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Archive for Juni 2014

Koreanische Rapmusik ist, was Anspruch und Ästhetik anbelangt, in den obersten Rängen zu finden. Sie stellt eine besondere Form des Geschichtenerzählens dar, in der sich Herzschmerz, Sozialkritik, Ironie und Selbstironie zu einem besonderen Ganzen vermengen. Innerhalb dieser Konstellation ragt zurzeit vor allem der Musiker San E heraus, der seine Songs sowohl selbst komponiert als auch die Texte dazu schreibt.

Bereits vor seiner Karriere im Musikgeschäft machte er auf diversen Wettbewerben auf sich aufmerksam, was ihm schließlich einen Vertrag bei JYP, einer der drei einflussreichsten koreanischen Musikkonzerne, einbrachte. Mitte 2013 wechselte er zu Brand New Music, einer Tochterfirma der LEON-Gesellschaft. Erst hier schien sich seine Kreativität frei zu entfalten. Seine selbstironischen Texte aus der JYP-Zeit wandelten sich in interessante, leicht melancholische Liebesgeschichten, die ganz ohne Kitsch auskommen.

Der Erfolg seiner Songs ist sicherlich auch viel den dazu gehörenden Videoclips zu verdanken. Die Videos aus der JYP-Zeit sind recht einfach und strikt. Ab 2013, also nach seinem Wechsel zu Brand New Music, werden die Clips komplex. Sie besitzen mehrere Erzählebenen, weisen einen vorbildlichen Spannungsbogen auf und ziehen dadurch den Zuschauer in ihren Bann.

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Szene aus dem Clip „Where did you sleep last Night“.

In dem Clip „Where did you sleep last Night?“ geht es um einen Mann, der versucht, aus seiner Freundin herauszubekommen, wo sie die vergangene Nacht zugebracht hat. Diese Befragung verläuft im Clip auf drei Ebenen. Zum einen ist es San E selbst, der in Form einer Fantasiefigur eine Frau in seiner Wohnung ausfragt, während er ihre Antworten auf eine Schreibmaschine tippt. In der zweiten Ebene untersucht ein Kommissar San Es Wohnung, um Hinweise darüber aufzuspüren, was in der vergangenen Nacht geschehen ist. Dabei kommt es zu einem Verhör von San Es Freundin in der Polizeistation. Schließlich, auf der dritten Ebene, erscheint eine Gruppe Gangster in San Es Wohnung, welche die Befragung auf ihre Weise weiterführen. Die Befragung der Freundin findet dementsprechend in einer leeren Lagerhalle statt. Alle drei Erzählebenen zeigen die unterschiedlichen Vorstellungen, die der Erzähler von seiner Freundin hat. Zum einen ist da seine Erinnerung an sie, welche sie als liebevoll charaktersieren. In der zweiten Ebene wird sie zur Verbrecherin und in der dritten zum Luder. Alle drei vermengen sich, um zum Schluss zu zeigen, dass gar nichts geschehen ist.

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Das Split-Screen-Verfahren in „Midsummernight Sweetness“ zeigt zwei parallel zueinander verlaufende Lebensweisen.

„A Midsummernight Sweetness“ arbeitet wie auch „Where did you sleep last Night“ und „Brake up Dinner“ mit Split Screen-Verfahren. Dies scheint schon fast ein Markenzeichen der Videos von San E zu sein. In dem erst genannten Clip wird eine sehr zarte Liebesgeschichte erzählt, in der es um einen Mann geht, der eine Frau bei einem Vorstellungesgespräch kennenlernt und sich später mit ihr trifft. Die Geschichte ist einfach, aber visuell aufgrund der Anwendung des Verfahrens komplex umgesetzt. Das Leben zweier Menschen wird praktisch parallel zueinender erzählt. Die Parallelität löst sich auf, um zum Schluss erneut diese Form anzunehmen. Das Ende bleibt dadurch offen. Der Clip weist zugleich auf den Alltag von jungen Uni-Abgängern hin, der zwischen „Zuviel Arbeit“ und der Schwierigkeit, Arbeit zu finden, pendelt. Man könnte in dem Clip fast schon einen Hang zum Neorealismus sehen.

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Split-Screen als „Markenzeichen“ der Clips von San E.

In dem Clip zu „Brake up Dinner“ wird eine Geschichte a la „Ghost“ erzählt. Ein Mann möchte sich mit seiner Freundin zum Dinner verabreden. Doch auf dem Weg dorthin verunglückt der Mann tödlich. Das Dinner findet dennoch statt. Man muss sich den Clip mehrmals ansehen, um hinter die unterschiedlichen Erzählebenen zu kommen. Zum einen ist da die „Geistergeschichte“. Zum anderen das tatsächlich stattfindende Abendessen. Spätestens beim zweiten Mal wird klar, dass die Frau sich mit einem ganz anderen Mann trifft. Dies wird gegen Ende des Videos offensichtlich, doch bereits während des Clips angedeutet, da die Ärmel des Mannes, die links in den Bildrand hineinragen, nicht zu San Es Kleidung gehören. Diese Szenen sind sehr kurz und gleichen fast nur Andeutungen. In Sachen Optik ist dies sicherlich das bisher beste Video des Rappers.

Es muss also nicht immer gleich kitschig sein, wenn es um Liebesgeschichten geht. San Es Erzählweise und die Narrationen der Clips weisen hierbei eine sehr hohe Kunstfertigkeit auf.

 

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salonierenLiterarische Zirkel waren nicht nur Treffpunkte für Künstler, Poeten und Schriftsteller. In den Salons wurden Kontakte geknüpft, hier trafen politische Gegner aufeinander, um in Ruhe über wesentliche Probleme zu diskutieren, und hier wurde auch manchmal der ein oder andere „arme Poet“ an einen Verlag vermittelt.

Die Kulturhistorikerin Helga Peham hat sich in ihrem neuesten Buch mit den literarischen Salons in Wien beschäftigt. Diese besondere Institution währte 200 Jahre, bevor sie zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zum erliegen kam. Die Salons wurden von reichen Damen geführt, die sich für Literatur und Kunst interessierten. Es waren Philantropinnen, welche die Geselligkeit und intellektuell anspruchsvolle Diskussionen liebten. Ihre Liebe zur Literatur führte zunächst dazu, dass sich die Salons auf literarische Themen beschränkten. Doch nach und nach verselbständigten sich diese Institutionen. Neben Schriftstellern und Kritikern wurden nun auch Komponisten, Künstler und Politiker geladen. Es wurden Schreibwettbewerbe durchgeführt, Leseabende veranstaltet und sogar Theatervorführungen dargeboten. An manchen Abenden gaben Komponisten ihre neuesten Werke zum besten.

Vor allem im 18. Jahrhundert pflegte die Institution des Salons ein sehr modernes Weltbild. Soziale Regelungen waren bei diesen Treffen aufgehoben. Jeder konnte tun und lassen, was er wollte. In ihrem Buch über die Geschichte der Salons in Wien beschäftigt sich die Autorin mit 14 Salonièren. Sie stellt ihre Biographien dar und beschreibt auf sehr lebendige Weise das damalige Treiben in den Salons. Wie nebenher begegnet der Leser dabei „alten Bekannten“ wie z.B. Mozart und Beethoven, die zu den Gästen der Salons im 18. bzw. 19. Jahrhundert zählten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind es u. a. Egon Friedell, Jakob Wassermann, Gustav Klimt und Elias Canetti, um nur wenige der Stammgäste zu nennen.

Nicht selten verliebte sich so mancher Autor in eine Salonière und fand in ihr seine Muse. Helga Peham gelingt es, die Welt dieser Salons vor den Augen des Lesern wieder auferstehen zu lassen. Man fühlt sich mitten drin bei den abendlichen Treffen, Diskussionen und Leseabenden. Die Lebendigkeit der Schilderungen wird durch Zitate aus Tagebüchern und Briefen erhöht, in denen auf bestimmte Situationen eingegangen wird. „Die Salonièren und Salons in Wien“ ist das, was man als ein wirklich gelungenes Buch bezeichnen kann. Das Lesen wird zu einem herrlichen Vergnügen. Auf sehr unterhaltsame Weise unterrichtet die Autorin den Leser über einstige Gepflogenheiten, interessante Biographien und erstaunliche Gästelisten. Ein Buch, das man gerne auch mehrmals liest.

Helga Peham: Die Salonièren und die Salons in Wien. 200 Jahre Geschichte einer besonderen Institution. Styria Verlag 2013/2014, 326 Seiten, 24,99€, ISBN: 978-3-222-13448-7

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lesson of evilNeben Sion Sono, gehört Takashi Miike zu den bekanntesten Horror- und Thrillerregisseuren aus Japan. International bekannt wurde Miike durch den mehrfach ausgezeichneten Horrorfilm „Audition“ (1999), der – neben „Ring“ (1998) – das Genre J-Horror einläutete. Das Besondere an dem Regisseur ist, dass er sich nicht an bestimmte Stile festlegen lässt. Er beherrscht die vollendete Ästhetik (z.B. in „Audition“), ist sich aber auch nicht zu schade, billige Trashfilme zu kreieren (z.B. „Full Metal Yakuza“; 1997). Dann gibt es noch jede Menge Filme, die sich irgendwo zwischen diesen beiden Extremen befinden, wie etwa die Satire „Vistor Q“ (2001). Zudem ist Takashi Miike das, was man schlichtweg als Workoholic bezeichnet. Pro Jahr bringt er es auf zwei bis drei Filme.

Mit „Lesson of the Evil“ kehrt Miike nun nach langen Jahren wieder zurück zum Horrorgenre. Es geht um den Lehrer Hasumi, der bei allen Schülern und Lehrern beliebt ist. Sein Unterricht ist legendär, der Schuldirektor hört auf seine Meinung. Was jedoch niemand weiß: Hasumi ist ein Psychopath. Wo er auftaucht, kommt es zu ungeklärten Todesfällen. Hasumi besitzt jedoch die Fähigkeit, die Morde als Unfälle oder Selbstmorde wirken zu lassen. Als eine Gruppe Schüler beginnt, ihm auf die Spur zu kommen, löst dies eine Katastrophe aus.

Miikes neuer Horrorfilm besteht aus drei Hauptkomponenten: Satire, Zitierfreude und knallhartem Thriller. Er macht sich lustig über das japanische Schulsystem und hinterfragt dabei den eigentlichen Sinn der Lehrmethoden, welche nicht wenige Schüler letztendlich in den Selbstmord treiben. Diese Satire würzt Miike mit diversen Thrillerelementen. Vom klassischen Hitchcock über Brian de Plama bis zu David Cronenberg finden sich zahlreiche Elemente, welche auf die Werke anderer Regisseure verweisen. Drittens macht Miike in der letzten Stunde Halt im 80er Jahre Horrorfilm, indem er die Geschichte herumreißt in eine Blutorgie der absolut radikalsten Art. Ist man als Zuschauer in der ersten Stunde angenehm überrascht über den fast schon charmanten schwarzen Humor und die satirischen Elemente, so bleibt einem in der zweiten Hälfte des Films im wahrsten Sinne des Wortes die Sprache weg. Miike zeigt ein menschliches Monster im Blutrausch in einer (fast) noch nie da gewesenen Weise. Diese Orgie verbindet er mit den kranken Visionen und Halluzinationen Hasumis. Untermalt wird dies mit den Klängen von Frank Sinatras Version von „Jack the Knife“.

Nicht wenige Kritiker fühlten sich anscheinend speziell wegen der zweiten Hälfte geradezu abgestoßen von „Lesson of the Evil“. Nun, der Film verlangt Durchhaltevermögen. Als abstoßend würde ich ihn jedoch nicht bezeichnen. Gerade in dieser zweiten Hälfte beweist Miike erneut seine Stärke als Regisseur. Er schafft albtraumhafte Bilder, welche die absolute Gefühllosigkeit des Täters visualisieren. Kein Actiongeballer wie in US-Filmen, sondern hier wird reiner Schrecken kreiert. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Denn Miike zeigt in dieser Sequenz das Böse in Reinform – ohne schwarzen Humor, ohne Satire. Das macht „Lesson of the Evil“ zu einem guten Horrorfilm und hebt J-Horror auf eine neue Ebene.

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Geschichten über unheimliche Herbergen gibt es seit der Antike. So gesehen reihen sich Filme, deren „Hauptakteur“ ein zwielichtiges Hotel ist, in eine zweitausendjährige Erzähltradition ein. Das „Unheimliche“ an Hotels und Herbergen ergibt sich aus der Tatsache, dass man letztendlich nicht weiß, auf was für ein Abenteuer man sich bei einer Übernachtung einlässt. Schmutzige Zimmer sind keine Seltenheit, ein miserables Frühstück ebenso wenig. Ganz zu schweigen von einem unfreundlichen Personal. Es ist anzunehmen, dass sich manche Leute in der Antike über Missstände dieser Art ebenfalls aufregten.

In der Postmoderne ergibt sich jedoch ein ganz anderer Bezugspunkt. Es geht nicht mehr allein um den Unterschied zwischen Werbung und Tatsache bzw. zwischen Schein und Sein, sondern um die von Georg Simmel in seinem Essay über die Großstadt und das Geistesleben erwähnte Aversion, deren Ursprung in einer durch den Modernisierungsprozess initiierten Entfremdung liegt. Man begibt sich, überträgt man diesen Aspekt auf Hotels und Herbergen, in die Hände von Fremden. In modernen Gesellschaften muss, frei nach Anthony Giddens, das Vertrauen gegenüber Mitmenschen stets neu gebildet werden. Das heißt, Vertrauen in modernen Gesellschaften ist aufgrund von Individualisierungsprozessen und damit einhergehender Entfremdung kein Normalzustand. Vielmehr herrscht ein stets gegenwärtiges Misstrauen. Die Folge davon ist eine latente Angst vor dem Anderen.

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Horror Hotel (auch bekannt unter dem Titel „The City of the Dead“; 1960)

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Horrorfilme machen sich diese Angst zunutze, um daraus Geschichten zu entwickeln, in deren Zentrum der (unheimliche) Fremde steht. Es handelt sich dabei zum großen Teil um Psycho-Thriller oder auch um sog. Torture Porn Movies. Die Angst vor dem Fremden, verbunden mit dem Aspekt der unheimlichen Herberge führte im Laufe der Zeit zu einer Reihe von Filmen, die man – wenn man denn möchte – durchaus innerhalb eines Subgenres zusammenfassen könnte. Interessanterweise aber existiert dafür keines. Die Filme werden unter den Oberkategorien „Psycho“, „Haunted“ oder „Torture Porn“ eingeordnet.

Am bekanntesten unter diesen Produktionen ist sicherlich „Psycho“ von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1960. Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Robert Bloch (übrigens einem Schüler H. P. Lovecrafts). Erst vor kurzem entstand ein Film über die Entstehung von „Psycho“, der auf dem Sachbuch des Filmexperten Stephen Rebello basiert. Viel muss über „Psycho“ nicht gesagt werden, außer dass Hitchcock einer der ersten war, der mithilfe eines neuartigen Storytellings die Zuschauer in Panik versetzte. Die angebliche Hauptfigur stirbt nach dem ersten Drittel des Films.

Interessant ist dieser Aspekt, da Hitchcock diese Idee streng geheim hielt. Anscheinend aber war sie dann doch nicht so geheim. Denn im selben Jahr wies die englische Produktion „Horror Hotel“ dieselbe Strategie auf. In diesem Film, der auch unter dem Titel „City of the Dead“ bekannt ist, geht es um eine Studentin, die in einen kleinen Ort fährt, um dort über das Thema Hexenkult zu recherchieren. Genau diese angebliche Hauptfigur stirbt nach dem ersten Drittel des Films. Der restliche Film handelt davon, dass ihre Schwester versucht, herauszubekommen, was mit ihr geschehen ist. „Horror Hotel“ ist ein sehr spannender Thriller, der bis heute nichts von seinem Reiz verloren hat.

Eatenaliveposter1977 versuchte sich Regisseur Tobe Hooper, der vier Jahre zuvor mit „Texas Chainsaw Massacre“ Filmgeschichte geschrieben hatte, sich erneut an einem Schocker. Das Ergebnis war „Eaten Alive“, einer Horror-Groteske wie sie im Buche steht. Der Film war in Deutschland bis vor wenigen Jahren indiziert. Inzwischen wurde die Indizierung aufgehoben. Es geht darin um den Hotelbesitzer Judd, der zusammen mit seinem Lieblingskrokodil mitten im Sumpf lebt. Sicherlich kein guter Platz für ein Hotel. Doch eines nachts kommen plötzlich mehrere Gäste. Judd, der seine Kunden gerne an sein Krokodil verfüttert, hat plötzlich alle Hände voll zu tun. – Mit Sicherkeit reicht „Eaten Alive“ nicht an Hoopers Debut heran. Der Film ist unglaublich schräg, voller schwarzem Humor und ziemlich überdreht. Man weiß nicht genau, was Hooper eigentlich wollte, dennoch wurde sein Film zu einem Klassiker des Genres. Dies wahrscheinlich deshalb, da sich mehr und mehr Gerüchte über die angebliche drastisch visualiserte Brutalität bildeten. Der Film selbst ist alles andere als drastisch. Vielmehr gleitet „Eaten Alive“ ab ins Surreale und Verstörende. Steven Spielberg machte sich das Image, das Hooper inzwischen genoss, zunutze und engagierte ihn Anfang der 80er Jahre als Regisseur für „Poltergeist“. Böse Zungen behaupten jedoch, dass Hooper diesen Film gar nicht drehte, sondern Spielberg ständig das Sagen hatte. Die Machart des Films bestätigt dieses Gerücht.

In Südkorea nahm man sich des Themas Herberge bereits am Anfang der Korean Hallyu an. 1998 drehte Kim Jee-Woon den Thriller „The Quiet Family“, der eine Art Remake des französischen Klassikers „Die rote Herberge“ (1951) darstellt. 2001 schuf der japanische Regisseur Takeshi Miike ein weiteres Remake mit dem Titel „The Happyness of the Kamakuris“. In Kims Film geht es um die Großfamilie Kang, die auf die Idee kommt, eine Herberge in den Bergen zu errichten. Dummerweise aber liegt diese ziemlich weit ab von sämtlichen Wanderwegen, sodass sich nur wenige Wanderer hierher verirren. Und diejenigen, welche die Herberge besuchen, kommen ums Leben. Kim schuf mit dem Remake eine nette Thriller-Komödie, die gegen Ende hin leider ziemlich an Fahrt verliert, insgesamt aber mit einem überaus schwarzem Humor glänzt. Besetzt mit einem koreanischen Staraufgebot wurde der Film ein großer Erfolg, im Gegensatz zu Miikes Version, die sang- und klanglos unterging.

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The Quiet Family (1998)

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H 6 – Diary of a Serial Killer (2006)

Die spanische Version eines Horror Hotels lieferte 2006 der Film „H 6“. Es geht darin um den Hotelbesitzer Anonio Frau, der nachts Prostituierte entführt, um sie in seinem Hotel zu foltern. Der Grund: er möchte die Menschheit von ihren Sünden befreien. Später brät er seiner Frau aus Stücken seiner Opfer erstklassige Steaks. Der Film basiert auf einen echten Fall, der sich Ende des 19. Jahrhunderts in den USA zugetragen hat. Regisseur Martin Garrido Baron verlegte die Geschichte ins Spanien der Gegenwart. Der Film entstand während der Hochzeit des modernen spanischen Horrorfilms, dessen „Ära“ Anfang 2000 begann. Auch wenn die skizzierte Handlung nach einem „Torture Porn“ aussieht, begeht Baron zum Glück nicht den Fehler, sich an den Merkmalen dieses (auch bei bekannten Horrorregisseuren) umstrittenen Subgenres zu orientieren. Baron zeigt nicht, er deutet an. Er macht aus dem Kriminalfall einen düsteren, sehr ästhetisch angehauchten Thriller. Manche Aufnahmen wirken wie Gemälde. Dies hat einen Grund, ist doch Martin Garrido Baron eigentlich Künstler und lieferte mit „H6“ sein Kino-Debut ab.

Ein Jahr später verschlug es – in filmischer Hinsicht – zwei amerikanische Studenten in die Slovakei, wo sie in einem vermeintlichen Hotel einen wahren Albtraum durchleben. Eli Roth, der zuvor mit „Cabin Fever“ eine hervorragende Satire auf die moderne Gesellschaft ablieferte, trug mit seinem umstrittenen „Hostel“ zum kommerziellen Erfolg des Torture Porn Subgenres bei. Roth teilte in einem Interview mit, dass er sich wundere, wer sich solch krankes Zeug überhaupt ansehe. Sein Film ist nicht ohne Ironie und satirischen Seitenhiebe. Dem slovakischen Tourismusministerium aber war die Produktion ein Dorn im Auge. Das Land befürchtete einen Rückgang bei den Touristenzahlen. Der Film, der von Quentin Tarantino mitproduziert wurde, zählt inzwischen zu den erfolgreichsten Horrorfilmen.

The_Innkeepers_Poster Hostel_poster2012 drehte Ti West den Film „The Innkeepers“. Es geht darin um das „Yankee Pedlar Inn“, das wenige Tage vor seiner Schließung steht. Die beiden Angestellten, die an den letzten beiden Tagen Dienst haben, möchten herausfinden, ob die Spukgerüchte, die sich um dieses Hotel ranken, den Tatsachen entsprechen. West machte aus der Handlung einen wunderbaren, altmodischen Geisterfilm, der leider in Deutschland falsch vermarktet wurde. Der deutsche Vertrieb wollte, dass der Film ein FSK 18 erhält, was viele Zuschauer mit falschen Erwartungen an diesen Film herangehen ließ. West schuf einen sehr witzigen und kurzweiligen Horrorfilm, dessen Ende echte Gänsehaut hervorruft. Das Hotel, so der Produzent Larry Fessenden gegenüber FILM und BUCH, gibt es übrigens wirklich. Während der Dreharbeiten wohnte die Crew gleichzeitig darin.

Die oben genannten Filme führen die speziellen Merkmale der alten Herbergsgeschichten fort. In jeder Version handelt es sich um ein Hotel oder eine Herberge, die ziemlich abseits liegt. Ihre Besitzer sind fast immer psychisch gestört. Wie bereits bemerkt, gibt es für diese Filme bisher kein Subgenre. Die einzige nützliche Bezeichnung wäre „Horror Hotels“.  Doch damit würde man sich nicht wirklich legitimieren können, rückt diese Bezeichnung die Filme doch zu sehr in die Nähe der Spukhausfilme. In diesem Sinne viel Spaß beim nächsten Urlaub.

 

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