Achtung, es kommt! – Filme mit „It“ im Titel

Besonders in den 50er Jahren war das Personalpronomen „It“ in den Filmtiteln recht beliebt. Es stand schlicht und ergreifend für das Andere, das Nicht-Weltliche und damit für eine überaus fremdartige Bedrohung. Das Wörtchen it wurde danach seltener, doch gelegentlich tauchte es wieder auf. Im folgenden haben wir daher eine kleine Liste mit den entsprechenden Filmen aufgestellt:

It came from Outer Space (1953) ist nicht nur ein Filmklassiker, sondern wurde zudem in 3D gedreht. Die damalige 3D-Welle sollte – nicht weniger wie heute – die Zuschauer wieder zurück in die Kinos bringen, die ab den 50er Jahren lieber vor dem Fernseher saßen. Parallel dazu wurde für denselben Zweck auch Cinemascope entwickelt. Jack Arnolds SF-Thriller nimmt zudem die Idee von „Invasion der Körperfresser“ vorweg: Bizarre Außerirdische übernehmen menschliche Körper. Also Paranoia-Kino pur. Das Monster mit dem Glotzauge ist rasch zum Bestandteil der Popkultur geworden. Für das Drehbuch war übrigens der amerikanische SF-Autor Ray Bradbury verantwortlich.

It came from beneath the Sea (1955) hatte den einzigen Zweck, um auf die Zuschauer ein Effektgewitter loszulassen. Ein Riesenkrake greift San Francisco an – und natürlich muss mal wieder die Golden Gate Bridge dran glauben. Ray Harryhausen hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, ging es doch darum, einem achtarmigen Riesenoktopus Leben einzuhauchen. Das Ergebnis lässt sich auch heute noch sehen, ein gelungener und spannender SF-Horror-Monster-Film, der die Stop Motion-Technik voll zur Geltung bringt. Später bezeichnete Harryhausen seine für die Großleinwand kreierten Effekte als Dynamation. Ab den 80er Jahren jedoch erhielt er immer weniger Aufträge, da er seine eigene Technik nicht weiter entwickelte, während andere Firmen bereits mit Computereffekten arbeiteten.

It conquered the World (1956) ist ein typischer Roger Corman Film. Corman, der in seiner gesamten Karriere als Regisseur und Produzent nur zwei Flops hinlegte, erzählt darin die Geschichte von einem Monster von der Venus, das auf der Erde landet, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Dabei macht es sich einen Wissenschaftler zunutze, der glaubt, dass das Monster der Welt Frieden bringen wird. Das rettichartige Ungetüm mit Augen und spitzen Zähnen hat Kultcharakter. In England war der Film zunächst nur für Erwachsene zugelassen, da man das Abfackeln des Monsters unter den Aspekt der Tierquälerei betrachtete. Man sieht, nicht nur unsere deutschen Behörden haben einen an der Waffel. Der Film zählt zu den besten Produktionen aus dem Hause Corman.

From Hell it came (1957) dürfte eine der wohl originellsten Handlungen besitzen. Der Prinz eines Südsee-Stammes erhält die Todesstrafe, nachdem er einen Mann ermordet haben soll. Seine Leiche wird in einem hohlen Baumstamm gelegt und begraben. In der Nähe führen Wissenschaftler Experimente mit radioaktiven Elementen durch. Die Radioaktivität erweckt den Prinzen wieder zum Leben – als wandelnden Baumstamm. „From Hell it came“ zählt zu den schlechtesten Filmen der Filmgeschichte. Allerdings ist der Film so schlecht, dass er schon wieder gut ist. Wer auf Baumstämme steht, die kreischende Bikini-Frauen herumschleppen, ist hier genau richtig – Schlammcatchen inklusive.

It! The Terror from Beyond Space (1958) handelt von einer Marsexpedition im Jahr 1973, die eine verschollene Gruppe Wissenschaftler auf dem Roten Planeten aufspüren soll. Tatsächlich finden sie einen Überlebenden. Doch dieser faselt ständig etwas von einem Monster, das auf dem Mars sein Unwesen treibt. Erst glaubt ihm niemand. Doch dann? Genau, dann bekommt einer nach dem anderen eines auf die Mütze. Neben „Planet der Vampire“ gilt auch dieser Film als Inspirationsquelle für Ridley Scotts „Alien“. „It!“ ist ein durchweg spannender Film und das Monster genial in Szene gesetzt.

It (1990) lautet die erste Adaption von Stephen Kings Klassiker. Der zweiteilige TV-Film hätte eigentlich von George A. Romero gedreht werden und Tobe Hooper hätte das Drehbuch schreiben sollen. Doch wurde leider daraus nichts. Stattdessen übernahm Tommy Lee Wallace, der mit „Halloween 2“ sein Debut gefeiert hatte, die Regie und schrieb auch am Drehbuch mit. Mit fast 30 Millionen Zuschauern wurde „It“ zu einem der größten Erfolge der TV-Geschichte. Dies vor allem auch durch Tim Currys Darstellung von Pennywise. Stephen King selbst war von der Adaption begeistert. 1991 erhielt „It“ den Prime Time Emmy Award.

It Follows (2014) übernahm wieder das Pronomen aus den SF-Horror-Filmen der 50er Jahre. Das Debut von Regisseur David Robert Mitchell handelt von einem unheimlichen Wesen, das Jugendliche verfolgt. Erst wenn sie mit einer anderen Person Sex haben, wird der „Fluch“ auf jemand anderen übertragen. „It Follows“ ist vor allem ein gut gemachter Zitatenschatz, der von „Halloween“ bis zu „Ring“ reicht. Die einfache Handlung ist dicht und spannend umgesetzt, wobei die Musik nicht weniger interessant ist und sich irgendwie an Dario Argentos Hausband Goblin orientiert. Die Low Budget-Produktion wurde ein Riesenerfolg. Leider wird zurzeit an einem zweiten Teil gebastelt, der wahrscheinlich wieder alles vermasselt.

It (2017) ist die zweite Adaption von Stephen Kings Roman. Schon jetzt zählt er zu den erfolgreichsten Horrorfilmen der Filmgeschichte und zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres 2017. Allerdings wurde nur die erste Hälfte des Romans verfilmt. Die zweite Hälfte soll angeblich 2018 in die Kinos kommen. Irgendwie hat die Neuverfilmung anscheinend den Zahn der Zeit getroffen. Nur so ist der Erfolg zu erklären. Auf jeden Fall zeigt sich einmal mehr, dass Horror längst zum Mainstream gehört, auch wenn unsere Pädagogen noch immer dagegen angehen. Zu dem Film selbst kann ich nichts sagen, da ich ihn noch nicht gesehen habe. Aber das Plakat sieht nicht schlecht aus :D .

Puls oder Wie man durchs Handy zum Zombie wird

cellDie Frage ist, welcher Roman oder welche Kurzgeschichte von Stephen King noch nicht verfilmt wurde. Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Filmemacher mit Kings Zombie-Roman „Cell“ aus dem Jahr 2006 beschäftigten.

Eigentlich wollte Eli Roth den Stoff verfilmen, doch wurde aus dem Projekt nichts. Er erwarb zwar 2006 die Filmrechte, doch letztendlich verfilmte Tod Williams den Horrorroman dann beinahe zehn Jahre später. Mit wenig Erfolg, denn der Film floppte und wurde sofort als VOD veröffentlicht. Da half auch nicht, dass King selbst das Drehbuch verfasste. Dieses wurde später von Adam Alleca nochmals überarbeit.

Im Film wie im Buch geht es um sonderbare Signale, die von den Handys ausgehen und deren Benutzer innerhalb kurzer Zeit in tollwütige Zombies verwandeln. In all dem Chaos versucht Clay Riddell seine Frau und seinen Sohn zu finden. Dabei schließt er sich einer Gruppe weiterer Überlebender an.

Handys als Objekt des Unheimlichen sind im Horrorgenre nichts Neues. Den Anfang nahm die japanische Produktion „One missed Call“ aus dem Jahr 2003, bei dem Takeshi Miike Regie führte und das zwei Sequels und ein US-Remake erfuhr. So gesehen war Kings Idee, mal einen Horrorroman zu schreiben, in dem Handys die Ursache allen Übels sind, wenig originell.

Der Roman als auch der Film orientieren sich dabei immer wieder an früheren Endzeit- und Zombiefilmen. Interessant ist aber, dass die Handlung von „Cell“ das Zombie-Getue weiter entwickelt. So haben wir es hier nicht mit herumwatschelnden Untoten zu tun, die nur noch rein instinkthaft handeln, sondern die Zombies entwickeln im Laufe des Films eine Art kollektive Intelligenz, was dann doch recht unheimlich wirkt. Der Aspekt des Unheimlichen wird verstärkt, indem sich der Film in Sachen Gewalt eher zurückhält und mehr mit Andeutungen und Atmosphäre spielt. Wer daher einen Zombie-Splatter-Streifen erwartet, wird garantiert enttäuscht werden.

Insgesamt aber ist „Cell“ ein durchaus spannender Horrorfilm, der zwar nicht so schlecht ist wie sein Ruf, der allerdings an ein paar deutlichen Durchhängern leidet. Dennoch weiß der Film, vor allem geprägt durch das Spiel von John Cusack und Samuel L. Jackson, zu unterhalten.

 

The 80s: Arnie in Action – Filme mit Arnold Schwarzenegger von 1982 – 1987

Anfang der 80er Jahre begann die Karriere von Muskelpaket Arnold Schwarzenegger. So gut wie alle Filme, in denen er mitwirkte, waren nicht nur überaus erfolgreich, sondern prägten nachhaltig die Popkultur. Da es aus diesem Grund schwer ist, nur einen seiner Filme für die Reihe „The 80s“ herauszugreifen, gibt der folgende Beitrag einen kleinen Überblick über seine wichtigsten Filme aus den 80ern:

schwarzenegger5Ganz klar, begonnen hat Arnies Karriere als Conan im Jahr 1982. Wer heute Conan sagt, denkt sofort an Schwarzenegger im Barbarenkostüm. Wahrscheinlich hätte sogar Robert E. Howard (1906-1936) seine Freude daran gehabt und Arnold Schwarzenegger für die Rolle befürwortet. In dem Film geht es natürlich um Rache. Nachdem der Anführer des Schlangenkults Thulsa Doom Conans Dorf verwüstet hat, sinnt Conan auf Rache. „Conan“ ist von Anfang bis Ende nur eines: Ein geniales Fantasy-Abenteuer, das bis heute beeindruckt. Hervorragend natürlich auch James Earl Jones als Arnies Gegenspieler. Der Film erfuhr zwei Jahre später eine Fortsetzung, die jedoch nicht mehr ganz so erfolgreich war wie das Original.

schwarzenegger1984 hieß es einfach nur „I’ll be back!“ Und schon war damit Filmgeschichte geschrieben. In „Terminator“ spielt Arnie den eigentlichen Titelhelden, eine Kampfmaschine aus der Zukunft, die ins Jahr 1984 reist, um dort Sarah Connor, die Mutter des zukünftigen Anführers der Widerständler, die gegen die Maschinen kämpfen, umzubringen. Eine Mischung aus Zeitreise-  und Actionfilm, wobei die Action klarerweise im Vordergrund steht. James Cameron führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch. Schon während seiner Lehrzeit bei Roger Corman Ende der 70er Jahre hatte er die Idee zu diesem Film gehabt. 1991 kam es zum ersten Sequel des Films, in dem zum ersten Mal CGI-Effekte verwendet wurden.

schwarzenegger11987 verschlug es Arnie in „Predator“ in den südamerikanischen Dschungel. Was zunächst wie ein militärischer Auftrag für eine Gruppe Söldner beginnt, wird schon bald zum Kampf gegen einen außerirdischen Jäger. Die Story ist originell, der Film klasse. Und die Regierungen Südamerikas regten sich über „Predator“ auf, da sie sich verunklimpft vorkamen. Denn „Predator“ skizziert vor allem negative soziale Erscheinungen wie organisierte Kriminalität, Drogenkartelle oder instabile Regierungen, die im Zusammenhang mit Südamerika stehen. Und in der Realität ist es gaaaaar nicht so schlimm. Da gibt es nur das ein oder andere Beispiel. Aber egal, „Predator“ ist zu Recht ein Klassiker der 80er Jahre.

schwarzenegger4Im selben Jahr verschlug es Arnie auch in eine Spielshow der Zukunft. Das Jahr: 2017. Die Sendung: Running Man. Und so lautet dann auch der Titel des Films. Darin ist die USA zu einem totalitären Staat verkommen. Um die Bevölkerung bei Laune zu halten, wurde die Spielshow Running Man erfunden, in der Strafgefangene ähnlich wie Gladiatoren um ihr Leben kämpfen müssen. In diese Show gerät auch Ben Richards, der eigentlich unschuldig ist, und nun zusehen muss, wie er da wieder raus kommt. „Running Man“ ist eine gelungene Satire auf Medien, Politik und Gesellschaft. Ein Grund also für unsere FSK-Stelle, den Film zu indizieren. So etwas wie Satiren auf Politik und Gesellschaft mag man dort nämlich nicht. Erst 2014 wurde die Indizierung endlich aufgehoben. Der Film ist übrigens eine Stephen King-Adaption. Dieser schrieb den Roman allerdings unter seinem Pseudonym Richard Bachmann.

 

The 80s: Stand by me (1986)

standbymeStephen King ist ein Autor, bei dem die Frage gilt, welche seiner Geschichten eigentlich noch nicht verfilmt wurden. King ist nicht nur Bestsellerautor, sondern – was den Filmmarkt betrifft – auch eine Art Markenzeichen. 1986 verfilmte Rob Reiner die Erzählung „Die Leiche“ (The Body) unter dem Titel „Stand by me“. „Die Leiche“ ist eine der Geschichten, in denen sich King nicht als Horrorautor, sondern als Erzähler hervortut und dies auf großartige Weise. Kein Wunder, dass er in den USA inzwischen mit Mark Twain und John Steinbeck verglichen wird.

In „Die Leiche“ geht es um ein paar Freunde, die mitbekommen, dass irgendwo neben den Gleisen, ein toter Junge liegt. Aus Neugierde und Abenteuerlust, machen sie sich auf den Weg, um die Leiche zu suchen. Regisseur Rob Reiner hielt sich bei seiner Adaption sehr genau an die Vorlage. Er fügte lediglich eine Rahmenhandlung hinzu, in der sich Gordie Lachance (die Hauptfigur) aufgrund der Nachricht des Todes seines besten Freundes Chris Chambers an das damalige Abenteuer erinnert.

„Stand by me“ ist ein sehr schöner, leicht melancholischer Film, eine Mischung aus Drama und Abenteuer, der 1959 in und um Kings fiktiver Kleinstadt Castle Rock spielt. Bis Gordie Lachance und seine Freunde endlich zu dem Ort gelangen, an dem die Leiche liegt, müssen sie u. a. eine Eisenbahnbrücke überqueren, auf der sich gerade ein Zug nähert, und durch einen See waten, der voller Blutegel ist. Zudem müssen sie sich vor Ace Merill und seiner Gang in Acht nehmen, die ebenfalls die Leiche finden wollen. Hin und wieder gibt Lachance eine seiner selbst erfundenen Geschichten zum besten, wobei diejenige herausragt, in der sich ein dicker Junge bei einem Kirschkuchenwettessen an der ganzen Schule rächen möchte.

Interessant ist das Essemble von „Stand by me“. Neben Wil Wheaton, der später in der TV-Serie „Star Trek – Next Generation“ bekannt werden sollte, spielten auch River Phoenix, Corey Feldman, Kiefer Sutherland (natürlich als Bösewicht) und John Cusack (als Gordies älterer Bruder) mit. Für Regisseur Rob Reiner sollte „Stand by me“ nicht die einzige King-Verfilmung bleiben. 1990 drehte er den Thriller „Mysery“ nach Kings gleichnamigen Roman.

 

Hill House und seine Erben – Shirley Jacksons berühmter Geisterhausroman und was danach kam

HauntingOfHillHouse1959 veröffentlichte die amerikanische Thriller-Autorin Shirley Jackson ihren wohl berühmtesten Roman „The Haunting of Hill House“. Es handelt sich dabei um einen Spukhausroman, der sich jedoch nicht als schlichte Horrorgeschichte versteht, sondern viel eher als psychologischer Thriller mit paranormalen Zwischenschüben. Es geht darin um den Anthropologen Dr. Montague, der ein Experiment in einem angeblichen Spukhaus durchführen will. Die Teilnehmer sind die schüchterne Eleanor, die mit leicht telepathischen Fähigkeiten ausgestattete Theodora und der Erbe des Spukhauses Luke. Ziel des Experiments ist es, zu ergründen, ob es in Hill House, das vor 80 Jahren von dem Industriellen Hugh Crain erbaut wurde, tatsächlich spukt. Das leicht fertig ins Leben gerufene Vorhaben gerät nach und nach außer Kontrolle.

„The Haunting of Hill House“ ist wahrscheinlich der packendste und überzeugendste Spukhausroman, der jemals geschrieben wurde. Das Besondere daran ist, dass Shirley Jackson das Haus nie wirklich mit architektonischen Begriffen beschreibt, sondern dafür Adjektive wie z.B. „scheußlich“ und „aussätzig“ verwendet. Die Handlung wirkt zunächst eher skizzenhaft, bevor sie sich nach den ersten 30 Seiten zunehmend verdichtet. Shirley Jackson, die mit ihrer Kurzgeschichte „Die Lotterie“ berühmt geworden war, befindet sich hierbei auf der Höhe ihres Schaffens. Der Roman beeinflusste später Größen wie etwa Stephen King und Richard Matheson.

Bulwer-Lytton
Edward Bulwer-Lyttons „The Haunted and the Haunters“ (Das leere Haus in der Oxfordstreet) zählt zu den berühmtesten Spukhausgeschichten.

Knapp hundert Jahre vor „Spuk in Hill House“, so der Titel der 1993 im Diogenes Verlag erschienen Übersetzung, verfasste Edward Bulwer-Lytton eine recht ähnliche Geschichte. In „The Haunted and the Haunters“, die 1859 erschien und von der es unterschiedliche Fassungen und auch verschiedene Titel (wie z.B. „The House and the Brain“) existieren, geht es um eine Wette. In einem alten Haus in London soll es angeblich wirklich spuken. Kurzerhand entschließt sich der Ich-Erzähler zusammen mit seinem Diener und seinem Hund eine Nacht darin zu verbringen. Sein anfänglicher Spott gegenüber dem Geisterglauben verwandelt sich in eben dieser Nacht in reines Entsetzen.

Es scheint so, als hätte sich Shirley Jackson von dieser Geschichte, die wohl zu Bulwer-Lyttons bekanntesten Erzählungen gehört, inspirieren lassen. Die Wette wird von ihr in ein Experiment transformiert. Das Interesse am Spuk wird zu einem wissenschaftlichen Unterfangen. Es gibt kaum eine Gespenstergeschichtenanthologie, in der Bulwer-Lyttons Geschichte nicht beinhaltet ist. Shirley Jacksons Roman wurde ein Bestseller und 1963 von Robert Wise unter dem Titel „The Haunting“ verfilmt.

Thehaunting1963Der Film zählt bis heute zu den besten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden. Damals galt er als einer der unheimlichsten Filme überhaupt. Robert Wise überträgt den psychologischen Gehalt des Textes in paranoide Bilderfolgen. Der Aufbau der Spannungen und nicht zuletzt die unheimlichen Geräusche (die eigentlichen „Stars“ des Films) sind kaum zu überbieten. Während Theodora in dem Roman andeutungsweise bisexuell charakterisiert wird, erhält sie in dem Film andeutungsweise einen lesbischen Charakter.

Dieser wurde in dem Remake des Films aus dem Jahr 1999 deutlicher herausgearbeitet. Actionregisseur Jan de Bont führte Regie, was diesem Film deutlich schadete. Denn anstatt eine spannende Geschichte und hervorragenden Nervenkitzel zu präsentieren, wird ein Nacheinander an Computer generierten Special Effects geboten, die die Handlung langweilig und eintönig und nicht zuletzt lächerlich machen. Von dem Klassiker Roberts Wises ist nichts mehr übrig.

The_Haunting_film
Das Remake von Robert Wises Klassiker.

Kehren wir 20 Jahre zurück.  1971 verfasste Richard Matheson den Geisterhausroman „Hell House“. Man muss nicht lange um den heißen Brei herumreden. „Hell House“ ist das literarische Remake von Shirley Jacksons berühmten Roman. Dieses Mal ist es der Physiker Dr. Lionel Barrett, der in dem berüchtigten Belasco House ein wissenschaftliches Experiment durchführen möchte. Mit dabei sind unterschiedliche Personen, u. a. ein Mann mit außersinnlicher Wahrnehmung. Die Handlung verläuft beinahe identisch mit derjenigen von „Hill House“, jedoch versehen mit ein paar Sexszenen, die für die spätere Verfilmung gestrichen werden mussten. Der Roman für sich genommen ist durchaus spannend und interessant. Im Vergleich mit „Hill House“ allerdings eher ein Ärgernis. Zu genau ist die Übernahme von Shirley Jacksons Idee.

HellHouse The_Legend_of_Hell_House

Der spätere Film aus dem Jahr 1973 (genau 10 Jahre nach „The Haunting“) übernimmt am Anfang die geniale Optik von Robert Wise, um sie kurz darauf jedoch ad acta zu legen und einen durchschnittlichen Film zu präsentieren. Ähnlich wie später bei „Ghostbusters“ entwirft der Physiker eine Apparatur, mit der es möglich ist, Geister einzufangen.

2002 kam es zu einer weiteren „Adaption“ von Shirley Jacksons Roman. Dieses Mal von Horrormeister Stephen King. Er verfasste das Drehbuch zu einem vierteiligen TV-Film mit dem Titel „Rose Red“ (Das Haus der Verdammnis). Wer den Film nicht kennt, kann dennoch die Handlung sicherlich bereits erraten. Es geht um eine Wissenschaftlerin, die mit Leuten, die paranormale Eigenschaften aufweisen, eine Nacht in einem angeblichen Spukhaus verbringen möchte. Das Experiment gerät jedoch aufgrund des tatsächlichen Spuks außer Kontrolle.

Stephen King übernahm genauso wie Richard Matheson die Grundidee Shirley Jacksons eins zu eins, würzte sie aber mit einer leicht veränderten Hintergrundgeschichte. Der Film selbst besitzt durchaus seine positiven Seiten, auch wenn die TV-Darsteller nicht wirklich überzeugen. Allein Julian Sands weist hierbei eindeutige Pluspunkte auf. Mit einer Laufzeit von knapp vier Stunden zieht sich die Geschichte zu sehr in die Länge. Dennoch wurde der Film ein Erfolg und führte 2003 zu einem Prequel (Das Tagebuch der Ellen Rimbauer), das in seiner Dramaturgie um ein Vielfaches besser ist als die Miniserie, auch wenn diesen Film heute niemand mehr kennt.

RoseRedShirley Jackson legte mit ihrem Roman eine Art Prototyp des Geisterhausromans vor. Auch wenn ihre Geschichte von Bulwer-Lyttons Erzählung „The Haunted and the Haunters“ (Das verfluchte Haus in der Oxfordstreet) inspiriert scheint, knüpfen spätere Spukhausromane und Filme an ihrem Erfolg an.