The 80s: Excalibur (1981)

Mitten in der Schlacht; „Excalibur“ (1981); © Warner

Eigentlich hatte John Boorman Tolkiens „Herr der Ringe“ verfilmen wollen, doch wurde das Projekt aus Kostengründen nicht weiter verfolgt. Allerdings verwendete er die Vorarbeiten für einen anderen Fantasy-Epos: „Excalibur“. Damit schuf er nicht nur einen der erfolgreichsten Fantasy-Filme der 80er Jahre, sondern beeinflusste mit der Machart auch spätere Produktionen bis hin zu Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Adaption.

„Excalibur“ galt 1981 als einer der brutalsten Filme. Grund dafür sind die recht heftigen Schlachtenszenen, in denen hier und da mal ein Arm verloren geht und das Kunstblut nur so herumspritzt. Boorman setzte damit einen Kontrastpunkt zu den Ritterfilmen der 50er Jahre, in denen die Helden stets frisch gewaschen sind und saubere Rüstungen anhaben. In „Excalibur“ sind die schweren Rüstungen voller Dreck, die Ritter schwitzen und kämpfen schnaufend und keuchend. Hinzu kommt die damals viel diskutierte Sexszene zwischen Uthar (dem Vater von König Arthur) und Igrayne. während in einer Parallelmontage der Fürst von Cornwall, mit dem Igrayne verheiratet ist, von Lanzen  durchbohrt wird.

Der Film ist eine Adaption von Thomas Malorys „König Arthur und die Ritter der Tafelrunde“ aus dem Jahr 1485. Unversehens wird Arthur König, als er das Schwert Excalibur aus dem Stein zieht. Er versammelt die besten Ritter um sich und bildet mit ihnen die Tafelrunde. Alles scheint gut zu verlaufen, doch nach und nach bricht seine Herrschaft zusammen. Grund dafür ist die Hexe Morgana, Arthurs Schwester, die ihn verzaubert und dabei mit ihm einen Sohn zeugt. Diesen möchte sie statt Arthur auf den Thron heben …

„Excalibur“ ist sehr aufwendig produziert, das Design der Rüstungen phänomenal und die Bildgestaltung, die teilweise an die Gemälde der Romantik erinnert, unglaublich ästhetisch. Hinzu kommt die sensationelle Dramatik, die dem Film fast schon etwas Opernhaftes verleiht. Eigentlich hätte der Film über drei Stunden dauern sollen, doch musste John Boorman den Film auf zwei Stunden kürzen.

König Arthur (Nigel Terry) bei der Hochzeit mit Guenevere (Cherie Lunghi); „Excalibur“ (1981); © Warner

Boorman entschied sich damals, die Rollen mit eher unbekannten Schauspielern zu besetzen, von denen manche heute zu den bekanntesten Darstellern Hollywoods zählen: Liam Neeson (in einer winzigen Nebenrolle), Patrick Steward, Helen Mirren und Gabriel Byrne. Ausgerechnet der Hauptdarsteller Nigel Terry sollte nicht wirklich davon profitieren. Seine spätere Karriere beschränkte sich auf TV-Serien und Nebenrollen.

„Excalibur“ ist schlicht und ergreifend ein wunderbarer Fantasyfilm, der bis heute nichts von seiner Gewaltigkeit verloren hat. Damals war er nominiert für die Goldene Palme, ging aber leider leer aus. Heute zählt der Film zu den Klassikern der 80er Jahre.

Excalibur. Regie u. Produktion: John Boorman, Drehbuch: Rospo Pallenberg, John Boorman, Darsteller:  Nigel Terry, Helen Mirren, Nicholas Clay, Cherie Lunghi, Nicol Williamson. USA 1981

FuBs Klassikbox: Jenny – Rendezvouz mit einer Toten (1948)

„Ich komm aus der Unendlichkeit, ich geh in die Unendlichkeit“; „Portait of Jenny“ (1948)

In Deutschland kaum bekannt, zählt „Portait of Jenny“ in den USA zu den Filmklassikern. Wie bei so vielen Klassikern, so war der Verfilmung des gleichnamigen Romans von Robert Nathan (1894 – 1985) zunächst kein Erfolg beschienen. Mit den Jahren jedoch erlangte „Jenny – Rendezvouz mit einer Toten“ immer größere Beliebtheit. Heute zählt das American Film Institute das Drama zu den zehn besten Fantasyfilmen.

Es geht um den erfolglosen Maler Eben Adams, der eines Tages in einem Park auf ein Mädchen namens Jenny trifft. Doch genauso plötzlich wie sie erschienen ist, ist sie auch schon wieder verschwunden. Wenige Tage später trifft er sie erneut, allerdings ist sie da älter. Schließlich taucht sie als junge Frau auf. Ihre außergewöhnliche Schönheit und ihre sonderbare Traurigkeit bringen Eben dazu, von ihr ein Porträt anzufertigen. Doch wer ist Jenny? Eben versucht das Geheimnis zu lösen …

Vom Erfolg des Fantasy-Dramas „The Ghost and Mrs. Muir“ (1947) animiert, suchte Produzent David O. Selznick nach einem ähnlichen Stoff, um dadurch die Kinokassen zum klingen zu bringen. Wahrscheinlich bedingt durch das schlechte Marketing wurde „Portrait of Jenny“ jedoch ein Flop – trotz Starbesetzung. Den Maler Eben Adams spielt Joseph Cotten, Jenny wird von Jennifer Jones dargestellt, als Kunsthändlerin tritt Ethel Barrymore auf. Regie führte William Dieterle, der vor allem für seine hervorragenden Noir-Filme bekannt war. Nichtzuletzt verfasste der mit Thomas Mann befreundete Autor Ben Hecht das Drehbuch.

Nicht bewegen: Eben Adams erschafft das Gemälde; „Portrait of Jenny“ (1948)

Bei den Oscarverleihungen 1949 erhielt der Film den Oscar für die besten Spezialeffekte und war für die beste Kameraarbeit nominiert worden. Das Besondere an dem Film ist, dass das Finale in gespenstischen Grüntönen koloriert wurde, der übrige Film ist in schwarzweiß. Besonders die außergewöhnlichen Farbsequenzen machten die Produktion für die damalige Zeit ziemlich teuer: etwa vier Millionen Dollar. Wer die sich verändernden Wolkenformationen im Finale genau ansieht, wird feststellen, dass er diese in einem anderen Film schon mal gesehen hat. Und ja, Regisseur Richard Kelly zeigt ganz ähnliche Gebilde in seinem Klassiker „Donnie Darko“ (2001).

„Jenny – Rendezvouz mit einer Toten“ ist eine wundervolle Mischung aus Drama, Mystery und Liebesfilm, der noch lange nachwirkt. Schon allein die tolle Optik macht den Film sehenswert – die Aufnahmen des winterlichen New York sind einfach wunderschön. Das Gemälde von Jenny hängte sich Produzent Selznick übrigens nach den Dreharbeiten in seinem Wohnzimmer auf.

Jenny – Rendezvouz mit einer Toten (OT: Portait of Jenny). Regie: William Dieterle, Drehbuch: Ben Hecht, Produktion: David O. Selznick, Darsteller: Joseph Cotton, Jennifer Jones, Ethel Barrymore. USA 1948

Twin Peaks (2017)

Mit der Fortsetzung von „Twin Peaks“ verblüffte David Lynch so ziemlich jeden Filmkritiker. Als die ersten beiden Episoden der 18-teiligen Serie in Cannes als Spielfilm gezeigt wurden, führte dies zu lang anhaltendem stehenden Applaus. Der Meister war wieder zurück und er zeigte nicht nur, was Filmkunst ist, sondern dass man diese auch mit einem TV-Format verbinden kann.

Noch komplexer als die Originalserie aus den Jahren 1991 und 1992, führt David Lynch die Serie nach 25 Jahren fort. Nicht nur in unserer Realität, sondern auch in der Twin Peaks-Handlung sind seit dem rätselhaften Mord an Laura Palmer 25 Jahre vergangen. Und es geschehen erneut seltsame Dinge. Denn zwei Coopers sind aus der ominösen Zwischenwelt zurückgekehrt. Während der eine von Bob besessen ist, kann sich der andere an nichts erinnern und wird von allen als Versicherungsvertreter Dougy Jones gehalten. Zugleich findet die Polizei in Twin Peaks die fehlende Seite aus Laura Palmers Tagebuch, was dazu führt, dass sie den alten Fall wieder aufrollt.

Viele Zuschauer gaben nach Episode 8 „Gotta Light?“ auf, die Serie weiterzuverfolgen. Der Grund: hier greift David Lynch so richtig in die Vollen und präsentiert eine der wohl bizarrsten TV-Episoden überhaupt. Eine Andernanderreihung sonderbarer Geschehnisse, die zugleich als  Experimentalfilm konzipiert sind und teilweise an Lynch‘ „Earaserhead“ erinnern. Kurz: surreal und bizarr auf höchster filmkünstlerischer Ebene.

David Lynch liefert alles andere ab als eine flache, austauschbare TV-Serie. Da er und Mark Frost die 18-teilige Serie auch selbst produzierten, hatten sie absolut freie Hand und diese künstlerische Freiheit schöpften sie auch mit allen Mitteln aus. Schon allein die Tatsache, dass, wenn man alle 18 Teile aneinanderfügt, einen 18-stündigen Spielfilm vor sich hat, zeigt, dass Lynch keine normale Serie abliefern wollte.

Wie auch in der Originalserie, so bewegt sich die neue Staffel zwischen Kriminal- und Horrorfilm, Familiendrama und Experimentalfilm hin und her. Dieses Mal spielt die Handlung nicht nur in Twin Peaks, sondern ebenso in Las Vegas, South Dakota, Philadelphia und New Mexico. Doch sämtliche wirr erscheinenden Handlungsstränge werden nach und nach zusammengeführt. Bespickt mit skurrilen Figuren, eigenwilligen Gags und auch immer wieder einer brutalen Ernsthaftigkeit wird nicht nur dem Geheimnis um Laura Palmer, sondern auch um Cooper und der mysteriösen Zwischenwelt auf die Spur gekommen.

Man sollte die ersten beiden Staffeln und auch den Spielfilm „Twin Peaks – Fire walk with me“ vorher gesehen haben, damit man den Geschehnissen in der dritten Staffel auch wirklich folgen kann. Denn viele Anspielungen finden sich in winzigen Details. Die Optik ist wie immer erstklassig, manchmal verwendet Lynch eine starre Kamera und lässt den Zuschauer einfach einen Raum oder einen Menschen mehrere Sekunden lang beobachten, bevor es dann an anderer Stelle wieder weitergeht. Diese Eigenwilligkeit, diese Liebe zum Detail und dieses Sich-Zeit-lassen steht im vollen Kontrast zu den raschen Szenenabfolgen anderer oder eher typischer TV-Serien. Lynch macht es klar und deutlich: er möchte, dass sich der Zuschauer mit seinem Werk auseinandersetzt und es nicht einfach bloß konsumiert.

Auch in der neuen Serie um Twin Peaks lässt David Lynch den Zuschauern viel Raum für Spekulationen. Man sollte auch Spaß am Analysieren von Bildern und Filmen überhaupt haben, um in den vollen Genuss dieser Serie zu kommen. Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, so lässt sich einfach sagen, dass die dritte Staffel von „Twin Peaks“ so ziemlich alles schlägt, was jahrelang über die Bildschirme geflimmert ist. Für 2020 ist eine vierte Staffel geplant.

Die 90er: Super Mario Bros (1993)

Luigi und Mario (John Leguizamo und Bob Hoskins) stecken mal wieder in der Klemme; „Super Mario Bros“ (1993); © Concorde

Von der Realverfilmung des gleichnamigen Videospiels erhoffte man sich, einen Kassenschlager zu treffen. Doch genau das Gegenteil geschah: „Super Mario Bros“ floppte auf ganzer Linie. Und nicht nur das, denn die beiden Hauptdarsteller Bob Hoskins und Dennis Hopper bezeichneten den Film als absoluten Tiefpunkt ihrer Karriere.

Die Macher des Films hatten die Rechnung ohne die Fans des Videospiels gemacht. Denn diese ärgerten sich vor allem darüber, dass die Handlung des Films kaum etwas mit dem Spiel zu tun habe. Dies führte dazu, dass Produktionskosten von 48 Millionen Dollar ein Einspielergebnis von 20 Millionen Dollar gegenüber stand, was bedeutet, dass „Super Mario Bros“ nicht einmal die Kosten einspielte.

Inwieweit die Fans des Spiels dem Film gegenüber noch immer eine negative Einstellung hegen, weiß ich nicht, sicher ist nur, dass sich die Trash-Fans über „Super Mario Bros“ mehr und mehr freuten und er inzwischen sogar als Kultfilm betrachtet wird. Es geht um den schüchternen Klempner Luigi, der sich in Daisy verliebt, ohne es zu wissen, dass es sich bei ihr um eine Prinzessin handelt. Als Daisy eines Tages entführt wird, verfolgt Luigi zusammen mit seinem Bruder Mario die Entführer, wobei sie durch ein Portal in eine Stadt geraten, in der Menschen und Dinosaurer zusammen leben. Beherrscht wird die Stadt von King Koopa, der die Macht über das Universum erlangen möchte. Luigi und Mario setzen alles daran, um dies zu verhindern.

Man kann die damalige Abneigung gegenüber dem Film  nicht verstehen, denn „Super Mario Bros“ ist ein absoluter Knaller in Sachen durchgeknallt. Man könnte ihn am besten als eine Ansammlung skurril-witziger Ideen bezeichnen, die – im Gegensatz zu vielen heutigen Filmen – recht liebevoll in Szene gesetzt wurden. Man merkt, dass hier die beiden Regisseure Annabel Jankel und Rocky Morton und nicht weniger ihr Team voll bei der Sache waren. Nebenbei bemerkt: Rocky Morton hatte die kultige SF-Serie „Max Headroom“ Ende der 80er Jahre ins Leben gerufen.

In jeder Szene gibt es so viele witzige Details zu entdecken, dass man schon allein deswegen den Film mehrmals ansehen sollte, um alle Gags auch wirklich wahrzunehmen. Macht schon allein die rasant-skurrile Handlung richtig Spaß, so nicht weniger Bob Hoskins als Klempner Mario und Dennis Hopper als King Kooper zu beobachten, wie sie sich in diesem grandiosen Feuerwerk der Ideen und Spezialeffekte behaupten. Auch wenn beide über den Film später herzogen, sie machen ihre Arbeit richtig gut. Luigi wird von John Leguizamo gespielt, der vor allem durch seine Rolle des Malers Toulouse-Lautrec in „Moulin Rouge“ bekannt ist. Und spätestens dann, wenn Luigi, Mario und Prinzessin Daisy bei dem Song „Walk the Dinosaur“ vor Koopers Dinopolizei fliehen, dürfte auch der hurmorloseste Zuschauer mitbekommen, dass in diesem Film einfach alles stimmt.

Super Mario Bros. Regie: Annabel Jankel, Rocky Morton, Drehbuch: Parker Bennet, Ed Salomon, Produktion: Jake Eberts, Roland Joffé, Darsteller: Bob Hoskins, Dennis Hopper, John Leguizamo, Samantha Mathis. USA 1993, 104 Min.

Horror de Luxe: Trollhunter

„Troll!“ Und schon fliehen alle vor den unheimlichen Riesen, die Norwegens Wälder unsicher machen. Nur weiß niemand, dass es Trolle wirklich gibt, da die Regierung dies streng geheim hält. Als eine kleine Gruppe Studenten bei der Durchführung eines Filmprojekts auf den seltsamen Jäger Hans treffen, dessen Auto mit ominösen Krallenspuren überzogen ist, ist für sie klar, dass sie dem Geheimnis des Mannes auf die Spur kommen wollen.

Norwegens Kritiker waren gespalten, als André Øvredals „Trollhunter“ 2010 in die Kinos kam. Die einen bemängelten die Dramaturgie, die anderen waren mit den Spezialeffekten unzufrieden. Von Kritikern im Ausland wurde der Film dagegen eher positiv bewertet.

„Trollhunter“ ist im Stil einer Mockumantery gedreht und wurde daher mit „Blair Witch Project“ und „Cloverfield“ verglichen. Das Problem bei solchen Filmen ist stets, dass sie hätten besser sein können, wenn sie eben nicht im vermeintlichen Dokumentarstil gedreht worden wären. Und dasselbe trifft sicherlich auch auf „Trollhunter“ zu.

Ein Bergtroll greift an; „Trollhunter“ (2010); © Universal Pictures

Dennoch handelt es sich hierbei um ein recht witziges Monsterfilmchen mit durchaus überraschenden Spezialeffekten. Vor allem der Ton ist in dieser Hinsicht erstklassig, das Aussehen der Ungeheuer orientiert sich an klassischen Zeichnungen von Trollen, was zu einem weiteren positiven Aspekt führt: denn „Trollhunter“ vermischt auf geniale Weise Folklore mit Action und Horror. Wenn man sich auf die gewitzte Grundidee des Films einlässt, dann hat man 90 Minuten Spaß vor sich.

Was ein wenig nervt, sind die drei Studenten, die mehr herumhampeln als eine schauspielerische Glanzleistung abzuliefern. Dagegen spielt Otto Jespersen den Trolljäger Hans auf wirklich geniale Weise. Mit anderen Jungdarstellern hätte der Film wahrscheinlich noch besser funktioniert, so aber erscheinen die Protagonisten eher wie zweidimesnionale Abziehbilder. Die Stärken des Films liegen daher vor allem in den Szenen, in denen die Monster ihr Unwesen treiben.  Vor allem das Finale ist hierbei recht faszinierend.

Die koreanische Produktionsfirma CJ Entertainment hatte zusammen mit der US-Firma 1492 Pictures zunächst die Rechte für ein Remake erworben, jedoch wurde das Projekt wieder fallen gelassen. Anscheinend haben die Produzenten erst später gemerkt, dass es in ihren jeweiligen Ländern keine Trolle gibt und daher ein Remake sinnlos wäre. Was daher bleibt, ist sicherlich einer der außergewöhnlichsten Filme aus Norwegen.

Trollhunter. Regie u. Drehbuch: André Øvredal, Produktion: John M. Jacobson, Darsteller: Otto Jespersen, Hans Morton Hansen, Tomas Alf Larsen, Johanna Mørck, Urmila Berg-Domaas, Glenn Erland Tosterud. Norwegen 2010, 99 Min.

The 80s: Die Goonies (1985)

In den 80er Jahren entdeckte Hollywood das junge Publikum für sich. Die meisten Filme waren nicht mehr „ab 16“ freigegeben, sondern schon für Kinder ab sechs oder ab zwölf Jahren. Einer der erfolgreichsten Filme war „Die Goonies“ aus dem Jahr 1985.

Die Goonies sind eine Gruppe von Freunden, die alle dasselbe Problem haben: ihre Häuser sollen einem Golfplatz für Reiche weichen. Schon am nächsten Tag müssen sie ausziehen. Doch wie es der Zufall will, findet Michael auf dem Dachboden eine alte Schatzkarte. Noch besser: Der Schatz soll irgendwo in der Nähe vergraben sein. Kurzerhand machen sich er und seine Freunde daran, den Schatz zu suchen, wobei sie nicht nur allerhand Gefahren überstehen müssen, sondern auch noch von einer Gangsterfamilie gejagt werden.

Die Idee für den Film stammte von Steven Spielberg, der „The Goonies“ dann auch produzierte. Das Drehbuch verfasste Chris Columbus, der u. a. auch das Drehbuch zu „Gremlins“ verfasste, und Regie führte Richard Donner, der sich mit Actionfilmen bestens auskannte. Die Grundidee des Films klingt wie eine Anlehnung an klassische Kinderbücher. Und anfangs funktioniert der Film auch genau auf diese Weise.

Dann aber wandelt sich der Film um in eine Aneinanderreihung hektischer Actionsquenzen, in denen die Kinder nur noch am Schreien sind und das geht dann teilweise doch ziemlich auf die Nerven. Gut gemacht ist der Film dennoch. Insgesamt wirkt „Die Goonies“ wie eine Art „Indiana Jones“ für Kinder oder besser mit Kindern. So fehlen auch nicht jede Menge fieser Fallen, die der einäugige Pirat Willie in einem unterirdischen Labyrinth angebracht hat.

Auf diese Weise rast die Handlung regelrecht voran, wobei sie allerdings immer am Rand der Eintönigkeit kratzt. Viel nimmt man von dem Film daher auch nicht mit. Spaß aber macht er trotzdem.

Die Goonies (OT: The Goonies). Regie: Richard Donner, Drehbuch: Chris Columbus, Produktion: Steven Spielberg, Darsteller: Sean Astin, Josh Brolin, Jeff Cohen, Corey Feldman, Kerri Green, Martha Plimpton, Jonathan Ke Quan, John Matuszak, Anne Ramsey. USA 1985, 114 Min.

 

Sonderausgabe 4: Phantastische Pole

Sonderausgabe 4 ist erschienen! :) Darin beschäftigen wir uns mit phantastischen Filmen, die an Nord- und Südpol spielen. Der Download ist wie immer gratis. Wir wünschen euch viel Spaß beim lesen!

Hier der Link zum Download: PhantastsichePole

The 80s: Die Zeit der Wölfe (1984)

In seinem zweiten Spielfilm aus dem Jahr 1984 nahm sich Regisseur Neil Jordan zwei Erzählungen der englischen Autorin Angela Carter (1940 – 1992) vor. Bei beiden handelt es sich um erotisch angehauchte Variationen von Grimms „Rotkäppchen“, die in Angela Carters bekanntem Erzählband The bloody Chamber (1979) enthalten sind, der in Deutschland unter dem Titel Blaubarts Zimmer erschien.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass Die Zeit der Wölfe (im Original The Company of Wolves) eben diese sinnlichen Aspekte hervorhebt. Interessant ist hierbei, dass der Film eine ganz und gar weibliche Perspektive einnimmt und daher mit der Figur Rosaleen eine emanzipierte Heldin aufweist.

Angela Carter war selbst Feministin und verfasste auch mehrere Abhandlungen darüber, wobei sie sich vor allem mit dem Thema Sexualität und Macht beschäftigte. Auch dieser Schwerpunkt findet sich in Die Zeit der Wölfe wieder, besonders in der Geschichte, in der Rosaleen im Wald auf den sinnlich-unheimlichen Jäger trifft, der mit ihr eine Wette abschließt. Wenn er diese gewinnt, darf er sie küssen.

The Company of Wolves besteht in dieser Hinsicht nicht aus einer einzigen Handlung, sondern vielmehr aus einer Reihe verschiedener Geschichten, die miteinander verbunden sind und stets vonWerwölfen handeln, die Frauen in ihren Bann ziehen. Dabei dient der Werwolf eindeutig als Symbol der männlichen Sexualität.

Obwohl als Märchen konzipiert, ist Neil Jordans Kultfilm nicht gerade ein Film für Kinder. Schon allein deswegen nicht, da es zwischendurch recht grausam zugeht, besonders bei den jeweiligen Verwandlungsszenen. Hinzu kommen die diversen sexuellen Anspielungen, die dem Film die bereits erwähnte Sinnlichkeit verpassen und so gut wie in jeder Szene mitschwingen.

Verbunden ist dies mit einer überaus düsteren Atmosphäre, die aufgrund der dichten Kulissen eine fast schon klaustrophobische Enge hervorbringt. Diese spiegelt sich quasi in den ineinander verschachtelten Geschichten wider und verleiht dadurch Jordans Film eine unglaubliche erzählerische Fülle. Die grandiose, fast schon hypnotische Optik liefert hierbei das Sahnehäupchen.

Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, so ist Die Zeit der Wölfe ein fast schon einzigartiger Fantasyfilm, gewürzt mit diversen Horroraspekten, der einen von der ersten Minute an nicht loslässt. Leider war der Film damals nicht ganz so erfolgreich, dennoch zählt er längst zu den Klassikern des englischen Kinos.

Die Zeit der Wölfe (The Company of Wolves). Regie: Neil Jordan, Drehbuch: Angela Carter, Neil Jordan, Produktion: Stephen Woolley, Darsteller: Angela Lansbury, David Warner, Stephen Rea, Micha Bergese, Sarah Patterson. England 1984, 92 Min.

 

 

The 80s: Die Abenteuer des Baron Münchhausen (1988)

Terry Gilliams 11. Spielfim zählt heute zu den größten Flops der Filmgeschichte. Eigentlich hätte alles anders kommen können, doch geriet Gilliams Film mitten hinein in studiointerne Konflikte der Columbia Pictures, was dazu führte, dass von dem Film lediglich 117 Kopien in den USA in Umlauf gebracht wurden, was natürlich nicht gerade dazu beitrug, dass der Film die Kosten von über 40 Millionen Dollar wieder einfahren konnte.

Der neue Chef von Columbia wollte mit den Vereinbarungen, die sein Vorgänger getroffen hatte, nichts mehr zu tun haben. Auf diese Weise blieben Gilliam und der deutsche Produzent Thomas Schühly sich praktisch selbst überlassen. Das Resultat war das oben erwähnte finanzielle Desaster. Selbst die überaus positiven Kritiken konnten diesen Tatbestand nicht mehr umkehren.

In „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ geht es darum, dass Münchhausen zusammen mit seinen Freunden Bertold, Adolphus, Albrecht und Gustavus eine Stadt vor den Türken retten muss, die die Stadt belagern. Doch sind Münchhausens Freunde in alle Winde zerstreut. Zunächst muss er sein „Team“ wieder zusammensuchen, bevor er gegen die Belagerer etwas unternehmen kann, und erlebt dabei jede Menge skurriler Abenteuer.

Der Film basiert lose auf den Lügengeschichten des Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen (1720 – 1797), die vor allem von den deutschen Dichtern Rudolf Erich Raspe (1736 – 1794) und Gottfried August Bürger (1747 – 1794) in Buchform 1786 bzw. 1788 veröffentlicht wurden. Doch durch die Rahmenhandlung verbindet Gilliam die einzelnen Episoden zu einer einzigen Geschichte, die in optischer Hinsicht den Zuschauer regelrecht erschlägt.

„Baron Münchhausen“ ist, wenn man es auf den Punkt bringen möchte, ein riesengroßes Kunstwerk. Die gewaltigen, bis ins kleinste Detail gestalteten Kulissen bringen einen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Dieses bildgewaltige Abenteuer ist fast schon zu viel für das Auge, und zum Glück kann man den Film immer wieder anhalten, um den detailverliebten Einfallsreichtum zu genießen.

Gut, anfangs braucht der Film ein wenig zu lange, bis er in die Gänge kommt, doch sobald es so richtig losgeht, kennt Terry Gilliam kein Halten mehr. Er wirft mit den Ideen nur so um sich, wobei er sich klarerweise an den Gemälden und Zeichnungen des 18. Jahrhunderts orientiert, und sorgt auf diese Weise dafür, dass „Baron Münchhausen“ keine Sekunde langweilig wird. Hier und da blitzt noch der typische Monthy Python-Humor auf, in der Höhle des Gottes Vulkan wird der Film zu einer bissigen Satire auf die Waffenlobby – doch immer steht die Kunst im Vordergrund.

Als Second Director fungierte übrigens Michele Soavi, der später mit seinen beiden Horrorfilmen „The Church“ (1989) und „DellAmore, DellaMorte“ (1994) zwei Klassiker des euoropäischen Horrorfilms schuf.

Terry Gilliam gehört zu den wirklich großen Filmautoren, den man in einem Atemzug mit Federico Fellini nennen kann. Und wer „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ tatsächlich noch nicht gesehen hat, sollte dies so schnell wie möglich nachholen.

Die Abenteuer des Baron Münchhausen. Regie: Terry Gilliam, Drehbuch: Terry Gilliam, Charles McKewon, Produktion: Thomas Schühly, Darsteller: John Neville, Eric Idle, Sarah Polley, Oliver Reed, Uma Thurman, Robin Williams, Jonathan Pryce. Engand/Deutschland 1988, 126 Min. 

 

The 80s: Big Trouble in Little China (1986)

Die Produzenten von 20th Century Fox erhofften sich den Blockbuster des Sommers. Doch aus John Carpenters zweiter Big Budget-Produktion wurde der Flop des Sommers. Später sollte Hauptdarsteller Kurt Russell sagen, dass er sich damals gewundert habe, dass die Leute überhaupt das Skript verfilmen wollten. Und mit dem Skript fing eigentlich auch alles an.

Geschrieben hatten dies die beiden Jungautoren Gary Goldman und David Z. Weinstein. Während Weinstein (nicht verwandt mit den beiden Produzentenbrüdern) schnell wieder in der Versenkung verschwand, erhielt Goldman später den Auftrag, das Drehbuch für „Total Recall“ umzuschreiben, bevor auch seine Karriere direkt nach unten ging. Goldman und Weinsteins erste Arbeit aber war eben „Big Trouble in Little China“, das jedoch im 19. Jahrhundert spielen sollte und als Western konzipiert war.

Das Drehbuch soll unglaublich schlecht gewesen sein, doch die Story war interessant. Daher entschied das Studio, dass Regisseur und Autor W. D. Richter das Skript umschreiben solle. Die Handlung wurde damit in die Gegenwart verlegt und aus dem Cowboy Jack Burton wurde ein Truckfahrer. Richter war übrigens durch seinen Flop und späteren Kultfilm „Buckaroo Banzai“ (1984) bekannt. John Carpenter erhielt schließlich den Auftrag, die Regie zu übernehmen.

Es geht um den Truckfahrer Jack Burton, der unverrichteter Dinge mitten hinein gerät in einen Konflikt, in dem ein furchtbarer Dämon in Chinatown die Herrschaft über das Universum übernehmen möchte. Dafür braucht er jedoch eine Frau mit grünen Augen. Diese ist schnell in der Verlobten von Jacks Freund Wang Chi gefunden. Kaum ist sie am Flughafen von San Francisco angekommen, wird sie von einer Gruppe Gangster entführt. Und als auch die Anwältin Gracie Law verschwindet, setzen die beiden Freunde alles daran, sie aus den Klauen des Dämons zu befreien.

„Big Trouble in Little China“ ist eine typische Actionkomödie der 80er Jahre, die zwischen Trash und tollen Effekten hin und her pendelt. Robert Edlund, der u. a. für die Spezialeffekte von „Ghostbusters“ und „Fright Night“ verantwortlich war, zeigte in „Big Trouble“ erneut sein Können und ließ es nur so blitzen, wenn die drei Stürme auftauchen, die als Diener des Dämons Lo Pan fungieren. Auch an Monstern fehlt es in dem Film nicht, auch wenn diese leider nur kurz auftreten.

Der Film selbst ist eine rasante Komödie, die vor Selbstironie und Witz nur so sprüht. Die einzige ruhige Minute findet sich am Anfang des Films, als der Busfahrer Egg Shen einem Anwalt über die Geschehnisse in Chinatown erzählt. Danach folgen die Zwischenfälle Schlag auf Schlag. Eine Actionszene baut quasi auf der anderen auf und zwischendurch ist Jack Burton kräftig am Sprücheklopfen.

Doch um das Publikum dadurch ins Kino zu locken, war dies anscheinend zu wenig. Filmkritiker meinten, dass der Film durch den gleichzeitigen Release von „Aliens“ in den Schatten gestellt wurde. War der Film im Kino nicht erfolgreich, so änderte sich dies durch die Veröffentlichung auf Video. Von da an entwickelte sich der Film zunächst zum Geheimtipp, bis er schließlich als Klassiker des Genres und nichtzuletzt als Kultfilm bezeichnet wurde.

John Carpenter ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Er hatte die Nase gestrichen voll, was Großproduktionen und das Einmischen der Produzenten in seine Arbeit betraf. Nach „Big Trouble in Littel China“ wandte er sich wieder den Low Budget-Filmen zu und schuf ein Jahr später einen weiteren Klassiker des Horrorfilms: „Fürsten der Dunkelheit„.

Big Trouble in Little China. Regie: John Carpenter, Drehbuch: W. D. Richter (Gary Goldman/David Z. Weinstein), Produktion: Larry J. Franco, Darsteller: Kurt Russell, Kim Cattrall, Dennis Dun, Victor Wong, James Hong. USA 1986, 96 Min.