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Archive for April 2014

Moebius(2013)_poster

Kinoplakat zu „Moebius“.

Kim Ki Duk ist in Südkorea das, was man als ein enfant terrible bezeichnet. Seine Filme ecken an. Viele Zuschauer fühlen sich von seinen Werken abgestoßen, während andere diese nicht genug würdigen können. Mit seinem letzten Film „Moebius“, dessen deutscher Verleihtitel mit „Moebius, die Lust, das Messer“ nicht hätte holpriger sein können, hätte er sich beinahe selbst ein Bein gestellt. Die koreanische Filmbehörde wollte seinen Film verbieten. Kim war dadurch gezwungen, sein Werk um ca. zwei Minuten zu kürzen. Die internationale Version ist wiederum ungekürzt. In Deutschland erhielt sie das FSK-Siegel 18.

Mit „Moebius“ legt der koreanische Regisseur einmal mehr einen Film vor, der vollkommen ohne Dialoge auskommt. Er erzählt darin die skurrile Geschichte einer Familie aus dem Mittelstand, deren Leben durch eine Affäre des Mannes aus den Fugen gerät. Als seine Frau davon mitbekommt, schneidet sie kurzerhand ihrem Sohn den Penis ab, bevor sie das Haus verlässt. Sein Vater beschließt, sich chirurgisch ebenfalls sein Glied entfernen zu lassen, um es seinem Sohn annähen zu lassen. Bis dies gelingt, ist sein Sohn dem Spott seiner Mitschüler ausgesetzt. Verzweifelt sucht er nach Möglichkeiten zur sexuellen Befriedigung. Einen solchen Weg scheint ein Artikel im Internet zu zeigen, indem davon die Rede ist, sich mit einem Stein Schmerzen zuzufügen. So gehen sowohl Vater als auch Sohn diesen bizarren Weg und haben dabei tatsächlich Erfolg. Der Sohn kostet diese Art der Befriedigung bis ins Extreme aus, als er feststellt, dass ihm auch ein Messer, das eine Ladenbesitzerin aus Rache ihm in den Rücken sticht, sexuelle Erfüllung bringt. All dies ändert sich jedoch, als einige Zeit später es tatsächlich zu der Penistransplantation kommt. Von da an ist der Sohn impotent. Erst als seine Mutter zurückkehrt, kehrt seine Lust zurück.

Im Gegensatz zu „Pieta“, das man als Kim Ki Duks bisheriges Meisterwerk bezeichnen kann, fällt „Moebius“ weit hinter diesen Film zurück. Zu sehr ist es offensichtlich, dass Kim auf Provokation aus gewesen ist. Die Geschichte, die von Sadomasochismus bis hin zu Inzest alles enthält, besitzt zwar durchaus auch ihre komischen Seiten. Doch helfen diese nicht wirklich, über das irgendwie Plakative hinwegzutäuschen.

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Kinoplakat zu Kim Ki Duks „Seom“.

Bereits in seinem früheren Werk „Seom“ beschäftigte sich Kim mit SM, indem er eine surreale Liebesgeschichte zwischen einem Polizisten und einer Herbergsbesitzerin erzählte. Dort strapazierte Kim die Nerven der Zuschauer vor allem durch die bekannt gewordene Szene, in welcher sich die Frau Angelhaken einführt. Während „Seom“ jedoch eine surreale Ästhetik aufweist, versucht sich Kim Ki Duk in „Moebius“ lediglich im Aneinanderreihen verstörender Ideen. „Moebius“ scheint einmal mehr einen Regisseur zu zeigen, der soeben ein Meisterwerk abgeliefert hat und nun selbst weiß, dass er an dieses Niveau nicht mehr herankommen wird.

Gut, das Thema Sexualität in sämtlichen Spielformen durchzieht das gesamte Werk Kim Ki Duks. Selbst sein Film „Amen“ beinhaltet dies als zentrales Thema. Dieser Film kommt  wie „Moebius“ und „3-Iron“ so gut wie ohne Dialoge aus. Es geht darum, dass eine junge Frau ihren Freund in Paris besuchen möchte. Doch erscheint er nicht zum Treffpunkt. Stattdessen erhält sie immer wieder andere Adressen, an denen sich ihr Freund aufhalten soll. Auf ihrer Suche wird sie ständig von einem Mann verfolgt, der eine Gasmaske trägt. Diese nette Anspielung an den Horrorfilm der frühen 80er Jahre, verwebte Kim in eine mystisch angehauchte Geschichte. Im Zug wird sie von diesem mysteriösen Mann vergewaltigt. Als sie merkt, dass sie schwanger ist, möchte sie zunächst das Kind abtreiben lassen, kommt dann aber zunehmend in Gewissenskonflikte. „Amen“ wurde komplett mit einer einfachen Handkamera gedreht. Der Ton wurde nicht nachbearbeitet, sodass ständig das Klappern der Kamera zu hören ist, wenn Kim Ki Duk diese bewegt.

Doch eine solche Originalität sucht man in „Moebius“ vergeblich. In der Tat scheint es sogar so zu sein, dass sich Kim von dem überaus kontroversen Film „Visitor Q“ (2001) des japanischen Kultregisseurs Takeshi Miike hat beeinflussen lassen. Auch dort spielen die Themen Inzest und andere außergewöhnliche Befriedigungsarten eine wesentliche Rolle, wobei Miike noch einen Schritt weiter geht, indem er Nekrophilie  mit aufnimmt. Während „Visitor Q“ mehrfach Preise erhielt, ging Kim Ki Duk mit „Moebius“ bisher leer aus.

In all seinen Filmen durchleuchtet Kim die moderne koreanische Gesellschaft. Er zeigt ein Bild aus Gewalt, Perversion und Egoismus. Seine Werke sind von unterschiedlicher Stärke (und es wäre schlimm, wenn ein Regisseur stets gleichwertige Filme schaffen würde). „Moebius“ gehört hier eher zu den schwachen Arbeiten des Meisters, der so gerne die koreanische Filmindustrie kritisiert und manchmal aus Protest Preisverleihungen fern bleibt.

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room 237Nicht vielen Filmen kommt eine wesentliche Bedeutung zu. Und sehr selten verhalten sich die Zuschauer so, dass sie in einem Film kryptische Botschaften vermuten. Zu einer solchen Produktion zählt Stanley Kubricks „Shining“. Die Diskussion kreist nicht nur darum, ob es sich bei diesem Film überhaupt um einen Horrorfilm handelt. Manche Zuschauer sind von diesem Film geradezu besessen. Sie vermuten darin mehr als nur einen Film.

Rodney Ascher hat sich auf die Suche nach dieser Gruppe von Zuschauern gemacht, die in Kubricks „Shining“ mehr als nur eine Filmproduktion sehen. Sie wittern dahinter geheime Botschaften, Verschwörungstheorien und abstruse Realitäten. Ascher zeigt seine Interviewpartner nicht. Er versucht, sich filmisch ihrem Geist, ihren Vorstellungen und Wahnvorstellungen anzunähern. Das Ergebnis ist ein Dokumentarfilm der vollkommen anderen Art. Im Grunde genommen sollte man alles vergessen, was man bisher über Dokumentarfilme gedacht und gewusst hat. Ascher präsentiert ein Werk, das den Zuschauer in eine gewisse Form von Wahnsinn zieht. Es ist eine völlige Hingabe an den Film.

Ascher veranschaulicht die „Entdeckungen“ der Kubrick- und „Shining“-Experten an Originalszenen des Films. Doch dabei bleibt es nicht. Um manche Behauptungen nachvollziehen zu können, werden Szenen in Einzelbilder aufgegliedert, werden Szenenhintergründe vergrößert und mit anderen Filmen Kubricks verglichen. Und auch hier bleibt Ascher nicht stehen. Von Anfang an visualisiert er Gedanken, Gefühle und Ereignisse mithilfe anderer Filmszenen. Dies macht „Room 237“ zu einem echten Trip und verleiht ihm zugleich einen originellen Humor, indem Ascher auf seine Weise die bizarren und skurrilen Theorien seiner Interviewpartner kommentiert.

„Room 237“ ist Film durch Film. Er lässt quasi keine andere Realität mehr zu als die des Kinos. Das macht Aschers mehrfach nominierte Produktion überaus faszinierend und sehenswert.

Room 237, Regie u. Produktion: Rodney Ascher, Interviewpartner: Bill Blakemore, Geoffrey Cocks, Juli Kearns, John Fell Ryan, Jay Weidner, USA 2012, Laufzeit: 99 Min.

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paradies der kleinen dinge

Der berühmte Schriftsteller Nathaniel Hawthorne (Der scharlachrote Buchstabe, Das Haus mit den sieben Giebeln) lebte kurz nach seiner Hochzeit in einem alten Pfarrhaus. Trotz der gewünschten Abgeschiedenheit kam keineswegs so etwas wie Langeweile auf. In unmittelbarer Nähe wohnten Henry David Thoreau und Ralf Waldo Emerson, die regelmäßig zu ihren Gästen gehörten. Aus welchem Grund das Ehepaar Hawthorne begann, ein geimeinsames Tagebuch zu führen, ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass Sophia nach dem Tod ihres Mannes mehrere Seiten des Tagebuches herausriß und andere Stellen unleserlich machte. Möglicherweise handelte es sich dabei um zu private Abschnitte, welche Sophia für sich behalten wollte.

220px-Nathaniel_Hawthorne Sophia_Peabody_HawthorneDennoch ist das Tagebuch so etwas wie eine Sensation. Der Leser erhält nicht nur Einblicke in das private Leben des bekannten Autors, sondern zugleich in die damalige Lebenswelt. Die wunderbare Sprache, in der das Tagebuch geführt wurde, ist zudem ein wahrer Genuss. Nathaniel und Sophia Hawthornes Beschreibungen ihrer Unternehmungen, ihrer Eindrücke und Beobachtungen sind äußerst lebendig. Ein weiterer Reiz, den dieses Tagebuch ausmacht, ist die Beschreibung der innigen Liebe zwischen Nathaniel und Sophia, die sich zunächst heimlich verlobt hatten. Rührend, humorvoll und sinnlich zugleich sind die literarischen Liebkosungen der beiden.

Das Leben in dem Pfarrhaus war jedoch nicht nur ein Paradies. Beide plagten Geldsorgen. Hawthorne war noch weit davon entfernt, als freier Schriftsteller leben zu können. Trotzdem ließen sich beide von ihren Sorgen nicht überrennen, sondern genossen jeden Augenblick ihres Lebens. Daraus resultierte eine beschwingte Heiterkeit und Leichtigkeit, die zeigt, dass das Glück vor allem in den kleinen Momenten zu finden ist.

Das Tagebuch von Nathaniel und Sophia Hawthorne liegt nun zum ersten Mal in deutscher Sprache vor. Die vorzügliche Übersetzung stammte von Alexander Pechmann, der auch ein ausführliches Nachwort dazu schrieb, in dem auf die Entstehungsgeschichte des Tagebuchs eingegangen wird. Das Vorwort stammte von Peter Handke. Alles in allem ist „Das Paradies der kleinen Dinge“ ein äußerst unterhaltsames Lesevergnügen.

Sophia & Nathaniel Hawthorne: Das Paradies der kleinen Dinge. Ein gemeinsames Tagebuch. Herausgegeben, übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Alexander Pechmann. Mit einem Vorwort von Peter Handke. Verlag Jung und Jung 2014, 200 Seiten, 19,90€.

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berberian sound studioDer Schauspieler Toby Jones ist normalerweise nur in Nebenrollen zu sehen (zuletzt u. a. in „Captain America“). In dem Film „Berberian Sound Studio“ des britischen Regisseurs Peter Strickland darf er nun sein Können als Hauptdarsteller beweisen.

„Berberian Sound Studio“ spielt Mitte der 70er Jahre. Der britische Toningenieur Gilderoy kommt nach Italien, um in einem Tonstudio den Sound für den neuesten Santini-Film zu konzipieren. Was der schüchterne Naturfilmer nicht ahnt, ist, dass es sich bei diesem Film um einen Horrorfilm handelt. Die schmuddelige Atmosphäre des Studios, die exzentrischen Mitarbeiter und nicht zuletzt der Film, für den er passende Geräusche kreieren soll, bringen ihn zunehmend aus dem psychischen Gleichgewicht.

Wenn man den Film mit nur einem Wort beurteilen möchte, dann würde man nur eines schreiben: genial! Peter Strickland gelingt es, Beklemmung, unterschwelligen Humor und den typischen Schmuddeltouch der italienischen Horrorfilme auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Vor allem der letzt genannte Punkt dürfte Fans italienischer Trashfilme erfreuen. Die Geräusche, die angedeutete Handlung sowie die beschriebenen Szenen des Films, den Gilderoy bearbeiten soll, entsprechen eins zu eins den Konzepten der damaligen Produktionen. Hinzu kommen jede Menge Anspielungen auf die großartige Ära des italienischen Horrorfilms. Der schwarze Handschuh fehlt hier ebenso wenig wie die typische Musik.

Für Gilderoy, der mit solchen Filmen bisher nichts zu tun hatte, wird die Arbeit zu einer zunehmenden psychischen Belastung. Zum einen erträgt er die Bilder nicht, zum anderen ist ihm die ganze Umgebung nicht geheuer. Sein Engagement wird zu einem kafkaesken Alptraum. Das Besondere an „Berberian Sound Studio“ ist, dass Strickland das Thema des Films vollkommen auskostet. Wie der Titel schon sagt, geht es um Ton. Aus diesem Grund ist auch der Film, den Gilderoy einen bestimmten Sound geben soll, nicht zu sehen. Der Zuschauer erfährt Informationen darüber nur in den Dialogen zwischen dem Toningenieur und den übrigen Mitarbeitern. Der Rest ergibt sich aus den Geräuschen, den Schreien und der Musik. Dies verstärkt die beklemmende Atmosphäre, die den gesamten Film über aufrechterhalten wird, und sorgt für zum Teil großartigen Nervenkitzel. Das macht „Berberian Sound Studio“ zu einem hervorragenden Thriller.

Berberian Sound Studio, Regie u. Drehbuch: Peter Strickland, Produktion: Mary Burke, Darsteller: Toby Jones, Tomia Sotiropoulou, Antonio Mancino, Guido Adorni, Cosimo Fusco, England/Deutschland 2011, Laufzeit: 89 Min.

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lovecraftH. P. Lovecraft, der die phantastische Literatur wie kaum ein anderer Autor beeinflusste, verfasste 1925 einen Essay, der sich mit der Geschichte der unheimlichen Literatur beschäftigte. 1927 wurde der Essay in dem Magazin The Recluse veröffentlicht, einer Zeitschrift, die von einem Kreis Amateurjournalisten herausgegeben wurde, zu denen sich auch Lovecraft zählte. Nach der Erstveröffentlichung arbeitete Lovecraft den Essay mehrmals um. So erschien zwischen den Jahren 1933-1935 der Text als Serie in dem Magazin Fantasy Fan.

Bis heute zählt seine historische Aufarbeitung der unheimlichen Literatur zu den besten Werken, die es zu diesem Thema gibt. Angefangen von der Antike bis hinein in die 30er Jahre reicht sein Überblick über die Merkmale und Werke der unterschiedlichen Formen der Schauerliteratur. Es ist dabei erstaunlich, was für ein Fachwissen Lovecraft dabei an den Tag legte. So beginnt sein Essay mit den Frühformen der Horrorgeschichte, die sich z. T. in antiken Dramen wiederfinden. Daraufhin setzt er sich mit der Schauerliteraur, d.h. den Gothic Novels auseinander und bespricht in einem weiteren Kapitel die „Erben der Schauerliteratur“. In den folgenden Kapiteln teilt er die Historie der Horrorliteratur geographisch auf. So bespricht er die Entwicklung der Schauerliteratur in Frankreich und Deutschland gesondert von der Entwicklung der Horrorliteratur in Amerika. Ein weiteres Kapitel setzt sich mit englischen Gespenstergeschichten auseinander.

Lovecraft verfasste sein Essay in einem flüssigen, geradezu spannenden Stil. Im gelang es, die Themen und Handlungen der einzelnen Romane auf den Punkt zu bringen und Verbindungen zu anderen Werken herzustellen. Ein weiteres wesentliches Merkmal des Essays ist, dass Lovecraft bei seiner Abhandlung keineswegs neutral bleibt, sondern es sich nicht nehmen lässt, die Leistung eines jeden Autors zu würdigen bzw. auch zu kritisieren. Dies macht dieses Werk unglaublich lebendig und sympathisch. In einem angenehm netten Plauderton erfährt der Leser so ziemlich alles, was es über die Geschichte der Horrorliteratur zu wissen gibt.

Lovecraft1934

Lovecraft 1934

Lovecrafts Essay wurde bereits mehrmals ins Deutsche übersetzt. Die aktuellste Übertragung stammte von dem bekannten Übersetzer Alexander Pechmann und ist im Golkonda Verlag erschienen. Neben einer ausführlichen Einleitung S. T. Joshis, die sich mit der Entstehungsgeschichte des Essays beschäftigt, enthält der Text Lovecrafts Fußnoten sowie zusätzliche Anmerkungen Joshis, die wiederum durch hilfreiche Anmerkungen des Übersetzers ergänzt werden. Lovecraft-Leser und Fans erhalten somit eine kritische Ausgabe des Textes, wie es sie bisher noch nicht auf Deutsch gegeben hat. Eine ausführliche Bibilographie der besprochenen Werke runden den Text ab. Das Besondere dieser Auflistung, die von S. T. Joshi und Robert N. Bloch erstellt wurde, liegt darin, dass sie auf deutsche Ausgaben der Bücher sowie auf Sekundärliteratur zu den jeweiligen Autoren verweist. Zugleich wurden die Bücher gekennzeichnet, die Lovecraft in seiner Bibliothek besaß. Kurz: mehr Mühe kann man für eine solche Ausgabe nicht aufwenden. Die Neuübersetzung des berühmten Essays von H. P. Lovecraft wird dadurch nicht nur zu einem wunderbaren und lehrreichen Lesevergnügen, sondern zugleich zu einem biographischen Dokument des Meisters des übernatürlichen Grauens.

H. P. Lovecraft Das übernatürliche Grauen in der Literatur. Übersetzt von Alexander Pechmann. Golkonda Verlag 2014, 241 Seiten, 16,90€. ISBN: 978-3-944720-21-0

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Seit 2013 tut sich etwas im Hollywood- und dem europäischen Kino. Für Mainstream-Seher scheinen koreanische Regisseure und Schauspieler quasi wie aus dem Nichts auf der internationalen Kinobühne zu erscheinen. Das kommt jedoch nicht von ungefähr. Seit Jahren beweist das südkoreanische Kino, dass es den Produktionen Hollywoods nicht nur gleichwertig, sondern in Sachen Story und Anspruch weit überlegen ist. Seit ca. 2010 deutlich erkennbar, entwickelte sich ein südkoreanischer Film Noir, parallel dazu ein südkoreanisches Cinema du Look.

Es scheint so, als hätten koreanische Filmemacher die Lehrbücher für Regisseure auf ihre eigenen Bedingungen umgeschrieben. Das Ergebnis ist eine Reihe hochgradiger Produktionen, die international Aufsehen erregen und speziell in Südkorea Hollywood den Umsatz vermiesen. 60% aller 2013 in Südkorea gezeigten Filme waren einheimische Produktionen. Hollywood und europäische Filme mussten sich mit den restlichen 40% begnügen.

Dass südkoreanische Regisseure wahre Könner sind, haben nun auch die Produzenten Hollywoods erkannt. 2013 verpflichtete man dort gleich zwei koreanische Regisseure. Zum einen Park Chan Wook für den Thriller „Stoker“, zum anderen Kim Jee Woon für den Actionfilm „Last Stand“, in dem Arnold Schwarzenegger die Hauptrolle spielte.

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„Stoker“ (2013). Regie führte der Koreaner Park Chan Wook.

„Stoker“ wurde von den Brüdern Ridley und Tony Scott produziert. Der Film orientiert sich stark an den Werken Hitchcocks, Drehbuchautor Wentworth Miller bestätigte diesen Einfluss in einem Interview. Es geht um einen geheimnisvollen Onkel, der das Leben einer Familie in einen Albtraum verwandelt. Trotz guter Kritiken, spielte „Stoker“ nicht ganz seine Produktionskosten ein. Dies führte in den koreanischen Medien zur Befürchtung, dass auch Bong Joon-Hos Film „Snowpiercer“ die Kosten nicht einspielen würde. Sogar in den Hauptnachrichten wurde über dieses Thema berichtet.

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„Snowpiercer“ (2013). Eine Comic-Adaption des koreanischen Regisseurs Bong Joon-Ho

Koreas Sorge jedoch erwies sich als grundlos. „Snowpiercer“ hat schon jetzt das Doppelte seiner Kosten wieder eingespielt. Die französisch-koreanische Co-Produktion erhielt nicht nur ausnahmslos positive Kritiken, sondern gilt schon jetzt als einer der intelligentesten und anspruchsvollsten SF-Filme, die je gedreht wurden.

Speziell das Wort Anspruch bereitet Hollywoodproduzenten Kopfschmerzen. Da sie das Publikum für blöde halten, gilt die Regel, Filme einfach und eben ohne Anspruch zu gestalten. Die Konsequenz: eine Flut völlig oberflächlicher Action- und Superheldenfilme. Auf jeden Fall forderte Bob Weinstein, der für „Snowpiercer“ den Vertrieb für die USA übernahm, eine Kürzung von mehr als 20 Minuten. Bong Joon-Ho weigerte sich, diese Cuts durchzuführen, was zur Folge hatte, dass Weinstein den Film nur in Programmkinos laufen ließ.

Neben koreanischen Regisseuren, treten nun auch nach und nach koreanische Schauspieler ins internationale Rampenlicht. In „Snowpiercer“ traten Song Kang Ho und Go Ah Sung auf. Song dürfte Horrorfans vor allem durch den koreanischen Film „Thirst“ bekannt sein. Die Schauspielern Go Ah Sung wurde durch den Monsterfilm „The Host“ bekannt.

Inzwischen hat auch Koreas berühmtester Schauspieler Choi Min Sik die internationale Bühne betreten. Der durch Filme wie „Old Boy“ und „I saw the Devil“ auch außerhalb Südkoreas bekannt gewordene Schauspieler, übernahm in Luc Bessons neuestem Film „Lucy“, der sich noch in der Post-Produktionsphase befindet, die Rolle des Bösewichts.

Mit Sicherheit werden dies nicht die einzigen Ausflüge koreanischer Filmemacher und Schauspieler nach Hollywood bzw. nach Europa gewesen sein. Viel eher dürfte man in dieser Hinsicht von einem gelungenen Anfang sprechen.

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