischen und humanistischen Ideale, von denen wir einst ausgegangen sind.

[1] Englische Zusammenfassung: THE GDR – A PARADISE FOR THE READER AND A NEW LITERARY SOCIETY? Some Systematic Notes on the Use of Literature within the German Democratic Republic. According to the image of the GDT-society, it must be some paradise for the reader: “Leseland” (Klaus Höpcke), and an advanced literary society “Literaturgesellschaft (J.R. Becher). That´s, indeed, not the very truth: besides all the impressive data, e.g. on book production and the network of literary institutions like public libraries, there do exist problems. Some of them are discussed in this essay: e.g., the need of readers for literature due to entertainment. Surveying as much as empirical data from within as he could find out the author of this piece argues that the literary system of the GDR looks pretty more contradictory than its image: although there is no doubt about the fact that the DGR-society succeeded in overcoming those literary genres and texts of so-called popular literature as basically produced in the advanced capitalist societies this development itself gad produced new problems – both relevant within the literary and the social process itself. (SPIEL 1/1984: 99)

[2] “Mut, nochmals Mut immerzu Mut”. Protokollband des internationalen wissenschaftlichen Friedrich-Wolf-Symposions der Volkshochschule der Stadt Neuwied vom 2.-4. Dezember in Neuwied aus Anlaß des 100. Geburtstags von Dr. Friedrich Wolf *23.12.1988 in Neuwied. Neuwied: Kehrein, 1990, ii/318 p.; Beitrag Höpcke 38ff., Beitrag Albrecht 187ff.

[3] http://webarchiv.bundestag.de/archive/2009/0109/geschichte/parlhist/dokumente/dok09.html

[4] http://www.hdg.de/lemo/html/dokumente/DieDeutscheEinheit_aufrufFuerUnserLand/index.html

Publikationen (Auswahl)

(1) Lesbares; Gedrucktes
Das Buch in der BRD; in: Weimarer Beiträge 21 (1975) 12: 129-145 – Leseverhalten und Lektüregebrauch, in: Diskussion Deutsch 7 (1976) 30: 367-384 – Romanzeitung in der DDR: Literatur als Massenmedium; in: publikation, 25 (1979) 7: 13-21 – Aspekte der gegenwärtigen Literatursoziologie; in: Diskussion Deutsch, 11 (1980) 54: 434-443 – Some Aspects of the Sociology of Literature; in: British Journal of Sociology, 32 (1981) 4: 483-492 – Die meisten Leser erwarten eine Leiche: Über den Krimi in der DDR, in: die horen, 26 (1981) 124: 115-130 – [Mitautorin Wilma Ruth Albrecht] Krimi – und Literaturwissenschaft, in: Literatur in Wissenschaft und Unterricht, 13 (1980) 2: 124-142; auch in: Zeitschrift für Germanistik 2 (1981) 4: 438-450 – Der Leser als Objekt; in: Literaturwissenschaft und empirische Methoden (Hg. Helmut Kreuzer; Reinhold Viehoff), Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1981 [= Literaturwissenschaft und Linguistik/Beiheft 12]: 329-
347 – ´Sozialistische Gegenwartsliteratur´ und ´echte Geschichten´; in: L ´80, 32/1984: 75-85 – Wolfgang Schreyer et le roman d´aventures; in: Conaissance de la DRA, 18.1984, 51-76 – „Literaturgesellschaft DDR“? – Leseverhalten, Lektüreinteressen und Leserfahrungen in der DDR; in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ) 7. 7. 1984: 17-26; erweitert auch in: Bertelsmann Briefe 115/1984: 15-24 – Das Bedürfnis nach „echten Geschichten“. Systematischer Versuch über Unterhaltungsliteratur in der DDR; in: Jahrbuch zur Literatur in der DDR 4 (1985): 185-213 – Leseverhalten, Lektüreinteressen und Leseerfahrungen in der DDR; in: Siegener Periodikum für internationale empirische Literaturwissenschaft (SPIEL) 3 (1984) 1: 99-118 – Keines, verwundertes Nachwort; in: SPIEL 4 (1985) 1: 203-204 – Wolfgang Schreyers Abenteuerromane; in: L´80, 35/1985: 132-144; erweitert auch in: Diskussion Deutsch, 16 (1985) 86: 620-637 – „Leseland“ DDR oder das Bedürfnis nach „echten Geschichten“; in: deutsche studien 14 (1986) 94: 133-142; auch in: Germanistische Mitteilungen, 24/1986: 15-26 – Leseland DDR – Ein Mythos; in: Buch Magazin 7/1987: 20 – Das Bedürfnis nach echten Geschichten. Zur zeitgenössischen Unterhaltungsliteratur in der DDR. Frankfurt/Main: Peter Lang, 1987, 134 p. [= Forschungen zur Literatur- und Kulturgeschichte 15. Hg. Helmut Kreuzer; Karl Riha]

(2) Hörbares; Gesendetes
„Die meisten Leser erwarten eine Leiche“: Über den Krimi in der DDR und seine Entwicklung (SFB 6./13.2.1981) – Über Bücher und andere Drucksachen: Leseinteressen und Lektüreverhalten in der DDR (DLF 25.8.1984) –„Wir haben eine Spur gezogen“: Der DDR-Unterhaltungsschriftsteller Wolfgang Schreyer (DLF 25.10.1984) – „Literaturgesellschaft“ DDR (RB 17.6.1986) – „Leseland“ DDR (SDR 1.10.1986) – Das Bedürfnis nach „echten Geschichten“: „Literaturgesellschaft“ DDR (HR 18.4.1987) – „Literaturgesellschaft“ DDR (SWF 16.10.1988) – Westmedien in der DDR (WDR 10.5.1989) – Von der Kühlschrank-Theorie zum Clockwork-Orange-Syndrom: Über kulturelle Grenzen der deutsch-deutschen Annäherung (WDR 3.10.1991)

Richard Albrecht wurde als Sozialwissenschaftler promoviert (1976), als Politikwissenschaftler habilitiert (1989) und lebt als freier Sozialwissenschaftsjournalist in Bad Münstereifel. Letzte Buchveröffentlichung: HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren (Aachen: Shaker, 2011). Netzseite -> http://wissenschaftsakademie.net e-Post -> eingreifendes.denken@gmx

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„Das eben ist der Fluch der bösen Tat, dass sie, fortzeugend, immer Böses muß gebären.“
(Friedrich Schiller, Die Piccolomini: V/1)

Am ersten Junimontag dieses Jahres, dem 3. 6. 2013, gab es zwei wichtige Pro-Mollath-Veröffentlichungen. Die eine, das Buch des Journalistendo Uwe Ritzer und Olaf Przybilla[1], schloß doppelt an: erstens an diverse Artikel in der Süddeutschen Zeitung (SZ) seit Ende 2012.[2] Und zweitens an das Ende Februar 2013 erschienene Buch von Jürgen Roth[3]. Die andere Veröffentlichung war die spätabendliche ARD-Erstsendung des SWR-Fernsehfilms von Monika Anthes und Eric Beres. Dieses Autorenduo faßte seine vorgehenden Fernsehsendungen zur menschenfeindlichen Arbeit von Justiz, Politik und Psychiatrie zur Vernichtung der bürgerlichen Existenz eines einzelnen Menschen zusammen und führte diese eindrucksvoll durch neue Recherchen weiter[4].

Die beiden Bücher ergänzen sich in gleich mehrfacher Weise. Und der gediegen recherchierte und professionell präsentierte Fernseh(dokumentar)film ergänzt beide hervorragend.

mollathreziDie erste journalistische Buchdarstellung des Ende 1956 in Nürnberg geborenen und seit 2006 in psychiatrischen Anstalten des Freistaates Bayern ununterbrochen weggesperrten politischen Gefangenen Gustl Ferdinand Mollath veröffentlichte der Journalist Jürgen Roth Anfang 2013. Der Titel Spinnennetz der Macht spielt mit dem von Joseph Roths Zeit(fortsetzungs)roman Das Spinnennetz (1923). In beiden Spinnennetzen geht es um Männer, die (zu) viel wissen, deren Wissen Mächtigen gefährlich werden könnte und die deshalb in deren Interesse aus der öffentlichen Landschaft geschafft wurden: im Skandal-“Fall Mollath“ auf Grundlage eines Gerichtsbeschlusses vom 8. August 2006 verräumlicht in forensische Psychiatrie genannte geschlossene Anstalten. Und damit in jene Orte, die „man am Stammtisch immer noch gerne eine Irrenanstalt nennt.“ Roth arbeitet im Mollath-Kapitel seines Spinnennetzbuchs (mit Sachstand Mitte Dezember 2012) heraus, daß die psychiatrische Wahndiagnose nicht zutreffen kann. Darüber hinaus legt der Autor nahe, daß auch Mollath mächtigen Finanzinteressen(ten) und jenen, die von Mollaths damaliger Ehefrau im Auftrag der Bayrischen Hypovereinsbank Anfang der Nullerjahre regelmäßig, immer freitags, Gelder in die anlagesichere Schweiz verschieben ließen, ins Gehege kam: er versuchte, wenn auch jahrelang vergeblich, öffentlich zu werden.

Roths Mollath-Kapitel ist entsprechend der Econbuchanlage eingebettet in einen allgemeinen macht- und herrschaftskritischen Gesamtzusammenhang. Diesen hat der Investigativjournalist sowohl als Tendenz der Refeudalisierung politischer Herrschaft als auch als Mafia als Methode, die den Staat durch die „Privatisierung der Staatsbürospinnennetzdermachtkratie für eigene profitable Zwecke“[5] als Beute nimmt, in einem Interview so beschrieben: „anhand unterschiedlicher Beispiele“ geht es um „fehlende Partizipation der Bürger an den wesentlichen politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen, ob auf kommunaler, Landes- oder Bundes- und natürlich der Europaebene. Hier herrschen, in mehr oder weniger abgeschlossenen elitären Zirkeln, diejenigen Politiker, hohe Justizangehörige und Wirtschaftsführer, die die Bürger lediglich als Spielmasse betrachten, wo Gesetze gebrochen werden, wie man es politisch gebrauchen kann und öffentliche Ämter und Leistungen nur den Pfründen von bestimmten.

Politikern und Unternehmen dienen, den modernen Feudalherren. Sie fühlen sich als die wahren Herrscher, denen der sogenannte Souverän nur noch zujubeln darf. Bereichert euch ist die Devise dieser sozialen Autisten.“ Roth schätzt diese antisoziablen Sozialautisten auf etwa zwei Drittel derer da oben, die sich als Elite wähnen und mehrheitsgesellschaftlich noch immer als diese gelten[6].
Der Buchtitel der SZ-Autoren spielt an auf eine historische Affäre um die Jahrhundertwende in Frankreich: die 1894 durch strafgerichtliche Verurteilung geschaffene und erst 1906 durch Rehabilitierungsentscheid des Pariser Appellationsgerichts abgeschlossene Affäre Dreyfus[7]. Entsprechend ist das Buch der beiden Journalisten, die für ihre SZ-Artikel zum Skandal-„Fall Mollath“ 2013 den „Wächterpreis der deutschen Tagespresse“ erhielten, vor allem justizkritisch angelegt.

Das auf Verständlichkeit-um-jeden-Preis angelegte Buch (mit Sachstand Mitte April 2013) ermöglicht einen Blick in den Abgrund. Was professoraljuristisch als „bisher von mir nie gesehene Ansammlung von vorsätzlichen Gesetzesverletzungen, gravierenden Verfahrensfehlern, gepaart mit schweren Verteidigungsfehlern und Versagen der kontrollierenden Instanzen“ (Henning Ernst Müller) gilt, begann bereits 2001 und hat(te) diesen konkreten Hintergrund[8]: „Gustl Mollath beschuldigt seine Frau und andere Banker illegaler Geldgeschäfte. Niemand schenkt ihm Gehör. Stattdessen wird er in die Psy-chiatrie eingewiesen, wo er seit sieben Jahren sitzt. Mollath wird von Psychiatern weggesperrt, die ihn nie untersucht haben. Das interne Dokument der Hypovereinsbank beweist, dass Mollaths Anschuldigungen zutreffen. Man verheimlicht die Akte und lässt ihn in der Anstalt schmoren“.

Bis heute.

Auch wenn mir als Leser (und so viel Kritik sollte erlaubt sein) sowohl die allwissenheitsjournalistische Erzählerpose („´Das wollen wir doch mal sehen´, denkt sich [Psychiater] Simmerl und fährt los“) als auch ständige Sprachluschis (anstatt weiterer: „zumal nachdem Mollath“; der Landrichter „brüllt mehrere Stunden lang einen für ihn kranken Menschen zusammen“; der Verteidiger steht nicht „im Ruf, so mir nichts, dir nichts Gefälligkeitsstellungnahmen zu erstellen“) aufstießen – das Droemerbuch hat seine justizkritische Stärke dort, wo und wenn die Autoren abheben auf das besondere Zusammenspiel von Justiz und Psychiatrie als Justizpsychiatrie. Die Folgen dieses justizpsychiatrischen Skandals verdeutlichen Ritzer/Przybilla in verschiedenen Passagen überzeugend am Beispiel des zunächst gegen Mollath geplanten gewöhnlichen Strafprozess wg. Körperverletzung u.a. mit einer zu erwartenden „´Bewährungsstrafe von höchstens 15 Monaten´ wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Freiheitsberaubung“; genauer: im Herbst 2003 konnte amtsgerichtlich deshalb „nur von einer Straferwartung von einem Jahr ausgegangen“ worden sein, weil Mollath kein „Pflichtverteidiger“ bestellt wurde.

Diese argumentativen Hinweise lassen sich auf der justizkritischen Ebene sowohl über dieses Buch als auch über relevante, den Mollath-„Fall“ seit Ende 2012 diskutierende, fachlich ausgewiesene Jura-blogs[9] hinaus fortführen: so zutreffend etwa das bis heute als rechtskräftig geltende Wegsperr-Urteil des Nürnberger Landrichter Otto Brixner vom 8. 8. 2006 kritisiert wurde[10] – es gilt nicht als fingierter Freispruch, wurde bis heute auch von kritischen Juristen (wie H. E. Müller) als solches akzeptiert und nicht als das, was es hinsichtlich seines Rechtscharakters ist, gesehen[11]: als keinerlei „Rechtsnatur“ (Gustav Radbruch[12]) aufweisender Willkürentscheid eines (in doppelter Weise) nonkonstituierten landgerichtlichen Standgerichts. Dieses war strategisch aufs Wegsperren des Angeklagten aus. Auf den fingierten Freispruchcharakter verweist jedoch der letzte, dritte Im Namen des Volkes gesprochene Urteilssatz[13]: „Der Angeklagte trägt die Kosten des Verfahrens, die Kosten der Nebenklage und seine eigenen notwendigen Auslagen.“mollathrezi

Der in Hand- und Fußfesseln gehaltene, real unverteidigte, rechtlich ungehörte und ständig stimmgewaltig-berufsrichterlich angefahrene „freigesprochene“ Angeklagte wurde gleich nach Prozeßende wieder weggesperrt. Der Produktion bloßen Anschein des Rechts[14] entspricht die (im Wortsinn sträfliche) Vernachlässigung der beiden gegen Mollath angefertigten staatsanwaltschaftlichen Anklageschriften ans Amtsgericht Nürnberg und ans Landgericht Nürnberg-Fürth vom 23. 9. 2003 und 10. 7. 2005. Es ist so als hätte es diese beiden zentralen Anti-Mollath-Dokumente nie gegeben. Damit ist auch die Falsifikation (m)einer nach alledem zumindest plausiblen Hypothese, daß es sich auch bei diesen Texten nicht um Anklageschriften im strafprozessualen Sinn[15] handelt, nicht möglich. Und was schließlich die staatsanwaltschaftliche Begründung der Nichtermittlung vom 19. 2. 2004 mit der Behauptung, „der Anzeigeerstatter trägt nur pauschal den Verdacht vor, dass Schwarzgeld in großem Umfang in die Schweiz verbracht wird“, betrifft – so kann der „Verdacht“ so „pauschal“ nicht gewesen sein: die Nürnberger Staatsanwaltschaft hat es jedenfalls unterlassen, bei dieser Sachlage wegen des Falsche Verdächtigung (§ 164 Strafgesetzbuch) genannten Verbrechens gegen Mollath ihr Ermittlungsverfahren von Amts wegen einzuleiten.

Ob es sich ähnlich wie im Fall Mollath auch im Fall Peggy um eine bereits Ende der 1920er Jahre unterhaltungsliterarisch gestaltete justizielle Besonderheit Bayerns[16] handelt oder nicht – möchte ich auch deshalb nicht beurteilen, weil vergleichbare Rechtsbrüche[17] auch aus jenem Bundesland dokumentiert wurden, dessen rotzgrüne Landesregierung im Sommer 2010 zur Justiz öffentlich erklärte[18]:
Als einzige der drei Staatsgewalten ist die Justiz nicht organisatorisch unabhängig, sondern wird von der Exekutive verwaltet, deren Einflußnahme auf die Justiz von erheblicher Bedeutung ist.”

Aus bürgerrechtlicher Sicht halte ich Engagement für unabhängige Justiz und Durchsetzung von Gewaltentrennung[19] insbesondere zwischen vollziehender Gewalt (deren Teil die Staatsanwaltschaft als angeblich „objektivste Behörde der Welt“[20] ist) und Rechtsprechung auch angesichts aller Bavaria-Merkwürdigkeiten folkloristischen Gehabes (mir-san-mir) und institutioneller Ausrichtung (keine Richterwahlausschüsse; doppelte Durchlässigkeiten Exekutiven-Jurisdiktion) mit unterschiedlichen Politseilschaften, Spezln und Amigos für etwas nach wie vor dringlich zu veränderndes Ganzdeutsch-Allgemeines: es geht erstens immer ums Zurückdrängen jener mafiotischen „Banden von politischen Spekulanten, die abwechselnd die Staatsmacht in Besitz nehmen und mit den korruptesten Mittel und zu den korruptesten Zwecken ausbeuten“[21]. Und es geht zweitens und unter den konkreten Bedingungen der heutigen Bundesrepublik Deutschland um die Aufhebung des doppelten demokratischen Defizits[22] und basaler Mängellagen als Durchsetzung erweiterter demokratischer Ansprüche sowohl auf angemessene politische Vertretung („Repräsentation“) als auch auf aktive politische Teilhabe („Partizipation“).

[1] Uwe Pritzler; Olaf Przybilla, Die Affäre Mollath. Der Mann, der zu viel wusste. München: Droemer, 2013, 238 p.
[2] Heribert Prantl, Die Psychiatrie, der dunkle Ort des Rechts; in Süddeutsche Zeitung (SZ): 27.11.2012: http://www.sueddeutsche.de/bayern/2.220/fall-mollath-die-psychiatrie-der-dunkle-ort-des-rechts-1.1533816 mit dem Hinweis: „Eine Justiz, die Menschen ohne gründlichste Prüfung einen Wahn andichtet, ist selbst wahnsin-nig.“
[3] Jürgen Roth, Spinnennetz der Macht: Wie die politische und wirtschaftliche Elite unser Land zerstört. Düs-seldorf: Econ, 2013, 334 p.
[4] Das ARD-Sendemanuskript zur Fernsehsendung ist hier zugänglich / kostenlos herunterladbar: http://www.swr.de/report/presse/-/id=11526132/property=download/nid=1197424/1j80dct/der-fall-mallath.pdf Die Komplett(erst)sendung steht derzeit hier im Netz: http://www.youtube.com/watch?v=8z99MO8uv2U
[5] Erhard Stölting, Mafia als Methode. Erlangen: Palm & Enke, 1983, 33 p.
[6] http://www.heise.de/tp/artikel/38/38830/1.html
[7] http://fr.wikipedia.org/wiki/Affaire_Dreyfus [und] http://de.wikipedia.org/wiki/Dreyfus-Affäre
[8] http://www.droemer-knaur.de/buch/7892958/die-affaere-mollath
[9] Gemeint sind die Blogs von Gabriele Wolff (Autorin), Henning Ernst Müller (Beck Community) und Oliver García (dejure)
[10] Gerhard Strate: http://www.strate.net/de/dokumentation/Mollath-Wiederaufnahmeantrag-2013-02-19.pdf
[11] Meine Kommentare (25.2.2013 – 4.6.2013) zu verschiedenen „Fall“-Aspekten: http://blog.nassrasur.com/2013-02-25/wie-im-fall-mollath/ http://blog.nassrasur.com/2013-03-25/skandal-fall-mollath-zu-beginn-der-passionswoche-ueber-autoritaeres-staatshandeln-mit-regierungs-und-staatskriminellen-zuegen/ http://blog.nassrasur.com/2013-05-21/das-schweigen-der-medien/ http://blog.nassrasur.com/2013-04-04/wiederaufnahmeverfahren-zum-skandalfall-mollath/ http://blog.nassrasur.com/2013-06-04/rechtliches-gehoer/ http://www.ein-buch-lesen.de/2013/04/vierte-gewalt-eine-gastkolumne-von.html 260413
[12] http://de.wikipedia.org/wiki/Radbruchsche_Formel
[13] Urteil vom 8.8.2006: 2: http://www.gustl-for-help.de/download/2006-08-08-Mollath-Urteil-Landgericht.pdf bei Ritzer/Przysbilla, Affäre Mollath: 67
[14] http://www.duckhome.de/tb/archives/9235-DER-ANSCHEIN-DES-RECHTS.html
[15] http://dejure.org/gesetze/StPO/200.html sowie Hermann Avenarius, Die Rechtsordnung der Bundesrepublik Deutschland. (Neuauflage) Bonn ³2002: 172 ff.; eingehender http://herberger.jura.uni-sb.de/ref/strafprozessrecht/Rat-8.html
[16] Lion Feuchtwanger, Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz. Roman [1929]. Kommentare Theo Rasehorn [und] Ernst Ribbat. Baden-Baden: Nomos, 2002, 682 p.
[17] http://beleidigungsfarce.de/ mit Materialien aus einem vergleichsweise unterwertigen, wenn nicht überhaupt rechtsnichtigen Gerichtsprozeß, der „Oiskirchener Beleidigungsfarce“ 2004/06
[18] http://www.gruene-nrw.de/fileadmin/user_upload/gruene-nrw/aktuelles/2010/koalitionsvertrag/Koalitionsvertrag_Rot-Gruen_NRW_2010-2015.pdf http://www.duckhome.de/tb/archives/10426-JUSTIZ-ODER-QUOD-ERAT-DEMONSTRANDUM.html
[19] http://www.duckhome.de/tb/archives/8575-GEWALTENTEILUNG.html [und] http://www.ein-buch-lesen.de/2013/03/gewaltentrennung-nicht-gewaltenteilung.html
[20] http://www.duckhome.de/tb/archives/8544-OBJEKTIVSTE-BEHOERDE-DER-WELT.html
[21] Friedrich Engels, Einleitung zu Marx´ “Bürgerkrieg in Frankreich“ [1891]; in: Marx-Engels-Werke, Band 22. Berlin: Dietz, 1963: 188-199, Zitat 198
[22] Richard Albrecht, Das doppelte demokratische Defizit; in: Recht und Politik, 28 (1992) 1: 13-19; zusam-mengefaßt auch: http://wissenschaftsakademie.net: 2

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Richard Albrecht ist unabhängiger Sozialwissenschaftler, wurde 1976 extern promoviert, 1989 habilitiert, anschließend als Privatdozent beurlaubt, lebt als freier Autor und Editor in Bad Münstereifel, vertritt in der empirischen Kultur- und Sozialforschung den Utopian Paradigm-Ansatz (-> Communications, 16 [1991] 3: 283-318), gab 2002/07 das online-Magazin rechtskultur.de heraus, veröffentlicht/e als Sozialwissenschafts-journalist regelmäßig unregelmäßig in Aufklärung und Kritik, Auskunft, Film und Buch, Hintergrund, Sozialwissenschaftliche Literatur Rundschau, soziologie heute, Zeitschrift für Politik, Zeitschrift für Weltgeschichte sowie zuletzt die Bücher Genozidpolitik im 20. Jahrhundert. Drei Bände (2006/08): Völkermord(en) (2006), Armenozid (2007), Hitlergeheimrede 1939 (2008), StaatsRache. Justizkritische Beiträge gegen die Dummheit im deutschen Recht(ssystem) (²2007), Crimes Against Mankind, Humanity, and Civilisation (2007), SUCH LINGE. Vom Kommunistenprozeß zu Köln zu google.de. Sozialwissenschaftliche Recherchen zum langen, kurzen und neuen Jahrhundert (2008), die Edition FLASCHEN POST (2011) und den Erzählband HELDENTOD. Kurze Texte aus langen Jahren (2011). – Bio-Bibliographischer Link -> http://wissenschaftsakademie.net e-Archiv -> http://eingreifendes-denken.net e-Postadresse -> eingreifendes.denken@gmx.net

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Es ist kaum zu glauben, doch erst kurz nach der Jahrtausendwende wurden westliche Filmkritiker und Regisseure auf einen Film aufmerksam, der 1960 in Südkorea produziert wurde. Gemeint ist Hanyo (Das Hausmädchen) des Regisseurs Kim Ki-Young. Inzwischen wird Hanyo als der beste koreanische Film aller Zeiten bewertet. In Deutschland wartet man dennoch (oder eigentlich wie in den meisten Fällen) vergeblich auf eine DVD-Veröffentlichung.

hanyo

Hanyo (1960) gilt als der beste koreanische Film aller Zeiten.

Hanyo erzählt die Geschichte eines Musiklehreres, der Arbeiterinnen einer Stofffirma Gesangsunterricht erteilt. Seine hochschwangere Frau, die mit Näharbeiten etwas Geld hinzuverdient, erleidet plötzlich einen Zusammenbruch. Daher beschließen beide, eine Haushaltshilfe anzustellen. Diese entpuppt sich jedoch als eine femme fatale, die den Musiklehrer in ihren Bann zieht. Daraus resultiert ein Konflikt, der von Kim Ki-Young mit äußerster Radikalität in Szene gesetzt wird. Das Hausmädchen erwartet ebenfalls ein Kind. Doch die Ehefrau des Lehrers zwingt sie zur Abtreibung. Daraufhin rächt sich das Hausmädchen an der Familie.

Woman of Fire (1972). Kim Ki-Youngs erstes Remake seines Klassikers „Hanyo“.

Hanyo ist eine Mischung aus Horrorfilm und Psychothriller. Das Gewitter als dramaturgische Untermalung fehlt hier ebensowenig wie expressionistische Bildkompositionen. Das Hauptaugenmerk aber liegt ganz klar auf Schauspielerin Lee Eun-Shim, welche das Hausmädchen verkörpert. Ihrem Aussehen nach käme sie beinahe als koreanische Barbara Steele durch. Ihre unheimliche wie sinnliche Ausstrahlung beherrscht die Atmosphäre des Films. Diese wird durch die Kulissen des Films noch verstärkt. Obwohl der Musiklehrer zusammen mit seiner Frau und seinen beiden Kindern ein zweistöckiges Haus bewohnt, wirken die Räume unglaublich eng. Die dadurch provozierte Klaustrophobie lässt die Bedrohung, die von dem Hausmädchen ausgeht, überproportional erscheinen. Für die Familie gibt es in dieser Enge kein Entkommen. Der Lehrer, seine Frau und seine beiden Kinder sind in ihrem eigenen Heim wie in einem Gefängnis gefangen. Regisseur Kim Ki-Young nutzt diese Atmosphäre bis ins letzte Detail aus. Klassische Krimielemente mischen sich dabei mit Erotikthrill und Gruseleffekten. All dies ist mit einem unglaublich hohen Tempo erzählt. Der Film lässt den Zuschauer nicht zu Atem kommen. Man sitzt da wie gebannt und ist bei jeder neuen unerwarteten Wende wahrscheinlich genauso sckockiert wie die Zuschauer von damals.

„Hanyo“ als Remake aus dem Jahr 2010.

Kim Ki-Young war geradezu fokusiert auf das Thema sexuelle Obsession. So ist es nicht verwunderlich, dass er selbst zwei Remakes seines eigenen Klassikers anfertigte. Woman of Fire und Woman of Fire `82 erzählen dieselbe Geschichte, nur mit dem Unterschied, dass sich die Handlung auf einer Hünerfarm abspielt. Alle drei Filme zusammen werden innerhalb von Kims Oeuvre als die Hanyo-Trilogie bezeichnet.

2010 drehte Im Song-Soo ein weiteres Remake zu Hanyo. Dieses ist zwar auch künstlerisch hochwertig in Szene gesetzt, reicht jedoch nicht an das Original heran. Regisseur Im nutzt die Geschichte, um dadurch seiner Kritik am Kapitalismus Raum zu geben, welche er später in Taste of Money fortsetzte. Es fehlt die klaustrophobische Dichte, stattdessen spielt Im mit dunklen Farben, die bis hinein ins tiefe Schwarz reichen. Ähnlich wie das Original ist auch dieser Film eine Mischung aus Psychothriller und klassischem Schauerfilm, der den Konflikt bis ins Surreale hinein treibt.

Während man in Frankreich, den USA und England Kim Ki-Youngs Hanyo in regelmäßigen Publikationen huldigt, herrscht in Deutschland gnadenlose Funkstille. Dies liegt zum großen Teil darin, da sich deutsche Filmexperten kaum oder gar nicht mit koreanischen Filmen auseinandersetzen. Es ist an der Zeit, dass dieses Meisterwerk auch hierzulande seine Zuschauer findet.

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derAndere

Das Leben des Schriftstellers Jo Peterson könnte eigentlich ganz angenehm sein. Gleich sein erster Roman wurde ein Bestseller. Außerdem ist er mit einer äußerst attraktiven Frau verheiratet. Plötzlich wird sein Literaturagent Harry Roth ermordet. Sein Alltag gerät zunehmend aus den Fugen und er wird verdächtigt, den Mord begangen zu haben. Als seine Frau Laura obszöne Briefe erhält und beinahe vergewaltigt wird, nimmt eine unheimliche Bedrohung mehr und mehr Gestalt an.

„Der Andere“ ist ein Mystery-Thriller von Max Pechmann, Autor des Hörbuchs „Celeste – Das Geisterschiff“ und des Kurzromans „Zeitkabinett“. Dieses Jahr wird noch ein weiterer Horror-Thriller von ihm im Sieben Verlag erscheinen sowie ein neues Hörbuch im Action-Verlag.

 

Max Pechmann „Der Andere“. AAVAA-Verlag 2013, 199 Seiten, 11,95€. ISBN: 978-3-8459-0432-0730-7

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