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Posts Tagged ‘Action’

Gerne verfilmt Hollywood Geschichten, die auf wahren Begebenheiten beruhen. Und je dramatischer, umso besser. Mit „The Finest Hours“ fanden die Walt Disney Studios, die weiterhin mit aller Kraft versuchen, von dem Trickfilm-Image wegzukommen, eine Geschichte, die an Dramatik kaum zu überbieten ist, deren Umsetzung stellenweise jedoch in Kitsch abdriftet.

1952 kommt es vor der Küste Neuenglands zu einem der schlimmsten Stürme überhaupt. Der Öltanker SS Pendleton wird dabei in zwei Teile gerissen. Während der vordere Teil untergeht, kann sich der hintere Teil dank einer Luftblase noch einige Zeit über Wasser halten. Zur Rettung der Mannschaft wird ein Boot der Küstenwache hinausgeschickt. Doch die Retter haben selbst mit dem Unwetter zu kämpfen …

Regisseur Craig Gillespie beginnt den Film überaus ruhig, indem er Captain Kirk-Darsteller Chris Pine in der Rolle eines der Mitarbeiter der Küstenwache zeigt, wie dieser kurz vor einem Date mit einer hübschen Telefonistin steht. Leider nimmt sich Gillespie für die Zweisamkeit ein wenig zu viel Zeit, sodass ihm nichts anderes übrig bleibt, als immer wieder Actionsequenzen zwischenzuschneiden, die den parallel verlaufenden Überlebenskampf der restlichen Besatzung des Öltankers schildern, damit der Zuschauer nicht das Interesse an dem Film verliert. Möglicherweise fand Gillespie diese Darstellungsweise originell, da der Film nicht wie üblich mit einem Paukenschlag beginnt.

Doch führt dies dazu, dass es bei „The Finest Hours“ genau dadurch hapert. Denn ohne die ruhige, später leicht in den Kitsch abtriftende Liebesgeschichte, hätte Gillespie einen Film geschaffen, der an purer Dramatik und aufreibender Action nichts zu wünschen übrig gelassen hätte. Die lebensgefährliche Fahrt zu dem auseinenander gebrochenen Öltanker, die eine Handvoll Mitarbeiter der Küstenwache unternimmt, ist kolossal in Szene gesetzt. Nicht nur hohe Wellen bedrohen das kleine Rettungsschiff, auch der Kompass wird über Bord gespühlt, sodass Bernie Webber (Chris Pine) von da an lediglich nach Gehör steuert, um die gefährlichen Felsen zu umschiffen. Eine überaus waghalsige Situation, die grandios umgesetzt wurde.

Parallel dazu wird der Kampf ums Überleben auf dem Öltanker immer intensiver. Der Besatzung bleiben nur noch wenige Stunden, denn die Pumpen funktionieren nicht mehr. Der Maschinist muss sich immer neue Hilfsmittel einfallen lassen, um ein sofortiges Sinken zu verhindern. All dies fängt Gillespie in wunderbaren, düsteren und hektischen Bildern ein.

Die dritte Erzählebene, die sich Webbers neuer Freundin widmet, wirkt dabei fast schon überflüssig. Es scheint beinahe so, als habe man mit dem Dampfhammer noch eine Heldin in die Geschichte einfügen wollen, in der, historisch bedingt, die Männerrollen überwiegen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass der Film genau an den Stellen, die den Kampf zwischen Emanzipation und Patriachat skizzieren, immer wieder abschmiert, da diese Szenen zu konstruiert und teilweise verkrampft wirken.

Insgesamt aber ist der Seerettungsfilm packend inszeniert und Pines Darstellung eines eher schüchternen Mannes, der als einziger den Mut findet, alles auf eine Karte zu setzen, durchaus sehenswert.

The Finest Hours. Regie: Craig Gillespie, Drehbuch: Scott Silver, Paul Tamasy, Eric Johnson, Produktion: Dorothy Aufiero, Darsteller: Chris Pine, Casey Affleck, Ben Foster, Eric Bana, Holliday Grainger. USA 2016, 117 Min.

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„Incarnate“ von Regisseur Brad Payton wurde bereits 2013 gedreht, doch erst 2016 veröffentlicht. Anscheinend waren die Produzenten alles andere als zufrieden mit dem Film, doch nachdem Payton mit „San Andreas“ einen Kassenschlager abgeliefert hatte, wollte man dann wohl doch auf der Welle des Erfolgs aufspringen.

Normalerweise heißt es also nichts Gutes, wenn ein Film zurückgehalten wird. Doch bei „Incarnate“ wundert man sich, dass den Film dieses Schicksal ereilt hat. Denn der Exorzismus-Film ist pure Unterhaltung und ein Fest für alle Horror-Trash-Fans.

Dr. Seth Ember besitzt eine sonderbare Gabe: er kann in das Bewusstsein seiner Mitmenschen eintauchen. Diese Fähigkeit macht er sich zunutze, um dadurch Besessene von ihren dämonischen Plagegeistern zu befreien. Eines Tages erhält er den Auftrag, einen von einem Dämon heimgesuchten Jungen zu „behandeln“. Nach dem obligatorischen Zögern, nimmt er den Auftrag an. Doch schon bald bemerkt er, dass sein Gegner nicht nur böse, sondern auch ziemlich heimtückisch ist …

Brad Paytons Exorzismus-Variante ist durchaus originell, auch wenn der Film nicht gerade das Rad neu erfindet. Ihm gelingt es aber, was so vielen Teufelsfilmen neueren Datums nicht fertig bringen: eine durchweg spannende, Action reiche und witzige Handlung zu kreieren, die nur eines will: den Zuschauer unterhalten. Und dies schafft „Incarnate“ auf allen Ebenen.

Payton drückt bei der Handlung voll aufs Tempo, wobei er von Anfang an zeigt, dass er diese mit einem gewissen Augenzwinkern vorantreibt. So beginnt der Anfang beinahe in Form eines koreanischen Horrorfilms, nur um dann den Charakter einer Quasi-Comic-Verfilmung anzunehmen. Aber auch da bleibt Payton nicht stehen, sondern füllt seinen Film mit sämtlichen Aspekten des Teufelsfilms, sodass – fast wie nebenbei – „Incarnate“ wie ein Überblick über die Figurenkonstellationen und typischen Merkmale des Exorizismus-Genres wirkt.

Gewürzt ist dieses Unterhaltsungsknallbonon mit netten, fast schon klassisch anmutenden Schockeffekten. Aber auch die Handlung selbst ist durchaus interessant, wartet Payton doch mit gewitzten Wendungen auf. Die gelungene Optik rundet das Ganze vortrefflich ab. „Incarnate“ ist somit eine überaus positive Überraschung innerhalb des Horrorgenres, ein Film, der sich selbst nicht wirklich ernst nimmt, dennoch spannend ist und vor allem richtig gut unterhält.

Incarnate. Regie: Brad Payton, Drehbuch: Ronnie Christensen, Produktion: Jason Blum, Darsteller: Aaron Eckhart, Carice van Houten, Catalina Santino, Moreno, David Mazouz. USA 2013/2016, 91 Min.

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keiler„Mensch gegen Keiler“. So lautet einer der Slogans für diesen Film. Hinzu kommt die Bemerkung, dass es sich hier um ein riesiges, Menschenfleisch fressendes Wildschwein handelt. Zunächst denkt man: „Razorback“ lässt grüßen. Doch dann sieht man diesen Film und denkt nur noch eines: klasse!

Mit „Keiler“ liefert der junge Regisseur Jung-Won Shin eine extrem unterhaltsame und amüsante Mischung aus Satire, Komödie und Tierhorror. Es geht um ein kleines Dorf, das plötzlich von einer Serie unheimlicher Morde und Grabschändungen heimgesucht wird. Während die Polizei nach einem Serienmörder sucht, behauptet ein alter Jäger, dass es sich hier vielmehr um ein Wildschwein handeln könnte. Seine Vermutungen werden zum großen Schrecken der Bewohner bestätigt. Denn es ist kein gewöhnliches Wildschwein, sondern ein gigantischer Mutanten-Keiler, der hier sein Unwesen treibt. Kurz darauf heißt es: Mensch jagt Keiler bzw. Keiler jagt Mensch.

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Das Riesenwildschwein greift an, „Keiler“ (2009); Copyright: Lotte Entertainment

Vor wenigen Jahren lieferte Südkorea mit „The Host“ seinen ersten Big-Budget-Monsterfilm. Bereits dieser Film beinhaltete starke satirische Elemente, wobei er vor allem die US-amerikanische Außenpolitik aufs Korn nahm. „Keiler“ wendet sich hier der eigenen Gesellschaft zu und zieht so ziemlich alles durch den Kakao, was es gibt. Egal, ob es sich um unfähige Beamte, geldgeile Manager, Öko-Welle oder Umweltschutz handelt. Alle und alles bekommt hier sein Fett weg. Dies geschieht mit einem solch herrlichen Sinn für Humor, dass es sich schon allein deshalb lohnt, diesen Film anzusehen. Ein zusätzliches Vergnügen bieten die geniale Action sowie die einwandfreien Spezialeffekte, die dem Riesenwildschwein Leben einhauchen. Die Trickleute, die auch teilweise an den Effekten für „Star Wars“ und „The Day after Tomorrow“ mitarbeiteten, verwendeten sowohl digitale als auch Puppeneffekte, um das Schwein richtig wild erscheinen zu lassen. Seine Proportionen lassen es als tonnenschweres Monster erscheinen, das mühelos Mauern durchbricht, laut quiekt und quietscht und öfters auf seinen Rüssel fällt, besonders dann, wenn es die Kurve nicht mehr kriegt.

Ob Jung-Won Shin tatsächlich ein Remake des australischen Klassikers „Razorback“ abliefern wollte, ist nicht sicher. Manches spricht dafür, anderes wieder dagegen. Wie dem auch sei, „Keiler“ ist knappe zwei Stunden purer Spaß. Oder anders ausgedrückt: wildsaumäßig gut.

Keiler (OT: Chaw), Regie u. Drehbuch: Jung-Won Shin, Produktion: Kyung-Duk Park, Darsteller: Tae-Woong Eum, Yu-Mi Jung, Hang-Sun Jang, Jea-Moon Yoon, Hyuk-Kwon Park. Südkorea 2009, 117 Min.

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gods of egyptMit seinem neuesten Streich ging Regisseur Alex Proyas glatt in die Filmgeschichte ein. „Gods of Egypt“ war einer der ersten Filme, welcher die Rassismusdebatte in Hollywood erneut entfachte (die letzte fand in den 60er und 70er Jahren statt). Der Grund: Beinahe sämtliche Figuren werden von weißen Schauspielern verkörpert, schwarze Darsteller treten in der Hauptsache als Statisten im Hintergrund auf. Die Folge: Die Produktionsfirma sowie der Vertrieb Lions Gate entschuldigten sich dafür und versprachen, dass etwas in dieser Art nicht wieder vorkommen würde. Die zweite Konsequenz: Es hagelte schlechte Kritiken, die Proyas dazu veranlasste, dies als eine Art Hetze zu bezeichnen.

„Gods of Egypt“ spielt, wie es der Titel bereits impliziert, im Alten Ägypten. Doch wird hier kein Geschichtsunterricht geliefert, sondern man bezieht sich auf die damalige Mythologie, sodass der Film kein Historien-, sondern ein mythologisch angehauchter Fantasyfilm ist. Die Götter leben unter den Menschen und regeln deren Alltag. Alles funktioniert prächtig. Doch dann bricht eine Fede zwischen Horus und Set aus, die dazu führt, dass Set von nun an die Alleinherrschaft ausübt. Zusammen mit dem Dieb Bek versucht Horus, Set die Herrschaft wieder zu entreißen …

Meiner Meinung nach haben viele der negativen Kritiken etwas mit dem oben genannten Rassismusvorwurf zu tun. Denn „Gods of Egypt“ ist ein durchweg witziger und spannender Action-Fantasy-Film, der am Anfang das klassische Hollywood aufleben lässt, indem er Filme wie „Der Dieb von Bagdad“ zitiert, bevor er in die aktuelle Superhelden-Klopperei übergeht. Doch nimmt sich der Film hierbei nie wirklich ernst. Mit viel Selbstironie, gelungenen Gags und einem regelrechten Sprüchefeuerwerk gehen Bek und Horus daran, Bösewicht Set das Handwerk zu legen. Dabei überrascht es, dass „Gods of Egypt“ ein so lockerer, gut gelaunter Film ist, ist doch Proyas durch seine düster-pessimistischen Werke wie „The Crow“ oder „Dark City“ bekannt. Nein, hier zeigt der Regisseur seine spaßige Seite und dies mit Bravour. Denn der teils eigenwillige, skurrile Humor macht Laune und reißt einen regelrecht mit. Dabei übt er auch gerne Kritik an Politik und Wirtschaft, was dem Film in manchen Szenen eine gelungene satirische Note verleiht.

Gut, was auffällt, ist, dass die Spezialeffekte von unterschiedlicher Qualität sind. Sie sind zwar nie schlecht, doch wirken manche eindeutig billiger als andere im selben Film. Woran das liegt, darüber könnte man nun natürlich rätseln, auf jeden Fall scheint es hier anscheinend Produktionsprobleme gegeben zu haben. Stören tut das nicht wirklich, verleiht es dem Film doch zugleich eine sympathisch-trashige Note. Da der Film so viele schlechte Kritiken erhalten hat, dürfte „Gods of Egypt“ zu einer Art Geheimtipp werden für Leute, die sich von schlechten Kritiken nicht abschrecken lassen. Von mir erhält der Film, was den Spaßfaktor betrifft, eine glatte Eins.

Gods of Egypt, Regie u. Produktion: Alex Proyas, Drehbuch: Matt Sazama, Burk Sharpless, Darsteller: Nikolaj Coster-Waldau, Brenton Thwaites, Chatwick Boseman, Elodie Young, Rufus Sewel, USA/Australien 2016, Laufzeit: 127 Min.

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dermannderzuvielwusste„Der Mann, der zuviel wusste“ (1956) mit James Stewart und Doris Day in den Hauptrollen zählt zu Alfred Hitchcocks bekanntesten Filmen. Es handelt sich dabei um eine Neuverfilmung seines erfolgreichsten Films seiner Londoner Zeit aus dem Jahr 1934, welche denselben Titel trägt. Damals engagierte Hitchcock Peter Lorre für die Rolle des Bösewichts Abott, der ein Attentat auf einen wichtigen Staatsmann plant.

Die Geschichte beginnt in der Schweiz, wo das Ehepaar Bob und Jill Lawrence gerade Urlaub machen. Auch ihre Tochter Betty ist mit dabei. Alle sind vergnügt, doch dann, bei einer Party, kommt es zu einem Mord. Ein Freund der Familie wird erschossen. Seine letzten Worte richten sich an Jill, die ihrem Mann ausrichten soll, dass er nach einem Zettel in einem Rasierpinsel suchen soll. In der Tat findet Bob den Zettel, auf dem sich eine verschlüsselte Botschaft befindet. Zugleich wird seine Tochter entführt. Bob und Jill kehren aufgebracht zurück nach London, wo sie wegen des Mordfalls in der Schweiz von der Polizei verhört werden. Beide aber dürfen nichts sagen, denn sonst würde Betty sterben. Also machen sich Bob, Jill und ein Freund Bobs auf eigene Faust auf die Suche nach den Verbrechern, um Betty zu befreien.

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Peter Lorre als Abott in „Der Mann, der zuviel wusste“ (1934).

Hitchcock fand die Originalversion von 1934 nicht schlecht, doch betrachtete er sein Remake als weitaus besser. Das erstaunt, denn im Unterschied zu der Version von 1956 ist die Version von 1934 schneller, dichter und auch drastischer. Wirkt der Film aus dem Jahr 1956 in manchen Squenzen etwas zu brav, so schlägt der Originalfilm so ziemlich alle Register. Vor allem verdankt dies der Film Peter Lorre, der als Abott eine wirkliche Glanzleistung in Sachen Übeltäter abliefert. Nicht nur widerwärtig, sondern regelrecht schmierig kommt Lorre daher, auffallend hierbei seine breite, helle Haarsträhne.

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Bob und Jill Lawremce (Leslie Banks und Edna Best) als Gefangene Abotts (Peter Lorre). In: „Der Mann, der zuviel wusste“ (1934).

Hitchcock machte aus Charles Bennetts Stoff eine rasante Verfolgungsjagd, in der es vor allem um eines geht: um die Zeit. Denn viel Zeit haben die Protagonisten nicht, wenn sie Betty retten und zugleich einen Mordanschlag verhindern wollen. Tatsächlich kommt der Film nie zur Ruhe, ständig geschieht etwas, eine der Actionhöhepunkte ist die Szene, in der sich die Kontrahenten mit Stühlen bewerfen. Eine nicht weniger einprägende Szene ist diejenige, in  welcher Bob zusammen mit seinem Freund einen falschen Zahnarzt aufsuchen, um an nähere Informationen über das Versteck der Attentäter zu erhalten. Es wird offensichtlich, dass der „Zahnarzt“ ein Sadist ist und man fühlt sich erinnert an die Zahnarztszene in „Der Marathon Mann“ und zwar so sehr, dass man nicht umhin kommt zu denken, dass John Schlesinger diese Szene an Hitchcock angelehnt hat.

Wenn man also darüber nachdenkt, so ist zwar „Der Mann, der zuviel wusste“ aus dem Jahr 1956 die eindeutig teuerere Version, „Der Mann, der zuviel wusste“ aus dem Jahr 1934 aber die doch irgendwie unterhaltsamere.

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sax rohmer

Sax Rohmer

Der Autor Sax Rohmer ist vor allem durch seine Figur Dr. Fu Manchu bekannt geworden. Rohmer ließ sich bekanntlich durch seine journalistischen Recherchen im Londoner Chinatown für die Figur des genialen Bösewichts inspirieren. In den 60er Jahren erfolgten dann eine Reihe von Filmen, die sich auf Sax Rohmers Werk beziehen. Produziert wurden diese Filme von Alan Towers, der sich ebenfalls einen Namen durch die damals populären Edgar Wallace-Filme machte. In den meisten Fällen spielte Christopher Lee die Rolle des Fu Manchu.

Nachdem Rohmer seine Romanserie um den berüchtigten Chinesen beendet hatte, ließ er, angestachelt durch den Erfolg, eine weibliche Figur zunächst auf die Radiowelt und später auf die Literaturwelt los. Mit der Antagonistin Sumuru schuf er das weibliche Äquivalent zu Dr. Fu Manchu. Dem Namen nach handelt es sich dabei eindeutig um eine Japanerin. Sie möchte die Welt in Frauenhänden wissen. Aus diesem Grund schart die Superbösewichtin eine Armee von Frauen um sich, um ihren Plan umzusetzen. Die Geheimorganisation trägt den Namen „Orden der Frau“.

Die Hörspiele wurden zwischen den Jahren 1945 und 1946 in England ausgestrahlt. Anfang der 50er Jahre schrieb Sax Rohmer die Hörspiele um in Romane. So entstanden insgesamt sechs Bücher, in denen Sumuru jeweils versucht, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Rohmers Hang zum Sado-Masochismus macht sich deutlich in den Romanen bemerkbar. Sumuru – ähnlich wie Fu Manchu – liebt es, ihre Opfer (egal ob männlich oder weiblich) zu foltern.

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Sumuru – Tochter des Satans (1967)

Ende der 60er Jahre fand auch diese Figur ihren Weg auf die Kinoleinwand. Wie auch bei den Fu Manchu-Filmen, wurden die Sumuru-Filme von Alan Towers produziert. Der erste Film enstand 1967 und trägt den Titel „The Million Eyes of Sumuru“. Interessanterweise wurde für die Rolle der selbsternannten Weltbeherrscherin die blonde Shirley Eaton gewählt, die nun in langen schwarzen Haaren auftritt. Eaton, die als vergoldetes Bond-Girl in die Filmgeschichte einging, spielt hier zum einzigen Mal eine Antagonistin. Spannend ist, dass der Film mitten hinein in die Emanzipationsbewegung der späten 60er Jahre fällt. Indirekt bezieht er dabei Stellung, indem er die soziale Bewegung gehörig durch den Kakao zieht und das Patriarchat letzten Endes die Oberhand gewinnt. Doch als konkrete politische Botschaft möchte sich der Film keineswegs verstehen.  Er nimmt viel mehr die in den 70er Jahren entstandenen Sexploitationfilme vorweg, wie etwa die japanische „Sasori“-Reihe.

Der Film handelt davon, dass Sumuru mithilfe hübscher Frauen die Präsidenten dieser Welt aus dem Weg schaffen möchte, um schließlich selbst die Weltherrschaft anzutreten. Unter anderem steht der sidonesische Präsident Boong unter Verdacht, von einer der Frauen becirct zu werden. Der Agent Nick West wird beauftragt, den Fall zu klären und Sumuru das Handwerk zu legen.

Der Film lief in Deutschland unter dem Titel „Sumuru – Tochter des Satans“. Es handelt sich um einen sehr kurzweiligen Trash-Film, in dem Klaus Kinski in einer Doppelrolle zu sehen ist. Er verkörpert Boong und sein Double. Alan Towers Produktion ist voller skurriler Gags, schnell geschnitten und im Grunde genommen völlig plem-plem. Aber das macht bekanntlich einen guten Trash-Film aus. „Sumuru“ erregte nach Veröffentlichung Anstoß, da z.B. gleich zu Anfang eine Frau einen Mann mit ihren Schenkeln erwürgt. Die Szene ist sehr lang und besitzt auch heute noch einen gewissen Reiz – nicht des Anstoßes, sondern der Filmkunst. Zwischendurch darf Shirly Eaton die Peitsche schwingen und damit entweder ungehorsamen Frauen oder gefangenen Männern Schmerz oder Lust bereiten – je nachdem. Sumurus gehauchter Satz „Ich bin auch nur eine Frau“, als sie sich dem Agenten West hingeben möchte, ist fast schon legendär.

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Deutsches Kinoplakat von „The Girl from Rio“ (1969).

Zwei Jahre später wurde der spanische Regisseur Jess Franco engagiert, um eine Fortsetzung zu drehen. „The Girl from Rio“, ein wirklich harmloser Titel für ein Sequel mit dem Namen „The Million Eyes of Sumuru“, hinkt jedoch dem Originalfilm um Meilen hinterher. Produziert wurde der Film ebenfalls von Towers, der auch schon zuvor mit Franco zusammengearbeitet hatte. Doch hier war die Entscheidung einfach falsch. Jess Franco, der, wenn er wollte, richtig gute Filme drehen konnte, gelingt es nicht, einen Actionfilm zu kreieren. Zu sehr orientiert er sich auf die Surrealität der Handlung. Betrachtet man „The Girl from Rio“ als rein surreales Experiment, so ist der Film in Ansätzen nicht schlecht, ist doch eine der Stärken Francos eben das Surreale – wie etwa in „Die Jungfrau und die Peitsche“. Doch in dem „Sumuru“-Sequel schafft Jess Franco vor allem Langeweile. Ewig lange Einstellungen, in denen so gut wie nichts passiert, gehören nun einmal nicht in einen Actionfilm.

„The Girl from Rio“ handelt davon, dass Sumuru im brasilianischen Dschungel eine Stadt mit dem Namen Feminia gegründet hat. Dorthin hat sie die Tochter eines reichen Bankiers entführt. Der Privatdetektiv Jeff Sutton soll die junge Frau retten. Im Gegensatz zu „The Million Eyes of Sumuru“ gibt sich „The Girl from Rio“ ungewöhnlich ernst. Nur hier und da kommt es zu kleineren Gags oder ironischen Seitenhieben. Insgesamt aber macht der Film nicht wirklich Spaß. Anscheinend auch nicht Towers. Denn danach war Schluss mit den „Sumuru“-Filmen.

 

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no tears for the dead

No Tears for the Dead (2014); Kinoplakat

Vor wenigen Jahren bewies Regisseur und Drehbuchautor Lee Jeong-Beom, das er ein geschicktes Händchen für düstere Actionfilme hat. Sein Werk „Man from Nowhere“ war der erfolgreichste koreanische Film des Jahres 2010. Vier Jahre später versucht er nun, eines draufzusetzen. „No Tears for the Dead“ lautet der Titel, doch der Erfolg blieb etwas hinter „Man from Nowhere“ zurück.

Es geht um den Auftragskiller Gon, der bei einer Aktion ein kleines Mädchen erschießt und seitdem unter Gewissenkonflikten leidet. Er möchte seinen Job an den Nagel hängen, doch sein Boss lässt ihn nicht so einfach gehen. Einen letzten Auftrag gilt es zu erledigen. Ziel: Mo-Gyeong, eine Investment-Bankerin und zugleich Mutter des getöteten Mädchens. Angeblich ist sie im Besitz eines USB-Sticks, auf dem sich wichtige Geheimnummern für diverse Konten auf der ganzen Welt befinden. Doch statt die Frau zu ermorden, versucht er sie zu beschützen und nimmt es dabei mit einer Menge anderer Killer auf.

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No Tears for the Dead (2014); Alternatives Plakat

Killer mit Gewissenskonflikt, das hatten wir doch schon mal. „Man from Nowhere“ präsentierte so ziemlich denselben Charakter. Im Unterschied zu seinem Vorgänger ist „No Tears for the Dead“ jedoch weitaus brutaler und actionreicher in Szene gesetzt. Ganz klar, Lee wurde ein größeres Budget anvertraut. Das erlaubte ihm auch, Actionstars aus dem Ausland zu engangieren. Unter anderem Brian Tee, der aus den „Fast and Furious“-Filmen bekannt ist. Auch was Beleuchtung, Kameraarbeit und Aufwand betrifft, ragt Lees zweiter Wurf über „Man from Nowhere“ deutlich hinaus. Hervorragend inszenierte Shoot outs, gut gemachte CGI-Explosionen – und (fast) alles in überaus düsteren, dunkelblauen Farben.

Leider ist die Schlusssequenz, in der sich Lee unerwartet auf den klassischen koreanischen Gangsterfilm bezieht, keine gelungene Abrundung des Ganzen. Im Gegenteil, hiermit kreiert Lee einen klaren Dämpfer, denn beides passt nicht zusammen. Ob dies von Lee selbst so gewollt war oder die Produzenten ihm diesen Schluss aufgezwungen haben, muss offen bleiben. Das Resultat ist jedenfalls alles andere als gelungen. Schade, wäre dieses kitschige Anhängsel nicht, so hätte Lee seinem Film mit dem eigentlichen Schluss ein Ende verpasst, dass nicht nur ästhetisch einwandfrei, sondern auch in symbolischer Hinsicht kaum zu überbieten gewesen wäre.

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In „No Tears for the Dead“ dominieren dunkelblaue Farben.

Lee Jeong-Beom kann als Auteur des modernen koreanischen Actionfilms bezeichnet werden. Mit seinem zweiten Killer-Film setzt er das Thema von „Man from Nowhere“ auf furiose Art fort. Zwischen äußerster Brutalität und bloßen Andeutungen schwankend, setzt er extreme Eckpunkte, welche das derzeitige Actionkino Südkoreas bestimmen. Man darf gespannt sein, ob Lee zu einer weiteren visuellen Steigerung fähig ist.

Zum Schluss noch ein Wort zum Titel. Die Übersetzung des Originaltitels lautet „Weinender Mann“ (d.h. der internationale Verleihtitel müsste eigentlich „Crying Man“ lauten). Da jedoch der 80er Jahre Klassiker „Crying Freeman“ von Christophe Ganz und Brian Yuzna eine in Grundzügen ähnliche Geschichte erzählt, wurde anscheinend bewusst ein anderer Titel gewählt.

 

 

 

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