Horror de Luxe: Ghost Ship (2002)

„Ghost Ship“ (2002); Copyright: Warner Bros.

Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön … Jedenfalls so lange, bis man auf ein unheimliches Geisterschiff stößt. Dies geschieht in dem Film „Ghost Ship“ aus dem Jahr 2002, von dem niemand so richtig weiß, ob es sich jetzt um das Remake von „Death Ship“ (1980) handelt oder nicht. Sicher ist nur, dass der Film eine weitere Produktion aus dem Hause Dark Castle ist, die versuchte, durch eine Reihe Remakes des berühmten Horrorregisseurs William Castle zu gedenken.

Regie führte Steve Beck, eigentlich ein Werbefilmer, der ein Jahr davor auch die Regie zu „13 Ghosts“ (2001) inne hatte – und dafür bereits schlechte Kritiken erhielt. Die Produzenten jedoch hielt dies nicht davon ab, ihn für ein weiteres Projekt zu engagieren, das, man höre und staune, ebenfalls schlechte Kritiken erhielt.

Aber, so schlecht ist „Ghost Ship“ eigentlich nicht. Zwar ist der Film kein bisschen gruselig, dafür aber ist er von Anfang bis Ende durchwegs unterhaltsam. Hinzu kommt eine recht gute Optik und eine schöne Mischung aus echten und CGI-Kulissen. Es geht um die Crew der Arctic Warrior, die von einem Fremden den Hinweis bekommt, dass mitten auf dem Meer ein verlassener Luxusliner treibt. Captain Murphy und sein Bergungstrupp hoffen auf einen großen Schatz. Doch als sie sich an Bord befinden, gerät ihr Aufenthalt zum Albtraum …

Um noch die Altersfreigabe „ab 16“ zu erhalten, verzichteten die Macher von „Ghost Ship“ auf allzu viel Blut. Fast im klassischen Sinn arbeitet der Film mehr mit Andeutungen als mit Splatter- oder Make-up-Effekten. Dies macht sich besonders am Anfang bemerkbar, als das berühmtberüchtigte Drahtseil durch die Passagiere fährt. Und eigentlich ist diese Hinwendung zur Andeutung auch das Besondere an „Ghost Ship“. Man versuchte, klassische Elemente mit modernen Aspekten des Horrorfilms zu verbinden, was durchaus gelang, wenn auch, wie bereits erwähnt, alles rein gar nicht gruselig vonstatten geht.

Weitaus besser als „13 Ghosts“ (das Remake des gleichnamigen Films aus den 50er Jahren), fällt der Film trotzdem weit hinter „House on Haunted Hill“ (1999) zurück. Spaß macht „Ghost Ship“ dennoch. Denn die kurzweilige Handlung tröstet angenehm über den fehlenden Gruselfaktor hinweg.

Ghost Ship. Regie: Steve Beck, Drehbuch: Mark Hanlon, John Pogue, Produktion: Joel Silver, Robert Zemeckis, Darsteller: Gabriel Byrne, Julianna Margulies, Ron Elgard, Karl Urban, Isaiah Washington. USA 2002, 87 Min.

 

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Retribution – Japans düstere Seite

Die Frau in Rot verfolgt Kommissar Yoshioka; Retribution (2006), © Sakebi Film Partners

Kiyoshi Kurosawa ist ein Regisseur der leisen Töne. Viele Filmkritiker stellen ihn daher auf dieselbe Stufe wie Hirokazu Koreeda, der vergangenes Jahr mit „Shoplifters“ die Goldene Palme erhielt. Obwohl Kiyoshi Kurosawa eher im Horrorgenre beheimatet ist, hat er mit Koreeda doch eine große Gemeinsamkeit: die Kritik an der japanischen Gesellschaft. Geht es bei Koreeda um Realismus, so gehen Kurosawas Filme stets über ins Surreale.

Auf diese Weise funktionieren Kurosawas Filme immer auf zwei Ebenen: zum einen als Horrorfilm, zum anderen als Sozialdrama. Dies zeigt sich vor allem in seinem Spielfilm „Retribution“, der von Takashige Ichise produziert wurde, der auch als Produzent hinter den Filmen „Ring“ und „Ju-On“ steckt, den beiden Überklassikern des modernen japanischen Horrorkinos. Es geht darin um eine sonderbare Mordserie, bei der Menschen in Salzwasser ertrinken. Während die Polizei nach einem Serienmörder sucht, befürchtet Kommissar Noboru Yoshioka mehr und mehr, dass er selbst etwas mit den Morden zu tun haben könnte.

Diese Befürchtung wird dadurch untermauert, da Yoshioka auf einmal von einer seltsamen Frau in Rot verfolgt wird. Yoshioka ist eine gebrochene Figur, die es in dem düstergrauen Tokio nicht länger aushält. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin möchte er daher nicht nur die japanische Hauptstadt,  sondern Japan ganz verlassen.

Wie gesagt, funktionieren Kurosawas Filme stets als Horrorfilm, als auch als Sozialdrama. Speziell in „Retribution“ gelingt es dem Regisseur hervorragend, beide Aspekte fießend miteinander zu verbinden. Er zeigt ein düsteres, trostloses Japan, in dem eine kalte Anonymität herrscht. Leere Straßen, verlassene Häuser, Fassaden, von denen der Putz abfällt, Wohnungen, die keine Heimeligkeit vermitteln, sondern Hoffnungslosigkeit und Verfall.

Yoshioka und seine Lebensgefährtin planen, ihr Leben zu ändern; „Retribution“ (2006); © Sakebi Film Partners

All dies dient Kurosawa dazu, die negativen Seiten der Moderne hervorzuheben, wobei er sich hierbei mit Hirokazu Koreeda deutlich überschneidet: Vereinzelung, Orientierungslosigkeit, Egoismus und damit verbundene soziale Kälte. Die Frage, die man sich dabei stellt, lautet, ob das Grauen nicht eher die moderne Gesellschaft selbst ist und weniger der Geist der Vergangenheit, der den Stadtteil, in dem Yoshioka wohnt, heimsucht.

Obwohl viele Kritiker „Retribution“ weniger gelungen halten, als Kurosawas andere Filme (wie z.B. „Cure“ oder „Real“), zeigt er dennoch Kurosawas Filmkunst in überaus ausgeprägter Form. Gut, über das Ende lässt sich sicherlich streiten, doch insgesamt ist es ein hervorragender Film, dem man durchaus mehr Beachtung wünscht.

Retribution. Regie u. Drehbuch: Kiyoshi Kurosawa, Produktion: Takashige Ichise, Darsteller: Koji Yakusho, Manami Konishi, Tsuyoshi Ihara, Joe Odagiri, Ryo Kase, Riona Hazuki. Japan 2006, 104 Min.

Horror de Luxe: Event Horizon (1997)

„Event Horizon“ (1997); © Paramount Pictures

„Wollen sie etwas Heißes, Schwarzes in sich haben? – Wollen sie einen Schluck Kaffee?“ Spätesten bei dieser Dialogzeile ist eines klar: Man befindet sich bereits mitten in der rasanten Handlung einer der SF-Horror-Perlen der 90er Jahre. Obwohl in den 90ern die Hollywoodkrise ihren Anfang nahm, kamen dennoch eine Reihe ganz passabler Filme in die Kinos – vor allem in die kleineren Kinos, denn ein Film wie „Event Horizon“ würde heutzutage entweder gleich auf DVD erscheinen oder von Netflix gekapert werden.

Damals aber wirkten die 80er Jahre noch immer irgendwie nach und vor allem die privat betriebenen Kinos waren froh, wenn sie ihr Stammpublikum mit Filmen wie „Event Horizon“ beglücken durften. Doch leider war diesem Film damals nicht der große Erfolg beschieden. Der Film spielte nicht einmal die Hälfte der Produktionskosten ein. Für Regisseur Paul W. S. Anderson war es nach „Shopping“ (1994) und „Mortal Kombat“ (1995) der dritte Spielfilm. Das Drehbuch schrieb Philip Eisner, der eigentlich Dozent für Drehbuchschreiben an verschiedenen Universitäten ist.

Die geniale Idee bei „Event Horizon“ ist zugleich ganz simpel: Eisner verlegte einfach die Aspekte des Geisterhausfilms in den Weltraum, und dies auf eine so überragende Weise, dass der Film einen immer wieder gefällt, selbst dann, wenn man sämtliche Dialoge auswendig kann. In dieser Hinsicht lässt sich auch die Handlung in wenigen Sätzen zusammenfassen: Die Besatzung eines Rettungsschiffs erhält den Auftrag, einem Signal nachzugehen, das in der Nähe von Proxima Centauri plötzlich aufgetaucht ist. Ursprung des Signals soll die Event Horizon sein, die vor sieben Jahren dort spurlos verschwunden ist. Tatsächlich finden Captain Miller und sein Team das Schiff. Zusammen mit Dr. Weir, der das Schiff und den Antrieb entworfen hat, gehen sie an Bord …

Erst vor wenigen Tagen, als das Foto eines Schwarzen Lochs durch die Medien geisterte, twitterte Sam Neill, der Dr. Weir spielt, dass er bereits dort gewesen sei. Alle SF-Fans waren darüber hellauf begeistert, war dies doch als nette Anspielung auf „Event Horizon“ gemeint. Dass der Film damals floppte, lag wahrscheinlich auch an der recht unglücklichen Ankündigung von Paramount, dass es sich dabei um einen unheimlichen Film handele, bei dem man die Bedrohung jedoch nicht wirklich sehen würde. Man könnte sagen, dass damit das Schicksal des Films bereits besiegelt war. Denn vor allem die voreingenommenen Filmkritiker konnten mit „Event Horizon“ nicht wirklich etwas anfangen.

„Event Horizon“ (1997); © Paramount Pictures

Wie gesagt, orientiert sich der Film am Geisterhausgenre, was dazu führt, dass er genauso auch funktioniert. Dementsprechend tauchen auch keine Monster auf, sondern die Besatzung des Rettungsschiffs hat es teilweise mit klassischen Spukphänomenen zu tun. Wenn dann etwas von außen gegen die Tür der Brücke der Event Horizon klopft, dann ist der Bezug noch deutlicher, handelt es sich dabei doch um ein Zitat aus dem Klassiker „Bis das Blut gefriert“ (1963).

Spannungsaufbau, Action und Dialoge erscheinen dabei wie aus dem Lehrbuch, was, wie bereits erwähnt, kein Wunder ist, gehört Philip Eisner doch zu den renommiertesten Dozenten für Drehbuchschreiben. Actionregisseur Paul W. S. Anderson tat sein Übriges und fertig war einer der unterhaltsamsten SF-Horror-Filme überhaupt – mit einem der besten Raumschiffdesgins. Der Film hat bis heute nichts von seiner Frische verloren. Die Darsteller sind voll bei der Sache und steigern sich gegenseitig richtig in ihre Rollen hinein, was dazu führt, dass ihre Lust am Spiel dem Film eine ungeheure Lebendigkeit verleiht. Kurz: „Event Horizon“ ist schlicht und ergreifend ein klasse Film.

Event Horizon. Regie: Paul W. S. Anderson, Drehbuch: Philip Eisner, Produktion: Lawrence Gordon, Darsteller: Laurence Fishburn, Sam Neill, Kathleen Quinlan, Jason Isaacs, Richard T. Jones, Sean Pertwee, Jack Noseworthy, Joely Richardson. England/USA 1997, 96 Min.

 

Horror de Luxe: House on Haunted Hill (1999)

Gleich passiert was! („House on Haunted Hill“ (1999); © Warner Bros.)

Mitte der 90er Jahre kam es zu einem erneuten Aufschwung des Horrorgenres, nachdem sich dieses Ende der 80er Jahre mit Ach und Krach verabschiedet hatte. Wes Cravens „Scream“ gilt hierbei als Startpunkt der neuen Welle, die bis heute anhält, wobei man heutzutage durchaus von einer neuen neuen Horrorwelle sprechen kann.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nachdem sich durch „Scream“ der Slasher-Movie wieder etabliert hatte, kam es Ende der 90er Jahre zu einer Vielzahl an Geisterhausfilmen, die sich an klassischen Motiven orientierten, diese aber mit neuen Effekten verbanden. Wen wundert es da, dass zwei davon Remakes von Horrorklassikern waren.

„Das Geisterschloss“ (1999; im Original „The Haunting“) ist ein Remake des Klassikers „Bis das Blut gefriert“ (1963; im Original ebenfalls „The Haunting“). Beides sind zugleich Adaptionen von Shirley Jacksons großartigen Roman „Spuk von Hill House“. Als zweites haben wir da „House on Haunted Hill“ (1999), bei dem es sich um das Remake des gleichnamigen William Castle-Films aus dem Jahr 1959 handelt – Castles Tochter Terry Castle produzierte das Remake mit.

Um es kurz zu machen: Das Remake besitzt zwar keineswegs den Charme des Originals, kann aber als selbständiger Film durchaus punkten. Zum einen zeigt Regisseur William Malone, wie gelungen man eine Story aus den 50er Jahren in die Gegenwart übertragen kann, zum anderen liefert er – ähnlich wie William Castle – eine rasante Achterbahnfahrt ab – nicht umsonst erweist sich die Achterbahn am Anfang des Films als ein Symbol für die restliche Handlung.

In der Tat rast die Story mit einem ungeheuren Tempo voran, was natürlich dazu führt, dass die einzelnen Figuren eher blass erscheinen. Hier nochmals zur Erinnerung: In „House on Haunted Hill“ geht es um Gäste, die in ein bizarres Haus eingeladen werden, um an einer Geburtstagsparty teilzunehmen. Doch nach und nach geschehen dort unheimliche Dinge und ein Gast nach dem anderen wird Opfer eines unbekannten Täters. Alle nehmen an, dass der Täter niemand anderer als Steve Price ist, der seine Frau umbringen möchte. Anscheinend aber besitzt das Haus ein rätselhaftes Eigenleben.

Schön bei dem Remake ist, dass der Film das Jugendstildesign des Gebäudes vom Original übernimmt. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass das Haus in der William Castle-Version eine Villa ist, während es sich bei dem Gebäude im Remake um eine Art Hochhaus handelt, in der früher einmal eine Klinik für Geisteskranke untergebracht war.

Witzig ist, dass Geoffrey Rush, der Steve Price spielt, sein Aussehen dem des Regisseurs John Waters nachempfinden wollte. Daher waren er und die Crew überrascht, als es überall hieß, er sehe in dem Film wie Vincent Price aus. In der Tat muss man bei manchen Szenen zweimal hinschauen, denn die Ähnlichkeit zwischen Rush und Price ist in dem Film gelegentlich wirklich enorm.

Auf alle Fälle scheinen alle Beteiligten viel Spaß beim Dreh gehabt zu haben, was auch im fertigen Film schön rüberkommt. Die schnelle Handlung und die witzigen Dialoge liefern eine schwarzhumorige Unterhaltung, bei der neben Geoffrey Rush Famke Jansen als seine Ehefrau auftritt. Zusammen mit den Gästen, wirkt dies wie eine Horrorversion von Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“, was vielleicht so gewollt ist, auf jeden Fall aber sehr schön funktioniert.

In ein paar Einstellungen ist auch Jeoffrey Combs als wahnsinniger Psychiater zu sehen. Leider kommt seine Rolle nicht wirklich zur Geltung, sondern geht mehr oder weniger im Trubel des gesamten Films unter. Trotz der eher schlechten Kritiken von damals, ist „House on Haunted Hill“ ein wirklich nettes und witziges Horrorfilmchen, das zwar kein bisschen gruselig ist, davor aber wirklich Spaß macht.

House on Haunted Hill. Regie: William Malone, Drehbuch: Dick Beebe, Produktion: Robert Zemeckis, Joel Silver, Darsteller: Geoffrey Rush, Famke Jansen, Taye Diggs, Ali Larter, Bridgette Wilson, Peter Gallagher, Chris Kattah. USA 1999, 89 Min.

 

Horror de Luxe: Die Prophezeiung (1979)

Pu der Bär einmal anders; „Die Prophezeiung“ (1979); © Paramount Pictures

Als „Die Prophezeiung“ von Regisseur John Frankenheimer 1979 in die Kinos kam, wurde er von manchem Kritiker als schlechtester Film aller Zeiten bewertet. Frankenheimer selbst schob damals alles auf seine Alkoholprobleme. Und dennoch: „Die Prophezeiung“, wobei in dem Film überhaupt nicht klar wird, was das eigentlich für eine Prophezeiung sein soll, ist Unterhaltung pur.

Einerseits verhaftet im typischen Tierhorror der 70er Jahre, geht der Film noch einen Schritt weiter, indem er keine „normalen“ Tiere zeigt, die es auf die Menschheit abgesehen haben, sondern einen mutierten Monsterbären, der durch die Wälder Maines streift und Wanderern und Holzfällern eines auf die Rübe gibt.

Während die dort ansässigen Indianer einer Papierfabrik die Schuld für diverse Todesfälle geben, weist Isley, der Chef der Fabrik, sämtliche Schuld von sich. Schließlich soll der Mediziner Robert Verne untersuchen, ob durch die Fabrik Giftstoffe in die Erde bzw. ins Wasser gelangen. Zusammen mit seiner Frau macht er jedoch unliebsame Bekanntschaft mit einem Monsterbären, der Jagd auf sie macht …

Wie gesagt, der Film ist Unterhaltung pur. David Seltzer, der das Drehbuch zu „Das Omen“ verfasst hat, schrieb auch das Skript für diese Mischung aus Trash und Öko-Horror-Thriller. In dem Monsterbärenkostüm steckte Kevin Peter Hall, der Ende der 80er Jahre auch in die Ganzkörpermaske des Predator schlüpfte. Leider wollte John Frankenheimer, dass das Monster mehr wie ein Bär als wie ein echtes Monster aussehen soll, was dem Aussehen der Kreatur ein wenig schadet.

Was den Film letztendlich so bemerkenswert macht, ist, dass hier eine teils tolle Optik mit teils albern gefilmten Situationen kombiniert wurde – ein echtes Paradoxon, aber Frankenheimer und sein Team haben es geschafft. Dies führt dazu, dass manche Szene, in der das Monster seine Opfer angreift, unfreiwillig komisch wirkt. So zum Beispiel die Szene, in der ein Junge in einem Schlafsack davonhüpft und dabei eines von dem Monsterbären verpasst bekommt, sodass er gegen einen Felsen geschleudert wird. Obwohl die Szene ernst gemeint war, fällt man jedes Mal, wenn man sie sieht, vor Lachen halb vom Stuhl.

Die Öko-Botschaft scheint den Machern von „Die Prophezeiung“ auch nicht so wichtig gewesen zu sein. Sie brauchten nun mal einen Aufhänger, um damit den Monsterfilm besser vermarkten zu können. Das Augenmerk liegt ganz klar auf Monster-jagt-Menschen-durch-den-Wald. Von Anfang an legt der Film dabei ein rasantes Tempo vor. Wenn man einen Vergleich mit einem anderen Film suchen müsste, so würde mir daher als erstes „Komodo“ (1999) einfallen, der nicht weniger eine Mischung aus Trash, guter Optik und rasanter Handlung aufweist.

„Die Prophezeiung“ hat es jedenfalls geschafft zu einer Art Trash- und Monsterklassiker zu werden. Damals war der Film ein großer Erfolg, trotz aller schlechter Kritiken. Zugleich war „Die Prophezeiung“ einer der ersten Hollywoodfilme, der in Kanada gedreht wurde und die dortige Filmwirtschaft ankurbelte.

Die Prophezeiung (OT: The Prophecy). Regie: John Frankenheimer, Drehbuch: David Seltzer, Produktion: Robert L. Rosen, Darsteller: Talia Shire, Robert Foxworth, Armand Assante, Richard Dysart. USA 1979, 98 Min.

Horror de Luxe: Apartment 1303 (2007)

Mariko (Noriko Nakagoshi) hat einen unliebsamen Mitbewohner (Apartment 1303; © MonteCristo International)

Wie wurde nicht über diesen Film hergezogen. Dass er amateurhaft sei, dass die Schauspieler schlecht seien und so weiter und so fort. Dementsprechend skeptisch ging ich an „Apartment 1303“ heran – und war überrascht, was für ein hervorragender Film dies doch ist.

„Apartment 1303“ stammt aus der Endphase von J-Horror, sprich aus dem Jahr 2007. Natürlich existiert J-Horror weiterhin, doch ist die Glanzzeit dieses Genres, das 1998 mit „Ring“ begann, vorbei – ab 2007 dümpelte J-Horror dann auch eher vor sich hin, anstatt weitere Meisterwerke zu liefern. Wie man es sich bei dem Titel denken kann, geht es um eine unheimliche Wohnung in einem Bau namens Blue Palace. Immer wieder haben dort junge Frauen Selbstmord begangen. Als auch Marikos Schwester sich aus unerklärlichen Gründen das Leben genommen hat, versucht sie, hinter das Geheimnis der Wohnung zu kommen.

Originalolakat von „Aparment 1303“

Der Film fasziniert von Anfang an durch seine unglaublich gute Optik. Regisseur Ataru Oikawa hat bereits in „Tomie“ (1999) gezeigt, dass ihm in Sachen Bildkomposition nicht jeder die Hand reichen kann, und genau diese Kunstfertigkeit setzt er in „Apartment 1303“ fort. Elegante Kamerafahrten, sorgfältige Einstellungen, eine wundervolle Farbgebung und nicht zuletzt ein erstklassiger Sound sorgen dafür, dass einen der Film vollkommen in seinen Bann schlägt.

Dabei kommt die Handlung unglaublich düster daher. Die Hintergrundgeschichte besitzt einerseits eine tiefe Tragik, andererseits nimmt sie Aspekte urbaner Legenden für sich in Anspruch. Die Kombination aus beidem macht die Geschichte überaus interessant. Besonders deshalb, da es Oikawa in „Apartment 1303“ um eine vehemente Gesellschaftskritik geht. Er zeigt zerstörte Familien, alkoholkranke Mütter, Misshandlung von Kindern. Alles in allem also harter Tobak, besonders für eine Gesellschaft, in der letzt genannter Punkt immer wieder unter den Teppich gekehrt wird.

Mariko (Noriko Nakagoshi) vor dem Blue Palace; (Apartment 1303; © MonteCristo Inernational)

Aus all dem schafft Oikawa ein kleines optisches Meisterwerk, in dem er auch eine leise, aber witzige Liebesgeschichte miteinwebt. Gut, bei einer Szene, in der Studenten von einer Geisterfrau heimgesucht werden, kratzt Oikawa etwas arg am Trash. Doch stört dieses kleine Zwischenspiel kaum. Anscheinend war den Produzenten der Film zu ruhig, sodass sie Oikawa drängten, ein bisschen mehr Hektik in das Ganze zu bringen.

Nein, die negativen Kritiken kann ich kein bisschen nachvollziehen. „Apartment 1303“ ist ein schöner Geisterfilm, der am Ende sogar klassische Züge annimmt, was einem noch mehr für diesen Film einnimmt. Wer sich diesen Film ansehen möchte, sollte dies übrigens im japanischen Original tun, da die deutsche Synchro den Schauspielern nicht wirklich gerecht wird. – Eine kleine, aber feine Perle des japanischen Horrorfilms.

2012 drehte übrigens Michael Taverna das gleichnamige Remake, landete damit aber nicht nur einen Flop, sondern wurde von negativen Kritiken nur so überhäuft.

Aparment 1303. Regie u. Drehbuch: Ataru Oikawa, Produktion: Chiaki Harada, Darsteller: Eriko Hatsune, Yuka Itaya, Noriko Nakagoshi, Naoko Otani, Arata Furuta. Japan 2007, 91 Min.

Horror de Luxe: Leprechaun (1993)

Wer ein bisschen in den 90er Jahren herumgräbt, der wird irgendwann einmal auf das witzige Horrorfilmchen „Leprechaun“ von Regisseur Mark Jones stoßen, bei dem selbst die Produzenten sich wunderten, dass er an den Kinokassen ein so großer Erfolg wurde.

Von den Filmkritikern völlig verrissen, wurde „Leprechaun“ dennoch zu einer Art Kultfilm, der fünf weitere Filme nach sich zog, von denen jedoch alle nicht mehr der Rede wert sind. „Leprechaun“ dagegen ist eine wahre Trashperle, die von Anfang an köstlich unterhält. Es geht darin um einen Schatz, bestehend aus 100 Goldmünzen, den Dan O’Grady aus Irland nach North Dakota bringt. Dummerweise aber hat er diesen Schatz einem Leprechaun, einem Kobold, abgenommen, und dieser ist ihm bis in die USA gefolgt – mit üblen Konsequenzen für O’Grady und dessen Frau.

Ein paar Jahre später zieht Tory zusammen mit ihrem Vater in das leer stehende Haus der O’Gradys. Bei den Renovierungsarbeiten findet der Anstreicher Ozzie den Goldschatz, was dazu führt, dass von da an Tory und die Handwerker von dem Leprechaun verfolgt werden.

Viele Kritiker wunderten sich damals, dass es sich bei „Leprechaun“ tatsächlich um einen Kinofilm handelte. Denn die Produktion wirkt eher, als wäre sie allein für den Videomarkt gedreht worden. Auch unterliefen dem Regisseur allerhand Fehler, die er aber einfach beibehielt, in der Hoffnung, dass sie niemand merkt. Ein Beispiel wäre das Telefon, mit dem Tory die Polizei anruft, um kurz darauf festzustellen, dass sie niemanden anrufen können, da das Telefon kaputt sei.

Witzig auch der Kostümfehler in der Szene, in der Ozzie zusammen mit Alex einen Juwelier aufsucht, um eines der Goldstücke schätzen zu lassen. Die Hosenträger des Juweliers haben sich auf der Rückseite vom Hosenbund gelöst. Kurz darauf sind sie wieder befestigt. Unerwähnt lassen darf man auch nicht die unglaublich schlechte Montage des Films, die an manchen Stellen fast schon weh tut. All diese Merkmale lassen „Leprechaun“ daher eher in die Kategorie Trash fallen, als in die des Horrorfilms.

Doch im Zentrum der Aufmerksamkeit steht natürlich der Leprechaun selbst, köstlich gespielt von Warwick Davis. Die Koboldmaske und das Kostüm sind hervorragend und stehen im vollen Gegensatz zum eigentlichen Film. Gelungen ist ebenfalls, wie Mark Jones, der u. a. auch die TV-Serie „Knight Rider“ mitproduzierte, die Legendenmerkmale des Leprechauns in die Handlung des Films eingewebt hat. So muss der Leprechaun z.B. sofort Schuhe putzen, wenn er welche sieht, was sich in einer Szene Tory und ihre Freunde zunutze machen.

Der Film spielte an den Kinokassen beinahe das Zehnfache seiner Produktionskosten ein. Bei den nachfolgenden „Leprechaun“-Filmen war Mark Jones zwar noch als Drehbuchautor und Produzent tätig, führte aber selbst nicht mehr Regie.

Leprechaun. Regie u. Drehbuch: Mark Jones, Produktion: Jeffrey B. Mallian, Darsteller: Warwick Davis, Jennifer Aniston, Ken Olandt, Mark Holton. USA 1993, 92 Min.