Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘FuBs Double Feature’ Category

Die Goldenen Zwanziger waren geprägt von einem weltweiten Wirtschaftsaufschwung, der sich auch im Filmschaffen bemerkbar machte. Die Anzahl der großen Lichtspielhäuser stieg rasant an. In Europa war hierbei Deutschland das Land mit den meisten Kinos. In den 20ern wurden zudem die meisten der heute als Klassiker bezeichneten Stummfilme produziert. Ob es sich dabei um „Panzerkreuzer Potemkin “ (1925) von Sergei Eisenstein, um „Metropolis“ (1927) von Fritz Lang oder um „Ben Hur“ (1925) von Fred Niblo handelt – allen Filmen ist gemeinsam, dass sie bis heute das Filmschaffen beeinflussen und auch immer wieder zitiert werden.

1925 wurde mit „Ben Hur“ einer der teuersten Stummfilme gedreht. Die Kosten betrugen insgesamt fast vier Millionen Dollar, was für die damalige Zeit eine regelrechte Unsumme darstellte. Trotz des enormen Erfolges konnte der 143 minütige Film damals die Kosten nicht einspielen. Dies gelang erst 1930, als der Film erneut in die Kinos gebracht wurde.

Optik und Montage des Wagenrennens dienen bis heute als Vorbild für so ziemlich alle späteren Actionszenen (Copyright: MGM)

Grund für die enormen Ausgaben waren Streitigkeiten zwischen Regisseuren und Produzenten, was dazu führte, dass die Dreharbeiten in die Länge gezogen  und vier Regisseure nach einander gefeuert wurden, bis schließlich Fred Niblo den Film fertig stellte. Die Dreharbeiten begannen 1923 in Italien, wurden jedoch später zurück in die MGM-Studios nach Kalifornien verlagert.

Bis heute gilt das Wagenrennen als eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte. Bei den Aufnahmen soll es mehrere Verletzte und sogar einen Toten gegeben haben. Nicht weniger berühmt ist das Remake von 1959, in dem Charlton Heston Ben Hur spielte. Das Remake von 2016 allerdings floppte auf ganzer Linie.

1925 wurde auch einer der bekanntesten Horrorfilme gedreht. Nachdem Carl Laemmle, der Gründer von Universal Pictures, Gaston Lerouxs Roman „Das Phantom der Oper“ gelesen hatte, erwarb er sofort die Rechte. Als Phantom wurde der damalige Horrorfilmstar Lon Chaney engagiert, dessen selbst entworfene Maske des Phantoms längst zum Bestandteil der Popkultur geworden ist.

Die spezielle Mischung aus Horror, Drama und Liebesfilm fiel allerdings zunächst beim Testpublikum durch. Der Film wirkte zu düster und zu unheimlich. Daher ließ Laemmle den Film umschreiben und fast komplett neu drehen. Nur wenige Szenen des Originals wurden übernommen. Doch dieses Mal, man legte nun mehr Wert auf Humor und Action, war dem Testpublikum der Film zu albern. Erst die dritte Fassung, in der ein Ausgleich zwischen unheimlich-düsteren Szenen und romantischen Aspekten geschaffen wurde, gefiel. Der Schockeffekt, in dem das entstellte Gesicht des Phantoms völlig unerwartet das ganze Bild ausfüllt, hat bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren.

Lon Chaneys Darstellung des Phantoms ist heute Bestandteil der Popkultur (Copyright: Universal)

Bis heute gehört Gaston Lerouxs „Das Phantom der Oper“ zu den am meisten verfilmten Romanen – neben Bram Stokers „Dracula“ und Mary Shelleys „Frankenstein“. Neben den Filmen, die sich an die Vorlage halten, ist Brian de Palmers psychedelische Rockoper „Phantom of the Paradise“ (1974) eine der originellsten Umsetzungen, in der de Palmer auch andere Klassiker des Schauerromans einarbeitete. Allerdings wagte sich keine der späteren Produktionen mehr daran, das Phantom so unheimlich aussehen zu lassen wie in Laemmles Stummfilm. Was schade ist, denn Lon Chaneys Maske kommt der Beschreibung in Lerouxs Roman am nächsten.

Ihr wollt noch mehr Double Feature? Hier der Link zu den beiden vorangegangenen Beiträgen 1900 – 1910 und 1910 – 1920: FuBs Double Feature.

Read Full Post »

Trotz des Ersten Weltkriegs ließ sich der Siegeszug des Films in keiner Weise aufhalten. In den unterschiedlichsten Ländern entwickelten sich Filmstätten. Großartige Lichtspieltheater wurden errichtet. Die Spielfilmlänge betrug bis zu einer Stunde. Das Phänomen des Filmstars trat in diesem Zeitraum zum ersten Mal auf.

1918 kam die erste Verfilmung von Edgar Rice Burroughs „Tarzan“ in die Lichtspielhäuser. Der Titel lautete „Tarzan bei den Affen“ und lief mit großem Erfolg. Er gilt als einer der ersten Stummfilme, der über eine Millionen Dollar einbrachte. Die Rolle des ersten Tarzan der Filmgeschichte hatte Elmo Lincoln inne, der mit bürgerlichem Namen Otto Elmo Linkenhelt hieß. Seine Größe und sein muskulöser Körper machten ihn wie geschaffen für diese Rolle.

Elmo Lincoln als Tarzan

In dem Film geht es darum, dass Lord und Lady Graystoke nach Afrika geschickt werden, um dort gegen den Sklavenhandel vorzugehen. Doch nach einer Meuterei auf dem Schiff, werden beide an einer einsamen Küste des Kontinents ausgesetzt. Die Frau stirbt kurz nach der Geburt ihres Kindes, der Mann wird von Affen getötet, als diese seine Hütte stürmen. Der Junge, der sich später selbst Tarzan nennt, wird von den Affen groß gezogen. Als Verwandte der Greystokes erfahren, dass Lord und Lady Greystoke einen Sohn hatten, der noch immer im Dschungel Afrikas lebt, bricht eine Expedition auf, um den rechtmäßigen Erben des Familienvermögens zu finden.

„Tarzan bei den Affen“ ist ein noch immer sehenswerter Abenteuerfilm, der interessante Naturaufnahmen mit einer spannenden Handlung verbindet. Bei den Affen handelt es sich zum Teil um Darsteller in Affenkostümen, zum Teil um richtige Affen. Erst gegen Ende, wenn Tarzan sich in Jane verliebt, verliert der Film an Tempo und wirkt stellenweise langatmig. Gedreht wurde „Tarzan bei den Affen“ teilweise in diversen Filmstudios, teilweise aber auch im brasilianischen Dschungel. Nicht anders als heute führte der Erfolg zu einem Sequel mit dem Titel „The Romance of Tarzan“, doch fiel der Film beim Publikum aufgrund seiner lieblosen Produktion durch. Elmo Lincoln spielte noch in weiteren Tarzanfilmen mit, bevor Johnny Weissmüller die Ehre zukam, die Rolle zu übernehmen.

1920 wurde in Deutschland ein Film produziert, der so ziemlich alle späteren Horrorfilme und Thriller beeinflussen sollte. Es handelt sich um „Das Cabinett des Dr. Caligari“, dem wohl besten Beispiel für expressionistische Filmkunst. Für Conrad Veidt, der davor bereits in mehreren Stummfilmen mitgwirkt hatte, bedeutete die Rolle des Schlafwandlers Cesare den internationalen Durchbruch.

Der Film teilt sich auf in eine Rahmenhandlung und den Schilderungen, die durch die Rahmenhandlung angestoßen werden. So beginnt Robert Wienes Meisterwerk mit zwei Männern, die auf einer Parkbank sitzen und miteinander reden. Dabei kommt einer der beiden auf merkwürdige Ereignisse zu sprechen, die sich in einer kleinen Stadt zugetragen haben sollen. Der Hauptteil handelt von Dr. Caligari, der den Schlafwandler Cesare auf eine Weise beeinflusst, dass dieser in seinem Auftrag unheimliche Morde begeht.

Conrad Veidt als Cesare

„Das Cabinett des Dr. Caligari“ ist nicht nur wegen seiner surrealen Kulissen immer wieder sehenswert. Die Handlung an sich ist sehr dicht und spannend erzählt, die unheimlichen Momente haben bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren. Besonders ist hierbei natürlich Conrad Veidt hervorzuheben, der der Figur des Schlafwandlers diese besondere, bis heute eine Gänsehaut hervorrufende Aura verleiht.

Robert Wiene und Conrad Veidt arbeiteten vier Jahre darauf nochmals für den Film „Orlacs Hände“ zusammen. Danach ging Veidt nach England, wo er aufgrund seiner bisherigen Rollen weiterhin als Bösewicht oder zumindest als zwielichtige Figur engagiert wurde. Seine bekannteste Rolle dürfte sicherlich die des bösen Zauberers in Alexander Kordas Klassiker „Der Dieb von Bagdad“ sein. Robert Wiene drehte insgesamt 90 Spielfilme, von denen heute jedoch nur mehr 20 vorhanden sind. Ein Glück, dass sich darunter auch „Das Cabinett“ befindet.

 

Read Full Post »

FuBs Double Feature lautet der Titel unserer Jubiläumsreihe zum fünfjährigen Geburtstag von FILM und BUCH. In dieser Reihe wollen wir jeweils zwei Filme aus einem Jahrzehnt vorstellen. Die Auswahl ist dabei rein subjektiv und orientiert sich nicht an filmhistorischem Einfluss, obwohl manche der Filme nicht ohne Einfluss auf spätere Produktionen gewesen sind. Die Spannbreite reicht dabei von den 1900ern bis zu den ersten zehn Jahren nach der Jahrtausendwende. Vor uns liegt also eine lange Reise. Und wir wünschen euch viel Spaß dabei.

Beginnen wollen wir mit dem Zeitraum 1900 bis 1910. Film als Medium ist gerade mal ein paar Jahre alt, da hat sich daraus bereits eine wachsende Industrie entwickelt, in der es nur um eines ging: Gewinnmaximierung. Es kam zu diversen Rechtsstreitigkeiten, da Filmideen munter kopiert und geklaut wurden. Kunsthistoriker stritten darüber, ob Film eine Kunstform sei oder nicht. Die französischen Intellektuellen hatten eine schnelle Antwort parat: Filmeschaffen in den USA bedeutet Fließbandproduktion, Filmeschaffen in Frankreich bedeutet das Erschaffen von Kunst. An dieser Einstellung sollte sich lange Zeit nichts ändern.

Das Haus wird lebendig. „The haunted House“ (1908)

1908 wurde in Frankreich ein wunderbarer Horrorfilm produziert. Eigentlich wurden in jener Zeit sehr viele Horrorfilme und sogar recht intensive Thriller gedreht, die meisten jedoch sind verschollen oder schlicht und ergreifend in Vergessenheit geraten. The haunted House ist eine furiose Mischung aus Horror und Komödie, in der eine Wandergruppe in ein Unwetter gerät. Sie suchen Unterschlupf in einem verlassenen Haus, doch schnell stellt sich heraus, dass es dort nicht mit rechten Dingen zu geht.

Der Dämon, der in dem Haus umgeht, zeigt sich. „The haunted House“ (1908)

Tricktechnisch gesehen lieferte der Film ein Sammelsurium der damaligen Möglichkeiten ab, was die Gruselkomödie auch heute noch zu einem wundervollen Gruselspaß macht. Die leichte Handlung verbindet sich mit viel Witz und Action. Eine der bekanntesten Szenen des Films ist diejenige, in der die Besucher des Hauses regelrecht durchgeschüttelt werden, wobei eine Theaterbühne, auf der die Kulissen errichtet worden waren, heftig hin und her bewegt wurde. Eine weitere Szene zeigt eine Außenansicht des Hauses, während das Gewitter tobt, als sich plötzlich die Fassade des Gebäudes in ein Gesicht verwandelt.

Der Film dauert gerade einmal sechs Minuten, doch besitzt er so viel Situationskomik und geniale Spezialeffekte, dass diese für einen heutigen Spielfilm ausreichen würden. Regie führte der damals bekannte Tricktechniker Segundo de Chomón, der aus Spanien nach Frankreich gezogen war und zusammen mit George Méliès mehrere Filme herstellte.

Eine der ersten Darstellungen von Frankensteins Monster; „Frankenstein“ (1910)

1910 erblickte in den USA eine der ersten filmischen Adaptionen von Frankenstein das Licht der Welt. Regie führte James Searle Dawley, der auch das Drehbuch verfasste. Das Monster spielte der damals bekannte Broadway-Schauspieler James Ogle. Lange Zeit galt der 13-minütige Film als verschollen. Erst in den 70er Jahren tauchte eine Kopie auf, die ein Sammler erstanden hatte. Damals war der Film ein großer Erfolg. Das Monster sieht auch heute noch durchaus gruselig aus. Angeblich soll Ogle selbst die Maske entworfen haben. Die verzerrten Gesichtszüge mit dem wirren Blick haben es in sich und verleihen dem Ungeheuer eine gewisse dramatische Tiefe. Es scheint von seiner eigenen Existenz geradezu erschrocken zu sein.

Nicht weniger erschrocken ist Dr. Frankenstein, der von dem Monster verfolgt wird. Dabei verliebt sich die Kreatur, die Frankenstein erschaffen hat, in Frankensteins Verlobte. Im Finale kommt es zum Kampf zwischen Monster und seinem Erschaffer. – Frankenstein aus dem Jahr 1910 ist spannend und kurzweilig in Szene gesetzt und liefert so etwas wie eine Kurzfassung von Mary Shelleys Roman. Bereits hier wurde das Monster nicht als einfach nur böse definiert, sondern die Tragik der Handlung erkannt und sehr schön umgesetzt.

Read Full Post »