FuBs Fundgrube: „Hüter der Finsternis“ von Anthony O’Neill

Es gibt tatsächlich Bücher, die einen ärgern. Und das, obwohl man sie für wenig Geld am Bücherflohmarkt erstanden hat. So erging es jedenfalls mir, als ich den Roman „Der Hüter der Finsternis“ des australischen Autors Anthony O’Neill für gerade mal einen Euro gekauft habe.

Davor hatte ich noch nie etwas über den Autor gehört. Inzwischen weiß ich, dass er vor zwei Jahren einen SF-Roman veröffentlicht hat, sein Debut aber (aus dem Jahr 2003) war der oben genannte Roman, eine Mischung aus historischem Roman und Thriller. So steht es jedenfalls auf dem Klappentext. Die Geschichte spielt Ende des 19. Jahrhunderts in Edinburgh. Eine Reihe brutaler Morde sucht die Stadt heim, die Polizei ist ratlos, Augenzeugen wollen ein Ungeheuer gesehen haben, das nachts durch die Straßen streift. Neben Inspektor Groves machen sich auch der Philosophieprofessor McKnight und sein Freund Canavan auf die Suche nach dem Mörder.

Eine junge Frau namens Evelyn rückt mehr und mehr ins Zentrum der Ermittlungen. Alles schön und gut, doch hapert es in O’Neills Debut an allen Ecken und Enden. Kurz, man fragt sich, wieso der Roman auf diese Weise veröffentlicht und nie überarbeitet wurde, denn Handlungslogik schaut anders aus. Vor allem zum Schluss schustert O’Neill alle möglichen Ideen krampfhaft zu einer einzigen zusammen, was dazu führt, dass der Roman weg vom Thriller hin zum wirren Fantasy-Abenteuer führt. Der Übergang von einem Genre zum anderen hätte durchaus überraschend sein können, doch O’Neill macht dadurch alles noch schlimmer. Denn das, was der Autor dem Leser präsentiert, hat einfach weder Hand von Fuß.

Stutzig wird man bereits bei so manchen Figuren, die mit Tamtam eingeführt werden, nur um sie dann einfach links liegen zu lassen. Unnötige Szenen ziehen manche Kapitel in die Länge, ohne dass sie eine bestimmte Funktion erfüllen, die Hauptfiguren wirken zum großen Teil wenig überzeugend, was sich besonders bei Groves bemerkbar macht. Zum Teil sind die Dialoge einfach nur nervig, da sie die Handlung nicht weiterbringen, sondern dazu führen, dass diese auf der Stelle tritt. Das Resultat: das Finale des Ganzen ist dermaßen dämlich, dass man nur noch den Kopf schüttelt.

Nach dem Lesen habe ich viel über den Roman nachgedacht, eben weil er dermaßen schlecht konzipiert ist. O’Neill schreibt in der Schlussbemerkung, dass ihm vor allem Robert Louis Stevenson beeinflusst habe. Ich persönlich meine, dass sich Anthony O’Neill an den Romanen James P. Blaylocks orientiert hat, der als eines seiner Vorbilder übrigens auch Stevenson nennt und vor allem in den 1990er Jahren mit „Homunculus“ oder „Land der Träume“ großen Erfolg hatte. Der Unterschied zwischen Blaylock und O’Neill ist aber, dass Blaylock hervorragend konzipierte Romane auf den Leser losließ, während O’Neills angebliche Mischung aus historischem Roman und Thriller völlig daneben geht.

Man kann sich also wirklich über Bücher ärgern, selbst dann, wenn man sie für wenig Geld erstanden hat. „Hüter der Finsternis“ ist 2006 im Bastei Lübbe Verlag erschienen und inzwischen nur mehr antiquarisch erhältlich.

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FuBs Fundgrube: Die Weisheit der Knochen

In unserer Reihe FuBs Fundgrube stellen wir Bücher vor, die nur noch antiquarisch zu finden sind.

Es gibt Bücher, bei denen das Cover so abschreckend wirkt, dass man sie eigentlich gar nicht lesen möchte. Doch zeigt sich bei Christopher Hydes Thriller „Die Weisheit des Todes“, der 2009 im Heyne Verlag erschienen ist und inzwischen leider nur mehr antiquarisch zu haben ist, dass man Bücher nicht nach ihrem Cover beurteilen sollte.

„Die Weisheit des Todes“ (Originaltitel: „Wisdom of the Bones“) ist ein unglaublich beeindruckender Thriller, der in Dallas im Jahr 1963 spielt. Präsident Kennedy wird ermordet. Während die Polizei alles daran setzt, den Täter zu finden, geht in der Stadt ein Serienmörder um, zu dessen Opfern ausschließlich schwarze Mädchen zählen. Ray Duval versucht als einziger, den Mörder zu fassen …

Christopher Hyde, von Beruf Journalist, versteht es geradezu meisterhaft, Fakten mit Fiktion zu verbinden. Angeblich basiert der Roman auf einer wahren Begebenheit, doch mehr erfährt man im Nachwort dazu leider nicht. Wichtiger aber ist sowieso der Roman selbst, und der haut einen regelrecht um.

Spannend von der ersten bis zur letzten Seite beschreibt Hyde den verzweifelten Versuch eines Polizeibeamten, der in all der Hektik, die nach der Ermordung Kennedys die ganze Stadt erfasst, einen Mörder sucht, für den sich ansonsten niemand interessiert. Denn farbige Opfer sind den weißen Polizisten so gut wie egal, Rassismus wird groß geschrieben. Ray Duval lässt trotzdem nicht locker und kommt dabei den Kennedy-Ermittlern immer wieder in die Quere.

Äußerst gelungen an dem Roman ist, dass Hyde in den Szenen, in denen Duval in die mit dem Kennedymord verbundenen Ereignisse tappt, zu denen es die bekannten Filmaufnahmen und Fotos gibt, diese minutiös beschreibt, was nicht ohne schwarzen Humor und böser Ironie geschieht. So findet Duval z.B., als Kennedy ins Krankenhaus gebracht wird, mitten auf dem Flur eine Patronenhülse. Doch anstatt diese dem FBI zu übergeben, steckt er sich diese gedankenverloren in die Manteltasche. – In dieser Hinsicht nicht unerwähnt bleiben darf, wie großartig Christopher Hyde recherchiert hat. Bis zum I-Tüpfelchen genau beschreibt der Autor den damaligen Alltag, die Gebrauchsgegenstände sowie die damalige Polizeiarbeit.

„Die Weisheit des Todes“ ist von Anfang bis Ende ein großartiger Roman, eigentlich einer der besten Thriller, die ich jemals gelesen habe. Leider ist da eben dieses überaus dämliche Cover, das den Eindruck vermittelt, als habe der Grafikdesigner nur halbherzig seine Arbeit erledigt. Im Grunde genommen wirkt es wie selbst gebastelt, bestenfalls wie das Cover eines drittklassigen Heftromans. Schade, dass damals der Heyne Verlag nicht etwas in Auftrag gegeben hat, was dem Roman gerecht wird.

FuBs Fundgrube: „Spurlos“ von Katherine John

Cover der 2008 im Rowohlt Verlag erschienen Ausgabe

Normalerweise stellen wir in unserer Fundgrube ja ältere Bücher vor, die man nur mehr auf antiquarischem Weg erhalten kann. „Spurlos“ der walisischen Autorin Katherine John ist erst vor zehn Jahren, also im Jahr 2008, erschienen, aber schon nicht mehr im Handel erhältlich.

„Spurlos“ ist der erste Fall von Inspektor Trevor Joseph, der eigentlich im Drogendezernat tätig ist. Die Polizei sucht nach einem brutalen Autobahnmörder, der seine Opfer grausam verstümmelt. Zugleich machen Gerüchte über eine als Pierrot verkleidete Gestalt die Runde, die in einem halb verfallenen Theater hausen soll. Und schließlich wird auch noch ein Oberarzt des städtischen Krankenhauses vermisst.

Als ich den Roman gelesen habe, habe ich mich ständig gefragt, wieso das Buch aus dem Verlagsprogramm genommen wurde. Anscheinend wurden noch fünf weitere Romane der Autorin auf Deutsch veröffentlicht, aber auch die gibt es bereits nicht mehr im Handel. „Spurlos“ hat mich jedenfalls überaus positiv überrascht.

Der Roman ist sehr unterhaltsam, durchaus witzig und die Spannung ist auch nicht ohne. Wenn man es genau nimmt, so ist der Roman eher unterhaltsam als spannend, aber der Roman liest sich auf jeden Fall weg wie nichts. Das liegt vor allem auch an dem hervorragenden Schreibstil der Autorin, mit dem sie den durchaus komplexen Fall erzählt. Zwar ist der Roman eindeutig als Thriller konzipiert, gegen Ende aber geht die Story über in eine Art moderne Schauergeschichte, natürlich ohne Gespenster, aber man merkt, dass sich Katherine John von Autoren wie Sheridan Le Fanu oder auch Mary Shelley hat inspirieren lassen.

Einen großen Pluspunkt erhalten auch die Figuren des Romans, die liebevoll von der Autorin konzipiert wurden. Interessanterweise ist es jedoch ausgerechnet Trevor Joseph, der im Gegensatz zu den anderen Figuren eher oberflächlich wirkt. So wirkt z.B. sein Kollege Peter Collins weitaus lebendiger und komplexer. Dennoch ist „Spurlos“ ein sehr unterhaltsamer Roman, bei dem man stets wissen möchte, wie die Geschichte weiter geht.

Katherine John. Spurlos. Rowohlt Verlag 2008, 440 Seiten. 

 

FuBs Fundgrube: Wir fanden Menschen

Cover der 1975 im Heyne Verlag erschienenen Ausgabe

In unserer Reihe FuBs Fundgrube stellen wir Bücher vor, die es nur noch antiquarisch gibt. So geht es dieses Mal um den deutschen SF-Roman „Wir fanden Menschen“ des Autors und Journalisten Hans Wörner (1904 – 1963). Mit seinem 1948 erschienen Roman „Wir fanden Menschen“ versuchte Hans Wörner auf die schrecklichen Folgen eines Atombombenabwurfs aufmerksam zu machen. Sein Buch wurde geprägt durch die „Lichtblitze“ von Hiroshima und Nagasaki. Nicht weniger beeinflusst ist der Roman von Wörners eigenen Kriegserlebnissen.

„Aus Versehen“ hat eine fehl gezündete Atombombe einen ganzen Kontinent vernichtet. Sieben Jahre nach dieser verheerenden Katastrophe, soll ein Erkundungstrupp Aufschluss darüber geben, wie es mit den dort lebenden Menschen bestellt ist. Als diese Expedition nicht zurückkehrt, wird eine zweite Expedition ausgeschickt, die nach der verschollenen Einheit suchen soll. Dabei kommt sie in Kontakt mit den psychisch und körperlich verfallenen Einwohnern …

Hans Wörners Roman ist ein eindringliches Plädoyer gegen den Wahnsinn und Schrecken des Krieges und vor allem eine Warnung vor den Folgen eines Atomkriegs. Dies macht „Wir fanden Menschen“ überaus düster und bedrückend. In der Tat fällt es schwer, den Roman bis zum Ende durchzulesen, da diese beklemmenden Momente so intensiv sind, dass man immer mal wieder eine Pause einlegen muss, um diese für sich selbst zu verarbeiten.

Doch genau hierin befindet sich zugleich die unglaubliche Stärke des Romans, da er nicht nur Beklemmung erzeugt, sondern durch diese den Leser zum Nachdenken anregt. Das Bild, das Wörner in „Wir fanden Menschen“ zeichnet, ist alles andere als rosig. Die Menschheit ist verroht, manche Menschen versuchen, die Situation für sich zu nutzen und an die Macht zu kommen bzw. sich an der Macht zu halten, es herrschen Hunger und Elend.

Trotz dieses Rahmens, der nicht einmal den kleinsten Platz für Hoffnung lässt, ist der Roman zugleich sehr spannend und dicht. Vor allem die Szenen, in denen der Expeditionstrupp den moralisch wie physisch verwahrlosten Einheimischen gegenübersteht, sind, aufgrund der Konflikte, die sich daraus ergeben, packend und zum Teil auch unheimlich geschildert. Dies macht „Wir fanden Menschen“ zu einem sehr eindringlichen Leseerlebnis, das einem nicht mehr so schnell aus dem Kopf geht.

„Wir fanden Menschen“ wurde 1975 im Heyne Verlag in der SF-Reihe unter der Nummer 3449 neu aufgelegt. Umfang: 159 S. Später (1984) erschien der Roman auch nochmals im Ullstein Verlag als Band 9 der Reihe Ozeanische Bibliothek.

Egon Schiele: Tod und das Mädchen (2016)

Egon Schiele war einer der wichtigsten Maler der Wiener Moderne, zugleich lösten seine expressionistischen Zeichnungen und Gemälde immer wieder Skandale aus. Vor allem ein Dorn im Auge war der Justiz, dass er Akte von jungen Mädchen (u. a. auch von seiner Schwester) schuf. Dies brachte Schiele für ein knappes Monat ins Gefängnis.

2016 entstand die österreichisch-luxemburgische Koproduktion „Egon Schiele: Tod und das Mädchen“, die das Leben des Malers nachzeichnet. Regisseur Dieter Berner beginnt den Film mit Schieles Erinnerungen an seinen wahnsinnig gewordenen Vater, der das gesamte Familienvermögen im Kamin verbrannte. Das Kernstück des Films aber konzentriert sich auf Schieles Beziehungen zu seiner Schwester Gerti, seiner Freundin Walli, seiner späteren Frau Edith sowie der Tänzerin Moa – also auf die Frauen, die in seinem Leben eine bedeutende Rolle gespielt haben.

Berner verzichtet dabei auf eine spektakuläre Inszenierung, wie dies sicherlich in einem Hollywoodfilm der Fall gewesen wäre, sondern zeigt Schieles Lebensstadien in eher ruhigen und überaus feinfühligen Bildern. Hierbei dominieren die düsteren Farben, nur wenige hell ausgeleuchtete Szenen verweisen auf die wenigen glücklichen Momente in Schieles Leben.

Erst als er Klimts Model Wally Neuzil trifft, scheint für ihn eine geordnete Lebensphase zu beginnen. Wally wird zu seiner Muse, doch als er zum Militär muss, beginnt er zu zweifeln, ob sie wirklich die richtige Frau für ihn ist. Dieser Zweifel wird noch dadurch verstärkt, da er inzwischen Edith Harms kennengelernt hat, die im Haus gegenüber seines neu eingerichteten Atteliers lebt und mit der er eine heimliche Beziehung hat.

Berner bleibt nie oberflächlich, sondern geht in den Szenen bis ins Detail. So vergisst er auch nicht Gustav Klimt in Malerkittel und Katze zu zeigen, so wie auf dem berühmten Porträtfoto. Schieles Erfolg gipfelt schließlich in der ausschließlich seinem Werk gewidmeten Ausstellung in der Wiener Secession im Februar 1918, nur wenige Monate vor seinem Tod.

All dies bettet Berner in eine Rahmenhandlung ein, die Schieles letzte Stunden zeigen. Die Spanische Grippe wütet, und seine Frau Edith ist kurz zuvor gestorben. Seine Schwester Gerti kümmert sich aufopferungsvoll um ihn, setzt den Familienschmuck ein, um für ihn Medikamente zu kaufen. Doch alles hilft nichts, Schiele stirbt mit nur 28 Jahren.

Dieter Berner schuf mit dem Bio-Pic einen wunderbaren Film, der sicherlich zu den besten Produktionen aus Österreich zählt, die in den letzten Jahren hergestellt wurden. Die eindringliche Wirkung wird durch ein erstklassiges Ensemble erzielt, bestückt mit teils noch unbekannten Schauspielern, wie etwa Noah Saavedra, der Egon Schiele spielt, oder Maresi Riegner als seine Schwester.

Egon Schiele: Tod und das Mädchen. Regie: Dieter Berner, Drehbuch: Hilde Berger, Dieter Berner, Produktion: Franz Novotny, Darsteller: Noah Saavedra, Maresi Riegner, Valerie Pachner, Marie Jung, Larissa Breidbach, Cornelius Obonya, Nina Proll. Österreich/Luxemburg 2016, 110 Min.

 

FuBs Fundgrube: Ärger mit der Unsterblichkeit

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Cover des 1960 erschienenen Romans

Eigentlich wollte ich in dieser Reihe nur spannende und überaus lesenswerte Bücher vorstellen, die es nur noch antiquarisch zu haben gibt. Doch heute mache ich hier einmal eine kleine Ausnahme und stelle einen Roman vor, der mich ziemlich enttäuscht und irgendwie verärgert hat.

Der Roman trägt den Titel „Ärger mit der Unsterblichkeit“ und stammt aus dem Jahr 1960 (in Deutschland erschien der Roman 1970). Autor ist niemand anderer als John Wyndham, dessen SF-Romane eigentlich ohne Einschränkung zu empfehlen sind. Mit „Ärger mit der Unsterblichkeit“ aber legte er einen Roman vor, bei dem es irgendwie hinten und vorne nicht stimmt. Dennoch, so paradox dies klingt, fasziniert der Roman teilweise.

Der Originaltitel lautet „Trouble with Lichen“. Es geht in dem Roman um eine sonderbare und sehr seltene Flechte, die in China entdeckt wurde. Der Chemiker Francis Saxover möchte aus der Flechte ein Antibiotikum herstellen. Seine Mitarbeiterin Diana Brackley aber entdeckt durch Zufall, dass die Flechte eine ganz andere Wirkung besitzt: durch die Einnahme kommt es zu einer deutlichen Lebensverlängerung beim Menschen. Und zwar bis zu 200 Jahre. Allerdings ist der Rohstoff begrenzt, was bedeutet, dass die Wirkung von Lichen geheim gehalten werden muss.

All dies klingt ja vielversprechend und interessant. Doch Wyndham verzettelt sich in dem Roman in einen Haufen Ungereimtheiten, er entwickelt Handlungstränge, die er dann plötzlich links liegen lässt – und zum Schluss hat man einfach keine Lust mehr, den Roman weiter zu lesen. Hinzu kommt, dass die deutsche Übersetzung alles andere als gelungen ist.

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Cover der 1970 in Deutschland erschienenen Ausgabe

Was hatte Wyndham nur dazu getrieben, einen solch schlechten Roman zu schreiben? Tatsächlich kommt es einem manchmal vor, als habe er sich selbst beim Schreiben durch den Roman gequält, vieles wirkt einfach nur lustlos. Der Roman beginnt mit der Beerdigung von Diana Brackley, die im hohen Alter gestorben ist. Es wird dabei eine Art von Matriarchat skizziert. Wyndham greift die Idee einer ungewöhnlichen feministischen Bewegung in anfänglichen Dialogen auf, sodass man meint, gut, hier geht es darum, wie sich ein traditionelles Patriarchat in ein Matriarchat transformiert.

Doch weit gefehlt. Wyndham lässt diese spannende Idee plötzlich links liegen und beginnt darauf mit der Entdeckung von Lichen. Diana kündigt nach dieser Entdeckung bei Francis Saxover, um einen Schönheitssalon aufzumachen, wo sie zahlungskräftigen Kundinnen Lichen verabreicht. Eine Kundin reagiert allerdings allergisch auf die Behandlung und bringt durch einen öffentlichen Prozess die Presse auf die Spur des Wundermittels.

Wyndham hat die Konsequenzen, die ein lebensverlängerndes Mittel mit sich bringen würde, bis aufs I-Tüpfelchen durchdacht. Und genau diese Punkte machen den Roman faszinierend. Alles andere aber wirkt unzusammenhängend. Von dem Matriarchat ist nicht mehr die Rede, außer in einer kurzen Protestbewegung, die aber später auch keine Rolle mehr spielt. Es wirkt so, als habe Wyndham zwei Romanideen in eine verwursteln wollen. Dieses Projekt aber ist ihm vollkommen misslungen.

Nein, mit „Ärger mit der Unsterblichkeit“ muss man sich nicht plagen. So leid es mir tut, doch der Roman kann ohne weiteres in Vergessenheit bleiben.

In Deutschland erschien Wyndhams Roman 1970 im Heyne-Verlag unter der Nummer 3207 der damaligen SF-Reihe und hat 144 Seiten.

FuBs Fundgrube: SOS die Erde erkaltet

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Cover der Ausgabe im Verlag Gebrüder Weisse von 1952

Emdond Hamilton, der vor allem durch seine „Sternenkönige“- und „Captain Future“-Romane bekannt wurde, verfasste Anfang der 50er Jahre einen Roman über eine Gesellschaft, die sich nach einem Atomkrieg zurechtfinden muss. Dabei beschränkt sich Hamilton auf die Geschehnisse in einer amerikanischen Kleinstadt.

Direkt über der Stadt Middletown kommt es zur Explosion einer atomaren Superbombe. Für den Bruchteil einer Sekunde verändert sich dadurch das Raum-Zeit-Gefüge und schleudert die Stadt in eine Millionen Jahre entfernte Zukunft. Als die Bewohner wieder zu sich kommen, erkennen sie nach und nach, dass um die Stadt herum so gut wie nichts mehr existiert. Zugleich macht sich eine weitere Gefahr bemerkbar. Denn die Erde erkaltet zunehmend. Die Bewohner von Middletown müssen schnell eine Lösung finden, um nicht zu erfrieren. Da findet ein Expeditionstrupp in einiger Entfernung die Reste einer mit Glas überdachten Stadt…

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Cover der Originalausgabe von 1951

„SOS die Erde erkaltet“ erschien 1951 unter dem Titel „City at World’s End“ und bereits ein Jahr darauf in dem bekannten Leihbuch-Verlag Gebrüder Weisse. Spätere Taschenbuchausgaben erschienen Anfang der 70er Jahre in der Reihe TERRA-Taschenbücher im Pabel-Verlag.

In seinem Roman vermischt Hamilton den atomaren Schrecken mit der Schilderung einer Art außerirdischen Invasion. Denn nach und nach kommen die Bewohner zu der Erkenntnis, dass jene seltsame Stadt nicht von Menschenhand gebaut worden sein kann. Sie versuchen hinter das Geheimnis der bizarren Apparaturen zu kommen, um dadurch eine Möglichkeit zu erhalten, in die neue Stadt umzusiedeln. Hamilton schildert dies recht einfühlsam und spannend und nimmt dabei teilweise das amerikanische Kleinstadtleben aufs Korn. Der Roman ist in dieser Hinsicht völlig anders als Hamiltons diverse Sternenabenteuer, die bekanntlich George Lucas als Vorbild für seine „Star Wars“-Filme dienten. Dennoch ist „SOS die Erde erkaltet“ nicht weniger faszinierend.