Sinnliche Vampire: Carmilla (2019)

Sheridan Le Fanus Novelle „Carmilla“ (erschienen 1871) zählt zu den Klassikern der unheimlichen Literatur und der Vampirgeschichten im Speziellen. Die angedeutete lesbische Beziehung zwischen der Vampirin Carmilla und ihrem Opfer Lara macht den Stoff für Regisseure bis heute interessant. 2019 nahm sich Regisseurin Emily Harris der Novelle an und schuf einen wunderschönen, dichten und durchaus sinnlichen Horrorfilm.

Laura (Hannah Rae) und Carmilla (Devrim Lingnau) finden zueinander; „Carmilla“ (2019); © Film Movement

Wer sich spritzende Blutfontänen erhofft, ist bei Emily Harris‘ Verfilmung fehl am Platz. Wer jedoch subtilen Grusel und das zwischen den Zeilen lauernde Grauen schätzt, der ist hier genau richtig. Denn Harris zeigt keine Vampire mit spitzen Eckzähnen, sondern beschreibt, wie das Unheimliche nach und nach in das Haus eines Arztes Einzug hält. Vor allem von dem Grauen betroffen ist Laura, deren Mutter gestorben ist und die nun von der strengen Miss Fontaine erzogen wird. So gut wie alles ist Laura verboten, erst recht darf sie nichts über sexuelle Themen erfahren. Heimlich aber stielt sie sich immer ein anatomisches Buch ihres Vaters aus dem Bücherschrank.

Als in unmittelbarer Nähe des Hauses eine Kutsche verunglückt, wird die verletzte Carmilla ins Haus gebracht. Carmilla kann sich nicht erinnern, woher sie stammt oder wer ihre Eltern sind. Daher soll sie so lange bleiben, bis der Fall geklärt ist. Währenddessen aber freundet sich Laura mit Carmilla immer mehr an. Die Freundschaft geht rasch über in eine sinnliche Beziehung.

Harris orientiert sich bei ihrer Adaption teilweise an den Arbeiten der beiden Indie-Regisseure Justin Benson und Aaron Moorhead, die mit ihren eigenwilligen Horrorfilmen (wie z.B. „Spring“) immer wieder Aufsehen erregen. Zugleich aber lässt sie sich in der Bildgestaltung durch Gemälde aus dem 19. Jahrhundert inspirieren, was dem gesamten Film eine wunderschöne Optik verleiht, die geprägt ist von einer grandiosen, düsteren Farbgebung und einer exzellenten Beleuchtung.

Innerhalb dieses ästhetischen Rahmens nimmt die düster-unheimliche Geschichte ihren Lauf. Wie bereits bemerkt, lebt Harris‘ Verfilmung der berühmten Novelle von Andeutungen, die so geschickt in die Handlung eingewebt sind, dass dadurch eine stete unterschwellige Bedrohung entsteht.

Aufgrund dieser wundervollen Machart, die fast ganz auf die herkömmlichen Vampir- und Horroreffekte verzichtet, wirkt der Film zwar auf eine leise, trotzdem durchaus beeindruckende Weise. Dies macht „Carmilla“ meiner Meinung nach zur bisher besten Adaption der Novelle, vor allem auch deswegen, da sich der Film (im Gegensatz zu anderen Verfilmungen des Klassikers) recht genau an die literarische Vorlage hält.

Carmilla. Regie u. Drehbuch: Emily Harris, Produktion: Lizzie Brown, Darsteller: Hannah Rae, Jessica Raine, Devrim Lingnau, Tobias Menzies, Lorna Gayle. England 2019

Horror de Luxe: Enemy (2013)

Der Film „Enemy“ ist zwar eher eine Art Mystery-Thriller und weniger ein Horrorfilm, doch ist er in unserer Rubrik „Horror de Luxe“ trotzdem am besten aufgehoben. Allein schon aus dem Grund, da es sich um einen erstklassigen Film handelt.

Wo ist der Kammerjäger, wenn man ihn braucht?; Szene aus „Enemy“ (2013); © Entertainment One

Man stelle sich vor, es würde einen zweimal geben. Gut, das Doppelgängermotiv ist so alt wie die Phantastik selbst, doch in Denis Villeneuves Adaption des Romans „Der Doppelgänger“ von José Saramago nimmt dieses Motiv ziemlich bizarre Züge an. Jedenfalls handelt es sich um einen Film, den Filmkritiker aufgrund seiner Symbolik bis heute immer wieder analysieren.

Es geht um den Geschichtsdozenten Adam Bell, der sich in seinem Leben nur noch langweilt. Auch die Beziehung zu seiner Frau steckt in der Krise. Da leiht er sich einen Film aus, dessen Hauptdarsteller Anthony Claire ihm bis aufs Haar gleicht. Adam versucht, mit Anthony in Kontakt zu kommen. Der Beginn eines gefährlichen Spiels …

„Enemy“ ist ein großartiger Thriller mit leisen Tönen, der einem so richtig unter die Haut geht. Zudem ist die Schlussszene dermaßen der Hammer, dass es einen regelrecht vom Stuhl haut. Ich persönlich habe mich jedenfalls so erschrocken wie schon lange nicht mehr.

In der Machart orientiert sich Denis Villeneuve an den Thrillern der 70er Jahre, was „Enemy“ einen leicht schmuddeligen Look verleiht, der ja typisch für die Krimis und Thriller der 70er Jahre war. Villeneuve sagte zwar in einem Interview, dass er sich für „Enemy“ bei den Filmen Stanley Kubricks beeinflussen hat lassen, doch kann der Film auch nicht den Einfluss David Lynch‘ verbergen. Das Spiel zwischen Realität und surrealen Zwischentönen liegt genau auf dessen Linie.

Wirklich hervorragend ist auch die Arbeit von Jake Gyllenhaal, der hier Adam Bell und dessen Doppelgänger spielt. Seine beiden Darstellungsweisen sind so überzeugend, dass man tatsächlich zwei verschiedene Personen vor sich sieht. Auf der einen Seite der orientierungslose Dozent Adam Bell, auf der anderen Seite der aggressive Schauspieler Anthony Claire. Ein paar Jahre später sollte Kyle MacLachlan eine ähnlich gute Doppelgängerdarstellung in der Fortsetzung von „Twin Peaks“ abliefern.

„Enemy“ lief zwar nicht besonders erfolgreich in den Kinos, erhielt jedoch ausnahmslos gute Kritiken. Zusätzlich wurde der Film mit mehreren Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Toronto Film Critics Award als bester kanadischer Spielfilm. Kurz: sehr zu empfehlen.

Enemy. Regie: Denis Villeneuve, Drehbuch: Javier Gullon, Produktion: Niv Fichman, Darsteller: Jake Gillenhaal, Melanie Laurent, Sarah Gadon, Isabella Rossellini. Kanada 2013

Horror de Luxe: The Cell (2000)

Catherine Deane (Jennifer Lopez) in Carls Unterbewusstsein; „The Cell“ (2000); © New Line Cinema

Viele Kritiker trauten ihren Augen nicht, als „The Cell“ in die Kinos kam. Man hatte einen üblichen Thriller um einen Serienmörder erwartet. Doch niemand hatte damals mit Tarsem Singhs ästhetischen Albtraumbilderrausch gerechnet.

Die Polizei ist hinter dem Serienmörder Carl Starghner her, der Frauen entführt und sie in eine Zelle aus Glas steckt, in dem seine Opfer qualvoll ertrinken. Kürzlich hat der Täter erneut zugeschlagen. Doch dieses Mal verläuft alles anders: Carl wird geschnappt. Doch liegt dieser im Koma. Um dennoch sein letztes Opfer retten zu können, begibt sich die Psychologin Catherine Deane mithilfe einer neuartigen Maschine in seine Gedankenwelt …

Tarsem Singh, der sich seit „The Cell“ nur noch Tarsem nennt, zog bei seinem Debut alle Register. Der Film ist ein wahrer düster-ästhetischer Augenschmaus, der zugleich oder gerade deswegen überaus beklemmend wirkt. Tarsem lässt es nicht bei dem üblichen Fangspiel zwischen Mörder und Polizisten, sondern es geht ihm um die Frage, wie jemand zu solch einem grausamen Mörder wird. Als Catherine bemerkt, dass sie durch diese Erkenntnis das letzte Opfer finden kann, versucht sie, auf Carls Kindheitserinnerungen einzuwirken.

Carl Starghner bleibt dadurch nicht plakativ, sondern erhält wie alle anderen Figuren eine für dieses Genre überaus komplexe Tiefe. Für die Szenen, die im Unterbewusstsein Carls spielen, ließ sich Tarsem von verschiedenen Künstlern und Kunstwerken inspirieren. Aber auch das Spiel mit Filmzitaten bleibt nicht aus, hierbei vor allem auf den Mystery-Thriller „Paperhouse“ (1988) von Bernard Rose.

Dabei ist „The Cell“ keineswegs der erste Film, der sich mit dem Thema Bewusstseinverschmelzung beschäftigt. Bereits 1984 schuf Regisseur Joseph Ruben mit „Dreamscape“ einen Film, in dem es um ein ähnliches Projekt wie in „The Cell“ geht. Im Gegensatz zu Tarsems Werk, knüpft „Dreamscape“ jedoch eher an Action und dem einen oder anderen Gag an.

Carl (Vincent D’Onofrio) ist König in seinem albtraumhaften Reich; „The Cell“ (2000); © New Line Cinema

„The Cell“ ist ein Film, dem man sich nicht entziehen kann. Die Geschehnisse und die bis ins kleinste Detail ausgefeilte Ästhetik wirken wie ein Strudel, der einen nicht mehr loslässt. Auf diese Weise zählt „The Cell“ sicherlich zu den außergewöhnlichsten Psycho-Thrillern überhaupt.

The Cell. Regie: Tarsen Singh, Drehbuch: Mark Protosevich, Produktion: Julio Caro, Eric McLeod, Darsteller: Jennifer Lopez, Vince Vaughn, Vincent D’Onofrio, Jake Weber. USA 2000

 

8 – Horror aus Südafrika

Mit „8“ liefert der südafrikanische Regisseur Harold Holscher sein Debüt ab: ein Horrorfilm, der südafrikanische Folklore mit modernen Gruselelementen vermischt. Das Symbol 8 verweist dabei auf den Berührungspunkt zwischen der übernatürlichen und der hiesigen Welt.

Die Handlung spielt 1977. Will, seine Frau Sarah und die Adoptivtochter Mary ziehen in ein altes Farmhaus, das früher Wills Vater gehört hat. In der Nähe treibt sich der einsame Schwarze Lazarus herum, der einen schweren Ledersack mit sich herumträgt. Da Lazarus früher für Wills Vater gearbeitet hat, lässt Will ihn in der Scheune wohnen. Doch als sich mehr und mehr unheimliche Dinge ereignen, möchte Sarah, dass Lazarus wieder verschwindet. Auch der in der Nähe lebende Medizinmann Obara warnt Will vor Lazarus …

Harold Holschers Debüt steckt voller Geheimnisse und dies im doppelten Sinn. Denn zum einen ist „8“ eine durch und durch geheimnisvolle, düstere Geschichte, zum anderen lässt der Regisseur viele Aspekte offen, sodass man als Zuschauer durchaus ins Rätseln kommt, was mit dieser oder jener Szene gemeint ist. Wer sich mit afrikanischer Folklore auskennt, wird wahrscheinlich mehr in mancher unklaren Szene erkennen. Andererseits aber ist dies natürlich auch ein Anreiz dafür, sich selbst näher mit den Mythen und Legenden Südafrikas zu beschäftigen.

Was interessant ist, ist, dass Harold Holscher gleich zu Anfang Larry Fessendens Meisterwerk „Wendigo“ (2001) zitiert. Die Anfahrt zur Farm ähnelt recht stark der Anfahrt zu dem leer stehenden Haus in eben jenem Film des New Yorker Independent-Regisseurs, sodass man meint, dass Holscher sich weiter an Fessendens Stil orientierten wird.

Doch weit gefehlt. Angekommen beim Farmhaus nimmt es Holscher mit den Horrorfilmen der 70er Jahre auf, weswegen ja auch die Handlung im Jahr 1977 spielt. Erst nach und nach schleichen sich die folkloristischen Elemente in die Handlung ein. Aufgrund eben dieser Elemente wirkt „8“ stets faszinierend, wobei jedoch eher selten richtige Spannung aufkommt. Die einzelnen, wenigen unheimlichen Szenen sind sehr sorgfältig konzipiert und orientieren sich dabei sehr schön an klassischen Gruselelementen. Dies ist vor allem Kameramann David Pienaar zu verdanken, dessen wunderbare Bildkompositionen den Film immer wieder zu einem Augenschmaus machen.

Das Problem des Films sind jedoch vor allem seine Figuren. Will, Sarah und Mary bleiben allesamt eher unscharf. Vor allem bei Will weiß man nicht recht, was er auf der Farm eigentlich möchte. Denn angeblich ist er, laut einer Bemerkung Sarahs, Buchhalter. Möchte er die Farm übernehmen? Das Haus einfach nur herrichten, um es nachher zu verkaufen? Dass Sarah ihm keine richtige Hilfe ist, wird immer deutlicher. Denn sie ist die einzige, die spürt, dass mit dem Ort und mit Lazarus etwas nicht stimmt.

Im Hinblick auf das Unheimliche wirkt der Schwarze Wanderer keineswegs bedrohlich oder unsympathisch. Im Gegenteil, ausgerechnet der von allen anderen Figuren als unheimlich und böse bezeichnete Mann ist die Figur, in die man sich am ehesten hineinversetzen kann. Sein Schicksal macht ihn zu einer durch und durch tragischen Figur, mit der man eher Mitleid hat, als dass man sich vor ihr gruselt.

Harold Holscher beweist in „8“, trotz der genannten Schwächen, dass er auf jeden Fall etwas kann. Man darf daher gespannt auf seinen nächsten Film sein.

„8“. Regie u. Drehbuch: Harold Holscher, Produktion: Jac Williams, Darsteller: Tshamano Sebe, Inge Beckmann, Garth Breytenbach, Keita Luna, Chris April. Südafrika 2019.

Horror de Luxe: Tormented – Der Turm der schreienden Frauen (1960)

Was alles so geschehen kann, wenn ein Mann vom „sexiest ghost“ verfolgt wird, zeigt uns Regisseur Bert I. Gordon in seinem Film „Tormented“. Gordon ist in Deutschland so gut wie unbekannt, in den USA dagegen zählt er neben Roger Corman und William Castle zu den bekanntesten Trash-Ikonen, der für viele seiner Filme auch die Spezialeffekte entwickelte.

In „Tormented“ geht es um den Jazzmusiker Tom Stewart, der auf der Insel Cape Cod lebt und kurz vor seiner Heirat mit Meg Hubbard steht. Doch Tom hat es nicht so mit der Treue. Heimlich trifft er sich mit Vi Mason. Als sich beide auf dem alten Leuchtturm treffen, der demnächst abgerissen werden soll, möchte Tom die heimliche Beziehung beenden. Noch während der Auseinandersetzung gibt ein Teil des Geländers nach und Vi stürzt in die Tiefe. Und damit fängt die Geschichte eigentlich erst an. Denn Tom wird von da an vom Geist Vis, dem oben genannten sexiest ghost, wie es damals im Trailer hieß, verfolgt.

Tom Stewart (Richard Carlson) in der Zwickmühle; „Tormented“ (1960)

„Tormented“ ist ein kurzweiliger und durchaus spannender Horrorfilm, dem man sicherlich ansieht, dass nicht viel Geld für die Produktion vorhanden war, der jedoch das Beste daraus macht. Die Effekte sind witzig in Szene gesetzt, von einer Geisterhand, die Tom den Ehering stielt, bis zu dem Geist mit wehendem Gewand ist alles vorhanden. Wirklich gut wird Tom Stewart von Richard Carlson dargestellt, der selbst Regisseur und Produzent gewesen war. Er zeigt Tom als einen Mann, der zunehmend von Schuldgefühlen geplagt wird und der bald nicht mehr weiß, ob er deshalb unter Wahnvorstellungen leidet oder ob er es mit tatsächlichem Spuk zu tun hat.

Vi (Juli Reding) lässt das Spuken nicht; „Tormented“ (1960)

Gordon mischt dabei recht schön modernen Grusel mit klassischem Geisterspuk. Das zusätzliche Thema der Schuld verleiht „Tormented“ eine gewisse Tiefe, was dazu führt, dass der Film durchaus aus Gordons übrigem Werk hervorsticht, in dem es meistens um die Flucht vor riesigen Monstern geht – wie z.B. in „The Cyclops“ (1957) oder in „Attack of the Puppet People“ (1958). Natürlich ist der Film kein Meisterwerk, aber ihm gelingt eine recht schöne, teils subtile Spukatmosphäre, die unter anderem durch den alten Leuchtturm aufrechterhalten wird, der stets wie ein Symbol des Unheils und des Geheimnisvollen wirkt. Das einzige Manko, den Film gibt es zurzeit in keiner guten Bildqualität. Aber vielleicht findet sich ja einmal ein Restaurator, der sich dem annimmt.

Horror de Luxe: Arac Attack (2002)

„Arac Attack“ (2002); © Warner Bros

Für den neuseeländischen Regisseur Ellory Elkayem hätte „Eight Legged Freaks“ der Sprung vom Direct-To-Video-Bereich ins Kino werden sollen. Für diesen Film, der u. a. von Roland Emmerich mit produziert wurde, hatte es auch tatsächlich geklappt. Aber eben nur für diesen einen Film. Danach verschwand der Regisseur wieder in der Versenkung.

Höchstwahrscheinlich lag dies daran, dass der Film nicht den Erfolg erzielte, den sich Warner Bros. gewünscht hatte. Der Film kostete 30 Millionen Dollar und spielte 45 Millionen Dollar ein. Doch sagt das alles nichts über die Qualität von „Arac Attack“ aus. Der Film macht von Anfang bis Ende Spaß.

In der Kleinstadt Prosperity sind die Spinnen los, nachdem ein Lastwagen eine Ladung gefährlicher Chemikalien verloren hat. Denn Spinnenzüchter Joshua füttert seine Tierchen mit verseuchten Grillen, was dazu führt, dass die Spinnen riesige Ausmaße annehmen …

Man könnte „Arac Attack“ als ein Remake von „Earth vs. The Spider“ (1958) betrachten, in dem eine riesige Vogelspinne eine Kleinstadt attackiert. Die Handlung ist durchaus ähnlich, auch wenn bei Elkayems Film eindeutig mehr Spinnen ihr Unwesen treiben. Sozusagen als Gegenstück zu dem eher ernsten Tierhorrorstreifen „Arachnophobia“ (1990) von Frank Marshall, bietet „Eight Legged Freaks“ witzige Horrorunterhaltung. Zudem weist der Film auch eine erstklassige Optik und Farbgebung auf, die beide angelehnt sind an die 50er Jahre. Natürlich gab es wieder die Extremkritiker, die bemängelten, dass die Umweltthematik nicht richtig ausgearbeitet wurde, denen kann man nur antworten: Ja, es stimmt, ein Arthouse-Film sieht anders aus. „Arac Attack“ möchte nichts anderes als unterhalten und das gelingt dem Film zu über 100 Prozent.

Spinnenalram; „Arac Attack“ (2002); © Warner Bros

Der Fokus liegt dabei klarerweise auf den Spezialeffekten, die unglaublich gut in Szene gesetzt sind. Meistens überwiegen CGI-Effekte, doch gelegentlich taucht auch eine Plastikspinne oder ein riesiges Spinnenbein (ebenfalls aus Plastik) auf. All das ist untermalt mit einem schrägen Humor, bei dem sogar die Spinnen mitwirken. Interessant ist, während Scarlett Johansson bei „Arac Attack“ kurz vor ihrem Karrieredurchbruch stand, war es für Kari Wuhrer, die den weiblichen Sheriff der Kleinstadt spielt, die einzige Hauptrolle in ihrer Karriere. Inzwischen ist sie überhaupt nicht mehr als Schauspielerin tätig. Wie bereits erwähnt, konnte auch Regisseur Ellory Elkayem karrieremäßig nicht von dem Film profitieren. Schade, denn in „Arac Attack“ beweist er, dass er sein Handwerk richtig gut versteht.

Arac Attack (OT: Eight Legged Freaks); Regie u. Drehbuch: Ellory Elkayem, Produktion: Bruce Berman, Roland Emmerich, Darsteller: David Arquette, Kari Wuhrer, Scarlett Johansson, Scott Terra. USA/Neuseeland 2002, 99 Min.

Horror de Luxe: The Asphyx (1972)

Cunningham (Robert Stevens) und sein Adoptivsohn Giles (Robert Powell) beim Experiment. „The Asphyx“ (1972); © Ostalgica/BBC

Die Hammer-Film-Productions waren gerade im Niedergang, als es David Leans Kameramännern einfiel, einen Horrorfilm im Stil von Hammer zu kreieren. Das Ergebnis war die außergewöhnliche Produktion „The Asphyx“, in England ein Klassiker, in Deutschland so gut wie unbekannt.

Der Film handelt von Sir Hugo Cummingham, der Ende des 19. Jahrhunderts mit seiner Kamera herumexperimentiert. Er ist Mitglied einer parapsychologischen Gesellschaft, die das Übernatürliche wissenschaftlich erfassen möchte. Auf mehreren seiner Fotos, auf denen sterbende Menschen zu sehen sind, entdeckt Cummingham einen sonderbaren dunklen Fleck. Sofort ist das makabre Interesse des Hobby-Wissenschaftlers geweckt und er beschließt, weitere Fotos von Menschen zu machen, die gerade im Sterben liegen.

Als er eine Hinrichtung filmt, kommt es zu einem unheimlichen Zwischenfall. Durch den Lichtverstärker, den Cummingham benutzt, ist plötzlich ein unheimliches Wesen zu sehen, das sich dem Verurteilten nähern möchte. Cummingham kommt auf die Idee, bei der nächsten Gelegenheit, ein solches Wesen zu fangen. Doch hat er nicht mit den Konsequenzen gerechnet, die seine Aktion mit sich bringt …

„The Asphyx“ ist ein unglaublich origineller Film, der in gewisser Weise Steampunk mit den Elementen des Gothic Horror mischt. Dabei schreitet die Handlung rasant voran, ein Zwischenfall folgt dem nächsten – und parallel dazu nimmt ein weiteres, damit verbundenes Drama seinen unheilvollen Lauf: denn Cunningham zerstört durch seine Experimente mehr und mehr das Glück seiner Familie.

Sowohl Peter Newbrook, der Regie führte, als auch Freddie Young, der hinter der Kamera stand, gehörten zur Stammcrew des berühmten Regisseurs David Lean. Was beide dazu gebracht hat, gemeinsam einen Horrorfilm zu drehen, sei einmal dahingestellt. Das Ergebnis lässt sich allerdings sehen. Die ungewöhnliche Thematik des Films umgibt die Handlung mit einem morbid-düsteren Unterton.

Nicht, dass der Film brutal wäre. Es geht um das Spiel mit grundlegenden moralischen Empfindungen und um die Diskussion um moralische Werte an sich. Was darf man, was nicht – im postmodernen Horrorkino rückte diese Fragestellung und ihre unterschiedliche Betrachtungsweise ins Zentrum der Handlung. So auch bei „The Asphyx“. Zwar ist es bei Cummingham zunächst rein wissenschaftliche Neugier, mit der er sein Handeln rechtfertigt, doch auch in der Wissenschaft stellt sich die oben genannte moralische Frage.

„The Asphyx“ wird dadurch zu einem überraschend tiefgründigen Film, der diese Tiefe mit einer überaus unterhaltsamen und spannenden Handlung verbindet. Erst 1988 kam der Film in Deutschland auf Video heraus. Kurz: sehr sehenswert.

Der Regisseur Lovecrafts – Zum Tod von Stuart Gordon

Jeffrey Combs in seiner bekanntesten Rolle als Herbert West; „Re-Animator“ (1985); © Laser Paradise

Stuart Gordon wandte sich dem Theater zu, da er keinen Platz in den Filmkursen der Universität von Wisconsin erhielt. Bekannt wurde Gordon durch seine Organic Theater Company, die er 1969 zusammen mit seiner Frau gründete. Sowohl klassische als auch moderne Stücke gehörten und gehören zum Repertoire der Kompanie. 2011 erregte das Ensemble durch das „Re-Animator“-Musical Aufsehen, das mehrfach vor vollem Haus aufgeführt und mit dem Saturn Award ausgezeichnet wurde.

Zum Film gelangte Stuart Gordon 1985. Sein Freund Brian Yuzna engagierte ihn als Regisseur für den inzwischen zum Klassiker gewordenen „Re-Animator“. Die Machart der Lovecraft-Adaption sollte nicht nur wegweisend für das Horrorgenre sein, sondern auch den weiteren Stil von Gordon bestimmen: eine Mischung aus skurrilen Ideen, erstaunlichen Effekten und schwarzem Humor. Der grandiose Erfolg seines Debuts führte 1986 zu einer weiteren Adaption einer Lovecraft-Erzählung mit dem Titel „From Beyond“.

Doch auch Misserfolge änderten nichts an der Zusammenarbeit zwischen Stuart Gordon und Brian Yuzna. Im Gegenteil, denn nach dem Flop „Dolls“ (1987), in dem sechs Menschen während eines Gewittersturms in einem verlassenen Haus Schutz suchen, nicht ahnend, dass dort unheimliche Puppen ihr Unwesen treiben, drehten beide ihre einzige gemeinsame Großproduktion mit dem Titel „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ (1989) und landeten mit der Walt Dinsey-Produktion einen Megaerfolg.

Dennoch hielt es weder Stuart Gordon noch Brian Yuzna in der Welt der großen Studios. Zwar produzierte Gordon noch das Sequel „Liebling, jetzt haben wir ein Riesenbaby“ (1992) und führte Regie bei dem SF-Film „Fortress“ (1992), doch wandte er sich danach wieder den Lovecraft-Themen zu.

1995 drehte er daher „Castle Freak“, nach der Kurzgeschichte „Der Außenseiter“ von Lovecraft. Erneut spielte Jeffrey Combs die Hauptrolle. Auch wenn der Film nur im Ansatz Lovecrafts Idee wiedergibt, so gehört der Film zu den besten Werken Stuart Gordons, vermischt er darin doch gekonnt klassischen Grusel mit modernem Horror, wobei natürlich die unvergessliche Ganzkörpermaske des Castle Freaks (gespielt von Jonathan Fuller) eindeutig hervorsticht.

Im Jahr 2001 verfilmte Stuart Gordon Lovecrafts Roman „Schatten über Innsmouth“ unter dem Titel „Dagon“. Zwar vermengt Gordon den Roman mit den typischen Merkmalen des Teeny-Horrors, dennoch ist der Film eine Art Verneigung vor dem Meister der amerikanischen Horrorliteratur, indem sich Gordon stärker auf Lovecrafts Gesamtwertk bezieht als in seinen früheren Filmen

Stuart Gordon (1947 – 2020) wird für immer als der Regisseur in Erinnerung bleiben, der die Ideen H. P. Lovecrafts am eindrucksvollsten auf die Leinwand brachte. Nicht nur das, denn sein Stil prägt bis heute viele Regisseure.

Horror de Luxe: Trollhunter

„Troll!“ Und schon fliehen alle vor den unheimlichen Riesen, die Norwegens Wälder unsicher machen. Nur weiß niemand, dass es Trolle wirklich gibt, da die Regierung dies streng geheim hält. Als eine kleine Gruppe Studenten bei der Durchführung eines Filmprojekts auf den seltsamen Jäger Hans treffen, dessen Auto mit ominösen Krallenspuren überzogen ist, ist für sie klar, dass sie dem Geheimnis des Mannes auf die Spur kommen wollen.

Norwegens Kritiker waren gespalten, als André Øvredals „Trollhunter“ 2010 in die Kinos kam. Die einen bemängelten die Dramaturgie, die anderen waren mit den Spezialeffekten unzufrieden. Von Kritikern im Ausland wurde der Film dagegen eher positiv bewertet.

„Trollhunter“ ist im Stil einer Mockumantery gedreht und wurde daher mit „Blair Witch Project“ und „Cloverfield“ verglichen. Das Problem bei solchen Filmen ist stets, dass sie hätten besser sein können, wenn sie eben nicht im vermeintlichen Dokumentarstil gedreht worden wären. Und dasselbe trifft sicherlich auch auf „Trollhunter“ zu.

Ein Bergtroll greift an; „Trollhunter“ (2010); © Universal Pictures

Dennoch handelt es sich hierbei um ein recht witziges Monsterfilmchen mit durchaus überraschenden Spezialeffekten. Vor allem der Ton ist in dieser Hinsicht erstklassig, das Aussehen der Ungeheuer orientiert sich an klassischen Zeichnungen von Trollen, was zu einem weiteren positiven Aspekt führt: denn „Trollhunter“ vermischt auf geniale Weise Folklore mit Action und Horror. Wenn man sich auf die gewitzte Grundidee des Films einlässt, dann hat man 90 Minuten Spaß vor sich.

Was ein wenig nervt, sind die drei Studenten, die mehr herumhampeln als eine schauspielerische Glanzleistung abzuliefern. Dagegen spielt Otto Jespersen den Trolljäger Hans auf wirklich geniale Weise. Mit anderen Jungdarstellern hätte der Film wahrscheinlich noch besser funktioniert, so aber erscheinen die Protagonisten eher wie zweidimesnionale Abziehbilder. Die Stärken des Films liegen daher vor allem in den Szenen, in denen die Monster ihr Unwesen treiben.  Vor allem das Finale ist hierbei recht faszinierend.

Die koreanische Produktionsfirma CJ Entertainment hatte zusammen mit der US-Firma 1492 Pictures zunächst die Rechte für ein Remake erworben, jedoch wurde das Projekt wieder fallen gelassen. Anscheinend haben die Produzenten erst später gemerkt, dass es in ihren jeweiligen Ländern keine Trolle gibt und daher ein Remake sinnlos wäre. Was daher bleibt, ist sicherlich einer der außergewöhnlichsten Filme aus Norwegen.

Trollhunter. Regie u. Drehbuch: André Øvredal, Produktion: John M. Jacobson, Darsteller: Otto Jespersen, Hans Morton Hansen, Tomas Alf Larsen, Johanna Mørck, Urmila Berg-Domaas, Glenn Erland Tosterud. Norwegen 2010, 99 Min.

Horror de Luxe: Ghost Ship (2002)

„Ghost Ship“ (2002); Copyright: Warner Bros.

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön … Jedenfalls so lange, bis man auf ein unheimliches Geisterschiff stößt. Dies geschieht in dem Film „Ghost Ship“ aus dem Jahr 2002, von dem niemand so richtig weiß, ob es sich jetzt um das Remake von „Death Ship“ (1980) handelt oder nicht. Sicher ist nur, dass der Film eine weitere Produktion aus dem Hause Dark Castle ist, die versuchte, durch eine Reihe Remakes des berühmten Horrorregisseurs William Castle zu gedenken.

Regie führte Steve Beck, eigentlich ein Werbefilmer, der ein Jahr davor auch die Regie zu „13 Ghosts“ (2001) inne hatte – und dafür bereits schlechte Kritiken erhielt. Die Produzenten jedoch hielt dies nicht davon ab, ihn für ein weiteres Projekt zu engagieren, das, man höre und staune, ebenfalls schlechte Kritiken erhielt.

Aber, so schlecht ist „Ghost Ship“ eigentlich nicht. Zwar ist der Film kein bisschen gruselig, dafür aber ist er von Anfang bis Ende durchwegs unterhaltsam. Hinzu kommt eine recht gute Optik und eine schöne Mischung aus echten und CGI-Kulissen. Es geht um die Crew der Arctic Warrior, die von einem Fremden den Hinweis bekommt, dass mitten auf dem Meer ein verlassener Luxusliner treibt. Captain Murphy und sein Bergungstrupp hoffen auf einen großen Schatz. Doch als sie sich an Bord befinden, gerät ihr Aufenthalt zum Albtraum …

Um noch die Altersfreigabe „ab 16“ zu erhalten, verzichteten die Macher von „Ghost Ship“ auf allzu viel Blut. Fast im klassischen Sinn arbeitet der Film mehr mit Andeutungen als mit Splatter- oder Make-up-Effekten. Dies macht sich besonders am Anfang bemerkbar, als das berühmtberüchtigte Drahtseil durch die Passagiere fährt. Und eigentlich ist diese Hinwendung zur Andeutung auch das Besondere an „Ghost Ship“. Man versuchte, klassische Elemente mit modernen Aspekten des Horrorfilms zu verbinden, was durchaus gelang, wenn auch, wie bereits erwähnt, alles rein gar nicht gruselig vonstatten geht.

Weitaus besser als „13 Ghosts“ (das Remake des gleichnamigen Films aus den 50er Jahren), fällt der Film trotzdem weit hinter „House on Haunted Hill“ (1999) zurück. Spaß macht „Ghost Ship“ dennoch. Denn die kurzweilige Handlung tröstet angenehm über den fehlenden Gruselfaktor hinweg.

Ghost Ship. Regie: Steve Beck, Drehbuch: Mark Hanlon, John Pogue, Produktion: Joel Silver, Robert Zemeckis, Darsteller: Gabriel Byrne, Julianna Margulies, Ron Elgard, Karl Urban, Isaiah Washington. USA 2002, 87 Min.